Was habe ich versäumt? Nix

ZellerHeute ist eine FB-Freundin aus dem Urlaub zurückgekehrt. So hat sie gepostet: „Auch der schönste Urlaub hat einmal ein Ende: Goodbye Sizilien – Hello Vienna! War zwei Wochen lang Facebook-, Handy- und Mailabstinent, war traumhaft! Frage an Euch: Was habe ich verpasst?“

Nix

49 Gefällt mir hat dieses Posting von Daniela Zeller. Da kann der Urlaub gemeint sein, Sizilien oder das Offline. Von 18 Kommentaren beantworten 16 die Frage klar und immer wiederkehrend: „Nix. Nichts.“ Ein Kommentar bewundert den Hut und eine andere spricht das Robbie Williams Konzert an. Auch mit dem Grundtenor: Das kann ich dir auch vortanzen. Ich selber habe ihr auch gepostet: „Die Welt dreht sich. Also nichts“. Daniela Zeller hat 2x in ihrer beruflichen Beschreibung „Freiraum“ stehen. Was bedeutet diese individuelle Situation von Daniela, dass sie für 14 Tage die „digitale Leine“ abgestreift hat und bei der Nachfrage nach dem versäumten immer wieder „NIX“ kommt. Ich selber habe auch den Urlaub vor mir. Natürlich ist auch da die Frage nach dem „möglichen Freiraum“ in den Bergen Osttirols und an der Küste Cornwalls. Das Smartphone hat meine Kamera mit eingebaut und da ist die Versuchung, das „digitale Ding“ wieder in allen Dimensionen mitzutragen, sehr groß. Ich danke Daniela und vor allem der Bestätigung ihrer FB-Freunde: Digitale Leine ausklinken und digitalen Käfig konsequent verlassen. Ich behaupte: Du versäumst nur nicht NIX, sondern gewinnst sehr viel. Das wirklich analoge, haptische, spürbare Leben wartet auf dich. Urlaub ist Distanz und Neues. Sokrates meint ja auch, dass wir das Gewohnte daheim lassen sollen: “Was wunderst du dich, dass deine Reisen dir nichts nützen, wenn du dich selbst mit herumschleppst.“
Es liegt an einem Knopf, dem „Aus“. Wo ist er jetzt?

 

Wachsen im Glauben heißt bewegen

Mein Referat bei der 27. Sommerakademie der KMBÖ in Melk am 11. Juli 2013 zur Themenfläche „Religiöse Entwicklung von Männern“. Eine Zusammenfassung: 

Sommerakademie Melk KMBWenn es um die religiöse Entwicklung von Männern – und das gilt auch für Frauen – geht, ist sicherlich die erste Frage, die sich jeder stellen soll: Wer und was hat mich in religiöser Hinsicht geprägt? Ich selber wurde mit einem großen Urvertrauen aus der Familie heraus beschenkt. Zutrauen und Vertrauen, offene Kommunikation, Zweifel und Glaube waren authentisch spürbar. Meine Theologie hat sich im Zivildienst bei den Obdachlosen erst wirklich bewähren müssen. Die wirkliche Diplomprüfung war die Straße und das überfüllte Obdachlosenheim mit 200 Männern und wenigen Frauen. Die Geburt der eigenen drei Kinder ist unvergesslich und hat die Haltung der Dankbarkeit bis heute verstäkrt. Einschneidend war die berufliche Entpflichtung nach 30 Jahren Dienst in der Diözese Linz, sowohl hauptamtlich als auch ehrenamtlich in der eigenen Pfarre. In der Zeit habe ich als Presseprecher der Diözese Linz fast ganz oben in der hierarchisch verfassten Bischofskirche hineingesehen und das hat meinem frohen und befreienden Glauben wirklich schwer „geprüft.“

Von der Institution zur Person aufschwingen

Deshalb ist es wichtig, dass wir uns persönlich von der Ebene der Institution, der Normen und Gesetze aufschwingen zu einem persönlichen Glauben, der bestimmten christlich geprägten Werten folgt. Ich übernehme zu 100% Verantwortung für mein Leben, meine Entwicklung und mein Reifen. Instituionelle kirchliche Religiosität ist heute out und spirituelle Community Religion ist im Kommen. Deshalb ist sind die institutionellen Begriffe wie „Kirche“ und „katholisch“ kaum anschlußfähig an weltoffene, ehrlich suchende, den Menschenrechten verpflichteten, auf Gendergerechtigkeit eingestellte Menschen. Papst Franziskus hat in einer der Morgenansprachen sinngemäß gemeint: Reden wir nicht über Kondome, denn sonst verstellen wir den Blick auf das Wesentliche.

Werte, Anerkennung – sinnvolle Tätigkeit und Rituale – Solidarität und das Ganze

Die religiöse Entwicklung orientiert sich an drei  Grundbedürfnissen jedes Menschen nach Werten und Anerkennung, nach sinnvoller Tätigkeit und sinnstiftenden Ritualen und nach Solidarität und dem Erleben, zu einem Ganzen zu gehören. Der Mensch sucht heute selbstbestimmte Community auf persönnlicher Ebene. Das ist die Chance des sozial offenen und anschlußfähigen Teils der Kirche. Bei Werten geht es nicht um propagierte und proklamierte Werte, sondern um authentisch gelebte Biografien. Durch mein Handeln soll kein anderer zu Schaden kommen. Beispiel ist der Bäcker Gragger aus Ansfelden, der mit seinem Scheitern niemand anderen belastet hat. Es geht darum, Verantwortung für das eigene Leben 100%-ig zu übernehmen und diese nicht in irgendwelche Systeme abzuschieben oder sich in einen Zirkel der Verantwortungslosigkeit einzureihen. Jägersätter ist hier eine ganz scharfe Herausforderung. Die Menschen suchen heute Rituale, um ihren zäh dahinfließenden Lebensfluss zu strukturieren und zu bestehen. Ordensgemeinschaften haben hier mit der bewussten Rhythmisierung der Zeit einen großen Dienst an der Gesellschaft zu erfüllen. Oft ist ihnen das in der Tragweite selber gar nicht so bewusst, dass genau das heute gefragt ist. Um den Glauben zu entwickeln, braucht er einen Rahmen, der Freiraum bietet, der ausleeren hilft, abschalten lässt. Die Klosterzelle wird zur höchsten Stufe der Gastfreundschaft (Claus Sendling).

Sharing statt Besitzen

Ich sehe heute eine große Bewegung hin zum Leben im WIR. Sharing gilt heute nicht nur bei der jüngeren Generation mehr als Besitzen. Güter und Ressoucen gemeinsam zu nutzen macht die  Communities von heute aus. Die Idee der „Commons“ hat 2009 den Nobelpreis bekommen (Oström). Diese Entwicklung außerhalb der Hierarchie-Kirche trifft den Grundduktus und die Grundintention Jesu nach einem Leben in Gemeinschaft (Communio). Die KMB, die Pfarren, Bewegungen haben hier die Chance, neue Communities zu ermöglichen. Papst Franziskus sagt selber: „Für frühe Christen stand nicht die Befolgung der Gesetze im Vordergrund, sondern die Bildung einer Gemeinschaft gutwilliger Menschen.“ (Morgenmesse am 7. 7. 2013). Das heißt aber auch, sich vom „drückenden Balast kirchlicher und katholischer Engpässe“ zu befreien.

Movement entwickelt

KMB_Sommerakademie_TransparentWeit gehen ist heilsam. Es wird im Gehen gelöst. Das Gehen entwickelt den Glauben aus meiner Erfahrung als oftmaliger Pilger über weite Streckem am schönsten und am tiefsten. Dabei wird die körperliche Dimension einer Veränderung erlebbar. Die Kraft kommt im Gehen so wie der Glaube durch Leben kommt.  Mental habe ich gelernt, auf ein Ziel hinzugehen und mit den Unannehmlichkeiten des Lebens gelassener umzugehen. Auf der spirituellen Ebene erfahre ich durch das Weitgehen immer wieder eine Vereinfachung und Fokusierung auf das Wesentliche. Das Vater unser mehrmals am Tag an verschiedensten Orten zu beten ist „spirituell spannend“.  Das Gehen lehrt mich: Das Leben kommt mir entgegen und die tiefe Haltung der Dankbarkeit erfasst mich. Ich nenne die Quelle Gott. Was der theologische Begriff Gnade meint, erlebe ich täglich als Geschenk. Der Umgang mit Auf und Ab, die Erfahrung, dass das Leben in einem Rucksack Platz hat, das Alleine-Sein-Können und die Furchlosigkeit sind Zeichen und Anzeiger für einen  erwachsen geworden Glauben. Mut und aufrechte Selbstbestimmung gehören ebenso dazu.  Wenn ein Mensch weit gegangen ist, ist er auch in religiöser Hinsicht sicher nicht stehen geblieben. Movement „garantiert“ ein entwickeltes Leben und einen weltoffenen Glauben. Movement stellt den Menschen immer in neue Beziehungen. Ich erlebe mich als Vagabund und als Brückenwesen.

Die Ellipse als „Weltanschauung“

EllipseDabei hilft mir das Bild von der Ellipse. Die Ellipse ist sozusagen meine Weltanschauung geworden. Sie wird immer mit zwei Brennpunkten konstruiert. Damit lässt sich sehr schön zeigen, dass der Mensch immer in Beziehung ist und alles im Leben ein Gegenüber hat und eine Ergänzug braucht.  Wer glaubt, den EINEN Punkt zum Einstechen des Zirkel im Leben zu finden, ist enggeführt, neigt in Folge zum Fanatismus. Selbst wenn wir bei Gott „den Zirkel einstechen“ sucht der das Gegenüber im Menschen. Mann Frau, rechter linker Fuss, Gott Mensch, Eltern Kinder, Vergangenheit Zukunft, Diözese Bischof, hierarchisch synodal, Erfolg Scheitern, mehr weniger, Geburt Tod, … sind nur einige Ellipsen, die das Leben konstruieren. Die Ellipse kann nicht mit dem Zirkel fertigkonstruiert werden. Die letzten Verbindungslinien müssen mit der Hand gezeichnet werden. Das macht diese „Weltanschauung“ noch sympathischer.

Was du denkst, das bist du. Was du bist, strahlst du aus. Was du ausstrahlst, bekommst du zurück.

Ich teile die „gemischten Gefühle“

Jägerstätter Sommertheater HaagHeute am 8. Juli 2013 hat „Wir sind Kirche“ eine Presseaussendung ausgeschickt, die ich voll inhaltlich teile. Es geht um die eingeleiteten Heiligsprechungen der beiden Päpste Johannes XXIII und Johannes Paul II. Ich sehe genau diese Ambilvalenz, die offensichtliche Kirchenpolitik und die sprudelnde Einnahmequelle „vatikanischer Gutachter samt ihren Familien“. Genau aus diesem Grund lassen zum Beispiel die Salvatorianer ihr Seligsprechungsverfahren für ihren Gründer ruhen. Wer das Stück „Jägerstätter“ beim Sommertheater in Stadt Haag gesehen hat, versteht noch mehr den spontanen Ausspruch von Josef Ahammer bei Requiem von Franziska Jägerstätter im Linzer Mariendom: „Jetzt trifft die Heilige ihren Seligen.“

Der Wortlaut

„Die Ankündigung der Heiligsprechung von Johannes XXIII. wird von einem großen Teil der Menschen freudig begrüßt, die von Johannes Paul II. zumeist hingenommen. Die Entscheidung trägt den Geruch des Kompromisses zwischen dem in die Moderne aufbrechenden Teil der römisch-katholischen Kirche und jenem, der wichtige Ergebnisse des letzten großen Konzils am liebsten ungeschehen machen will. Dazu kommt die grundsätzliche Frage, wozu brauchen wir „Heiligsprechungen“ überhaupt? „Wir sind Kirche“ freut sich, dass der von einer großen Mehrheit im Kirchenvolk geschätzte Konzilspapst, Angelo Giuseppe Roncalli, unter dem neuen Bischof von Rom wieder zu Ehren kommt. Gerade seine Person und seine bedeutenden Leistungen für den Aufbruch der Kirche in die Neuzeit wurde in den letzten Jahrzehnten von der Kirchenleitung verschwiegen, versteckt oder sogar wenig schmeichelhaft kommentiert. Das Johannes XXIII. von seinem Amtsnachfolger – ohne Wunder – nunmehr heilig gesprochen wird, löst Freude und Genugtuung aus. Demgegenüber wird die ebenfalls angekündigte Heiligsprechung von Johannes Paul II. nur von wenigen enthusiastisch im Kirchenvolk aufgenommen. War er es doch, der den rückschrittlichen Kirchenkurs unter der theologischen Federführung von Joseph Kardinal Ratzinger einleitete und bestätigte. Der Pole Karol Józef Wojtyla trug zwar zur politischen Öffnung und Wende in seinem Heimatland bei, innerkirchlich jedoch verurteilte und behinderte er die „Theologie der Befreiung“. Sie war ihm zu politisch, ja sogar kommunistisch. Seine politische Einseitigkeit ist auch daran zu erkennen, dass er mit den Putschisten gegen Präsident Salvador Allende in der Kapelle, wo der Chilenische Staatsmann erschossen wurde, Eucharistie feierte und diese Ereignisse nicht zur Sprache kamen. Die Bilder der öffentlichen Zurechtweisung von Ernesto Cardinal auf dem Flughafen von Managua sind vielen Menschen noch in Erinnerung. Dieser gehörte als Bildungsminister Nicaraguas dem Empfangskomitee für den Papst an. Johannes Paul II. war es auch, der die Selig- und Heiligsprechungen einer Inflation zuführte. In seinem Pontifikat wurden so viele vorgenommen, wie die ganze Zeit der Päpste davor nicht. Gleichzeitig wurden sie zu einer bedeutenden Einnahmequelle des Vatikans entwickelt.

Vorbilder der christlichen Gemeinschaft, wie Franz und Franziska Jägerstätter oder der el salvatorianische Märtyrer-Erzbischof, Oscar Arnulfo Romero, die die Menschen bewegen, brauchen zu ihrer Verehrung weder große Wunder noch vatikanische Bestätigungen. Ihr Beispielcharakter benötigt keine Wunder. Ihr Leben und ihr Wirken reichen völlig aus. Das gilt auch für Johannes XXIII.“

Welt der Frau Pilgerreise „Weitgehen auf der Via Porta“ von 12.10. bis 20.10.2013

So steht es in der aktuellen Welt der Frau. Wird sicherlich eine schöne und spannende Pilgerreise, bei der die Füsse viel Bewegung machen:

volkenrodaGemeinsam Pilgern und bereichernde Begegnungen erleben – eine geführte » Welt der Frau-Pilgerreise « mit Ferdinand Kaineder. Chefredakteurin Christine Haiden wird die Pilger bei 2 Etappen begleiten. Die Via Porta ist der ökumenische Pilgerweg zwischen der kath. Zisterzienserinnenabtei im bayerischen Waldsassen und der evangelischen Jesusbruderschaft in Volkenroda in Thüringen, in der einzigartigen Schönheit der Naturlandschaften am sogenannten „grünen Band zwischen Bayern und Thüringen“.

VIA PORTA führt von einer katholischen Abtei zu einem evangelischen Kloster, es ist also ein wahrhaft ökumenisches Projekt. Der Weg führt auch von einem sogenannten „alten Bundesland“ in ein „neues“, von Bayern nach Thüringen. Es fiel damals nicht nur eine Staatsgrenze. Es tat sich viel mehr. Heute kann VIA PORTA sicher auch dazu mit beitragen, eine in so manchen Köpfen noch vorhandene „Grenze“ und Bremse mit abzubauen. Und in zwei Etappen führt VIA PORTA auch durch Tschechien. Jetzt dokumentiert der Pilgerweg echte, grenzüberschreitende Zusammenarbeit, praktiziertes europäisches Denken. Hier wird Europa zur Realität.

Neben den 7 Pilger-Etappen wird auch Zeit für Begegnungen mit Menschen und Projekten, die in dieser Region in den Bereichen Umwelt, Soziales oder Spiritualität etwas bewegen und verändern, sein. Ferdinand Kaineder ist die Via Porta bereits gegangen und stellt diese im neuen Pilgerbuch „Neue Wege – 17 Pilger-Routen die verändern“ vor. Er wird diese geführte Welt der Frau-Pilgerreise begleiten.

_volken_v4„Das Gehen öffnet die Seele und das Gemüt.
Gehen verändert den Menschen.
Nicht nur körperlich, vor allem innerlich.“
(Ferdinand Kaineder)

Reiseinformationen:
Anreise ab / bis Linz mit modernem Reisebus
Gesamtgehstrecke von Waldsassen bis Volkenrode: ca. 150 km, aufgeteilt in 7 Tagesetappen zwischen 14 km und 22 km (Gepäck wird mitgetragen) und zwei Bustransfers.
Besondere Orte am Weg: Klöster Waldsassen und Volkenroda, Nationalpark Hainich (größtes Laubwaldgebiet Deutschlands und unglaublich vielfältige Flora und Fauna), Rennsteig (historischer Grenzweg und Weitwanderweg im Thüringerwald)
Reisebegleitung: Mag. Ferdinand Kaineder (Kommunikationslotse, Theologe, Coach)
Organisation: WELTANSCHAUEN, ein Projekt von Amigotour Graz, www.weltanschauen.at
Preis inkl. Halbpension im DZ, Transfers, Begleitung, Begegnungen, Eintritte: max. EUR 890,–

Reisedetails

Anmeldung

Bloggen für die Überwacher

Im Laufe der Jahre wurde ich mehrmals gewarnt, dass wir überall überwacht werden. Ja. Die Emails werden mitgelesen. Das sehe ich. Umsonst erscheinen nicht gerade dann, wenn ich zum bergGEHEN einlade, die Werbungen für Bergsportartikel. Ja, das weiß ich seit Jahren. Schon Niavarani lässt uns in seinem Programm vor Jahren wissen, „dass Facebook Stasi auf freiwilliger Basis ist“. Die USA, die Briten und ganz sicher Putin-Russland haben absolut großes Interesse an unserem Leben, unseren Themen, unsere Fotos, unseren Vorlieben und daran, was wir verachten. Ganz zu schweigen von den Weltreligionen wie Google, Apple, Red Bull oder den weltweit agierenden Selbsthilfe-Banken. Billa gibt mir das Gefühl, die Card gibt Rabatte und doch wollen sie nur mein Einkaufsverhalten checken. Also meines eigentlich nicht, weil ich dort nur im Notfall eintrete und dann ganz sicher ohne Card. Auch wenn ich die Ortungsdienste am Handy ausgeschaltet habe, bin ich beruhigt, dass der orange Betreiber jederzeit sagen kann, wo ich bin. Das lässt einen mutiger werden, wenn andere wissen, wo ich bin. Oder?

Wenn ihr uns schon überwacht, dann sollt ihr auch unsere Themen kennen, die uns am Herzen liegen: echte Demokratie, Toleranz und Liebe, keine Gottvergessenheit, Gerechtigkeit und Empathie für die, die ein kleines und einfaches Leben führen (müssen). Auch wenn ihr viel wisst und viel verknüpft, so sollt ihr wissen: Ihr seid sehr weit weg vom Leben. Deshalb bloggen wir weiter für euch Überwacher, dass ihr dem Leben auf die Spur kommt, dem Leben Raum gebt und in allem die Freiheit achtet.
Das Foto entfällt heute aus Sicherheitsgründen.

 

Die Welt denken und geben

Aichern und Dammers„Die Welt ist das, was wir von ihr denken“ lautet die Headline über dem Interview mit dem Filmemacher Götz Spielmann in der Presse am Sonntag vom 23. Juni 2013. Das ganze Interview folgt dem Thema „Berufung“. Letzten Donnerstag war ich bei der Uraufführung des Stückes „Jägerstätter“ im Theater in der Josefstadt. Es hat mich bewegt, wie Felix Mitterer, den ich an diesem Abend auch persönlich kennen lernen durfte, die tiefe Sicht Jägerstätters auf die damalige Welt gezeigt hat. Jene Theaterkritiken, die ich gelesen habe, waren voll des Lobes über dieses Stück und die Aufführung. Jetzt geht das Stück auf „Sommerfrische“ nach Stadt Haag. Der Geschäftsführer des „Theatersommer Haag“ , den ich ebenfalls an diesem Tag gesprochen habe, war froh, dass schon 9.000 Karten unter den Leuten sind. Ich selber sehe das Stück nochmals in Haag und freue mich sehr, auch in dieser Umgebung und mit der ganzen Familie nochmals einzutauchen in eine tiefe und anrührende Lebensgeschichte und die damit verbundene Weltsicht. Das Stück rührt sehr behutsam an meinem Gewissen und an der Frage nach meiner persönlichen Berufung. Wenn ich heute an der Abtweihe von Reinhold Dessl in Wilhering teilnehme, wird in mir das ganz tief mitschwingen.

Sie macht mir Freude, manchmal Spaß

Theater in der JosefstadtDie letzte Seite der Presse am Sonntag hat ein Kästchen mit der Frage: „Herr Spielmann, darf man Sie auch fragen . . .“ Dort beantwortet der im Interview Befragte noch die allerletzten Fragen, die wir sonst im Alltag vielleicht zwischen Tür und Angel ansprechen. Es sind oft die wichtigsten und drängensten Fragen. Die erste Frage geht zum Beurteilen und ich erinnere mich an die Einladung gestern, wo auch zwei Lehrerinnen dabei waren und jetzt in der Schulschlusszeit mit Noten herumquälen und damit so ihre Schwierigkeiten haben. „1 . . . ob Sie schnell sind im Beurteilen? Nein. Ich halte den Zwang, ständig beurteilen zu müssen, für einen Defekt. Und es ist in den allermeisten Fällen völlig unnötig. Die Wurzel liegt in der Vergötzung des Intellekts. Jemand, der daran arbeitet, sein Ego zu verkleinern, wird notgedrungen weniger urteilen.“ Ich appelliere an alle Ranking-ExpertInnen: Schaut eure Welt an und gebt es offen zu: Es geht immer um euer Ego. Eine Studie jagt die andere, ein Ranking und Umfrage die nächste, die Prozentzahlen werden als schlagend verkauft. Es geht um die äußere Darstellung des Ego und nicht um die tiefe Berufung, die in jedem Menschen liegt. Weiter: „2 . . . ob Ihnen Ihre Lehrtätigkeit an der Wiener Filmakademie Spaß macht? Sie macht mir Freude, manchmal Spaß. Ich habe das Gefühl, etwas geben zu können. Das ist ja der eigentliche Sinn der Arbeit. Das hat unsere Gesellschaft vergessen, dass es bei dem, was wir tun, viel mehr darauf ankommt, was man gibt, nicht was man dafür bekommt. Das sage ich nicht aus einem strengen Idealismus heraus. Geben ist einfach das bessere Leben.“

Der Götze Ökonomie macht geisteskrank

Spielmann verwendet im Interview zur Vergötzung der Ökonomie noch ein sehr eindringliches Bild: „Wirtschaftsfragen werden zunehmend als das einzig Relevante propagiert. Sie dominieren alles. Es ist, als würde man die Verdauung zum Sinn und Zweck des Lebens erklären! Ich denke hier an Banken, Konzerne, Teile der Politik, die jede Verelendung und Zerstörung in Kauf nehmen, nur um den Profit einer immer kleiner werdenden Schicht zu erhöhen. Diese Vergötterung des sogenannten freien Marktes. Eine Gesellschaft, die Wirtschaft über alles stellt, ist geisteskrank. Das sage ich mit Bedacht und das meine ich auch wirklich wörtlich.“ Und ich bin wieder bei der Uraufführung von Jägerstätter. Es bleibt die bohrende Frage und sie wir immer kräftiger genährt: Was heißt Jägerstätter heute, in dieser Gesellschaft und als Christ?

 

Medien sind wie Berge

ScheinlImmer wieder fasziniert mich die Natur als Lehrmeisterin für viele Facetten des Lebens und Arbeitens. Dabei ist die Idee entstanden, die Berge als Paradigma und Erlebnisraum zu nutzen, um die Erfahrungen in der Medienarbeit in den verschiedensten Bereichen zu inspirieren. Ich lade Menschen ein, über die Berge mitzugehen und bei Gehen auf den Pfaden und Verweilen auf den Hütten der Erfahrung nachzugehen, ob Medien wie Berge sind. Je vielfältiger die Zusammensetzung der Gruppe ist, umso überraschender wird unser „gemeinsames Lernen“. So habe ich die „Eckpfeiler“ beschrieben:

DI 23. Juli 2013 bis SA 27. Juli 2013

Wir werden am Weg und in den Hütten gemeinsam den Medien- und Kommunikations-Paradigmen unserer Zeit nachGEHEN. Die Natur wird uns inspirieren, mit ungewöhnlichen Ideen beflügeln und mit neuer Kraft für den Medienalltag anreichern. Persönliche Visionen, Bilder und Erfahrungen werden auf den Weg gebracht. Wieder im Tal angelangt wird jede und jeder nach diesen Tagen „Medienberge und -täler etwas anders begehen“.

mit Ferdinand Kaineder, Kommunikationslotse, Medien- und Berg erfahren

Treffpunkt:
DI 14.00 Uhr am Busbahnhof in Matrei in Ostttirol. Ab dort gemeinsame Weiterfahrt mit Bus ins Virgental / Ströden.

SajathütteAnreise:
Bus vom Norden: Kitzbühel12.45 ab – Matrei 14.01 an.
Bus vom Süden. Lienz in Osttirol 13.30 Uhr ab – 14.01 an.

Geplante Route:
Venediger Höhenweg (www.virgental.at): Aufstieg Essener Rostocker Hütte – Johannishütte – Sajathütte – Eissee Hütte – Bonn Matreier Hütte – Niljoch Hütte – Tal

Mitzubringen:
Alpine Ausrüstung (ohne Klettern), Schwindelfreiheit und Trittsicherheit, analoger oder digitaler Notizblock. Das Gehen am gesicherten Venediger Höhenweg geschieht in voller Eigenverantwortung (kein Bergführer).

Anmeldung bis 5. Juli 2013 und Informationen:
Ferdinand Kaineder, +43 699 1503 2847
ferdinand.kaineder@ordensgemeinschaften.at

 

Ich mag die ÖBB und den Papst

Der  RJ füllt sich hier in Wien. Schon am Voranzeiger hat sich eine Verspätung von 15 Minuten bei der Abfahrt abgezeichnet. Erinnerungen vom letzten Montag kommen hoch. Die ÖBB hat mich den Montagmorgen in Linz um mehr als ein Stunde länger sitzen lassen. Hätte ich nicht einen lieben Menschen, der auch auf der Suche nach einem Zug nach Wien war, getroffen, wäre die Zeit lang geworden. Erstmals in diesem ersten Berufsjahr in Wien hat mich die ÖBB hängen lassen, obwohl ich mich mit der Österreich-Card bewusst für sie entschieden habe.  Grundsätzlich bin ich überzeugt, dass vieles so viel schief gehen kann, dass fast alles daneben gehen kann. Das gilt für die ÖBB und genauso für die Autobahn im Stau.ÖBB

Was lässt positiv warten?

„Sehr geehrte Damen und Herren. Aufgrund eines Triebwerkschadens können sie nun auf den RJ am gleichen Bahnsteig umsteigen, der die schnelle Strecke fährt. Dieser Zug fährt auf der alten Strecke. Wir bedauern, aber wir wurden auch nicht informiert“, ertönte es freundlich aus den Lautsprecher. Alle stehen auf und übersiedeln in den Nebenzug, der hoffentlich pünktlich startet. Ich stehe auch auf. Nehme meinen Rucksack mit meinem Büro und übersiedle. Beim Hinübergehen denke ich: Es ist der Informationsmangel, der alle aufgebracht macht. Den Zugführer genauso wie die Reisenden. Der Mensch wird unruhig und unrund, wenn er nicht weiß, warum er warten muss. Das ist im Stau mit dem Auto noch viel schlimmer. Warten und keine Ansage warum und wie lange. Die ÖBB hat die Chance zu informieren. Offen und ehrlich. Wenn es, wie einzelne im Zug am Montag wussten, in Salzburg einen Totalabsturz des Serversystems gab, dann lässt sich erahnen, dass nichts mehr läuft. Das beunruhigt zwar auch, dass alles am Netz hängt, aber es macht transparent, woran das Warten hängt. Darum eine Appell an die Verantwortlichen: Informiert und informiert. Und wenn gar nichts geht, dann informiert, was dazu führt, dass gar nichts geht. Wir verzeihen als Kunden sehr viel, wenn wir wissen, was geht und warum nicht.

Schaltet das Mikro des Papstes ein

FranziskusUnd warum geht in der Kirche nichts weiter? Woran liegt es da, dass wir zum Heute so große Verspätungen zusammenbringen? Systemabsturz? Oder blockiert gar seit Jahren der „Machtvirus“ das System?  Der Papst hat Ordensverantwortliche aus Südamerika zur Privataudienz empfangen. Die Presse und andere Medien haben die „Mitschrift“ heute  veröffentlicht und „gedeutet“. Vatikleaks II war eine Art, das zu interpretieren. Es war kein öffentliches Gespräch und doch halte ich es für ganz wesentlich, dass von solchen Gesprächen die Inhalte öffentlich werden. Fast würde ich sagen: Dieser Papst soll ein Mikro tragen und schaltet es ein. Er redet ehrlich über die desaströse Situation im Vatikan. Das hat auch im Vorkonklave stattgefunden: Das offene Gespräch Richtung Vatikan. Wenn Kardinal Marx erzählt, dass selbst die Präfekten hilflos zum Ausdruck gebracht haben diesen Gruppen und Netzwerken gnadenlos ausgeliefert zu sein.  Das, was der Papst hier angesprochen hat, war schon Thema. Die Reinigung der römischen Kirche kann nur über Transparenz und Offenheit erfolgen. Es ist keine Schande, wenn Menschen von ihren Gesprächen mit dem Papst berichten. Es ist der Inhalt der Gespräche, die zur Ermüdung, Erschlaffung und selbstgefälligen Kirche führen. „Probiert das Leben aus dem Evangelium und vergesst die Briefe von der Glaubenskongregation“, hört man Franziskus den Papst reden. Das tut einer öberösterreichischen Seele gut. Für Papst und ÖBB gilt: Informiert uns und lässt uns zuhören und zuschauen, worum es wirklich geht oder warum wir solche Verspätungen haben. Dann „mag“ ich euch auch in Zukunft.