Gaudete: Wir freuen uns über die erste gemeinsame digitale Pforte der Ordensgemeinschaften

Der 16. Dezember 2012 ist und war ein besonderer Tag: Gaudete 2012.
Die neue Website der Ordensgemeinschaften Österreich ging online. Mit dieser ersten gemeinsamen digitalen Pforte der Ordensgemeinschaften Österreich  können wir Einblick, Überblick und Weitblick ermöglichen.
Mehr ist heute nicht zu sagen.

www.ordensgemeinschaften.at
twitter.com/ordensgem_at
www.facebook.com/ordensgemeinschaften.at

Je nachdem, wo man lebt

Hier in Wien habe ich von der Wohnung im 20. Bezirk drei Möglichkeiten, ins Büro auf die Freyung zu kommen. Da ist gleich neben der Haustür die U6, mit der ich zur Währingerstraße komme und von dort mit der Straßenbahn zum Schottentor. Wenn es beim Hinausgehen passt, dann fährt genau vor der Haustüre die Straßenbahn Linie 2 in die Taborstraße und von dort mit der U2 zum Schottentor. Oder ich gehe einige Schritte zur S-Bahnstation hinter dem Haus und steige am Praterstern in die U2 zum Schottentor um. Wenn ich einfach „dahingondeln oder -drödeln“  möchte, dann fährt die Straßenbahn Linie 2 weiter zum Schwedenplatz und von dort die Linie 1 zum Schottentor. Ein paar Mal habe ich das heimwärts schon gemacht, wenn ich mit der Seele baumeln wollte. Das dauert ungefähr 5 Minuten länger – das mit der Seele baumeln. Die anderen drei Varianten sind zeitlich plus minus 25 Minuten. Viele Möglichkeiten mit jedem Komfort um einen Euro pro Tag. Heute hat mich eine Email von den LALÀ’s mit einer Replik auf ihre Chinareise erreicht. Es hat mich insofern getroffen, weil es mir wieder einmal bewusst gemacht hat, dass es ein Glücksfall ist, wo man geboren wurde und wo man zu leben gezwungen ist. Hier ein Stück Wortlaut von ihrer 10-tägigen Reise.

Einerseits

„…. In den kommenden Tagen haben wir zwei völlig konträre Welten kennengelernt. Einerseits waren wir Gast in einer beeindruckenden, pompösen (Schein?)Welt. Eine Welt, in der alles strahlt und blinkt, neu und modern ist, angenehm und bequem. Eine Welt in der unsere Konzerte stattfanden, in der wir bejubelt, gefeiert und beklatscht wurden. Wir sahen das gigantische Opernhaus der Stadt, sangen in der Philharmonie, durften eine wunderschöne nächtliche Bootstour am Pearl River genießen und wurden auf Wunsch in jeden Starbucks oder Shop unserer Wahl chauffiert.

Andererseits

Andererseits gab es aber auch jene Welt, die wir von unserem Hotelzimmer im 31.Stock aus sahen. Hinter den überdimensionierten Einkaufszentren der Beijing-Road, auf die wir runtersahen, waren bitterste Slums. Die Leute saßen auf der Straße und hatten gar nichts.
Man kann sich die Armut und das Elend der Leute (und den Gestank in den Straßen) gar nicht vorstellen. Baracken, die als Unterschlupf dienen sollen, Kinder, die in Bergen von Plastik-Ramsch spielen, den die Eltern uns Touristen andrehen müssen, um für die Existenz ihrer Familie zu sorgen. Menschen, die den tage-alten, stinkenden Restmüll eines Restaurants mit bloßen Händen durchsuchen, weil sie Hunger haben.
Rostige Fahrräder, die meterhoch mit Plastik oder Karton beladen sind, die der fleißige Sammler vielleicht gegen ein paar Cent tauschen kann. Die Welten haben eigentlich keine Berührungspunkte mehr und stehen aber doch in direktem Zusammenhang zueinander. Hier leben bitterste Armut und unermesslicher Reichtum Tür an Tür. Das Schicksal entscheidet, ob Buben und Mädchen in Penthäuser oder Hinterhöfe hineingeboren werden…..

Und wir?

…. Nach einem Monat wieder daheim ist uns eines am meisten im Gedächtnis geblieben – wie gesegnet wir hier in Europa, in Österreich doch sind.
Wir haben ein freies Land in dem Frauen und Männer sagen dürfen, was sie denken, sich frei bewegen können, selbst entscheiden, wie sie ihr Leben gestalten wollen. Wir haben so viele Möglichkeiten und zu entfalten und unser Leben zu genießen. Wir haben ein funktionierendes Gesundheitssystem, wir haben saubere Supermärkte, haben Google, Youtube und Facebook. In hektischen Zeit vergessen wir oft, dass das eigentlich für viele Menschen nicht selbstverständlich ist.Wir freuen uns sehr über das positive Echo in den Medien, über die vielen Gratulanten und Freunde, die unseren Erfolg mit uns gefeiert haben. Und doch wollen wir euch allen auch noch mitgeben, dass ihr euch nicht nur für uns sondern auch für euch freuen könnt.“

Das werde ich bedenken und bedanken, wenn ich auf meinen vier Routen in die Arbeit bequem und mit Chauffeur hin und zurück fahre. Dort ein warmes und schönes Büro und wieder zurück ein warmes und gemütliches Daheim. Dann denke ich an Bad Leonfelden, den Bürgermeister, der für Asylsuchende vor Weihnachten nicht einen Funken einer „Route“ ermöglicht hat. „Zum Fremdschämen„, wie Bert Brandstetter es treffend benennt.

[Quelle kursiv: Newsletter von LALÀ am 12. 12. 12]

 

Zuviel ist nicht genug

„Am Grabstein des Kapitalismus wird stehen: Zuviel ist nicht genug“, war einer der letzten Sätze beim Vortrag von Heini Staudinger am 30. Nov 2012 im Petrinum in Linz. Altpetriner haben den Altpetriner zum Gespräch eingeladen. Schon einmal habe ich hier erwähnt, dass Heini Staudinger nach seiner Matura 1971 mit seinem Freund 1972 mit dem Moped von Schwanenstadt in sechs Monaten nach Tansania gefahren ist. Das hat uns 15-Jährige damals unglaublich  fasziniert. Er hat seinen Traum gelebt. Der Abend bestand aus Erzählungen zu seinem Werdegang, zum Entstehen und Wachsen der Firma GEA und natürlich seiner Auseinandersetzung mit der FMA. Das dabei seine Lebensphilosophie sichtbar, spürbar und erlebbar wurden, versteht sich von selber. Einige dieser anregenden Aussagen und Beispiele teile ich hier.

Brennstoff für die Seele

„Jeder EURO, den ich nicht brauche, erhöht meine Freiheit“, hat er selber als 20-Jähriger von Marianne Gronemeyer gehört. Das hat ihn geprägt. Heute weiß er und kann bestätigen: „Glücklich sein und Sklave sein ist nicht mehr geil.“ Er sieht immer mehr Menschen, die in Abhängigkeit gehalten werden und deshalb nicht zum Leben vordringen: „Je größer das Arsenal des Ungelebten, umso aggressiver werden wir.“ Natürlich spricht er die Werbung an, die in uns dauernde Sehnsüchte und das Nie-Genug schürt. Deshalb sind die Werbefachleute auch die teuersten Mitarbeiter. 1997 schlitterte seine Firma in die Krise. Er hat nicht bei den Arbeitern gespart, sondern die teuersten Mitarbeiter – die Werbeleute – entlassen: „Wenn wir die Werbung selber machen, dann sparen wir am meisten.“ Daraus entstand der heute 1,4 Millionen Mal gelesene Werbefolder „Waldviertler“, der nicht nur Produkte anbietet, „sondern Brennstoff für die Seele liefern sollte“. Werbung ist für Heini nicht Produkte alleine anbieten, sondern die Seele anrühren. Nicht das Mehr und Noch-Mehr ist Ziel, sondern die sinnvolle und einfache Nutzung. Die Seele soll beantworten können, was wir wirklich brauchen.

Geh, scheiß dich nicht an

Das aktuelle Heft titelt er mit „Fürchte dich nicht“. Als Christ weiß ich, dass das eine himmlische Botschaft ist, vermittelt über die Engel an der Krippe. „No fear“ habe ich auch in New Orleans immer wieder einmal verspürt, am Weg nach Assisi und ins Kloster Volkenroda „gelernt“. Das Spiel mit der Abhängigkeit und der damit verbunden Angst wird heute perfekt beherrscht. Immer wieder und immer wieder ermutigt der Altpetriner die anwesenden Altpetriner und natürlich alle ihn umgebenden Menschen mit seiner Grundhaltung,die er irgendwie von den Beatles und dem Let it be herleitet und auf gut oberösterreichisch ausdrückt: „Scheiß di net an.“ Wegbereiter brauchen Mut. Er hofft, dass die Leute wieder mutiger werden. Dann schildert er die Verhörmethoden der FMA. Mit Einschüchterung und Androhen von Strafen soll das komplett aus den Fugen geratene Bankensystem allen aufgezwungen werden. Auch da spürt man bei ihn. No fear. Keine Angst. Er wird auch ins Gefängnis gehen, wenn sie es so weitertreiben. Er hat Arbeitsplätze geschaffen, die Energiewende vollzogen und hat eine wohlbestellte Firma. Gut, dass er den Beratern der Banken nicht gefolgt ist. Sie hätten durch haarsträubende Konstruktionen die Firma ruiniert und den Gewinn erhöht. Da hat er seinen zweiten Lebensgrundsatz angewendet. „Sei do net so deppert.“

Gast auf Erden

Das, was Staudinger im Streit mit der FMA erlebt, ist ein echter Krimi. Ich hoffe nur, dass die Medien hier dranbleiben. Dieser unerschrockene Waldviertler wird uns das unmenschliche technokratische Gesicht dieser Bankenwelt offenbaren. In seinem Firmenverbund werden die Schwächeren geschont und die Starken müssen mehr tragen. Nicht so wie die Banken in der EU, wo die Starken die Schwachen noch ausnehmen. Selber ist er mit der Freiheit ausgestattet, die  auch einen Christenmenschen auszeichnet oder auszeichnen sollte: „Das Glück liegt nicht im Materiellen, sondern anderswo.“ Deshalb haben sie begonnen, Möbel zu erzeugen, die unter dem Titel „Gast auf Erden“ laufen. „Was brauchst du wirklich“, hat einen Gesprächspartner von Heini dazu gebracht, seine Küchenbestellung nochmals zu überdenken. Die eingesparten 8.000.- EUR hat er Heini für sein Afrikaprojekt überwiesen. „So einfach ginge es“, meinte er schmunzelnd und gleichzeitig nachdenklich. Das deutsche Nachrichtenmagazin Fokus wird nächste Woche einen Bericht machen. Seine Geschichte zieht Gott sei Dank Kreise und ich selber wünsche, dass es wieder passiert: David hat Goliath besiegt. Und genau diese Geschichte fand Eingang in die Bibel. Auch da: „Scheiß di net an.“

Im anschließenden Gespräch haben wir über Gabriel Strenger, dem Psychologen und jüdischen Mystiker, den ich in Weiz persönlich kennengelernt habe. Er hat dort ganz klare Kriterien erläutert, wie wir erkennen, dass Gott am Werk ist: „Der Teufel macht Angst. Gott macht Mut.“

 

 

Persönliche Begegnung ist durch nichts zu ersetzen

„Trotz aller E-Mails und dem Einsatz von Facebook und Twitter sei es am effektivsten gewesen, wenn Nachbarn, Freunde oder Bekannte unentschlossene Bürger in ein persönliches Gespräch verwickelten. Die negative Dauer-Werbeflut der Kampagnen führe dazu, dass persönliche Kontakte immer wichtiger wurden.“ Das lese ich in der Süddeutschen über den Wahlkampf von Präsident Obama. Dort ist von den unendlich vielen Freiwilligen („grassroots army“) die Rede, die für Obama von Tür zu Tür gingen und damit die „Unentschlossenen in die Ideen und Argumentationen einwickelten“. Die haptisch-analoge Kommunikation hat den Erfolg gebracht.

Was heißt das für uns als Kirche, als Pfarre, als Orden, als….

Letzten Samstag habe ich am #bckirche20 in Linz teilgenommen. Eine wunderbare und haptisch-analoge Begegnung von Menschen, die beruflich oder ehrenamtlich in der Kirche oder in einem der Teilbereiche für Social Media zuständig sind. So war natürlich jede und jeder mit Laptop, iPäd oder Smartphone ausgestattet. Hobel und Säge der digitalen Social-Media-Tischler. Tolle Ideen und wie immer viele Anregungen wurden über den Tisch, den Beamer oder die Twitterwall (#bckirche20) ausgetauscht. Das Schöne war, dass wir einander analoge begegneten. Manche erstmals von Angesicht zu Angesicht. Ziel war, dass wir einander im digitalen Handwerk weiterbringen. Die Zusammenfassungen sind hier nachzulesen. Gelungen.

Johannes der Täufer und sein Hinweis auf den, der kommen wird

Auf der Heimfahrt ist mir immer wieder in den Sinn gekommen, was das jetzt heißt. Dabei ist mir Johannes der Täufer immer öfter „begegnet“. Er hat mit seiner ganzen Existenz und Wüstenpredigt nur eines im Sinn gehabt: Hinweisen auf den, der kommen wird. Die ausgestreckte Hand als „lebendiges Hinweisschild“. Er war nicht Selbstzweck, sondern Mittler, durchlässig. Mit und in den Social Media ist diese Grunddynamik ebenfalls enthalten. Meine ich. Sie werden auf lange Sicht nicht Selbstzweck sein (können), sondern weisen hin auf analoges-haptisches gemeinsam gestaltetes Leben. Genau das ist meiner Ansicht nach die Chance der „kirchlichen Communities“, wenn sie Social Media nutzen und „betreiben“. Sie bieten tatsächliche haptische Begegnung im Pfarrzentrum, in der Ordensschule, in der Jugendgruppe, beim Gottesdienst, im Sozialkreis. Mit der weiteren Aufzählung könnte ich jetzt weitere fünf Zeilen füllen. Weil es (siehe Obama oben) im Endeffekt um analog-haptisches Leben und Begegnen geht, schaut es nicht schlecht aus für christlich geprägte Communities, wenn sie sich öffnen und in den Social Media ihre tatsächlichen Begegnungsfelder ins Spiel bringen. Tatsächlichkeit hat auch in Graz gewirkt und bei der Gemeinderatswahl 20% bekommen.

Die Suche nach dem einen Punkt ist vergeblich

Der Zug fährt mit 199km/h Richtung Westen. Es ist schon spät. Der letzte Bus fährt um 22.50 Uhr ins Bergdorf. Wir werden ihn erreichen. Das WLAN ist heute gut. Surprise: Ich sitze in der ÖBB. Das Leben fließt dahin.  In meinem Fall ganz ohne Auto. Vor zwei Tagen habe ich den Kaufvertrag für die Weitergabe unterschrieben. 1.- EUR für eine „Last“, die ich als Öffi-Bekehrter und Öffi-Nutzer nicht mehr brauchen kann. Das Auto ist weg und ich fahre mit Chaufeur. In der U-Bahn, der Straßenbahn, dem Bus und dem Zug. Ich muss nicht fahren und so hämmere ich in die Tasten.

Drei Tage Intensivkur

Die vielen Begegnungen der letzten drei Tage beim Ordenstag 2012 lassen meinem „286-er“ von den Schultern aufwärts keine Zeit. Die CPU-Auslastung liegt ständig bei 100%. Gesichter, Anliegen und Zugehen aufeinander fordern mich heraus. Voll. Vielfalt. Erfahrung. Kraft. Dort ein altes Gesicht, aber es ist nicht alt. Die Gesichtszüge sind von Leben geprägt. „Enjoy diversity“ habe ich gelesen. Vielfalt genießen. Das konnte ich in den letzten Tagen. Es war die Intensivkur für Vielfalt-Mangement. Wer glaubt, den einen Punkt zu finden, der wird lange suchen oder zum Stehen, Sitzen und Liegen kommen. Davon spüre ich sehr wenig. Hellwache Menschen, die sich der heutigen Realität und Wirklichkeit stellen wollen. Wollen. Auch wenn mich alte Gesichter anschauen, so spüre ich, dass sie neugierig geblieben sind. Das ist es. Neugierde schnüffelt nie nach dem einen Punkt, sondern nach der Vielfalt des Lebens. Bevor dann der Zug in Linz einfährt: Gut, wenn der Zug punktgenau landet, aber das Leben kennt nicht nur Schienen.

Das Interview mit Kathpress zur Medienarbeit bei den Ordensgemeinschaften Österreich

Im Folgenden dokumentiere ich das Interview mit P. Erhard Rauch (Generalsekretär) und mir mit der Kathpress vom 14. November 2012:

Orden planen neue Medien-Offensive

Männer- und Frauenorden wollen künftig vereinter als bisher auftreten und eigenes Bild von „Ordenskirche“ vermitteln.
Präsentation des neuen PR-Konzepts bei Herbsttagung der Orden am 20. November in Wien.

Die Männer- und Frauenorden in Österreich wollen künftig vereinter als bisher auftreten und dabei ein eigenes Bild von „Ordenskirche“ vermitteln. Das erklärte P. Erhard Rauch, Generalsekretär der Superiorenkonferenz, im Interview mit „Kathpress“ am Rande eines Treffens von Ordensverantwortlichen für Öffentlichkeitsarbeit im deutschen Erfurt. Beim österreichweiten Ordenstag am 20. November in Wien sollen ein neuer gemeinsamer Internetauftritt der Orden sowie ein neues PR-Konzept präsentiert werden. Ordensgemeinschaften seien anders verfasst als die Amtskirche, betonte Rauch: „Wir wählen demokratisch unsere Oberinnen und Oberen, sind nicht dem Bischof unterstellt, müssen uns wirtschaftlich selber erhalten und bekommen direkt keinen Kirchenbeitrag.“ Da gebe es viele Unterschiede, die bei den Menschen „überhaupt nicht bekannt“ seien. „Dieses andere Gesicht der Kirche liegt irgendwie im Verborgenen.“ Angespornt vom „Vertrauen vieler Menschen, die Orden große Veränderungs- und Gestaltungskraft zumuten“, wolle man „beim veröffentlichten Kirchenbild nicht immer mitgemeint sein, sondern ein eigenes Bild von Ordenskirche entwickeln“, so der Generalsekretär der Superiorenkonferenz. Zudem erforderten viele Bereiche der täglichen Arbeit – Rauch nannte hier die Schulen, Spitäler, Pastoral- und Kulturangebote, Wirtschaftsbetriebe und Sozialprojekte der Orden – auch professionelle Öffentlichkeitsarbeit. Orden wollten dabei „nicht inszenieren, sondern einfach erzählen, was und wie wir leben, und wie unsere vom Evangelium und dem Ordenscharisma geprägte Sicht ist“, so Rauch.

Gemeinsamer Auftritt der Vielfalt

Um das umzusetzen, werden die Männer- und Frauenorden auf Österreichebene nach außen gemeinsam unter dem Corporate Design „Ordensgemeinschaften Österreich“ auftreten. „Eine große Zielsetzung ist der direkte Kontakt zu den Journalisten und eine lebendige Präsenz im Internet und auf Social Media-Kanälen“, betonte Mediensprecher Ferdinand Kaineder gegenüber „Kathpress“. Dazu wurde ein PR-Konzept ausgearbeitet und ein Medienbüro eingerichtet. Eine gemeinsame Homepage soll künftig die bisher nebeneinander geführten Websites der Männer- und Frauenorden bündeln.  Wie beim Treffen in Erfurt deutlich sichtbar wurde, kennzeichneten sich Ordensgemeinschaften vor allem durch große Vielfalt im Engagement und in den inhaltlichen Schwerpunkten. Ein gemeinsamer Auftritt erfordere auch, die „Ambivalenz der vielen Meinungen und der einen Stimme nach außen“ zu meistern, betonte der Mediensprecher. „Genau das müssen wir in Bewegung halten und die Balance finden, ähnlich wie es auch in einer Familie und Verwandtschaft nicht eine Meinung gibt. Und doch wissen wir um die Zugehörigkeit zur jeweiligen Familie oder Verwandtschaft.“

Ängst abbauen helfen

Wie unterschiedlich die Orden Öffentlichkeitsarbeit handhaben, zeigt ihre Internetpräsenz: Manche besitzen laut Kaineder eine professionell gestaltete Homepage, andere gar keine. „Echte Herausforderungen“ des Internets seien die Geschwindigkeit und der Zeitaufwand, „Chancen“ hingegen die erlaubte Vielfalt und Barrierefreiheit, der verhältnismäßig günstige Preis sowie die Möglichkeit, einen Dialog auf Augenhöhe zu betreiben. Kaineder: „Jeder Orden spürt, dass er zumindest in einfacher, informativer Form online präsent sein muss. Nicht zuletzt bahnen sich die meisten Kontakte junger Leute mit Orden über das Web an.“ Eine Hürde für das Gelingen von Öffentlichkeitsarbeit sei für Orden besonders, wenn die „Zier der Bescheidenheit mit Angst vor den Medien gepaart ist“, formulierte Rauch. Ordensleute sollten diese Zurückhaltung jedoch zurücklassen und offen für ihre Themen und Anliegen einstehen. Kaineder ergänzte, dass manche Ordensleute den Medien aufgrund schlechter Erfahrungen mit Skepsis begegnen würden. „Journalisten machen jedoch ihren Job und sind dabei nicht Gegner, sondern Partner.“ Das Vertrauen unter den Ordensleuten diesbezüglich gelte es zu fördern.

[Quelle: Kathpress vom 14. November 2012]

 

Der lange Schatten der Zukunft

70 Ordensfrauen, Ordensmänner und die dazugehörigen PR-WorkerInnen versammelten sich in Erfurt. „Glaub!würdig?“ wurde im Vorfeld getitelt. Weil diese kreative Buchstabenkombination als Aufreißerin fungierte, musste der Untertitel näher orientieren: „(Selbst)Verständnis, Profil und Herausforderungen von Ordens-PR“.  Der Magnetismus hat uns hingezogen. International vernetzen ist immer gut, fast würde ich sagen „typisch Orden“. Eingesperrtes Denken war den Ordensleuten immer fremd.

Wohin geht die Reise?

Im Zug zurück nach Wien über Linz und Kirchschlag will man natürlich nachschauen, was im Gepäck hängen geblieben ist. Am meisten hat mich überrascht, dass in einzelnen Wortmeldungen vor allem von Ordensfrauen ein „aufrechtes Selbstbewusstsein“ vorgetragen wurde. Auch bei Gesprächen am Tisch oder beim Kaffee wurde mir wieder einmal klar: „Die werden unterschätzt.“ Und ich rede mit einer Provinzoberin über die Ordensfrauen in den USA und die Zähmungsversuche des Vatikan. Ordensfrauen leben das neue Selbstbewusstsein der Frauen von heute. Das ist noch nicht „heraußen“. Das wird sich aber zeigen.  Da sind wir beim Grundtenoer der Tagung und der mächtigen Frage: „Wohin geht die Reise?“ Gibt es genug Platz und Energie für die Zukunftsbilder, die in die Zukunft ziehen und Menschen faszinieren. Diese Anliegen wird sicher von vielen mitgenommen, auch von den Chefitäten der DOK wie Abt Hermann Josef Kugler. P. Erhard Rauch hat vom Think Tank der Orden in Österreich erzählt, von Ordensleuten, die sich immer wieder die Frage stellen: „Orden haben Zukunft, wenn…“. Es sei hier auch gesagt: Österreich liegt hier vorne. Es geht aber nicht um einen Wettbewerb, sondern um den Wandertag in die Zukunft. Beim nächsten Treffen in Wien bin ich auch dabei. Eine positive „Spannung“ erfüllt mich. Ich nehme von Erfurt mit: Es braucht Freiraum, Platz und Energie für die Frage, was ist unser Zukunftsbild und sind unsere Ziele. So verliert die Zukunft ihre Schatten. Auch wenn es mittlerweile draußen finster ist, so weiß mein Zug, wohin er fährt. Das ist gut so.

Medien in die Niederungen einladen

Sr. Katharina Hartleib aus Olpe hat beim zeitlich langen Mittagstisch erzählt, dass sie bewusst wieder in die Stadt gezogen sind. Ihr Mutterhaus steht „oben“ und da ist es schwer, Leute „hinaufzulocken“. „Da haben wir uns entschlossen, wieder hinunterzuziehen“, meinte sie mit einem Schmunzeln. Ihre Kapelle ist praktisch immer offen und es kommen immer mehr Leute, um mit ihnen zu beten und da zu sein. Sie erzählt dann von einer Idee, die bei mir als genial angekommen ist. „Büffeln und beten“ nennt sich das Projekt. Abiturientinnen bekommen Platz, um am Morgen um 8 Uhr zum Gebet zu kommen, dann zu lernen, einzeln, Mittagsgebet, gemeinsames Mittagessen mit den Ordensfrauen und der Nachmittag klingt nach dem eifrigen, intensiven Studieren mit dem Abendgebet um 17 Uhr aus. Zulauf extrem stark steigend, sodass sie nicht mehr genau wissen, wo die Leute untergebracht können. Rhythmus und ritualisierter Lerntag, wertschätzender Umgang, Gemeinsamkeit und das Gefühl, spirituell getragen zu sein in dieser herausfordernden Situation. Das ist es. Sr. Katharina hat einmal Gäste und sie schlendern durch Olpe. Sie erzählt: „Da stürmt auf einmal eine Gruppe junger Mädchen auf sie zu, etwas beschwipst fallen sie ihr um den Hals und meinen ‚Wir haben das Abitur geschafft‘.“ Die Gäste staunten ordentlich. Das sind die Niederungen, in die Medienschaffende und JournalistInnen eingeladen werden sollten. Das liegt auch im Gepäck: „Aktiv und einladend solen Medien geholt werden“. Das bedeutet den Abbau von Angst und das Fassen von Mut. Da wird sich etwas ändern. Die Offenheit der Ordensgemeinschaft wird mehr. Ich denke an die Journalistin, die drei Tage in einem oberösterreichischen Frauenorden mitgelebt hat. Kurz vor Weihnachten werden wir sehen, was ihre Finger in die Tastatur gehämmert haben. Ich bin positiv gespannt.

Es braucht Widerstand gegen die Diktatur der Beschleunigung

Ich habe Gelegenheit, bei einem Gespräch mit Friedhelm Hengsbach SJ  im kleinen Kreis in der KSÖ dabei zu sein. Er hat aus meiner Wahrnehmung in sozialpolitischer und sozialethischer Hinsicht auf Basis der katholischen Soziallehre einen sehr tiefen Ein- und Überblick. So nehme ich die Einschätzung des 75-Jährigen zum Zustand der jetzigen politischen und gesellschaftlichen Zustände und Entwicklungen  wie eine tiefe und weite  Radaraufnahme wahr. Natürlich fallen die Keywords der heutigen Zeit: Druck, Mehrarbeit ohne Bezahlung, schneller, Arbeitskraftunternehmer, WissensarbeiterInnen, Leitkultur Tempo, Digitalisierung, Auflösung, Vernetzung, Profit. Da ließen sich noch 3 Zeilen anfügen.

Die Epochen der Beschleunigung

Hengsbach steht heute selber auch etwas unter Zeitdruck, weil der zum Zug nach München muss. Er schildert die Epochen der Beschleunigung: 1. Der Mensch zieht vom Dorf in die Stadt und wird beschleunigt. 2. Die fossilen Brennstoffe ermöglichen eine Fortbewegung mit ganz neuer Geschwindigkeit bis hin zum Flugzeug. 3. Die Digitalisierung hat eine neue Welle der Beschleunigung ausgelöst, wo noch weit nicht alle „mitkommen“. Am Beispiel des „Hochfrequenzhandels“ der digitalisierten Finanzmärkte zeigt Hengsbach, wie Staat und Gesellschaft „überrumpelt“ werden. Der Privatraum als Schutzraum wird durch alle Ebenen erobert. Der Mensch kann nicht mehr einfach „abschalten“. Und Hengsbach: „Die Frauen tun sich hier schwerer, weil sie dauernd und überall Bereitschaftsdienst haben.“ Die Beschleunigung trifft die Frauen. Kinder, Beruf und Mann treiben. Distanz ist nicht in Sicht.

Time and timeing

Woher kann der Widerstand kommen? Hengsbach wir im Dezember ein Buch vorlegen, das den Titel „Zeitrebellen“ tragen wird. Hengsbach; „Der Widerstand kann nur von unten kommen.“  Ich denke auch, dass die Bremsklötze in den Wohnungen, den Betrieben, den Schulen, den zivilen Initiativen und Vereinen liegen. Auch die Ordensgemeinschaften sprechen wir an und sie werden ihren Beitrag leisten, indem sie viel bewusster und klarer die ihnen eigene Rhythmisierung des Tages, der Woche und des Jahres leben. „Es gibt keinen Zeitmangel, sondern einen Mangel an Selbstbestimmung“, erklärt Hengsbach. Zeitstress ist also Autonomiemangel. Das denke ich auch immer. In der englischen Sprache gibt es Zeit und Timeing. Also gestalten der Zeit. Ich muss gestehen. Heute habe ich ganzen Tag im Garten gearbeitet und die Uhr war weit weg. Es war selbstbestimmtes Arbeiten für die ganze Familie. Ich habe jetzt am Abend das Gefühl. Es war nicht „Time“ sonder sinnerfülltes „Timeing“. Gestalten der Zeit. Es war im Nachhinein betrachtet ein Geschenk. Geschenkte Zeit.

Gott  hat alles zu seiner Zeit gemacht

Hengsbach kommt auf Kohelet. Alles Windhauch ist die Hauptassoziation. Das ist hier nicht das Thema. Es liegt dort viel zur Zeitgestaltung, wenn es heißt: „Gott hat alles zu seiner Zeit schön gemacht.“  Und weiter heißt es: „Er hat die Zeit in die Ewigkeit hineingelegt.“ Unglaublich für mich, wie man dann mit Termingeschäften in Millisekunden Profit macht. Gerade auch die Ordensgemeinschaften sind vom Grundgedanken getragen: „Das Leben kommt uns aus der Ewigkeit entgegen.“  Auf meine Nachfrage, was die Bedeutung der Ordensgemeinschaften ist, sagt Hengsbach: „Die Zeit zum Nachspüren offen halten.“ Das ist ein Wert an sich. Und ich bin froh, dass auf  dem Ziffernblatt meiner Uhr bei jedem Hinschauen mir das eine Wort begegnet: „JETZT“. Denn jetzt hat Gott alles gemacht. Es braucht diesen Widerstand aus dem Jetzt, diese Aufmerksamkeit aus einer gemeinsamen Verantwortung für die Gestaltung – der Zeit.