Die Wahrscheinlichkeitsrechnung hat nicht funktioniert

„Wir müssen den Zugang und die Anwenung von Technologie neu denken“, war sich Gerfried Stocker beim Gesprächsabend „Wie designen wir unsere Zukunft?“ im Kepler Salon am 15. März 2011 ganz sicher. „Es braucht die technischen Errrungenschaften, aber alles im menschlichen Maß.“  Stocker spricht von „unverantwortlichen, profitgierigen Konzernen“ und zum Teil von „karrieregeilen Wissenschaftlern“, die sich ohne menschliches Augenmaß selbst verwirklichen. „Wir sind erst dabei, die spirituellen, künstlerischen und wissenschaftlichen Dimensionen zu erkunden“, meint der künstlerische Leiter des AEC in Linz ( www.aec.at) . In jedem Fall steht fest: Die auf bestimmte Annahmen beruhende Wahrscheinlichkeitsrechnung hat nicht funktioniert.

Plädoyer für ein holistisch-synoptisches Weltbild

Univ. Prof. Michael Shamiyeh  ( http://www.domresearchlab.com  ) von der Kunst-Uni Linz hielt in seinem Statement ein Plädoyer für eine ganzheitliche Sicht auf Mensch – Erde – Technik: „Die unbändige Technik und das Immer-Mehr, der Bessere, der Größere, der Vordere, der Erste sein zu wollen, zerstört die Grundlage unseres Lebens.“ Shamiyeh zeichnete auf eine Tafel mit Kreide drei Arten auf, wie wir auf Zukunft zugehen können:  1. Zukunft wird aus der Vergangenheit in die Zukunft verlängert. 2. Durch eine umfassende Jetzt-Analyse wird Zukunft verbessert, aber linear weiterkonstruiert. 3. VordenkerInnen, die ein Zukunftsbild „antizipieren“ und damit aus den jetzt Existenten die Basis für Zukunftsgestaltung legen. Dh. das Bestehende verlassen und in einem „zukünftigen Zustand“ leben.

Ökonomisch lineares Denken bekämpfen

„Das rein ökonomisch-lineare Denken muss bekämpft werden zugunsten einer holistisch-synoptischen Betrachtungsweise“, ist sich Shamiyeh sicher. Das Design-Denken muss in die Grundlagentechnik integriert werden: „Wir haben auch ein ausgeklügeltes System geschaffen, dass keiner verantwortlich ist.“ Wir haben Verantwortung, wir haben das alles in Gang gesetzt, was wir in dieser Welt vorfinden. Die Frage, wozu das Ganze dienen soll, muss ständiger Begleiter sein. Shamiyeh erzählt im Kepler Salon von einer langfristigen Wertestudie in den USA. 25-30% der AmerikanerInnen lehnen das jetzige System ab und wollen sich für ein neues System einsetzen. Diese neue Lebenshaltung hat noch keine Resonanz in den Medien und in der breiten Öffentlichkeit. Dort regiert das gängige System. Die einzige Chance besteht darin, dass die Kunst mit Bildern und Symbolen diese Lebenshaltungsänderung begleitet.

Aus meiner Sicht hätte auch die Kirche, wenn sie im ungetrübten Fahrwasser eines Jesus von Nazaret unterwegs ist, die Aufgabe, mit ihren Bildern, Ritualen und Gleichnissen hier an einer Metanoia, an einer Umkehrbewegung mitzuwirken. Sich genau für diese Arbeit die selbstgebundenen Hände frei zu machen, würde viele Menschen heute begeistern und auch vielen helfen.

Dass allerdings die Chance auf eine grundlegende Änderung gering ist, zeigt das laufende Bemühen, die Katastrophe von Japan  in den Atomkraftwerken auf vergangene Fehler zu begründen, indem behauptet wird, dass die Bauvorschriften nicht eingehalten wurden ( http://science.orf.at/stories/1678730 ). So könnte man zu dem Schluß kommen, dass nicht nur die Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht funktioniert hat, sondern aus einer „besseren Vergangenheit“ (durch Fehler heute verbessert)  sich liniear eine bessere Zukunft ergibt.

Fragezeichen!

Wir haben Systeme geschaffen, die uns jetzt gefangen halten

„Es müsste ein Ruck durch das Land gehen“, wünscht sich heute Kardinal Christoph Schönborn gegenüber den Bundesländerzeitungen in den OÖN. Eine repräsentative Umfrage fördert ebenfalls zutage, dass sich 80 % der Bevölkerung Reformen wünschen. Es sollen also von heute zehn zusammenstehenden Personen acht sagen: Es muss, es soll sich etwas ändern! Ob sie das Risiko ihres Gedankens und Wunsches mitbedenken? Es wird sich bei dir konkret auch etwas ändern (müssen). Das erinnert mich im ausgehenden Winter wieder an alle jene Mitbürger, die ihren ihren eigenen Schnee den anderen in den Garten schaufeln, weil sie selber dafür am eigenen Grundstück keinen Platz finden wollen. Der Preis für die Veränderung liegt bei den anderen. Das vermute ich auch beim Kardinal, der sich eine Ruck in der Gesellschaft wünscht und den Ruck in der Kirche verhindert.

Woher kommt die Sehnsucht: Es muss sich etwas ändern?

Wenn den vielen Gesprächen aus den verschiedensten Bereichen etwas nachgehe, dann tragen viele das Grfühl und die Erfahrung mit sich herum: Die von uns im Laufe der Jahre geschaffenen Systeme halten uns jetzt gefangen. Es gibt keinen Gestaltungsspielraum und schon gar keine Ressourcen, etwas Neues auszuprobieren. Ob auf der Bank (laut heutigem Standard hat ja die Bankenwelt aus dem Crash nichts gelernt), in der Schule, an der Uni, im Betrieb, auf der Straße, im LKW, im Krankenhaus, in der Pflege, beim Antragstellen für EU-Förderungen, in der Verwaltung, überall laufen dahinterliegende Systeme, die nicht zu überspringen sind. Nicht nur das. Sie werden täglich weiter perfektioniert. Immer ist es ein Bildschirm, der sich fast jede Minute in das Leben drängt und „ausgefüllt werden möchte“.

Die Maschinen in uns

Gerade auch bei der gestrigen Ausstellungseröffnung im AEC („Robotinity & Wovon Maschinen träumen“) wird das Zusammenwachsen von Mensch und Maschine ganz deutlich und intensiv erlebbar thematisiert. Wenn dort die Weltmaschine von Franz Gsellmann (Steiermark) gezeigt wird, dann hat er in den 70-er und 80-er Jahren eine „zwecklose Maschine“ mit seiner ganzen Lebenskraft realisiert ( http://www.weltmaschine.at/ ). Das ist noch eine äußere Maschine. Heute wäschst dieses „komplizierte Ding“ in den Organismus des Menschen hinein. Das erzeugt das Gefühl, dass ich von einer Maschine beherrscht werde (Implantate, …). Längere Zeit habe ich mich unterhalten mit Christian Karnutsch, der mit Hilfe von Nanotechnlolgie ein „Einmilimeterteil“ durch die Adern schicken möchte, um den Körper des Menschen zu untersuchen, Krebszellen aufzupüren. Das erscheint im ersten Moment hilfreich, im zweiten Hinschauen fühle ich mich „von innen her bewachbar“. Kindergärten wollten vor Jahren alle einen Laptop. Heute wollen sie in einer Waldgruppe der Natur begegnen. Das ist die Gegenbewegung.

Öffnet die Systeme – jeder von uns

Nr. 49 der „Rules of Thumb“ von Alan Webber lautet: „If you want to grow as a leader, you have to disarm your border guards.“ Wenn heute Politiker und Gesellschaftsgestalter punkten wollen, dann müssen sie vor allem die „modernen Grenzwachen“ entwaffnen. Ob Lehrer länger in der Schule sein sollen, ist nicht die erste Frage. Die erste Frage ist, ob das System, in dem alle drinnen stecken, nicht durch zu viele „verwalterische Grenzwachen“ in Schach gehalten werden. Wenn wir von Bildungsreform reden, dann verbinde ich in erster Linie die Ermöglichung von Freiheit, Persönlichkeit und Selbtverantwortung und nicht noch diffiziliere Vorgaben. Im Gesundheitswesen ist es nicht anders und es wäre ein Wunder, wenn es in der Verwaltung anders „laufen“ sollte. Daher meine Hoffnung und mein Arbeiten für eine Öffnung der Systeme und den Abbau der Macht von „border guards“. Den Menschen nicht in Hierarchien drängen, sondern ihnen die Verantwortung geben, ganz und gar. Die Frage bleibt am Ende, ob das wirklich so zehn von acht tatsächlich wollen – den Kopf hinhalten und Verantwortung für das eigene Leben übernehmen.

Chinesischer Deal: Wir machen euch reich, dafür seid ihr still

„Das chinesische System lässt sich am besten als autoritärer Kapitalismus beschreiben“, meint die langjährige ORF-Chinakorrespondentin Cornelia Vospernik im Gespräch mit Markus Hengstschläger beim ersten ACADEMIA SUPERIOR DIALOG. Mehr als 400 BesucherInnen verfolgten den Dialog im Linzer Schloss am 1. März 2011. Vospernik schildert auf eindrucksvolle Weise, wie der chinesische Deal zwischen Regierung und Volk funktioniert: „Wir machen euch reich und ihr seid dafür still.“ Einer relativ großen Mittelschicht sind die gängigen Konsumgüter zugänglich, das Handynetz ist in ganz China perfekt ausgebaut. Die großen Städte und die Infrastruktur sind kaum von typisch amerikanischen Städten zu unterscheiden. „Wenn nicht das Flugticket China ausweisen würde, könnte man genauso meinen, man sei in einer US-Großstadt gelandet“, schildert Vospernik ihr erstes Ankommen in Peking.

Kontrolle und platte Propaganda

Auch wenn das Regime das Leben kontrolliert und abhört, hat Vospernik sich nicht permanent überwacht gefühlt und sie wurde auch in ihrer Arbeit als Jounalistin nicht behindert: „Da höre ich aber jetzt auch andere Dinge“. Die Propaganda hat sie als „total platt“ erlebt. Chinesische Medien sind von offiziellen Staatsjournalisten geprägt und die Berichterstattung funktioniert immer nach demselben Muster: „Unsere Führung ist sehr gut. Unter unserer Führung geht es uns sehr gut. Und so schlecht geht es dem Rest der Welt.“

Ausbildung und materieller Reichtum sind die großen Ziele

In China hat Bildung einen enorm hohen Stellenwert: „Erziehung heißt allerdings dort Drill. Es sitzen 60 Kinder in der Schulklasse und werden im totalen Frontalvortrag unterrichtet. Eine Aufnahme in eine der begehrten Eliteunis ist das höchste Ziel. Individuelle Förderung von Begabungen und Talenten eines Schülers kennt das chinesische Bildungssystem nicht.“ Vospernik charakterisiert die chinesische Mentalität und ihre Stärke so: „Man spürt eine große Gelassenheit und Genügsamkeit bei den Chinesen, gepaart mit einem gewissen Stolz. Man spürt aber auch einen gewissen Druck, erfolgreich sein zu müssen um den Aufstieg in die Mittelschicht zu schaffen.“ Angesprochen auf die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und China meint die Expertin: „Da ist Österreich ohnehin sehr gut unterwegs.“

Die (Amts)Kirche steht sich selbst im Weg

Ich bekenne gleich zu Beginn. Ich habe den letzten Absatz eines längeren Artikels hierher kopiert (also abgeschrieben):

„Die „Gotteskrise“ sitzt unseres Erachtens nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch im Zentrum der Kirche selbst, weil vom Freiheitszutrauen, das Jesus den Menschen seiner Zeit entgegenbrachte, so wenig zu spüren ist. Der offene und vom gegenseitigen Vertrauen geprägte Dialog ist das Gebot der Stunde. Und dass Differenzen bleiben werden, ist auch hinzunehmen.“

Und das ist die Quelle:
http://www.fr-online.de/kultur/debatte/die-kirche-steht-sich-selbst—im-weg/-/1473340/7406240/-/index.html

Dem ist nichts hinzuzufügen. Das kann man nur abschreiben 😉

Mein Social Media Vortrag „Facebook, Twitter, Blog und Co“ auf bildungs.tv

Mein Vortrag „Facebook, Twitter, Blog und Co“ wird auf www.bildungs.tv so vorgestellt:

Sind Sie auf Facebook registriert – wenn ja, wieviele Freunde haben Sie? Im Zeitalter von Social Media haben die Begriffe „Freunde“ und „Privatsphäre“ eine neue Bedeutung erhalten, denn in der virtuellen Welt ist vieles anders als im realen Leben. Das sind vielleicht Gründe, weshalb manche eine gewisse Scheu gegenüber diesen Medien haben. Andere Gründe sind die vielen Gefahren des Web 2.0: der Datenhandel, soziale Medien sind Zeitfresser, das „Vergessen“ der Natur und vieles mehr.
Doch neben diesen negativen Aspekten, gibt es auch viele positive Eigenschaften. Einerseits ermöglichen Soziale Netzwerke die weltweite Vernetzung mit Freunden und Verwandten, andererseits sind sie barrierefrei, billig, schnell und speziell usergeneriert. Im Vortrag „Facebook, Twitter, Blog und Co – Wie mit neuen Medien umgegangen werden kann“ versucht Ferdinand Kaineder, Menschen die Berührungsängste zu nehmen. Und wer weiß, vielleicht werden auch Sie noch zum Facebooker oder Blogger.

Hier kann der Vortrag angesehen werden:

http://www.bildungs.tv/news/allgemein/2661/wieviele-freunde-haben-sie

http://www.bildungs.tv/bildungsthemen/vortraege/2662/umgang_mit_neuen_medien

Die Welt ist nicht Chaos, sondern Kosmos

Eine ereignisreiche Woche geht auf den Sonntag zu. Ich erlebe wunderbare Gespräche und eine schöne herausfordernde Arbeitswoche. Höhepunkt der Woche war sicherlich die persönliche Begegnung mit dem „Global Detektive“ Alan M. Webber in Wien (http://hungrypeople.posterous.com/tag/alanmwebber). Auch das Abendessen mit einigen Beratsmitgliedern von Academia Superior war sehr persönlich und in den Gesprächen „voll interessant“. Auch in Linz habe ich verschiedene Gespräche geführt und ich bin dabei, einen „roten oder in unserem Fall goldenen Faden“ zu erkennen. Neue Sichtweisen, neue Emotionalitäten und Betroffenheiten machen das gar nicht so einfach. Gewohntes alleine taugt nicht. Offenheit und Neugierde auf Neues ist gefragt. Ich fühle mich gefordert und das gut.

Signatur geändert

Wer mich kennt, weiß, dass ich gerne mit Sprüchen arbeite und jongliere. In den letzten Wochen waren die Signatur-Sprüche geprägt vom „Querdenken“. Einer lautete: „Erfolgsgeschichten bilden die Jetzt-Zeit ab. Quergeschichten sind das Langzeitgedächtnis.“ Ich habe ihn gelesen und weiß heute nicht mehr wo. So kann ich nicht zitieren und das könnte mir in diesen Tagen einen Plagiatsvorwurf einbringen;-). Ein Ausspruch von Kurt Kotrschal, Wissenschaftler des Jahres 2010, hat mich davor begleitet: „Konformismus und vorauseilender Gehorsam sind die Gefährten des Stillstands.“ G. B. Shaw hat auch ein Stück meines neuen Weges von seiner Seite aus beleuchtet: „Die Menschen lassen sich lieber durch Lob ruinieren, als durch Kritik verbessern.“ Wir haben bisher viel Zustimmung und „Lob“ (gute Wünsche, positives Feedback) bekommen. Da werde ich dann immer hungrig nach konstruktiver Kritik und differenziertem Feedback. Das hält frisch.

Es ist das Denken

„Was du denkst, das bist du. Was du bist, das strahlst du aus. Was du ausstrahlt, bekommst du zurück.“ Diese Weisheit denke ich schon Jahre und sie bewahrheitet sich täglich in den Begegnungen. Es gibt die Menschen, die alles negativ sehen. Sie bekommen auch viel negative Energie zurück. Sie haben die Meinung, dass alles Chaos ist, alles sie bedroht und sie hinten und vorne betrogen werden. Alle Überraschungen, die auf sie zukommen, sind Ausdruck dieses Chaos. Ich erlebe allerdings noch viel mehr Menschen, die grundsätzlich eine positive Sicht auf Menschen, die Welt und die Dinge haben. Sie sind davon erfüllt, dass wir einem Kosmos entspringen und diesen Kosmos auch in uns tragen. Es gibt Verwundungen dieser „Ordnung“, die es zu heilen gibt. Gerade solche Heilungen der Ordnung sind oft überraschend. Eine gelebte Wertschätzung als Haltung wird heute wieder mehr lebendig. Stopp: Damit kein Plagiatsvorwurf auftaucht, verweise ich auf den Buchtitel von Barbara Mettler- v. Meibom.  Alan Webber wird beim Surprise Factors Symposium in Gmunden mit seinen Interviews die Überraschungen aufspüren, die den heutigen Kosmos aufspüren, öffnen und in Folge auf Zukunft hin heilen lassen. Ich bin selber schon gespannt, was die internationalen ExpertInnen anfang April „auf den Tisch legen oder in die Runde werfen“ werden. Am Samstag 9. April kann abends im Congresszentrum Toscana das ein Stück miterlebt werden. Alan Webber selber ist auf dem Weg nach Tansania, um dort als Global Detective Kosmos mit Kleinen aufzuspüren. Ein interessanter Mensch, der uns noch überraschen wird.

Klassenzimmer und Wandertag. Eine Solidaritätserfahrung

In diesen Tagen kommt mir immer wieder die Geschichte unter, die ich als Erzieher im Petrinum 1979 erlebt habe. Ins Gedächtnis gerufen wird sie mir beim Lesen des Buches von Alan Webber „Rules of Thumb“. Außerdem habe ich dieser Tage von einem Organisationsberater gehört, dass jene Firmen und Organisationen auf Zukunft hin besser aufgestellt sind, die mit dem Bild der Expedition arbeiten und weniger mit „stabilen Daseinsformen“. Die Solidarität der Ägypter steht noch dazu im Raum. Alles das erlebe ich auch immer wieder beim Gehen: In der Bewegung liegen viele Lösungsbilder, damit Menschsein gut gelingen kann.

Gedachte und gelebte Solidarität

1979 hat es im Petrinum „das gemeinsame Studium“ gegeben. Als „Präfekt“ habe ich alle in den Studiersaal zusammengerufen, habe selber meine Skripten geholt und dann war es eineinhalb Stunden still. Das war die Voraussetzung für intensives Lernen. Auch an einem Samstag nachmittag habe ich wie vorgesehen um 16.30 Uhr zum Studium gerufen. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Schönes Wetter, der Fussballplatz und anderes stand dagegen. Wiederwillig sind alle gekommen, in die beiden nebeneinander liegenden Studiersäle. Es wurde nur widerwillig ruhig. Bin ich im Studiersaal A gewesen, hörte ich aus B alle gemeinsam rufen: „Wir wollen nicht studieren.“ Darauf ging ich schweigend in den Raum B. Da hörte ich aus A genau dasselbe. So ging ich schweigend und ruhig 2-3 Mal hin und her. Dann war es ruhig, „muxmäuschenstill“ bis 18 Uhr. Alle waren gespannt, was ich kurz vor dem Abendessen sagen werde. Bis dahin habe ich kein Wort verloren. Ich selber konnte in dieser Stille gut meine Theologie studieren.

Hättet ihr gemeinsam gerufen

Kurz vor dem Abendessen habe ich dann meine „Erklärung“ abgegeben und ihnen den Wert der Solidarität verdeutlicht: „Hättet ihr in beiden Sälen gemeinsam gerufen, dann hätte ich nicht gewusst, wie ich dem begegnen soll. So aber ward ihr entsolidarisiert und ich konnte allein durch meine Anwesenheit euch still machen. Wenn ihr im Leben etwas erreichen wollt, dann müßt ihr alle GEMEINSAM rufen. Das ist Solidarität.“ Die damals 14-Jährigen haben gestaunt, weil ich mit keinem Ton oder Unterton geschimpft habe, sondern das zum Anlass nahm, ihnen die Solidarität zu erläutern.

Die Erfahrung am Wandertag

Ich selber habe mich einige Tage immer wieder gefragt, „ob sie das verstanden haben und was ist, wenn sie das tatsächlich anwenden“. Ich war skeptisch bis zu dem Augenblick, wo sie von einem Wandertag auf die Gis mit ihrem Klassenvorstand zurückkamen. Einige erzählten mir. Sie hatten keine Lust, so weit zu gehen (siehe 15 Jahre alt). So haben sie beschlossen, dass sie in Lichtenberg nicht mehr weitergehen. Alle haben sich auf die Straße gesetzt und sind trotz mehrfacher Aufforderung durch den Klassenvorstand nicht mehr weitergegangen. Er ist verzweifelt und wusste sich nicht mehr zu helfen. Sie waren solidarisch und der Klassenvorstand konnte nichts mehr machen. Sein „Glück“ war, dass nach längerer Zeit eine Mädchenklasse der Kreuzschwesternschule auch auf die Gis ging und dort vorbeikam. Da sind einige der Burschen „schwach und unsolidarisch“ geworden, wie sie nachher zu mir meinten. Sie haben sich den Mädchen angeschlossen und der Klassenvorstand kam nun doch mit allen auf die Gis. Er ist aber nächsten Tag zu mir gekommen und hat sich bitter beschwert, „dass ich ihnen einen solchen Blödsinn beibringe“.

Heute bin ich froh, dass ich schon zu der Zeit ein wenig außerhalb der „üblichen pädagogischn Box“ versucht habe, den Schülern vielleicht Lebenswichtiges mitzugeben. Und Solidarität gehört doch wohl dazu, oder?

ACADEMIA SUPERIOR Newsletter 1_2011

Auf dem weißen Bleistift, den die BesucherInnen am 2. Dezember 2010 im Donauforum mitbekommen haben, ist zu lesen: Eine bessere Zukunft beginnt damit, ihr entgegen zu gehen. Nicht mir dem Bleistift, sondern auf der Tastatur ist der Newsletter_1 entstanden. Schritt für Schritt gehen wir den Überraschungen entgegen. Wer Interesse hat, bei den Veranstaltungen und Aktivitäten dabei zu sein, kann gerne seine oder ihre Kontaktdaten auf office@academia-superior.at hinterlassen. Newsletter und persönliche Einladungen sind „die Folge“.

Sehr geehrte Damen und Herren !

Als neuer Geschäftsführer möchte ich Sie heute kurz über den Stand und den  Fortgang der Dinge bei „ACADEMIA SUPERIOR – Gesellschaft für Zukunftsforschung“ informieren.

Geschäftsführung
Mit 1. Jänner 2011 habe ich die Geschäftsführung  übernommen. Nach mehr als 30 Jahren Dienst in den verschiedenen Aufgaben in der Diözese Linz (Erzieher, Pastoralassistent, Ausbildungsleiter, Leiter Kommunikationsbüro, Koordination Linz) hat mich diese neue Herausforderung „gereizt“. Für die Website habe ich es so formuliert: „Die größten Überraschungen liegen im Menschen selber. Neugierde ist angesagt. ACADEMIA SUPERIOR wird durch neue Formen der Begegnung, von Veranstaltungen und Publikationen dazu beitragen, dass unterschiedlichste Menschen ihre Überraschungen teilen. Hochkarätige ExpertInnen sind die Anreger. Offene, weite Denkräume ohne Schranken und Vorgaben werden jene Themen und Anliegen hervorbringen, die unsere Gesellschaft in die Zukunft führen. Außenminister Genscher ermutigte: Mauern abbauen und Scheuklappen herunter. Alle sind eingeladen, sich auf diesem Weg in die Zukunft zu beteiligen.“  Das klingt nicht nur spannend – das erlebe ich als spannend.

Homepage
Unsere derzeitige Homepage war immer als Erstinformation gedacht. Wir arbeiten gerade mit Hochdruck an unserem neuen Internetauftritt, der viele Überraschungen und spannende Informationen enthalten wird.

Darüber hinaus arbeiten wir intensiv an der Jahresplanung und an Veranstaltungen, wo auch Sie sich einbringen können. Ich möchte Sie hier auf zwei dieser Veranstaltungen aufmerksam machen:

ACADEMIA SUPERIOR DIALOG
Cornelia Vospernik im Gespräch mit Markus Hengstschläger
Zur ersten Veranstaltung unserer Reihe „ACADEMIA SUPERIOR DIALOG“ am Dienstag, 1. März 2011, 19.00 Uhr; im Südflügel des Linzer Schlosses laden wir sehr herzlich ein.
Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger im Dialog mit ORF Journalistin und China-Expertin Mag. Cornelia Vospernik zum Thema:
„China ante Portas – Der unaufhaltsame Aufstieg Chinas zur Weltmacht“
Anschließend öffnen wir den Raum für Begegnung, Gespräch und Gedankenaustausch bei einem  kleinen Imbiss.
Wir würden uns über ihre Anmeldung freuen: anmeldung@academia-superior.at.

SURPRISE FACTORS SYMPOSIUM
Heiner Geißler am 9. April in Gmunden
Vom 8.- 10. April 2011 wird das erste „Surprise Factor Symposium“ mit internationalen ExpertInnen in Gmunden stattfinden. Darüber werden wir sie in naher Zukunft noch näher informieren.
Wir laden Sie ein, sich schon heute einen Termin vorzumerken. Im Rahmen des Symposiums  bereiten wir das ACADEMIA SUPERIOR PLENUM als Abendveranstaltung am Samstag, 9. April 2011 um 19.30 Uhr im Toscana Congress vor. Es ist uns gelungen, den früheren Bundesminister und Mediator bei  Stuttgart 21 (http://www.schlichtung-s21.de/ ) Heiner Geißler für diesen Abend zu gewinnen.

Natürlich ist es mir ein großes Anliegen, dass Sie gut und einfach mit uns kommunizieren können. Das sind unsere Kontaktdaten:
ACADEMIA SUPERIOR
Am Winterhafen 11
4020 Linz
TEL 0043 732 77 88 99
office@academia-superior.at

So hoffe ich, dass ihnen dieser kleine Ein- und Ausblick ein wenig Überblick verschafft hat. „Surprise Factor“ ist der zentrale Zugang  für den Blick auf die Zukunft. Das wollen wir nicht nur ankündigen, sondern auch Schritt für Schritt, Tag für Tag leben.
Eine gute Zeit, alles Gute
Ferdinand Kaineder
www.academia-superior.at

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„Erfolgsgeschichten bilden die Jetzt-Zeit ab.
Quergeschichten sind das Langzeitgedächtnis.“
(gehört)
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