Das ist nicht weit

Gestern hat mich in Linz vor der Uraufführung der Passion von Peter Androsch auf der Straße ein Mann angesprochen, „wo es im Sommer wieder hin-geht.“ Er sieht mich immer gehend, pilgernd, unterwegs – hat er gemeint. Gut, ich habe es verraten, was ohnehin bei Weltanschauen oder in Welt der Frau unter dem Titel „Einfach Pilgern in der Natur Siebenbürgens“ nachzulesen ist. Es geht nach Rumänien. DO 24. August bis SA 2. September. Er hat auch gleich begeistert davon erzählt, dass er weiß und schätzt, dass die Reisen ökologisch ablaufen. „Also fahren sie mit dem Zug.“ „Ja“. Ich empfinde es immer als besondere Wertschätzung, dass ich mit dem Thema Gehen und Pilgern in Verbindung gebracht werde. Er war aber weiter neugierig: „Und wie weit geht ihr da so am Tag?“. Ich: „23, 25, 26, 22 oder auch einmal 27 km am Tag.“ „Ist das nicht viel?“ „Nein, das ist nicht weit. Wir haben ja einen ganzen Tag Zeit. Und wer gehend unterwegs ist, dem genügt das Gehen, das Schauen, Staunen, die Selbstwahrnehmung, das Atmen, die Last spüren und vor allem: das Gemeinsame, die Gespräche. Diese tragende, ziehende und schiebende Wirkung der Gemeinschaft unterschätzen viele.“

Es geht dahin

Ich kann mich noch gut erinnern an unser Pilgern und Gehen auf der Via Porta. Es hat geregnet, die Tagesstrecke war annähernd 25 km. Am späten Nachmittag kurz vor dem Ziel hat eine Frau zu mir gemeint: „Unglaublich, es geht einfach dahin.“ Die Sonne ist wieder herausgekommen. Alle haben es geschafft, waren ein wenig geschafft aber irgendwie glücklich. Das Abendessen hat geschmeckt und nächsten Tag hat wer beim Frühstück gemeint: „Seit langem habe ich wieder einmal geschlafen wir ein Murmeltier.“ Das sind aus meiner Sicht jene Momente, wo sich anstrengen lohnt. Aber das Dahingehen ist ja nicht wirklich anstrengend, weil es ja einfach dahingeht. Aber wie ist das konkret? Auch ganz einfach. Wenn der Weg länger ist, dann starten wir mit dem Frühstück um 7 Uhr, 8 Uhr Abgang. Das sind vier Stunden am Vormittag. Mittagspause. Herunterkommen. In die Wiese legen. Nicht viel essen, weil es sonst nicht so leicht weitergeht. Und nachmittags wieder vier Stunden. So legen wir ca. 25 km zurück und sind gegen 17 Uhr spätestens am Ziel. Gut duschen, gut essen, Begegnungen und – auch das geht fast von alleine – bald schlafen gehen. Bis jetzt habe ich es immer so erlebt, dass genau dieser Rhythmus mit dieser „Anstrengung“ über 7 Tage wirklich heilsam ist. Für Rumänien bin ich mir wieder sicher: Es geht einfach dahin.

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