Zwischen dem „musician’s village“ und der zeitgenössischen Kunst liegt die St Ferdinand Street

Schon mehrmals hingewiesen wurde ich auf der „Dorf der Musiker“, das von Habitat for Humanity mit Hilfe vieler Freiwilliger nach Katrina errichtet wurde, damit die Musiker in New Orleans bleiben können, die dort gewohnt haben. Es befindet sich in der N Roman Street und ich erreiche die Gegend des 8th Ward mit dem Bus 84. Laut Fremdenführer sollte man mit dem eigenen Auto oder Taxi hinfahren. Wieso?

Das ist die Gegend, die du meiden sollst

Der 8th Ward ist jene Gegend, die man alleine und in der Nacht als Ortsfremder nicht aufsuchen soll. Darauf wurde ich schon öfter hingewiesen. Bei Tag macht alles einen sehr friedlichen Eindruck. Einer der Musiker erklärt mir das Dorf und die Gegend: „Jetzt sieht man niemanden, weil die Kinder in der Schule und die Musiker abends spielen.“ Diese etwa  60 Häuser sind bunt, schön und ansprechend. Ein eigenes „Musiker-Zentrum“ und ein Spielplatz wurden angelegt. Von der Architektur und Gestaltung ist alles an die Musik angeglichen. Ich gehe über Klaviertasten und die Kinder können durch Tuben rutschen. Ansprechend. Familiär. Ich gehe im Viertel Richtung Zentrum weiter. Die Häuser werden immer desolater und langsam kann ich die Warnung verstehen. Ich fühle mich aber nie bedroht. Bisher überhaupt nie. Die Brücke führt mich über den Frachtenbahnhof und gleich in die St Ferdinand Street. Erstmals in meinem Leben begegnet mir dieser Straßenname. Aber ehrlich: Keine Prunkstraße sondern das Gegenteil. Da wäre viel zu tun am Rande des Industriegebietes.

Die Sehnsucht nach einem Platz

Mit dem Bus schlage ich mich auf die andere Seite der Stadt, in die Camp Street. Dort besuche ich das Museum für zeitgenössische Kunst und gegenüber das Ogdyn Museum der  Tulane University mit einer umfassenden Ausstellung zur „Kunst des Südens“. Besonders angesprochen fühle ich mich von einem Kunstwerk von imposanter Große und Einfachheit, in der ich eine tiefe Sehnsucht „sehe“. Ein Mann zeigt mit seiner ganzen Gestalt auf einen einfachen Sessel. Ich spüre das in diesem Augenblick so, dass sich jeder Mensch nach einem „Setzen-Dürfen und –Können“ sehnt. Dieser weite Raum um dieses Kunstwerk herum lässt mich lange verweilen (und das verbotene Foto machen). Am Weg nach Hause und beim Sitzen auf einem Balkon bei einem Gläschen Wein kommen mir recht  konkrete Gedanken und Ideen, die ich mit nach Hause nehmen werde. Aber darüber ein andern Mal.

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