Wir suchen eine Friedensnote

Der Alpe Adria Trail führt uns auf den Weg des Friedens – Pot Miru in Slowenien. Zu Fuss sind wir von Faak am See bis nach Cividale (150 km) unterwegs. 28 Frauen und Männer, die sich über Weltanschauen „gesammelt“ haben. Am vierten Tag erreichen wir Kobarid. Diese wunderbare Kleinstadt an der slowenisch-italienischen Grenze hat im vorigen Jahrhundert 10 x den Staat, die Staatszugehörigkeit gewechselt. Im ersten Weltkrieg war sie Hotspot der Auseinandersetzung an der 93 Kilometer langen Grenze, an der eine Million Menschen gestorben sind. Wir sind tief betroffen und gleichzeitig froh, dass diese tödliche Grenze heute als Mahnmal und Weg des Friedens ausgewiesen wird. Wir gehen pilgernd auf diesem Weg und wollen mithelfen, „die kriegerische Grenze in eine verbindende Brückengegend zu verwandeln“. „Frieden ist nicht selbstverständlich, weil die Jungen nur mehr den friedlichen Zustand kennen. Aber Salvini zündelt wieder. Das macht uns unruhig.“ Das hören wir nicht nur einmal.

Bilder des Grauens und Frieden für die Zukunft

Unser Guide Jozef im Museum ist sofort am Punkt: „Wir suchen eine Friedensnote, um bewusst zu machen, wie wertvoll Friede ist.  Die Jungen sehen ihn als selbstverständlich. Ist er aber nicht. Deshalb arbeiten wir täglich mit diesem Museum, den Führungen und dem Besucherzentrum für den Frieden.“ Katja vom Besucherzentrum: „Die Grenze wäre schlimm, wenn sie wieder aktiviert würde. Wir werden dagegenhalten, wenn bestimmte Kräfte wie Salvini diese Grenzen wieder aktivieren wollen. Da müssen wir dagegenhalten.“ Wir spüren in der Runde, dass es gut ist, dass wir hier gehen und damit mithelfen dagegenzuhalten. Die Bilder, die Installationen und die Schauplätze des Krieges werden im Museum in Themenräumen ungeschminkt gezeigt. Diese Gegend an der Soca / am Isonzo war ein Hotspot der damaligen Weltpolitik. Und eines wird uns glasklar vermittelt: Der Mensch hat damals in keinster Weise eine Würde oder einen Wert. Er war einfaches Kriegsmaterial der Mächtigen.

Wie sich Grenzen auflösen

Mir selber wird im Laufe der Zeit immer bewusster, wie wichtig in diesem Zusammenhang die Idee des gemeinsamen Europa ist. Durch den „größeren Rahmen der Zusammengehörigkeit“ hat sich die Grenze heute einfach aufgelöst. Das Soca-Tal ist ein unglaublich schönes Wassersport-Zentrum für Kajak und Raften. Sehr viele Radfahrer tummeln sich im Tal und fast jeder vierte trägt einen Rucksack. Was gibt es Schöneres als diese neue Bestimmung: Völkerübergreifend dem Frieden auf vielfältige Weise Platz geben. Außerdem ist Slowenien das Land mit der höchsten Biodiversität. Also: Hier ist ein einfaches und wunderbares, langsames naturverbundenes Leben möglich. Wir spüren und genießen es. Und ich denke mir: Damit ist schon eine Friedensnote, ein Friedenslied angestimmt. Und über die Grenze in Italien kommen wir in das „Slow Valley“. Aber das ist wieder eine andere wunderbare Geschichte.

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