Mandela oder Geburtshelfer der neuen großen Koalition

Österreich ist wirklich klein, sehr klein geworden. Da sind in erster Linie die Quadratkilometer, die nicht wirklich groß nach oben ausschlagen. Mehr noch fällt in diesem Fall die „Mausperspektive“ ins Gewicht. Es ist die unglaublich überschätzte „kleine Selbstsicht“. Fast möchte ich das i durch ein u austauschen. Es ist die Selbstsucht.

Ein ganz Großer für den ganz kleinen Blick

mandelaDa stirbt ein ganz großer Mensch wie Nelson Mandela und die österreichische Republik ist ausschließlich mit sich selbst beschäftigt. Es gilt eine „große Koalition“ zu schmieden, das heißt zu flicken. Niemand von den vermeintlich „großen Köpfen“ unserer Republik findet die Zeit, für unser kleines Land das Haupt zu verneigen vor einem ganz großen Menschen. Es ist peinlich. Im heutigen Kurier lese ich als Begründung: „Nach langem Abwägen entschied sich die Kanzlei (des Bundespräsidenten) aber dagegen, um nötigenfalls hinter den Kulissen als Geburtshelfer der neuen Großen Koalition eingreifen zu können, wie es offiziell heißt. Auch die Nummer zwei in der heimischen Polit-Hierarchie, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, fiel aus – sie absolvierte einen Besuch beim EU-Neuling Kroatien.“ Dabei wäre der bewusste und lange Blick auf diesen großen Mann eine gute „Blickfeld-Erweiterung“ für die VerhandlerInnen einer recht „kleinen“ großen Koalition. An diesem Mann sind gelebte Werte und ist konkretes Tun sichtbar geworden. Ihn hat selbst das Gefängnis nicht erstarren lassen. Seine ganze Kraft hat er seinem Volk geschenkt, grenzenlos. Er hat nicht die Schützengräben vertieft und die Waffen der Apartheit verfeinert, sondern hat das Gemeinsame, die Solidarität ganz vorne hingestellt. Er hat einen Ausgleich begonnen. Auch wenn nicht alle Probleme gelöst wurden, so hat er eine weite, versöhnende und gerechte Perspektive und Blickrichtung initiiert. Mögen die Großkoalitionäre frei werden für eine wirklich tiefe Verneigung vor diesem großen Mann, Nelson Mandela. Er könnte sie aus der Selbstsicht befreien.

 

 

Dekalog der Gelassenheit in etwas unübersichtlichen Zeiten

JohannesXXIIIDa werden gerade Regierungsverhandlungen geführt. Sieben Punkte führt die eine Partei ins Rennen, die noch offen sind. Die andere Partei sieht sich beim Marathon schon im Stadion und weiß, dass da die Muskeln brennen. Ich habe den Eindruck, dass die Regierungsverhandlungen als „soteriologisches Geschehen“ inszeniert sind. Gelingt es nicht, geht Österreich verloren. Da tun dann Gedanken von Papst Johannes XXIII ganz gut, der er für sich „Vorsätze“ formuliert hat, die als „Dekalog der Gelassenheit“ bekannt geworden sind. Ich rate den PolitikerInnen und VerhandlerInnen, ebenso den Medienleuten und den MedienkonsumentInnen, sich so wie ich hinzusetzen, und den Dekalog abzutippen. Es beruhigt und lässt einen weiteren Blick aufkommen.

Ich tippe in die Tastatur.

1. Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

2. Nur für heute werde ich (das tippe ich jetzt dann als Nfhwi) große Sorgfalt auf mein Auftreten und vornehmes Verhalten legen. Ich werde niemanden kritisieren und nicht danach streben, die anderen zu korrigieren und zu verbessern – nur mich selbst.

3. Nfhwi in der Gewissheit glücklich sein, für das Glück geschaffen zu sein – nicht für die andere, sondern auch für diese Welt.

4. Nfhwi mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.

5. Nfhwi zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist die gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

6. Nfhwi eine gute Tat verbringen und ich werde es niemandem erzählen.

7. Nfhwi etwas tun, für das ich keine Lust habe zu tun. Sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass es niemand merkt.

8. Nfhwi fest glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten -, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

9. Nfhwi keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keinen Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist und ich werde an die Güte glauben.

10. Nfhwi ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: Hetze und Unentschlossenheit.

Abgetippt. Und jetzt jeden Tag einen Satz beherzigen.  Wir werden sehen.

Bei Katastrophenalarm gehe in den Wald oder in die Kirche

winterhoffMichael Winterhoff ist Psychiater und Autor von „SOS Kinderseele“. Bei der Ordenstagung 2013 in Wien hat er den Vortrag zum Thema „Was die emotionale und soziale Entwicklung unserer Kinder gefährdet und was wir dagegen tun können“ gehalten. Ganz kurz gesagt: Er geht von der Beobachtung aus, dass heute Eltern und Kinder in einer „Symbiose“ leben. Die Eltern verhalten sich zum Kind so, als wäre es ihr Arm. Und die Kinder umgekehrt. Diese enge Symbiose verhindert Entwicklung und damit in Folge Bildung. Hier ist der ganze Vortrag zum Nachhören.

Im Katastrophenalarm stabilisiert

Die meisten Menschen ruhen heute nicht in sich. Sie machen verschiedene Dinge gleichzeitig und überfordern so die eigene Psyche. So kommt es zum „Katastrophenalarm“, der aber als solcher gar nicht erkannt wird, weil die Psyche immer stabilisiert und damit diese ungesunde Situation nicht durchschaut. Die Psyche stabilisiert die Katastrophe. Störungen, negative Gefühle und überbordende Problemlagen sind die Folge. Der Mensch sieht nichts mehr, eben auch keine Lösungen. Hier macht Winterhoff zwei entscheidende Vorschläge. Sind sie im Katastrophenalarm, dann gehen sie 4-5 Stunden in den Wald. Ohne Hund, nicht joggen, kein Handy, nur gehen. Nach 2-3 Stunden sind sie in einem anderen Zustand. Sie nehmen sich wieder wahr, sie sehen den Wald, positive Gefühle kommen auf, ja bisweilen Glücksgefühle. Die vorherigen Probleme gehen auf Distanz. Sie lassen sich lösen. Das ist das Waldexperiment. Winterhoff schlägt aber auch das „Kirchenexperiment“ vor. Setzen sie sich 45 Minuten in eine Kirche. Nicht beten sondern einfach nur da sein. Am Anfang ist es fast nicht zum Aushalten. Tun sie das aber mehrmals, tritt dieselbe Wirkung wie im Wald ein. Winterhoff merkt etwas kritisch an, dass der Wald im Gegensatz zu den Kirchen immer offen ist. Er sieht aber in dieser heilsamen Wirkung der Kirchen die Chance – und meint die tiefe Stille dieser Räume.

Neugierig?

Hier ist der Vortrag zum Nachhören und die beschriebenen Passagen. Das Waldexperiment  ist ab Minute 1:17:00 und das Kirchenexperiment ab Minute 1:22:00 zu finden.  Ziel ist immer, aus der „entwicklungsbehindernden Symbiose“ herauszukommen. Ich meine: Spannend und anregend.
Übrigens: Winterhoff ist am 22. Jänner 2014 im Bildungshaus Schloss Puchberg.

 

Gesund und schmutzig im Advent

Advent 2013Als 24-köpfige Pilgergruppe sind wir auf der Via Porta in Thüringen unterwegs. Es ist kalt und abends kommen wir in der damaligen „Todeszone“ in ein Gasthaus. Spechtsbrunn steht am Ortseingang. Dort erwarten uns herzliche Wirtsleute „Am Rennsteig“. Das Schild nebenan hängt über der Theke. „Dieses Haus ist ausreichend sauber, um gesund zu sein und schmutzig genug, um glücklich zu sein.“

Schmutz und Glück? 

Der Wirt hat in seiner Situation nach der Wende das Beste aus dem Haus gemacht. Es war sauber, nicht modern. Es war vor allem persönlich gefüllt, mit Interesse, Offenheit und ganz tiefer Gastfreundschaft. Früher waren 10 Mal so viele Gäste da. Es war die Todeszone. Das „ganze Leben“ traf sich hier, wie der Wirt meinte. Der Spruch spricht Dinge an, die uns alle betreffen. Das „Haus“ steht für das Daheim, Geborgenheit, eine Höhle, in der ich sein darf. Das „Sauber“ steht für Ordnung, damit die Seele nicht verwahrlost, sondern aufgerichtet wird auf eine besondere Zukunft hin. Das „Gesund“ steht für Stabilität und Gestaltungsmöglichkeit im Leben. Das „Schmutzig“ ist in diesem Falle der Aufschrei gegen diese klinische Sauberkeit, die heute oft das Leben selbst tötet. Das „Glücklich“ ist die tiefste Sehnsucht eines jeden Menschen. Das „gelungene Leben mit dieser übergroßen Portion Zufriedenheit“ haben die meisten ins Navi des Lebens als Zielort eingegeben. Wir gehen auf Weihnachten zu.

Ich lade sie ein: Stellen sie sich dieses Schild über der Krippe von Bethlehem vor. Ich glaube, die Gastwirtin hat es von dort geholt.

Profil zeigen im öffentlichen Raum

ProfilBei der Jahrestagung der Katholischen Privatschulen in Oberösterreich (Ordensschulen und Diözesanschulen) habe ich den Vortrag „Profil zeigen im öffentlichen Raum“ vor DirektorInnen, SchulerhalterInnen und Lehrenden und ElternvertreterInnen gehalten. Diese Power Point (PPT) habe ich als „Faden“ durch die Ausführungen, Erzählungen und Aktionen verwendet.

Meine Kernanliegen ganz kurz zusammengefasst

Profil ist Sache aller handelnden Personen.
Die Körpersprache ist ganz mächtig und Papst Franziskus ein gutes „Anschauungsbeispiel“.
Transparenz, Offenheit und Augenhöhe sind zentrale Aspekte.
„Entlastung“, weil Leben nicht nur in den Medien stattfindet.
Unser Denken schafft unsere Realitäten. Glaube ist denken und handeln in Offenheit auf Gott hin.
JournalistInnen sind PartnerInnen und nicht Gegner.

Außerdem: Warum muss immer alles gelingen?
Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke.

Profil zeigen im Öffentlichen Raum (PPT)

Das zahlt dir doch keiner

Es ist schon finster. Am Heimweg liegt ein Mexikaner, der wunderbares Jambalaya kocht. Das schmeckt nicht nur gut, sondern lässt Erinnerungen an meinen New Orleans Aufenthalt im November 2011 aufkommen. Diese Erinnerungen sind immer noch nährend und lebendig vor mir. Noch dazu gibt es den ganz aktuellen Link auf die Philippinen und wie dort mit dem Desaster umgegangen wird. Ich sitze alleine und deshalb sind meine Ohren geöffnet. Ich habe es mir auferlegt, dass ich beim Essen esse. Das hält alle Sinne offen. Das Lokal war gut gefüllt und neben mir sitzen drei Damen, die mit selbstbewusster Stimme sprechen. Ich bin nicht mehr ganz bei mir, als eine der drei Frauen den Satz „Das zahlt dir doch keiner“ ausruft.

Die Ökonomie hat die Bildung im Griff

wingsDas Gespräch ging neben mir weiter und es viel immer schwerer, beim Essen zu bleiben. Es ging um Vermietungen und Wohnungsadaptierungen. Die Kosten dafür sollen voll auf den Mieter übergewälzt werden. Es war die Mutter, die die Tochter warnte, „nur ja nichts zu tun, was dir keiner mehr bezahlt“. Die Tochter hörte und war hörig. Die „beliefs“ für das harte Leben wurden gerade geschärft: Ganz gleich welche Kosten anfallen, immer den anderen zahlen lassen. Ich klinkte mich so gut es ging wieder aus. Nach der Bezahlung bekomme ich mit, dass sie beraten, wer die Rechnung nimmt „für die Finanzministerin“. Meine Gedanken waren aber schon weiter gegangen. „Das zahlt dir doch keiner“ hat ganz andere Kontexte gesucht. In der Pfarre habe ich das nie gehört. Beim Sportverein war das nie Thema. Und ich denke an die Lehrerinnen und Lehrer, die zum weitaus größten Teil (Wer ist 100%-ig?) diese Frage bisher auch nicht kannten. Da wird vorbereitet, das Wohnzimmer ausgelegt, die Familie zum Sammeln von Unterrichtsmaterial eingesetzt, mit dem privaten Handy telefoniert und das Auto wird selbstverständlich als Transportmittel verwendet. Der Sonntagsausflug geht dorthin, wo der Schulausflug hingehen wird. „Das zahlt dir doch keiner“ höre ich es wieder in der Auseinandersetzung der drei Frauen, die sich als Oma, Mutter und Tochter entpuppen und das Lokal verlassen. Das Lehrerdienstrecht steigt auf. Ich kenne es nicht im Detail, sondern aus der Sicht von Betroffenen. Bildung ist die Zukunft, höre ich es immer wieder. Ich bekomme im Büro mit, wie viele LehrerInnen in Ordensschulen jenseits von Bezahlung arbeiten. In den Medien höre ich nur monetäre Aspekte. Die Regierung, die Gewerkschaft und die Stundenanzahl sind die „Power-Wörter“, die vielen schon auf die Nerven gehen. Es geht ums Geld. Das ist die Körpersprache dieser Diskussion. Es geht ums Geld. Ich bin mir sicher, LehrerInnen werden das lernen: „Das zahlt dir doch keiner.“ Die SchülerInnen werden es spüren und die Eltern werden es ausbaden, dass die hohe Ökonomie die Ober-Bildungsministerin geworden ist. Ich muss es ein siebzehntes Mal betonen: „Die Flucht aus der Excel-Zelle muss gelingen„. Die Furche schreibt heute: „Das neue Lehrerdienstrecht setzt nahtlos die seit Jahrzehnten betriebene Demontage des Schulsystems fort und fügt sich bestens in ein gesamtgesellschaftliches Bild.“ (Seite 1). Im Standard von heute sitzt die Bildungssprecherin der Grünen twitternd im Parlament und erklärt im Interview ein paar Seiten weiter. „dass die Freiheit der Forschung längst verloren ist.“ An die Stelle Gottes ist getreten: „Das muss sich rechnen.“ Lenzing entlässt hunderte MitarbeiterInnen, weil der Gewinn geringer ist. Der Gewinn, wohlgemerkt. „Verzichten wir doch auf Kontrolle“ hängt im Büro hinter mir und es ist die Seite 14 aus dem Falter  45/13. Der Philosoph Martin Hartmann sagt auf die Frage: Macht Qualitätsmanagement stets besser?: „Nein“. Aber: Studien und Excel-Listen werden bezahlt. „Das zahlt dir doch keiner“ gilt hier nicht.

 

Wie wir bei Lamento gehalten werden

„Leben statt Lamento“ war ein Buch, das ich vor etwa 15 Jahren mit großem Gewinn gelesen habe. Da steht man um die 40 vor der allseits ausgerufenen und notwendigen „midlife crisis“ und das heißt landläufig: jammern, sudern, sich bedauern, in der Opfer-Kiste wühlen. Der Titel des Buches geht weiter: „Männer auf der Suche nach sich selbst“. Wolfgang Müller-Commichau ist der Autor. X-mal habe ich das Buch hergeborgt und das bringt es mit sich, dass es heute nicht mehr auffindbar ist. Entweder es tut irgendwo gute Dienste, was ich hoffe, oder es macht in einer Privatbibliothek 2 Zentimeter.

Lamento als Lebensgefühl

lamentoSo kann ich nicht mehr nachschlagen, sondern nur mehr in der Erinnerung an das Buch wühlen. Mitgenommen habe ich, dass Männer um die 40 sich ganz massiv hinterfragen. Das finde ich persönlich schon einen Gewinn. Andere wieder finden es zum Jammern, wenn wichtige Fragen auftauchen wie: War das alles? Was mache ich wirklich? Ist das das Leben? Geht das jetzt noch einmal so lange weiter wie bisher? Bin ich in der Beziehung eigentlich glücklich? Wo sind die Kinder hingekommen? Wo kommt dieses Wehwehchen her? Verdienen die anderen nicht viel mehr? Warum verliere ich neuerdings bei Tennis dauernd? Jetzt redet der Augenarzt von Gleitsichtbrille? Eben: Lamento ist angesagt. Das Leben ist mit den Jahren schwer geworden. Das wird angeblich dem 40-Jährigen so richtig bewusst. Es passt einfach nichts mehr so recht zusammen. Auch die Hose passt nicht mehr und der Atem ist nicht mehr als jugendlich einzustufen. Arm bin ich geworden, sagen viele. Eben: Lamento.

Leben und gestalten

Wenn ich heute in die Politik, in viele Institutionen und in die Kirche schaue, dann kommt mir vor, wie wenn sie gerade den 40-er feiern würden. Ich muss jetzt vorsichtig sein, denn die beschriebene Wirklichkeit ist der Ausdruck der Sichtweise des Betrachters. Ich bin keine 40 mehr und Lamento . Ich werde aber den Eindruck nicht los, dass wir in vielen Bereichen bei Lamento gehalten werden. Es darf keine Zufriedenheit aufkommen. Lamento statt leben ist die Devise. Der Mensch soll in seiner Unzufriedenheit als Konsument  brav weiterhecheln und nur ja nicht sagen: Leben statt Lamento. Die Werbung sagt mir täglich: Du hast noch weit nicht alles. Du brauchst aber alles. Ich gehe hier in Wien an den Geschäften vorbei, wo eine Handtasche 2.300.- EUR kostet und das Kleid im Schaufenster mit 3.100.- EUR angeschrieben steht. Wenn ich nicht wüsste, wozu Schaufenster gut sind, dann würde ich ins Lamento verfallen. So weiß ich. Leben statt Lamento. Im Schaukasten sehe ich das, was ich zum Leben nicht brauche. Zusammensitzen mit der ganzen Familie, die Urlaubsbilder anschauen, beim Heurigen einfach gemütlich und essen und trinken und dem einfachen Leben auf der Spur sein. Ich bin schon gespannt, was unser thematischer Schwerpunkt bei den Ordensgemeinschaften mit mir selber machen wird: viel. mehr. wesentlich. weniger. Das ergibt Kombinationsmöglichkeiten, die Lamento bewirken und andere, die Leben lassen. Vom Lamento zum Leben. Einfach so.
Übrigens: Das Buch kann ich auch heute noch weiterempfehlen an die 40-Jährigen.

 

 

Das ist alles recht fragil

Der Franziskaner Franz Lackner wurde vom Domkapitel zum Erzbischof von Salzburg gewählt. Das weiß Österreich seit gestern Abend von der Kronenzeitung. Woher die Kronenzeitung das weiß, weiß niemand außer die Kronenzeitung. Was sicher ist: Nuntius Zurbriggen hat dem Domkapitel in der Vorwoche bei der Bischofskonferenz das Kuvert übergeben. Erzbischof Kothgasser hat von der Annahme seines Rücktrittsgesuches absolut niemanden erzählt. Ob das Domkapitel am Sonntag gewählt hat, „bestätigt“ niemand. Ein befreundeter Journalist einer namhaften österreichischen Tageszeitung erzählt mir am Telefon, „dass absolut niemand abhebt“. Schweigen. Das findet statt, wenn ein „partizipativen Prozess“ (Wahl aus einer Dreierliste) auf einen „autokratischen Vorgang“ trifft. Das „Geheimnissvolle“ steht bei Medien ganz oben bis hin zur „Skurilität“.

Transparenz auf Augenhöhe

Christian Jungwirth, www.bigshot.at

Christian Jungwirth, www.bigshot.at

Der SN-Artikel „Analyse: Üble vatikanische Bürokratie“ ruft schon Widerspruch hervor. Die Medien, die nach dem Prinzip „News“ ticken, werden jetzt wieder die „Schuldigen“. Sobald etwas geheim gehalten werden muss, hat es den größten Drang in die Öffentlichkeit. „Sag es aber niemanden weiter“ ist quasi die Garantie, dass etwas weitergesagt wird. Nehmen wir hier auch kurz die Regierungsverhandlungen herein. Schweigen und seitenweise Berichte. Ich frage mich: Warum können die drei Kandidaten am Tag der Wahl nicht nach Salzburg kommen, damit sie befragt werden können, ob sie annehmen oder nicht. Dann wäre es ganz einfach, weil nach der Wahl das Ergebnis und der Kandidat sofort bekannt gegeben werden könnte. Vorher wird mit dem Nuntius telefoniert. So könnte die Transparenz auf Augenhöhe wirkliche Partizipation bei den KatholikInnenn auslösen. Aber: Eine ganze Diözese ist ohnmächtig, etwas versüßt durch die Möglichkeit der Wahl durch das Domkapitel. Aber was war das für eine Wahl? Krenn, Laun und Eder. Wir kennen das. Ich wünschte den Diözesen mehr von dem, was ich bei den Ordensgemeinschaften erlebe, wenn dort Leitungsverantwortung  gesucht und weitergegeben wird: Gewählt und gilt. Der jeweilige Bischof und Rom wird davon informiert. Ausnahmen bestätigen die Regel: die Jesuiten. Es ist zu wünschen, dass die „Geheimniskrämerei“ bald ein Ende hat, damit das Bischofsamt selber nicht zu viel darunter leidet. Bischof wird man für die Menschen und nicht für den Vatikan.