Als Medienexperte Rede und Antwort gestanden

Basilika_Dreh_2013Das läutet das Telefon. Die Kathpress ist am anderen Ende der Leitung. Der 8. Mai ist Mediensonntag und ich wurde angefragt, wie sich die Dinge bei den Orden „medienmäßig“ entwickeln. Mittlerweile sind es schon wieder fast vier Jahre (seit Juni 2012), dass ich in Wien arbeite und dort das Medienbüro aufgebaut habe. Und wie es so ist, fallen einem da schon verschiedene Dinge ein, die aus Theorie kommen aber vor allem aus Praxis und Erfahrung stammen. So wurde ich schließlich zusammengefasst:

„Die neuen Möglichkeiten des Internets werden von den katholischen Orden immer mehr als wichtiges Einsatzgebiet erkannt: „In den jüngsten Jahren verzeichnen die Gemeinschaften eine große Steigerung der Internet- und Social Media-Präsenz. Immer mehr Orden haben eigene PR-Verantwortliche und werden sich bewusst, dass ein Zugehen auf jüngere Gesellschaftsgruppen nicht um Facebook und Co herum kann“, schilderte Ferdinand Kaineder, der Leiter des Medienbüros der Ordensgemeinschaften, im Interview.

„Orden haben der Gesellschaft viel anzubieten – ob bei Spiritualität, Sozialem, Gesundheit, Bildung oder Kultur „, so das Credo des Kommunikationsexperten, der selbst auf sämtlichen Internet-Plattformen präsent ist. Die wichtigste Vermittlungsarbeit würden die 105 Frauen- und 87 Männerorden des Landes weiter in persönlichen Begegnungen leisten, und viele von ihnen führen weiterhin eigene Zeitschriften für lang aufgebaute Kontakte. „Die Nachfrage nach Social Media-Kursen und Beratung in den Gemeinschaften ist gestiegen“, berichtete Kaineder.

Längst seien es mehr als nur eine Handvoll Ordensleute, die in den neuen Formen von Öffentlichkeit zu Hause sind. Die Franziskaner etwa sind mit Videoclips im Internet auf Mission, die Kongregation der Helferinnen oder die Dominikaner über Facebook, und die Zahl bloggender Patres und Schwestern steigt, zählte Kaineder einige Beispiele auf. Das hier zur Verfügung gestellte Wissen und die Erfahrungen aus dem Ordensalltag seien „sehr wertvoll“, so die Beurteilung des Medienexperten. Ein eigenes Medienzentrum hat indes unlängst das Stift Heiligenkreuz gestartet.

Das 2012 gestartete Medienbüro mit Sitz an der Wiener Freyung unterstützt und vernetzt bei Medienfragen, hilft „Themen in den öffentlichen Diskurs einfließen zu lassen und deren Anschlussfähigkeit aufzuzeigen“, so Kaineder. Dabei gelte es auch das Grundproblem zu überwinden, dass Orden auf Nachhaltigkeit, Langfristigkeit und auch Langsamkeit ausgerichtet sind – nicht aber die Logik der Medien. „Es wäre nicht sinnvoll, wenn alle Ordensleute ein rasantes Tempo leben. Mit dem Medienbüro versuchen wir, bei wichtigen Themen dennoch schnell zu sein“, erläuterte der Fachmann.

Im Medienbüro verfolge man den Grundsatz „online first“, mit der Homepage www.ordensgemeinschaften.at und den Web-2.0-Kanälen als zentralem Werkzeug. An Journalisten richten sich Aussendungen, Pressekonferenzen, Foto-Service, Medientage und -empfänge, darüber hinaus wird eine ganze Palette von externen und auch internen Kommunikationskanälen bespielt. Zu den Printformaten zählen hier das zweimonatlich erscheinende Ordensmagazin „ON“, Mini-Erklärbücher zu bestimmten Aspekten und der Jahresbericht „Summa“, der sich an Interne und Entscheidungsträger wendet. Interne Informationsblätter, periodische Aussendungen nach Themen und eigene Newsletter komplettieren das Angebot.

Dass es innerhalb der Ordensgemeinschaften viele unterschiedliche oder konträre Themensetzungen, Gewichtungen und Positionen zu Kirche und Gesellschaft gibt, sieht Kaineder mehr als „großen Reichtum“ denn als Problem: „Hier gilt es, unhierarchisch auf gute Weise mit den Meinungen umzugehen, die Gesellschaft eben ausmachen, und die Vielfalt zu schätzen.“ Wichtig sei dennoch eine „Abstimmung“ zumindest der gewählten Vertretungen und der Experten untereinander: Erst so sei bei Schwerpunktthemen wie Flüchtlinge, Klima, Nachhaltigkeit, Gemeinschaftsleben oder Wirtschaft der gemeinsame Fokus möglich.“

Die starken 4%

Die letzten Tage waren intensiv. Sehr intensiv. Aber vorweg: Unglaublich nährend und aufbauend. Die Vereinigung der Frauenorden Österreichs hat in Innsbruck das 50-Jahr-Jubiläum gefeiert. Ich durfte mithelfen, mit beraten, mit tragen und auch in vollen Zügen mit genießen. Wir kennen die Zahlen der Frauenorden. Sinkend bis dramatisch sinkend. Sr. Martha Zechmeister aus San Salvador hat mit ihrem Festvortrag die mehr als 300 Ordensfrauen und Gäste aus meiner Sicht sowohl in die Tiefe als auch an den Rand geführt. Zukunft liegt nicht im Zentrum, sondern die neuen Lebensfelder entwickeln sich gerade am Rand, oft in Not, Armut, Ausgrenzung und dem „Überflüssig-Sein“ (Ilia Trojanov). Langer Applaus. Jemand aus der #Ordenskirche mit hautnaher praktischer Erfahrung in dieser ungerechten Welt hat diese tiefe Sehnsucht, den Kern der Berufung und die Lebensaufgabe für ChristInnen und Ordensleute herausgekehrt, vorangestellt. Hier kann der Vortrag nachgelesen werden. Und dann dieses kleine Detail am Festtag.

Die Jungen treten auf

1500_20160430-DSC_0859_full4Unser Fotograf Reinhold Sigl hat ein wunderbares Bild gemacht, das mehr ausdrückt als im ersten Moment dem Auge entgegenkommt. Fünf junge Ordensfrauen sind auf den Fotografen zugegangen mit der mentalen Einstellung „Die starken 4%“. Ja, 4% der Ordensfrauen sind unter 40 Jahre. Diese fünf Frauen sind ein Teil der 147 Ordensfrauen, denen 1992 Schwestern über 75 Jahre gegenüber stehen. In diesem Fall gehen. Und das ist zukunftsträchtig. Bewegung, Bewusstsein und Tun. Die Gesellschaft denkt zwar dauernd in Zahlen, in großen und größten Zahlen, aber es kommt auf die Qualität, das Bewusstsein, das Tun an. Ich gebe es zu: Dieses Bewusstsein dieser Ordensfrauen mit der Bereitschaft, sich zu bewegen und etwas zu bewegen, kann ein neuer Aufbruch in die Zukunft sein. Auf Facebook wird das Foto schon geteilt. Wie hat Martha Zechmeister gesagt: „Christliche Mystik ist immer eine Mystik des Weges. Eben: Jesus nachfolgen. Unser Gehen ist ein Pilgern, ein Gehen mit Gefährtinnen. Wer in der Hoffnung geht, lebt heute schon sein Morgen mit den Entrechteten und Marginalisierten. Mensch-Sein, Christ-Sein, Ordensfrau sein bedeutet, nicht aufzuhören, gegen alle totbringenden Mächte anzuhoffen und anzulieben.“ Hier sind die Fünf von den starken 4% unterwegs. Das gibt Hoffnung, Mut und strahlt sicherlich aus.

Kann man Religion lernen

So ist das manchmal, wenn ich mit Öffis fahre. Bevor es nach Innsbruck zum großen Jubiläum der Frauenorden geht, treffe ich mich mit einem iranischen Flüchtling, der zum christlichen Glauben konvertieren wird. Ein Jahr lang wird er sich vorbereiten und ich werde ihm dabei Pate sein. Wir sehen einander zum ersten Mal und wir haben sofort ein gutes Gespräch. Ich bewundere, wie schnell ein Mensch innerhalb von fünf Monaten so gut deutsch sprechen und schreiben kann. Wir finden gut zueinander und tauschen Basics aus. Religion ist gar nicht das Thema. Sein Vorhaben hat uns über einen Freund zusammengeführt. Heute für kurze Zeit. Das wird sich ändern. Wir wollen und werden mehr Zeit miteinander verbringen. Der Bus fährt weg und ich haste hinaus. Der Buschauffeur sieht mich noch rennen, bleibt extra stehen und nimmt mich noch auf. Es geht nach Innsbruck.

Gesprächige Busfahrtop

Beim Umsteigen in der Glasau schaue ich den Schneeflocken zu. Sie tanzen mir auf der Nase herum und hüllen die Landschaft in ein grün gefärbtes Weiß. Zwei Frauen reden mich an der Bushaltestelle an. Thema: der Schnee. Wir steigen ein. Der Bus ist fast voll. Ich setze mich zu einem Mann, den ich von früher kenne. Er ist in Pension. Das Gespräch bleibt anfangs an der Oberfläche bis zu dem Augenblick, wo er mich fragt: Glaubst du, dass man Religion lernen kann? Ich erzähle ihm von meinem Gespräch vorhin mit meinem „Flüchtlingsfreund“, den ich getroffen habe und der sich ein Jahr lang auf die Taufe und Firmung vorbereitet. Er „wechselt“ die Religion. „Darf ich an diesem Gespräch teilnehmen“, sagt eine Frau eine Reihe vor mir am Fenster sitzend. Sie tauscht ihren Platz und wir drei bilden über den Mittelgang hinweg eine „Gesprächsinsel“. Wo zwei oder drei. Wie kommt ein Mensch dazu, seine Religion zu wechseln? Ist es nicht immer derselbe Gott, den wir verehren? Bringt Religion mehr Gewalt oder Versöhnung in diese Welt? Es ist ganz gleich, welche Religion wir haben. Die Religion bei uns hier ist der „Kapitalismus“, das Geld, die Ökonomie. Gerade diese rein ökonomische Sichtweise braucht eine Aufklärung. Bis hierher habe ich zugehört. Diese Aussagen kamen nicht von mir, sondern von meinen Gesprächspartnern. Natürlich konnte ich nicht anders, als die „Latte“, über die alles springen muss, zu benennen: Wie kommt mehr Liebe in die Welt und wie können wir die Welt durch unser ganz konkretes Tun ein Stück weit besser machen. Die ersten Busgäste steigen aus, bringen unser Gespräch durcheinander. Eine junge Frau hinter mir sagt: Danke, das war sehr interessant, was ihr da gesprochen habt. So sind sie manchmal, die Busfahrten.

Geh nicht in die Stadt

Diese Beobachtung wird mir noch länger „in den Sinn kommen“. Ich war gestern mit der U6 unterwegs Richtung Kardinal König Haus. 25 Leitungsverantwortliche von Ordensgemeinschaften in Österreich, der Schweiz und Deutschland haben einen Tag „Medien-Workshop“ im Zuge ihres zweijährigen Leitungslehrganges. Ich durfte den Workshop gestalten. Da ging es nicht nur um das Was und Wie der Medien, sondern auch um das Why. Die Kernfrage der heutigen Zeit. Warum? Diesen Kern sollten aus meiner Sicht alle Bereiche der Gesellschaft viel stärker stellen: Why? Warum? Eben. In manchen Bereichen darf diese Frage gar nicht auf den Tisch kommen. Sie ist zu lästig, zu tief. Die U6 fährt in die Längenfeldgasse ein und ich steige dort in die U4 nach Hietzing um. Normalerweise ist das einfach ein Hinübergehen am Bahnsteig und die Fahrt geht weiter. U6 un U4 treffen dort punktgenau zusammen. Es fühlt sich dann an, als wäre man gar nicht umgestiegen. Heute ist das anders. Wir warten.

Warum zählt das Urbane so viel?

Warten ist immer eine gute Gelegenheit, die Augen aufzumachen. Nicht für das Smartphone, sondern für die Welt, das Rundherum. Gegenüber am Bahnsteig geht ein junger Vater mit seinem Kind. Es ist etwa so alt wie unser Enkerl, etwa 1 1/2 Jahre. Das Kind (ich weiß nicht, ob Mädchen oder Bub) hat bei seinem Vater viel Freiheit.  Es darf selber gehen. Es darf entdecken. Schauen. Angreifen. Es fährt mit der Hand der Eisenbank entlang. Die Säule wir angetastet. Beton. Der Vater hat Geduld. Schaut zu. Das tut dem Kind gut, selber die Welt zu entdecken. Das lerne ich ja auch von unserem Enkerl, wenn wir im Wald unterwegs sind. Das Schauen, Angreifen, Tasten, Probieren, Hinfallen, selber Aufstehen, Langsamkeit, still stehen. Die U4 lässt auf sich warten. Aber es gibt ja was zu sehen, zu schauen, für mich, für einen Opa. Das Kind dreht wieder um, sucht den Kontakt zum Vater. Er ist da. Die Entdeckungsreise geht weiter. Jetzt ist der Mistkübel dran. Die Hand fährt hinein. Noch zu wenig drinnen. Da, am Boden. Papier. Dieses bedruckte Papier (landläufig Gratiszeitung genannt) liegt oft massenweise herum. Das Kind bückt sich, nimmt es in die Hand, fährt zum Mund. Die U4 fährt ein und verstellt mir den Blick. Urbaner Schmutz vom Asphalt aufgehoben. Wie wird er dem Kind „schmecken“? Die U6 auf der anderen Seite fährt auch ein und ich kann nicht einmal den Vater beobachten, was er macht. Geduld? Doch „schmutzig“ sagen? Mit der Hand in die Hand greifen? Wir fahren ab. Richtung Leitungslehrgang. Warum – why – wollen alle Menschen in die Stadt? Weltweit. Im Dahinfahren kommen mir die Bilder, wie ich nach Assisi durch Städte gegangen bin und erlebt habe: Die Stadt raubt die meisten Kräfte, der Asphalt. Die 97-jährige Frau Molterer fällt mir ein, die zu den Firmlingen gemeint hat. „Ihr Stadtkinder habt es viel schwerer, weil ich nur Asphalt unter den Füssen habt.“ Das Kind geht mir nicht aus dem Sinn. Fast möchte ich hinüberrufen: Geh nicht in die Stadt.
(Es gibt dazu kein Bild, weil ich nur geschaut habe.)

Die braunen Käfer

IMG_8174_999Meine Morgenrunde zu Fuß geht talwärts und natürlich später wieder bergwärts. Zwei Drittel der Strecke im Wald. Das ist das Kräftigende. Der Wald. Wer seine Seele, seinen Kopf, sein Herz durch den Wald trägt, ist auf „kleinen Heilungswegen“ unterwegs. „Waldduschen“ sagen andere. Es ist ganz einfach: Es tut einfach gut. Bewegung, das aufstrebende Grün, die Vielfalt, der Boden und die Luft. So auch dieser Tage. Talwärts bin ich dem Bauern begegnet, der sich mit den geschädigten Bäumen herumschlagen muss. Besser: Er war dabei, die mehr als 100 Jahre alten Fichten, die vom Borkenkäfer gekillt wurden, zu schlägern, umzuwerfen. Ich bin kein Waldbiologe, aber das fährt einem seit letzten Sommer unter die Haut. Ganz gleich, wo man hinschaut, haben Borkenkäfer Fichtenbäume in großer Zahl vernichtet. Die Monokultur und die Trockenheit des letzten Sommer hat die Bäume schwach gemacht. Die Hitze hat die Vermehrung der Borkenkäfer unglaublich beschleunigt. IMG_7962_999Normalerweise nistet sich der Borkenkäfer in die Rinde ein und der Baum wehrt sich dagegen, indem er den Käfer „einharzt“, ihn mit Harz umschließt und so unschädlich macht. Das braucht ein gutes „Immunsystem“ des Baumes. Er muss kräftig und gesund sein. Er braucht genügend Wasser und eine vielfältige Umgebung. Die vom Käfer geschädigten Bäume, die der Bauer dieser Tage gefällt hat, habe ich Jahr für Jahr als groß, kräftig und unerschütterlich gehalten. Jetzt liegen sie da. „Mehr als 100 Jahresringe habe ich gezählt.“ Man spürt, es tut dem Bauern weh, sie so liegen zu sehen. Ich gehe nach einem kurzen Gespräch meinen Weg weiter. Wie es so ist, bringt mich die Natur auf weitere Gedanken, Parallelen, Gleichnisse.

Gerechtigkeit, Solidarität, Zusammenhalt und Empathie regnen lassen

IMG_8228Gestern habe ich im Kino in Wien den Film „Die Geliebte des Teufels“ gesehen. Es ging um die Geliebte Göbbels, eine tschechische Schauspielerin, schön und von der Mutter „in die Karriere gebracht“. Wer Gelegenheit hat, einfach anschauen.  Es ging um die Zeit des aufkeimenden Nationalismus. Schönheit ist dem charmanten Machtmenschen und „Ermöglicher“ begegnet. Der Vater hat die Tochter „gewarnt“, ebenso die Schwester. Aber die Beziehung hat sich weiterentwickelt. Der Karriere war es förderlich. Der Familienmensch Göbbels (Karl Markowics) und die schöne Schaupielerin. Selbst die „Kristallnacht“ (eindringlich filmisch dargestellt) lässt sie noch nicht „erkennen“. Die Gesellschaft war zu dem Zeitpunkt schon ausgetrocknet und wenige haben den Anflug der brauen Borkenkäfer als Gefahr erkannt . Der „Klimawandel“ der 30-er-Jahre durch die Nazis hat den kräftigenden Regen, den jeder Baum, jeder Mensch, jedes Lebewesen braucht, austrocknen lassen. Was meine ich mit dem Regen? Der Regen der Solidarität, des Zusammenhaltes, des Gemeinwohles, der Begegnung auf Augenhöhe, des unteilbaren Wertes jedes einzelnen Lebens, der fördernden und Leben spendenden Offenheit auf Gott hin. Statt dessen ist die Trockenheit des Mammon, des Rassismus, des Egoismus, der Diktatur und der Gewalt ausgebrochen. Die „braunen Borkenkäfer“ damals haben das ausgenutzt. Baum und Baum wurde „umgelegt“. Gerade der Film macht diese „moralische Dürre und Trockenheit erahnbar“. Sichtbar ist sie am Anfang nicht. Und heute? Die braunen Borkenkäfer fliegen, vermehren sich. Wie ist es um den Wald, die Gesellschaft bestellt? Derzeit erleben wir, wie die Gesellschaft in ihrem inneren Zusammenhalt „ausgetrocknet“, der Resilienz fördernden Vielfalt beraubt wird. Wir dürfen uns nicht wundern, wenn die brauen Borkenkäfer so erfolgreich sind. Gesellschaftlich haben wir es aber mit keiner „Naturgewalt“ zu tun. Wir können Gerechtigkeit, Solidarität, Zusammenhalt und Empathie regnen lassen. Es liegt an uns.

Benedikt implodierte. Explodiert Franziskus?

IMG_8087Das päpstliche Schreiben „Amoris Laetitia“ in Folge der Familiensynode ist seit ein paar Tagen „on air“. Die Reaktionen sind zum Teil enthusiastisch bis verhalten. Mit diesem Schreiben hat Papst Franziskus einige „enttäuscht“. Das Wort Enttäuschung hat ja als tiefe Wurzel einen Befreiungsakt in sich. Man wird ent-täuscht. Also: Eine Täuschung wird von uns genommen. Und es ist sehr schwer, sich selber eine Täuschung einzugestehen. Der ganze Mechanismus „Kirche“ (es ist eher die männliche Amts- und Kleruskirche gemeint) entdeckt gerade seine Täuschung. Hat zum Beispiel Kardinal Schönborn noch vor 15, 10, 5 Jahren dem Kirchengesetz und der Norm das Wort geredet und ist persönlich gegen die Diözese Linz und ihren Bischof Aichern „vorgegangen“, so hören wir heute aus seinem Mund: „Ausrichtung auf die Liebe ist wichtiger als Normen„. Die Kirche entdeckt gerade ihre Täuschung: Das Pochen auf Gesetz und Norm. Papst Benedikt ist genau daran erstickt. Er wurde von diesem selbst mit geschaffenen System von Gesetz, Norm und dem damit verbundenen Spitzelwesen geradezu an die Wand gedrückt. Er ist an diesem System „implodiert“. Der Rücktritt war die Notbremse, die er zum persönlichen Selbstschutz gezogen hat. Er wird sicher schwer „ent-täuscht“ sein von seinen Kollegen. Das kann man am besten in Ruhe, Stille ausschwingen lassen. Das dürfte ihm gelingen.

Die Explosion verhindert

IMG_9522Anders fühlt sich das bei Papst Franziskus an. Er wurde als „Befreiungsakt“ gewählt. Gerade wieder an Kardinal Schönborn kann man die Veränderung gut sehen. Er versteht es, sich „anzupassen“ an die jeweilige „Führung des Systems“. In diesem Fall nicht risikolos. Wahrscheinlich hat er auch federführend mitgeholfen, dass sich das System den Verirrungen stellt. Macht, Geld, Positionen, Fundamentalismen. Auch er lässt alles, was Gesetz und Norm betrifft, heute unangetastet und schwingt sich mit Papst Franziskus zu einer neuen Betrachtung der Welt, der Kirche und der Menschen auf. „Liebe“ wird als neue Perspektive und Bewegung angesagt. Es erinnert mich an Jesus. Empathie, Compassion, auf Augenhöhe und immer aufrichten. Nie verurteilen. Hereinnehmen und nie verstoßen. Und: Jede Bewegung bringt eine neue Perspektive. Gerade Bewegung, Standortveränderung, hinuntersteigen zu den Menschen ist die Sache dieses Papstes. Einfach unter den Menschen sein. Er setzt sich damit ganz aus. Keine Vorsicht. Er verlangt ganz offen ein „fluides Verständnis“ von Welt und Kirche. „Bewegt euch“. Es braucht eine neue Anschlussfähigkeit. Aber genau diese Bewegung umspült die „betonierten Positionen“ schwer. Manche sehen einen Sturm, der das eigene Haus in der Komfortzone in Bedrängnis bringt. Die Medien sind angetan von seiner „persönlichen Autorität“. Er ist nicht Amt, sondern Mensch. Das strahlt aus. In seinem Schreiben lässt er viele Fragen von Details unangetastet. Das macht stutzig. Ich sehe es als Chance: „Die Synode geht bei den Menschen weiter.“ Aber: Sollte wieder ein anderer Wind wehen, dann sind diese „lieblosen römischen Systemfehler“ nicht behoben, und Gesetz und Norm schlagen wieder zu. Auch wenn in diesem Schreiben das „Gewissen den Gehorsam“ eindeutig schlägt, so werden die Widersprüche „im System latent weiterleben“. Beispiel Einschätzung von Homosexualität. Dort wird ebenfalls Liebe und Verbindlichkeit gelebt, aber von der Kirche nicht wertgeschätzt. Da wird weiter ausgegrenzt oder die Liebe auf die Sichtweise eheliche Liebe eingegrenzt. Alle diese Widersprüche könnten zur Explosion führen. Früher oder später. Auch für diesen Papst, der mit seiner Betrachtung einstweilen die Explosion verhindert hat.

 

Gut, dass es die investigativen JournalistInnen gibt

offs„Zum Glück gibt es kritische, unbeugsame Medien in diesem Land. Gratulation an alle JournalistInnen, die an den Panama Papers mitarbeiten. Wer sonst würde sonst diese Missstände aufzeigen?“ Das schreibt Michael Obermeyer von Reichl und Partner. Hie und da treffen wir einander im Zug „an der Westbahnstrecke“. Meist fügt sich ein Gespräch „über die Lage der Nation“ an. Mir selber scheint, dass unser soziales Gefüge aus dem Ruder läuft. Das Geld ist für das Glück des Menschen nicht alleine entscheidend. Wem aber das „Mindeste“ als Sicherung fehlt, dem fehlt die Basis. Das in Milliardenhöhe gestohlene Vermögen höhlt das Gemeinwesen aus. Den Menschen wird aber die Geschichte erzählt, dass sich die Mindestsicherung nicht ausgeht. Die VP in OÖ fragt auch noch die Menschen, ob das so ist. Ja, 60% sind für die Kürzung bei den anderen. So sieht die von einer „christlichen Partei“ geschürte Neiddebatte aus. Mein Neffe Stefan, der im Landtag sitzt, sieht das so: „In OÖ kann man gerade in Echtzeit zuschauen, wie Menschlichkeit, Anstand und auch in ersten Ansätzen der Rechtsstaat uns unter den Füßen davonerodieren.“

Es braucht mehr Ungehorsam

Ich selber bin am Sonntag Abend bei der ZIB Spezial gesessen und dachte mir: „Verspäteter Tatort“. Es wurde gezeichnet, illustriert, einfach erläutert, wer uns bestiehlt und bedroht. Es sind nicht die Flüchtlinge, sondern die Machthaber aller Sorten, die abschöpfen, kriminelles Geld waschen. Gut, dass es diese JournalistInnen gibt, die sich investigativ verbünden und Licht ins Dunkel bringen. Bitte weiter so. Danke Falter und auch dem ORF. Wir sehen heute schon, dass Juristen ausrücken, um zu klären. Sie werden bald an der international abschirmenden Gummiwand stehen. Nichts auszurichten. Es braucht die JournalistInnen, die kritische und ungeschminkte Öffentlichkeit und ein breites Verstehen-Wollen großer Bevölkerungsschichten. Und es braucht das Gewissen der Whistleblower, die sagen: „Wenn ich das meinem Gewissen zeige, was ich hier täglich sehe, kann ich nicht länger schweigen. Es muss raus. An die Öffentlichkeit.“ Gut, dass sie diesen Dienst an der Gesellschaft tun und – wie Snowden – ihre Freiheit dafür einsetzen. Es braucht mehr Ungehorsam. Viel mehr.

 

 

 

Kopftücher verbinden

600_IMG_7862Es war gestern doch ein großer Tag. Das neue Buch „Ein bisserl fromm waren wir auch“ ist im Büro eingetroffen. Meine Kollegin Monika Slouk hat hier die Hauptarbeit geleistet und unsere Präsidentin Sr. Beatrix Mayrhofer als Herausgeberin hat mit großem Engagement das Buch „vorangetrieben“. Ich weiß es von meinem Buch über das Assisi-Gehen damals: Es ist, wie wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt. Die Freude wollten wir auch dadurch zum Ausdruck bringen, dass wir ein gemeinsames Foto machen. Noch nicht für die Presse, sondern einfach „für uns“. Und so sind die Präsidentin und ich von der Freyung hinüber über den Graben zum Stephansplatz in das Quo vadis? gegangen, um Monika dort zu treffen.

Wie Kopftücher verbinden

450_IMG_7880Was  mir bisher so noch nicht aufgefallen ist, durfte ich am Stephansplatz erleben. Die Menge der Leute ist überschaubar.  Ich habe das Gefühl, dass Touristen in Massen immer weniger werden. In Wien. Wir gehen dahin, plaudern miteinander. Da kommen uns zwei Mütter mit drei Kleinkindern entgegen. Zwei in Kinderwägen. Sr. Beatrix schaut die beiden Mütter mit Kopftuch an. Sie lächeln einander zu und grüßen einander. Im langsamen Dahingehen begegnen einander die Frauen „mit Kopftuch“. Die einen aus ihrer muslimischen Lebenshaltung und die andere als Ordensfrau im Habit einer Schulschwester. Wir gehen weiter und Sr. Beatrix erzählt mir, dass sich solche freundliche Begegnungen aufgrund des „Kopftuches“ immer öfter ergeben. „Man lächelt, nickt einander zu.“ Es geht mir bis heute nicht aus dem Sinn, wo Terror und Hass die Menschen „auseinander bringen“, dass gerade das religiös motivierte Zeichen des Kopftuches der Ordensfrau und der muslimischen Mutter ein unglaublich wertschätzende und respektvolle Brücke sein kann. Das ist die Aufgabe von Religion: Brücken bauen, Respekt fördern, Empathie schüren, Begegnung auf Augenhöhe ermöglichen und Gewalt in jeder Form abzulehnen. Auch in den Schriften. Gestern habe ich gelesen: Terror ist Gotteslästerung. Terror ist noch viel mehr Menschen verachtend. Ich habe gesehen, wie Kopftücher verbinden. Genauso können Lieder, Kunst, Musik, Sport, Natur und „gewaltfreie Gottesräume“ verbinden. Das hoffe ich.

Apropos Hoffnung

7IMG_7234Ein Redakteur der OÖNachrichten, die in der Karwoche immer eine Doppelseite einem spirituellen Thema widmen, hat via FB seine „Freunde“ gefragt, was für sie die Quelle der Hoffnung ist. Eine unglaublich tiefe Frage. Gerade auch jetzt. Ich habe ihm vor ein paar Tagen so geantwortet: „Quelle der Hoffnung? Da ist einmal die Natur. Wer über längere Zeit zu Fuß in der Natur unterwegs ist, weiß und erfährt, dass es immer einen Weg gibt. Der kann zwar steil und unwirtlich sein, aber es gibt ihn. Manchmal lehrt einem die Natur auch den Umweg als Weg der besonderen Erfahrung. Natur ist nie ausweglos. Dann sehe ich die Gesichter unserer Enkelkinder. Sie schauen so frisch und hellwach in die Welt, selbst voller Hoffnung. Das steckt an. Es ist gut, ganz da zu sein: Jetzt. Und dann sehe ich auf der spirituellen Ebene so viele Menschen und Ereignisse, die Hoffnung schüren, keimen lassen, nahe legen. In Jesus sehe ich einen, der aufgestanden ist, sich gegen alles Lebensfeindliche gestellt, mit dem Leben gestemmt, der Hoffnung Platz gemacht hat, vor allem für die Kleinen, die Ausgegrenzten, die Überflüssigen. Die Grube ist nicht mein letzter Platz. Das weiß ich. Oder besser: Das hoffe ich.“
Irgendwie war diese frohe Hoffnung am Stephansplatz „zwischen den Kopftüchern“ spürbar, erlebbar.
Frohe Ostern und ein erwecktes, waches Leben!