Dürfen wir dann auch was sagen?

IMG_2405Das Forum Alpach ist wieder angelaufen. Dort finden die „Zukunftsgespräche“ statt. Technologie ist ein breites Thema. Der Kurier präsentiert heute einen Bericht zur Technoligeförerung: „Geld für Fabrik der Zukunft„. Man muss gar nicht alle Details kennen, erahnt man schon, worum es in Zukunft gehen wird: Vernetzte Maschinen arbeiten selbsttätig zusammen und steuern sich selber in ihren Abläufen. Der Mensch ist der Schöpfer der Algorithmen. Es wird schwer werden für den Menschen, in diese programmierte „Maschinerie“ einzugreifen. Da wird der Mensch ordentlich aufzeigen müssen neben den Maschinen und laut rufen: „Darf ich dann auch mal was sagen?“. Solange er fragen wird – in Zukunft – werden die Maschinen nichts hören. Anita Staudacher hat mit ihrem Kommentar „Sprechblase 5.0“ schon einmal „aufgezeigt“. Die Industrie 4.0 wird als systemischer Selbstläufer konzipiert. Wenn wir das mit dem Autofahren vergleichen, würde ich sagen: „Lieber Mensch, nimm am Rücksitz Platz. Wir fahren schon mit dir.“

Gesundheit als Sammlung von vernetzten Daten

Dann blättere ich in der Zeitung weiter und dort begegnet mir das „Extra“. Ist der Mensch optimierbar? steht unter den Worten „Klüger, besser, schöner“. Das Extra will Kontroversen über das Leben anstoßen. Dann die Doppelseite mit den Titel „Grenzen, welche Grenzen?“. Der Mensch überspringt Grenzen. Insinuiert wird in diesen Tagen, dass das Überspringen in jedem Fall besser ist als das „zurückbleiben“. In Gaza, in der Ukraine, im Irak, in Ferguson, in… überspringt der Mensch auch Grenzen und viele sterben. Das Überspringen ist per se noch nicht besser als umgekehrt. Das sage ich als einer, dem die Aussage – Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke – nicht nur als Aussage, sondern auch als Erfahrung wichtig geworden ist. Wirklich stutzig macht der MedStandard von heute, der im Teaser schreibt: „Die Zukunft des Gesundheitswesens liegt in der Vernetzung enormer Datenmengen aus Forschung, IT und Social Media.“ Darin sind sich die Experten in Alpach einig. Ein Revolution in der Medizin steht uns bevor. Ganz ehrlich: Die Zukunft der Gesundheit liegt in der Beziehung unter uns Menschen, in der absichtslosen Zeit, die wir einander schenken, in der Selbstverantwortung wie wir leben und in der auf das Transzendente hin geöffneten Seele. Spiritualität, Beziehung und Empathie lassen sich nicht durch noch so große Datenmengen einfangen. Der Mensch ist nicht einfach eine optimierbare und reparierbare Maschine. Der Mensch ist Mensch. Subjekt. Am Steuer – und nicht auf der Rückbank.

Die #ganzOhr-Fragen an mich selber

„Wann beantwortest du selber einmal diese #ganzOhr-Fragen?“, werde ich von GesprächspartnerInnen immer wieder gefragt. So auch gestern: Wo begegnet dir Mitte? Wo begegnet dir Rand? Wo liegen deine Inspirationsquellen? Was siehst du als deinen Auftrag? Wo siehst du dich in 25 Jahren? Das sind die #ganzOhr-Fragen, die ich Ordensfrauen und Ordensmänner recht spontan stelle. Die Kamera wird eingeschaltet und nach dem Gespräch wieder aus. Kein Schnitt, keine Bearbeitung. Total unplugged würden MusikerInnen sagen. So haben sich bisher auf meiner Youtube-Seite schon einige Videos angesammelt. #ganzOhr finde ich spannend – nicht nur für Ordensleute. Es sind für mich Lebensfragen geworden, die ich persönlich beantworten möchte.

 

 

Mehr #ganzOhr-Videos

 

 

Das Elektroauto der Zukunft hat keinen Akku

Prof. Georg BrasseurWir machen uns am 15. August vom Mühlviertel aus auf den Weg nach Traunkirchen. Mit einem gewöhnlichen Auto mit Dieselmotor. Wir steuern den Vortrag in der Internationalen Akademie Traunkirchen über „E-Mobilität der Zukunft“ von Prof. Georg Brasseur aus Graz an. Seit zwei Jahren bin ich Öffi-Fahrer und doch interessiert mich der Forschungsstand zur Entwicklung des „E-Mobils“.  Anton Zeilinger, der Begründer und Betreiber der IAT, stellt den Referenten Brasseur als „Revolutionär mit Teamgeist“ vor. Beide sind sie im Leitungsteam der Akademie der Wissenschaften. Zeilinger führt an, dass der Referent zwei Grundsätze hat: „1. Vergiss nie das Menschliche zu vermitteln. 2. Spezialisiere dich alle 15 Jahre neu und stelle deine Erfahrung in neue Zusammenhänge.“ Das macht den Referenten für mich sehr sympatisch. Den Gipfel in der Vorstellung bildet die Feststellung: „Am meisten freut Prof. Brasseur, wenn ihm seine Studierenden über den Kopf wachsen.“ Ein Ermöglicher, ein Förderer, ein „Commoner“ steht vor uns. Wir sind gespannt auf die Ausführungen.

Akku ist nicht die Lösung

Es geht nicht, den Vortrag hier wiederzugeben. Er war wirklich gut verständlich für einen Nichttechniker und hat an den neuesten Forschungen teilhaben lassen. „Kann mit Forschung der Elektromobilität zum Durchbruch verholfen werden?“, war die Kernfrage. „Nicht ob, sondern wann?“, ist die Frage. Die Quintessenz der Ausführungen für mich waren: Der Akku, so wie wir das heute kennen, kann mit dem flüssigen Brennstoff nicht mithalten. Das E-Mobil (Auto ist zu besetzt in der jetzigen Erfahrungswelt) wird es geben. Die Forschungen an den sogenannten „Supercap“ (Batterien) werden nicht den Durchbruch bringen. Vielmehr wird Energie in „Flywheels“ (Schwungrädern), die 3-4 Mal besser sind als Supercaps, mitgenommen werden. Das E-Mobil der Zukunft wird elektrisch sein, aber mit flüssige Brennstoff angetrieben. Dieser flüssige Brennstoff kann und wird aber durch grüne Technologie hergestellt. Das wird in den Küstengebieten mit den Windrädern sein, die Gas erzeugen oder im Süden Europas mit Sonnenenergie aufgrund der längeren Sonnenzeiten. Dem Akku, der Baterie in der jetzigen Form gibt Brasseur für längere Strecken keine wirkliche Zukunft. Die Forschungen gehen in Richtung Brennstoffkammern auf Basis von flüssigem Brennstoff. Das E-Mobil (Auto) wird elektrisch sein, aber die Energiequelle dazu wird mit klugen Systemen ergänzt flüssig sein. Wir werden sehen. Ein neuer Gedanke für mich heute dazu war: Eine Batterie hat alle Energiekomponenten mit. Das Auto hat nur Diesel mit, nicht aber den für die Verbrennung notwendigen Sauerstoff. Den entnimmt es aus der Umgebung. Also sind Batterie und Diesel in ihrer „Energieträgerganzheit“ nicht wirklich vergleichbar.

Theologie und Wissenschaft

Zeilinger, BrasseurIn anschließenden persönlichen Gespräch mit Prof. Anton Zeilinger sind wir gleich bei den Orden und bei der Theologie angekommen. Wir sprechen über die großen Zeiten der wissenschaftlichen Arbeiten vor Ordensleuten. Klöster waren Forschungslabore. Ordensleute PionierInnen und ErfinderInnen. Zeilinger wünscht sich wieder viel mehr Brücken zwischen Theologie und Wissenschaft, vor allem der Naturwissenschaft und Technik. Er selber – und ich in Folge natürlich auch – ist sehr hellhörig, ob es gute Theologinnen und Theologen gibt, die profundes Interesse an der Wissenschaft haben. Wir sehen beide, dass es der Kirche nicht gut tut, dass Pierre Teilhard de Chardin so massiv vergessen wurde. Er war Jesuit, ein Ordensmann, der diese Brücke gebaut hat. Vielleicht sollten wir diese Brücke wieder mehr nutzen.

 

Mit sanften Worten geduldig bleiben

Schönborn_Kaineder_WienWarum die Rheinische Post zu einem Interview mit Kardinal Schönborn kommt, ist eine andere Frage. So kommt uns eine Botschaft nach innen von außen entgegen. Die Kathpress und in Folge ORF Religion haben die Inhalte übernommen. „Das Nein zur Sterbehilfe ist unumstößlich“ wird das Interview im Primärmedium getitelt. Das geht gegen den Vorsitzenden des Evangelischen Rates der Kirchen Präses Nikolaus Schneider, den ich persönlich in Köln vor 4 Jahren recht nahe kennen lernen durfte. Ein Mensch mit Empathie und Achtsamkeit. Kein Ideologe. Er würde, wenn seine krebskranke Frau, für die er sein Amt niederlegt, zur Sterbehilfe begleiten, wenn sie den Wunsch dazu äußert . Hans Küng lässt sich das auch offen. In Österreich wird in der Rezeption des Interviews schon anders getitelt: „Es wird Reformen geben“. Das ist die österreichische Erwartung an diesen Papst Franziskus. Der ORF übernimmt diese Headline ebenso. Das alles macht mich neugierig und ich lese Frage und Antwort, Wort für Wort und will die „Stimmung“ erfassen, die emotionale Botschaft.

Prophet oder Revolutionär

Mit seinen für ihn typischen sanften und diplomatischen Worten stellt sich Schönborn den etwas „bohrenden“ Fragen. „Kapitalismus tötet“ teilt er, obwohl er es europäisch zuordnet. Nicht die soziale Marktwirtschaft, sondern der Tubo-Kapitalismus. Da könnte die Wortwahl des Kardinals aus meiner Sicht „forscher“ sein in Anbetracht der geschilderten Tatsachen an todbringenden Verwerfungen. Es gibt aber auch in Österreich Menschen in den finanziellen Eliten, die davon profitieren. Schönborn relativiert die „europäischen heißen Eisen“ (Zölibat, geschieden wiederverheiratet, Frauenweihe) mit einem weltweiten Rahmen, in die er sie hineinstellt. Aber: Zölibat ist in Südamerika mindestens so ein Problem und in Afrika so und so. Und dann sehe ich einen besonderen Trick, der wahrscheinlich im Vatikan seinen Ausgang hat: „Franziskus ist mehr Prophet als Revolutionär.“ Da kann man durchatmen. Da ist jetzt einer an der Spitze, der hat Fehlentwicklungen erkannt. Man apostrophiert ihm einen Zukunftsblick, ein Da-Sein „out of the box“ aber kein Handlungsmandat für jetzt, für heute, hier in Europa, in dieser Weltkirche, in den Seilschaften im Vatikan. Dieser Tage hat mir eine „Insiderin“ erzählt, dass Franziskus im Vatikan selber „nicht wirklich ernst genommen wird“. So wie man eben über einen Propheten, einen „Spinner“ lächelt und zur Tagesordnung übergeht. Da wird ordentlich gemüllert und gemauert. In der Peripherie wird zu all dem mit sanften Worten die Geduld zelebriert – wie in diesem Interview.

Ein frommer Wunsch

Warum kann ein Vorsitzender der Bischofskonferenz nicht einfach sagen: „Hallo Leute in Rom! Wir bauen die kirchlichen Strukturen auf Basis des Priestermangels zurück. Es gäbe genug suchende, sich vernetzen wollende Menschen, aber wir hängen unser Konzept am zölibatären Priester (Mann) auf. Wir verlieren unglaublich an Glaubwürdigkeit, weil wir beim Scheitern einer ehelichen Beziehung den juridische Nichtigkeitsweg anbieten können anstatt der jesuanischen Versöhnung nach einem Scheitern. Eure Ritual-Vorschriften für die Feiern von Gottesdiensten sind sprachlich und vom Empfinden der Menschen ghettoisierend und nicht integrierend, aufbauend, „leicht“. Leute! Dass Frauen „weiheunfähig“ sind kann nicht weiter euer ernst sein. Zeigen wir doch der Welt, dass Mann und Frau gleichwertiges Ebenbild sind und sakramentale Handlungen setzen können. Wir fahren den Laden retour und beschränken uns wegen der „heißen Eisen“ selber. Wir haben uns die „Ideologie der kleinen Herde“ ausgedacht und erklären mit dem Bild des „zu großen Gewandes“ unsere Schließungen. Wir wagen gar nicht mehr zu denken und zu sagen, geschweige danach zu handeln: Hier stehe ich in Wien, in Österreich und bitte euch: Lasst Franziskus einen Revolutionär sein! Wir helfen gerne mit.“

Nicht andere, sondern sich erinnern

 

Ein frommer Wunsch, ein Traum. Wie heißt es im Interview von Schönborn: „Die Kirche hat die Aufgabe, daran zu erinnern, dass es noch Zeit ist, umzukehren.“ Das spricht er zur gesellschaftlichen Entwicklung. Ich höre hier noch viel mehr: „Die Kirche hat die Aufgabe, SICH daran zu erinnern, dass es noch Zeit ist, umzukehren.“

 

Franziska und Franz Jägerstätter und ein kleiner Erinnerungsplatz in Kirchschlag

Das Kreuz erinnert

Das Kreuz erinnert

Heute ist 9. August. An einigen Plätzen dieser Welt erinnern (sich) Menschen daran, dass an diesem Tag 1943 der Familienvater, Bauer und Mesner Franz Jägerstätter wegen seiner Wehrdienstverweigerung hingerichtet wurde. Genau jetzt um 13 Uhr gehen in Tarsdorf die PilgerInnen los hinüber zum Jägerstätter-Haus und weiter in die Pfarrkirche St. Radegund. Dort feiern sie um 16 Uhr in einer Gedenkstunde in der Kirche das Erinnern an Franz und sicher auch Franziska. Schon mehrmals bin ich über die Jahre mitgepilgert. Heuer bin ich an das Bergdorf hier im Mühlviertel gebunden.  Trotzdem fühle ich mich besonders verbunden. Ich habe mich mit ein paar Lichter auf den Weg in die St. Anna Kirche gemacht, um dort in der „Licht- und Wasserkapelle“ beim Jägerstätter-Kreuz einiges Kerzen anzuzünden, innezuhalten, sich verbunden fühlen mit Menschen, die in dem Ehepaar Jägerstätter eine besondere Gott-Verbundenheit sehen.

Eine kleine Erinnerungsstätte

Kapelle

Licht- und Wasserkapelle in der St. Anna Kirche Kirchschlag

Beim Neubau des St. Anna Pfarrzentrums im Jahre 2009 haben wir das Kreuz in die Steinstele eingefügt. Bischof Aichern hat damals sichtlich große Freude empfunden, dass wir diesem gerade erst seliggesprochenen Gewissens-Heiligen einen Platz geben. Bei allen Kreuzen, die wir damals in den Räumlichkeiten des St. Anna Pfarrzentrums angebracht haben, war dieses Kreuz für mich am wichtigsten. Es möge uns hier im Bergdorf wach halten, dem persönliche gebildeten und entfalteten Gewissen treu zu sein, ganz egal wer regiert und die Umstände gestaltet. Gott will, dass der Mensch aufrecht geht und wir einander stützen. Wo das Gegenteil der Fall, dort muss Widerstand wachsen. Die Tafel mit dem Gebet und der Beschreibung (siehe Bilder) haben wir zum Verweilen angebracht. Manchmal habe ich den Eindruck, dass selbst dieses Kreuz unter dem hl. Antonius noch für viele zu quer liegt, zu viel Provokation ist. Ganz tief drinnen hoffe und bete ich immer wieder, dass vielen mit diesem Kreuz eine Anregung, Ermutigung und Zuflucht geschenkt ist. So wie gestern: Ein Ehepaar treffe ich in der Kirche und sie fragen micht, wann ich wieder nach Assisi gehe. Sie verehren Franz von Assisi. Und Franz Jägerstätter war im 3. Orden. Sie haben ein Licht angezündet. Franziska und Franz Jägerstätter, geht mit uns, nicht nur heute am 9. August.

Tafel3Tafel2Tafel1Tafel_Jägerstätter1000

 

 

Ich bin Atheist

Norbert BlŸm„Ich bin Atheist“ wird auf dem T-Shirt stehen, das ich mir machen lasse. Genau weiß ich noch nicht, wie ich diese Behauptung für die verwunderten Blicke „auflösen“ werde. Muss es überhaupt aufgelöst sein? „Fürchtet euch nicht“ steht auf einem T-Shirt, das ich immer wieder trage. Da haben sich bei feierlichen Anlässen auch schon interessante Gespräche ergeben . Ich werde es beim Atheisten belassen. Mir gefällt das Atheist in diesem Zusammenhang, weil es „etwas“ ablehnt, sich dagegen stellt.  Das liegt mir in diesem Fall am Herzen.

Auf die alten Tage Atheist geworden

„Wo liegen deine Inspirationsquellen?“. Das frage ich #ganzOhr Ordensleute mit meiner Mini-Kamera am Smartphone. Da kommen wirklich interessante Erfahrungen. Gestern war es das Gespräch mit Sr. Kunigunde Fürst, die als Franziskanerin nicht in die Pension, sondern nach Kasachstan gegangen ist. Für mich ist eine Inspirationsquelle das Lesen und da vor allem „Publik-Forum„. Dort entdecke ich wieder den „Zornesruf“ von Norbert Blüm, den Werkzeugmacher, den Bundesminister für Arbeit und Soziales, den Kinderbuchautor, den Kabarettisten. Und genau dieser Zornesruf setzt die Idee mit dem T-Shirt in Gange. Ich möchte mich deklarieren: „Ich bin Atheist, lieber Gott Mammon.“

Ungeschminkt hinschauen und nicht gleichgültig bleiben

Der Zornesruf von Norbert Blüm aus dem Jahre 2012 spitzt sich von Jahr zu Jahr mehr zu. Papst Franziskus, der in den eigenen Reihen im Vatikan von den eigenen Mitarbeitern „belächelt“ wird, wie man unter vorgehaltener Hand erzählt, blickt in dieselbe Richtung, wenn er immer wieder vor dem Mammon warnt und Strukturen des Götzen Kapitalismus anprangert. Das gefällt natürlich den davon profitierenden Eliten nicht. Auch im Vatikan. So mancher Tabernakel ist mit dem Dollar und EURO gefüllt und das „Brot des  Lebens, des Teilens“, Jesus Christus, ist in die Ecke gestellt worden. Medial werden Anbetungsstunden vor dem Altar der Ökonomie zelebriert. Atheisten lächerlich gemacht. Hier der Text von Norbert Blüm als Anregung, Wachrüttler, Sichtverstärker, hin zum Wesentlichen:

„Auf meine alten Tage bin ich Atheist geworden. Ich bekenne: Ich glaube nicht an Gott Mammon. Ich widersage ihm mit allen meinen Kräften. Mammon ist ein gieriger Götze, der sich anschickt, die Welt zu verschlingen. 99 Prozent der Dollar-Billionen, welche den Erdball umkreisen, haben mit Arbeit, Wertschöpfung, Gütern und Dienstleistung nichts zu tun. Es ist der heilige Schein des Geldes, der die Weltwirtschaft erleuchtet. Doch das monetäre Licht ist ein Irrlicht, eine Fata Morgana statt der lebensrettenden Oase.

Geld befördert das Nichts ins Sein. Was sich nicht in Geld ausdrücken lässt, existiert nicht. Die Hostie des Finanzkapitalismus ist das Geld. Mit Kaufen und Verkaufen von Firmen lässt sich mehr Geld verdienen, als in Firmen zu produzieren. Große Unternehmen sind Bankhäuser mit angeschlossenen Produktionsfilialen geworden. Porsche machte in einem Jahr drei Milliarden Euro mehr Gewinn als Umsatz – durch Finanzgeschäfte. Die Aktie transferiert vom Investitionsobjekt zum Spekulationssubjekt. Arbeitnehmer werden abgestoßen, angelegt, im Depot gehalten – wie Aktien.

Auch die Staaten schrumpfen auf einen virtuellen Geldwert. China steht hoch im Kurs, Griechenland nicht. China ist eine Diktatur, Griechenland eine Demokratie. Griechenland könnte möglicherweise zur Höhe des chinesischen Ansehens aufsteigen, wenn es die Akropolis, Delphi, Olympia, Epidauros und ein paar Ferieninseln zu Geld machte. Alles wird gut, spräche dann Gott Mammon.

Längst hat er die Kernbereiche des Staates unterwandert. Das Gewaltmonopol, Ergebnis der mühsamen Zivilisierung unserer Aggressionstriebe, wird zunehmend privatisiert. In den USA soll es mehr Beschäftigte im privaten Sicherheitsgewerbe geben als bei der Polizei. Auch unser Land opfert bereits Teile seiner Hoheitsaufgaben dem Gott Mammon. Vielleicht wird beim nächsten Mal der Bundespräsident nicht gewählt, sondern das Amt versteigert.

Agrarland wird zum Spekulationsobjekt der Großanleger. Das Feld, das sie weltweit bereits besitzen, soll so groß sein wie Westeuropa. Äthiopien schickt sich gerade an, für ein paar Milliarden Dollar Land an einen indischen Investor zu veräußern. Zurück bleiben die mittellosen Kleinbauern. Auch Afrikas Wasservorräte sind ‚privatisierungsgefährdet‘. Man stelle sich einen Verdurstenden in der Sahara vor, der mit Wasseroligarchen einen fairen Preis aushandeln soll. Keine ‚unsichtbare Hand‘, von der Adam Smith träumte, bringt Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht. Es regiert die harte Hand des Geldes.

Selbst wirtschafts- und staatsferne Regionen geraten in den Sog der Geldgier. Die Musik von Bach, Beethoven, Mozart wird zum sponsorenfinanzierten Event. Spitzensportler werden gehandelt wie kostbare Edelsteine. Die Bundesliga verkauft für eine halbe Milliarde Euro Übertragungsrechte ans Fernsehen. So bezahlen wir mit unseren Gebühren den Menschenhandel des Profifußballs.

Auch Liebe und Religion werden unterwandert. Die Scientologen haben das Geschäft mit dem Glauben perfektioniert; Die Erfolge von Freikirchen in Lateinamerika sollen einer ausgeklügelten Marketingstrategie entspringen. Und die Liebe, das Schönste, wozu wir Menschen fähig sind, degeneriert zur Kosten-Nutzen Analyse; die Ehe schrumpft zur Lebensabschnittspartnerschaft. Sie gilt, so lange nichts Besseres kommt. In meinem Umkreis verließ ein Mann seine Frau und drei kleine Kinder, um dem Ruf Mammons zu folgen, der ihn in Gestalt einer jungen russischen Oligarchen-Witwe traf. ‚Das Geld liegt in Moskau auf der Straße‘, war das Letzte, was ich von dem Jüngling hörte. Zu Jesus kam einst ein reicher Mann und fragte, wie er das ewige Leben gewinnen könne. Jesus sagte, er solle seinen Besitz fortgeben und ihm folgen. Mammon fordert, für den Reichtum alles zu opfern. Auch die Liebe.

Gott Mammon kupfert fleißig vom alten Glauben ab. Die neuen Kathedralen sind die gläsernen Bankhäuser, längst höher als alle Kirchtürme, vom Nimbus des Geheimnisses erfüllt. Kein lautes Wort ist im Innern erwünscht. Ihre Priester tragen Gestreiftes, sie kasteien sich im Fitness-Studio. Die Spitzen der Finanzhierarchie sind Gottes Gesandte: ‚Ich bin bloß ein Bankier, der Gottes Werk verrichtet‘, behauptet der Boss von Goldmann Sachs, Lloyd Blankfein.

Und das Volk hängt an den Lippen der Börsenexperten wie einst die Gläubigen an denen der Gottes-gelehrten. Jedes Wort entfaltet eine Wirkung wie vor achthundert Jahren die Kreuzzugspredigten des Bernhard von Clairveaux. Die Börsennachrichten rahmen mit der Wetterkarte die Tagesschau ein – das Wetter und die Börse, das trifft alle Menschen. Und mehr als Sonne, Hagel und Regen entscheidet der Börsenkurs über das Wohl und Weh der Menschen.

Es geht nicht mehr um Schuld und Erlösung, es geht um Schulden und Erlös. Über das, was Sünde ist, wachen heute die Ratingagenturen wie früher die Heilige Inquisition – statt dem Scheiterhaufen droht der Ruin. Manchmal dienen die Urteile dazu, Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Manchmal liegen sie schlicht daneben. Auch das kennt man von den Ketzerprozessen.

Niemand weiß so recht, wer die Märkte sind und wo sie wohnen. Im Himmel? Jedenfalls müssen sie bei Laune gehalten werden, wenn es dem Menschen gut gehen soll. Für die Regierungschefs der Europäischen Union gibt es nichts Wichtigeres als die Frage, ob ihre Beschlüsse Gnade bei den ‚Märkten‘ finden. Die Märkte lieben Opfergaben: Lohnkürzungen und Streichung der Sozialausgaben. Dann lassen sie die Wirtschaft wachsen. Den Priestern Mammons bringt das Bonuszahlungen als Fingerzeig des göttlichen Wohlwollens.

Mammons auserwähltes Volk sind die Vorteilssucher. Jeder kann das sein, der Schnäppchenjäger wie der Großspekulant. Mitunter gibt es – wie in jeder Religion – Abtrünnige. Zum Beispiel George Soros, einst Weltmeister der Währungsmanipulationen, der jetzt die Menschen warnt, dass der Glaube an diesen Gott den Planeten gefährdet. Damit dies nicht zu oft passiert, arbeitet Mammon an der Züchtung des neuen Menschen, mit einem Tresor als Herz. ‚Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen,‘ sagte einst Jesus. Er hatte schon vor 2000 Jahren recht.“

Der kanalisierte Mensch in den Vergiftungsfallen

reuelosWer das Buch von Rotraud Perner „Die reuelose Gesellschaft“ schon gelesen hat, kann weiterblättern. Ich bin gerade mit großem Gewinn dabei. Die Autorin, Psychotherapeutin, Juristin und evangelische Theologin wird kommenden Montag für die Video-Reihe „viel mehr wesentlich weniger“ im Wien-Kanal mit P. Erhard Rauch und P. Bernhard Eckerstorfer ins Gespräch kommen. Ich freue mich schon darauf, weil Perner ein paar ganz wesentliche Dinge anspricht, die für uns Menschen in einer durch und durch „kanalisierten Gesellschaft“ aufschauen und aufhorchen lässt.

Der ungeschminkte Blick

Haustafel„Das,  was den Menschen krank macht, ist die Lüge, das, was heilt, ist die Wahrheit“. So resümiert Perner ihre 40-jährige Berufserfahrung. Martin Buber hat darin schon eine Chance gesehen, wenn wir genau wahrnehmen: „Was mir widerfährt, ist Anrede an mich.“ Das habe ich beim Gehen gelernt, dass mir das Leben entgegenkommt, dass ich mir selber dabei begegne, wenn ich hinschaue und hineinhöre. „Der ungeschminkte Blick auf die Wirklichkeit ist der Beginn der Revolution.“ Perner sieht in den gesellschaftlichen Kräften inklusive der Medien ein einziges „Ablenkungsmanöver“. Beschleunigung: Wir denken selten oder überhaupt nicht darüber nach, wem die steigende Beschleunigung nützt. Schneller, größer, Ranking. Der allgegenwärtige Zeitdruck bedingt den Status: auf der Flucht. Gerade Medien, PR-Verantwortliche und JournalistInnen sind im Fluchtmodus. Dabei wollen sie am wenigsten sehen, dass die Zeitung von heute das Klopapier (heute über Umwege) von morgen ist. Eine oberflächliche Aufgeregtheit jagt schon die nächste. Heute mit Facebook und Twitter noch um eine Geschwindigkeitsstufe höher. Da verstehe ich die Aussage eines ehemaligen Landesrates in Oberösterreich, der auf meine Frage, ob ihm etwas fehlt, meinte: „Ich bin so froh, dass ich die Medienmaschinerie nicht mehr heizen muss.“ Perner spricht von „Memen“ (übrigens auch Genetiker), die sich heute vernetzt ausbreiten und zu einem „unerwünschten Zwangsdenken“ führen. Der Mensch hat viel gewonnen, wenn er oder sie sich den „ungeschminkten Blick“ bewahrt. Perner schreibt wörtlich: „Aus meiner Sicht liegt der Schaden … in der Zerstörung des Gefühls zur Erkenntnis von Gehirnwäschen und anderen Manipulationen.“ Werbung, Marketing und PR sind angeführt am Beispiel der Nahrungsmittelindustrie.

Die sieben Todsünden als Vergiftungsfallen

BockererPerner führt Hans Küng und sein Weltethos an. Die Zahl 4 begleitet sie. Eine Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor dem Leben heißt: Nicht töten. Eine Kultur der Solidarität und einer gerechten Wirtschaftsordnung heißt: Nicht stehlen. Die Kultur der Toleranz und ein Leben in Wahrhaftigkeit heißt: Nicht lügen. Eine Kultur der Gleichberechtigung und Partnerschaft von Mann und Frau heißt: Nicht missbrauchen. Diese „Kulturen“ liegen allen Weltreligionen zugrunde. Eine gemeinsame Besinnung darauf würde viel „lösen“. Ich sage dazu: auch in der Kirche, auch in der Ordenskirche. Perner schreibt von einer „salutogenen Atmosphäre“. Gesund machend, heil machend, ganz machend. Ermutigend. Das braucht allerdings ein Stück Souveränität jedes einzelnen, der oder die die Angst vor Menschen überwunden hat. Isolation, Ausgrenzung und Ächtung sind nicht dann mehr als lebensbedrohlich eingestuft. Das fürchtet der Ofen der Konsumindustrie am meisten. Unabhängig denkende Menschen. Am Samstag 9. August fahre ich zu den Gedenkfeiern von Franz Jägerstätter, der angstfrei seinen gewaltfreien Weg des Gewissens gegangen ist. Für viele ein weiter Weg, ein zu weiter Weg.  Perner schildert sehr anschaulich die „vergifteten Botschaften“ an Manager von heute: „Manager sollen gierig sein und immer mehr anstreben. Sollen inaktiv – träge – sein sich den Shareholdern nicht widersetzen. Sollen ihre Ziele aggressiv – zornig – verfolgen. Sollen geizig mit dem Erwirtschafteten umgehen. Sollen imagebewusst – stolz – handeln und auftreten. Wie es anderen Menschen geht, soll ihnen egal sein. Sie sollen immer im Zustand des Neides sein, um die Konkurrenz zu bekämpfen.“ Die Ökonomie hat den Hochaltar besetzt, den Tabernakel erobert. Papst Franziskus hat die Ordensgemeinschaften vor diesem Mammon gerade dieser Tage gewarnt. Die Orden und wir mit ihnen sind gefragt als „prophetische Stimme und Hand in diesem Heute“.
Ich freue mich auf das Gespräch am Montag. Da fällt mir ein: Ich war im „Bockerer“ im Stift Wilhering. Ermutigender Widerstand mit ungeschminktem Blick.

Storno auf Vereinshütten in den Bergen

IIm Regen unterwegsch habe es schon angedeutet. Unsere Bergwoche in den Pitztaler Bergen (genauer am vorderen Geigenkamm) hat für mich zwei „Premieren“ gebracht. 1. Meine AV-Mitgliedskarte wurde erstmals wie an einer Kassa „abgescannt“. 2. Erstmals habe ich auf einer AV-Hütte (Ludwigsburgerhütte) und auf einer ÖTK-Hütte (Frischmannhütte) Storno bezahlt. Die Auseinandersetzung darüber war auf jeder Hütte „heftig“. Die Sachlage ist nicht schwarz – weiß. Das ist mir bewusst. Und doch bin ich überzeugt, dass mit diesem Vorgehen, den Hüttenpächtern Storno zu erlauben, die alpinen Vereine einen Irrweg gehen, den genetischen Code des Alpinismus grundlegend ändern. Mein Bergehen ist geprägt von einer jahrzehntelangen Mitgliedschaft bei einem alpinen Verein als Solidarbeitrag für sicheres, solidarisches Wandern in den Bergen. Mein Berggehen ist von Freiwilligkeit geprägt und hat keine monetären Beigeschmack. Es war immer ein gemeinsames Wandern, wo ich eine moderative Funktion wahrgenommen habe. Jede und jeder ging 100% eigenverantwortlich. Auch das Aviso auf den Hütten war für mich keine Reservierung wie im Flieger, sondern ein Hinweis für die Hüttenverantwortlichen, damit sie nicht überrascht sind, dass jetzt 15 Leute kommen, im Lager liegen wollen und etwas essen und trinken wollen.

Zwei Hütten buchen und das bessere Wetter wählen

Vor dem RegenIn den letzten Jahren hat sich etwas zugespitzt. Heuer wurde es eingenagelt bzw wurde ich festgenagelt. Es gibt in Deutschland und Österreich Gruppen, die buchen eine Hütte nördlich und eine Hütte südlich des Alpenhauptkammes. Wo das Wetter dann schöner ist, dort fahren sie hin. So spitzt sich Hüttenpächtern etwas zu. Mein jahrelanges Aviso auf den Hütten wurden auf zwei Hütten als „Fixreservierung“ genommen. Weil wir durch das unglaublich schlechte Wetter nicht weitergekommen sind, haben wir Stornozahlungen aufgebrummt bekommen. Einmal auf der AV-Hütte, die mit Auto und Materialseilbahn erreichbar ist und auf der anderen waren wir nicht, weil eben das schlechte Wetter keinen Übergang für uns ermöglicht hat. Mein Fehler war, dass ich nicht vorher per Email 3 Personen abgesagt habe. Statt 16 sind wir 13 im Pitztal aufgebrochen. Es hat aber nicht geregnet, sondern geschüttet. Alles kam anders. Drei weitere haben aufgegeben. Sie haben sich das nicht mehr zugetraut. Wir wurden bis zum letzten Tag so auf 7 reduziert, die wir einen Tag früher ins Tal „abgebogen“ sind. Die Ludwigsburgerhütte hat uns 60.- EUR abgenommen, weil wir statt 16 jetzt 10 waren, die übernachtet haben. Penetrant und ohne irgendeine Nachgiebigkeit. Die Frischmannhütte will uns 320.- EUR (16×20) abnehmen. Beim Telefonat im Tal, dass wir wegen des Wetters nicht kommen können, hörte mein Ohr: „Und wenn sie nicht zahlen, übergebe ich das dem Rechtsanwalt.“ Im Email, das 10 Minuten später am Handy ist, wird die Forderung gleich nochmals gestellt. Ich schreibe nochmals und bitte um Überlegung, dass das so nicht geht für Mitglieder des alpinen Vereins. Da kommt nur mehr kurz das Antwortemail: „hallo nein  das überlege ich mir nicht  und bitte sie den von mir geforderten betrag  von 320 euro an  das von mir angegebene konto zu überweisen ansonsten werde ich es unseren club und rechtsanwalt übergeben  mfg fam annemarie grießer“.

Die Gruppe der Einzelnen

Er wurde uns zu viel - der RegenSo. Soll ich das jetzt zahlen oder nicht? Wir waren dort. Auf der Erlanger Hütte war das überhaupt kein Problem, nicht einmal Thema. Von dort wurde 2 Tage vorher auf die Frischmannhütte angerufen, dass wir nur 7 kommen. Auf der Ludwigsburgerhütte sind wir am Tag vor der Übernachtung zu zehnt vorbeigekommen und haben uns 10 für nächsten Tag angekündigt. Oder soll mein Urlaub darin bestehen, dass ich täglich Emails schreibe und täglich telefoniere? Ich glaube, ab dem nächsten Jahr melde ich nichts mehr an und wir kommen einzeln zur Hütte. 12 oder 16. Oder?

PS: Ich weiß von Hüttenwirten, die das anders sehen und praktizieren. Beispiel Erlanger Hütte.