Das reduzierte Leben beginnt

Corona hat das geschafft, was so viele ökologische und nachhaltige Konzepte und Impulse seit Jahren und Jahrzehnten fordern: Eine Reduktion der überdynamisierten und durchökonomisierten Gesellschaft. Alles ist irgendwie zittrig und kurzatmig geworden. Für das Klima und die Weltkugel war 2008/09 ein Erholungsjahr dank der Finanzkrise. Die CO²-Ausstöße reduzieten sich auf ein normales Maß. Für „die Wirtschaft“ war es ein Desaster. Sagen alle. Es wurde damals nicht im Sinne von „weniger“ gelernt. Nein, noch mehr, noch größer, noch internationaler, damit der Dollar, der Rubel, der Euro rollt.

Das Stopp-Schild

Jetzt hält Corona wieder ein Stopp-Schild in die Höhe. Wir wissen und spüren, was auch durch FridaysForFuture bewusst gemacht wird, dass diese unglaubliche Internationalisierung des Marktes, des Geldes, der Waren und der Menschen Schattenseiten hat. Gestern war auf Twitter zu lesen: „Und dann stellten sie fest, dass Dienstreisen und Präsenzkultur nicht nur nicht unabdingbar, sondern auch umweltschädigend waren. Und dass man seine Jobs auch Nine to Five erledigen kann. Und wieviel Zeit für anderes bleibt. Und was das andere alles sein kann.“ Es wird gerade anders. Schade, dass gerade die Kleinkultur mit den 100 Personen als erstes beschränkt wird. Dort sind schon so viele „neue und zukünftige Projekte“ entstanden. Es werden jene, die die „Feinstruktur“ unserer Gesellschaft lebendig machen, wieder einmal als erste eingeschränkt. Daneben schnürt sich die Wirtschaft schon wieder 100er Millionen von unserem Steuergeld, „um unter die Arme zu greifen“. Ist ja gut, aber bitte nicht nur dort. Die innere Logik des Katastrophen-Kapitalismus ist zu spüren. Nach der Krise, der Katastrophe sind die Reichen reicher und der Staat hat jene mit unserem Geld gerettet, die ohnehin selber ein Rettungsboot hätten. KünstlerInnen und Selbstständige am Prekariat entlang werden alle Resilienz bei sich selber mobilisieren müssen. Dabei sind das jene Menschen und Milieus, die einen neuen Lebensstil andeuten, sichtbar und erlebbar machen. Regionale Kleinstruktur heißt es anzusteuern. Das gibt es ganz viele Möglichkeiten, vom Essen bis zum Urlaub. Das Weniger wird eine Befreiung.

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