1_8_IMG_1295IMG_2417„Innere Einkehr“ nennen die OÖNachrichten im Reiseteil unsere Erfahrungen am neu geschaffenen Barbaraweg in der Mittelslowakei Ende September. Mit 29 Frauen und Männer waren Gerlinde und ich als erste größere Gruppe unterwegs. Auf allen Ebenen „genährt“ sind wir heimgekommen: körperlich, mental und spirituell. Durchschnittlich 21 Kilometer und 1000 Höhenmeter pro Tag sind am neuen Barbaraweg in der Mittelslowakei zu schaffen. „Wo man früher Gold und Silber abgebaut hat, lässt es sich jetzt trefflich pilgern.“ Wir waren gemeinsam unterwegs, um unsere „eigenen Schätze“ zu heben. So hat Welt der Frau und Weltanschauen eingeladen. In jedem Fall wurde wieder klar, welche Kraft das gemeinsame Gehen und Pilgern freilegt. Vielleicht ist die Geschwindigkeit geringer, die Motivation und das Durchhaltevermögen werden enorm gesteigert, „genährt“. Gerlinde und ich waren im Vorfeld bei der Entstehung auch angedockt.

Eine wertvolle Gegend zugänglich machen

1_8_IMG_1449Vorbei an aufgelassenen Bergbaustollen, entlang sanfter Hügelkämme, durch Laubwald führen die neun vorgesehenen Tagesetappen in schmucke Dörfer und Städte wie Banska Bystrica, Kremnica, Zvolen und Banska Stiavnica. Hat man hier früher Gold, Silber und Kupfer abgebaut, so geht eine 29-köpfige Weltanschauen-Gruppe den inneren Schätzen nach. Sie pilgert. Vollmond löst von Osten her die im Westen untergehende Sonne ab. Das Wetter ist warm, manche sagen heiß. Der Abend fühlt sich gut an. Das Kesselgulasch wird von der Enkelin des Herbergvaters über dem Feuer umgerührt. Die Pilgergruppe hat auf der Terrasse mit Blick auf die Goldstadt Kremnica Platz genommen. Slowakisches Bier oder Radler löschen den Durst nach sechs Stunden Gehzeit am geografischen Mittelpunkt Europas vorbei. Der dritte Tag ist vom Gehen her immer der „stärkste“. Der Körper braucht Zeit, sich einzugehen. Die Markierungen sind klar und leicht zu finden. Der Turm der hl. Barbara, der Patronin des Bergbaues, gibt dem Weg die charakteristische Markierung. Bergbau hat die Gegend geprägt, reich gemacht, mit großem kulturellen Erbe beschenkt. Nord-Ungarn und Monarchie sind Worte, die immer wieder fallen. Blütezeiten und Niedergang wechseln einander ab. Heute atmet die Gegend wie nach einem längeren Schlaf tief durch. Aufwachen. Der Barbaraweg ist ein Indiz dafür. Man will diese wertvolle Gegend zugänglich machen. Für Geher und Pilger. Die Schätze im Berg begegnen den Schätzen in den Herzen der Menschen. Das Kesselgulasch nährt Geist, Seele und den Körper.

Common Church am geografischen Mittelpunkt Europas

1_8_IMG_1251Gestartet ist die Pilgergruppe in der Barbarakapelle in der deutschen Kirche in der Kreisstadt Banska Bystrica. Hinauf über das Bergbaudorf Spania Dolina, wo ein privates Bergbaumuseum erste Einblicke in die Geschichte der Region vermittelt, ist Stare Hory das Tagesziel. Dort entspringt „heiliges Wasser“. Das hat den Ort zu einem der drei großen Wallfahrtsorte in der Slowakei gemacht, Trinkflaschen werden gefüllt. Der zweite Tag führt die Pilger auf Waldwegen, auf der etwas gefährlichen Eisenbahntrasse auf mehr als 1200 Höhenmeter nach Skalka. Das Ski- und Langlaufzentrum ist wie ausgestorben. In der Abendsonne ist der Blick ins weite Land vom höchsten Punkt des Barbaraweges aus überwältigend, erhebend. Die Tagesetappe war 28 Kilometer. Alle haben es geschafft. Sind geschafft. Da hört sich der Weg zum angekündigten Kesselgulasch am dritten Tag mit 18 Kilometern und großteils „hinunter“ gut an. Die Kirche am geografischen Mittelpunkt Europas ist ein besonderes Zeichen. Warum? Vier Orte konnten sich keine eigene Kirche leisten. Genau in der Mitte haben sie ihre Gemeinschaftskirche errichtet. Common Church. Gemeinsam denken und handeln. Das täte Europa gut. Common Europe. Die Gruppe hat ihr Thema: Einheit in der Vielfalt. Gemeinsames Gehen braucht genau das Gespür für das Wir. Die Kräfte des Einzelnen werden vom mentalen Gummiringerl, das die Gruppe umfasst, zusammengehalten: Rücksicht, Ermutigung und Antrieb.

Wir sind die Premiere

1_8_IMG_1535Die 29 Frauen und Männer sind die erste größere Gruppe, die diesen heuer am 1. Mai eröffneten Pilgerweg geht. Der Johannesweg im Mühlviertel stand ein wenig Pate. Der Barbaraweg füllt allerdings eine ganze Gehwoche und ist doppelt so lang. Daher immer wieder die Frage: Wie ist der Weg? Bis auf einen kleinen Zwischenfall über eine Bahnbrücke (morsche Bretter) nur positiv. Der Kirchturm von Kremnica ist ein Muss. Die enge Wendeltreppe aus Stein, das Seil zum Anhalten und die Aussicht, die Übersicht, bleiben in Erinnerung. Bisher begleiten die Pilgergruppe wunderbare Wege, schöne Aussichten, vielfältigste Natur und gastfreundliche Menschen. Ein Nachschlag beim Kesselgulasch ist genauso angebracht wie das abendliche Glas slowakischen Weins. Die vierte Tagesetappe stellt sich als die anspruchvollste heraus. Wiesenwege, weite Waldstrecken, freies Gelände durch das Hron-Tal unter Autobahn, Schnellstraße und Zug durch hinauf und hinunter in den Thermalort Sklene Teplice liegen unter den Füßen. Annähernd 30 Kilometer. An diesem Septembertag ist es heiß. Dazu verliert die Gruppe aus gemeinsamer Unachtsamkeit für eine halbe Stunde die Markierung. Lagen davor noch alle vergnügt unter den Obstbäumen in der abendlichen Sonne, so weichen Fröhlichkeit und Leichtigkeit der Müdigkeit. Einige sehen beim Abstieg deshalb die knorrigen Eichenbäume nicht mehr, der Weg in der felsenlosen Schlucht wird als anstrengend erlebt.

Thermalbad mit erfrischenden Anwendungen

1_8_IMG_1654Nach zehn Stunden Gehen ist die Dusche und ein Abendessen der Himmel der Pilger. Morgen ist Rasttag. Durchatmen. Das Thermalbad wird genossen. Es tickt noch etwas kommunistisch. Alles geregelt. Ordnung muss sein. Das beginnt bei der Frühstückszeit. Aber die Gruppe ist Welt anschauen und kann es als Erfahrung einordnen. Wer das Fremde nicht zulässt, bleibt daheim. Die verschiedenen Anwendungen des warmen Thermalwassers und die Massagen bauen auf für den Weg in die Weltkulturerbestadt Banska Stiavnica. Es braucht fünf Stunden am Weg dorthin. Begleitet wird die Gruppe von einer Herde Fleckvieh am Weg. Bevor die Stadt selber sichtbar wird, taucht das ausgeklügelte Teich- und Wassersystem der ehemaligen Silberstadt auf. Heute wird der Rucksack abgelegt, die Badesachen ausgepackt, das Wasser spendet Abkühlung. An der mächtigen Dreifaltigkeitssäule in der Stadt erwartet uns wieder der versierte und einfühlsame Fremdenführer Branislav Stancik, ein Mitkreator des Barbaraweges.

Einfach eine schöne Stadt

1_8_IMG_1819Die erste technische Montanhochschule der Welt wurde hier von Kaiserin Maria Theresia errichtet. Die Stadt Banska Stiavinica ist ursprünglich, etwas avantgardistisch, die Cafes – einfach schön. Gut, dass hier in den vergangenen Jahrzehnten niemand investieren konnte. So wird jetzt das Alte mit viel Liebe Gästen zugänglich gemacht. Wir trinken Kaffee um 1,20 Euro und abends Bier um 1,60 Euro. Und die Unterkünfte – überall sehr sauber, gutes Essen und freundlich. Auch der Kalvarienberg der Silberstadt ist ein Gesamtkunstwerk und gehört sicherlich zu den Highlights des Weges hinüber nach Svaty Anton. Der Weg führt direkt durch die Wohnsilos, die allerdings durch ihre Farbe nichts an vermuteter Trostlosigkeit ausstrahlen. Wiesen und Felder rundum sind von extensiver Bewirtschaftung geprägt.

Viel Weltkulturerbe am Weg

1_8_IMG_1824Sieben Gehtage stehen der Pilgergruppe zur Verfügung. Ein Tag Anreise und ein Tag Abreise mit dem Zug macht zusammen mit einem Relaxtag im Thermalwasser 10 Tage. Das übersichtlich gestaltete Begleitheft zum Barbaraweg kennt neun Etappen. Der sechste Gehtag wird nach fünf Gehstunden mit dem Linienbus nach einem ausführlichen Schwimmen in der Wasseranlage von Bansky Studenec nach Zvolen abgeschlossen. Das Busnetz ist sehr gut ausgebaut. Zwei Mitglieder der Gruppe wollen das Ziel Zvolen gehend erreichen. Nach sechs Stunden treffen sie auf die Gruppe: Der Weg ist gehend machbar. Hier zeigt sich, dass die unterschiedlichen Voraussetzungen der Pilger und Pilgerinnen in einer großen Gruppe bremsen. Der letzte Tag war vom Wetterumschwung geprägt. Es war Kälte, in der Nacht hat es zu regnen begonnen. Eine Wohltat für die Natur.

Enttäuschender Pfarrer und gastfreundliche Hochzeitsgesellschaft

0_OÖN_IMG_1952Die Holzkirche in Hronseck ist Weltkulturerbe. Die Mesnerin der evangelischen Gemeinde sperrt gerne auf. Kein Eisennagel, nur Holz hält die zweistöckige Kirche zusammen. Alle haben sich regenfest gemacht. Nach kurzer Zeit ist aber der Regen zu Ende. Fünf Stunden geht es noch über weite Hügel und erhebende Weitsichten zurück ans Ziel, zum Ausgangspunkt, die Barbarakapelle in der deutschen Kirche von Banska Bystrica. Dort angekommen, macht der forsche Pfarrer einen Strich durch die Rechnung. Er verweist uns Pilger resch aus der Kirche. Eine enttäuschende Erfahrung für Menschen, die durch den gemeinsamen Weg spirituell und mental geöffnet wurden. Aber: Ein Brautpaar, das gerade in dieser Kirche geheiratet hat, geht mit einem Schnapserl auf die Pilger zu, die Fremden. Verwerfung in der Kirche und pure Gastfreundschaft der einfachen Menschen. Wir singen der Hochzeitsgesellschaft mehrstimmig ein Lied: „Viel Glück und viel Segen.“

Die hl. Barbara gibt dem Weg den Namen

1_8_IMG_1923Benannt wurde der Weg nach der Schutzpatronin der Bergbauleute – der heiligen Barbara. Sie war eine Christin, die fest zu ihrer Überzeugung gestanden ist. Sie musste dafür sogar ihr Leben geben. Die alten Bergbaustädte in der Mittelslowakei wurden ursprünglich von deutschen Siedlern gegründet. Daher befinden sich auf der Strecke Orte wie die „goldene Stadt“ Kremnitz mit der ältesten Münzprägeanstalt der Welt und die „silberne“ Stadt Schemnitz (Banská Stiavnica), die von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt wurde. In der „kupfernen“Stadt Neusohl (Banská Bystrica) wurde einst Kupfer gefördert. Würde mich wer fragen, wie ich den Weg in einem Satz zusammenfassen würde: „Der 190 Kilometer lange neue Barbaraweg erschließt entlang einzigartiger Naturparadiese, historischer Bergbaustädte, geschützter Kulturdenkmäler und kunstvoll verzierter Kirchen in den Begegnungen das eigene Herz.“

1_8_IMG_1240OÖN-Artikel
Weltanschauen Reisen
Welt der Frau Magazin
Der Barbaraweg ist bereit (Links)
Als sehr hilfreichen Kontakt zum Barbaraweg empfehle ich den Fremdenführer Branislav Stancik.

Eine Studentin hat die Gruppe mit einer Videokamera begleitet.

 

 

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