#Klimapilgern beginnt heute früher, um 8 Uhr vor dem Stift Wilhering. Es sind noch nicht alle da. Wir wissen das aber noch nicht. Erst am Weg stellt sich heraus, dass Klara und Anna „auf 9 Uhr“ angezielt haben. Wir sind da schon fast eine Stunde unterwegs. Anja hat im „Impuls zum Aufbruch“ für unser Pilgern von Wilhering über Hartheim in das Bildungshaus Schloss Puchberg bei Wels ein Wort ausgepackt, das uns begleiten soll: Irreversibilität. Es gibt Dinge, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können. Wenn eine Tier- oder Pflanzenart ausgestorben ist, ist das nicht mehr rückgängig zu machen. Das verleiht allen anstehenden Herausforderungen im Zusammenhang mit
Klimagerechtigkeit eine besondere Dringlichkeit. Wir spüren, dass es viele Menschen gibt, die sich dieser Problematik nicht bewusst sind: Es drängt. Denken wir an den Flugverkehr, der alleine in den nächsten 20 Jahren, wenn er nicht radikal reduziert wird, 48% der klimaschädlichen Faktoren ausmachen wird. Wie sagte der Bauer vor Bad Kreuzen: „Holt die Flieger runter.“ Das ist reversibel. Das kann der Mensch zurücknehmen. Kerosin richtig besteuern. Die Folgen des ungezügelten Flugverkehrs sind allerdings irreversibel. Wer in einen Flieger steigt, zertritt die Welt, die Erde und damit den Menschen. So drastisch muss das auch einmal gesagt werden. Zu viele aber denken: „Is eh wurscht.“
Keine Mikrowelle und AUS ist AUS
Von Wilhering geht es hinter Schönering hinüber nach Hartheim. Dorthin sind uns die beiden, die zu spät gekommen sind, vorausgefahren. Wir kehren kurz in die Gedenkstätte ein. Ein Memento. Dann geht es über Felder und Feldwege hinauf nach Forst. „Spitzwirt“ ist gleich am Start als Schlüsselwort für die Mittagsrast gefallen. Gut, dass wir da hineingegangen sind. Selbst die TagespilgerInnen aus dieser Gegend kannten die Spitz-Wirtin nicht. Wir setzen uns. Alles ruhig. Die Wirtin hat nur selbst gemachte Säfte und frisch gekochte Speisen. Eine Tafel an der Wand gibt uns
Orientierung. Suppe ist für WeitgeherInnen zu mittag die optimale Unterstützung. Ich nehme in diesem Fall auch Kaffee und Kuchen. Man möchte bleiben, weil es so gemütlich ist und alles so gut schmeckt. Die Wirtin bringt einen Kurier-Artikel, den sie uns aber nicht mitgeben will, „weil ich ihn auch anderen Gästen zeigen möchte“. Es geht um den unermesslichen Fleischkonsum und darum, dass wir unsere Welt aufessen. Einen Satz aus dem ganz kleinen Infoblatt zum Wirtshaus packen wir in den Rucksack der Alternativen: „Alles wird frisch gekocht und gebraten, was aber auch heißt, dass Mikrowelle keinen Platz hat und AUS auch AUS bedeutet.“ Diesen Satz rufen wir in alle Supermärkte, die bis kurz vor Ladenschluss noch volle Regale produzieren, damit der Konsument nicht das Gefühl hat, dass etwas aus ist.
Hört diesen Blödsinn auf. Gut, dass in Frankreich die übrig gebliebenen Lebensmittel weiter verwendet werden müssen. Gesetzlich. Das muss auch in Österreich kommen. Unbedingt. Wir Menschen müssen wieder lernen, dass AUS auch AUS ist. Da wird keiner verhungern.
Es blühen viele Projekte
Oberhalb von Scharten führt der Weg an Buchkirchen vorbei. „Hinter Puchberg“ kommen wir aus dem Wald heraus. Nach 27 km sind wir am Tagesziel. Im Hof des Bildungshauses machen wir unseren Kreis, „das Ankommen“. „Schön war es.“ „Ich habe die guten Gespräche genossen.“ „Ich bin fast herübergeflogen.“ „Leicht ist es heute gegangen“, sagt einer, der schon 14 Tage mitgeht. „Die Pilgergemeinschaft trägt.“ Wir singen gemeinsam im Kanon neunstimmig: Der Himmel geht über allen auf. Das Bildungshaus hat uns schöne Zimmer gegeben. Fast zu schön für uns Klimapilger. Am Abend hat uns der Haustechniker Florian im Rahmen der Veranstaltung von „Klimabündnis“, „Umweltzeichen“ und „Green Events“ das „technische Dahinter“ dieses großen Hauses gezeigt. Beim
Umbau hat er sein Wissen eingebracht: „Vieles haben wir mit Hausverstand möglichst energieeffizient gemacht.“ Wir diskutieren, dass es Mut braucht, nicht alle Vorschriften, die ihren Sinn verloren haben, zu erfüllen. Ich bin fest überzeugt: Es braucht leidenschaftliche Menschen, die so eine System als Umweltprojekt zum Blühen bringen. Florian ist so einer. Beeindruckend, die technische Infrastruktur und Zentrale einmal zu sehen. Wir packen das Umweltzeichen in den Rucksack, das Puchberg bekommen wird.
Das ist nicht immer lustig
Übrigens: In Garten des Bildungshauses führt eine Frau täglich ihren Hund Gassi. Wenn er sein Geschäft gemacht hat, dann packt die Frau das Sackerl aus, nimmt das Gaggerl und legt das Sackerl hinter den Baum. Gefragt, warum sie das tut: Ihr habt keine Mistkübel im Garten. Liebe Frau. Nehmen sie ihr Sackerl mit nach Hause, denn es ist ihr Hund und ihr „Problem“. Wer A sagt, soll auch das Gaggerl des eigenen Hundes mitnehmen (B). Es ist ihre Verantwortung bis zum Schluss. Kindern und Erwachsenen sage ich oft: Der Satz endet mit dem Punkt. Zu viele leben nur den ersten Teil bis zum Beistrich. Den zweiten Satzteil lassen sie andere wegräumen. Viele Projekte blühen, weil
Menschen ihre volle Verantwortung bis zum Punkt leben. Diese Logik legen wir auch den EntscheiderInnen am Weltklimagipfel ans Herz: „Denken sie die Welt bis zum Punkt und legen sie keine Sackerl mit dem Gaggerl hinter den Baum.“ Und stellen sie keine Mistkübel in den Welt-Garten. Der Weg heute war wieder weiter. Verheimlichen kann ich nicht, dass weitere Worte neben Irreversibilität am Weg aufgetaucht sind: Nihilatio (Aus nix wird nix), Transnihilatio, Substantiatio, Transubstantiatio. Ich sage das nur, weil einige meinen, Klimapilgern sei einfach nur lustig.











ußboden aus dem Gemeindehaus wurde in vielen Stunden hier wieder eingebaut. Pelletsheizung, robuste Böden. Das erste Passivhaus als Pfarrzentrum wurde errichtet. „Die Leute haben eine Freude damit und dort und da wird auch in Privathäusern diese Idee umgesetzt.“ Wir sind wirklich froh, dass unser Klimapilgerweg hier vorbeiführt. Ein wunderbares Beispiel, dass gerade beim Bauen „viel geht“. Pree betont nochmals: Der Schlüssel ist die Beteiligung möglichst aller. Unser Weg geht wieder hinunter an die Donau. Die Sonne scheint uns ins Gesicht. Es ist warm. Auch ums Herz, wenn man solche Beispiele als Ermutigung sieht. Mut, Entschiedenheit, Fachwissen und die richtigen Leute vernetzt. Wir gehen weiter an der alten Bundesstrasse. Viel Asphalt. Das macht müde. Lieber gehe ich 800 Höhenmeter als 8 km auf der Straße.























hineingeführt.“ Dieses Gefühl habe ich auch, als wir mit SchülerInnen vor der Schule über unser Klimapilgern reden. Sie wissen, worauf es in Zukunft ankommt. In den Rucksack der Alternativen geben sie uns mit: „1. Weg von den fossilen Brennstoffen. 2. Sofortiger Ausstieg aus der Atomenergie. 3. Ein neues Konsumverhalten, das lokal und regional tickt.“ Ich persönlich gehe genährt weg, weil ich weiß, dass diese Schule in 
Direktor Hackl beim Essen, was ihm als erster Gedanke gekommen ist, „als er von den narrischen Klimapilgern gehört hat?“ Er darauf ganz spontan: „Bei uns sind immer wieder Narrische da.“ Ich finde das ganz toll, dass so eine Schule hier in dieser Gegend aufgebaut wurde und sich immer wieder Zukunftspioniere herholt, die ja im „Normalbetrieb“ als „narrisch“ gesehen werden. Wir sind ein bisserl stolz, zu diesen Narrischen zu gehören.
Das Anpacken-Buch