Jesuanische Kirche im Sozialraum. Nähe hat die größte Kraft

Am 1. und 2. Juni tagt die Diözesanleitung zum „Zukunftsprozess“. Wie geht die Diözese Linz in ihre Zukunft? Welche Ziele und Maßnahmen stehen an, um dem Auftrag Jesu gerecht zu werden. Ich selber durfte heute 1. Juni ein Seminar mit dem Titel: „Vom Fall zum Feld. Soziale Räume statt Verwaltungsbezirke“ moderieren. Prof. Werner Springer von der Uni Duisburg-Essen war der Impulsgeber.

Auf der Suche nach Sinn, Glück, Entlastung und Erleichterung des Alltags

Prof. Springer erörterte  „Basics“ zum sozialräumlichen Denken und Arbeiten. Der Mensch ist „auf der Suche nach Sinn, Glück, Entlastung und Erleichterung des Alltags“. Darum geht es. Wie können zur Erfüllung dieses Wunsches vorhandene Resourcen zusammengebunden werden. Es geht darum, „Partizipation zu organisieren“. Voraussetzungen dafür sind „Akzeptanz, Empathie und Authentizität“. Das sind keine Zugaben, sondern grundlegende Haltungen. Sozialräumlich arbeiten heißt, Impuse zu setzen, damit BewohnerInnen im Sozialraum „das Heft des Handelns wieder in die Hand nehmen können.“ Jede und jeder will „das Eigene in die Welt bringen“ und nicht Objekt sein.

Wo sich Handeln an der Lebenswelt orientiert

Was ist nun wirklich ein Sozialraum? – fragt nach geraumer Zeit eine Teilnehmerin. Organisatorisch definierte Räume sind Verwaltungsräume. Der Sozialraum nimmt alles in den Blick, „wo sich Menschen im Alltag bewegen (Straße, Plätze, Wege, Funktionsträger, Institutionen, Familien, Gruppen,…), wo ihre Lebenswelt sich individuell ausdehnt.“ Jeder Mensch hat seinen und ihren Lebensraum. Dieser ist nicht territorial eingeschränkt. Die Frage ist: „Was können wir tun, damit Menschen sich in ihrem Lebensraum daheim fühlen?“. Welche Ressourcen sind da, welche können neu in Gang gesetzt und vernetzt werden, „damit der Lebensraum bewohnbar wird und bleibt“.

Größere Pfarreinheiten sind kontraproduktiv

Springer spricht ganz ungeschminkt den Trend in den deutschen Diözesen an, wo Pfarren in größere Verbände zusammengelegt werden mit dem Argument, „dass heute ohnehin alle viel mobiler sind“. Dem widerspricht er aufs schärfste. Der weitaus größte Teil der Gesellschaft ist nicht mobil. Alte, Kranke, Kinder, Armutsgefährdete, Kleinverdiener,…können sich die Mobilität nicht leisten und deshalb ist es wichtig, „dass zumindest die Kirche vor Ort bleibt und den Sozialraum mitentwickelt und kulitivieren hilft. Wer soll den Menschen sonst helfen, „einen gelungenen Alltag zu organisieren“? Meine Gedanken gehen wieder zum Zukunftsprozess in der Diözese, wo auch in größeren Räumen verwaltet werden soll. Die Gedanken gehen weiter, ob eine Kirche wie die Amtskirche überhaupt noch eine Relevanz hat, den Menschen im Alltag zu helfen. 

Begegnungen auf Augenhöhe

Jesuanischer Kirche und jesuanisch geprägte Pastoralgemeinschaft  begegnet einander auf Augenhöhe (nicht von oben herab), pflegt eine Sprache auf Augenhöhe und entwickelt ein empathische und authetische Körpersprache auf dieser Ebene. Ihre Symbole und Riten sind geschwisterlich geprägt, voller Leben. Sissi Kamptner hat in Mariazell beim Kongress die Bischöfe aufgefordert: „Verzichten sie auf die Insignien der Macht.“ Und sie sind ihr ein Stück weit gefolgt und haben Mitra und Stab in der Sakristei gelassen. Kirche kann den Sozialraum vor Ort mitentwickeln, wenn sie die Grundprinipien sozialräumlichen Arbeitens beherzigt, zu Herzen nimmt: Verzicht auf Macht, „Durchsichtigkeit“ und Vernetzungsfähigkeit.

Worum geht es?

Sozialräumlich arbeiten heißt, ganz an der Lebenswelt einzelner und von Gruppen orientiert vorgehen.
Der Wille, das Interesse und die Zielsetzung der konkreten Menschen ist die Vorausetzung für jegliche Aktivität.
Kontakt stiften und handlungsfähig machen ist die Grundintention.
Das resourcenorientierte Menschenbild (dh. wo liegen die Fähigkeiten, das Können und die Chancen der Betroffenen) ist dem defizitorientierten Menschenverständnis der absolute Vorrang einzuräumen.
Der klare und ungeschminkte Blick auf die Wirklichkeit hilft weiter.
Professionelles Agieren legitimiert sich einzig in der Lösung von Alltagsproblemen und Alltagsherausforderungen.
Buttom-up“ hat die größte Kraft zur Veränderung und jedem „Top-down“ ist mit Skepsis zu begegnen, hat den Hang zur Entmündigung.
Es entstehen dort tragfähige Netzwerke, wo jeder seinen sinnstiftenden Beitrag zur Bewältigung einer Alltagsherausforderung leisten kann.

Abschied nehmen und endlich den „Neuanfang sozialräumlich wagen“

Natürlich gehen meine Gedanken  wieder zum Zukunftsprozess. Darf die Diözese den eingeschlagenen Weg des „sozialrämlichen Entwickelns“ weitergehen oder wird er von oben als zu gefährlich eingestuft. Dieser Weg ist als „Linzer Weg“ von den Betroffenen positiv und von oben herab negativ apostrophiert worden. Von Rom, vom Gehorsam hat der Bischof heute im Interview in den OÖN gesprochen, also „top down“ ist angesagt. Die Pfarren und Pastoralgemeinschaften entwickeln sozialräumlich ihre Pfarrgemeinschaften. Ehrenamtliche sind hochmotiviert, wenn sie um der Menschen willen arbeiten können. Daher ist mein Gedanke: Wagen wir den ganz konsequenten sozialräumlichen Ansatz für die Weiterentwicklung der Kirche, einer Kirche unten, bei und mit den Menschen – eben: um der Menschen willen.
Das heißt aber auch, dass die finanziellen Ressourcen „unten bleiben müssen“, strukturell und ganz praktisch. In Reichenau zahlen zB. etwa 100 Personen ihren Kirchenbeitrag als Zweckwidmung „Soziales“ direkt in die Pfarre.

Außerdem: Wenn ich diesen heutigen Tag  mit Jesus und seinem Leben in Verbindung bringe, dann bin ich mir ganz sicher, dass ER ein hervorragender Arbeiter im Sozialraum war, ein Sinnstifter, ein Vernetzer und „voller Akzeptanz, Empathie und Authentizität“.

BERGpredigt 2010: Die beste Predigt ist ein offenes Ohr und eine helfende Hand. Wortlaut des Briefes von Ernst Aigner an den Papst und Fotos

Wortlaut des Briefes von Ernst Aigner: http://bit.ly/aD8ftG
Fotos von Josef Pfisterer, Fritz Allerstorfer und Teresa Kaineder: http://bit.ly/b6g9GB
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Eine gewisse Gelassenheit hat mich in den letzten Tagen begleitet. Der Blick auf die Wettervorhersage hat dem Pfingsmontag immer eine Sonne gegeben. Und so war es auch. Ein wunderschöner Tag, an dem die Hauptpredigt der Berg selber gehalten hat. Ein weiter Blick über ganz Oberösterreich. Dankbar zu sein und gemeinsam hinhören auf das, was der Geist Gottes in die Luft gelegt hat.

Wer kommt ist da

Ich selber habe mit einer kleinen Gruppe den Aufstieg vom Tal in Ebensee Talstation aus genommen. Es war ein guter Aufstieg über mehr als 1200 Höhenmeter. Schöne Steige im Wald bis hin zur Durchquerung der „zivilisierten Schiwelt und damit malträtierten Natur am Feuerkogel“. Der Alberfeldkogel selber wirft keinen Blick auf diese Narben in der Natur. Um 11.40 Uhr komme ich zum Gipfel und viele warten schon. Einige kenne ich und freue mich sehr, dass gerade sie da sind. Andere gehen spontan auf mich zu und freuen sich über die Idee. Verbreitet hat sich sich über das Internet und über die Linzer Kirchenzeitung. Um 12 Uhr hören wir in der größten Kathedrale Gottes auf die Stille der Natur und beginnen dann langsam zu singen. Pfingstliche Lieder und einige auch gleich mehrstimmig. Ich spüre, dass die, die da sind, erfüllt sind von einem tiefen und freudigen Glauben. In der Luft liegt auch die Sehnsucht nach einer Kirche, die in den Reformanliegen endlich mehrere Schritte weitergeht. Ernst Aigner hat mit seinem Brief an den Papst die Empfindungen und Sehnsüchte der Anwesenden gut getroffen und sehr scharf zugespitzt. Applaus für seine Gedanken. Auch die Wortmeldungen der Anwesenden, die spontan erfolgt sind, waren mutmachend, genauso wie das gemeinsame Vater unser im Zeichen von Brot und Wein und dem Segen von einem „Gott des Aufbruchs“.

Nachzulesen auf der Diözesanhomepage

Dort ist am 25. Mai 2010 zu lesen: „Ausgehend von der Bergpredigt Jesu deute Ferdinand Kaineder einige Basics jesuanischen Lebens. Es gilt eine „andere Ordnung“, wie in den Seligpreisungen angesprochen. Gerade auch das Wort von der „rechte Sorge“ erinnert uns daran, dass wir alles von Gott bekommen, was wir brauchen. Das Füreinander sorgen wird in der Goldenen Regel zum Ausdruck gebracht und „nimmt den anderen immer in mein Denken und Handeln herein“. Die Kirche selber muss Zeichen für diese jesuanische Lebenssicht sein und darf sich nicht in „Machtansprüche über den Menschen vergehen“. Ihre Unbeweglichkeit in den schon so oft vorgebrachten Reformanliegen zeigt, „dass sie zum Teil nicht in der Spur Jesu läuft“. Es kommt auf jede und jeden von uns selber an, dass wir das tun, „was Jesus für die heutige Zeit in uns hineingepflanzt hat“.  
Ernst Aigner, Relgionsprofessor und Kabaretist, hat in einem sehr poinitiert geschriebenen offenen Brief an den Papst gefordert, dass seine Arbeit mit den Menschen von der Hierarchie nicht länger behindert wird: „Es nervt und zermürbt, dauernd von solchen Geschichten behindert zu werden, wenn man versucht, anderen als aufgeklärter, demokratischer Mensch das Christentum näher zu bringen.“ Angesprochen hat Aigner dabei, dass die Kirche bei vielen Menschen für autoritäre Macht, Abwertung der Frau, neurotisierende Sexualmoral und Reformverweigerung stehe.
Bevor Wein und Brot geteilt wurden, haben einzelne BerggeherInnen das Wort ergriffen. Angesprochen wurden die vielen Millionen Menschen, die auf der Schattenseite unter dunkelsten Bedingungen unseren Wohlstand erarbeiten. Immer wieder kamen Worte der Ermutigung, den offenen und menschenfreundlichen Weg der Kirche zu stärken. Unbestritten war, dass die Kirchenleitung endlich die von verschiedenen Seiten eingebrachten Reformanliegen umsetzen soll. So wurde diese erste BERGpredigt am Alberfeldkogel zu einem ermutigenden und solidarischen Zeichen für eine jesuanisch geprägte Kirche.“

In Verbundenheit zu vielen Orten des Aufbruchs

Beim Abstieg mußte ich immer wieder daran denken, wie viele Gruppen und Initiativen sich schon zusammengetan haben, um der römischen Kirche Mut zu machen oder sie in Bedrägnis zu bringen, „weiterzugehen“. Immer wieder, wie es auch in der Bibel vom Bitten geschrieben steht. Es kann doch nicht sein, dass „Wir sind Kirche“, die „Laieninitiative“, die „Pfarrerinitiative“, die „Weizer Pfingstvisionen“, der „Kongress von Mariazell“, die positiven Erfahrungen am „Linzer Weg“, die Aktion „Hallo Rom“ der KJ, usw. ungehört verhallen. Die beste Predigt Roms wäre in diesem Fall: ein hinhörendes Ohr und eine Hand, die endlich Dokumente unterschreibt, die schon vor 20, 30 Jahren erstellt wurden. Heiliger Geist: Gibt Mut und einen Ruck. Sie werden dann sehen: Macht verloren aber Menschen für die Sache Jesu begeistert.

 

 

 

 

 

 

 

Wortlaut des Briefes von Ernst Aigner

Auf der Website von Ernst Aigner (  http://bit.ly/aD8ftG ) ist der Brief nachzulesen, der am Gipfel vorgelesen wurde: „Über das Haupt und das Oberhaupt und überhaupt über die Kirche“

Steigt herab aus der römisch-klerikalen Steilwand. Ein neues Miteinander ist möglich. Überall.

Pfingsten ist die Geburtsstunde der Kirche, so lautet der Befund. Aber welcher Kirche? Was hat der Geist Gottes mit den Jüngerinnen und Jüngern gemacht? Wozu hat er sie angezettelt, angestachelt und was hat er damit bewirkt?

Im Gestrüpp der Sprachlosigkeit gefangen

Die Litanei der Reformanliegen an die römische Kirche wird immer länger. Wenn sie kraftvoll, öffentlich und von verschiedenen Vorbetern vergetragen wird, dann erblassen die Vertreter der Hierarchie, ärgern sich und verhedern sich im Gestrüpp der Sprachlosigkeit. Selbt jeden Worte, die sie finden, sind der Ausdruck der Machtlosigkeit dieser fatalen Situation gegenüber. „Glauben sie nicht, dass wir nicht über alle diese Themen mit Rom reden“, war die Antwort von Kardinal Schönborn auf das vehemente Nachfragen der Pfarrgemeinderäte. Das sagt aber noch gar nichts. Sie werden schon darüber reden in einem demütigen Gehorsam denen gegenüber, die mit aller Macht ihr System ihr römisch-klerikales Kirchenbild verteidigen. Da ist kein Milimeter Platz für jenen Geist, der die machtlosen, desperaten und ängstlich gewordenen Jüngerinnen und Jünger damals erfasst hat, jenem Geist, der den Hl. Franziskus mit seiner einfachen Idee vom Leben in Richtung Rom geschickt hat. „Die in Rom haben ja keine Ahnung mehr, was Jesus und sein heilender Geist damals in die Welt gebracht hat“, resümierte mir gegenüber eine glaubensstarke,  lebenserfahrene und lebensfrohe 87-jährige Ordensfrau.

Steigt herunter und geht mit dem Volk

„Steigt herunter von der römisch-klerikalen Steilwand, in die man euch hineingelockt hat durch Stab und Mitra. Die Hacken und Seile sind brüchig geworden, wie man in den letzten Wochen sehe konnte. Die vatikanische Hierarchie läßt euch am Seil zappeln. Das ist für euch als Hirten nicht angenehm und läßt euch vom Volk Gottes aus gesehen lächerlich erscheinen. Verlangt, dass ihr zum Volk hinabsteigen, euch in das Volk heinwerfen dürft. Das Volk der Getauften wird euch auffangen und euer Amt mittragen, wenn ihr mit dem Volk geht.“ – das ist mein Tagebucheintrag am Vortag des PGR-Kongresses in Mariazell.  Viele Wortmeldungen haben diese tiefe Sehnsucht kraftvoll zum Ausdruck gebracht.  Das Volk Gottes ist „verwirrt“, weil ihre Hirten zappeln und in ganz eigenartigen Zwischenwelten leben müssen.

Das offen Miteinander auf Augenhöhe

„Wo finde ich Jesus heute  wirklich? Wo muss ich da hinschauen?“, fragte mich dieser Tage recht keck ein junger Mann, den ich flüchtig kannte. Er hat mir dann erklärt, dass er alles, was er von der Kirche derzeit sieht und hört, nicht zu seinem Jesusbild passt. Er sprach von Kirche und meinte die Amtskirche. Jesus hat alles unternommen, um Menschen heraufzuheben und herunterzuholen auf Augenhöhe. Ehrlich und ohne Taktik. Jesus hat dabei „verloren“ und doch so viel gewonnen. Pfingsten hat Menschen neu zusammengeführt, auf Augenhöhe wurde ein Verstehen, ein neues Verstehen möglich. Unglaublich. Ja, ein Wunder. Damit dieses Wunder heute auch geschehen kann, braucht es zumindest ein bereites Hinhören und den Willen, dass sich nicht nur mein Wille durchsetzen muss. Das braucht nich nur die Kirche, sondern ist der erwartet Impuls für verschiedene gesellschaftliche Felder. Auch dort sind „unheilige Hierarchien am Werk“.

Dem Nachbarn den Kühlschrank ausgeräumt und jetzt darf er nicht einmal auf (s)ein Bier kommen

Klaus Werner-Lobo hat bei der 20-Jahrfeier der Caritas Auslandshilfe mit einem starkten Beispiel zur Veranschaulichung der derzeitigen Staats- und Konzernpolitik aufgerüttelt.

Kühlschrank ausgeräumt

„Wir gehen derzeit mit den Asylwerbern aus Afrika so um, wie zwei Nachbarn. Einer hat dem anderen ohne Fragen den Kühlschrank ausgeleert und veranstaltet mit dem Bier ein rauschendes Fest in seinem Garten. Nun kommt der andere Nachbar und fragt, ob er (s)ein Bier mittrinken darf. Der andere Nachbar erlaubt ihm das nicht, sondern verjagt ihn zurück in sein Land.“ Dieses Beispiel zeigt sehr anschlaulich, wie wir die Basis unseres Wohlstandes „holen“ und die Menschen, die bei uns anklopfen schroff abweisen.

1:4:5

„Armut weltweit – eine globale Herausforderung“ lautete das Thema des Abends. Wenn die Weltbevölkerung die 10 Finger sind, dann besitzt ein Finger 80 % des Geldes und aller Ressourcen. 4 Finger sind wir im „weltweiten Mittelstand“. Wir werden abhängig gehalten von dem einen Finger und dürfen uns auch nicht solidarisieren mit den restlichen 5 Fingern, die im Vergleich nichts haben. 1,4 Milliarden Menschen sind nicht verarmt, sondern verelendet und müssen auf alles verzichten, was die normalen Grundbedürfnisse sind. Das macht Prof. Andreas Obrecht in seinem Statement anschaulich. 0,05% der industriellen Wertschöpfung könnte das beheben. Es ist unglaublich, mit welcher Ignoranz hier nichts weitergeht, während über Nacht 750 Milliarden EUR aufgetrieben werden.

Information, Agitation und Solidarisierung

„Zu Fuß gegen Armut“ hat die Caritas OÖ diese Woche „am Programm“. Einen Tag bin ich mitgegangen. Bei Gegenwind und Regen sind wir donauaufwärts auf Linz zugegangen. Am Hauptplatz haben wir die „Armutsfalle“ augenommen und durch die Landstraße zum Dom getragen. Schwer war sie und nicht einfach wegzubekommen. Am Dom machten „Armutszeugnisse“ betroffen, gelesen von August Schmölzer. Eine davon kann auf Video nachgehört und nachgeschaut werden ( http://www.youtube.com/watch?v=G3_R9ShvCrY ). „Es braucht gegen diesen ungerechten Wahnsinn mehr Menschen, die aufstehen und informieren und agitieren gegen die, die derzeit alles haben, besitzen, lenken und steuern“, sagte mir Klaus Werner-Lobo am Buffet. Ich bin auch überzeugt: Freiwillig werden die Habenden auf nichts verzichten, weil sie doch selber propagieren „Geiz ist geil“. Es braucht noch mehr Nachbarn, die sich ihr Bier wieder zurückholen, ob es der laufenden Gartenparty passt oder nicht….

Pfarrgemeinderäte reden Tachiles. Jugend redet unverblümt

Der Pfarrgemeinderatskongresses hier in Mariazell hat am Freitagmorgen mit den persönlich gefärbten Einschätzungen der Lage begonnen. Die VertreterInnen aus den Diözesen haben von Beginn an Tachiles gesprochen. Alle heißen Eisen wurden unverblümt und direkt angesprochen: Zölibat freistellen, Frauen in die kirchlichen Ämter, Sexualität neu sehen und Wiederverheiratet-Geschiedene nicht ausschließen. Die Bischöfe haben zugehört, zum Teil mit versteinerter Miene.

Die Jugend redet unverblümt

Schon am Donnerstag abend hat sich die Jugend  im „Extrazimmer“ auf den freitäglichen Arbeitstag vorbereitet. Es wurden Bausteine mit den Themen der Jugend vorbereitet, die nächsten Tag die  Gänge und den Tagunsraum schmückten. Alle Themen von Kirchenlust und Kirchenfrust wurden angesprochen. Bei der Präsentation selber hat die Jugend alle anderen in der Aufmerksamkeit überboten.  Sie haben unverblümt geschildert, wie es in den Pfarren den Jugendlichen ergeht. Es kann nicht alles so bleiben wie es ist und sie werden „ihren Weg“ gehen. Das müssen die Erwachsenen und Bischöfe endlich einsehen. Die Betroffenheit war groß und gleichzeit Erleichterung im Raum. Endlich liegen die Themen am Tisch, die Pfarrgemeinderäte immer wieder beschäftigen.

Reden im Stillstand?

Ob diese Zusammenkunft konkrete Schritte der Veränderung bringt? Meiner Einschätzung nach wird es aus der Sicht der Bischöfe ein Reden im Stillstand. Es ist enttäuschend, wie handlungsunfähig sich die Bischöfe präsentieren. Auf einem Würfel war den ganzen Tag zu lesen: „Wir wollen Volksbischöfe und keine Romstatthalter“.  Es wird wirklich Zeit, dass die Bischöfe aus der römisch-klerikalen Steilwand herunterkommen und sich in das Volk werfen. Die Pfarrgemeinderäte werden mit ihnen gehen. Das spürt man.

Pfarre ist ein wichtiger Ort für mich – auf Zeit und bei Lebenswenden. (Video)

Prof. Hildegard Wustmans hat beim Journalistenforum am 11. Mai in der KTU über verschiedenen Aspekte der Pastoraltheologie gesprochen.

Was ist die Zukunft der Pfarren?

Auf die Frage, wie sie die Zukunft der Pfarren sieht, betont Wustmans folgende Aspekte:

Pfarren sind unterschiedlich in ihrer Ausprägung. Die Motivation zur Mitarbeit ist ebenfalls sehr unterschiedlich und Nähe und Distanz bestimmen heute Menschen viel mehr als früher. Ein Engagement auf Zeit wird noch charakteristischer. Kirchenbeitragszahler brauchen die Pfarre vor allem bei Lebenswenen und suchen dort gute, professionelle Begleitung. Gute Gottesdienste sind wesentlicher Bestandteil. Citypastoral ergänzt die Pfarren mit offenen und besonderen Angeboten.

Hier das Video von der Passage, wo Prof. Wustmans über Pfarren spricht:

http://bit.ly/birjfz

PGR-Kongress: Vorbereitungen von verschiedenen Seiten. Es geht um die Zukunft der Pfarren. Das wird nicht einfach.

Wenn 500 Delegierte aus ganz Österreich zusammen mit allen Bischöfen sich auf den Kongress vorbereiten, dann gibt es unterschiedliche Zugänge. Ich selber gehe ab Mittwoch früh von Ybbsitz zu Fuss zwei Tage auf Mariazell zu während KollegInnen von St. Pölten aus und andere sich von Süden her annähern. Ich möchte mich am „Linzer Weg“ nach Mariazell einstimmen.

Überlegungen und Forderungen stehen schon im Raum

Gerade heute, am Muttertag, wurde für die Mutter Kirche ein umfassendes Dossier in den digitalen Raum gestellt. Der Textentwurf 1 für ein Leitpapier. Nachzulesen auf  http://www.kkirche.at  unter http://bit.ly/bsCbMA . Es geht um Glauben, Hoffnung und Liebe. Um die Zukunft der Kirche und die Offenheit auf die heutigen Menschen hin. Angesprochen werden auch alle Fragen, wo der Mensch heute „ansteht“. Gerechtigkeit, Ökologie, Familien,…. Aus meiner Sicht wird dieser Kongress wirklich weichen stellen müssen, ob es nun den Bischöfen gelegen oder ungelegen kommt. Der aufrechte Jesuaner, die aufrechte Jesuanerin sind es müde, auf oben hin vertröstet zu werden und das Killerargument vom nicht gewünschten Sonderweg zu akzeptieren. Jesus hat Menschen augerichtet zum GEHEN und hat zum „Wandertag“ Richtung Himmel, Gerechtigkeit und geschwisterliche Menschenwürde animiert. Da sollten wir uns nicht wieder stoppen lassen durch römisch-klerikale Ängstlichkeiten. Gott hat den Weg freigelegt. Wir brauchen keine Angst zu haben.

Warnung vor der „schnellen Einvernahme“

In einem Schreiben an die TeilnehmerInnen heißt es: „Das Thema des Kongresses ist die Zukunft der Pfarrgemeinden. Ein zu schnelles Solidarisieren mit Anliegen bereits bekannter Initiativen würde zu einer Engführung des Themas und zu einer Verhärtung der Positionen führen.“ Es wird allerdings nicht ausbleiben, dass die allseits bekannten, immer wieder vorgebrachten Situationsbeschreibungen (als Herausforderungen tituliert) und die konkreten Forderungen von Wir sind Kirche, der Laieninitiative, der Pfarrerinitiatvie, …. Eingang finden in die Beratungen. Das sind keine Solidarisierungen, sondern aufgrund der oft prekären seelsorglichen Situation geäußerten Zukunftsstrategien.

Ich selber werde auf diesem Blog direkt aus Mariazell meine Eindrücke schildern, offen und transparent.

Wenn Raften auf der Salza zum Bild für die Kirche wird

Zwölf Frauen und Männer. SeelsorgerInnen in Linz. Zwei Boote. Eines davon etwas kleiner und ohne Guide. Die Fahrt durch die Schlucht an der Salza ist das Ziel. Fast alle tun dies zum ersten Mal. Ungewohnte Erfahrungen und Erlebnisse stehen an. Neuland bzw. Neuwasser wird betreten. Ein gutes Bild für die Kirche heute.

Einkleidung und Trockentraining

Es beginnt mit der Entkleidung und dem Anziehen eines Neoprenanzuges. Die Schwimmweste muss gut sitzen. Ungewohnt für Neulinge, bekannt für den Taucher unter uns. Einschulung bei den Booten. Trockentraining und Erzählungen davon, was alles passieren kann und wie wir uns einander am besten helfen können. Der Guide ist Sportstudent und macht uns Mut. Er braucht uns aber alle zusammen bei der Fahrt auf dem unruhigen Wasser auf der Salza und durch die Schlucht. Jede und jeder wird gefordert sein. Wer sitzt vorne, wer in der Mitte, wer wagt sich in das kleine Boot? Verdutzte und doch vertrauensvolle Blicke. Jede und jeder lässt sich im 5° kalten Wasser treiben, damit wir das neue Lebenselexier Wildwasser kennenlernen. Es wird schon gut gehen. Die Boote kommen ins eiskalte Wasser. Sofort treibt die Strömung die Boote los. Es geht sofort zur Sache.

Gefahrenstellen, Ruhigwasser, Sprungstellen und wunderbare Umgebung

Ohne Erfahrung treibt das kleine Boot voll in die erste Gefahrenstelle und einer „geht ins Wasser“. Eine absolut gefährliche Situation und alle sind sich der Herausforderung, der Eigendynamik des Wildwassers bewusst. Ermutigung vom Guide und Sensibilität der Rafter. Gemeinsam lernen, mit der Strömung umzugehen, ja sogar die Wellen zu genießen. Es heißt, ein Gefühl, Erfahrung und Wissen zu bekommen vom „Lauf und der Kraft des Wassers“. Die Zeichen der Zeit erkennen im Fluss des Lebens und der Welt ist die einzige Chance der Kirche auf dem Weg durch die Zeit. Wenn die Kirche heute auf diesem Wildwasser mitfahren möchte, dann braucht sie das Verlassen der „Trockentrainingsstellen“. Der Guide meint: Wenn das Wetter schön ist, dann ist die Salza ganz bunt mit den Booten der Menschen, die durch die Schluchten fahren. Wir können nicht am Ufer stehen bleiben und gute Tipps zurufen, ohne selbst am Wasser zu fahren. Wie wollen wir mit unserem Schatz von Lebenswissen bei den Menschen ankommen, wenn wir nur für einem Moment am Ufer auftauchen und dort wieder verschwinden? Nicht verstanden und nicht wahrgenommen. Wie können wir rettend eingreifen, wenn wir uns nicht nass machen wollen? Selbst das ans Ufer gehen ist gekennzeichnet mit der besonderen Begegnung mit dem fließenden Wasser. Hineinspringen vom Felsen oder sich in der Sonne wieder aufwärmen. Aber es geht am Wasser weiter.

Es macht Spaß, gemeinsam durch die Wellen des Lebens zu fahren

Die Erfahrung des Raftens ist ein gutes und brauchbares Bild für „Kirche als Volk Gottes gemeinsam am Wasser der Zeit unterwegs“. Es macht noch dazu Spaß. Außerdem sehen wir, wie wir als Team im Boot agieren und unsere Rollen finden je nachdem, was uns liegt. Mich wundert heute oft, wie missmutig und mit erhobenem Zeigefinger viele kirchliche Würdenträger am Ufer stehen und alles besser wissen wollen. Sie warnen vor dem Wasser, das uns so wunderbar und erfrischend dahinträgt. Das Leben findet am Wasser statt. Das heißt aber auch, dass Sakramente als Zeichen der Liebe und Nähe Gottes auf das Boot mitgenommen werden und sich nicht  Ufer vollziehen. Wer heute Gott ans Ufer verbannt, der hat ihn oder sie schon verloren. Ich bin mir sicher oder glaube zumindest: Gott fährt mit.