Der Linzer Weg. Ausgesetzt und viel begangen

Nicht immer spielt das Wetter mit. Der Dachstein war das Ziel und gegangen sind wir den Linzer Weg. Dichter Nebel vor der Adamek-Hütte (2.196m) hat die Pläne durchkreuzt. Wir warten noch zwei Stunden und wollen der Sonne eine Chance geben. Hüttenkolleginnen haben schon am Vorabend unseren Optimismus gedämpft. Nein, sie kommt nicht – sicher nicht auf den Dachstein. Veronika und ich sind also ein drittes Mal gescheitert. Asl Elfjährige waren ihre Füsse zu kurz, als Vierzehnjährige waren wir ohne Steigeisen aufgestiegen und am Nadelöhr extrem viele BergsteigerInnen und deshalb haben wir umgekeht. Jetzt ist es das Wetter. „Auch Gerlinde Kaltenbrunner ist am Vortag am K2 umgegkehrt“, weiß Veronika. Um 10 Uhr ist klar. Wir steigen nicht einfach wieder zu den Gosauseen ab, sondern gehen den Linzer Weg hinüber zur Hofpürgel-Hütte.

Die erste Hälfte ist anspruchsvoll

Vor Jahren bin ich diesen Weg mit Jugendlichen der Dompfarre gegangen. Er erscheint auf der Karte gar nicht so weit, hat es aber „in sich“. 4-5 Stunden sind angeschrieben. Gerade der erste Teil ist mit Klettereien (seilgesichert) und wirklich ausgesetzten Stellen „bereichert“. An diesem Tag sind wir fast alleine. Nach zwei Stunden kommt uns nach dem Hochkesseleck (2.283m) ein junges Paar entgegen. Die Frau blickt ganz entzückt auf und meint: „Oh, Menschen!“. Dieses Stück des Weges ist sicherlich ganz wenig begangen. Wir kommen dann durch die steile Reissgang-Scharte (1.954m) „hinter den Gosaukamm von Norden aus gesehen“ und zur Abzweigung nach Filzmoos. Bis dorthin sind uns in den 3 Stunden bei halbwegs gutem Wetter auf dieser Höhe nur 5 Menschen begegnet.

Das vielbegangene Stück

Gleich bei der Abzweigung nach Filzmoos sitzen acht junge Männer und warten auf den Nachzügler. Sie kommen von der Hofpürgel-Hütte (1.705m) und gehen „die kleine Runde“. Sie besteht aus dem Aufstieg vom Parkplatz zur Hütte, einer Stunde Übergang und dem Abstieg zum Parkplatz. Wir biegen um eine Kurve und sehen eine ganz Kolonne Jugendlicher auf uns zukommen. Natürlich sind wir neugierig und erfahren, dass 90 Jugendliche aus Tegernsee in Bayern auch „diese Runde“ gehen. Nicht alle waren begeistert und es ist interessant, den jungen Menschen ins Gesicht zu schauen. Ich schätze, dass etwa 10 % diesen Weg mit Lust gehen. Interessant wäre, wie viele als Erwachsene wieder in die Berge kommen. Diese eine Stunde bis zur Hütte ist „fast wie in Kirchschlag, wenn es schön ist und unten in Linz der Nebel liegt“. Immer wieder ausweichen und Platz geben für die Entgegenkommenden.

Bischofsmütze bröckelt weiter

Auf der Hütte entscheiden wir, dass wir den Gosaukamm „umgehen“. Wir nehmen nicht den Steiglpass zurück zum Ausgangspunkt, sondern lassen die abbröckelnde Bischofsmütze rechts liegen. Mir ist noch gut in Erinnerung, wie vor Jahren ein ganz großer Teil der Mütze heruntergestürzt ist. Heute bröckelt sie klein weiter. Aufgrund des einfallenden Nebels ist uns der Blick auf die Bischofmütze auch nicht möglich. Wir  gehen hinüber zur Theodor-Körner-Hütte, weiter zur Gablonzer auf der Zwiselalm. Dieser Weg hat wunderschöne Passagen mit einer wunderbaren Fernsicht nach Süden. Er beansprucht auch „seine Zeit“. Im Schatten des Donnerkogels beginnt es dann zu regnen und Der Abstieg zum Gosausee ist daher mit großer Achtsamkeit zu gehen. Der Weg ist allerdings ganz neu gerichtet. Ein großer Dank an die „WegmacherInnen“.

Nach 9 Stunden sind wir beim See, sind trotz Regen noch kurz drinnen geschwommen und dann ins Mühlviertel aufgebrochen. Nicht am Dachstein, aber einen schönen langen Tag am „Linzer Weg“. Und damit bin ich am vorletzten Urlaubstag wieder in der Diözese angekommen.

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