Der Wandel vollzieht sich gerade

erz1Es sind keine ermutigenden Botschaften vom EU-Flüchtlings-Gipfel heute. Schon seit geraumer Zeit geht mir ein Ausspruch von Bischof Aichern in seiner Amtszeit – also vor 2005 – nicht aus dem Sinn: „Die EU ist eine Wirtschaft-Union und es fehlt ihr die solidarische Seite.“ Genau das rächt sich. Die Solidar-Union wurde in Sonntagsreden beschworen. Am Sonntag, den sie selbst für die Wirtschaft und das Geschäft immer opfern wollen und wollten. Ein Haufen Egoismen ergibt noch lange keinen Zusammenhalt. Und ich erinnere mich an meine Think-Tank-Arbeit, wo im Endeffekt auch immer wieder 2011 die Frage im Raum stand: „Wie schaffen wir den Zusammenhalt?“ Gefragt haben damals die Wirtschaftseliten, weil sie ihre „Elitage“ dahin schwimmen sahen. Es ging weniger um das Teilen, sondern um den Erhalt des Bestandes. Gemeint war eher: Wer schafft den Zusammenhalt, damit wir oben stehen können. Vorne. Wenige die Goldmedaille bekommen. Heute zeigen sich die Egoismen ganz brutal: Neben der FP schwenkt die VP-Elite auf „kurze Sicht“ und will ihren Machterhalt mit Ausgrenzung absichern. Die SP trommelt den Marsch dazu. Sie schüren Angst und den Egoismus. Die christlichen Grundsätze, die in Nächstenliebe wurzeln, werfen sie über Bord und nehmen genau denen etwas weg, die ohnehin nicht viel haben. Die Mindestsicherung wird zum Vokabel für Ausgrenzung, zur Hoffnungsmache bei der immer dünner werdenden Mittelschicht und die Beruhigungspille bei den Eliten. Teilen? Nein, wegnehmen und weiter anhäufen. Menschen sagen heute ganz offen: Das alles wird sich nicht ausgehen, was hier von der Politik gerade eingefädelt wird. Wir fahren an die Wand. Bringe das Deine ins Häuschen und schließe dich ab. Oder anderes Beispiel: Heute stellte die EU 6 Milliarden Zahlungen an die Türkei in den Raum. Besser wäre es gewesen, sie hätten beschlossen, 7 Millionen Flüchtlinge in den nächsten 5 Jahren ankommen zu lassen, mit ihrem Knowhow, den Fähigkeiten, den Talenten und der mitgebrachten Innovation. Nein. Bestand sichern und dafür „alt werden“.

Aber

IMG_7489Die andere Seite ist, dass sich gerade ein tiefer Wandel vollzieht. „Woche der Wirksamkeit„, „Den Wandel gestalten„, Symposium Dürnstein, die Beispiele vom Klimapilgern, „Wandelwoche“, „Aufbrüche“, „Gutes Leben“,…. nennen sich die Veranstaltungen und Initiativen. Ein neues Wohnen entsteht und nennt sich Cohousing, weil Menschen wieder mehr das Wir sehen zusammen mit ihrem Ich. Die IG-Milchbauern steuern bewusst einen biologischen und regionalen Kurs. Dass die Kammern und Verbände noch am „Alten“ hängen, ist nur aus alten Abhängigkeiten erklärbar. Das Neue hat es immer schwer. Nicht jeder Prophet oder jede Prophetin wurde gehört, verstanden. Manche von ihnen wurden eliminiert. Es ging nicht nur Jesus so, der Liebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, spirituelle Offenheit hinein in den Himmel gelebt hat. Die „Amts“-Kirche war die meiste Zeit in der Geschichte an der Seite der Mächtigen. Das merken sich die Menschen. Sie sind skeptisch. Heute dauert es auch sehr lange, bis sich maßgebliche Kräfte und Autoritäten der Kirche dem Wandel vorbehaltlos anschließen, den Wandel unterstützen. Direkt unvorstellbar, wenn Papst Franziskus nicht gekommen wäre. Er verlangt von den Kirchenmenschen – vor allem den Verantwortlichen – Positionierung an der Seite der Armen und Bewegung. Ja, Bewegung und Mitmachen beim Wandel hin zu Solidarität und gewaltfreiem Frieden. An der Bushaltestelle hat heute wer gemeint: „Unsere nationalen und persönlichen Egoismen werden sich Rächen in Gewalt.“ Der Wandel kann es verhindern.

Die BauernPost vom Februar 2020 gelesen

Ausgabe Feber 2020

Ausgabe Feber 2020

„Agrarwende 2016 – ein voller Erfolg“ ist die Headline über der Ausgabe der „BauernPost“ vom Februar 2020. Ausgedruckt liegt sie vor mir, „die unabhängige Zeitung für den ländlichen Raum“. Persönlich habe ich sie überreicht bekommen von vier Bauern im Cafe Griensteidl in Wien. Meine eigene Biografie beginnt auf einem Bauernhof, den derzeit mein Bruder und in allernächster Zukunft mein Neffe und meine Nichte bewirtschaften werden. Milch spielt ein große Rolle und die Selbstvermarktung aller Produkte, die auf diesem naturnahen Bauernhof entstehen. Der Speck ist so begehrt, dass er fast auf dem lebenden Schwein reserviert werden muss. Zurück aber in das Cafe Griensteidl.

Die Kleinen werden überfahren

9IMG_7402Ein Milchbauer aus dem Mostviertel, aus dem oberen Mühlviertel, aus Neumarkt am Wallersee und aus Bad Leonfelden sitzen mit mir am Tisch. Wir haben uns hierher vereinbart, nachdem ich den Obmann der IG-Milch Ewald Grünzweil aus Bad Leonfelden im Zuge meiner Aktivitäten als Klimapilger bei einer Demonstration im Vorfeld des Weltklimagipfel #COP21 kennengelernt habe. Gar nicht einfach, auf welchen Wegen ich immer wieder zu interessanten Menschen geführt werde. Ich bin beeindruckt von diesen Bauern, die gerade in diesen für Milchbauern miserablen „Milch-Zeiten“ so eine kraftvolle und positive Alternative verkörpern. Ihre Kraft kommt nicht vom Reden, sondern aus ihrer Erzeuger-Situation. Auf den vier biologisch geführten Bauernhöfen gehen etwa 150 Milchkühe mit den Bauern mit. Sie erzeugen diese wertvolle Grundlage für so viele schmackhafte Nahrungsmittel wie Käse oder Joghurt usw. Aber: Die Bauernvertreter in Kammern und Genossenschaften haben sich vor einem Jahr täuschen lassen und der Abschaffung der Milch-Kontingente zugestimmt. Heute sehen alle: Die großen Industrie-Bauernhöfe produzieren so viel Milch, das die „Kleinen“ überhaupt nicht mit können und im Milch-Tsunami der großen weggespült werden. Die Bauernvertreter wollen aber den Fehler nicht eingestehen.

Nimm mit alles, nur die Ausrede nicht

9IMG_7499Russland-Embargo, fehlende Marktentwicklung oder mangelnde Exporte werden als „Ausreden“ angeführt. Da kommt mir mein Lateinprofessor in den Sinn, der vor jeder Erklärung eines Schülers gleich einmal ausgerufen hat: „Herrgott, nimm mir alles, nur die Ausrede nicht.“  Kammern, Standesvertretungen und Genossenschaften erkennen „den inneren Fehler der technokratischen industriellen Landwirtschaft“ nicht, der sich über hybrides Saatgut, in Spritzmittel oder Düngemittel über Weltkonzerne die Bauern abhängig macht. „Sie sind blind für den Systemfehler und stecken in Abhängigkeit.“ Das klingt düster, läge da nicht die „BauernPost“ aus dem Jahre 2020 auf meinem Tisch. Die Initiative „Wir haben es satt!“ hat im Jahre 2016 diese Wende angestoßen, die der Agrarökologie zum Durchbruch verholfen hat. 2020 werden Nutztiere stressfrei und mit Würde vor Ort geschlachtet. Es stellte sich schon Ende 2015 heraus, dass es gar kein EU-Gesetz gab, das Schlachtungen nur in Schlachthöfen erlaubt.  Zuchtziele wurden Tier gerecht geschrieben, Saatgenossenschaften „SamenFeste“ machen hybrides Saatgut überflüssig, das maschinelle Wettrüsten des „immer größer“ ist beendet und die Landwirtschaft verzichtet komplett auf fossile Energieträger. Der Richtungswechsel ist 2016 gelungen und trägt 2020 „faire Früchte“. Die Milchkrise 2015 wurde ähnlich dem Weinskandal als Chance genützt. Der Konsument kann aufatmen, weil er biologisch-naturnahe Produkte genießen kann und nicht auf „industrielle wertlose Kaumasse“ zurückgreifen muss. Gefördert wird jetzt nur mehr kleinstrukturierte Landwirtschaft und die großen Handelsketten sind genossenschaftlich regionalisiert. Auf der letzten Seite lese ich: „Eine Viertelmillion! Zahl der Höfe wächst weiter“. Als: Die Agrarwende wurde geschafft.

Menschen mit visionärer Tatkraft

Durch die Herrengasse vorbei am Innenministerium gehe ich zurück in das Büro der Ordensgemeinschaften. Ein großes schwarzes Auto bleibt mitten auf der Strasse stehen. Heraus springt der Außenminister und hinein in das nächste Palais. Mein Gedanke geht sofort zürück zu den vier Bauern. Ich spüre: Dort liegt die Gestaltungskraft für die Zukunft. Die politischen Eliten sind nicht mehr imstande, „das System zu drehen auf menschenfreundliche, naturnahe und eine sozial ausgewogene gerechte Zukunft“. Diese IG-Milch-Bauern sind Teil der Wende. Ganz konkret und ganz praktisch. Meine Schritte werden langsamer. Ich werde nachdenklicher. Meine Aufgabe und meine Kontakte im Netz der Ordensgemeinschaften kommt mir irgendwie entgegen. In Gedanken. Dann bleibe ich stehen und schaue vor der Schottenkirche auf zum Himmel und denke: Wo sind in unserem Bereich diese mutigen, kraftvollen Visionäre und Visionärinnen der notwendigen gesellschaftlichen Wende? Bei der Pressekonferenz hat Christian Haidinger von den „stillgelegten Propheten“ gesprochen. Diesen vier Bauern verdanke ich sehr viel: Meine Aufmerksamkeit geht in nächster Zeit darauf, unter den 5.300 Ordensfrauen und Ordensmännern und den tausenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die ausfindig zu machen, die heute schon ihren Teil an der gesellschaftlichen Systemwende ganz praktisch leben. Immer öfter höre ich nämlich: „Wir schaffen die Wende nicht. Wir fahren an die Wand. Wir sind schon im Krieg.“ Es ist die Leidenschaft zu ihrer Landwirtschaft, zum Hof, zu ihren Tieren, zu ihren Produkten, zur Natur, zur Gerechtigkeit, zur Fairness, die diese Bauern antreibt. Aber sie sagen es frei heraus: „Wir haben es unter unseres Gleichen nicht leicht.“ Heute weiß ich schon: Am 1. April gehe ich mit, wenn sie mit Traktoren nach Wien kommen, um die Wende einzufahren.

Ein einfaches Kreuz geht durch die Zeit

fkreuzDas Leben bereitet mir immer wieder schöne Überraschungen. So diese. Im Posteingang finde ich ein Email, das die frühen Jahre ab 1982 als Pastoralassistent in der Dompfarre Linz ein wenig ausleuchtet. Es rührt mich deshalb an, weil ich manche Details selber gar nicht mehr so präsent hatte. Es geht um ein ganz einfaches Holzkreuz im Linzer Mariendom. Aber wie kam es zu dem Kreuz?

Darf ich mich wegen einer Frage an Dich wenden?

„Damals in der Domjugend hat mein Bruder Ernst, der Tischler war, ein Kreuz für die in der Fastenzeit stattfindenden Jugendkreuzwege gezimmert. Du hast es mit Deinem Citroen (-> Ente ) von meinem Elternhaus abgeholt. Von letztem Mittwoch bis gestern war ich bei den Karmeliten auf Exerzitien. Dabei hatten wir auch längere Pausen – vor allem zu den Essenszeiten. Da der Dom ja nicht weit vom Karmelitenkloster entfernt liegt, hab ich Freitagabend, in der Pause nach dem Abendessen, wieder mal den Dom besucht, und war überrascht über das Kreuz, das am Ende des Weges ausgehend von der Barmherigkeitspforte steht. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass es das Kreuz meines Bruders ist. Gemäß meiner Auffassung, dass Fragen nichts kostet, bin ich in die Sakristei gegangen. Es war ja kurz vor der Abendmesse. Die Dame sagte mir aber nur, dass sie nicht wisse, von woher das Kreuz sei. Ich wollte nicht weiter lästig sein und bin zum Karmelitenkloster zurückgegangen. Dabei kam ich bei den Schaukästen vorbei, blieb dort stehen, und las ein paar Plakate. Etwas hat mich interessiert und ich hab das dann, wie man es heutzutage macht, mit dem Handy abfotografiert. Das tut man, wenn man keinen Stift und keinen Zettel zur Hand hat. Auf einmal stand eine Frau neben mir und wir kamen ins Gespräch. Während sie einzelne Schaukästen aufmachte und alte Plakate rausnahm und neue reinhängte, erzählte ich ihr auch von meinem Dombesuch, und was ich vom Kreuz am Ende des Barmherigkeitswegs vermute, wie vorhin beschrieben. Auch sie wusste keine Antwort.“  Dann beschreibt Franz noch ein paar Details,  um dann eine Anfrage an mich zu richten: „Lange Rede kurzer Sinn: Ich habe mich erinnert, dass Du mir immer gerne und zuvorkommend Auskunft gegeben hast. Daher diese Email an Dich, als ehemaliger Pastoralassistent der Dompfarre. Vielleicht weißt Du was vom Verbleib des Kreuzes meines Bruders und ob meine Vermutung stimmt?“

Einfachheit als „Sakrament“

Natürlich beantworte ich solche Fragen sehr gerne und ich habe Franz sofort zurückgeschrieben: „Ziemlich genau erinnere ich mich auch noch, wie wir das Kreuz damals in den Dom gebracht haben. Ja, es ist noch immer dasselbe Kreuz, das wir damals in Prozession zusammen mit etwa 200 Jugendlichen im Rahmen der pilgernden Jugendvesper vom Dom durch die Stadt zur Martinskirche getragen haben. Seit dieser Zeit steht es in seiner Einfachheit und Schlichtheit im Dom. Jahr für Jahr erinnert es an die Fastenzeit. So ist aus dem einfachen Holz ein Kreuz geworden und daraus wiederum ein „Sakrament“, ein Zeichen dafür, dass Gott uns näher ist als wir vielleicht erahnen.“ Heuer hat das Kreuz seinen Platz am Weg der Barmherzigkeit. Es sind die einfachen Dinge, die bleiben und die größte Kraft haben. Ein starkes Signal in eine von Design und mit Äußerlichkeiten aufgeladene Zeit.

 

BERGGEHEN von Obertauern nach Bad Gastein am 02er

Am Hochkönig 2015

Am Hochkönig 2015

Seit Jahren gehen wir über die Berge. Es ist keine fixe Gruppe. Wir werden – so ist mein Eindruck – jedes Jahr neu und bunt zusammengewürfelt. Jedes Jahr ein wenig anders. Unser Ziel ist es, von Hütte zu Hütte die verschiedenen Wege in den Alpen zu begehen. Mittlerweile ist es schon eine lange Liste, die ich aufzählen könnte. Im Sommer 2016 führt uns der Weg von Obertauern nach Bad Gastein. Der 02-er Weitwanderweg und der Kärntner Grenzlandweg sind unsere Markierungen.

Ein bunter Haufen

Die Gruppe ist immer um die 12 Personen groß, ganz unterschiedliche Berufe und fast jedes Alter. Es geht nicht um „sportliche Leistung“, sondern um Gehen, Staunen, Erleben, Gespräche, Singen und die „Kraft der Gruppe“. Wir schlafen normalerweise auf Lager. Die Plätze sind avisiert. Jede und jeder geht auf eigene Gefahr und zusammen mit dem eigenen Rucksack. Kosten: Jeder und jede bezahlt seine oder ihre Sachen (Übernachtung, Essen, Fahrt) selber. Der Mitgliedsausweis bei einem alpinen Verein ist von Vorteil. Wer mitgehen möchte, schreibt ein Email !

Ingolstädter Hütte 2015

Ingolstädter Hütte 2015

#Tag1 SA: 13. Aug 2016
Anreise mit Zug und Bus > Aufstieg zur Südwiener Hütte (1.802m).
Abfahrt in Linz 8:48 RJ und Ankunft um 12:03 Obertauern Passhöhe.

#Tag2 SO: 14. Aug 2016
Übergang zur Tappenkarsee Hütte (1.820m).

#Tag 3 MO: 15. Aug 2016
Übergang zur Osnabrücker Hütte (2.026 m).

#Tag4 DI: 16. Aug 2016
Übergang zum Hannoverhaus (2.565m).
Im Vorbeigehen liegt der Gr. Ankogel (3.252m) oder davor der Kl. Ankogel (3.097m) am Weg.

#Tag5 MI: 17. Aug 2016
Übergang zur Hagenauer Hütte (2.446m).

#Tag6 DO: 18. Aug 2016
Übergang und Abstieg nach Sportgastein.
Bus und Zug nach Linz (Bad Gastein Abfahrt 14:17 Ankunft Linz 17:28)

Wer nicht aus Linz anreist, ist Treffpunkt am SA 13. August 216 um 12.00 Uhr in Obertauern, Passhöhe.

Außerdem: Für diese Woche 2016 ist schönes Wetter bestellt. Aber es ist ohnehin so, wie es ist.

Die Europäer sind die Landräuber

IMG_7296Der Saal im Aktionsradius in Wien in der Gaußstrasse ist übervoll wie ich komme. Am Programm steht der Film „Landraub“ von Kurt Langbein. Auch der Regisseur kommt zum Gespräch im Anschluss an den Film. Das Publikum durchmischt, eher jünger. Das überrascht auch die Veranstalterin und sie zeigt sich erfreut, dass junges Publikum da ist. Es geht um die Zukunft dieser Erde. Land ist begrenzt und deshalb ein gefundenes Fressen für Investoren und Konzerne. Wie hat heute Robert Menasse in der Presse gesagt: „Der Souverän sind die Konzerne.“ Ganz meine Ansicht. Nicht wir Wählerinnen und Wähler, sondern die Konzerne. Sie entscheiden und haben die Eliten und die Politik fest in den Händen, im Griff. Das Grundprogramm und die Programmierung unserer Welt kommt von dort, von den Konzernen und der Weltbank. Auch der Landraub geht von dort aus. „Der Film macht mich wütend und ich bin erschüttert“, sagt eine Besucherin bei der Diskussion. Kambodscha, Indonesien, Afrika, Äthiopien und Rumänien. Tatorte des Landraubes von Konzernen unter Mithilfe der dortigen staatlichen Eliten, die die Lebensgrundlage von etwa 400 Millionnen Kleinbauern in Afrika auf Spiel setzen. Und gefördert von Programmen der EU, die zwischen groß und klein nicht unterscheiden kann. Und: Nicht die Chinesen sind die Investoren, sondern die Europäer – also wir, die veranlagen in Fonds oder sonstigen Geldgeschäften. Also ich nicht, aber wir. Ich sage nur: Schauen sie sich den Film an.

Der Mönch mit der Kamera

mönchBeeindruckt hat mich gerade am Beginn des Film ein buddhistischer Mönch, der mit Kamera ausgestattet die vertriebenen Menschen besucht, sie fragt und die Filme ins Internet stellt. Mönche sind in Kambodscha auf Seite der Vertriebenen, sie gehen Hand in Hand mit den Entrechteten. Gegen die Eliten und Profiteure des Landverkaufes. Langbein nachher zu mir im Gespräch: „Leider. In Kambodscha sind jetzt die Mönche zum Großteil in Gefängnissen, weil sie sich für die Rechte der Menschen einsetzen.“ 400 Bauernfamilien, die im Film als Vertriebene gezeigt werden, haben ihr Land wieder bekommen. Langbein: „Aber: In der Zeit haben 10.000 Menschen ihr Ackerland wieder verloren.“ Die Mönche kämpfen aktiv und auf der Straße mit den Menschen gegen diese Ungerechtigkeit, „die die Regierung als zukunftsorientiertes Wirtschaften deklariert“. Es beschäftigt mich insofern, weil ich mir natürlich immer wieder die Frage stelle: Was ist die Aufgabe von Ordensleuten hier in Österreich? Der Film zeigt eben diesen Mönch, der mit Kamera seine Autorität und Stimme radikal den Entrechteten gibt. Bei Demonstrationen ist die Farbe orange ins Auge stechend. Lauter Mönche. Das beeindruckt mich.

 

Kühnheit als Ausgangspunkt

Wenn der liebe Gott mir nur drei Worte zugestehen würde, um die Herausforderungen der heutigen Zeit im kirchlichen aber genauso im gesellschaftlichen KontIMG_0561ext zu beschreiben, dann wären das: „Mut, Synapsen und Movement“. Mut verbinde ich mit der Kraft, persönlich Verantwortung zu übernehmen für meine und gemeinsame Schritte in die Zukunft. Synapse sagt uns, dass Wirklichkeit und Identität in der Verbindung, in der Anschlussfähigkeit liegen. Die Identität des Baumes liegt nicht nur in der Wurzel, sondern genauso in der osmotischen Anschlussfähigkeit zur Umgebung, zu Licht und Luft. Movement bedeutet, Bewegung bringt – das ist meine Erfahrung als Geher und Pilger – neue Perspektiven, andere Sichtweisen und unvermutete Zugänge. Und was ist Kirche anderes, als die gemeinsame Nachfolge, der Weg, ganz konkret, im Alltag, Schritt für Schritt, von Jesus inspiriert und angeregt: kraftvoll den Weg gehen, selbstverantwortet, in Verbindung mit der Mitwelt, gerade den Schwächsten unter uns, im tragenden Netz. Andere sagen zu Mut Kühnheit. Auch dem Papst gefällt das Wort, wenn er seine Bischöfe auffordert: „Macht kühne Vorschläge!“ Den Bischöfen ist das aus der Erfahrung der letzten 30 Jahre fremd. In der Enzyklika #LaudatoSi geht der Papst sehr kühnen Gedanken und Vorschlägen nach, die Welt vom technokratischen Verständnis in das ökologisch-sozial-spirituelle gemeinsame Haus zu führen, von der technischen Kälte in die spirituelle Wärme.

Bei der innovativen Spurensuche dabei

pfinxten1Zum ersten Mal gab es zu Pfingsten 2015 die Möglichkeit, sich überregional, querinstitutionell und ökumenisch zu einem lebendigen Austausch zum Thema Innovation in und durch Kirchen zu treffen. 2016 findet „PfinXten“ zum zweiten Mal statt. Wovon spreche ich? „PfinXten – Spirit bewirkt KÜHNHEIT“ als Forum für Innovation in und durch Kirchen von Mi 18.05. – Fr 20.05.2016 im Bildungshaus Stift St. Georgen am Längsee in Kärnten. Der Pastoralinnovator Georg Plank schreibt: „Erfolgreiche InnovatorInnen aus Kirche und Wirtschaft eröffnen wieder Räume, in denen die Früchte für  Mensch, Kirche und Gesellschaft gedeihen können. Als Key-Note Speaker konnte Chris Wesley von der Church of the Nativity in Baltimore gewonnen werden.Dazu kommen Impulse von Georg Plank, Hildegard Wustmans, Robert Kanduth, Ferdinand Kaineder u.a.“ Schön, als Innovator gesehen und eingeladen zu sein. Schön auch, selbst aus diesem Kreis wieder Inspiration, Kraft und Kühnheit zu schöpfen. Vielleicht sieht man sich?

Es war ein Höhepunkt

999IMG_7194Es gehört sicherlich zu den schönsten Dingen im Leben, wenn Projekte „aufgehen“. Das durfte ich im letzten Jahr im Rahmen meiner Arbeit bei den Ordensgemeinschaften Österreich in Wien erleben. Das JAHR DER ORDEN ist aufgegangen. Vor mehr als 1 ½  Jahren haben wir mit hoher Priorität ausgestattet, diesen Schwerpunkt gesetzt. Als Overtüre haben wir die „viel mehr wesentlich weniger“ Videos gemacht. Sehr gute Resonanz, weil Ordensleute in einem neuen Kontext agiert haben. Nicht reißerisch, sondern eher still. Nicht diskursiv, sondern eher gemeinsam suchend. Die Welt nicht fordernd belehren, sondern gemeinsam Spuren entdeckend. Wertschätzend. Ergänzend. Es war für mich eine Freude, wie sich dieses „Jahr“ schließlich wie ein Virus verbreitet hat. Dass das Jahr „aufgeht“,  haben wir spätestens dann gewusst, als wir den Überblick verloren haben. Das klingt paradox, ist aber ganz ernst gemeint. Der Freiraum wurde genutzt.
Und jetzt sitze ich im Zug zurück aus Rom. Bewegende Tage hinter mir. Das Finale.

Finale bei Papst Franziskus

Nie hätte ich gedacht, dass mich der Handshake mit Papst Franziskus so anrühren würde. Meine Sympathien habe ich schon öfter offen gezeigt. Am 3. Feber 2016 durfte ich mit der östereichischen Delegation die Früchte und Samen des, – nein – „unseres Jahres“ mit übergeben. Mit „prima fila“ hat man uns die 450_IMG_7017„erste Reihe“ bei der Generalaudienz zugeordnet. Mit dem Friedenslicht und dem Christbaum aus OÖ habe ich Papst Benedikt schon aus nächster Nähe erlebt. Es war nicht wirklich aufregend. Noch früher habe ich mit der Jugendgruppe der Dompfarre in den 80-er Jahren nach dem Zeremoniell der Generalaudienz die vorderen Reihen verlassen, die dann laut schreiend spanische Ordensfrauen eingenommen haben, um Papst Johannes Paul II die Hand zu schütteln. War uns damals nicht wichtig. Rom war – man verzeihe mir – nicht immer auf meinem Schirm. Und wenn, dann eher als „feindliches Magnetfeld“. Gestern standen wir da und warteten.
Kurzum: Diesen Papst Franziskus habe ich als unglauchlich starke, empathische, wache und wahrnehmende Person – ja Person – erlebt. Er schaut dich an, sein Händedruck ist wie eine Brücke, er spricht auf Augenhöhe, nirgends das Amt zu spüren. Ich gehe zurück und nehme die Kamera, um die anderen in Kontakt mit ihm zu fotografieren. Null Hektik. Er ist einfach da. Hört zu, spricht und meint: „Betet für mich.“ Ein Mensch, der als Christ seinen Dienst in und an dieser heutigen Welt tut. Als Papst. Berührend. Ermutigend. Nährend. Diese paar Minuten werde ich nicht vergessen.

Das bist du

111In bewegten Zeiten, wie wir sie gerade erleben, ist es nicht einfach, klare und nachhaltige Gedanken zu fassen. Rein, aufbauend, der Menschheitsfamilie gerecht. Da ein Buch, dort eine gute Zeitung, hier eine Bloggerin mit einem feinen Gedankengang und dort ein ermutigendes Wort über Facebook oder Twitter. Wobei gerade heute sozialen Medien als nicht gerade sozial erscheinen. Sie machen den Menschen eng und radikalisieren ihn. Beispiel: Durch personalisierte Werbung verengt sich die Sichtweise auf das Leben. Verengung hinein in die eigene Angst. Verlustangst. Das findet statt. Und der Sündenbockmechanismus funktioniert besser und schneller denn je.

Die Wurzel der Mitmenschlichkeit

Da fällt mir ein Ausspruch aus den Upanischaden in die Hände: „Tat tvam asi! Das bist du!“ Er steht im philosophischen Teil der altindischen Veden. „Das bist du!“  Was ist das Anliegen dieses Ausspruches? Welche Spur legt er dem Menschen? Es heißt: Alles Lebendige gehört zusammen und ist eins. Alles hat am einen Leben teil. Was wir einem anderen antun, das tun wir uns selbst an. Für das Zusammenleben läuft alles darauf hinaus, sich im anderen zu erkennen. Schau nur genau hin und du wirst entdecken, dass du glückliches Wesen bist. Wer solche Anschauungen verinnerlicht hat, verliert irgendwann jeglichen Groll gegen seinen Mitmenschen. Und dieser Mitmensch ist weltweit gemeint. Das ist die Wurzel aller Mitmenschlichkeit, der Humanität, die keineswegs eine Erfindung des Abendlandes ist. „Das bist du!“ ist das Geschenk der hinduistischen Menschensicht. Alles ist verbunden. Das trifft punktgenau mit den Ausführungen von Papst Franziskus in #LaudatoSi zusammen: „Die Sorge um das gemeinsame Haus“. Als jesuanisch geprägte ChristInnen sollten wir nicht müde werden, uns von den „wehrhaften und abschottenden Christlichkeiten“ mancher Parteien klar zu distanzieren. Mag die Situation noch so verzwickt sein (und wir haben sie selber in den letzten Jahrzehnten durch Waffenlieferungen und fossile Abhängigkeit verursacht), geht es immer um ganz konkrete Menschen. Nie um Massen. „Das bist du!“