Gut, dass es die investigativen JournalistInnen gibt

offs„Zum Glück gibt es kritische, unbeugsame Medien in diesem Land. Gratulation an alle JournalistInnen, die an den Panama Papers mitarbeiten. Wer sonst würde sonst diese Missstände aufzeigen?“ Das schreibt Michael Obermeyer von Reichl und Partner. Hie und da treffen wir einander im Zug „an der Westbahnstrecke“. Meist fügt sich ein Gespräch „über die Lage der Nation“ an. Mir selber scheint, dass unser soziales Gefüge aus dem Ruder läuft. Das Geld ist für das Glück des Menschen nicht alleine entscheidend. Wem aber das „Mindeste“ als Sicherung fehlt, dem fehlt die Basis. Das in Milliardenhöhe gestohlene Vermögen höhlt das Gemeinwesen aus. Den Menschen wird aber die Geschichte erzählt, dass sich die Mindestsicherung nicht ausgeht. Die VP in OÖ fragt auch noch die Menschen, ob das so ist. Ja, 60% sind für die Kürzung bei den anderen. So sieht die von einer „christlichen Partei“ geschürte Neiddebatte aus. Mein Neffe Stefan, der im Landtag sitzt, sieht das so: „In OÖ kann man gerade in Echtzeit zuschauen, wie Menschlichkeit, Anstand und auch in ersten Ansätzen der Rechtsstaat uns unter den Füßen davonerodieren.“

Es braucht mehr Ungehorsam

Ich selber bin am Sonntag Abend bei der ZIB Spezial gesessen und dachte mir: „Verspäteter Tatort“. Es wurde gezeichnet, illustriert, einfach erläutert, wer uns bestiehlt und bedroht. Es sind nicht die Flüchtlinge, sondern die Machthaber aller Sorten, die abschöpfen, kriminelles Geld waschen. Gut, dass es diese JournalistInnen gibt, die sich investigativ verbünden und Licht ins Dunkel bringen. Bitte weiter so. Danke Falter und auch dem ORF. Wir sehen heute schon, dass Juristen ausrücken, um zu klären. Sie werden bald an der international abschirmenden Gummiwand stehen. Nichts auszurichten. Es braucht die JournalistInnen, die kritische und ungeschminkte Öffentlichkeit und ein breites Verstehen-Wollen großer Bevölkerungsschichten. Und es braucht das Gewissen der Whistleblower, die sagen: „Wenn ich das meinem Gewissen zeige, was ich hier täglich sehe, kann ich nicht länger schweigen. Es muss raus. An die Öffentlichkeit.“ Gut, dass sie diesen Dienst an der Gesellschaft tun und – wie Snowden – ihre Freiheit dafür einsetzen. Es braucht mehr Ungehorsam. Viel mehr.

 

 

 

Kopftücher verbinden

600_IMG_7862Es war gestern doch ein großer Tag. Das neue Buch „Ein bisserl fromm waren wir auch“ ist im Büro eingetroffen. Meine Kollegin Monika Slouk hat hier die Hauptarbeit geleistet und unsere Präsidentin Sr. Beatrix Mayrhofer als Herausgeberin hat mit großem Engagement das Buch „vorangetrieben“. Ich weiß es von meinem Buch über das Assisi-Gehen damals: Es ist, wie wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt. Die Freude wollten wir auch dadurch zum Ausdruck bringen, dass wir ein gemeinsames Foto machen. Noch nicht für die Presse, sondern einfach „für uns“. Und so sind die Präsidentin und ich von der Freyung hinüber über den Graben zum Stephansplatz in das Quo vadis? gegangen, um Monika dort zu treffen.

Wie Kopftücher verbinden

450_IMG_7880Was  mir bisher so noch nicht aufgefallen ist, durfte ich am Stephansplatz erleben. Die Menge der Leute ist überschaubar.  Ich habe das Gefühl, dass Touristen in Massen immer weniger werden. In Wien. Wir gehen dahin, plaudern miteinander. Da kommen uns zwei Mütter mit drei Kleinkindern entgegen. Zwei in Kinderwägen. Sr. Beatrix schaut die beiden Mütter mit Kopftuch an. Sie lächeln einander zu und grüßen einander. Im langsamen Dahingehen begegnen einander die Frauen „mit Kopftuch“. Die einen aus ihrer muslimischen Lebenshaltung und die andere als Ordensfrau im Habit einer Schulschwester. Wir gehen weiter und Sr. Beatrix erzählt mir, dass sich solche freundliche Begegnungen aufgrund des „Kopftuches“ immer öfter ergeben. „Man lächelt, nickt einander zu.“ Es geht mir bis heute nicht aus dem Sinn, wo Terror und Hass die Menschen „auseinander bringen“, dass gerade das religiös motivierte Zeichen des Kopftuches der Ordensfrau und der muslimischen Mutter ein unglaublich wertschätzende und respektvolle Brücke sein kann. Das ist die Aufgabe von Religion: Brücken bauen, Respekt fördern, Empathie schüren, Begegnung auf Augenhöhe ermöglichen und Gewalt in jeder Form abzulehnen. Auch in den Schriften. Gestern habe ich gelesen: Terror ist Gotteslästerung. Terror ist noch viel mehr Menschen verachtend. Ich habe gesehen, wie Kopftücher verbinden. Genauso können Lieder, Kunst, Musik, Sport, Natur und „gewaltfreie Gottesräume“ verbinden. Das hoffe ich.

Apropos Hoffnung

7IMG_7234Ein Redakteur der OÖNachrichten, die in der Karwoche immer eine Doppelseite einem spirituellen Thema widmen, hat via FB seine „Freunde“ gefragt, was für sie die Quelle der Hoffnung ist. Eine unglaublich tiefe Frage. Gerade auch jetzt. Ich habe ihm vor ein paar Tagen so geantwortet: „Quelle der Hoffnung? Da ist einmal die Natur. Wer über längere Zeit zu Fuß in der Natur unterwegs ist, weiß und erfährt, dass es immer einen Weg gibt. Der kann zwar steil und unwirtlich sein, aber es gibt ihn. Manchmal lehrt einem die Natur auch den Umweg als Weg der besonderen Erfahrung. Natur ist nie ausweglos. Dann sehe ich die Gesichter unserer Enkelkinder. Sie schauen so frisch und hellwach in die Welt, selbst voller Hoffnung. Das steckt an. Es ist gut, ganz da zu sein: Jetzt. Und dann sehe ich auf der spirituellen Ebene so viele Menschen und Ereignisse, die Hoffnung schüren, keimen lassen, nahe legen. In Jesus sehe ich einen, der aufgestanden ist, sich gegen alles Lebensfeindliche gestellt, mit dem Leben gestemmt, der Hoffnung Platz gemacht hat, vor allem für die Kleinen, die Ausgegrenzten, die Überflüssigen. Die Grube ist nicht mein letzter Platz. Das weiß ich. Oder besser: Das hoffe ich.“
Irgendwie war diese frohe Hoffnung am Stephansplatz „zwischen den Kopftüchern“ spürbar, erlebbar.
Frohe Ostern und ein erwecktes, waches Leben!

Was ist mit der Stille

socialmedia_wels_2016„Fluch oder | und Segen“ ist immer eine Herausforderung. Tagtäglich. Fast nichts, was nicht eine Schattenseite hat. Wo viel Licht, ist auch viel Schatten. Gestern war ich von der Akademie Wels zu einem Vortrag über „Soziale Medien“ eingeladen. #socialmedia . „risk and fun“ sagt man heute zur „Waage der Entscheidung und des Umganges“. Ich empfinde es immer spannend und fast aufregend, unsere derzeitige Entwicklung im Bereich der Medien in einem größeren Zusammenhang zu sehen, Entwicklungen zu erkennen und Wirkungen auf uns Menschen zu „durchblicken“. Das Thema selber ist heute so „selbstverständlich“ wie ein Vortrag über das Autofahren. So geht es bei meinem Vortrag immer darum, die analoge, haptische Welt und Erfahrung auf diesem Gebiet nutzbar zu machen für die digitale Präsenz. Auf der digitalen Ebene entgleitet uns derzeit manches. Fluch und Segen liegen ganz eng beieinander. Erlebbar und spürbar. Was mir selber auch nicht immer gelingt, stelle ich als Abschluss in den Raum. Es ist das Grundanliegen des Jahrhundertwerkes #LaudatoSi: „Es wird immer notwendiger, vom technokratischen Menschenbild in das ökologisch-sozial-spirituelle Weltbild hinüberzugehen, zu wechseln, aufzubauen.“ Und dann mein BasicTipp: „Bildschirmzeit 1:1 ausgleichen als Offline-Zeit in der Natur und analoger Gemeinschaft.“ Digital ist kalt, Natur und analoge Beziehungen sind emotional warm.“ Außerdem plädiere ich immer dafür, „sich zu Fuß auf den Weg zu machen, weil so automatisch ein Perspektivenwechsel eintritt“. Timelines fördern zum Großteil selbst bestätigende Tunnelblicke.

Und die Stille

900_IMG_6225Nach dem Vortrag gestern sagen einige noch, was sie mitnehmen. Es tut immer gut, wenn nach einem Impuls meinerseits viele etwas mitnehmen können. Das war gestern auch so. Schön. Eine Ordensfrau nimmt „Aufgewühltheit“ mit. Sie hat zwar ein Handy, nicht aber als Smartphone. All das Gesagte, Dargestellte, Besprochene hat sie aufgewühlt, „dass sie noch länger brauchen wird, das wieder in die Stille zu bringen“. Sie spricht etwas an, was ich selber auch als die größte Spannung erlebe. Die Stille, die tiefe Stille, die zweckfreie einfache Stille ist das Tor zum spirituell genährten Leben, von Gott her. Sie fragt: „Wo hat hier die Stille ihren Platz, ihren Raum?“ Eine Frage, die uns alle im Raum schweigen lässt, zur Sprachlosigkeit geführt hat. Danke für diese Aufgewühltheit, die uns den Wert der Stille vor Augen geführt hat. „Stille und Finsternis sind die Ressourcen der Zukunft.“ Nur über eine tägliche und regelmäßige Distanz zu den „digitalen Geräten“ werden wir diese nährende Stille nicht vergessen. Und das Staunen nicht verlernen. Das schürt im Herzen tiefste Dankbarkeit. Danke.

Das Aufgewühlt-Sein wird größer

900_IMG_7747Dieser Tage habe ich ein Email an meine Weggefährtinnen und Weggefährten geschickt. Darin habe ich mein „Aufgewühlt-Sein“ etwa so beschrieben: „Wir leben gerade in Zeiten, wo Aufrüster und Grenzzieher „am Zug sind“. Populistisch einsichtig erklären sie, dass wir uns und unseren auf globalen Schieflagen gründenden Wohlstand verteidigen müssen. „Abschließen. Grenzen dicht. Kein Weiterkommen. Route geschlossen.“ Das verkünden sie gerade in der ZIB2 wie einen Sieg. Es ist die größte Niederlage, die wir in diesen Tagen erleben. Solidarität und Menschlichkeit schwinden dahin. Christlich wird zum „Beiwort“ und durch die faktischen Taten zur Fratze entstellt. Sie reden von Hilfe und konnotieren das nicht mit Teilen, Loslassen, neuen Brücken, Friedensanstrengungen, aufeinander zugehen. Ich weiß ja nicht, ob ich das hier sagen soll, aber es hat mich heute tief berührt. Unsere Präsidentin Sr. Beatrix Mayrhofer hat im Gespräch gemeint: „Wenn wir ganz tief in uns hineinhören und das alles sehen, müssen wir doch ohne Vorbehalt sagen: Kommt!“ Ja. Auch wenn es uns verändert und etwas abverlangt, aber bleibt nicht im Krieg, im Dreck, auf der Flucht.“

Schwarz weiß

Faymann sitzt „Im Zentrum“ und erklärt wortreich: „Wir schaffen das nicht“. Was er nicht dazusagt, ist: Warum. Es ist der Egoismus, die sich ausbreitende Empathielosigkeit, die Unfähigkeit zur tiefen Reflexion darüber, woher unser Wohlstand kommt und die Not der anderen. Es gibt keine Überlegungsflächen mehr für das Nachdenken. Parolen werden ausgegeben. „Schwarz wird die Zukunft. Wir sind die Weißmaler. Wir retten das Abendland.“ Der Kardinal hilft mit seinen Pressestundenmeldungen mit, die „Ausnahme“ zu bestätigen. Die direkte Telefonverbindung ist Kurz. In der U-Bahn heute spielt ein etwa 16-Jähriger neben mir auf seinem Handy „Scharfschütze“ und schießt Figuren am Zebrastreifen gezielt ab. Das „Spiel“ heißt „Ins Eck gedrängt“ – soweit ich es sehen konnte. Sein Gesichtsausdruck ist angespannt und ganz bei der Sache. Was macht dieser junge Mensch? Wer macht diesen jungen Menschen so? Was tun Spiele und Social Media mit den Menschen?

Europa im Zeitalter des Nationalkapitalismus

900_IMG_7749Mein Freund Gerhard hat mir seinen Leserbrief geschickt, den er auch dieser Tage verfasst hat. Ich möchte ihn hier dazusetzen: „Hätte Angela Markel doch nur gesagt: „Wir können das schaffen!“ Das nämlich wäre unbestreitbar richtig gewesen. Europa könnte eine tatkräftige, offene, humanitäre und verantwortungsvolle Antwort auf die aktuellen und künftigen Flüchlingstreks geben. Doch Europa will es nicht, weil es kein geistiges Fundament mehr hat, das dafür tragfähig wäre. Christliches Abendland? Lediglich in kunsthistorischer Hinsicht trifft das noch zu. Das Christentum ist nur mehr bei den arbeitsfreien Feiertagen Kultur prägend. Von christlicher Wertehaltung ist in der offiziellen Politik nichts mehr zu entdecken, die Kluft der so genannt christlichen Parteien zum christlichen Milieu ist unüberbrückbar tief geworden. Dem Christentum kann das egal sein, seine Vitalität ist ungebrochen. Abgerissen ist auch die humanistische philosophische Tradition, aus der sich der Sozialismus speiste. Im tatsächlichen politischen Handeln spielt sie, gerade in ihrer internationalen solidarischen Konsequenz, keine Rolle mehr. Die Ideale der französischen Revolution sind zu Schlagwörtern verkommen. Freiheit? Sicherheit geht vor. Gleichheit? Nicht für alle. Brüderlichkeit? Eine Sache für lächerliche Gutmenschen. Und die Aufklärung? Wo bleibt die Vernunft? Auch die Überzeugung der vernünftig durchdachten, gut organisierten technokratischen Machbarkeit ist untergetaucht. Die Vernunftarbeit lohnt sich nicht für diese Aufgabe. Vernunft ist vom intellektuellen Werkzeug zum westlichen Abgrenzungsbegriff geworden.

Was also beherrscht die Debatte?

Europa hat den Geist des Kapitalismus verinnerlicht. Nicht erst, aber spätstens seit dem deutschen Mauerfall gab er die ideologische Leitlinie vor für die EU-Osterweiterung, für den Umgang mit Autokraten, Potentaten und Menschenrechtsverachtern. Möglichst viel für mich, nur das unbedingt notwendige für andere – diese Maxime durchzieht Politik und Gesellschaft. Pragmatisch und utilitaristisch auf das über jede Diskussion erhabene Ziel des ewigen Mehr gerichtet. Großbritannien ist das role model, das diese Haltung in der EU ohne Genierer auslebt. Und weil die Sucht nach dem Mehr nicht die erhoffte Befriedigung erzeugt, wird der Drang zur Verteidigung dieses Prinzips noch größer. Zugleich erleidet Europa einen dramatischen Rückfall ins seine alte, und schon einmal fast lethale Krankheit: den Nationalismus, die Illusion, dass alles so sein könnte, wie es imer schon war – überschaubar, geregelt, homogen. Nur eine Illusion, aber eine sehr süffige, deren Konsequenzen bisher abgefedert werden durch bestehende übernationale Strukturen. Das ist Europas herrschende Ideologie – Nationalkapitalismus. In der Nation isolIert, in Gier und Geiz vereint. „Wir müssen es schaffen!“ Das wäre die richtige Formulierung gewesen, denn das Schließen von Routen, die Abschiebungen in fragwürdige Drittstaaten, die Leugnung des Drucks wird das Problem nicht lösen. Das Problem wird größer und drängender werden. Was wird die Konsequenz sein?“
Mein Aufgewühlt-Sein wird größer!

Der Wandel vollzieht sich gerade

erz1Es sind keine ermutigenden Botschaften vom EU-Flüchtlings-Gipfel heute. Schon seit geraumer Zeit geht mir ein Ausspruch von Bischof Aichern in seiner Amtszeit – also vor 2005 – nicht aus dem Sinn: „Die EU ist eine Wirtschaft-Union und es fehlt ihr die solidarische Seite.“ Genau das rächt sich. Die Solidar-Union wurde in Sonntagsreden beschworen. Am Sonntag, den sie selbst für die Wirtschaft und das Geschäft immer opfern wollen und wollten. Ein Haufen Egoismen ergibt noch lange keinen Zusammenhalt. Und ich erinnere mich an meine Think-Tank-Arbeit, wo im Endeffekt auch immer wieder 2011 die Frage im Raum stand: „Wie schaffen wir den Zusammenhalt?“ Gefragt haben damals die Wirtschaftseliten, weil sie ihre „Elitage“ dahin schwimmen sahen. Es ging weniger um das Teilen, sondern um den Erhalt des Bestandes. Gemeint war eher: Wer schafft den Zusammenhalt, damit wir oben stehen können. Vorne. Wenige die Goldmedaille bekommen. Heute zeigen sich die Egoismen ganz brutal: Neben der FP schwenkt die VP-Elite auf „kurze Sicht“ und will ihren Machterhalt mit Ausgrenzung absichern. Die SP trommelt den Marsch dazu. Sie schüren Angst und den Egoismus. Die christlichen Grundsätze, die in Nächstenliebe wurzeln, werfen sie über Bord und nehmen genau denen etwas weg, die ohnehin nicht viel haben. Die Mindestsicherung wird zum Vokabel für Ausgrenzung, zur Hoffnungsmache bei der immer dünner werdenden Mittelschicht und die Beruhigungspille bei den Eliten. Teilen? Nein, wegnehmen und weiter anhäufen. Menschen sagen heute ganz offen: Das alles wird sich nicht ausgehen, was hier von der Politik gerade eingefädelt wird. Wir fahren an die Wand. Bringe das Deine ins Häuschen und schließe dich ab. Oder anderes Beispiel: Heute stellte die EU 6 Milliarden Zahlungen an die Türkei in den Raum. Besser wäre es gewesen, sie hätten beschlossen, 7 Millionen Flüchtlinge in den nächsten 5 Jahren ankommen zu lassen, mit ihrem Knowhow, den Fähigkeiten, den Talenten und der mitgebrachten Innovation. Nein. Bestand sichern und dafür „alt werden“.

Aber

IMG_7489Die andere Seite ist, dass sich gerade ein tiefer Wandel vollzieht. „Woche der Wirksamkeit„, „Den Wandel gestalten„, Symposium Dürnstein, die Beispiele vom Klimapilgern, „Wandelwoche“, „Aufbrüche“, „Gutes Leben“,…. nennen sich die Veranstaltungen und Initiativen. Ein neues Wohnen entsteht und nennt sich Cohousing, weil Menschen wieder mehr das Wir sehen zusammen mit ihrem Ich. Die IG-Milchbauern steuern bewusst einen biologischen und regionalen Kurs. Dass die Kammern und Verbände noch am „Alten“ hängen, ist nur aus alten Abhängigkeiten erklärbar. Das Neue hat es immer schwer. Nicht jeder Prophet oder jede Prophetin wurde gehört, verstanden. Manche von ihnen wurden eliminiert. Es ging nicht nur Jesus so, der Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, spirituelle Offenheit hinein in den Himmel gelebt hat. Die „Amts“-Kirche war die meiste Zeit in der Geschichte an der Seite der Mächtigen. Das merken sich die Menschen. Sie sind skeptisch. Heute dauert es auch sehr lange, bis sich maßgebliche Kräfte und Autoritäten der Kirche dem Wandel vorbehaltlos anschließen, den Wandel unterstützen. Direkt unvorstellbar, wenn Papst Franziskus nicht gekommen wäre. Er verlangt von den Kirchenmenschen – vor allem den Verantwortlichen – Positionierung an der Seite der Armen und Bewegung. Ja, Bewegung und Mitmachen beim Wandel hin zu Solidarität und gewaltfreiem Frieden. An der Bushaltestelle hat heute wer gemeint: „Unsere nationalen und persönlichen Egoismen werden sich Rächen in Gewalt.“ Der Wandel kann es verhindern.

Die BauernPost vom Februar 2020 gelesen

Ausgabe Feber 2020

Ausgabe Feber 2020

„Agrarwende 2016 – ein voller Erfolg“ ist die Headline über der Ausgabe der „BauernPost“ vom Februar 2020. Ausgedruckt liegt sie vor mir, „die unabhängige Zeitung für den ländlichen Raum“. Persönlich habe ich sie überreicht bekommen von vier Bauern im Cafe Griensteidl in Wien. Meine eigene Biografie beginnt auf einem Bauernhof, den derzeit mein Bruder und in allernächster Zukunft mein Neffe und meine Nichte bewirtschaften werden. Milch spielt ein große Rolle und die Selbstvermarktung aller Produkte, die auf diesem naturnahen Bauernhof entstehen. Der Speck ist so begehrt, dass er fast auf dem lebenden Schwein reserviert werden muss. Zurück aber in das Cafe Griensteidl.

Die Kleinen werden überfahren

9IMG_7402Ein Milchbauer aus dem Mostviertel, aus dem oberen Mühlviertel, aus Neumarkt am Wallersee und aus Bad Leonfelden sitzen mit mir am Tisch. Wir haben uns hierher vereinbart, nachdem ich den Obmann der IG-Milch Ewald Grünzweil aus Bad Leonfelden im Zuge meiner Aktivitäten als Klimapilger bei einer Demonstration im Vorfeld des Weltklimagipfel #COP21 kennengelernt habe. Gar nicht einfach, auf welchen Wegen ich immer wieder zu interessanten Menschen geführt werde. Ich bin beeindruckt von diesen Bauern, die gerade in diesen für Milchbauern miserablen „Milch-Zeiten“ so eine kraftvolle und positive Alternative verkörpern. Ihre Kraft kommt nicht vom Reden, sondern aus ihrer Erzeuger-Situation. Auf den vier biologisch geführten Bauernhöfen gehen etwa 150 Milchkühe mit den Bauern mit. Sie erzeugen diese wertvolle Grundlage für so viele schmackhafte Nahrungsmittel wie Käse oder Joghurt usw. Aber: Die Bauernvertreter in Kammern und Genossenschaften haben sich vor einem Jahr täuschen lassen und der Abschaffung der Milch-Kontingente zugestimmt. Heute sehen alle: Die großen Industrie-Bauernhöfe produzieren so viel Milch, das die „Kleinen“ überhaupt nicht mit können und im Milch-Tsunami der großen weggespült werden. Die Bauernvertreter wollen aber den Fehler nicht eingestehen.

Nimm mit alles, nur die Ausrede nicht

9IMG_7499Russland-Embargo, fehlende Marktentwicklung oder mangelnde Exporte werden als „Ausreden“ angeführt. Da kommt mir mein Lateinprofessor in den Sinn, der vor jeder Erklärung eines Schülers gleich einmal ausgerufen hat: „Herrgott, nimm mir alles, nur die Ausrede nicht.“  Kammern, Standesvertretungen und Genossenschaften erkennen „den inneren Fehler der technokratischen industriellen Landwirtschaft“ nicht, der sich über hybrides Saatgut, in Spritzmittel oder Düngemittel über Weltkonzerne die Bauern abhängig macht. „Sie sind blind für den Systemfehler und stecken in Abhängigkeit.“ Das klingt düster, läge da nicht die „BauernPost“ aus dem Jahre 2020 auf meinem Tisch. Die Initiative „Wir haben es satt!“ hat im Jahre 2016 diese Wende angestoßen, die der Agrarökologie zum Durchbruch verholfen hat. 2020 werden Nutztiere stressfrei und mit Würde vor Ort geschlachtet. Es stellte sich schon Ende 2015 heraus, dass es gar kein EU-Gesetz gab, das Schlachtungen nur in Schlachthöfen erlaubt.  Zuchtziele wurden Tier gerecht geschrieben, Saatgenossenschaften „SamenFeste“ machen hybrides Saatgut überflüssig, das maschinelle Wettrüsten des „immer größer“ ist beendet und die Landwirtschaft verzichtet komplett auf fossile Energieträger. Der Richtungswechsel ist 2016 gelungen und trägt 2020 „faire Früchte“. Die Milchkrise 2015 wurde ähnlich dem Weinskandal als Chance genützt. Der Konsument kann aufatmen, weil er biologisch-naturnahe Produkte genießen kann und nicht auf „industrielle wertlose Kaumasse“ zurückgreifen muss. Gefördert wird jetzt nur mehr kleinstrukturierte Landwirtschaft und die großen Handelsketten sind genossenschaftlich regionalisiert. Auf der letzten Seite lese ich: „Eine Viertelmillion! Zahl der Höfe wächst weiter“. Als: Die Agrarwende wurde geschafft.

Menschen mit visionärer Tatkraft

Durch die Herrengasse vorbei am Innenministerium gehe ich zurück in das Büro der Ordensgemeinschaften. Ein großes schwarzes Auto bleibt mitten auf der Strasse stehen. Heraus springt der Außenminister und hinein in das nächste Palais. Mein Gedanke geht sofort zürück zu den vier Bauern. Ich spüre: Dort liegt die Gestaltungskraft für die Zukunft. Die politischen Eliten sind nicht mehr imstande, „das System zu drehen auf menschenfreundliche, naturnahe und eine sozial ausgewogene gerechte Zukunft“. Diese IG-Milch-Bauern sind Teil der Wende. Ganz konkret und ganz praktisch. Meine Schritte werden langsamer. Ich werde nachdenklicher. Meine Aufgabe und meine Kontakte im Netz der Ordensgemeinschaften kommt mir irgendwie entgegen. In Gedanken. Dann bleibe ich stehen und schaue vor der Schottenkirche auf zum Himmel und denke: Wo sind in unserem Bereich diese mutigen, kraftvollen Visionäre und Visionärinnen der notwendigen gesellschaftlichen Wende? Bei der Pressekonferenz hat Christian Haidinger von den „stillgelegten Propheten“ gesprochen. Diesen vier Bauern verdanke ich sehr viel: Meine Aufmerksamkeit geht in nächster Zeit darauf, unter den 5.300 Ordensfrauen und Ordensmännern und den tausenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die ausfindig zu machen, die heute schon ihren Teil an der gesellschaftlichen Systemwende ganz praktisch leben. Immer öfter höre ich nämlich: „Wir schaffen die Wende nicht. Wir fahren an die Wand. Wir sind schon im Krieg.“ Es ist die Leidenschaft zu ihrer Landwirtschaft, zum Hof, zu ihren Tieren, zu ihren Produkten, zur Natur, zur Gerechtigkeit, zur Fairness, die diese Bauern antreibt. Aber sie sagen es frei heraus: „Wir haben es unter unseres Gleichen nicht leicht.“ Heute weiß ich schon: Am 1. April gehe ich mit, wenn sie mit Traktoren nach Wien kommen, um die Wende einzufahren.

Ein einfaches Kreuz geht durch die Zeit

fkreuzDas Leben bereitet mir immer wieder schöne Überraschungen. So diese. Im Posteingang finde ich ein Email, das die frühen Jahre ab 1982 als Pastoralassistent in der Dompfarre Linz ein wenig ausleuchtet. Es rührt mich deshalb an, weil ich manche Details selber gar nicht mehr so präsent hatte. Es geht um ein ganz einfaches Holzkreuz im Linzer Mariendom. Aber wie kam es zu dem Kreuz?

Darf ich mich wegen einer Frage an Dich wenden?

„Damals in der Domjugend hat mein Bruder Ernst, der Tischler war, ein Kreuz für die in der Fastenzeit stattfindenden Jugendkreuzwege gezimmert. Du hast es mit Deinem Citroen (-> Ente ) von meinem Elternhaus abgeholt. Von letztem Mittwoch bis gestern war ich bei den Karmeliten auf Exerzitien. Dabei hatten wir auch längere Pausen – vor allem zu den Essenszeiten. Da der Dom ja nicht weit vom Karmelitenkloster entfernt liegt, hab ich Freitagabend, in der Pause nach dem Abendessen, wieder mal den Dom besucht, und war überrascht über das Kreuz, das am Ende des Weges ausgehend von der Barmherigkeitspforte steht. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es das Kreuz meines Bruders ist. Gemäß meiner Auffassung, dass Fragen nichts kostet, bin ich in die Sakristei gegangen. Es war ja kurz vor der Abendmesse. Die Dame sagte mir aber nur, dass sie nicht wisse, von woher das Kreuz sei. Ich wollte nicht weiter lästig sein und bin zum Karmelitenkloster zurückgegangen. Dabei kam ich bei den Schaukästen vorbei, blieb dort stehen, und las ein paar Plakate. Etwas hat mich interessiert und ich hab das dann, wie man es heutzutage macht, mit dem Handy abfotografiert. Das tut man, wenn man keinen Stift und keinen Zettel zur Hand hat. Auf einmal stand eine Frau neben mir und wir kamen ins Gespräch. Während sie einzelne Schaukästen aufmachte und alte Plakate rausnahm und neue reinhängte, erzählte ich ihr auch von meinem Dombesuch, und was ich vom Kreuz am Ende des Barmherigkeitswegs vermute, wie vorhin beschrieben. Auch sie wusste keine Antwort.“  Dann beschreibt Franz noch ein paar Details,  um dann eine Anfrage an mich zu richten: „Lange Rede kurzer Sinn: Ich habe mich erinnert, dass Du mir immer gerne und zuvorkommend Auskunft gegeben hast. Daher diese Email an Dich, als ehemaliger Pastoralassistent der Dompfarre. Vielleicht weißt Du was vom Verbleib des Kreuzes meines Bruders und ob meine Vermutung stimmt?“

Einfachheit als „Sakrament“

Natürlich beantworte ich solche Fragen sehr gerne und ich habe Franz sofort zurückgeschrieben: „Ziemlich genau erinnere ich mich auch noch, wie wir das Kreuz damals in den Dom gebracht haben. Ja, es ist noch immer dasselbe Kreuz, das wir damals in Prozession zusammen mit etwa 200 Jugendlichen im Rahmen der pilgernden Jugendvesper vom Dom durch die Stadt zur Martinskirche getragen haben. Seit dieser Zeit steht es in seiner Einfachheit und Schlichtheit im Dom. Jahr für Jahr erinnert es an die Fastenzeit. So ist aus dem einfachen Holz ein Kreuz geworden und daraus wiederum ein „Sakrament“, ein Zeichen dafür, dass Gott uns näher ist als wir vielleicht erahnen.“ Heuer hat das Kreuz seinen Platz am Weg der Barmherzigkeit. Es sind die einfachen Dinge, die bleiben und die größte Kraft haben. Ein starkes Signal in eine von Design und mit Äußerlichkeiten aufgeladene Zeit.

 

BERGGEHEN von Obertauern nach Bad Gastein am 02er

Am Hochkönig 2015

Am Hochkönig 2015

Seit Jahren gehen wir über die Berge. Es ist keine fixe Gruppe. Wir werden – so ist mein Eindruck – jedes Jahr neu und bunt zusammengewürfelt. Jedes Jahr ein wenig anders. Unser Ziel ist es, von Hütte zu Hütte die verschiedenen Wege in den Alpen zu begehen. Mittlerweile ist es schon eine lange Liste, die ich aufzählen könnte. Im Sommer 2016 führt uns der Weg von Obertauern nach Bad Gastein. Der 02-er Weitwanderweg und der Kärntner Grenzlandweg sind unsere Markierungen.

Ein bunter Haufen

Die Gruppe ist immer um die 12 Personen groß, ganz unterschiedliche Berufe und fast jedes Alter. Es geht nicht um „sportliche Leistung“, sondern um Gehen, Staunen, Erleben, Gespräche, Singen und die „Kraft der Gruppe“. Wir schlafen normalerweise auf Lager. Die Plätze sind avisiert. Jede und jeder geht auf eigene Gefahr und zusammen mit dem eigenen Rucksack. Kosten: Jeder und jede bezahlt seine oder ihre Sachen (Übernachtung, Essen, Fahrt) selber. Der Mitgliedsausweis bei einem alpinen Verein ist von Vorteil. Wer mitgehen möchte, schreibt ein Email !

Ingolstädter Hütte 2015

Ingolstädter Hütte 2015

#Tag1 SA: 13. Aug 2016
Anreise mit Zug und Bus > Aufstieg zur Südwiener Hütte (1.802m).
Abfahrt in Linz 8:48 RJ und Ankunft um 12:03 Obertauern Passhöhe.

#Tag2 SO: 14. Aug 2016
Übergang zur Tappenkarsee Hütte (1.820m).

#Tag 3 MO: 15. Aug 2016
Übergang zur Osnabrücker Hütte (2.026 m).

#Tag4 DI: 16. Aug 2016
Übergang zum Hannoverhaus (2.565m).
Im Vorbeigehen liegt der Gr. Ankogel (3.252m) oder davor der Kl. Ankogel (3.097m) am Weg.

#Tag5 MI: 17. Aug 2016
Übergang zur Hagenauer Hütte (2.446m).

#Tag6 DO: 18. Aug 2016
Übergang und Abstieg nach Sportgastein.
Bus und Zug nach Linz (Bad Gastein Abfahrt 14:17 Ankunft Linz 17:28)

Wer nicht aus Linz anreist, ist Treffpunkt am SA 13. August 216 um 12.00 Uhr in Obertauern, Passhöhe.

Außerdem: Für diese Woche 2016 ist schönes Wetter bestellt. Aber es ist ohnehin so, wie es ist.