Gemeindezusammenlegung auch Signal für die Pfarren?

Die Industriellenvereinigung wird nicht müde, zusammen mit einigen Medien die Diskussion über die Gemeindezusammenlegungen am Leben zu erhalten. In einer IMAS-Umfrage im Auftrag der IV schließen sich 36 Prozent der Befragten der Meinung an, dass Gemeinden zusammengelegt werden sollten. 55 Prozent geht dieser Schritt zu weit. Neun Prozent haben dazu keine Meinung. Wird die Industriellenvereinigung „weiterbohren“ trotz breiter Ablehnung?

Je kleiner, desto näher am Menschen

Gerade bei meinem Stadtpilgern ist mir immer wieder klar geworden, welche Unterschiede in den Gemeinwesen von Stadt und Land sind. Hier ist tendenziell (nie einfach pauschal gemeint!) Anonymität und unübersichtliche Beliebigkeit spürbar. Dort ist ein Wissen voneinander und ein Verantwortungsnetz erlebbar. Natürlich hat beides seine Vor- und Nachteile. In jedem Fall ist die Verwaltung in der Stadt weit weg und auch die Verwaltungsbediensteten sind anonym. Das ist in den kleinen Gemeinde anders. Dort kann individuell und berechenbar vorgegangen werden. Der Mensch ist keine Nummer (selbst wenn er die Gemeindeabgabe entrichtet), sondern hat ein Gesicht.

Pfarren als pastorale und soziale Knotenpunkte vor Ort

In der Diözese ist auch das eine oder andere Mal in der Leitungsebene „Zusammenfassen“ oder „Zusammenlegen“ zu hören. Die Diözese täte es aus der Sicht des Priestermangels. Nun ist aber Kirche nicht nur dort, wo ein Pfarrer ist, sondern dort wo sich Christen als Katholiken den Grundaufgaben des Evangeliums Jesu verpflichtet fühlen: Es braucht so nahe wie möglich am Menschen eine helfende Hand, eine gute Weitergabe des menschenfreundlichen Glaubens, eine überschaubare Gemeinschaft geprägt von den Eckpfeilern der Seligpreisungen und ein Feiern der Gottesgeheimnisse in den verschiedenen Formen der Liturgie. Die Getauften, auch beauftragte Getaufte sind die eigentlichen TrägerInnen dieser „jesuanischen Realität und Hoffnung“. Es wäre die absolut verkehrte Richtung, in die die Diözese hier mitginge, wenn sie an „Zusammenlegen“ denkt. Es geht vielmehr um die Stärkung des Lebenswillen der einzelnen Gemeinden vor Ort. Die Rolle der Geweihten ist dort keine exklusive, sondern eine inklusive.

Klein schlägt Groß

Selbst wenn Gemeinden zusammengelegt würden, müßten die Pfarrgemeinden in jedem Fall als „örtliche Biotope des Glaubens gefördert werden“. Also auch hier: Wehret den Anfängen. Die Nähe zum Menschen ist DER Erfolgsfaktor für das Evangelium. Deshalb soll alle Energie in den Lebenswillen der Pfarrgemeinden investiert werden. Noch dazu wissen wir: Die kleine Einheit schlägt die große. Das ist nicht nur bei der Feuerwehr so.

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