Tag20: Wie wenn sie Gold vom Himmel schütten

#Klimapilgern geht in die unglaubliche Schönheit der herbstlichen Natur. „Wie wenn sie Gold vom Himmel schütten“, musste ich heute 20_see2_IMG_5031voller Begeisterung und mit einem tiefen Staunen in das Telefon sagen, während wir am Grabensee Richtung Perwang unterwegs waren. Die goldenen Farben an den Bäumen, die ermattenden Grüntöne in den Wiesen und das silber glitzernde Wasser der eingebetteten Seen war Nahrung für Geist und Seele. Der Körper passt nach 20 Tagen gehen sehr gut. Er geht und geht und geht und ist eins mit ihnen. „Es war so unglaublich schön“, hat eine Mitpilgerin gemeint. Wir haben den Jakobsweg verlassen und gehen von Schleedorf über Mattsee „hinüber“ nach Perwang in die Abtei Michaelbeuern.

Es muss von Beginn an gut sein

20_Ziel_IMG_5064Dort treffen wir morgen beim Frühstück Abt Johannes Perkmann. Er war bei viel mehr wesentlich weniger ein wunderbarer Gesprächspartner. Die Abtei hat seit Jahren in der Energiefrage von Beginn an gut erneuert.  Ich erinnere an Ernst Gugler in Melk: „Es genügt nicht, das Schlechte weniger schlecht zu machen. Es muss von Beginn an gut sein.“ Wenn wir die Natur mit den  sich hinschmiegenden Bauernhäusern sehen, dann kann schon sein, dass der liebe Gott hierher geschaut hat als er gemeint hat: „Es ist gut. Es ist sehr gut.“ Die vielen und großen Einfamilienhäuser lassen aber Zweifel aufkommen, ob es so bleiben wird. Wir gehen weiter. Dieses Gold der Farben wächst aus dem Boden,
wird von der Sonne genährt. Heute verstehe ich schon überhaupt nicht, wie Konzerne in solche Gegenden „vordringen“ und um der Rohstoffe oder industriellen Landwirtschaft willen Natur und die Grundlage der Menschen zerstören. Wüste, Ödland oder vergiftete Landstriche sind die Folge. Agrokonzerne bohren zB in der Türkei riesige Löcher Richtung Grundwasser und graben so weiten Landstrichen das kostbare Wasser ab. Dieses Wasser bringen sie dann den Menschen in Plastikbottle und verdienen ein zweites Mal. Natur ist verwüstet. Der Mensch auf der Flucht. Versteht das wer?

Zeigt uns die Reichen

Bei aller Schönheit der Natur gehe ich an Zeitungen vorbei und ich möchte ihnen schreiben: „Liebe Medien. Ich hätte da einen Vorschlag. Schreibt in jeder Ausgabe mindestens 20% des Redaktionsplatzes über die, die die Nutznießer dieser technisierten und naturzerstörerischen Praktiken sind. Benennt sie mit Namen und zeigt uns ihren Reichtum. Ungeschminkt. Nicht aber als tolle Menschen  des Erfolges oder der Leistung, sondern als Diebe, Räuber, Plünderer. Sie handeln im großen globalen Sinn gegen Natur und Mensch oder umgekehrt. D20_sprung_IMG_5037as, was sie vorgeben, dass es dem Menschen hilft, ist genau gegen ihn gerichtet. Billiges Gemüse kommt aus Spanien. Und wer verdient? Für wen rechnet es sich? Nennt das „Sünde“, liebe RedakteurInnen. Sie sondern sich nämlich von der „natürlichen Ökologie der Welt“ ab. Privatisierter Reichtum ist Diebstahl  am Gemeinwesen, ist Gemeinwohlbetrug. Und auf ihre tollen Häuser sollten wir Schilder geben, die oben ihre Leistungen benennen und unten den Preis dafür. Wer wurde ausgebeutet? Wo ist Blut tatsächlich und strukturell geflossen? Wo und wie viel wurde für diese Produkte an „Erde“ zertört? Wo sind die, die Flüchtlinge auf dem Gewissen haben? Solche Zeitungen würde ich gerne abonnieren. Da kenne ich viele andere auch.“ Die Medien, vor allem die Chefredaktionen, haben in diesem Zusammenhang mit Klimagerechtigkeit und „gerechter und richtiger Welt-Nutzung“ eine wichtige Pflicht. Hier ein schönes Beispiel der ZIB2, was ich meine.

Eine Klimawandlerin geht mit

20_marterl_IMG_5057„Radikal“ war das gestrige Wort am Weg. Ich habe heute in meinem Aufbruchimpuls das Wort „und“ mit auf den Weg gegeben. In einem Gebet, das ich auf einer Karte gefunden hatte, hat es unter vielen anderen „und“ geheißen: „Lass uns die Früchte der Erde genießen UND für eine gerechte Verteilung sorgen.“ Karin hat, als wir vor einem Marterl nach Perwang auf den Grabensee hinuntergeschaut haben, gemeint: „Ich bin als Klimawandlerin mit euch unterwegs.“ Das trifft sich sehr gut mit dem „und“ des heutigen Tages. Eine Wandlung tritt immer dann ein, wenn wir etwas neu verknüpfen. Also: Wir genießen die Manner-Schnitten UND schreiben an die Firma, das Palmöl herauszugeben. Im Gehen heute habe ich immer an die vielen Wurzeln (radikal) denken müssen, die durch ihr Zusammenwirken dieses Gold hervorgebracht haben: Wurzeln und Sonne. Das „und“ ist nicht einfach Harmonie, sondern verlangt oft auch das Verknüpfen von radikalen Schreien, Auflehnen, gehenden Schritten. Unser Gehen möge uns wandeln, damit wir Klimagerechtigkeit persönlich leben UND aufschreien mit den Opfern der schreienden Ungerechtigkeit. Genau das erwarten wir uns auch von den Bischöfen, die nächste Woche in unseren Betten hier in Michaelbeuern liegen werden. Kirchen sind Vorreiterinnen bei Klimagerechtigkeit und Bischöfe erheben die Stimme lautstark gegen diesen ausbeuterischen Wahn. Beides ist bisher nicht selbstverständlich.

Eine Rückmeldung

20_heilsameOrte_IMG_5075Der Tag20 lässt irgendwie das Ende des Gehens erahnen. Vor Paris werden wir noch drei Tage Rembert, zwei Tage Anja und ich einen Tag beim internationalen Klimapilgern zum Weltklimagipfel #COP21 mitgehen. In diesem Zusammenhang freut mich die „Einschätzung und Rückmeldung“ von Franz Muhr via FB heute: „Einer der 7 Leitsätze von VIA NOVA hat die Überschrift: Achtsamkeit und Ehrfurcht vor der Schöpfung – Wer pilgernd unterwegs ist, erlebt und genießt mit allen Sinnen die Schönheit und Vielfalt der Schöpfung Gottes. Jeder Teil dieser Erde ist heilig. Achtsamkeit weckt die Liebe zu allem was lebt. In diesem Sinne sage ich Danke an die KlimapilgerInnen. Eure Mission, ein Bewusstsein für den Klimawandel zu schaffen, ist sehr beeindruckend. Wünsche euch weiterhin ein gutes Unterwegssein.“ Und heute waren wir auf weiten Strecken auf der VIA NOVA unterwegs. Hat sehr gut gepasst.

Tag19: Das Labyrinth am Haus der fremden Freunde

19_selfie_IMG_4949#Klimapilgern geht radikal. Anja hat uns mit den Aufbruchgedanken ein Wort mit auf den Weg gegeben: radikal. Es wird sich vieles einfach nicht mehr ausgehen, wenn wir so weitermachen. Wie radikal denken, handeln wir? Das Gehen möge uns in eine gewisse Radikalität führen. Ich selber denke immer an die Wurzeln, von denen her alles lebt. Wir sind heute wieder 17 PilgerInnen. Stefan, mein Neffe und Neo-Politiker im Landtag, reist und bewegt sich mit Rad und mit Öffis durch das Land. Es war nicht einfach, von Dietach nach Frankenmarkt zu kommen. Autostopp hat in minutengenau zum Aufbruch „abgeliefert“. Auf FB schreibt er eine Randnotiz auf der abendlichen Fahrt zurück: „Autostoppen funktioniert nicht mehr so gut wie vor 15 Jahren, aber es funktioniert noch!“ Das kann ich bestätigen, weil ich es selber auch dann und wann „darauf ankommen lasse“. Die Folge sind wunderbare Gespräche und neue Menschen. Fremde bekommen ein Gesicht.

Fremde zu Freunden

19_labyrinth_IMG_4934Schon gestern abends hat mich Elisabeth Sallinger-Leidenfrost angerufen. Sie hat mich eingeladen, das viereckige Labyrinth oberhalb ihres Hauses am Jakobsweg anzuschauen, zu gehen und zu erleben. Es entstand von Jugendlichen in der Aktion 72 Stunden ohne Kompromiss. Alles Naturmaterialien. Die Jugend hat die eckige Form gewählt. Jedes Viertel ein Lebensalter: Kind, Jugend, Erwachsener, Alter. Wir stehen staunend davor. Ich spüre, dass hier der Mensch eine besondere Ordnung in sein Leben bringen kann. Du wirst offener, je besser und tiefgründiger dein Leben „geordnet“ ist. Wir gehen weiter und treffen den Mann von Elisabeth. In ihrem Haus mitten am Land haben sie immer offene Türen, Gäste und Fremde bei sich aufgenommen. „Das hat angefangen mit Austauschschülern. Dann habe ich eine 19_leibenfrost_IMG_4939kurdische Familie „aufgeglaubt“, die lange bei uns gewohnt hat. Jetzt wohnt eine afrikanische Mutter mit ihren zwei kleinen Kindern bei uns und wir sind Oma und Opa für sie. Es ist für uns selbstverständlich.“ Wir erfahren, dass er gerade seinen 70er gefeiert hat. Ich scherze: „Wer in seinem Leben immer anschlußfähig ist, bleibt so jung wie du hier ausschaust. Wir gratulieren zu dieser Jugendlichkeit.“ Dieses Haus kommt in den Rucksack der Alternativen. Und wir reden beim Weitergehen, wie „einfach“ es wäre, wenn es mehr solche anschlußfähige Häuser, Familien, Menschen geben würde, die das Fremde, den Fremden als eine Bereicherung sehen. Gott kam immer im Fremden und selten in der Gewohnheit oder in der Komfortzone. Wer anschlußfähig lebt, bleibt jung, wie wir gesehen haben. Stefan und Julia haben auch eine afghanische Familie im Haus aufgenommen. Auch sie erleben es als Bereicherung.

Panorama in der Abendsonne

19_seeblick_IMG_4972Wir verlassen Frankenmarkt und wir verlassen Oberösterreich. War gestern der Nebel unser Begleiter, so hat sich heute die Sonne als „Klimapilgerin“ dazugesellt. 25 Kilometer haben wir unter die Füsse genommen. Es war für mich ein Aufsaugen von Bildern, von Naturbildern, die meiner Seele nur gut getan haben. Mein Husten scheint sich zu verflüchtigen. Ich fühle mich bestätigt, dass Bewegung in der Natur eine wunderbar therapeutische Wirkung entfalten kann. Die Natur ist die beste und billigste Therapeutin. Ich weiß von PolitikerInnen und EntscheidungsträgerInnen, die nur mehr im Fitness-Studio ihre Bewegung mit Ohrstöpsel oder vor dem TV-Bildschirm verbringen. So stelle ich mir vor, wie eine Seele 19_panorama_IMG_4988veröden kann. Sie merken es nicht, dass sie keinen Gestank der Jauche, die gerade ausgebracht wird, einatmen können. Der abendliche Wind vom Westen her erreicht sie nicht. Er hätte Weite und Empathie mit im Rucksack. Gehen verändert Perspektiven in jener Geschwindigkeit, die wir wahrnehmen und auch verarbeiten können. Schon das Fahrrad ist zu schnell. Heute genieße ich es, die Panorama-Perspektiven immer wieder neu und ein Stück weit verändert zu sehen. Die Jauche geschwängerte Luft zieht sich den ganzen Weg dahin. So war es eben heute und morgen wird es nicht viel anders sein, wenn wir nach Michaelbeuern „hinübergehen“. Die TagespilgerInnen der kfb aus Fornach und Pfaffing sowie Stefan verlassen uns am Bahnhof Weng.

Der Handel auf Augenhöhe

19_eza_IMG_4992Gleich unter dem Bahnhof liegt das große EZA-Handelsgebäude. Wir kommen hier vorbei, weil EZA sowohl als klimaneutrales Gebäude einen wertvollen Beitrag leistet als auch durch die Handelsbeziehungen auf Augenhöhe mit fairen Preisen Menschen ein Leben in Würde ermöglicht. Frau Holztrattner hat Geduld bewiesen. Wir sind eine Stunde später angekommen. Sie zeigt uns das Geschäft, wo von über 140 VertragspartnerInnen Produkte dargeboten werden. Fast die Hälfte der Produkte werden über die 70 Weltläden in Östereich „vertrieben“, etwa 30 % über den Einzelhandel und der Rest über engagierte Gruppen, Pfarren oder Firmen, denen fairer Handel am Herzen liegt. Wir sind etwas müde. Kaffee, Wasser und Säfte möbeln uns wieder auf. Die kfb-Frauen werben noch für den „Vorwärts-Kaffee“. In den Rucksack bekommen wir 19_frauenpower_IMG_5008symbolisch das Haus und die Aktivitäten hier. Es ist mittlerweile finster geworden. Vor uns liegen noch 4 Kilometer nach Schleedorf. Sr. Sonja rufe ich an und sie gesteht, dass sie sich schon etwas Sorgen gemacht hat. Wir starten los. Anja mit der Stirmlampe vorne und ich mit der Taschenlampe hinten. Wir sind acht PilgerInnen, die im Finstern auf das Haus Bethanien zusteuern. Sr. Sonja hat Suppe gekocht, Gemüsestrudel und Gulasch. Sie stellt uns alles her und „nimmt uns mit in die Messe“. Gastfreundschaft pur. Am Weg  haben wir darüber gesprochen, wie abgeschlossen und „Privateigentum besessen“ die Eliten heute sind. Privater Eigennutz vor Gemeinwohl ist die rechtliche Devise. Hier setzen Menschen ihre Möglichkeiten in den Dienst der anderen. Heute dürfen wir hier Platz nehmen. Einfach da sein. Dafür gibt es dieses Haus Bethanien, das ein Projekt des Ordens der Kalasantiner ist. „Radikal“ war das Wort, das uns Anja mitgegeben hat. Wer weit geht, wird es mit einer neuen „Verwurzelung“ zu tun bekommen. Das tut gut.

Tag18: Die Natur gibt die tiefste und mächtigste Orientierung

18_hölle_IMG_4848#Klimapilgern geht knapp an der Gamperer Hölle vorbei. Die Vorderseite des weltbekannten Flügelaltars von Gampern bekommen wir zuerst zu Gesicht. Dann lädt Pfarrer Stangl ein, an der Rückseite des Altares einen Platz zu nehmen. Eine Tagespilgerin weiß, dass sie als Kinder nicht hinter den Altar gehen durften. Später wussten sie warum: Die Menschen waren nackt dargestellt in ihrem Kampf zwischen Himmel und Hölle. Ich selber nehme mit, dass der Mensch immer in der Entscheidung steht, ob er sein Leben ins Gute oder ins Höllische führt. Der Geldbeutel spielt dabei eine große Rolle. Er gibt keinen Halt, nicht in die Hölle abzustürzen. Es ist Entscheidungszeit. Die Sanduhr ist nicht stehend, sondern liegend dargestellt. Die Zeit steht still. Gerade auch beim Weltklimagipfel heißt es, Entscheidungen zu treffen. Die europäischen Bischöfe  haben sich klar geäußert. KlimapilgerInnen aus ganz Europa sind nach Paris unterwegs.18_mutterhaus_IMG_4827 Auch sie tragen wie wir die Anliegen mit. Auf Twitter ist der Hashtag #COP21 schon voll im Einsatz. Wir werden heute wieder von 24 PilgerInnen begleitet. Nach und nach haben sie sich zu uns gesellt.

Der Tag beginnt in den Franziskusschulen

18_klasse_IMG_4814Der Nebel lässt sich an Dichte nicht lumpen. Sr. Stefana hat uns das Frühstück ab 7 Uhr bereitgestellt. Um 7.40 Uhr müssen wir in den Franziskusschulen sein. Rembert hat diese Begegnung in einer Pilgrim-Schule eingefädelt. Es ist kalt. Dort in der warmen Schule warten drei Klassen auf uns. Sie sind gut vorbereitet worden auf uns. Sie haben viele ganz konkrete Vorschläge für unseren Rucksack. „Keine Plastiksackerl oder Plastikverpackung.“ „Mehr zu Fuß gehen.“ „Lokal einkaufen.“ „Selber einen Garten betreiben und kochen.“ So geht es weiter. Ich denke mir immer wieder: Hoffentlich werden diese jungen Menschen nicht verführt zu „Konsum-IdiotInnen“, in Abhängigkeiten getrieben, der Bequemlichkeit 18_rucksack_IMG_4811erliegen. Es sind die erwachsenen Geschäftemacher, die den jungen Menschen unglaubliche Sehnsuchtsbilder in die Köpfe setzen. Wir machen noch ein Foto und die Kinder meinen, „dass sie mit uns mitgehen werden“. Danke. Zurück im Mutterhaus treffen die TagespilgerInnen ein. Wir starten mit dem Impuls von Rembert, der uns heute das Wort „ALLE“ mitgibt. Alle können etwas tun. #LaudatoSi ist an alle gerichtet. Alle tragen wir Verantwortung. Alle sind wir vom Klimawandel betroffen.

Das lokale Knowhow nutzen

18_zz_IMG_4841Wir starten hinaus in den Nebel. In den letzten Tagen haben wir die Sorge um die Streckenfindung immer den Menschen zugemutet, die aus der Gegend stammen. Wir sind damit gut gegangen, das lokale Knowhow zu nutzen. Es ist eine Art Schwarmwissen. Ein Zusammentragen von Erfahrungen, von „das kenne ich“ bis hin zu „das ist ein schöner Weg“. So können wir uns in den Weg fallen lassen. Es geht dahin. Immer wieder kommen Leute dazu, klinken sich ein, warten auf uns, rufen an, wo wir sind. Es ist schön, dass Klimapilgern in dieser Gegend gut angekommen ist. Die Sonne zeigt sich heute nicht mehr. Frankenmarkt erreichen wir bei Tageslicht. Unseren Abschlusskreis machen wir vor dem Bahnhof, der für viele den Weg nach Hause bedeutet. Es ist für mich sehr berührend, wie Menschen sehr behutsam unser gemeinsames Anliegen mittragen. Auf uns wartet h18_birken_IMG_4882eute das Gasthaus Kogler, wo wir freundlich erwartet werden. Die Wirtin schaukelt heute den Laden alleine. Wir ziehen den Hut vor solchen Menschen, die sich ganz in den Dienst stellen. Unser Foto mit dem Transparent haben wir nach dem Wetterkreuz mit den Bäumen im Nebel gemacht. Bäume sind Orientierung. Die Natur möge beim #COP21 die tiefste und mächtigste Orientierung sein. Dafür gehen wir. Noch 4 Tage bis Salzburg. Die Zeit vergeht wie im Flug, nein: im Gehen.

Tag17: Ihr geht die Universität des Lebens

17_hof_IMG_4657#Klimapilgern wird bischöflich. Bischof Andrej von der Serbisch-Orthodoxen Kirche in Österreich, Schweiz, Italien und Malta kommt mir im Hof des Stiftes Lambach entgegen. Gestern hat er mich abends angerufen: „Ich möchte morgen einen Tag lang als Klimapilger mitgehen.“ Hier ist er. Um 9 Uhr machen wir einen Kreis. Wir sind etwa 15 KlimapilgerInnen. Darunter heute neben Bischof Andrej auch die kfb-Vorsitzende von OÖ Erika Kirchweger und der neue Generalsekretär der Superiorenkonferenz P. Franz Helm geht den dritten Tag mit. Bischof Andrej gibt den Impuls: Wir leben in der Schöpfung. Danke für diese Aktion, die so deutlich zum Ausdruck bringt, dass wir Menschen Gast auf Erden sind. Der Verzicht ist für Orthodoxe ein zentrales Element ihren christlichen Lebens. „Wenn wir alle Fasttage (jeden Mittwoch und Freitag, Fastenzeit, Advent, Apostelfest,…) zusammenzählen, dann fasten wir mehr als die Hälfte der Tage im Jahr. Der Humor darf auch nicht fehlen. Wir starten mit einem Lied und gehen hinüber zur MIVA, wo uns ein biofaires Frühstück erwartet.

Schöpfungszeit in den Rucksack der Alternativen

17_gehen_damm_IMG_4746Während wir das Frühstück einnehmen, werden wir über die Zusammenhänge des biologischen Landbaues hier in Österreich und international eingeführt. „Kaufen sie Bioprodukte und wenn möglich aus der Nähe, regional. Kommt es von weiter her, dann achten sie auf Fairtrade.“ Ich atme tief durch, trinke den fair gehandelten Kaffee und denke mir: „Was wäre, wenn das 80% der Bevölkerung täten.“ Der Mensch ist, was er isst. Zu viel „Billigschrott“ futtert er oder sie hinein. „Grosser Wert – kleiner Preis“ gibt es nicht. Die Handelskette ist bankrott. Lieber weniger und dafür wertiger. Immer wieder begegnet mir das Argument, dass sich ärmere Menschen nur Billigprodukte leisten können. Ich sage nur: Man braucht wesentlich mehr billiges Zeugs, damit der Mensch satt wird. Bischof Andrej gibt uns in den Rucksack die „Schöpfungszeit“ hinein. 17_rucksack_IMG_4708Von 1. Sept bis 4. Okt sollten wir als Christen – ich sage das mit meinen Worten – „schöpfungsaffin und schöpfungskompatibel leben“. Ein wunderbarer Vorschlag, die Zeit nach dem „Welterschöpfungstag“ am 1. September mit einem „Wahrnehmungs- und Achtsamkeitsmonat der Natur und Mitwelt gegenüber zu füllen“. Erika Kirchweger packt uns den Kaffee ADELANTE – Kaffee aus Frauenhand in den Rucksack. Adelante bedeutet vorwärts und wird von einer Kooperative von 70 Bäuerinnen in Honduras biologisch angebaut und selbst vermarktet. Sie bebauen ihr eigenes Land, erzielen ihr eigenes Einkommen und helfen gleichzeitig der Umwelt. Ich schmecke den Kaffee, die Natur, die besondere Zeit. Wir sind entlang der Ager und Vöckla unterwegs. Eine Farbenpracht. Anja nimmt Erde aus OÖ auf. 17_erde_IMG_4733Bischof Andrej neben mir: „Man muss gar nicht fortfahren. Es ist so wunderschön hier.“ Nach fünf Stunden verlassen uns die Tagespilger, weil sie in den Zug steigen nach Linz, Wien oder nach Hause fahren. Die letzten Kilometer in der Abendsonne nach Vöcklabruck hinüber in das Mutterhaus der Franziskanerinnen gehen wir als Kerngruppe zusammen mit Sepp und der Pilgerbegleiterin Gabriele. Sr. Stefana vom Geistlichen Zentrum erwartet uns schon. Die Generaloberin Sr. Angelika kommt zur Begrüßung extra herunter. Wir sind da. Danke für die Lotsendienste. Es ist einfach schön, „sich geführt in den Weg fallen zu lassen“.

The university of ökonomics

17_schön_IMG_4753Nochmals in Gedanken zurück nach Schwanenstadt, das wir rechts liegen gelassen haben. Und doch denken wir an den großen Sohn dieses Ortes Heini Staudinger. Rembert ruft ihn an. Ein Wunder: Er hebt ab. Heini hat ein Statement zu unserem Pilgerweg geschrieben. Wir unterhalten uns über seine Geburtsstadt. In Vorträgen sagt er immer, dass er in Schwanenstadt „the university of ökonomics“ besucht hat. Die Greißlerei seiner Eltern. Dort hat er Kopfrechnen und das Grüßen gelernt. Rembert scherzt weiter. Heini meint dann sinngemäß, dass wir „die Universität des Lebens gehen“. Bei diesem Gehen lernen wir leben, mit und in der Natur, mit weniger auskommen, in guten nährenden Gesprächen verwoben, mit einem schönen Ziel. Auch Bischof Andrej betont, dass er sehr dankbar ist, dass er hier mitgehen darf und „mitlernt in diesem Gehen“. Abends sind wir wieder Gast bei der Klimabündnis-Veranstaltung im Kulturhaus in Vöcklabruck. Auch hier treffe ich wieder einige Pioniere und „Treiber für die Umwelt“ im positiven Sinn. Hans Übleis, Stefan Hindinger oder Peter Reisenberger. Mein Husten sagt mir aber, dass ich bald ins Bett gehen soll. Schlaf heilt. Und morgen werden wir ab 7.40 Uhr im Gymnasium mit SchülerInnen reden. Das Bett habe ich schon probiert. Es liegt sich gut.

 

Tag16: Rasttag

#Klimapilgern macht einen #Rasttag. Allerheiligen.

Tag15: Wir haben viel zu viel gearbeitet

15_traun1_IMG_4570#Klimapilgern ist ein Gehen dem fluiden Element entlang. Es fließt. Links das Wasser und daneben ein schmaler Pfad. Ein Stück gehen die mehr als dreißig KlimapilgerInnen schweigend dahin. Die Sonne wurde von einem kräftigen Ostwind freigeweht. Immer wieder das Glitzern des Wassers, das Rauschen der Wellen. Der Weg führt der Traun von Wels nach Lambach entlang. Ich genieße diese Strecke. Sie ist neu für mich und eine Frau meint etwas nachdenklich: „Warum fahren so viele Menschen so weit fort, wenn es da in unserer Nähe so schöne Platzerl gibt?“ Wir reden länger darüber, was Werbung und Medien in den Köpfen der Menschen vermögen. Es wird eine ganz tiefe Unzufriedenheit mit dem Hier und Jetzt geschürt. So entsteht die Sehnsucht nach dem ganz Anderen, obwohl ich das Eigene noch gar nicht kenne. Das wird 15_baum_IMG_4561gepaart mit einem Art touristischen Herdenstatus („In …. musst du gewesen sein.“) gekoppelt und dem „Billigflieger“ zugeführt. Das große „Weglaufen“ kann beginnen. Beim Alleingehen kommen mir die Massen an Fluggästen unter und die Erwartung, „dass Wirtschaft wachsen muss“. Und einige Sekunden später höre ich in meinem Kopf, dass bisher 7 % der Weltbevölkerung in einem Flieger gesessen sind. Undenkbar, wenn nur 20% die Idee eines Urlaubes „unseres Formates“ ins Auge fassen. Für die Welt, das Klima und den Menschen ginge das voll ins Auge. Die Welt würde den Menschen abwerfen.

Zurück zum fluiden Element

Vom Bildungshaus Puchberg sind wir fast eine Stunde durch die Stadt Wels gegangen. Gehsteige, Straße, Autos und Asphalt. Die alte Traunbrücke ist das Signal, dass weitere PilgerInnen wie Margit Hauft oder Pia, die uns immer wieder am Wochenende begleitet, 15_hauft_IMG_4543dazukommen. Das ausschließlich feste Element durch die Stadt wird durch das fluide Element Wasser ergänzt. Meine Erfahrung ist, dass ich viel leichter und beschwingter gehe, wenn Wasser im Spiel ist. Das ist auch in den Bergen so. Die vielen Bäche im Virgental in Osttirol sind ein belebendes Element, das mir im Toten Gebirge irgendwie fehlt. Wasser, das fluide Element, ist ein Lebensmittel, das nicht nur zum Trinken, sondern auch für meine Seele gut und wichtig ist. Zu vieles ist in unserer Gesellschaft ausschleißlich kristallin, fest geworden. Ein Beispiel: Das Geld hat sich verfestigt und ist nicht mehr das fluide Tauschmittel für reale Produkte oder Dienstleistungen. Bei der Familiensynode habe ich (gezwungener Maßen durch das Klimapilgern) von  Ferne betrachtet den Eindruck, dass Papst Franziskus den Beton der Hierarchie durch fluide synodale Elemente umspült, ja wesentliche Fragestellungen wie die Wiederverheiratet-Geschiedenen in das fluide Element des 15_asphalt_IMG_4536Gewissens setzt. Es bewegt sich. Und #LaudatoSi ist ein gelungener Impuls, das starre kristalline, alleine technische Menschenbild durch das fluide Element der Spiritualität und Verknüpfung zu relativieren, ja von dort her zu entwickeln. Das fluide Element haben wir vergessen. Das synodale Element wurde in der katholischen Kirche in den Jahren vor Franziskus sogar desavouiert. Das macht uns auch das Thema und die Realität der Flüchtlinge so schwer: Viele können deshalb mit der derzeitigen Flüchtlingsbewegung so schwer umgehen. Auch der Radfahrer am Damm an der Traun.

Wir dürfen uns nicht wundern, wir sind selber schuld

15_trans_IMG_4587Vor mir ist die über dreißigköpfige Pilgergruppe hintereinander in diesen schmalen Traunweg eingebogen. Ich bin ganz hinten und ein Radfahrer fragt mich: „Seid ihr da mit Flüchtlingen unterwegs?“ Ich schaue der Gruppe nach und denke mir: Ja, so könnte es ausschauen. Wäre eine denkbare Variante. Er gesteht, dass er sich mit der „Flüchtlingswelle“ schwer tut, obwohl er vor 20 Jahren einen Flüchtling aufgenommen hat. „Wo führt das alles hin?“ Ich versuche ihm wie vielen anderen in solchen Situationen das „Why“ zu erklären: Krieg, Gewalt, starre und tödliche Gesellschaftssysteme, Lebensmöglichkeit, Überleben wollen. Er denkt laut mit seinem Fahrrad stehend: „Wir sind ohnehin selber schuld. Wir haben viel zu viel gearbeitet. Wir haben zwar materiellen Reichtum aufgebaut, aber vieles an 15_lambach_IMG_4602Zwischenmenschlichem ist dabei verloren gegangen. Die Kinder und Jungen sind ausgeblieben oder weggezogen.“ Er deutet auf die Häuser hinter ihm: „Die Häuser sind fast leer. Keine Nachkommen. Wir brauchen Menschen, die das weiterführen.“ Ich frage ihn: „Und warum wehren wir uns gegen die, die das tun könnten?“ Er ist nachdenklich: „Die Flüchtlinge können viele Dinge viel besser wie unsere Leute, die dann keine Arbeit mehr bekommen.“ „Die eigene Schwäche schürt also unsere Angst?“ Er nickt. Die Gruppe ist längst im Auwald verschwunden. Ich muss hinterher. Wir verabschieden uns und er meint: „Ist eh wichtig was ihr da tut. Alles Gute.“ „Nur keine Angst. Gutes Weiterradeln.“ Er lächelt, dreht sich um und tritt in die Pedale. Das Leben ist ein Hin und Her von „fluiden und kristallinen Elementen“. Auch in den Gesprächen. Wichtig bleibt das Hin und Her. Der Blick auf den Weg ist mindestens so wichtig wie der Blick in das fließende Wasser. Einfach schön heute. Wäre schade, wenn der Mensch diese Welt verlieren würde. Als Grundlage.

 

Tag14: Die Irreversibilität und Aus ist Aus

14_bäume_IMG_4486#Klimapilgern beginnt heute früher, um 8 Uhr vor dem Stift Wilhering. Es sind noch nicht alle da. Wir wissen das aber noch nicht. Erst am Weg stellt sich heraus, dass Klara und Anna „auf 9 Uhr“ angezielt haben. Wir sind da schon fast eine Stunde unterwegs. Anja hat im „Impuls zum Aufbruch“ für unser Pilgern von Wilhering über Hartheim in das Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels ein Wort ausgepackt, das uns begleiten soll: Irreversibilität. Es gibt Dinge, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Wenn eine Tier- oder Pflanzenart ausgestorben ist, ist das nicht mehr rückgängig zu machen. Das verleiht allen anstehenden Herausforderungen im Zusammenhang mit 14_feld_IMG_4470Klimagerechtigkeit eine besondere Dringlichkeit. Wir spüren, dass es viele Menschen gibt, die sich dieser Problematik nicht bewusst sind: Es drängt. Denken wir an den Flugverkehr, der alleine in den nächsten 20 Jahren, wenn er nicht radikal reduziert wird, 48% der klimaschädlichen Faktoren ausmachen wird. Wie sagte der Bauer vor Bad Kreuzen: „Holt die Flieger runter.“ Das ist reversibel. Das kann der Mensch zurücknehmen. Kerosin richtig besteuern. Die Folgen des ungezügelten Flugverkehrs sind allerdings irreversibel. Wer in einen Flieger steigt, zertritt die Welt, die Erde und damit den Menschen. So drastisch muss das auch einmal gesagt werden. Zu viele aber denken: „Is eh wurscht.“

Keine Mikrowelle und AUS ist AUS

14_hartheim_IMG_4475Von Wilhering geht es hinter Schönering hinüber nach Hartheim. Dorthin sind uns die beiden, die zu spät gekommen sind, vorausgefahren. Wir kehren kurz in die Gedenkstätte ein. Ein Memento. Dann geht es über Felder und Feldwege hinauf nach Forst. „Spitzwirt“ ist gleich am Start als Schlüsselwort für die Mittagsrast gefallen. Gut, dass wir da hineingegangen sind. Selbst die TagespilgerInnen aus dieser Gegend kannten die Spitz-Wirtin nicht. Wir setzen uns. Alles ruhig. Die Wirtin hat nur selbst gemachte Säfte und frisch gekochte Speisen. Eine Tafel an der Wand gibt uns 14_wirtin_IMG_4476Orientierung. Suppe ist für WeitgeherInnen zu mittag die optimale Unterstützung. Ich nehme in diesem Fall auch Kaffee und Kuchen. Man möchte bleiben, weil es so gemütlich ist und alles so gut schmeckt. Die Wirtin bringt einen Kurier-Artikel, den sie uns aber nicht mitgeben will, „weil ich ihn auch anderen Gästen zeigen möchte“. Es geht um den unermesslichen Fleischkonsum und darum, dass wir unsere Welt aufessen. Einen Satz aus dem ganz kleinen Infoblatt zum Wirtshaus packen wir in den Rucksack der Alternativen: „Alles wird frisch gekocht und gebraten, was aber auch heißt, dass Mikrowelle keinen Platz hat und AUS auch AUS bedeutet.“ Diesen Satz rufen wir in alle Supermärkte, die bis kurz vor Ladenschluss noch volle Regale produzieren, damit der Konsument nicht das Gefühl hat, dass etwas aus ist. 14_tafel_IMG_4479Hört diesen Blödsinn auf. Gut, dass in Frankreich die übrig gebliebenen Lebensmittel weiter verwendet werden müssen. Gesetzlich. Das muss auch in Österreich kommen. Unbedingt. Wir Menschen müssen wieder lernen, dass AUS auch AUS ist. Da wird keiner verhungern.

Es blühen viele Projekte

Oberhalb von Scharten führt der Weg an Buchkirchen vorbei. „Hinter Puchberg“ kommen wir aus dem Wald heraus. Nach 27 km sind wir am Tagesziel. Im Hof des Bildungshauses machen wir unseren Kreis, „das Ankommen“. „Schön war es.“ „Ich habe die guten Gespräche genossen.“ „Ich bin fast herübergeflogen.“ „Leicht ist es heute gegangen“, sagt einer, der schon 14 Tage mitgeht. „Die Pilgergemeinschaft trägt.“ Wir singen gemeinsam im Kanon neunstimmig: Der Himmel geht über allen auf. Das Bildungshaus hat uns schöne Zimmer gegeben. Fast zu schön für uns Klimapilger. Am Abend hat uns der Haustechniker Florian im Rahmen der Veranstaltung von „Klimabündnis“, „Umweltzeichen“ und „Green Events“ das „technische Dahinter“ dieses großen Hauses gezeigt. Beim 14_flo_IMG_4521Umbau hat er sein Wissen eingebracht: „Vieles haben wir mit Hausverstand möglichst energieeffizient gemacht.“ Wir diskutieren, dass es Mut braucht, nicht alle Vorschriften, die ihren Sinn verloren haben, zu erfüllen. Ich bin fest überzeugt: Es braucht leidenschaftliche Menschen, die so eine System als Umweltprojekt zum Blühen bringen. Florian ist so einer. Beeindruckend,  die technische Infrastruktur und Zentrale einmal zu sehen. Wir packen das Umweltzeichen in den Rucksack, das Puchberg bekommen wird.

Das ist nicht immer lustig

14_garten_IMG_4499Übrigens: In Garten des Bildungshauses führt eine Frau täglich ihren Hund Gassi. Wenn er sein Geschäft gemacht hat, dann packt die Frau das Sackerl aus, nimmt das Gaggerl und legt das Sackerl hinter den Baum. Gefragt, warum sie das tut: Ihr habt keine Mistkübel im Garten. Liebe Frau. Nehmen sie ihr Sackerl mit nach Hause, denn es ist ihr Hund und ihr „Problem“. Wer A sagt, soll auch das Gaggerl des eigenen Hundes mitnehmen (B). Es ist ihre Verantwortung bis zum Schluss. Kindern und Erwachsenen sage ich oft: Der Satz endet mit dem Punkt. Zu viele leben nur den ersten Teil bis zum Beistrich. Den zweiten Satzteil lassen sie andere wegräumen. Viele Projekte blühen, weil 14_zi_IMG_4510Menschen ihre volle Verantwortung bis zum Punkt leben. Diese Logik legen wir auch den EntscheiderInnen am Weltklimagipfel ans Herz: „Denken sie die Welt bis zum Punkt und legen sie keine Sackerl mit dem Gaggerl hinter den Baum.“ Und stellen sie keine Mistkübel in den Welt-Garten. Der Weg heute war wieder weiter. Verheimlichen kann ich nicht, dass weitere Worte neben Irreversibilität am Weg aufgetaucht sind: Nihilatio (Aus nix wird nix), Transnihilatio, Substantiatio, Transubstantiatio. Ich sage das nur, weil einige meinen, Klimapilgern sei einfach nur lustig.

 

Tag13: Andersdenken ist die besondere Herausforderung

#Klimapilgern geht nicht, sondern fährt. Von Ottensheim nutzen wir über die Donau die Drahtseilbrücke13_oön_IMG_4388. Eine Fähre, die fast weltberühmt ist. Aber das war schon am späten Nachmittag, mit vielen Erlebnissen und Begegnungen im Gepäck. Begonnen hat der Tag mit einem gemeinsamen Frühstück mit den Patres im Refektorium bei den Jesuiten. Wir sitzen alle um den Tisch und erzählen einander „Geschichten“. Uns hat vor allem auch die Geschichte der Jesuiten interessiert, einem Orden, der einmal aufgelöst wurde und heute den Papst „stellt“. Ein wenig Kirchenpolitik musste auch sein. Gut bereitet an Leib und Seele gehen wir es an. „Ihr seid in der Zeitung“, hat uns eine Mitpilgerin beim Treffpunkt „geflüstert“. Ja, stimmt. Die Headline zeigt, dass der Journalist gestern gut zugehört hat: Jeder Schritt verändert Sichtweisen. So wird es auch heute. Siebzehn Frauen und Männer sind wir unterwegs. Zuerst in das AEC.

Pendlerpauschale abschaffen

13_aec_IMG_4406Anja hat zum Start in den Tag einen Impuls gesetzt. Im AEC treffen wir den Leiter Christoph Kremer und diskutieren über die Erfahrungen, die sie bei „Post City“ gemacht haben. Es geht um die Zukunft der Stadt, des Lebens, des Menschen. „Wir stehen im Spannungsfeld Kunst – Technologie – Mensch.“ Es dauert nicht lange und wir sind in einer lebhaften Diskussion. In mein Smartphone tippe ich ein paar Notizen: „Andersdenken ist die besondere Herausforderung.“ „Migration ist die Herausforderung.“ „Am besten ist der Mensch dann, wenn er Lösungen finden MUSS.“ „Verlieren wir Freiheit, wenn wir den Supermarkt killen.“ „Pendlerpauschale abschaffen.“ „Wie viel Natur braucht der Mensch.“ „Bewusstsein für gute Lebensmittel schon im Kindesalter lernen. Ganz wichtig.“ „Große Herausforderung: Wie 13_kreis_IMG_4434kommen wir aus der rein technologische Sicht heraus.“ „Thinking out of the Box.“ Wir sind uns klar, dass es genug Gesprächsstoff für den Treppelweg von Linz nach Ottensheim direkt an der Donau gibt. Ich erlebe das Gehen hier an der Grenze zwischen „fluid und kristallin“, „fest und flüssig“ als Inspiration. Links die ruhige Donau und unmittelbar rechts von uns der Zug und die Straße. Der Zug fährt selten und die Autos sind immer zu hören. Nicht oft genug kann ich sagen, wie fahrlässig in Oberösterreich der öffentliche Verkehr vernachlässigt wurde. In Ottensheim ist es uns wieder ein Anliegen, beim „Containerdorf“ der Flüchtlinge vorbeizuschauen, unsere Solidarität zu zeigen, den „FlüchtlingshelferInnen“ unsere Achtung und Wertschätzung zu zeigen. Dann geht es in das Gemeindeamt, wo im Saal die kfb der Pfarre unser Meeting kulinarisch angerichtet hat.

Wir sind Gast auf Erden

13_sackamt_IMG_4455„Politik muss offen und transparent sein. Das muss sich auch in den Gebäuden ausdrücken.“ Die Bürgermeisterin Ulli Böcker hat sich unseren Termin schon im Sommer eingetragen. Sie sagt das mit Blick auf die große Glaswand, wo wir hinausschauen und die PassantInnen hereinschauen können. Ihr und allen mit ihr (das betont sie immer wieder) ist in Ottensheim in den letzten zwei Jahrzehnten schon unglaublich viel gelungen. Mit einer Powerpoint erzählt „Bill“ (Kurt Bayer) anhand einer langen Liste von Aktivitäten, die in der Klimabündnisgemeinde stattgefunden haben: Solarkataster, Mobilitätswoche, Sackamt (= eine Waschmaschine, wo sich jede/r am Wochenmarkt sein Stoffsackerl waschen kann und kein Plastik mehr verwendet wird), Streuobstwiese, Raumplanung, Ortskern belebt, Wochenmarkt. Die Liste geht anhand von Fotos immer weiter. Applaus. Gut, dass wir da sind. Wir erzählen aus unserem Rucksack der Alternativen. Ulli Böcker gibt uns eine „Streuobst-Schokolade“ mit, weist auf den Streuobstsaft hin und wir hören vom E-Carsharing, das demnächst beginnt. 13_schoko_IMG_4452Die Bürgermeisterin denkt und fühlt tiefer und betont, „wie wichtig die vom Boden geschenkten Dinge sind“. An ihr spürt man, dass in jeder Minute das Gemeinwesen, die Ottensheim-Community im Mittelpunkt steht. Da geht es nicht um Macht oder Herrschaft. Sie spricht fast demütig: „Wir sollten uns ständig daran erinnern, dass wir nur Gäste hier auf Erden sind.“ Das erleben wir KlimapilgerInnen auch. Wir sind Gast, Gast bei Menschen, die die Zukunft schon leben, mutig, manchmal für viele etwas verrückt, fröhlich, engagiert, ohne großen Eigennutz. Mir würde um die Welt nicht bange, wenn sich Verantwortliche nur ein wenig an Ottensheim orientieren würden, an dem, was in den letzten Jahren hier gewachsen ist. Das ging nicht von selbst sondern weil viele zum „Dienst aneinander“ bereit waren. Wir sehen: Die Schuhe für den neuen Bürgermeister sind groß. Beseelt, genährt, inspiriert geht es in das Stift Wilheringwo uns P. Christian empfängt. Ich selber bin auch noch besonders beschenkt: Ich habe unser Enkerl erstmals laufen sehen. Hier in Ottensheim.

Auf ORF Religion lesen wir einen schönen „Halbzeitbericht“.