#anders Reisen wird Gastfreundschaft ins Zentrum nehmen

Mülleder, Kaineder, Steiner (vlnr)Das Atelier im Bildungshaus Schloss Puchberg ist bereit. Die Sessel stehen in gutem Abstand. Die Terrassentüren sind weit geöffnet. COVID19 ist der Anlass für die „Zukunftsgespräche am Montag“. Reisen, Wirtschaft, Bildung und Alltag werden „durchleuchtet“ auf dem Hintergrund der Veränderungen, die das Virus gebracht hat und hinterlassen wird. Der Linzer Tourismusdirektor Georg Steiner und der Weltanschauen-Gründer Christoph Mülleder beleuchten aus ihrer Erfahrung und Expertise zusammen mit den 35 TeilnehmerInnen am Gespräch das „#anders Reisen“. Unter den zahlreichen BesucherInnen international erfahrene Reisefreaks und Reiseunternehmer.

Erzählen und erleben

„Im zukünftigen Tourismus müssen wir vom Aufzählen zumindest zum Erzählen kommen. Die höchste Form einer gelungenen Reise ist Transformation durch Erleben und Begegnungen. Mit einer Reise soll jeder eine persönliche Veränderung spüren und diese mit nach Hause nehmen.“ Mit diesem inneren Credo arbeitet der Linzer Tourismusdirektor Georg Steiner. Er spricht von der „dafür notwendigen Neugierde der Reisenden, um die Narrative des Landes, der Stadt und anderer Destinationen in ihren inneren Zusammenhängen verstehen zu wollen“. Corona zeigt dem Tourismus, an dem weltweit etwa 280 Millionen Arbeitsplätze hängen, dass er weg muss von der Masse, der Dichte, dem Stress und der Oberfläche. Pointiert meinte er: „Wir müssen die Welt von den Touristen befreien.“ Steiner sieht – auch wenn der Massentourismus sich weiter in dafür geschaffenen und designten „eigenen Welten“ abspielen wird – die Zukunft in der persönlichen Begegnung, in der „Individualisierung des Massentourismus.“ Entdecker waren am Anfang, Sommerfrischler kamen in überschaubaren Größen, der Pauschaltourismus hat die Massen begründet, dann das sanfte grüne Reisen durch den „Aufstand der Bereisten“ und in den letzten zwanzig Jahren haben Billigflieger die Menschen über die Welt verteilt. „Der Tourismus war vor COVID schon krank“, weiß der Tourismusexperte. Auf Zukunft hin sieht er, dass „Masse und Größe durch individuelle Räume und Begegnungsflächen ersetzt werden“. Grundfrage immer: „Wie schaffen wir Begegnung mit hoher Authentizität?“ Dafür braucht es nach Steiner in Folge sehr bald neue Skalierungsmethoden im Tourismus, nicht einfach nur das Zählen.

Indoor

Mit Abstand

Nachhaltig, ökologisch und sozial

„Das Fremde darf und soll uns berühren, anrühren. Reisen ist die Begegnung mit diesem Fremden. Da braucht es ein neues Verständnis. Reisen ist nicht einfach ein Konsumprodukt, sondern ein tiefes Eintauchen in fürReisenden neue Lebenswelten. Sozial, ökologisch und nachhaltig sind dabei fundamentale Anliegen.“ So umreißt der Weltanschauen-Gründer Christoph Mülleder sein Reiseverständnis. Kürzer, schneller und billiger dürfen als Kriterien nicht mehr gelten. Groß und gigantisch sind nicht die Anschauungen zukünftigen Reisens. „Ein wichtiges Element ist die Zeit, die man sich nehmen soll um einen Ort zu erspüren. Nicht ein Abhaken von Sehenswürdigkeiten, sondern unverplante freie Zeiten schaffen Raum für ungeplante Erlebnisse und Begegnungen.“ Mülleder verweist auf die nachhaltigen Ziele der UNO und den Auftrag, „einen nachhaltigen Tourismus aufzubauen“. Mülleder weiß von Umfragen, nach denen das Interesse an nachhaltigen Reisen steigt. „Dort gilt es jetzt in der Zeit mit Corona anzuknüpfen und mit einem Reisen in die Nähe anzufangen. Wir bereisen beispielsweise das Mühlviertel und österreichische Destinationen. Und die Menschen machen mit.“ Nach Mülleder geht es vor allem darum „sich selbst auf die Reise zu machen, die Begegnung auf Augenhöhe zu suchen und aus dem allgegenwärtigen Produktionsmodus unserer Gesellschaft auszusteigen.“

Ourdoor-Skalierung

Gastfreundschaft ins Zentrum rücken

In der angeregten und lebendigen Diskussion waren sich die Gesprächsteilnehmerinnen und -teilnehmer einig, dass „die Nachhaltigkeit verstärkt werden muss und Qualität sich am langsamer und weniger orientieren muss“. Wichtig sind „wir alle als Vorbilder für das neue Reisen und die Wachheit für das Erkennen, was uns die Krise an Neuem zeigt“. Es geht darum, „ins Maß-halten zu kommen“. Die Jungen gehen zum Großteil in dieses „neue Reisen mit individuellem Charakter und digital basiert hinein“.

Klar benannt wurde, „dass Flugreisen endlich ehrlich bepreist werden mit den entsprechenden Steuern und Abgaben“. Ein CO²-Punktesystem könnte ein individuelles „Reise-Kontingent“ festlegen. Immer wieder wurde das Rahmensetzen durch die Politik gefordert, damit sich Reisen ökologisch und sozial entwickeln kann.

Das neue Reisen „setzt die Gastfreundschaft ins Zentrum“. Damit gemeint sind Begegnung mit hoher persönlicher und authentischer Qualität auf Augenhöhe. Die touristischen Ausbildungen brauchen daher eine Veränderung in Richtung „beziehungsorientiert und erzählend. Die erlebte, offene und ehrliche Gastfreundschaft rührt die Menschen in seiner Tiefe an, schenkt Vertrauen und ist die Basis für persönliche Veränderung.“

Die weiteren „Zukunftsgespräche am Montag“ in Puchberg sind thematisch dem Wirtschaften (21. Sept, 18-21 Uhr), der Bildung (28. Sept, 18-21 Uhr) und dem Lebensalltag (5. Okt, 18-21 Uhr) zugeteilt. Anmeldung wegen COVID-Regelungen an puchberg@dioezese-linz.at.

Monatsprogramm des Bildungshauses Schloss Puchberg >> s 19

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