Wenn Raften auf der Salza zum Bild für die Kirche wird

Zwölf Frauen und Männer. SeelsorgerInnen in Linz. Zwei Boote. Eines davon etwas kleiner und ohne Guide. Die Fahrt durch die Schlucht an der Salza ist das Ziel. Fast alle tun dies zum ersten Mal. Ungewohnte Erfahrungen und Erlebnisse stehen an. Neuland bzw. Neuwasser wird betreten. Ein gutes Bild für die Kirche heute.

Einkleidung und Trockentraining

Es beginnt mit der Entkleidung und dem Anziehen eines Neoprenanzuges. Die Schwimmweste muss gut sitzen. Ungewohnt für Neulinge, bekannt für den Taucher unter uns. Einschulung bei den Booten. Trockentraining und Erzählungen davon, was alles passieren kann und wie wir uns einander am besten helfen können. Der Guide ist Sportstudent und macht uns Mut. Er braucht uns aber alle zusammen bei der Fahrt auf dem unruhigen Wasser auf der Salza und durch die Schlucht. Jede und jeder wird gefordert sein. Wer sitzt vorne, wer in der Mitte, wer wagt sich in das kleine Boot? Verdutzte und doch vertrauensvolle Blicke. Jede und jeder lässt sich im 5° kalten Wasser treiben, damit wir das neue Lebenselexier Wildwasser kennenlernen. Es wird schon gut gehen. Die Boote kommen ins eiskalte Wasser. Sofort treibt die Strömung die Boote los. Es geht sofort zur Sache.

Gefahrenstellen, Ruhigwasser, Sprungstellen und wunderbare Umgebung

Ohne Erfahrung treibt das kleine Boot voll in die erste Gefahrenstelle und einer „geht ins Wasser“. Eine absolut gefährliche Situation und alle sind sich der Herausforderung, der Eigendynamik des Wildwassers bewusst. Ermutigung vom Guide und Sensibilität der Rafter. Gemeinsam lernen, mit der Strömung umzugehen, ja sogar die Wellen zu genießen. Es heißt, ein Gefühl, Erfahrung und Wissen zu bekommen vom „Lauf und der Kraft des Wassers“. Die Zeichen der Zeit erkennen im Fluss des Lebens und der Welt ist die einzige Chance der Kirche auf dem Weg durch die Zeit. Wenn die Kirche heute auf diesem Wildwasser mitfahren möchte, dann braucht sie das Verlassen der „Trockentrainingsstellen“. Der Guide meint: Wenn das Wetter schön ist, dann ist die Salza ganz bunt mit den Booten der Menschen, die durch die Schluchten fahren. Wir können nicht am Ufer stehen bleiben und gute Tipps zurufen, ohne selbst am Wasser zu fahren. Wie wollen wir mit unserem Schatz von Lebenswissen bei den Menschen ankommen, wenn wir nur für einem Moment am Ufer auftauchen und dort wieder verschwinden? Nicht verstanden und nicht wahrgenommen. Wie können wir rettend eingreifen, wenn wir uns nicht nass machen wollen? Selbst das ans Ufer gehen ist gekennzeichnet mit der besonderen Begegnung mit dem fließenden Wasser. Hineinspringen vom Felsen oder sich in der Sonne wieder aufwärmen. Aber es geht am Wasser weiter.

Es macht Spaß, gemeinsam durch die Wellen des Lebens zu fahren

Die Erfahrung des Raftens ist ein gutes und brauchbares Bild für „Kirche als Volk Gottes gemeinsam am Wasser der Zeit unterwegs“. Es macht noch dazu Spaß. Außerdem sehen wir, wie wir als Team im Boot agieren und unsere Rollen finden je nachdem, was uns liegt. Mich wundert heute oft, wie missmutig und mit erhobenem Zeigefinger viele kirchliche Würdenträger am Ufer stehen und alles besser wissen wollen. Sie warnen vor dem Wasser, das uns so wunderbar und erfrischend dahinträgt. Das Leben findet am Wasser statt. Das heißt aber auch, dass Sakramente als Zeichen der Liebe und Nähe Gottes auf das Boot mitgenommen werden und sich nicht  Ufer vollziehen. Wer heute Gott ans Ufer verbannt, der hat ihn oder sie schon verloren. Ich bin mir sicher oder glaube zumindest: Gott fährt mit.

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