Wir verlassen uns auf die Experten

Im Ö1-Gespräch hat heute 13. Feber 2014 der Staatssekretär für Finanzen einen wachrüttelnden Satz gesagt. „Wir verlassen uns ganz auf die Experten“. Das Gespräch ging um die 13-19 Hypo-Milliarden. Er konnte eigentlich nichts sagen außer: Wir verlassen uns. Natürlich beunruhigt das. Persönlich habe ich „gelernt“, dass Experten (es sind meist nur Männer) eigentlich Interessenträger sind. Es gibt nur ganz wenige, die einen „ungeschminkten Blick“ vorweisen können. Das fängt damit an, dass die Expertisen teuer vom Auftraggeber bezahlt werden. Und wer will sich den Geldfluss schon abschneiden durch den Satz: „Wir glauben.“ Expertise ist keine Wissens- sondern zur Glaubensfrage geworden. Das werden natürlich Experten vehement ablehnen, weil sie ja „wissen, was Sache ist“.  Zwei Berichte zeigen, dass die Hohenpriester der Ökonomie vielleicht demütiger und in ihren Aussagen relativer werden sollten.

1934

ORF Religion bringt eine Arbeit von Rupert Klieber zu den Ereignissen von 1934 und der damaligen Rolle und Einschätzung des Vatikan zu den Vorgängen und Ereignissen. Der Papst Pius XI hat auf die „Experten der Nuntiatur“ gehört und heute wissen wir, dass es auch damals Interessenträger warem mit dem Ergebnis: „Damit habe der Vatikan „aktiv eine Politik gefördert“, die politisch, moralisch und pastoral „ein schwerer Fehler“ gewesen sei, so der Kirchenhistoriker. Hintergrund für die fatale Fehleinschätzung seitens des Heiligen Stuhls sei ein „sehr reduzierter Blick auf das Geschehen in Österreich“ gewesen. So zeugten die Nuntiaturberichte und Expertisen einzig von der Beschreibung eines angeblichen „Kulturkampfes um Wien“ und einem Niedergang traditioneller – katholischer – Werte und Überzeugungen.“

Griechenland

Der junge Valentin Schwarz schreibt im Blog „Arbeit und Wirtschaft“ am 13. Feber 2014 den Beitrag „Als Österreich Griechenland war“ und listet die Parallelitäten von damals und heute beeindruckend klar auf. Auch damals waren „Schlagworte“ wie Nulldefizit (meint: der Staat fährt zurück) oder „Demokratieabbau“ (meint: Entscheidungen fällt nicht Regierung und Parlament). Im Blog lese ich: „Zu beiden Zeiten gilt: Während die breite Bevölkerung leidet, werden die Interessen der Eliten geschützt.“ Das damalige Leid war sicher augenscheinlicher, aber Prekarisierung findet heute ebenfalls überall statt. Die „Glaubenssätze“ der Experten waren damals nicht zutreffend und sind heute sogar als falsch entlarvt.  „Eine ähnlich fatale Rolle spielen ExpertInnen in der heutigen Krisenpolitik: Austeritäts-BefürworterInnen berufen sich gerne auf eine Studie der Harvard-ÖkonomInnen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff, der zufolge das Wachstum ab einer Staatsverschuldung von 90 Prozent des BIP einbreche. So argumentiert etwa der für die Troika-Programme zuständige EU-Kommissar Olli Rehn, dass der Schuldenabbau auch dann oberste Priorität haben müsse, wenn das katastrophale soziale und ökonomische Folgen habe. KritikerInnen, die eine solche Formel für Unsinn halten, werden im April 2013 bestätigt: Eine Überprüfung der Reinhart/Rogoff-Studie ergibt, dass ihre Rechnung auf unvollständigen Daten basiert und die 90-Prozent-Regel falsch ist.“ Was soll ich als Steuerzahler und Gemeinwesen-Mitglied von Österreich nun glauben?

Intuition

Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit Anton Zeilinger in Gmunden im Jahre 2011. Es ging darum, wie Politik im Sinne einer tiefen Demokratisierung gestaltet und verbessert werden kann. Zeilinger hat damals zwei Vorschläge gemacht, „die überhaupt nichts kosten“. Konkret meinte er: „Ghostwriter abschaffen und im Parlament nur dann aufzeigen, wenn du die Sachlage verstanden hast.“ Bei den Umstehenden war Unbehagen spürbar. Einer artikulierte dann den Widerspruch. „Wir müssen viele Reden halten und außerdem können wir die Unmenge an Gesetzen oft gar nicht einmal lesen geschweige verstehen.“ Zeilinger ließ nicht locker und ergänzte: „Wenn die Oberen selber aus sich nichts zu sagen haben, dann sollen sie zuhören. Und im Parlament würden vielleicht intelligentere Leute sitzen, die leichter verstehen.“ Das Thema wurde gewechselt. Bei mir ist diese kurze Episode heute noch lebendig, „weil sie etwas hat“. Es wird für politisch Verantwortliche notwendig sein, sich nicht einfach den rational agierenden ExpertInnen sprich InteressenträgerInnen (es sind aber vor allem Männer!) auszuliefern, sondern mehr in sich hineinzuhören, der eigenen Intuition Platz und Raum zu geben und vor allem auf das Volk, die einfachen Menschen und hier die am Rande zu hören. „Ganz Ohr sein und Intuitionen zusammenlegen“ wäre mein Ansage. Das klingt in der rationalen Zahlenwelt der Banken wie eine „Glaubensstunde“. Vom Gehen weiß ich: Zuerst spürst du, dass du falsch bist und dann siehst du es. Die Frage ist: Wann kehrst du um.

 

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