Ihr braucht nicht mehr heiraten

Schon vor längerer Zeit war ich mit einer Bankfachfrau „auf an Kaffee“. Da gibt es immer etwas zu besprechen, ohne dabei das Wort Hypo in den Mund zu nehmen. Es ging vielmehr darum, was heute abläuft, wenn ein unverheiratetes Paar zur Bank kommt und einen Kredit aufnimmt. „Ich sage den Leuten immer, dass sie gar nicht mehr heiraten müssen, weil die Formalitäten und Verpflichtungen zum Abschluß eines Kreditvertrages beide aneinander kettet, wie es ein Ehevertrag oder der Ehebund nicht besser können.“ Das hat mich damals aufhorchen lassen. Ich selber bin ja in Bankgeschäften „sehr weit weg“, weil mir das Leben im Schuldenstand seit jeher nicht behagt. Aus diesem Grunde steuere ich eher mein Leben „mit weniger“ als mich steuern zu lassen über die „viele Abhängigkeit“.

Bis der Kredit bezahlt ist

LaVernaKreuzGestern und heute sehe ich diesen ausgesprochenen Satz nochmals neu. Meiden und Studien belegen das. Du musst dich nicht nur für einen Kredit „ausziehen und anbinden“ lassen, sondern genauso für eine Kreditkarte. Schamlos wird das Leben durchleuchtet und ausgefragt. Da ist das Brautgespräch beim „katholischen Eheassistenten“ (Priester, Diakon) fast harmlos. Die jungen Leute brauchen nicht mehr heiraten, wenn sie einen Kredit nahmen. Unterschrieben und über die „Banken-Inquisition bis der Kredit getilgt ist“ sind aneinander gekettet. Das ist für die meisten ohnehin lebenslang.

Chip implantieren

Dann lese ich vom mir persönlich bekannten Stronach-Mandatar Marcus Franz, dass er allen Menschen statt der E-Card einen Chip implantieren möchte. Das erinnert mich wieder an ein Gespräch 2011 über „technologische Möglichkeiten für die Zukunft“  mit einem bekannten Quantenphysiker. Er hat erläutert, dass ein kleiner Chip alle Funktionen eines Smartphone übernehmen kann. „Diesen Chip kann man auch implantieren, damit wir ihn nicht herumtragen müssen.“ Die Nackenhaare haben sich damals aufgestellt und schwer protestiert. Aber: Auf Twitter lese ich gestern, dass Claudia Reiterer mit einem Händedruck Micro-Chips „hineingedrückt“ wurden und sie es gar nicht gemerkt hat. Ganz ehrlich: Stoppt diese Gauner, die den Menschen ins „digitale Gefängnis treiben“.

Das Alte geht nicht mehr

IMG_1205„Das Alte geht nicht mehr und die Navigationskarte für das Neue ist noch nicht da.“ Gestern verbrachte ich mit dem renommierten Ökonomen Stephan Schulmeister im kleinen Kreis einen Vormittag zu den „aktuellen Entwicklungen“. Seine Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung basiert auf langfristigen Beobachtungen und einem unglaublichen Faktenwissen. Seine grundsätzliche Sichtweise, dass Arbeit – Realkapital – Finanzkapital immer zu unterscheiden sind und miteinander oder gegeneinander rittern, helfen mir schon seit längerer Zeit, die Dinge besser zu verstehen. Gerade weil in den 50er und 60er Jahren das Realkapital die einzigen Erträge abgeworfen hat, wurde das „Wirtschaftwunder“ möglich. Hayek und Friedman ist mit der Etablierung des Neoliberalismus eine unglaubliche Destabilisierung und im Nebeneffekt eine Entfesselung des Kapitalmarktes gelungen. Hayek soll einmal gesagt haben: „Entweder gibt es den freien Markt oder die Demokratie.“ Seit den 70er Jahren hat sich der Markt etabliert und als „Basis-Religion für alles“ bis in die letzten Winkel menschlichen Lebens eingeführt. Selbst eheliche Beziehungen werden heute nach den „Markt-Prinzipien“ gestaltet. Bildung, Gesundheit, Soziales und selbst Spirituelles muss „am Markt bestehen“. Manchmal lehne ich mich in Selbstreflexion zurück, nehme meine persönliche Markt-Brille ab und muss feststellen: Da ist einiges verzerrt.

Immer mehr aufs Gas steigen 

IMG_1210Viele Menschen spüren heute, dass sich diese Wege, die wir derzeit beschreiten, nicht einfach „weiterschreiben“ lassen. Schulmeister sagt ganz deutlich, was wir alle spüren und sehen: Die Politik versagt. Die Politik wurde zum Handlager der Marktgestalter, der Marktgewinner, der derzeitigen Eliten, der Oligarchen. Dagegen gibt es nach seiner Einschätzung derzeit auch kein adäquates Mittel. „Die Sozialdemokratie steckt in der Sackgasse und die Gewerkschaft ist uneins in dieser Sache.“ Schulmeister berichtet von seinen Erfahrungen, wie Gewerkschaften in der EU keinen gemeinsamen Faden finden, um dem “ groß kampagnisiert“ entgegenzuwirken. Er bedauert auch, dass die Kirchen ebenso keinen Faden finden, kein Gewicht haben. Aus meiner Sicht: In ihren unterschiedlichsten Sichtweisen sind sie zum Großteil schon Opfer des Marktdenkens, der Individualisierung zum Zwecke Marktbedienung. Heute lacht mir der Wiener Dompfarrer vom Titelblatt der Krone entgegen, der genau diese Eliten mit dem Gefühl umgibt, dass selbst Hochwürden ein engagierter Marktteilnehmer ist: „Toni Faber als Pater Bleifuß.“ Gas geben ist angesagt.

A new deal for europe

IMG_1203Wir haben dann auch eine Initiative angesprochen, die ich seit gestern ganz deutlich vor Augen sehe. Schulmeister selber hat diesen „NewDeal“ für Europa schon vorgeschlagen. Jetzt scheint das angekommen zu sein. Er selber sieht darin sogar eine verbesserte Version. Jetzt ginge es darum, dass dieser Deal kampagnisiert wird. Auf der Website lese ich: „Der europäische Einigungsprozess war sehr bedeutsam für unsere Länder. Der durch zwei Weltkriege verwüstete und verarmte Kontinent kam wieder zu Frieden und Wohlstand. Doch jetzt stößt die Europäische Union bei den von ihr zu bewältigenden Aufgaben an ihre Grenzen. Ein Umsteuern ist notwendig. Ein Europa, welches für Arbeitslosigkeit, prekäre und unterbezahlte Arbeit steht, für Einschnitte im Sozialsystem, wachsende Armut, wirtschaftlichen und sozialen Niedergang, zerstörte Hoffnungen, das können und wollen wir nicht länger hinnehmen. Wir fordern eine andere Politik der EU, soziale Solidarität, nachhaltige Entwicklung und partizipative Demokratie. Wir wollen ein Europa, das – mehr als ein gemeinsamer Markt – eine echte europäische Föderation ist, mit gemeinsamer demokratisch legitimierter Exekutive, die dem Europäischen Parlament verantwortlich ist, eigene Zuständigkeiten und Befugnisse hat und in der Welt „mit einer Stimme spricht“.“
Wie hat Hayek gemeint? Markt oder Demokratie! Der „Markt“ muss wieder Teilbereich der Demokratie werden, auch wenn die Navigationskarte dorthin noch nicht akkordiert ist.

 

Es fruchtet kein Denken ohne die Tat

900_IMG_0871Es gibt Bücher und Lieder, die treffen mich. Punktgenau. Derzeit ist es – wie schon einmal angedeutet – Konstantin Wecker. „Mönch und Krieger“ kann ich nicht diagonal lesen. Das braucht Zeit, Muße und ein immer wieder Herumschauen, ein in den blauen Himmel Hinaufblicken. Die Erfahrungen des Poeten und Liedermachers, den ich am 30. Juni hier in Wien persönlich treffen werde, sind eine herausfordernde Wahrnehmung von Gesellschaft und Ich, von Ich und Selbst, von Spiritualität und Welt-Sicht bzw Welt-Tun. Vor allem das Kapitel zu „Eine neue Politik braucht Spiritualität“ habe ich nicht nur ein Mal gelesen.

Einfach wieder schlendern

„Irgendwann kann man sich nicht mehr mit dem Trivialen beruhigen“, zitiert Wecker S. Kierkegaard. Wer die Welt heute genau anschaut und erspürt, wird dem zustimmen. Und dann schreibt er jenen Satz, den ich in meine Email-Signatur übernehmen werde: „Unzufrieden sein mit dem Leben, mit den Normen der Gesellschaft, mit der Unfähigkeit, Demokratie zu praktizieren, mit der schrecklichen Profilierungssucht und Gier, deretwegen wir die Erde und ihre Bewohner zerstören, ist erst einmal nicht ein Zeichen für einen psychischen Defekt, sondern der Beginn der menschlichen Intellegenz.“ Und dann sucht er die Ursachen dafür, warum die Gesellschaft so aus dem Ruder läuft: „Ich glaube, dieses Verdrängen der eigenen Wirklichkeit, der Spiritualität, ist hauptsächlich verantwortlich für die Unzufriedenheit unserer gegenwärtigen Kultur.“ Da sollten aber kirchliche Würdenträger nicht gleich aufatmen. Wecker meint hier nicht die „kirchlich gebundene Religiosität“, sondern das freie Durchatmen des Ego hinein in das Selbst, das uns alle verbindet. „Unsere Aufgabe ist es, Spiritualität – frei von esoterischen Vermarktungsmechanismen und Elfenbeinturmelei – zuzulassen, sie wieder zu entdecken und ins Diesseits zu befördern.“ Ich selber würde sagen: Das Diesseits dorthin zu öffnen, woher es kommt. Das Leben. Aus der Verbindung zum Transzendenten. Leben kommt uns entgegen.

Politik und die Stille

Wecker, der sich selbst eher im linken Lager daheim fühlt, schreibt, dass er sehr viele kennt, die politisch engagiert sind und sich zugleich offen zu Religion, Mystik und Spiritualität bekennen. „Wenn politisch engagierte Menschen sich immer wieder einmal Ruhe gönnen, nach innen gehen und sich mit dem sogenannten Bösen in sich selbst beschäftigen würden, könnten sie dadurch eine Befreiung von ihren Feindbildern erleben. Wir hängen alle so unauflöslich zusammen, dass es vollkommen sinnlos ist, uns gegenseitig die Köpfe einzuschlagen.“ Aus diesen Grunde ist es für politische Menschen unglaublich wichtig, immer wieder in die Stille zu gehen. Denn: „Nichts fördert geistige Unabhängigkeit besser, befreit gründlicher von Gier, Konsumsucht und Duckmäusertum als richtig verstandene Spiritualität.“ Was versteht er unter Spiritualität? „Spiritualität, wie ich sie verstehe, eröffnet vielmehr die Chance, sich selbständig zu revolutionieren, sein eigenes Denken permanent zu hinterfragen beziehungsweise es durch Stille und Schweigen erst zu entdecken.“ Es geht um neues Denken bis in die Tat hinein, aus einer Stille heraus und in der tiefen Verbundenheit mit allem Lebendigen. Ich bin ganz fest überzeugt, dass Jesus ein solcher spiritueller und kraftvoller Mensch war. Im Denken und im Tun.

 

Toni Knittel von Bluatschink über seine Inspirationsquellen

„In Wirklichkeit bin ich eine riesige Radar-Antenne“, meint Toni Knittel direkt am Lech stehend. Unser Themenschwerpunkt viel mehr wesentlich weniger hat mich für ein paar Stunden ins Lechtal geführt. Ich kenne Toni seit Jahren. Er ist für mich einer der begeisterungsfähigsten, tiefsinnigsten und humorvollsten Menschen, denen ich begegnet bin. Nach wie vor funkeln seine Augen, Neugierde ist seine Aura und die tiefe musikalische Berufung ist hörbar. Ich konnte nicht anders, als diesem Menschen meine #vierFragen zu #ganzOhr zu stellen. Wie er der Welt begegnet, ist fabelhaft.

Es ist die dritte Frage:
Wo liegen deine Inspirationsquellen?

Weckt die Welt – und Kirche auf

Pfingsten steht vor der Tür. Wer kirchlich sozialisiert ist, hört das Brausen des Windes, spürt die Erschütterungen, steht vor dem Durcheinander der Sprachen, merkt das nicht Verstehen können. Wehen und Schmerzen plagen den Menschen und die Welt. Es wird etwas geboren, Neues bahnt sich an, sucht den Weg. Es ist die Geburtsstunde des Neuen, „der Kirche“.  Das neue geistvolle, hinhörende, geschwisterliche und empathische Miteinander auf Augenhöhe bricht an. Zu Pfingsten. Toll. Überraschend für viele. Unvorstellbar in dieser heutigen Welt. „Mit dieser faden, alten und moralinsauren Kirche in unseren Breiten wird das nie gehen“, höre ich das gängige Klischee sagen.

Eine Ordensfrau begeistert Italien

sr.christina_raiEine 25 Jahre alte katholische Ordensfrau aus Sizilien ist die „Stimme Italiens“. Cristina Scuccia gewann Freitagnacht das Finale der Talenteshow „The Voice of Italy“ im staatlichen italienischen Fernsehen. Nach der Bekanntgabe ihres Sieges stimmte die Ursulinen-Schwester, deren erster Auftritt im März mittlerweile auf dem Videoportal „Youtube“ mehr als 50 Millionen Mal aufgerufen wurde, zur Verblüffung des Moderators auf der Bühne ein Vaterunser an und lud das Publikum ein, mitzubeten. Im Finale setzte sich die stimmgewaltige Sängerin in schwarzer Ordenstracht nach mehr als drei Stunden und fünf Gesangseinlagen gegen drei Mitbewerber durch. Zuletzt bot sie mit dem Hit „What a Feeling“ eine Show, die selbst Whoopi Goldberg, das filmische Urbild der rockenden Nonne aus „Sister Act“, alt aussehen ließ. Die Ordensfrau sang bis ins Finale Lieder, die die Themen der heutigen Menschen sind. Die Kathpress schreibt in ihrer Aussendung den Satz: „Auch auf ihrem Weg ins Finale sang Scuccia meist von Dingen, die im Leben einer Ordensfrau keine Rolle spielen sollten.“  Sollten? Klischee bedient. Dabei ist es genau umgekehrt: Diese Ordensfrau geht ganz selbstverständlich mit den Themen der Menschen heute um, weil sie ihren Weg gefunden und in ihrer Gemeinschaft Rückhalt hat. Gerade Ordensfrauen wissen über die Themen der heutigen Menschen sehr gut bescheid, von Krankheiten bis hin zur Prostitution. Aber: Das Klischee von der moralinsauren und faden Kirche schlägt wieder zu. Da gehört dann auch der Verweis auf den Gehorsam in der Kathpress-Meldung. Alles „in Ordnung“. Diese Sr. Cristina stellt sich in einen Kontext, der vielen Menschen und Medien heute wichtig ist. Mit Freude und Begeisterung singt sie. Der kirchliche Zeigefinger bleibt bei ihr unten. Wahrnehmen und da sein. Das ist es.

Dumpfe Mönche harren im Gebetwecker_900

Wer das Buch „Mönch und Krieger“ von Konstantin Wecker zur Hand nimmt, dort Seite 42 aufschlägt, wird Provokantes lesen, das auch in die Zeit vor Pfingsten gehört. Also vor Pfingsten, um die Geburt des Neuen voranzutreiben. Wecker sucht seinen persönlichen Weg zwischen Mönch und Krieger. Unglaublich Tiefsinniges und auch viel (Kirchen)Kritisches begegnet uns in den Liedern dieses Liedermachers und Poeten. Hier steht: „Es gibt in meinen früheren Liedern eine Menge religion
skritischer Aussagen. Einige dieser Zeilen handeln sogar von Mönchen: ‚Dumpfe Mönche harren im Gebet, sei totzufahren würde sich nicht lohnen.‘ Damit meinte ich aber nicht den Mönch im guten Sinn, den aufrechten Sucher, der sich durch Verzicht dem Wesentlichen annähert. Die ‚Mönche‘ in meinem Gedicht sind eher dumpfe Mitläufer in einem katholsichen System. An einer anderen Stelle schrieb ich: ‚Die Herren Götter danken ab, jetzt muss es gottlos weitergehen.‘ Es ging mir dabei aber immer nur um die Götzen, um jene, die Macht über uns ausüben wollen, indem sie uns zu einem falschen, kritiklosen Respekt nötigen. Heute wären diese „Herren Götter“ vielleicht Spekulanten oder Banker.“ Soweit Wecker.

Pfingsten als Erwachen

Pfingsten ist ein Erwachen. Wenn ich drei Worte an Pfingsten vergeben dürfte, würde ich sagen: hellwach – aufrecht – verbunden. Das ist die tiefe Sehnsucht der Menschen heute. Hört auf mit dem „Zubrüllen“ meiner Sinne. Schafft diese demütigenden „Zwischendecken und Membranen“ weg. Lasst uns doch vorbehaltlos und absichtslos begegnen. Das Leben ist doch kein Geschäftsmodell. „Ordensfrauen und -männer sind heute per se Transzendenz-Wegweiser “ habe ich dieser Tage einen Artikel auf ordensgemeinschaften.at getitelt. Sr. Cristina ist zu so einer Transzendenz-Wegweiserin geworden. Sie hat das freudig, leidenschaftlich und selbstbewusst auf die Bühne gebracht, was so viele Menschen sehnsüchtig erwarten. Weckt nicht nur die Welt, sondern auch „die Kirche“ auf.

 

 

Im digitalen Gasthaus sind Wanzen angebracht

Er hört in Echtzeit zu

Er hört in Echtzeit zu

Legendär ist der Ausspruch und die Einschätzung der Kabarettisten Michael Niavarani und Viktor Gernot im Programm Musterknaben zu Facebook: „Facebook ist Stasi auf freiwilliger Basis.“ Schon alleine die Tatsache, wie Nia seinen Laptop streichelt spricht über das Naheverhältnis zur digitalen Welt. Diese 12 Minuten sind ein kompaktes Lehrstück über das ambivalente Verhältnis von digitaler und haptischer Welt. Das Bild vom „digitalen Gasthaus“ hat mir immer geholfen, die Vorgänge, Einschätzungen, Entwicklungen, „Neu-Formatierungen des Menschen“ aus einer haptischen Erfahrung zugänglich zu machen. Sitzt wer 24 Stunden im Gasthaus? Wenn ein Siebenjähriger einen ganzen Tag alleine im Gasthaus ist, wird man ihn fragen: Wo sind deine Eltern? Das Gasthaus ist voller Gerüchte, schönen Erinnerungserzählungen, Halbwahrheiten und chaotisch in Gang gekommene „Habts schon ghört?“. Große Geschäfte werden im Extrazimmer angebahnt oder gar entschieden. Google muss jetzt Inhalte löschen, wenn der Nutzer es will. Aus einer Bibliothek kann ich ein Buch entfernen. Aus einem Gasthaus ein Gerücht? eine falsche Geschichte? Wer ins Gasthaus geht und sagt – „Das dürft ihr nicht mehr sagen“ – hat die Multiplikation der Verbreitung schon angestoßen.

Wanzen werden eingebaut und Mikros umgehängt

„BND will soziale Netzwerke live ausforschen“ – lese ich in der Süddeutschen. Und weiter: „Der (deutsche) Bundesnachrichtendienst will künftig soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook in Echtzeit ausforschen können, noch während die Nutzer aktiv sind. Bei der Begründung seiner Pläne macht sich der BND nach Informationen die Argumente der US-Geheimdienste zu eigen.“ Stopp: Was passiert da? Wie kann ich das erklären? Da kommt das Bild von digitalen Gasthaus wieder Anwendung. Ich weiß: Bilder sind Teilwahrheiten und doch treffen sie den Kern oft direkter als eine wissenschaftstheoretische Erklärung. Bilder und Gleichnisse lassen auch Raum für eigene Erfahrungen und Einschätzungen. Bilder zielen auf die persönliche Urteilskraft, auf das Gewissen. Was tut also der BND? Er hat mit den Streaming-Analysen das digitale Gasthaus „verwanzt“. In Echtzeit „hört und schaut er zu“. Den Gästen im Gasthaus wurde (ohne dass sie es merken) am Eingang ein Mikrofon umgehängt (also beim Hochfahren des digitalen Endgerätes). Das will auch Facebook in den Grundeinstellungen: Alles offen, Mikro ein und direkt über die Anlage des Gasthauses an alle übertragen. Das erklärt, warum es so wichtig ist, die Privatshpären-Einstellungen zu bearbeiten. Die „Profis“ lachen über solche „Klarheiten“. Vielen Endnutzern sind die „Implikationen der digitalen Welt“ nicht zugänglich, nicht bewusst oder sie nehmen sie in Kauf. Außerdem: Viele verlassen das digitalen Gasthaus und lassen das Mikro eingeschaltet. Oft bis ins Schlafzimmer. Der BND wird das Schnarchen hören und analysieren. Beim Kommunikationstag am 3. Juni 2014 in Wien werden ich am Podium diesen Zugang, dieses Bild, dieses Gleichnis zur Diskussion stellen.

 

 

Es kommt auf das Tun an

tau„Unsere Nachbarin Milica ist für mich ein Fenster zu einer anderen Welt geworden. Durch sie werde ich mit ganz anderen Kulturen des Miteinanders konfrontiert, als ich sie in meiner wohl sehr „elitären“ Welt kenne. Das ist nicht immer bequem, macht unser Haus aber ein Stück mehr zu einem Zuhause.“ Das lese ich im neuen TAU-Magazin unter dem Titel „In de Ferne zu Hause“ Seite 52. Irmgard Stelzer schildert eine Begebenheit mit ihrer Nachbarin, „die immer wieder da stand bei ihr“. Ihr selber wurde das oft zu viel. Aber sie hat sich der Welt der Nachbarin geöffnet. Daraus hat sich – von der Ferne betrachtet – eine wirkliche Beziehung im Sinne echter und verlässlicher Begegnung entwickelt. Dann wendet sich das Blatt. Diese Nachbarin kam ins Krankenhaus. Die Beziehung und Begegnung dreht sich um. Das Geben und Nehmen hat sich umgedreht. Irmgard Stelzer, die ich persönlich nicht kenne, schreibt: „Es tut gut, Gutes zu tun – und es ist sicherlich gut, wenn man sich um eine alte kranke Nachbarin kümmert. Dass ich das mache, war aber nicht meine Entscheidung. Milica hat mich gezähmt. Sie ist auf uns zugegangen von Anfang an – hat uns beschenkt und um Hilfe gebeten. Jetzt nimmt sie unsere Hilfe an ohne deswegen ein schlechtes Gewissen zu haben, dass sie uns nichts mehr geben kann.“
„Milica hat mich gezähmt.“ Und nach dem kleinen Prinzen „vertraut gemacht“. Das Geschenk dabei ist echte und tiefe Freundschaft, die „hält“. Es kommt auf das Tun an.

Es wurde (nicht) gewählt

_IMG_0619#EP2014 und #WählenGehen waren heute auf Twitter die vorgeschlagenen #Hashtags. Wahrscheinlich stand dahinter nochmals der „Aufruf“ oder die Motivation zur Wahl zu gehen. Ich finde es toll, dass ein Social Media Kanal wie Twitter das tut. Der Blick auf alle europäischen Ergebnisse ist noch nicht ganz frei. Die Endergebnisse liegen noch nicht bis ins Detail vor. Mit freiem Auge sichtbar ist die unglaublich niedrige Wahlbeteiligung. Schon am Morgen hat jemand auf Facebook gepostet (sinngemäßt): „Vor 70 Jahren haben Menschen im Kampf um das allgemeine Wahlrecht noch ihr Leben gelassen und heute geben wir dieses wieder freiwillig ab.“ Das war in den letzten Tagen oft auch meine Ansage an Menschen, die an der EU (ver)zweifeln. Der abgehobene Apparat macht schon sehr vielen Menschen zu schaffen. Dann wieder diese Versprechen und im Endeffekt wird es genau für diese PolitikerInnen schwer sein, sich gegen die „neo liberal geprägten wirtschaftlichen Eliten“ durchzusetzen. Dass irgendwo am Horizont im Zusammenhang mit der EU ein neues Denken und Bewusstsein sichtbar würde, wäre eigentlich das Gebot der Stunde.

Neue Wohlstandsmodelle

_Teich_0613Meine Nachmittagslektüre heute im sonnigen und etwas windigen Garten war das neue Dossier der KSÖ mit dem Themenschwerpunkt „Zeit für neue Wohlstandsmodelle“. Der Untertitel lautet „Perspektiven lebensdienstlichen Wirtschaftens“. Es geht darin im „Entschleunigung – und zwar schnell“. Unter Sichtweisen wird das Thema „Die Welt ist voll von Dingen, die niemand braucht“ aufgearbeitet. Dabei geht es um das längst fällige Grundeinkommen und die damit neue Zugehensweise des Menschen zur Welt und den Ressourcen. Alle denken dabei immer nur an das Geld. Es geht um ein neues Geldverständnis. Es ist genug da für alle. Der Sonntag ist wie die Demokratie zur verhandelbaren Ware geworden. Weniger arbeiten ist längst fällig. Besonders angesprochen hat mich der Artikel über „Grundzüge achtsamen Wirtschaftens“ vom Buddhisten Kai Romhardt. Wir werden ihn, wenn wir ihn bekommen, ins nächste ON übernehmen. „Arbeit und Leben neu denken“ ist die besondere Zukunftsaufgabe. Auch die neuen „Regenbogenfamilien“ finden hier Platz. Was ich mir wünsche: Dieser mit diesem Dossier angedeutete Weg in die Zukunft möge durch das EU-Parlament tatkräftigst unterstützt werden. Und diesem Dossier wünsche ich viele LeserInnen (Bestellung: margit.appel@ksoe.at )!