Die Europäer sind die Landräuber

IMG_7296Der Saal im Aktionsradius in Wien in der Gaußstrasse ist übervoll wie ich komme. Am Programm steht der Film „Landraub“ von Kurt Langbein. Auch der Regisseur kommt zum Gespräch im Anschluss an den Film. Das Publikum durchmischt, eher jünger. Das überrascht auch die Veranstalterin und sie zeigt sich erfreut, dass junges Publikum da ist. Es geht um die Zukunft dieser Erde. Land ist begrenzt und deshalb ein gefundenes Fressen für Investoren und Konzerne. Wie hat heute Robert Menasse in der Presse gesagt: „Der Souverän sind die Konzerne.“ Ganz meine Ansicht. Nicht wir Wählerinnen und Wähler, sondern die Konzerne. Sie entscheiden und haben die Eliten und die Politik fest in den Händen, im Griff. Das Grundprogramm und die Programmierung unserer Welt kommt von dort, von den Konzernen und der Weltbank. Auch der Landraub geht von dort aus. „Der Film macht mich wütend und ich bin erschüttert“, sagt eine Besucherin bei der Diskussion. Kambodscha, Indonesien, Afrika, Äthiopien und Rumänien. Tatorte des Landraubes von Konzernen unter Mithilfe der dortigen staatlichen Eliten, die die Lebensgrundlage von etwa 400 Millionnen Kleinbauern in Afrika auf Spiel setzen. Und gefördert von Programmen der EU, die zwischen groß und klein nicht unterscheiden kann. Und: Nicht die Chinesen sind die Investoren, sondern die Europäer – also wir, die veranlagen in Fonds oder sonstigen Geldgeschäften. Also ich nicht, aber wir. Ich sage nur: Schauen sie sich den Film an.

Der Mönch mit der Kamera

mönchBeeindruckt hat mich gerade am Beginn des Film ein buddhistischer Mönch, der mit Kamera ausgestattet die vertriebenen Menschen besucht, sie fragt und die Filme ins Internet stellt. Mönche sind in Kambodscha auf Seite der Vertriebenen, sie gehen Hand in Hand mit den Entrechteten. Gegen die Eliten und Profiteure des Landverkaufes. Langbein nachher zu mir im Gespräch: „Leider. In Kambodscha sind jetzt die Mönche zum Großteil in Gefängnissen, weil sie sich für die Rechte der Menschen einsetzen.“ 400 Bauernfamilien, die im Film als Vertriebene gezeigt werden, haben ihr Land wieder bekommen. Langbein: „Aber: In der Zeit haben 10.000 Menschen ihr Ackerland wieder verloren.“ Die Mönche kämpfen aktiv und auf der Straße mit den Menschen gegen diese Ungerechtigkeit, „die die Regierung als zukunftsorientiertes Wirtschaften deklariert“. Es beschäftigt mich insofern, weil ich mir natürlich immer wieder die Frage stelle: Was ist die Aufgabe von Ordensleuten hier in Österreich? Der Film zeigt eben diesen Mönch, der mit Kamera seine Autorität und Stimme radikal den Entrechteten gibt. Bei Demonstrationen ist die Farbe orange ins Auge stechend. Lauter Mönche. Das beeindruckt mich.

 

Kühnheit als Ausgangspunkt

Wenn der liebe Gott mir nur drei Worte zugestehen würde, um die Herausforderungen der heutigen Zeit im kirchlichen aber genauso im gesellschaftlichen KontIMG_0561ext zu beschreiben, dann wären das: „Mut, Synapsen und Movement“. Mut verbinde ich mit der Kraft, persönlich Verantwortung zu übernehmen für meine und gemeinsame Schritte in die Zukunft. Synapse sagt uns, dass Wirklichkeit und Identität in der Verbindung, in der Anschlussfähigkeit liegen. Die Identität des Baumes liegt nicht nur in der Wurzel, sondern genauso in der osmotischen Anschlussfähigkeit zur Umgebung, zu Licht und Luft. Movement bedeutet, Bewegung bringt – das ist meine Erfahrung als Geher und Pilger – neue Perspektiven, andere Sichtweisen und unvermutete Zugänge. Und was ist Kirche anderes, als die gemeinsame Nachfolge, der Weg, ganz konkret, im Alltag, Schritt für Schritt, von Jesus inspiriert und angeregt: kraftvoll den Weg gehen, selbstverantwortet, in Verbindung mit der Mitwelt, gerade den Schwächsten unter uns, im tragenden Netz. Andere sagen zu Mut Kühnheit. Auch dem Papst gefällt das Wort, wenn er seine Bischöfe auffordert: „Macht kühne Vorschläge!“ Den Bischöfen ist das aus der Erfahrung der letzten 30 Jahre fremd. In der Enzyklika #LaudatoSi geht der Papst sehr kühnen Gedanken und Vorschlägen nach, die Welt vom technokratischen Verständnis in das ökologisch-sozial-spirituelle gemeinsame Haus zu führen, von der technischen Kälte in die spirituelle Wärme.

Bei der innovativen Spurensuche dabei

pfinxten1Zum ersten Mal gab es zu Pfingsten 2015 die Möglichkeit, sich überregional, querinstitutionell und ökumenisch zu einem lebendigen Austausch zum Thema Innovation in und durch Kirchen zu treffen. 2016 findet „PfinXten“ zum zweiten Mal statt. Wovon spreche ich? „PfinXten – Spirit bewirkt KÜHNHEIT“ als Forum für Innovation in und durch Kirchen von Mi 18.05. – Fr 20.05.2016 im Bildungshaus Stift St. Georgen am Längsee in Kärnten. Der Pastoralinnovator Georg Plank schreibt: „Erfolgreiche InnovatorInnen aus Kirche und Wirtschaft eröffnen wieder Räume, in denen die Früchte für  Mensch, Kirche und Gesellschaft gedeihen können. Als Key-Note Speaker konnte Chris Wesley von der Church of the Nativity in Baltimore gewonnen werden.Dazu kommen Impulse von Georg Plank, Hildegard Wustmans, Robert Kanduth, Ferdinand Kaineder u.a.“ Schön, als Innovator gesehen und eingeladen zu sein. Schön auch, selbst aus diesem Kreis wieder Inspiration, Kraft und Kühnheit zu schöpfen. Vielleicht sieht man sich?

Es war ein Höhepunkt

999IMG_7194Es gehört sicherlich zu den schönsten Dingen im Leben, wenn Projekte „aufgehen“. Das durfte ich im letzten Jahr im Rahmen meiner Arbeit bei den Ordensgemeinschaften Österreich in Wien erleben. Das JAHR DER ORDEN ist aufgegangen. Vor mehr als 1 ½  Jahren haben wir mit hoher Priorität ausgestattet, diesen Schwerpunkt gesetzt. Als Overtüre haben wir die „viel mehr wesentlich weniger“ Videos gemacht. Sehr gute Resonanz, weil Ordensleute in einem neuen Kontext agiert haben. Nicht reißerisch, sondern eher still. Nicht diskursiv, sondern eher gemeinsam suchend. Die Welt nicht fordernd belehren, sondern gemeinsam Spuren entdeckend. Wertschätzend. Ergänzend. Es war für mich eine Freude, wie sich dieses „Jahr“ schließlich wie ein Virus verbreitet hat. Dass das Jahr „aufgeht“,  haben wir spätestens dann gewusst, als wir den Überblick verloren haben. Das klingt paradox, ist aber ganz ernst gemeint. Der Freiraum wurde genutzt.
Und jetzt sitze ich im Zug zurück aus Rom. Bewegende Tage hinter mir. Das Finale.

Finale bei Papst Franziskus

Nie hätte ich gedacht, dass mich der Handshake mit Papst Franziskus so anrühren würde. Meine Sympathien habe ich schon öfter offen gezeigt. Am 3. Feber 2016 durfte ich mit der östereichischen Delegation die Früchte und Samen des, – nein – „unseres Jahres“ mit übergeben. Mit „prima fila“ hat man uns die 450_IMG_7017„erste Reihe“ bei der Generalaudienz zugeordnet. Mit dem Friedenslicht und dem Christbaum aus OÖ habe ich Papst Benedikt schon aus nächster Nähe erlebt. Es war nicht wirklich aufregend. Noch früher habe ich mit der Jugendgruppe der Dompfarre in den 80-er Jahren nach dem Zeremoniell der Generalaudienz die vorderen Reihen verlassen, die dann laut schreiend spanische Ordensfrauen eingenommen haben, um Papst Johannes Paul II die Hand zu schütteln. War uns damals nicht wichtig. Rom war – man verzeihe mir – nicht immer auf meinem Schirm. Und wenn, dann eher als „feindliches Magnetfeld“. Gestern standen wir da und warteten.
Kurzum: Diesen Papst Franziskus habe ich als unglauchlich starke, empathische, wache und wahrnehmende Person – ja Person – erlebt. Er schaut dich an, sein Händedruck ist wie eine Brücke, er spricht auf Augenhöhe, nirgends das Amt zu spüren. Ich gehe zurück und nehme die Kamera, um die anderen in Kontakt mit ihm zu fotografieren. Null Hektik. Er ist einfach da. Hört zu, spricht und meint: „Betet für mich.“ Ein Mensch, der als Christ seinen Dienst in und an dieser heutigen Welt tut. Als Papst. Berührend. Ermutigend. Nährend. Diese paar Minuten werde ich nicht vergessen.

Das bist du

111In bewegten Zeiten, wie wir sie gerade erleben, ist es nicht einfach, klare und nachhaltige Gedanken zu fassen. Rein, aufbauend, der Menschheitsfamilie gerecht. Da ein Buch, dort eine gute Zeitung, hier eine Bloggerin mit einem feinen Gedankengang und dort ein ermutigendes Wort über Facebook oder Twitter. Wobei gerade heute sozialen Medien als nicht gerade sozial erscheinen. Sie machen den Menschen eng und radikalisieren ihn. Beispiel: Durch personalisierte Werbung verengt sich die Sichtweise auf das Leben. Verengung hinein in die eigene Angst. Verlustangst. Das findet statt. Und der Sündenbockmechanismus funktioniert besser und schneller denn je.

Die Wurzel der Mitmenschlichkeit

Da fällt mir ein Ausspruch aus den Upanischaden in die Hände: „Tat tvam asi! Das bist du!“ Er steht im philosophischen Teil der altindischen Veden. „Das bist du!“  Was ist das Anliegen dieses Ausspruches? Welche Spur legt er dem Menschen? Es heißt: Alles Lebendige gehört zusammen und ist eins. Alles hat am einen Leben teil. Was wir einem anderen antun, das tun wir uns selbst an. Für das Zusammenleben läuft alles darauf hinaus, sich im anderen zu erkennen. Schau nur genau hin und du wirst entdecken, dass du glückliches Wesen bist. Wer solche Anschauungen verinnerlicht hat, verliert irgendwann jeglichen Groll gegen seinen Mitmenschen. Und dieser Mitmensch ist weltweit gemeint. Das ist die Wurzel aller Mitmenschlichkeit, der Humanität, die keineswegs eine Erfindung des Abendlandes ist. „Das bist du!“ ist das Geschenk der hinduistischen Menschensicht. Alles ist verbunden. Das trifft punktgenau mit den Ausführungen von Papst Franziskus in #LaudatoSi zusammen: „Die Sorge um das gemeinsame Haus“. Als jesuanisch geprägte ChristInnen sollten wir nicht müde werden, uns von den „wehrhaften und abschottenden Christlichkeiten“ mancher Parteien klar zu distanzieren. Mag die Situation noch so verzwickt sein (und wir haben sie selber in den letzten Jahrzehnten durch Waffenlieferungen und fossile Abhängigkeit verursacht), geht es immer um ganz konkrete Menschen. Nie um Massen. „Das bist du!“

Ich verstehe, ihr habt das letzte Brot gegeben

IMG_5287Es gibt Tage, die furchen sich ein. Persönliche Ereignisse wir Hochzeit, Geburt oder Sterben. Dann sind da öffentliche Ereignisse wie Mauerfall, Hochwasser, ein Sieg, der Lawinenabgang. Und heute: die Obergrenze.  Unsere Präsidentin Sr. Beatrix Mayrhofer hat mir jenen Abschnitt aus dem „multireligiösen Kalender“ vom heutigen Tag geschickt, den sie dort notiert hat. 20. Jänner 2016. Das Schulzentrum Friesgasse hat sie selber über Jahre als multikulturelles und multireligiöses katholisches Biotop „entwickelt“. Dort ist das verwirklicht, wird gelebt, was unsere Gesellschaft so bitter braucht: ein neues Miteinander der Kulturen, der fast 40 Sprachen und 22 Testimonien. Den ersten Teil aus Mt. 25 kennen wir. Dass sich dazu aber heute Jesus selber zu Wort meldet, ist doch etwas außergewöhnlich. Lesen sie:

„Jesus hat es gesagt und Matthäus hat es geschrieben im fünfundzwanzigsten Kapitel:
Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben.
Ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben.
Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen.
Ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben.
Ich war krank, und ihr habt mich besucht.
Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.

Und Jesus sagt: Ich verstehe,
ihr habt mir euer letztes Brot schon gegeben, jetzt verhungere ich im libanesischen Lager.
ihr habt mir den letzten Schluck Wasser gegeben. Jetzt verdurste ich in der Wüste.
Ihr habt schon alle Fremden aufgenommen, jetzt ist kein Platz mehr im Zelt.
Euer letztes Hemd habt ihr hergegeben. Sind wir jetzt beide nackt?
Die Kranken habt ihr schon alle versorgt. Kein Bett ist mehr frei.
Für die Verfolgten und Gefangenen habt ihr schon demonstriert.
Davon weiß ich nur nichts in der Folterkammer, sechs Stockwerke unter der Erde.
Und sollte ich der Folter entkommen,
dann gilt:
ihr habt euer letztes Brot schon gegeben…“

Wenn Marke die Kirche anschaut

1_450_IMG_6221Manche Dinge brauchen Zeit. Sie wollen sickern. Schaffen Nachdenklichkeit. Gehen in Gedanken neben dem Alltag her wie eine Katze, die nicht aus den Sichtfeld verschwindet. So geht es mir mit den Gedanken und Ausführungen eines Freundes, der sich mit Marke und Identität „beschäftigt“. Franz Hirschmugl aus Graz war einer der Keynotes bei der Pastoraltagung #ÖPT16  in Salzburg: Was Kirche von Marke lernen kann? Der gesamte Vortrag ist sicherlich bald auf der im vorigen Jahrtausend entworfenen Website www.pastoral.at zu finden. Diese „Katze“ kommt mir deshalb wieder mehr in den Sinn, weil der Tag der Amtsübernahme von Bischof Manfred Scheuer in Linz näher rückt. Wo geht die Kirche, wo die Diözese Linz hin und wo die Pfarren, die seelsorglichen Einheiten? Der gesellschaftliche und kirchliche Umbruch ist täglich spürbar. Die Veränderung ist nicht mehr vor der Haustür, sondern steht im Vorzimmer. Ohne Anläuten hat die Veränderung die Wohnung, den Wohnraum, das Privateste des Menschen betreten. Selbst in der Kirche ist es so. Die „Umwälzungen“ sind in der Sakristei angekommen, auch wenn sie dort teilweise noch nicht „gesehen, erkannt“ werden. Das Alte hält Stellung und spürt, dass ihr der Boden entzogen wird, das Fundament erodiert. Gehen wir linear weiter, wackeln wir in die prognostizierte Bedeutungslosigkeit.

Das Heute stellt dem Menschen Fragen

3_450_IMG_6210In letzter Zeit wird mir persönlich immer klarer, dass die allseits ersehnte und politisch-medial angebetete „Sicherheit“ nicht einfach auf einem Sockel aus Beton steht, sondern vor allem in der Fähigkeit, neue Verknüpfungen einzugehen, Synapsen zu bilden. Identität und Heimat kommt aus einem Netz von Verbindungen, Beziehungen, in denen wir leben und einander tragen, manchmal ertragen. Das verlangt aber nicht Stillstand, sondern Bewegung, Movement. Das ist für das Christentum fundamental, konstitutiv. Jesus ist herumgezogen, hat Begegnung gesucht, angestiftet. Er war „Vagabund seiner und in seiner Zeit“, hat das Aggiornamento mit der Zeit gesucht und gefunden. Er hat Erstarrungen, Fundamentalismen schwer in Frage gestellt, kritisiert, mit ihnen gestritten. Es hat ihm das Leben gekostet, weil er aus der spirituellen Geöffnetheit auf seinen Vater, seine Mutter im Himmel hin für die Machthaber zu „fluid“ geworden ist. Sein Leben hat sich angefühlt wie ein einziger Aufstand gegen das Erstarrte, das Geschlossene, das Elitäre, dem Mammon. Dieser Jesus stellt sein Leben, sein Tun und seine Fragen in das Heute. Und dieses Heute stellt selbst die Fragen an den Menschen, hier und jetzt.

Der Blick von Außen

Hirschmugl bringt bei der Versammlung seine Wahrnehmung von Außen auf die Leinwand. Er fragt zuerst, was man an uns schätzt? „Heimat und Haltegriff für viele Menschen. Orientierung im Jahreskreis. Konkrete Hilfe und Tröstungen in vielerlei Hinsicht. Identität des Landes lange geprägt. Bildungsträger über lange Zeit.“ Das ist gut so. Darüber können wir froh sein. Ich sage bewusst dazu, dass das nicht einfach Sache der Profis, des Klerus ist, sondern Aufgabe der Getauften, der Frauen und Männer, der jesuanisch geprägten Communities wie Orden oder „Pfarrgemeinschaften“. Dann stellen sich aber Stolpersteine, unnötige Lasten, die alles beschweren. Hirschmugl fragt die Versammelten: Was können wir besser machen? „2.000 Jahre Tradition und deshalb sehr viel Asche. Daraus resultierende überaltete Rituale, Symbole und Sprache. Ein ziemlich unnachgiebiges Regelwerk. Ausgrenzung, wo man hinblickt, zum Beispiel durch…. Umgang mit der größten Minderheit in unserer Gesellschaft.“ Ausgrenzen bezieht er beispielhaft auf Wiederverheiratet-Geschiedene und Umgang auf Frauen. Gerade in der Frage der Geschlechter werden aus der Asche Absperrungen für Frauen errichtet. Die Frauen werden in der Kirche verbal gewürdigt. Die Körpersprache der Liturgie spricht aber eine Männersprache. Das werden wir vermutlich auch bei der Amtseinführung des Bischofs sehen. Im Fernsehen wird uns Männerkirche übertragen. Der Altar in Männerhand. Ich sehe das jetzt von Außen. Das ist die Außenwahrnehmung. Und was ist Marke? „Marke ist das, was Menschen in einem Raum über mich sagen, wenn ich nicht da bin.“ Ich vermute: Es bleibt viel zu tun. Gerade auch für den neuen Bischof. Soweit ich ihn kenne, vertraue ich: Er wird richtige Impulse in die richtige Richtung setzen. Dafür ist jetzt die richtige Zeit.

Der Mensch wird Assistent

999_IMG_6149Wer heute die Presse aufschlägt, wird in irgendeiner Form dieser Meldung begegnen: „Zuckerbergs Ziel: Künstliche Intelligenz fürs Zuhause„. Dort heißt es: Der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg will sein Zuhause mithilfe künstlicher Intelligenz steuern. Er habe sich für dieses Jahr vorgenommen, einen digitalen Assistenten zu programmieren. Er denke an etwas ähnliches wie der Computer Jarvis von „Iron Man“ Tony Stark, der in den Filmen immer zu Diensten war.

Wer dient hier wem?

Ich erinnere mich noch genau, wie David Bosshart beim Ordenstag 2014 recht nüchtern etwa so gemeint hat: „Jede Innovation hat als Motivation die Bequemlichkeit.“ Der Mensch will es bequemer haben. Er lässt sich die Schuhe machen, damit er nicht selber dabei stehen muss. Und verlernt das Schuhe-Machen. Er lässt sich vorkochen, damit er die Fertiggerichte nur mehr in die Micro schieben muss. Und verlernt das Kochen. Er lässt sich bald ein selbstfahrendes Auto kommen, damit er dort während der Fahrt in den Fernseher, das Computerspiel schauen kann. Und verlernt das Gehen und Radfahren. Es soll alles möglichst bequem sein. Füsse in die Höhe und und das Leben fließt herein. Meist aus einem viereckigen Schirm. Und: Lenkt mich dann bitte nicht ab. Auch das Neugeborene dieses angeblich so großen Mannes dieser Erdkugel muss sich über diesen neuen Assistenten melden: „Der Computer solle ihm auch Bescheid geben, wenn er im Zimmer seiner neu geborenen Tochter vorbeischauen sollte.“ Beziehung und Begegnung nicht mehr durch Nähe, durch Akustik, durch Intuition, sondern durch digitale Verbindung. Wahrnehmung durch Kameras und Mikrofone: „Ich werde ihm beibringen, Freunde nach einem Blick auf ihre Gesichter hereinzulassen, wenn sie an der Tür klingeln.“ Das kennen wir da und dort schon bei den ganz Reichen und Abgehobenen in den „Reichenviertel der Beziehungslosigkeiten“. Vielleicht bin ich rückständig. Aber ich will selber hören, sehen, riechen, schmecken und entscheiden. Papst Franziskus beschreibt in #LaudatoSi ein „Transeamus“, ein Hinübergehen vom technokratischen Menschenbild zum ökologisch-spirituellen Weltbild mit einfühlsamer Menschenbeteiligung. Dort ist alles mit allem in Verbindung. Aber sicher meint er nicht die hunderprozentige technisch-digitale Vernetzung des Menschen. Er meint die empathische, liebende, wärmende haptische und analoge Begegnung. Er meint die Achtsamkeit, die ich spüre und nicht über einen Bildschirm angezeigt bekomme. Dazu: Wer der Bequemlichkeit immer mehr Platz gibt, verliert den Schlüssel zum Leben. Er oder sie ist schon zum Assistenten der „unterhaltenden und steuernden Gerätschaft“ geworden. Der Mensch als Assistent in den gesteuerten Systemen. Ein Beispiel: Der Lift bringt dich bequem nach oben und du saust toll nach unten. Das habe ich jahrelang gemacht. Seit ich auf Schiern den Berg hinaufgehe, kann ich die Abfahrt ganz anders genießen. Und eine wohltuende Müdigkeit erfasst mich, die keine „digitale Ablenkung“ mehr braucht.

 

 

Arbeitet überhaupt jemand daran?

oövvEs ist schon spät in diesem Jahr. Der Blick in den Jahres-Rückspiegel lässt einige Meilensteine aufscheinen und ein für mich ungelöstes Problem – nennen wir es heute-kompatibler „Herausforderung“ – aufblitzen. Wenn ich in etwa einer Stunde in den Bus vom Bergdorf Kirchschlag nach Linz steige, weise ich meine neue Jahreskarte für 2016 vor. Ich bin ja ein wenig stolz darauf, dass ich fast nur mehr mit Chauffeur unterwegs bin. Dafür habe ich drei Jahreskarten. Die ÖBB-Jahreskarte für ganz Österreich begleitet mich eben Österreich weit. Für die Wiener Linien bezahle ich für alle Fahrten (U-Bahn, Zug, Straßenbahn und Bus) 365.- EUR im Jahr.  Für die OÖVV-Jahreskarte von Kirchschlag nach Linz (ca. 16 km) musste ich 518.- EUR überweisen. Sollte ich einmal Lust nach Straßenbahn oder Bus in Linz haben, dann kostet das extra. Dass Mobilität etwas kostet, ist mir sonnenklar. Die besondere Herausforderung liegt im immer noch lebendigen Versäumnis, den öffentlichen Verkehr userfreundlich zu verknüpfen und preislich attraktiver zu gestalten. Vor der Wahl wurde versprochen, dass es auch eine OÖVV-Jahreskarte für Oberösterreich geben soll. „Es wird nicht einfach“, war der Grundtenor der Verantwortlichen. Aber heute frage ich wieder einmal: Arbeitet überhaupt jemand daran?

In einem Zug

1_IMG_6066Wenn ich meine Enkerl in Ottensheim besuche, dann stellt sich das folgendermaßen dar: Komme ich vom Bergdorf, gilt in der ersten Phase die OÖVV-Karte und von Urfahr weg die ÖBB-Card. Den Fußweg dazwischen erkläre ich als sportliche Aktivität, sonst müsste ich für die Straßenbahn extra bezahlen. Komme ich von Wien, muss ich entweder die Straßenbahn nach Urfahr extra bezahlen. Meine OÖVV-Karte gilt da nicht, obwohl der Bus parallel fährt. Oder ich kaufe mir extra ein Busticket nach Ottensheim. Auch da gilt mein Einsatz von 518.- EUR nichts. Und da würde ich gerne „in einem Zug“ ins westliche Mühlviertel fahren. Nicht mit dem Auto. Für Außenstehende: Das alles ist zentraler Zentralraum von Oberösterreich, Linz. Jetzt haben die Öffis mit mir Glück, weil mir als Klimapilger noch klarer geworden ist, dass Öffi-Fahren die einzige Alternative zum Gehen ist. Ich werde nicht in das Auto umsteigen. Aber viele haben das getan. Eine strikte und zukunftsorientierte Vereinfachung in der Nutzung des Öffi-Verkehrs braucht Priorität +++AAA. Aber nochmals die Frage an alle (politisch) Verantwortlichen: Arbeitet überhaupt jemand daran?