Weniger Ruhe und Stille als Rhythmus des Lebens

Die erste Woche Medienbüro in Wien ist begangen. Eindrücke, Begegnungen, Erfahrungen sind die Frucht meiner Neugierde. Offenheit und Entgegenkommen begleiten diese Tage. Dankbar gehe ich wieder auf Distanz nach Oberösterreich. Das ungeschminkte Wahrnehmen braucht vor allem die Distanz. Die neue Umgebung baut an einer – an meiner – neuen Wahrnehmung. Gut, dass die Räume in der Freyung mit positiven „Vibs“ und dem Willen, etwas zu tun, erfüllt sind. Solche Situationen mag ich. Das Ziel zu schärfen und kooperativ den Weg zu „planen“ und aufbrechen.  Überraschungen werden kommen. Gemeinsam sind sie zu bewältigen. Die weit verbreitete Haltung unserer Zeit ist zu durchbrechen: „Jeder wartet,  dass ein anderer was tut.“ Es kommt auf jede und jeden an.

Gott qualifiziert die Berufenen

Heute früh habe ich auf Facebook den Satz zitiert: „Gott beruft nicht die Qualifizierten, sondern er qualifiziert die Berufenen.“ Eine lange Diskussion hat sich in den Kommentaren entwickelt. Im Grunde geht es darum, dass die kirchliche Hierarchie den Qualifizierungsinteressen Gottes nicht im Weg steht. Es braucht Offenheit und Tun. Das wird uns als Kirche überraschen. Ein anderer Diskussions-Ast ist die Berufung in den Ordensberuf.  Da habe ich den Eindruck, dass durch gewisse „Werbemaßnahmen“ indirekt ein etwas „entrückter Daseins-Zustand“ erzeugt wird. Folder und Gespräche vermitteln in ihrer Körpersprache oft den Eindruck, als ob man schon als fertige Ordensfrau oder –mann da sein müsste. Wer die Um- und Irrwege vieler Ordensgründerinnen und –gründer anschaut, weiß, „dass vor der ewigen Profess oft eine ganz lange und oft irre Weg-Suche lag.“

Weniger Ruhe – mehr Rhythmus

Das führt mich wieder zur Pressekonferenz „Gast im Kloster“ vorige Woche. „Viele Menschen suchen heute die Ruhe und Stille“, hat es da geheißen. Ja. Das stimmt. Es sind oft jene Menschen, die mit hängender Zunge immer noch das Glück probieren in der Geschwindigkeit und in der Omnipräsenz. Andere sind in der gesellschaftlichen Elite so weit oben, dass sie die Tiefe spirituelle Gemeinschaft suchen, die nicht quasselt und nicht dauernd etwas will. Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Klöster und Ordensgemeinschaften vor allem durch den Lebensrhythmus attraktiv sind. Wenn ich esse, dann esse ich, wenn ich schlafe, dann schlafe ich, wenn ich bete, dann bete ich und wenn ich arbeite, dann ist das in diesen Rhythmus eingebettet. Die Sehnsucht nach einem lebensförderlichen Rhythmus ist „mein Punkt“. Warum? Zu viele haben ein Bild vom Ordensleben als ob ich nur ruhig und still sein müsste. Nein, es darf auch laut und turbulent werden, WEIL es eingebunden ist in einen Rhythmus der menschlichen Grundbedürfnisse wie Schlaf, Essen, Beten und sinnerfüllender Tätigkeit (Arbeit).  Die Ordensgemeinschaften sind eben Plätze, wo im Rhythmus des Lebens die Zeit erfüllt wird.

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