Finis Terrae am Johannesweg

Eine Idee wurde umgesetzt. Ein Wunsch gehört. Immer wieder haben Pilgerinnen und Pilger am Johannesweg geäußert, „dass es kein Ziel gibt“. Ich selber habe kurz nach der Eröffnung dazu meine Erfahrungen niedergeschrieben unter dem Titel „In 21 Stunden das eigene Leben umpilgern„. Ja, es war bis dorthin auch für mich ungewöhnlich, nicht auf ein Ziel „hinzupilgern“.

Weiterlesen

Ich und mein

6 x steht „Ich“. 4 x „mein“. Wir starteten um 6 Uhr beim Glockenleuten der Kirche im Bergdorf „hinüber auf den Pöstlingberg“. Nicht ganz drei Stunden sind erforderlich, um zu Fuß die Strecke von etwa 13 Kilometern zurückzulegen. Wir wollten heute eine großes Danke „hinübertragen“ und auch die Bitten für die Zukunft. Es gibt Menschen, die uns ans Herz gewachsen oder die uns anvertraut sind, deren Anliegen wir hier mitgenommen haben. Am Ende haben 12 Lichter geleuchtet als Danke und Bitte.  Zwölf für alle.

Weiterlesen

In den Tagesrhythmus eingebunden

„Grüß Gott und vielen Dank für Ihre Email. Durch den geregelten klösterlichen Tagesrhythmus – in den ich wie meine Mitschwestern auch als Äbtissin eingebunden bin- komme ich nicht immer sofort dazu Ihre Email zu bearbeiten.  Dafür bitte ich um Ihr Verständnis – ich werde mich sobald wie möglich Ihres Anliegens annehmen! Behüt‘ Sie Gott!“ Das ist eine automatische Antwort, wenn man einer mir persönlich gut bekannten Äbtissin in Deutschland schreibt. Der Tagesrhythmus setzt Prioritäten.

Weiterlesen

Österreich’s Mitwelt war schon im April erschöpft

@kroneHeute ist Welterschöpfungstag und viele wissen gar nicht, dass Österreich die Ressourcen, die die Welt uns zur Verfügung stellen kann, schon am 9. April aufgebraucht hat. Junge Leute erinnern uns zurecht, dass wir ihre Zukunft zerstören. Neun Monate lang im Jahr. Und das Jahr hat zwölf davon. Die Welt ist erschöpft von unserem Lebensstil, der immer mehr und das in größerem Tempo einfach wegnimmt, von dieser Welt, die unsere Lebensbasis ist. Weiterlesen

Der Weltpilgertag und die inneren Wege

Mitten im Sommer wird der Weltpilgertag begangen. 25. Juli. Es gibt viele Gründe, die Füsse in Gang zu setzen auf einen der zahllosen Pilgerwege in und quer durch Europa. Lange und kurze. Tagelang und wochen- oder monatelang. Die Erfolgsgeschichte der Pilgerwege in Europa ist mit rein religiösen Motiven nicht zu erklären. Es kommt mir vor, dass sogar nur eine kleine Minderheit „aus Glaubensgründen“ unterwegs ist. Dieser Ausspruch ist legendär: „Du suchtst Gott und kommst bei dir an. Der andere sucht sich selbst und trifft Gott.“ Oder so ähnlich. In jedem Fall ist ein äußerer Weg, der vielleicht zuerst nur körperlich gesehen und in den ersten Tagen gespürt wird, mit einem inneren Weg verbunden. Die Frage ist nur: Wann treffen sich die beiden Wege und werden zum tiefen und weiten einen Pilgerweg. „Weitgehen ist heilsam“ erkläre ich in meinen Vorträgen. Mittlerweile kann ich das durch meine jahrelangen persönlichen Erfahrung „belegen“. Ähnliche Erfahrungen wurden mir immer wieder erzählen. Unser letztes Pilgern am „Weg des Friedens“ hat am Ende eine Teilnehmerin nach 150 km und annähernd 5.000 Höhenmetern sagen lassen: „Noch nie habe ich mich so erholt gefühlt.“
Das Gehen reinigt die inneren und äußeren Kraftflüsse in Körper, Geist und Seele.

Wir suchen eine Friedensnote

Der Alpe Adria Trail führt uns auf den Weg des Friedens – Pot Miru in Slowenien. Zu Fuss sind wir von Faak am See bis nach Cividale (150 km) unterwegs. 28 Frauen und Männer, die sich über Weltanschauen „gesammelt“ haben. Am vierten Tag erreichen wir Kobarid. Diese wunderbare Kleinstadt an der slowenisch-italienischen Grenze hat im vorigen Jahrhundert 10 x den Staat, die Staatszugehörigkeit gewechselt. Im ersten Weltkrieg war sie Hotspot der Auseinandersetzung an der 93 Kilometer langen Grenze, an der eine Million Menschen gestorben sind. Wir sind tief betroffen und gleichzeitig froh, dass diese tödliche Grenze heute als Mahnmal und Weg des Friedens ausgewiesen wird. Wir gehen pilgernd auf diesem Weg und wollen mithelfen, „die kriegerische Grenze in eine verbindende Brückengegend zu verwandeln“. Weiterlesen

Ein Geigenbauer und der Resonanzraum Gottes

Das Buch „Der Klang“ habe ich fast durch. Es ist dicht zu lesen und deshalb liegt es bei den Büchern, die Zeit brauchen. Den Namen Martin Schleske habe ich schon oft gehört. Geigenbauer mit besonderer Begabung und Professionalität ist die erste Assoziation. Physiker ist mir irgendwie entgangen bis zu dem Tag, wo ich ihn hier in Ottmaring bei Augsburg persönliche getroffen habe. Schriftsteller – eh klar, wenn es von ihm Bücher gibt. Treffender ist: Spiritueller Schriftsteller. Weiterlesen

Das letzte „wachgerüttelt“: Heimwärts zum Neuaufbruch

In diesen Tagen kommen die ON Ordensnachrichten zu den LeserInnen. Seit 2013, wo wir diese ON NEU geschaffen haben, schreibe  ich auf der Rückseite das „wachgerüttelt“.  Aus verschiedensten Perspektiven auf persönliche Art das Leben betrachten und dort und da einen Anstupser geben.  In diesem Fall ist es der Anstupser an mich, wach zu bleiben.

Müde heimwärts zum Neuaufbruch

„Natürlich bin ich auch etwas müde“, gestand ich dieser Tage einer neugierigen Fragerin, warum ich in Wien bei den Ordensgemeinschaften aufhöre. Sieben Jahre lang als „Vagabund an der Westbahnstrecke“ mit zwei Lebensmittelpunkten unterwegs zu sein verbraucht. Die entscheidende Frage, die jeden Menschen früher oder später ereilt, hat sich gestellt: Was ist wirklich, wirklich wichtig in deinem Leben? Die Beziehung zu meiner Frau Gerlinde, die in Oberösterreich mit viel Tatkraft und Geduld die Aufgaben erfüllt hat, die ganze Familie mit unseren Kindern und Schwiegerkindern, die drei Enkelkinder, die 96-jährige Schwiegermutter in Pflege und die Freunde, die immer mehr auf der Strecke blieben. Ich durfte wunderbare sieben Jahre in Wien verbringen, in der Ordenskirche unglaublich viel lernen und bekam von Beginn an viel Vertrauen und Gestaltungsraum im Sinne von „Freiraum für Gott und die Welt“ geschenkt. Meine Fähigkeiten und mein Können wurden gebraucht.  So etwas ist schön, Ansporn und nährend.
„Was nimmst du mit?“, fragte sie weiter. Unglaublich schöne, tiefe und coole Begegnungen, die Annäherungen an das Ordensleben in den Themen „viel. mehr. wesentlich. weniger.“, „gottverbunden – freigespielt“ oder umgekehrt, „5vor12.at“ mit den Themenflächen und das #EinfachGemeinsamWach. #wach möchte ich bleiben. Gerüttelt und geschüttelt soll ich werden, wenn ich müde und schläfrig werde. Das tiefe Hören, Hinhören, Zuhören, Aufhören ist heute das „Notwendendste“. Dafür möchte ich arbeiten. Deshalb nehme ich mir dieses „wachgerüttelt“ mit. Ich sage ein DANKE allen in der hoffnungsgetränkten und ungestümen Gewissheit: Gott geht unsere Wege mit.

Offen für Neues

Und damit keine Zweifel aufkommen. Das offizielle Ende ist der 31. Aug 2019. Und es geht nicht in Pension. In den nächsten Monaten möchte ich mich wieder ganz weit öffnen, „um mich von einer wunderbaren Aufgabe finden zu lassen und/oder meine Fähigkeiten als Selbständiger zur Verfügung stellen“.  Der Umbau meiner Website ist schon ein Anzeichen dafür, was meine Identität betrifft.  _AM GEHEN _ AM TUN _AM PUNKT.  Zuvor aber werde ich im September und Oktober das Bisherige „hinausgehen (lassen)“. „Weitgehen ist heilsam“ nennen sich meine Vorträge und das möchte ich mir am Benediktweg auf Etappen in Italien und in Österreich gönnen. Es ist die Zeit und die Geöffnetheit, Offenheit, der ich mich hingeben möchte. Vielen Menschen ist das nicht geheuer, weil ich noch nicht weiß, wie es weitergeht. Aber wie soll Neues an- oder einbrechen können, wenn wir schon wieder alles „verplant“ haben? Das Leben kommt uns entgehen. Mit der „weiten Offenheit“ kann das Neue für die nächsten sieben Jahre wieder gut Platz nehmen. Übrigens: Die Ordensgemeinschaften haben mich 2013 im März auf meinem 26-tägigen Weg ins Kloster Volkenroda in Thüringen gefunden. Und daraus wurden sieben gute Jahre.