Jakobsweg als „Südosttangente der Esoteriker“

Fiffi Pissecker von den Hektikern ist in 38 Tagen den Jakobsweg von Pamplona  bis Santiago gegangen. Im Rosengarten hat er am 24. August 2010 sein Resumee unter dem Titel „Ich kenn sie! Wer sind sie?“ als Soloprogramm präsentiert. Seine Erlebnisse waren natürlich kabaretistisch aufbereitet, anhand von  Fotos als Markierung erzählt und mit akustischen Effekten unterlegt. Als einer, der selber 52 Tage zu Fuss unterwegs war, konnte ich viele Erfahrungen und Erlebnisse mitspüren und nur bestätigen. Ich habe den Abend genossen.

Telefonate mit Gott

Ein Beichtstuhl in einem Hotel hat Pissecker auf die Idee gebracht, Gott selbst mittels Anruf über Handy in das Programm eingreifen zu lassen. Das  Beichtsuhlgehäuse war dort als Telefonzelle in Verwendung.  Gott musste den Pilger direkt von einem Bordell, in das er zufällig gekommen war, herausholen. Ein Anruf kam auch prompt, als der Pilger vor der Tagesettape über den höchsten Berg Dopping angeboten bekommt. Gerade auch die lustigen Erlebnisse konnte Pissecker auf der Bühne mit dem Publikum genießen. Die Bekanntschaft mit zwei Esoterikern brachten ihm auch die Erkenntnis, „dass der Jakobsweg die Südosttangente für Esoteriker ist“. Manches von dem, was er erlebt hat, war ihm „esohysterisch“ vorgekommen. Sein „Geister-Pilger“, der ihm entgegengekommt, war ihm auch eine Geisterfahrermeldung wert.  Sehr tiefsinnig allerdings immer wieder zu spüren und auch am Schluss ausgesprochen: „Gott wird dich nicht fragen, was du getan hast, sondern fragen, warum du so vieles nicht gemacht hast.“ Somit hat er meiner Einschätzung nach den wichtigeren Teil des Schuldbekenntnisses in Erinnerung gerufen: Gutes unterlassen und Böses getan. Berührend am Schluss des Programms das Gespräch mit seinen sehr früh verstorbenen Vater.  Ich kenne das von meinem Gehen: Laut gesprochene Dialoge – mit dem Papst, dem Bischof, der Frau, den Kindern, Freunden und zum Beispiel der „Weltwirtschaft“.

Wer alleine unterwegs ist, hat die Chance, „mit Gott zu telefonieren“.

Am Rückweg zum Parkplatz höre ich hinter mir vier Besucher sagen: „Genauso stelle ich mir den Jakobsweg vor.“

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