Zukunftsfilme jetzt in das Hauptabendprogramm

Da gibt es die einen, die derzeit überbeschäftigt sind. Sie erleben sich gerade so, als würden die Kinder dauernd ins Büro sein. Nur umgekehrt: Homeoffice. Oder alle, die gerade als „Helden der Krise“ bezeichnet werden. Zu recht. Ein wunderbarer Zusammenhalt der zivilgesellschaftlichen Kräfte. Da sind aber auch jene, die ganz konsequent #stayhome leben, ihre Arbeit und Aufgabe verloren haben, denen alles abgesagt wurde. Das Gefühl, der Lebenssinn „rinnt gerade aus“. Wie soll es weitergehen?

Filme mit Zukunftsgeschmack in das Hauptabendprogramm

Der ORF – gemeint sich die „medial worker“ dort – leistet gerade hervorragende Arbeit. Ich war immer dafür, dass wir einen ordentlichen „Öffentlich-Rechtlichen“ haben. Seite 20/21. Jetzt zeigt sich, was es kann, wenn der Sender uns allen, dem Gemeinwesen, den Bürgerinnen und Bürgern gehört. Gis inklusive. Da sehe ich im ORF-TV unglaublich viel Bemühen um gute und profunde Information. Gut so. Ich bin aber überzeugt, dass derzeit auch viele Menschen am Abend vor dem Bildschirm sitzen mit der Frage: Wie geht es weiter? Heute ist wesentlich mehr Sensibilität dafür da. Deshalb schlage ich vor, dass ein paar Filme, die ich in letzer Zeit mit großem persönlichen Zukunftsgewinn im Kino gesehen habe, jetzt um 20.15 Uhr auf ORF eins oder zwei  laufen.  Was ich hier zusammensammle, schreibe ich auch an die Sendungsverantwortlichen und den Generaldirektor Alexander Wrabetz als „dringende und drängende Ermutigung“. Man kann diese Seite gerne kopieren und es genauso machen. Und natürlich die Liste der eigenen guten Filme einbringen.

„Taste the Waste“

In Österreich gibt jeder Haushalt durchschnittlich 11% für Lebensmittel aus. Es ist klar, dass damit der Wert dieser gewachsenen und erzeugten Produkte weit unter dem wahren Wert liegt. Viele Menschen haben kein Gefühl und keine Beziehung mehr zu einer Kartoffel, zu einem Ei oder zu Brot. Mit Sonderangeboten wird uns vom Handel EU weit Genormtes „nachgeworfen“. Ich bin jedes Mal erschüttert, wenn in der Brotabteilung kurz vor dem Zusperren noch alle Regale gefüllt sind. Es läuft vieles schief. Hier geht es zu den Alternativen.

„But beautifull“

Es war für mich ein Kino-Abend, der nährte, orientierte, ermutigte. „But beautifull“ ist nicht nur ein schöner Titel. Der Film von Erwin Wagenhofer ist mit unglaublich viel Gespür für die Fein- und Tiefenstrukturen unserer Erdkugel mit dem Menschen darauf gemacht.

„Zeit für Utopien“

94 Minuten ist Kurt Langbein auf der Suche nach Alternativen zum Turbo-Kapitalismus. Langbein ist mit seinem Team in Europa, Afrika und Asien fündig geworden. Der Mensch ist von Natur aus auf „Kooperation“ aus. Erst die Angst macht ihn zum Egoisten. Gier und Ausbeutung ohne Rücksicht auf ökologische Verluste lässt ihn handeln. Langbein spürt Beispiele auf, wo Kooperation, genossenschaftliches Handeln praktiziert wird. Überzeugend das Beispiel der 1,5 Millionen KonsumentInnen in Korea, die über ihre gemeinsame Genossenschaft mit ihren Bauern direkt verbunden sind und so eine ökologisch-partnerschaftliche Produktion ihrer hochwertigen Lebensmittel ermöglichen.

„Free Lunch Society“

Der Film zeigt das Themenfeld Grundeinkommen. „Arbeit ist unbezahlbar“ ist eine der wesentlichen Aussagen. Mir war bis zu diesem Film nicht bewusst, dass die USA vor Ronald Reagan kurz vor der Einführung des Grundeinkommens stand.  Seit 1978 war das Thema für mich am Radar. Ich sage nur Wohlgenannt und KSÖ. Die soziale Lage in den USA war damals so dramatisch, dass dies der einzige Ausweg schien. Aber dann schlug der Neoliberalismus mit seinen „privatisierten sozialen Programmen zu, die für wenige ein wunderbares Geschäft wurden“. Wir kennen die weltweite Entwicklung seither. Der Staat wurde zum Konzern umgemodelt, der Sozialstaat als Last dargestellt. Tragende soziale Netze werden seit dem desavouiert. Sozialschmarotzer wurden erfunden. Der Zusammenhalt bestand in der Ausgrenzung der Armen, der Marginalisierten, der Prekären. Nur das, was selbst im „Sozialen“ Profit abwirft, wird weiterentwickelt. Selbst Sozialeinrichtungen sind als Firmen an der Börse zu finden. Am Markt. Der Staat wurde zum Wedel der Großkonzerne entwickelt, Lobbying und Think Tanks steuern die Politik. Auch in Österreich wurden die reichen Eliten still und heimlich um ein vielfaches reicher. Täglich. Stündlich. Bis Corona eine Vollbremsung mit uns die Vollbremsung hinlegt. Aber wer wird wie schon so oft als Sieger und Profiteur aus der Krise hervorgehen?

„Alphabet“

Der Film von Erwin Wagenhofer blickt in die Bildung hinein. Die Fähigkeiten von Kindern werden nicht entwickelt, sondern eher zugeschüttet. Jetzt, wo so viele Eltern ihre Kinder „unterrichten“, wäre das eine große Motivation, das als Kairos zu sehen.

„Papst Franziskus“

Der Film mit und über Papst Franziskus war berührend und wäre wahrscheinlich auch heilsam in diesen Stunden, aber für einen Öffentlich-Rechtlichen wahrscheinlich „zu direkt“.  Wagen würde ich es.

Mein befreundeter Filmspezialist Peter hat mich dieser Tage auf ein paar Dinge aufmerksam gemacht. Er bedauert wie ich, dass beispielsweise gute Filme um 23.50 Uhr „verheizt“ werden. Die Sendungsverantwortlichen wollen wir ermutigen, gute Kost nicht so spät anzubieten. Die Menschen warten zur Primetime auf „Wunderbares“.  Da ist der Film  „SIEBZEHN“ von Mona Art und produziert von Uli Gehmacher.  Oder: „Die Mitte der Welt“ ist ein zauberhafter, mainstream-tauglicher Film über ein jugendliches schwules Liebespaar. Zauberhaft, weil in diesem Film endlich die Sexualität mal nicht als „das Problem“ gezeigt wird, sondern im Gegenteil. Die beiden scheinen in dem Film die einzigen zu sein, die kein Problem haben. Eine Sichtweise, die durchaus einem breiteren Publikum gut täte.  „DER BODEN UNTER DEN FÜSSEN“ von Marie Kreuzer, eine der renommiertesten Regisseurinnen Österreichs derzeit, erlebte seine ORF-Premiere vergangenen Sonntag um 23:30h statt zur Primetime. Die beginnt um 20:15 Uhr.

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