Warum wir Cohousing ernsthaft ins Auge fassen

COOHEIM_EinlDa gibt es eine besondere Einladung, die im Raum steht. Ganz öffentlich ausgesprochen für jedermann und jederfrau, für Junge und schon etwas in die Jahre Gekommene. Es geht um die „2. Aufnahmewelle“ zum Wohnprojekt Ottensheim, das als „Cohousing-Projekt“ realisiert werden wird. Ich darf dort schon mitarbeiten, bin Mitglied im Verein COOHEIM und wir gehören vom Altersschnitt zum „älteren Segment“. Die Jüngste bisher ist 21 und die Älteste 73 Jahre. Der jeweilige Lebensstand ist recht unterschiedlich. Kinder sind nicht nur Thema, sondern in den Aktivitäten eine lebendige und wunderbare Realität. Also bunt durchmischt. So soll es weitergehen, wenn die 22 Wohneinheiten, die jetzt geplant sind, „angefüllt“ werden. Drei Wohneinheiten sollen eher dem „jüngeren Wohnen“ zur Verfügung stehen und drei dem eher „älteren Wohnen“ bis hin zur Möglichkeit der Pflege.COOHEIM_Gemwoe2 Es wird „sozial durchmischt“ und leistbar sein. Ökologische Parameter stehen ganz oben genauso wie neue Finanzierungsformen. Der Eigentumsbegriff ist nur in seiner sozialen Dimension zu verstehen.

Cohousing eine wesentliche Wohn- und Lebensform der Zukunft

„Überlegt ihr das ernsthaft?“, bin ich nicht erst einmal gefragt worden. Wir haben ein Reihenhaus mit einem kleinen Garten, mit Hochbeeten und einem kleinen Biotop, das unsere Kinder mit den Nachbarskindern zusammen“damals eigenhändig ausgebuttelt“ haben. Die serbische Fichte, die wir 1992 beim Übersiedeln von der Jugend der Dompfarre geschenkt bekommen haben, ist mittlerweile ein Vogelflughafen. COOHEIM_Gemwoe1Wir fühlen uns wohl hier, viele schöne Erinnerungen haben sich angesammelt. „Hier seid ihr doch verwurzelt. Ihr seid im Gemeinwesen, in der Pfarre, dem Sportverein so intensiv engagiert gewesen.“ Ich höre bei solchen Gesprächen immer sehr gerne zu. Ich argumentiere nicht. Für die meisten ist eine solche Lebenssituation die erstrebenswerte für das Alter. Das Einfamilienhaus als das Ziel. Schön, sage ich. Aber ist es das? Ich erlebe und sehe so viele Häuser, wo alte Ehepaare oder Alleinstehende wirklich alleine drinnen wohnen. Alle ausgeflogen. Wie bei uns. Die Kinder haben ihre eigenen Nester und das Haus selbst wäre für Generationenwohnen zu klein. Aber der wirkliche Grund liegt noch viel tiefer.

Gestaltete Beziehung lässt leben

Der Mensch ist ein soziales Wesen und Cohousing ist eine gute Form, „in einem aktiven und gestalteten größeren Beziehungsrahmen zu leben“. COOHEIM_PlenVom Ich zum Wir – heißt ein Buch von Christian Schüle. Cohousing ist das nach soziokratischen Regeln gestaltete WIR. Das zieht uns an. Nicht nur in der ehelichen Beziehung zu leben, sich nicht nur in der Zusammengehörigkeit als Familie beheimatet zu sehen, sondern sich aufzumachen, um in einem größeren Miteinander, dem „Cohousing-Wir“ zu leben, älter und alt zu werden. In den Biografie-Phasen spricht man heute vom „zweiten Aufbruch„. Auch das gemeinschaftlich konzipierte Leben der Orden war in den letzten vier Jahren immer auch ein Impuls in diese Richtung. „Glaubst du, dass ihr es damit besser habt?“, ist oft die Frage. Ich antworte meistens: „Es geht uns wirklich gut. Es wird vermutlich nur anders.“ Und das finde ich anziehend, macht mich neugierig. Vielleicht trifft diese Einladung einige hier im Alter  ab 50. Es ist eine COOHEIM_Exkursiongute Gelegenheit, das Leben noch einmal neu zu verorten, zu vernetzen, in einen lebendigen und vielfältigen Organismus zu stellen. Im Projekt ist Diversität das Ziel. Unterschiedlichste Lebensentwürfe sollen Platz haben. Das  sehe ich als Chance, Leben in seiner Vielfalt neu zu gestalten. Wir fassen das ernsthaft ins Auge. Mit dem einen oder anderen Blogeintrag möchte ich eine Teilhabe ermöglichen an dem Veränderungs- und Entscheidungsprozess. Commons, Gemeinwohl, solidarische Ökonomie, Nachhaltigkeit, Ökologie und #LaudatoSi stehen hier nicht zum ersten Mal. Und: „Alles steht im Prozess.“ Das mir so lieg gewordene Gehen ist aus meiner Sicht noch dazu ein hilfreiches Paradigma für ein solches Projekt. Als Lebenspilger sehe ich eine neue Wegstrecke vor uns, die dann eine Entscheidung braucht.
Mehr oder fast alles zum Projekt auf dieser Website.
Und: Die Einladung für MO 4. Juli 2016 um 20 Uhr nach Ottensheim ist ausgesprochen.

Die Geduld erobert dich nicht

Dass ich gestürzt bin, hat sich mittlerweile „herumgesprochen“. Gips habe ich bisher immer bei anderen gesehen. Jetzt ziert er meinen linken Fuß. Wer das Knie mit einer bestimmten Wucht auf einen Stein setzt, der hat mit Folgen zu rechnen. So erging es mir. Stürzen, aufstehen, sich hinsetzen, sich innerlich richten und selber zurückgehen. Hilfe empfangen. Das Blut rinnt rot und viel. Das ist gut für die Wunde, habe ich als Kind gehört. Ich spüre: Ab jetzt geht es nicht so, wie ich es gewohnt bin, dass es geht, dass ich gehe. Seit ein paar Tagen bin ich eingegipst und das Bein versteift. Vieles ist damit unterbrochen. Wie kommt Neues ins Leben? An Engstellen und Unterbrechungen. Es braucht andere Zugänge. Hinsetzen ist – ganz gleich wo – nicht so einfach. Von A nach B auch nicht. Verlangsamung tritt ein. Die verordnete Langsamkeit als Vorgabe.

Es wird ein bisserl dauern

Ich bin zwar arbeitsmäßig viel mit „Ordensspitäler“ verknüpft. Das ist anders. Jetzt bin ich selber im Spital als Patient angedockt. In keinem Ordensspital, sondern dem Anlass entsprechend im „Unfall“ in Linz. Zuerst bei der Erstaufnahme. Drei Tage später in der Nachbehandlung. Und heute noch einmal. Drei Mal habe ich die Ansage gehört: „Nehmen Sie bitte Platz. A bisserl wird es schon dauern.“ Die Warteplätze sind heute zu 90 % besetzt. Natürlich kann ich mir ausmalen, dass es „a bisserl“ dauern wird. Noch dazu habe ich mein Büchlein „Glückliche Genügsamkeit“ daheim vergessen, in dem ich lesen wollte. Mit einem Gong-Geräusch werden die Namen am Bildschirm sichtbar. Die Namen sind für mich eine Ablenkung. Ich sehe sie als Litanei derer, die auf Heilung hoffen. Manche hoffen, nur ganz wenige Gesichter haben den „Anspruch“ im Gesicht. Es ist vorwiegend Gelassenheit, die ich spüre. „Da heißt es, sich in Geduld üben.“ Eine Frau neben mir spricht den Punkt an: Geduld. Wahrscheinlich strahle ich sie noch nicht aus. Und ich spüre: Das ist gerade mein Learning in diesen Tagen. Geduld. Ich durfte heute lange üben. Klar geworden ist mir wieder einmal, was ohnehin klar ist. Geduld kommt nicht einfach daher. Geduld wächst von innen heraus. Da braucht es das Atmen. Bewusst und gelassen. Das macht bei mir einen gelassenen Blick auf das, was um mich ist. Ich sehe, ich spüre, wie Menschen „Erleichterung“ suchen. Und ich denke an Menschen auf der Weltkugel, die kein solches Spital aufsuchen können, weil es keines gibt, sie keinen Zugang haben. Das macht still und dankbar. Ich bin da. Ich sehe ein Schauen, manchmal sogar ein lächelndes Schauen. „Können sie mir bitte hier schnell auf meine Sachen aufpassen?“ So bittet die ältere Frau, die vor mir da war. „Natürlich.“ Achtsamkeit kommt dazu. Atmen, schauen, achten, lächeln. Ich werde ruhiger, obwohl es immer länger dauert. Noch bevor ich aufgerufen werde, hat die Intensiv-Lektion „Geduld“ ergeben: Geduld erobert mich nicht. Sie wächst in mir.

 

Bevor die endgültige Entscheidung fällt

ddd900Es geht um jede Stimme. Wenn heute in dieser Stunde die Briefwähler ausgezählt werden, dann schwingt eine „große Erwartung“ mit. So oder so. 50,0:50,0 gab es bei einer Wahl noch nie. Gleichstand. Es wird einen neuen Bundespräsidenten geben. HOF oder VDB. So werden die Bewerber in den Medien abgekürzt. Wie bei den Fussballspielen. „Elfmeterschießen“ haben einige Medien schon getitelt. Der Konkurrenz- und Meisterschafts-Modus ist allgegenwärtig. Er stachelt an. Dieser Modus lässt laufen. Gefühlten zehn Hofer-Plakaten ist ein VDB-Plakat gegenübergestanden. Gerade am Land, wo ich in der Südsteiermark, im Mühlviertel und in Kärnten mit eigenen Augen fast nur mehr „Hofer“ gesehen habe, wurde jede freie Fläche genutzt. Den Medien wurde die Zeit schon lange. Oft haben sie nicht mehr gewusst, welches Format sie noch erfinden müssen, „damit sie die Kontrahenten möglichst originell aufeinander loslassen können“. Da tut ein Armin Wolf mit seinen Fragen in der ZIB2 einfach gut. Da atmet Sachpolitik und nicht Show oder Entertainment. „Ich schaue mir das alles nicht mehr an.“ Das habe ich oft gehört in letzter Zeit. Mir war auch leid um die Zeit, weil meine Entscheidung längst fest stand und durch Briefwahl auch frühzeitig abgegeben war. Gespräche führte ich überall. Und immer wieder. Face to face taugt mir da.

Das offene Gespräch und die Brücken

eee900Mit einem Freund habe ich dieser Tage länger diskutiert. „Die EU führt Europa in den Staaten alle nach rechts.“ Das sagt er schon seit langer Zeit. Man mag es nicht glauben, dass es so ist. Und doch spüren wir, wie wir alle „entmündigt“ werden durch Vorschriften und Regelungen. Milliarden werden verschoben und das alles nutzen die, die oben sind.  Die verschiedenen „Freiheiten“ nutzen die Starken und nutzt den Starken, den Großen. Der Neoliberalismus in dieser kapitalistischen Ausprägung vernichtet gerade die Vielfalt, das Kleine, die Nähe, das „natürliche Empfinden“. So beginnen sich die Menschen „als Opfer“ zu definieren, sich zu sehen, sich zu erleben. Genau diese Stimmung schürt die FPÖ: „Wir sind Opfer.“ In dieser Opferhaltung wird alles erklärt. Rene Girard hat mit der Mimesis- und Sündenbocktheorie zwei „Erklärungen“ für diese Vorgänge geliefert. In der Auseinandersetzung werden sich „Opfer, Kontrahenten“ immer ähnlicher. Der Opferkreislauf ist kaum zu stoppen. Und für den „Zusammenhalt“ braucht es in Ermangelung einer „inneren moralischen Stärke“ einen Sündenbock. Der Opfer-Modus schwächt. Ich fühle mich zwar stark, bin aber schwach. Für eine „Population“ ist es schlimm, wenn der Opfer-Modus stark wird. „Da ist es nicht mehr weit zum Führer, zum Hero“. Die Kraft der Gestaltung, der Resilienz, des Zusammenhaltes, der gegenseitigen Hilfe soll „ganz unten und breit angesiedelt sein“. Wer das alles nur von oben erwartet, hat bereits verloren oder ist den „Führenden“ ausgeliefert. Und der Sündenbock funktioniert umso besser, je weiter weg er ist. Landgemeinden haben viel mehr HOF gewählt als Städte, wo die Flüchtlinge untergebracht sind. Wenn heute abends die Entscheidung bekannt gegeben wird, dann sind Nähe, Gespräche und Brücken die Kern-Paradigmen. So oder so.

 

Wenn Christian Kern heute angelobt wird

_ke1Übergänge bieten die Chance, von einer anderen Perspektive auf den Sachverhalt zu schauen. Die Sozialdemokratie in Österreich und in Europa steckt in der Krise. Jetzt schauen alle auf den Christian Kern und sehen dort die Lösung. Grundsätzlich ist es gut, über die neue Person Kern auf den Kern der Sozialdemokratie zu schauen. Gerald Oberansmayr schreibt im Solidarwerkstatt-Brief einen Gedanken und Wahrnehmung unter dem Titel „Der blinde Fleck“ nieder, der oder die vieles verstehen lässt: „Hinsichtlich des wohl zwingendsten Grundes existiert jedoch ein blinder Fleck. Dieser Grund kann in einem simplen Satz zusammengefasst werden: In EU-Europa kann keine sozialdemokratische Politik gemacht werden. Die gesamte EU-Konstruktion – also die EU-Primärverträge und Institutionen – laufen darauf hinaus, sozialdemokratische Politik, die diesen Namen verdient, zu verhindern. Die EU verpflichtet in ihren Grundlagenverträgen alle Mitgliedsstaaten zu einer „offenen Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb“ und zum „Abbau aller Handels- und Investitionshemmnisse“ in der Weltwirtschaft. Und kaum etwas ist derart in politischen Zement gegossen wie die EU-Primärverträge. Sie können nur verändert werden, wenn in allen 28 EU-Staaten gleichzeitig eine Verfassungsmehrheit dafür zustande kommt. Schon in einem einzigen Staat so etwas zu erreichen, ist für soziale Bewegungen von unten äußerst schwierig. Schwierig hoch 28 ist aber faktisch unmöglich.“ Ich halte fest: Wir brauchen ein Europa, aber ein soziales Europa.

Wenn Kern diesen Kern der EU-Primärverträge hinterfragt und „Andersorte“ ermöglicht

Gerald Oberansmayr nimmt weiter den  Staatsrechtler Andreas Fishan von der Universität Bielefeld in den Mund: “Die konstitutionellen Grundlagen der Europäischen Union schotten diese gegen eine sozialreformatorische Politik ab, lassen eine Umstellung in Richtung einer solidarischen Ökonomie nicht zu, weil diese mit den normativen Vorgaben des europäischen Primärrechts nicht übereinstimmt.Die programmatischen Festlegungen des europäischen Primärrechts sind so eng, dass sie Politik nur in einer ganz besonderen, nämlich neoliberalen Weise zulassen“. Diese Analyse stammt aus dem Jahr 2008. Die Entwicklungen seither haben sie mehr als bestätigt. Auf Grundlage dieser EU-Verträge konnten die Machteliten sogar das völlige Scheitern des Neoliberalismus in der tiefen Wirtschaftskrise seit 2008 in eine „Radikalisierung des Neoliberalimus“ wenden, um den „Sozialstaat zu einem Auslaufmodell “ zu machen (EZB-Chef Mario Draghi). „Die SPÖ hat bei dieser „Radikalisierung des Neoliberalismus“ noch fleißig assistiert, indem gemeinsam mit der ÖVP sie z.B. den EU-Fiskalpakt durch den Nationalrat gewunken hat, der die gewählten Parlamente in der Budgetpolitik weitgehend entmündigt.“ Der Ökonom Stephan Schulmeister: „Mit dem EU-Fiskalpakt haben christ- und sozialdemokratische Politiker ihre Selbstentmündigung rechtlich abgesichert.“

Andersorte schaffen und den Menschen davon „erzählen“

In meiner Keynote am Donnerstag bei PfinXten werde ich unter anderem behaupten: „Die Botschaft kommt vom Kontext.“ Wer sich – wie die SPÖ – den gegenläufigen Kontext nicht bewusst macht bzw ihn nicht anspricht, wird weiter verlieren. „Sozial-demokratisch“ ist der Kern. Diesen muss Christian Kern wieder entdecken, mit allen oft unangenehmen Konsequenzen im eigenen Estabilishment. „Ökologisch-sozial-spirituell“ ist das Ziel von Papst Franziskus in seinem Werk #LaudatoSi. Auch bei ihm sieht man täglich, wie er Wege und Sichtweisen aufzeigt, von einem „technokratischen Menschen- und Gesellschaftsbild“ in das „ökologisch-sozial-spirituelle Weltverständnis“ zu kommen. Und der Papst sagt uns ganz klar: „Das Neue kommt am Rand.“ Er sieht genau dort jene „Andersorte“, die der Welt zeigen sollen, worum es tatsächlich geht: Um Werte, die die Menschenwürde ausdrücken. Um Sinn und Rituale, die den Menschen auf das Ganze inklusive seiner spirituellen Dimension öffnen. Und um Solidarität, den grenzenlosen Zusammenhalt über die eigene Sippe hinaus. Das schmeckt so wie in der SPÖ auch in der Kirche manchen „Würdenträgern“ nicht, weil sie an der „Macht des Mammons“ hängen. Auch hier ist der Vortrag von Sr. Martha Zechmeister hilfreich, für ChristInnen und SozialdemokratInnen und ebenso als tiefe Erinnerung für die „Christlichen in der Politik“. Unser Generalsekretär bei den Ordensgemeinschaften Österreich P. Franz Helm wurde am Pfingssonntag den ZIB1-SeherInnen nach der ZIB1 als „Kämpfer und Ermutiger gegen alle Entrechtung“ vorgestellt. Wenn heute Christian Kern angelobt wird, dann wünsche ich ihm, dass er diese „Fäden einer neuen Solidarität“, diese „Andersorte im Sinne des Gemeinwohls für alle“ aufgreift und den „Mammon-Gebilden und Mammon-Erklärungen absagt“. In Zusammenhang mit den Flüchtlingen hat der für mich als ÖBB-Vielnutzer gezeit: Geht doch! Vielleicht schafft er neue Solidaritäten. Dass er von Reinhold Mitterlehner schon als „hervorragender Manager“ gelobt wird, lässt wieder Zweifel aufkommen. Aber wie heißt es so schön: Der Zweifel ist der kleine Bruder des Glaubens, der Hoffnung.

 

Ein Hauch Leben, sprühender Geist und das über Grenzen hinweg

_IMG_9033Pfingsten ist im Gange. Pfingsten ereignet sich. Pfingsten hat für mich mit verbindender Lebenskraft zu tun. Und heute durfte ich etwas spüren von dem, was Pfingsten ist, sein kann. Und das ging so. Frau Ulrike Köhler, die geistliche Leiterin des ökumenischen Klosters Volkenroda in Thüringen, wo ich 2012 nach 26 Tagen zu Fuß von Kirchschlag aus mein Ziel gefunden habe, ist mit ihrem Mann und dem gerade frisch in die Gemeinschaft eingetretenen Ehepaar mit dem Fahrrad als „Fahrradpilgerin“ am Donauradweg unterwegs. Immer wieder erzähle ich von meinen mehrfachen Erfahrungen im Kloster Volkenroda. Und wir haben uns vereinbart, dass sie das „Pfingstamt“ im Stift Wilhering besuchen werden. Mit dem Fahrrad sind sie schon um 7.30 Uhr von Innzell aufgebrochen und um 10 Uhr „mit eingezogen“. Die Musik beim Gottesdienst war überwältigend. Wer die Rokkoko-Kirche kennt, kann das himmlische Gefühl erahnen. Schönheit ist eine Seite Gottes, die auch der Mensch nie vergessen soll. Er ist das Ebenbild Gottes. Dieser Gottesdienst war erhebend.

Die Predigt hat geöffnet

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Dienender Abt

Abt Reinhold Dessl hat gepredigt. Gedanken, die mich durchatmen lassen. „Empfangt den Heiligen Geist.“ Das hat er mit dem Anhauchen einer erstarrten Biene verglichen. Gott haucht Leben ein. Adam und Eva. Menschen, denen der Atem wegbleibt, denen es die Kehle zuschnürt. Jemand ist „angehaucht“ von einer Idee. Und Abt Reinhold zu uns allen: „So ähnlich brauchen auch wir die Anhauchung Jesu, die eine Heilung, Ermutigung und Aufrichtung ist“. Es liegt klare, reine Luft im Kirchenraum. Vielleicht auch gereinigt durch diese wunderbare Musik Haydn`s. „Feuer und Flamme sein“ und „für etwas brennen“. Das drängt hinaus. Wie die Bienen weit weg fliegen, um Honig zu sammeln. Abt Reinhold verweist auf den Papst, der immer wieder Mut macht, hinauszugehen. Wie geht raus? – ist aus meiner Sicht die zentrale Frage für viele katholische, kirchliche Milieus. Zu viel Stallgeruch. „Wir sollen den Aufbruch wagen.“ Und der Abt meint auch, dass das Gespräch über Diakoninnen selbstverständlich sein soll. „Dafür ist es höchste Zeit.“ Sprühender Geist ist uns zugesagt. _IMG_9035Der soll nicht eingesperrt oder eingeengt werden.  Deshalb legt Abt Reinhold in seiner Predigt noch den dritten Gedanken dazu: „Der Geist Gottes schafft Verbindung über alle Grenzen.“ Das Wunder des Verstehens wurde möglich. „Wie sehr bräuchten wir dieses Wunder heute.“ Und dann der biblische Gedanke, dass Gottes Geist Flügel verleiht, beflügelt, manches Schwere „erhebt“. Amen. So sei es. Im Credo gehen diese Gedanken bei der Musik weiter. Und am Ende des Gottesdienstes dann die Begegnung. Da stehen wir vor der Kirche, der Abt, die evangelisch-ökumenischen Radpilger, der Leiter der Musik Kurt Azesberger, Gerlinde und ich. Wir spüren: Wir sind ganz tief verbunden, haben den Hauch des Lebens gespürt, beseelt von einem Brücken bauenden Geist. Wir sind zum Essen eingeladen und der Abt selber bedient uns. Danke und „irgendwie so geht Pfingsten“. Denke ich mir. In jedem Fall werde ich bei PfinXten davon erzählen.

 

Die Tür für Frauen öffnen

Heute ist wieder so ein Tag, wo ein tiefes Aufatmen, ein Durchatmen auf Zukunft hin möglich ist. Schon seit Tagen gehen Frauen Richtung Rom, um dort der Rolle der Frauen einen größeren Stellenwert, eine Wertschätzung in der Gleichwertigkeit zu den Männern zu verleihen. „Für eine Kirche mit* den Frauen“ steht über diesem Pilgern, Gehen, Weg-Suchen in Regen und Sonne. Natürlich wäre ich da gerne dabei – nach dem Klimapilger als „Frauenpilger“, als Pilger für und mit den Anliegen der Frauen.

Papst zeigt den Schlüssel

Über 900 Oberinnen aus der ganzen Welt waren heute bei Papst Franziskus bei der Generalaudienz. Dort hat der Papst selber den Schlüssel herausgeholt, um die Tür zum Diakonat für Frauen, mit Frauen aufzusperren. Seit Johannes Paul II wurden jene desavouiert, die diesen Schlüssel gesucht, gefordert haben. „Herr Magister, die Tür ist ein für alle Mal geschlossen. Es gibt nie und nimmer eine Weihe für Frauen.“ So hat vor Jahren Bischof Ludwig Schwarz auf mich eingeredet, weil ich dem Bischof vorgeschlagen habe: „Aber denken wir doch 500 Jahre weiter.“ „Nein, ein für alle Mal.“ Na dann. So erlebe ich gerade heute eine gewisse Genugtuung und noch viel mehr Notwendigkeit, die Frauen zu Diakoninnen zu weihen. Wer macht die diakonalen Aufgaben? Wer pflegt? Wer geht an den Rand? Wer richtet auf? Es sind oftmals die Frauen und diesen Frauen wird das Weiheamt dafür verwehrt. Das wird sich ändern – ändern müssen, will die Kirche nicht in die selbstverliebte Bedeutungslosigkeit versinken. Sr. Katharina Ganz hat beim Jubiläum in Innsbruck ganz klare Worte gefunden. Und dann hat Sr. Martha Zechmeister das alles noch auf den Punkt gebracht. „Menschlich leben – so wie Jesus“ war ihr Vortrag. Es sind vor allem Frauen, die diese Wege an den Rand gehen bis tief hinein in die Diakonie, ohne Ansehen und Wertschätzung. Einfach um der Menschen willen. Und diese Frauen sollten die Weihe empfangen. Eher heute als morgen.

Als Medienexperte Rede und Antwort gestanden

Basilika_Dreh_2013Das läutet das Telefon. Die Kathpress ist am anderen Ende der Leitung. Der 8. Mai ist Mediensonntag und ich wurde angefragt, wie sich die Dinge bei den Orden „medienmäßig“ entwickeln. Mittlerweile sind es schon wieder fast vier Jahre (seit Juni 2012), dass ich in Wien arbeite und dort das Medienbüro aufgebaut habe. Und wie es so ist, fallen einem da schon verschiedene Dinge ein, die aus Theorie kommen aber vor allem aus Praxis und Erfahrung stammen. So wurde ich schließlich zusammengefasst:

„Die neuen Möglichkeiten des Internets werden von den katholischen Orden immer mehr als wichtiges Einsatzgebiet erkannt: „In den jüngsten Jahren verzeichnen die Gemeinschaften eine große Steigerung der Internet- und Social Media-Präsenz. Immer mehr Orden haben eigene PR-Verantwortliche und werden sich bewusst, dass ein Zugehen auf jüngere Gesellschaftsgruppen nicht um Facebook und Co herum kann“, schilderte Ferdinand Kaineder, der Leiter des Medienbüros der Ordensgemeinschaften, im Interview.

„Orden haben der Gesellschaft viel anzubieten – ob bei Spiritualität, Sozialem, Gesundheit, Bildung oder Kultur „, so das Credo des Kommunikationsexperten, der selbst auf sämtlichen Internet-Plattformen präsent ist. Die wichtigste Vermittlungsarbeit würden die 105 Frauen- und 87 Männerorden des Landes weiter in persönlichen Begegnungen leisten, und viele von ihnen führen weiterhin eigene Zeitschriften für lang aufgebaute Kontakte. „Die Nachfrage nach Social Media-Kursen und Beratung in den Gemeinschaften ist gestiegen“, berichtete Kaineder.

Längst seien es mehr als nur eine Handvoll Ordensleute, die in den neuen Formen von Öffentlichkeit zu Hause sind. Die Franziskaner etwa sind mit Videoclips im Internet auf Mission, die Kongregation der Helferinnen oder die Dominikaner über Facebook, und die Zahl bloggender Patres und Schwestern steigt, zählte Kaineder einige Beispiele auf. Das hier zur Verfügung gestellte Wissen und die Erfahrungen aus dem Ordensalltag seien „sehr wertvoll“, so die Beurteilung des Medienexperten. Ein eigenes Medienzentrum hat indes unlängst das Stift Heiligenkreuz gestartet.

Das 2012 gestartete Medienbüro mit Sitz an der Wiener Freyung unterstützt und vernetzt bei Medienfragen, hilft „Themen in den öffentlichen Diskurs einfließen zu lassen und deren Anschlussfähigkeit aufzuzeigen“, so Kaineder. Dabei gelte es auch das Grundproblem zu überwinden, dass Orden auf Nachhaltigkeit, Langfristigkeit und auch Langsamkeit ausgerichtet sind – nicht aber die Logik der Medien. „Es wäre nicht sinnvoll, wenn alle Ordensleute ein rasantes Tempo leben. Mit dem Medienbüro versuchen wir, bei wichtigen Themen dennoch schnell zu sein“, erläuterte der Fachmann.

Im Medienbüro verfolge man den Grundsatz „online first“, mit der Homepage www.ordensgemeinschaften.at und den Web-2.0-Kanälen als zentralem Werkzeug. An Journalisten richten sich Aussendungen, Pressekonferenzen, Foto-Service, Medientage und -empfänge, darüber hinaus wird eine ganze Palette von externen und auch internen Kommunikationskanälen bespielt. Zu den Printformaten zählen hier das zweimonatlich erscheinende Ordensmagazin „ON“, Mini-Erklärbücher zu bestimmten Aspekten und der Jahresbericht „Summa“, der sich an Interne und Entscheidungsträger wendet. Interne Informationsblätter, periodische Aussendungen nach Themen und eigene Newsletter komplettieren das Angebot.

Dass es innerhalb der Ordensgemeinschaften viele unterschiedliche oder konträre Themensetzungen, Gewichtungen und Positionen zu Kirche und Gesellschaft gibt, sieht Kaineder mehr als „großen Reichtum“ denn als Problem: „Hier gilt es, unhierarchisch auf gute Weise mit den Meinungen umzugehen, die Gesellschaft eben ausmachen, und die Vielfalt zu schätzen.“ Wichtig sei dennoch eine „Abstimmung“ zumindest der gewählten Vertretungen und der Experten untereinander: Erst so sei bei Schwerpunktthemen wie Flüchtlinge, Klima, Nachhaltigkeit, Gemeinschaftsleben oder Wirtschaft der gemeinsame Fokus möglich.“

Die starken 4%

Die letzten Tage waren intensiv. Sehr intensiv. Aber vorweg: Unglaublich nährend und aufbauend. Die Vereinigung der Frauenorden Österreichs hat in Innsbruck das 50-Jahr-Jubiläum gefeiert. Ich durfte mithelfen, mit beraten, mit tragen und auch in vollen Zügen mit genießen. Wir kennen die Zahlen der Frauenorden. Sinkend bis dramatisch sinkend. Sr. Martha Zechmeister aus San Salvador hat mit ihrem Festvortrag die mehr als 300 Ordensfrauen und Gäste aus meiner Sicht sowohl in die Tiefe als auch an den Rand geführt. Zukunft liegt nicht im Zentrum, sondern die neuen Lebensfelder entwickeln sich gerade am Rand, oft in Not, Armut, Ausgrenzung und dem „Überflüssig-Sein“ (Ilia Trojanov). Langer Applaus. Jemand aus der #Ordenskirche mit hautnaher praktischer Erfahrung in dieser ungerechten Welt hat diese tiefe Sehnsucht, den Kern der Berufung und die Lebensaufgabe für ChristInnen und Ordensleute herausgekehrt, vorangestellt. Hier kann der Vortrag nachgelesen werden. Und dann dieses kleine Detail am Festtag.

Die Jungen treten auf

1500_20160430-DSC_0859_full4Unser Fotograf Reinhold Sigl hat ein wunderbares Bild gemacht, das mehr ausdrückt als im ersten Moment dem Auge entgegenkommt. Fünf junge Ordensfrauen sind auf den Fotografen zugegangen mit der mentalen Einstellung „Die starken 4%“. Ja, 4% der Ordensfrauen sind unter 40 Jahre. Diese fünf Frauen sind ein Teil der 147 Ordensfrauen, denen 1992 Schwestern über 75 Jahre gegenüber stehen. In diesem Fall gehen. Und das ist zukunftsträchtig. Bewegung, Bewusstsein und Tun. Die Gesellschaft denkt zwar dauernd in Zahlen, in großen und größten Zahlen, aber es kommt auf die Qualität, das Bewusstsein, das Tun an. Ich gebe es zu: Dieses Bewusstsein dieser Ordensfrauen mit der Bereitschaft, sich zu bewegen und etwas zu bewegen, kann ein neuer Aufbruch in die Zukunft sein. Auf Facebook wird das Foto schon geteilt. Wie hat Martha Zechmeister gesagt: „Christliche Mystik ist immer eine Mystik des Weges. Eben: Jesus nachfolgen. Unser Gehen ist ein Pilgern, ein Gehen mit Gefährtinnen. Wer in der Hoffnung geht, lebt heute schon sein Morgen mit den Entrechteten und Marginalisierten. Mensch-Sein, Christ-Sein, Ordensfrau sein bedeutet, nicht aufzuhören, gegen alle totbringenden Mächte anzuhoffen und anzulieben.“ Hier sind die Fünf von den starken 4% unterwegs. Das gibt Hoffnung, Mut und strahlt sicherlich aus.