Zwischenräume und Gehzeiten

Nach sieben Jahren steht ein ganz neuer Lebensabschnitt vor der Tür. Präsidentin Sr. Beatrix Mayrhofer hat bei der Verabschiedung von „sieben fetten Jahren“ gesprochen, die wir zusammen mit den Ordensgemeinschaften gestaltet haben. Es war ein „Transition.Walk#Vienna“ in der Hitze des Wiener Sommers und bei den Dankesworten ein Donnern und Grollen, das schließlich in einem Wolkenbruch einmündete. Flucht aus dem Garten hinein, alle irgendwie gezeichnet vom Schweiß und Regen. Es bleibt uns in Erinnerung. Mir in guter Erinnerung. Mein Gefühl der tiefen Dankbarkeit wurde irgendwie bestätigt, mit dem Naturstempel ausgezeichnet.

Dem Fremden Platz geben

Ab heute geht es in die „Zwischenräume“ und damit verbunden in „Gehzeiten“. Das Bisherige, das ich so gerne und mit großer Leidenschaft gemacht habe, soll aus mir in dieser Form „hinausgehen“ dürfen und können. Das Neue, von dem ich das Gesicht und die Gestalt noch nicht kenne, soll dann Platz nehmen dürfen. Es ist und wird für mich ein Leben im „wesentlich Weniger“.  Wir leben in einer „Zeit der Produktion und des Mehrens“ (Byong-Chul Han, Das Verschwinden der Rituale). Ich möchte in den nächsten Wochen in die Gegenrichtung gehen und bewusst eintreten in die „unsicheren Zwischenräume“. Ich bin überzeugt, dass genau diese Zwischenräume ohne Produktionszwang und des dauernden Herstellens und Darstellens Zeugungsstätten für Neues sind. Da wird Neues gezeugt, aber nicht gleich geboren. Das verlangt Geduld. Und ich freue mich auf die Stille, der ich Raum und Zeit geben möchte. Und ganz ehrlich: Ich lasse mich überraschen – auch von mir selber. Surprise. Dem Fremden Platz geben. Und dem Bewährten seinen Platz geben. „Das Leben kommt dir entgegen“, habe ich schon oft gesagt.  Ich möchte offen sein für das, was mir das Leben entgegenbringt. Und weil ich überzeugt bin, dass das nicht im Sitzen, Liegen oder Stehen geschieht, sondern in der „Bewegung der Seele“, dem Gehen, werden wir – meine Frau und ich – Teile des Benediktweges in Italien gehen. In Österreich werde ich alleine unterwegs sein und erstmals wird die Haustüre das Ziel sein, die schon öfter der Ausgangspunkt war. Gehen entlang der Zwischenräume unter der Voraussetzung des Weniger, dafür hellwach für den Ruf, bereit für Projekte am Gemeinsamen. Das wird die nächste Zeit sein. #EinfachGemeinsamWach

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