Großartige, völlig integere, kirchlich loyale, weltoffene Bischöfe ein Dorn im Auge?

Die Stadt Wien ist wirklich schön und ich gestehe, dass ich Gefallen finde, hier zu sein. Ich gestehe aber auch, dass es mich hinauszieht auf die Berge und die weiten Landschaften, wenn die Herbstsonne alles in Gold taucht und die Nebel den weiten Blick verstellen. Dann breche ich auf wie letzten Freitag. Der Traunstein ragt weit in den Himmel und heraus aus dem Nebelmeer. Unten ist es kalt und je höher ich steige, umso höher die Temperaturen. Die Beine sind heute schwer und ich weiß nicht genau, warum. Der Kopf trägt ab der Mitte ein Anliegen mit, das vielleicht die Beine auch schwer macht. Auf der Hütte klärt sich aber: Es ist der Föhn. Aber nicht nur.

Und doch macht eine Personalentscheidung in Rom die Beine schwer

Am  Tag vor dem Aufstieg hat sich durchgesprochen, dass Erzbischof Tobin von der Kongregation für Ordensleute abberufen und nach Indianapolis versetzt worden ist. Das hat in den österreichischen Ordensgemeinschaften Unverständnis bis tiefe Empörung ausgelöst. In einem Email meint einer: Roma locuta – causa kaputta!  P. Voith will als Redemptoristen-Kollege nicht länger schweigen. Die Öffentlichkeit soll wissen, dass diese Vorgehensweise Roms auf totales Unverständnis stößt. Alles das, was schließlich hinausgegangen ist, ist auch über den Berg mitgegangen. Dieser Presseerklärung  drückt alles aus, was Beine schwer macht. „Sind diese großartigen, völlig integeren, kirchlich loyalen, weltoffenen und für die heutige Zeit aufgeschlossenen Bischöfe gar ein Dorn im Auge?“ Diese Frage lässt schneller atmen und den Rucksack schwer werden, weil sie nicht klar mit „Nein“ beantwortet werden kann. Sie sind für die jetzige römische Kirche ein Dorn und deshalb werden sie „beseitigt“. Ordensleute erlebe ich als „gstanden“ und „geduldig“, aber mit einem „mutigen und unerschrockenen Wesen“. Aber hier spürt man: Das kann so nicht sein. Hier muss gesprochen werden.

Es gibt ein anderes Rom

Relativ zeitgleich wird bekannt, dass eine Österreicherin die weltweite Leitung der Salvatorianerinnen übernimmt: Sr. Edith Bramberger aus Steyr wird zur Generaloberin gewählt und „es gilt“. Während Diözesen auf einen Bischof warten und angstvoll dahinzittern, wer geschickt wird, ohne eine Möglichkeit zur transparenten Einflussnahme. Bei Ordensgemeinschaften wird gewählt und Verantwortung übergeben. Jahrhundertelang. „Demokratie“ im ursprünglichen Sinn. Männer und Frauen werden gewählt, um den Dienst an der Einheit und Weiterentwicklung des Ordensauftrages zu tun. Ist das nicht ein gutes Beispiel? Fast alle dieser weltweiten VerantwortungstägerInnen haben ihr Zentrum in Rom, im anderen Rom. Großartige, völlig integere, kirchlich loyale, weltoffene Frauen und Männer als VerantwortungsträgerInnen sind kein Dorn im Auge. Im anderen Rom.

 

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