Gemeinschaftlich geprägte Pluralität und Vielfalt der Ordensgemeinschaften als Heimat für „Postchristen“

Josè Casanova ist ein Name, der in den letzten Tagen durch fast alle Medien „gegangen“ ist. Als führender Religionssoziologe hat er den „Theologeischen Preis“ der Salzburger Hochschulwochen bekommen. In seiner Dankesrede hat er dem „Aggoirnamento“ das Wort geredet gegen eine „fundamentalistische Kehrtwende“. Auch die Frage des Stellenwertes der Frauen in der katholischen Kirche hat er als fundamental bezeichnet und sie mit der sozialen Frage des 19. Jahrhunderts verglichen. Auch dort hat sich die Hierarchie zuerst geweigert und dann „die Kurve gekratzt“ (wie wir salopp sagen würden). Ähnliches erhofft er sich in Weitergehen bei der Frauenfrage.

Wie können aus europäischen Postchristen wieder Kirchenmitglieder werden?

In den Salzburger Nachrichten hat Casanova Josef Bruckmoser ein sehr erhellendes Interview gegeben. Bruckmoser titelt in Anspielung auf die Aussage von Casanova, woher der nächste Papst kommen müsse: Jesus war kein Europäer. Das Interview ist absolut lesenswert. Was mich natürlich weiter angezogen hat, waren die beiden Fragen links unten in einem eigenen Kasten unter dem Titel „Vorbild Orden“. Keine Volkskirche für alle – so sind die beiden Fragen getitelt.  Wo wird das europäische Christentum in 20.30 Jahren sein? Casanova: „Die Kirchen sind zwischen zwei Modellen gespalten. Auf der einen Seite sagt die katholische Kirche, die europäische Kultur ist eine allgemein christliche Kultur, wir haben Anspruch darauf. Andererseits gibt es eine Strömung, die sich eher als Sekte versteht: Die Kirche soll rein und heilig sein, es sollen nur die dazugehören, die wirkliche Christen sind.“ Wie können aus europäischen Postchristen wieder Kirchenmitglieder werden? Casanova: „Die Zukunft kann nicht mehr eine Volkskirche für alle sein, sondern es geht um Gemeinschaften. Das erfordert eine große Pluralität innerhalb der Kirchen, eine große Vielfalt. Ein Beispiel sind die Ordensgemeinschaften. Die wissen, dass FranziskanerInnen anders sind als DominikanerInnen. Sie respektieren das gegenseitig und haben einen weiten Begriff der Tradition – im Gegensatz zu den streng konservativen Kräften, die mit Tradition nur die Kirche vor 50 oder 100 Jahren meinen.“

In der Weite und Unterschiedlichkeit liegt die „Heimat“ der „Postchristen“. Die Ordensgemeinschaften in ihrer Vielfalt verstehen sich als „Andockstellen“, als „Free WLAN“ in eine lebendige Gottesbeziehung und in die Möglichkeit zur Verknüpfung in ein WIR, eine „community“.

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