Wir verlassen uns auf die Experten

Im Ö1-Gespräch hat heute 13. Feber 2014 der Staatssekretär für Finanzen einen wachrüttelnden Satz gesagt. „Wir verlassen uns ganz auf die Experten“. Das Gespräch ging um die 13-19 Hypo-Milliarden. Er konnte eigentlich nichts sagen außer: Wir verlassen uns. Natürlich beunruhigt das. Persönlich habe ich „gelernt“, dass Experten (es sind meist nur Männer) eigentlich Interessenträger sind. Es gibt nur ganz wenige, die einen „ungeschminkten Blick“ vorweisen können. Das fängt damit an, dass die Expertisen teuer vom Auftraggeber bezahlt werden. Und wer will sich den Geldfluss schon abschneiden durch den Satz: „Wir glauben.“ Expertise ist keine Wissens- sondern zur Glaubensfrage geworden. Das werden natürlich Experten vehement ablehnen, weil sie ja „wissen, was Sache ist“.  Zwei Berichte zeigen, dass die Hohenpriester der Ökonomie vielleicht demütiger und in ihren Aussagen relativer werden sollten.

1934

ORF Religion bringt eine Arbeit von Rupert Klieber zu den Ereignissen von 1934 und der damaligen Rolle und Einschätzung des Vatikan zu den Vorgängen und Ereignissen. Der Papst Pius XI hat auf die „Experten der Nuntiatur“ gehört und heute wissen wir, dass es auch damals Interessenträger warem mit dem Ergebnis: „Damit habe der Vatikan „aktiv eine Politik gefördert“, die politisch, moralisch und pastoral „ein schwerer Fehler“ gewesen sei, so der Kirchenhistoriker. Hintergrund für die fatale Fehleinschätzung seitens des Heiligen Stuhls sei ein „sehr reduzierter Blick auf das Geschehen in Österreich“ gewesen. So zeugten die Nuntiaturberichte und Expertisen einzig von der Beschreibung eines angeblichen „Kulturkampfes um Wien“ und einem Niedergang traditioneller – katholischer – Werte und Überzeugungen.“

Griechenland

Der junge Valentin Schwarz schreibt im Blog „Arbeit und Wirtschaft“ am 13. Feber 2014 den Beitrag „Als Österreich Griechenland war“ und listet die Parallelitäten von damals und heute beeindruckend klar auf. Auch damals waren „Schlagworte“ wie Nulldefizit (meint: der Staat fährt zurück) oder „Demokratieabbau“ (meint: Entscheidungen fällt nicht Regierung und Parlament). Im Blog lese ich: „Zu beiden Zeiten gilt: Während die breite Bevölkerung leidet, werden die Interessen der Eliten geschützt.“ Das damalige Leid war sicher augenscheinlicher, aber Prekarisierung findet heute ebenfalls überall statt. Die „Glaubenssätze“ der Experten waren damals nicht zutreffend und sind heute sogar als falsch entlarvt.  „Eine ähnlich fatale Rolle spielen ExpertInnen in der heutigen Krisenpolitik: Austeritäts-BefürworterInnen berufen sich gerne auf eine Studie der Harvard-ÖkonomInnen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff, der zufolge das Wachstum ab einer Staatsverschuldung von 90 Prozent des BIP einbreche. So argumentiert etwa der für die Troika-Programme zuständige EU-Kommissar Olli Rehn, dass der Schuldenabbau auch dann oberste Priorität haben müsse, wenn das katastrophale soziale und ökonomische Folgen habe. KritikerInnen, die eine solche Formel für Unsinn halten, werden im April 2013 bestätigt: Eine Überprüfung der Reinhart/Rogoff-Studie ergibt, dass ihre Rechnung auf unvollständigen Daten basiert und die 90-Prozent-Regel falsch ist.“ Was soll ich als Steuerzahler und Gemeinwesen-Mitglied von Österreich nun glauben?

Intuition

Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit Anton Zeilinger in Gmunden im Jahre 2011. Es ging darum, wie Politik im Sinne einer tiefen Demokratisierung gestaltet und verbessert werden kann. Zeilinger hat damals zwei Vorschläge gemacht, „die überhaupt nichts kosten“. Konkret meinte er: „Ghostwriter abschaffen und im Parlament nur dann aufzeigen, wenn du die Sachlage verstanden hast.“ Bei den Umstehenden war Unbehagen spürbar. Einer artikulierte dann den Widerspruch. „Wir müssen viele Reden halten und außerdem können wir die Unmenge an Gesetzen oft gar nicht einmal lesen geschweige verstehen.“ Zeilinger ließ nicht locker und ergänzte: „Wenn die Oberen selber aus sich nichts zu sagen haben, dann sollen sie zuhören. Und im Parlament würden vielleicht intelligentere Leute sitzen, die leichter verstehen.“ Das Thema wurde gewechselt. Bei mir ist diese kurze Episode heute noch lebendig, „weil sie etwas hat“. Es wird für politisch Verantwortliche notwendig sein, sich nicht einfach den rational agierenden ExpertInnen sprich InteressenträgerInnen (es sind aber vor allem Männer!) auszuliefern, sondern mehr in sich hineinzuhören, der eigenen Intuition Platz und Raum zu geben und vor allem auf das Volk, die einfachen Menschen und hier die am Rande zu hören. „Ganz Ohr sein und Intuitionen zusammenlegen“ wäre mein Ansage. Das klingt in der rationalen Zahlenwelt der Banken wie eine „Glaubensstunde“. Vom Gehen weiß ich: Zuerst spürst du, dass du falsch bist und dann siehst du es. Die Frage ist: Wann kehrst du um.

 

Weltanschauen in den Karpaten in Rumänien

WassertragenIch höre noch immer die monotonen nächtlichen Zuggeräusche, obwohl ich seit Stunden nicht mehr im Schlafwagen liege. Immer wieder taucht der Wasser tragende Bauer auf. Neun Tage „Weltanschauen“ in Siebenbürgen in Rumänien, in den Karpaten und in Kronstadt (Brasov) liegen hinter mir. Meine sechszehn Mitreisenden haben von Wien-Meidling angefangen bis Linz unser gemeinsames Reisemittel Zug verlassen. Alle Gesichter haben beim Abschied einen zufriedenen, mit Eindrücken, Begegnungen und Erfahrungen genährten Eindruck gemacht. Die Zugfahrt hat der Seele Platz und Zeit gegeben, das „Erfahrene“ schon etwas zu ordnen. Zumindest mir ist es so ergangen. Nachhaltig reisen war und ist unser Ziel. Unser vorgenommenes Programm und unsere Winterwanderungen haben wir alle gemacht, „ohne dabei ein Programm erfüllen zu müssen“. Es kam uns irgendwie entgegen. Schauen,  hinhören, bewegen, gut essen und ausruhen haben eine gute Balance gefunden. Lachen und Spaß war immer dabei.

Die einen gehen und andere kommen

Beatrice UngerIm Wissen, dass keine Tastatur eine solche Woche einfangen kann, möchte ich ein paar Themen- und Erfahrungsfelder hier festhalten – nein: andeuten. Es sind behutsame Hinweise für uns, die wir gemeinsam dort waren, und jene, die sich diesem weiten Land Rumänien, den Karpaten und Siebenbürgen stellen wollen. Heute. 2014. In den Begegnungen und Gesprächen haben sich uns Erfahrungen und Einstellungen gezeigt, wurden für mich zugänglich, die ich nicht so schnell „ad acta“ legen kann und möchte. Ob wir bei der Stadtführung in Hermannstadt mit Beatrice Ungar, einer wirklich kompetenten Journalistin der „Hermannstädter Zeitung„, oder mit Frau Renate im „ehemaligen“ Landlerdorf Neppendorf oder mit unseren Gastgebern Katharina und Hermann Kurmes in Magura ins Gespräch kamen, war für mich das tiefste Thema immer wieder „gehen und / oder bleiben“. Ein Landlerdorf hat sich von 4.000 Menschen auf weniger als 60 reduziert. Ein Museum bleibt der Zeuge für den immerwährenden „Aufbruch“.Udo Krauss Udo KraussTeppichkaufOder wenn Udo, unser lokaler Guide und als „Sachse“ ein Rückkehrer aus Deutschland nach Rumänien, immer wieder fallen lässt, dass ein Viertel aller Rumänen (4-5 Millionen) in den letzten Jahren das Land verlassen hat, dann versteht man diesen „vagabundieren Charakter der Städte und Dörfer“ in diesem landschaftlich so wunderbar schönen Land. Die einen wurden vertrieben und die anderen angesiedelt. So habe ich nicht nur die neuere Geschichte dieser siebenbürgischen Gegend erlebt.

Produkte und Arbeit aus dem Ort

SchnapsbrennenWir sehen am Abend einen ARTE-Film über Bären, Wölfe, Hirten, Schafe und aus meiner Sicht – Commons. Die unglaublichen Weiten der Wälder und Bergwiesen werden von den Hirten genutzt für ihre Schafe. Ihnen gehört das Land nicht, aber sie nutzen es zusammen mit den Wildtieren mit ihren Schafen. Angriff und Verteidigung treffen hier täglich bzw nächtlich aufeinander. Katharina und Hermann Kurmes von der Villa Hermani im Bergdorf Magura, wo wir untergebracht waren und bestens versorgt wurden, kamen über Schutzprogramme für Bären und Wildtiere in dieses Gegend des Nationalparks rund um den Königsstein. Sie haben sich entschieden, hier zu bleiben und im Bereich „Öko-Tourismus und lokale Gastronomie“ sich zu engagieren. Ihre Geschichte zu hören ist eine „Mut-Injektion für alle, die überlegen, Neues anzugehen“. Alle ihre zehn Angestellten und Partner kommen aus dem Dorf, wo am frühen Morgen weit vor 6 Uhr etwa 40-50 Personen zu Fuß über 2 1/2 Stunden in die Arbeit ins Tal hinunter gehen. Mit der Villa Hermani haben Menschen und hier vor allem Frauen einen Arbeitsplatz in unmittelbarer Nähe. Nicht nur das: Alle Produkte wie Käse, Butter, Fleisch, Gemüse usw stammen aus den einfachen Bauernhäusern aus dem Dorf. Bei unserem 5-stündigen Rundgang durch diese Gegend kommen wir zu einem Haus, wo gerade ein Schwein geschlachtet wird. Ein anderer Bauer brennt Schnaps auf einfachste Weise im Freien. In mir werden alle Kindheitserinnerungen vor 40-50 Jahren „von uns daheim“ wachgerufen. Am letzten Abend danke ich unseren Gastgebern im Namen aller für diesen „prophetischen Dienst“ hier in dieser Gegend in Zusammenarbeit mit den Menschen. Es gilt auch für sie: „Sie säen, pflegen und andere werden ernten.“ Sie sind unglaublich engagiert, initiativ und strahlen Zukunft aus. Echte Profis.

Annäherungen im Gehen

Hinüber nach BranGehen war 4 Tage unsere Annäherungsform. Ob es die steile Gegend von Magura und Pestera (Nachbardorf) war, der Übergang hinüber nach Bran zum „Dracula-Schloss“, der Gang durch die Schlucht hinauf zur Hirtenhütte und zur Berghütte am Fusse des Königsteins oder schließlich das Hinübergehen nach Wolkendorf, es waren immer um die 6 Stunden Gehen. Es war natürlich eine für mich als „Geher und Pilger“ die wunderbarste Annäherung. Herbert aus unserer Gruppe mit seinen 80 Jahren hat es genauso genossen wie alle anderen. Gehen verbindet und zieht einen mit. Der Zusammenhalt war wie ein „inneres Band“ in der Gruppe spürbar. Genau das habe ich in den Begegnungen vermisst. So unglaublich stark und strukturiert die „Nachbarschaften“ bei den Sachsen in Siebenbürgen war, so wenig scheint mir der Zusammenhalt unter den Rumänen heute zu sein. Es sind Individualisten und die Verantwortung für das Gemeinsame wurde im Kommunismus ordentlich zerstört. Hermann erzählt, wie sie selbst immer wieder mit den Angestellten den allgemeinen Weg für alle freiwillig gerichtet haben. Jene, die mitgeholfen haben, wurden im Dorf ausgelacht. Bis heute ist Korruption und Unfähigkeit das Markenzeichen der Verantwortlichen. So stark das Commons- und Gemeingüter-Bewusstsein vor dem Kommunismus über Jahrhunderte war, so eindringlich wurde es durch das Ceaușescu-Regime ausgelöscht. Hier wurde aus meiner Sicht ein Stück Urvertrauen zueinander und zum Gemeinsamen fundamental vernichtet. Die Freiheit heute ist noch keine Freiheit zur Verantwortung. Wir stehen an einer Fahrweggabelung. Ein Pferdefuhrwerk „rast“ durch unsere Gruppe und wir sind erstaunt ob dieser Rücksichtslosigkeit. „Auch typisch“, meint unser Guide. Das erleben wir allerdings nur einmal. Jeder schaut, dass er sich selber durchbringt.

Die Arbeit und die Umgebung

3_IleanaAm Weg „hinüber“ nach Bran treffen wir auf über 1.200 m einen kleinen Bauernhof mit 9 Kühen. Die 83-jährige Bäuerin Ileana bittet uns gleich hinein in ihre kleine Stube. Alle 17 haben wir nicht Platz und so rasten einige in der Sonne vor dem Stall. Die Tür ist mit Kuhmist abgedichtet. Es ist windig und kalt hier heroben. Die Frau macht eine lebensfrohen Eindruck. Ich frage sie, was sie heute „den Jungen“ als Lebensweisheit mitgeben möchte. Sie hebt die Schultern und schüttelt den Kopf. Sie kann und will dazu nichts sagen. Das Wasser holt sie 15 Gehminuten unter dem Haus bei einem Brunnen. Im Winter schmilzt sie Schnee. Da erspart sie sich das mühsame Tragen. Die Kübel stehen beim Ofen. Der etwas jüngere Mann ist heute ins Dorf hinuntergegangen. Ich lasse nicht locker mit meinen Fragen. Schließlich meine ich, dass hier ein Mensch vor mir sitzt, der resilient allen Widerungen des Lebens getrotzt hat und nicht mürrisch wurde. Ich probiere es nochmals: „Was hat sich bewährt in ihrem Leben? Was ist wichtig?“ Sie wieder ganz kurz: „Die Arbeit und die Umgebung.“ Und sich lächelt. In mir höre ich: Eine als sinnvoll erlebte Arbeit, die nie leicht war und die Umgebung hier in der Natur. Das ist es für diese Frau. Wir gehen den Weg hinunter ins Tal. Mehr als 700 Höhenmeter. Eine Bäuerin kommt uns mit zwei Taschen herauf entgegen. Hier kann nur der Mensch, das Pferd und Vieh unterwegs sein, auf diesem Pfad. Beeindruckend einfach und beschämend, welche Pfade Menschen sich anderswo zum Leben schaffen. Mit dem „Budget-Pfad“ hat das absolut nichts zu tun, außer dass diese Pfade so steil bleiben, weil sich woanders Menschen mit dem gemeinsam Geschaffenen „Bequemlichkeits-Pfade“ bauen. Hier ist ein Pfad, aber kein Budget. In Gedanken bin ich nicht nur in Rumänien.

Dorf von obenSibiuBaumkuchenNach WolkendorfWeltanschauen
Villa Herrmani 

Der Frosch im Wasserglas

Ein Frosch sitzt im Wasserglas. Er ist frisch und munter. Das Wasser kühl  und anregend.  Stellt jemand das Wasserglas auf eine wärmenden Fläche, so wird sich das Wasser erwärmen. Der Frosch selber merkt das anfangs gar nicht. Er wird nur müde und kann sich schließlich nicht mehr aus dem heißen Wasser befreien. Er hat nicht bemerkt, dass seine Sprungkraft durch die Erwärmung geschwunden ist. Wirft man einen Frosch hingegen ins heiße Wasser hinein, so kann er sich spielend leicht mit einem kräften Sprung selber befreien. Was sagt uns das Experiment? Es gibt „schleichende Prozesse“ in unserer Lebensumgebung, die wir durch das „satte Drinnen-Stehen“ gar nicht merken., obwohl sie uns urteils- und handlungsunfähig machen. Im empfehlenswerten Film „Das radikal Böse“ zeigt Stefan Ruzowitzky das „Konformitätsexperiment“. Eine vorbereitete Gruppe zeigt ganz bewusst auf die falsche Lösung eines Vergleichsbildes. Der Probant schließt sich dieser falschen Meinung an, obwohl  sie „offensichtlich“ falsch ist. Was sagt uns dieses Experiment? Eine Lösung, Meinung oder Einschätzung muss noch lange nicht richtig sein, auch wenn alle „hinzeigen“. Eine gewisse Distanz ist hilfreich. Aussteigen, ungeschminkt anschauen, neu und anders einsteigen. Und dann und wann den Weg verlassen, um wieder neu zurückzukehren.

Dieses „wachgerüttelt“ erscheint im neuen ON Ende Feber. Auch wenn diese Erfahrung mit dem Frosch schon allgemein bekannt ist, so eignen sich die Semesterferien, aus dem angewärmten Glas herauszuhüpfen und eine einmal wohltuende Distanz zu leben.

Die Bischöfe kommen zurück

lascDer Ad-limina-Besuch 2014 der österreichischen Bischöfe geht zu Ende. Fest steht heute schon, dass der Bischof von Rom einen anderen Stil hat, mit der Ortskirche umzugehen. Er lebt, was er sagt. Er hört tatsächlich zu und ermutigt. Das ist der Unterschied zu den Vorgängern. In der ZIB haben sie gerade kurz und bündig gemeint: „Nähe und Barmherzigkeit hat Franziskus den Bischöfen mitgegeben.“ Und Der Standard fast es so in Worte: „Franziskus habe die Bischöfe zur Nähe zu den Menschen und zur Barmherzigkeit aufgerufen“, sagte Lackner. Franziskus sei „ein großer Zuhörer, er gibt den Weg vor, aber es ist keine Einbahnstraße“. Kardinal Christoph Schönborn dankte dem Papst im Rahmen der gemeinsamen Audienz während des Ad-limina-Besuchs „für sein Zeugnis, das so viele Menschen – unter ihnen viele, die mit der Kirche wenig zu tun haben – berührt“. „Vergesst nicht das Gebet“, hat er den Bischöfen gesagt. Leider erfahren wir ja nicht direkt, was Franziskus gesagt hat, sondern was die Bischöfe gehört haben.

Er fordert die Bischöfe zum aufrechten Gang heraus

Dietmar Neuwirth von der Presse spürt und denkt sich in diese Begegnung des Bischofs von Rom mit seinen österreichischen Kollegen hinein. Er will die ganze Situation und das jahrelange Umfeld inklusive der Großwetterlagen „einfangen“. Aus meiner Sicht gelingt es ihm ganz hervorragend, die Prozesse, Bilder, Gefühlslagen und Herausforderungen klar auf den Punkt zu bringen. Franziskus fordert die unter einem anderen Vorzeichen ernannten Bischöfe. Kein Gehorsam ohne Gewissen. Heute habe ich den Eindruck, dass der Selige Franz Jägerstätter  wirklich mitgeholfen hat: „Franziskus fordert die Bischöfe zum aufrechten Gang heraus.“ Das devote Statthalter-Dasein sollte ein Ende finden. Auch der Kardinal wird einzelne Bischöfe nicht mehr dirigieren können und können wollen. Die Bischöfe und Weihbischöfe der letzten Jahre waren auch auf ihn zugeschnitten. Ein Professor Schambeck muss auch nicht mehr bei Bischof Kapellari ein und ausgehen, weil dieser meint, über diese Schiene „seinen gewünschten Nachfolgerbischof“ zu bekommen.

Mut machen und aufrichten

„Zuhören statt abkanzeln“ lauten die Schlüsselworte. Was haben Bischöfe geschwiegen, wenn von ultrakonservativer Seite engagierte Leute der Kirche, die zusammen mit den Menschen Pfarrgemeinschaften in die Zukunft hinein gestaltet haben, in Verruf gebracht und denunziert. Schweigen und Ängstlichkeit war da. Zum Teil menschenverachtender Dogmatismus wurde verteidigt. Der von einer kleinen Minderheit und den Medien geschätzte „Wahrheitsverteidiger“ Krenn – RIP – wird heute auch schon einen größeren Horizont sehen. Zu konkreten Lebenssituationen von Menschen wie Geschiedene, Priester in Beziehungen oder homosexuellen Beziehungsformen wurde „dogmatisiert“ oder geschwiegen. Von Lebenshilfe, Zuwendung oder offenem Respekt war nicht viel zu spüren. Der Bischof von Rom Franziskus gibt vor: Seid den Menschen nahe und übt Barmherzigkeit. Gerade den Menschen, die in Not oder in brenzeligen Situationen leben (müssen), soll warm ums Herz werden, wenn sie uns Katholiken in der Nachfolge Jesu begegnen. „Richten wir auf und gehen wir aufrecht in der Spur Jesu,“ könnte Franziskus gesagt haben. Ich weiß nicht warum, aber jetzt fällt mir Heini Staudinger ein. Die Bischöfe kommen zurück. Es liegt an uns, den aufrechten Gang zu gehen.

Der ganze unbedingt lesenswerte Kommentar von Dietmar Neuwirth in der Presse vom 31. Jänner 2014.

 

 

 

Vorgetragene Resignation und gesprochene Erneuerung

BischöfeDer Ad-limina-Besuch hat begonnen. Kardinal Schönborn hat in Rom dem Radio Vatikan ein Interview gegeben, das von der Kathpress zusammengefasst wurde. Wer das Interview aufmerksam liest und nicht in den Details hängen bleibt, wird einen resignativen Unterton merken. Alles ist anders und kleiner geworden. Das liest sich dann so. „Diese Kirche wandle „sich ganz deutlich von einer Volkskirche zu einer Entscheidungskirche“, so der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz: „Es hat sich insgesamt die Struktur der Kirche, aber vor allem das Leben der Kirche in den letzten sechzig Jahren radikal verändert, die Pfarrgemeinde ist eine kleine Schar geworden.“ Hätte sie nicht werden müssen, wenn die Bischöfe Wandlungsprozesse gefördert und nicht verhindert hätten.

Die Pfarrgemeinschaften wollen leben

CreativePersönlich macht mich eine solche Betrachtungsweise traurig, wo die Bischöfe selber durch Reformverweigerung die alte Form der Pfarre aufrecht erhalten wollten. Es wurde nicht berücksichtigt, dass Pfarren einen Dienst am Gemeinwesen erfüllen und nicht einfach ein klerikal geführtes Ritualgebilde ist. Ganz ehrlich: Dort, wo sich die Pfarrgemeinschaft die Grundfrage – Wollen alle miteinander, dass in 50 Jahren hier bei uns im Dorf oder Stadtteil der christliche Glaube eine Rolle spielt? –  gestellt hat und postiv beantwortet hat,  dort sind lebendige Pfarrgemeinschaften gewachsen. Die Haltung der Menschen in diesem Dörfern und Stadtteilen ist nicht, ob uns die Diözese einen Priester schickt oder nicht oder welchen, sondern sie nehmen das Pfarrgemeinschaft selber in die Hand. Das Modell Pfarrleitung durch Seelsorgeteams in Oberösterreich ist ein gut geeigneter Weg dabei. Auch der Pfarrgemeinderat kann zum Träger des Pfarrlebens werden. Dafür habe ich in meiner Heimatpfarre im Mühlviertel gerne meine Zeit, mein Wissen und meine Energie ehrenamtlich mit vielen anderen eingebracht. Die klerikale Sichtweise der Bischöfe (Erste Frage immer: Was dürfen die Laien und was nicht?) und die alleinige Verwaltungsperspektive (Pfarrzusammenlegung, Pfarrverbände) hat den betroffenen ehrenamtlich motivierten Engagierten den Nerv gezogen. Motivation verliert sich im Unübersichtlichen. Heutige Engagierte sind keine Helfer des Pfarrers. Oft möchte ich ganz laut hinausrufen: „Lasst den Glauben und die Pfarrgemeinschaften in und rund um die Dorf- oder Stadtpfarrkirche ungehindert wachsen .“ Weil man den konkreten Menschen im Endeffekt nicht traut, verbreitet man „Klein-Denken“ und Rückzug in die „Entscheidungskirche“. Klingt gut. Aber: Wie hat es im Vatikanum II geheißen: „Wanderndes Volk Gottes“. In Rom wird leider die resignative Form vorgetragen: „Überschaubare Entschiedenen-Gruppe“.

Die Kraft und Motivation ist da, wo Gemeinschaft um den Kirchturm gebildet wird

Sehnsucht_1Gestern habe ich bei meinem Vortrag in Seggau in mehrheitlich zuversichtliche und engagierte Gesichter geschaut. Auf der Zugfahrt nach Linz ist mir öfter durch den Kopf und Herz gegangen: Lasst euch nicht bremsen. Denkt groß und handelt. Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke. Habt Mut. Engagiert euch in eurer konkreten Pfarrgemeinschaft und lasst euch nicht verheizen und ermüden durch diözesan gefinkelt eingefädelte „Verwaltungsgebilde“. Worum geht es? Es geht um das Soziale im Ort, um Erzählungen von unserem Glauben, um Gottesdienst und um Community, Gemeinschaft, Zusammengehörigkeit. Die Feuerwehr, der Musikverein, der Sportverein oder die Kulturinitiative wartet auch nicht, ob ihnen von oben jemand geschickt wird. Sie tun und gestalten ihrem Dienst im Gemeinwesen. Eine Pfarre muss sich im 21. Jahrhundert auch so begreifen – als wertvoller Beitrag zum Gemeinwesen. Politiker erkennen das oft mehr als die Bischöfe. Eine Teilnehmerin des Vortrages schreibt mir heute ein Email und meint: „Wir sind ein bisschen festgefahren in den bekannten Strukturen einer Pfarre, viele von uns müssen erst lernen, sich beim Gehen andere Schuhe anzuziehen…“. Sie möchte, dass ich in ihre (sie ist PGR-Obfrau) Pfarre komme und „diesen unverzagten und auf Zukunft orientierten Geist bringe“. Ich habe es versprochen und werde kommen.

Nicht im Wort, sondern in der Tat

Friedenstauben_RomDieser Tage war ich im Stephansdom bei einem Festgottesdienst und hörte in der Predigt und bei Ansprachen von den „neuen Wegen“, von den „Aufbrüchen heute“ und den „Chancen, neue Wege zu beschreiten“. Ganz ehrlich: Das Presbyterium war ausschließlich mit Männern besetzt und der Gottesdienst in der Form „wirklich alt-ehrwürdig“. Ich erlebte dort die „gesprochene Erneuerung“ und nicht Erneuerung. Wie hat Johann B. Metzt gesagt: „Sie glauben an den Glauben. Sie glauben an die Hoffnung. Sie glauben an die Liebe. Sie glauben an Christus. Worum geht es aber: Ich glaube, hoffe, liebe und folge Jesus nach.“ Sie glauben an die Erneuerung. Es geht aber um Erneuerung selbst. Wenn der Ad-limina-Besuch zu Ende ist, dann hoffe ich, dass die Bischöfe vom Papst die „tatsächliche Erneuerung“ mitbringen. In der Tat. Und weniger im Wort. Denn: Wenn du predigen gehst, dann ist das Gehen die Predigt. Und: Die Körpersprache ist viel lauter als dein Mund. Eigentlich möchte ich kein Wort mehr von „Erneuerung“ hören, sondern sie erleben, spüren und frohen Herzens mitmachen.

(Leicht verändert ist der Beitrag als Gastkommentar im Kurier erschienen)

 

Wer schützt Kinder vor der Gesichtserkennung

titel2Solche Nachmittage kann ich wirklich genießen. Thema: „Social Media und ICH / und WIR“. 17-Jährige in der Runde. Es geht um die Balance von haptischem und digitalem Leben. Die Geschichte von meinem zehn Meter langen Kabel vom Schreibtisch bis zur nächsten Telefonsteckdose im Bischofshof in den 90-er Jahren klingt für die Jungen fast unglaublich. Sie schmunzeln. Alle sind auf Facebook. Nein, eine war auf Facebook. Sie haben sich als Klasse eine FB-Gruppe eingerichtet „für Arbeit und Kommunikation“.

Analoge Bilder für digitale Welten

Über die Jahre habe ich in dieser Schnittfläche von analog und digital einige „Vergleichsbilder“ immer wieder genommen und sie haben sich bewährt. Web ist wie ein „Küchenmesser“: scharf, nützlich, gefährlich. Und immer wieder das Bild vom „digitalen Gasthaus“ : informell, persönlich, Unterhaltung, Hinterzimmer, Gerüchte, schnell, Spaß. Das Bild vom „Gewissen und der Selbstverantwortung“. Das Social Web ist das eigentliche Werkzeug des Vatikanum II und der Commons, Gemeingüter. Was sieht man nicht alle auf Facebook, sagen die Jungen selber. Daher mein Bild von den „Gesprächsräumen“: Was sage ich im Schlafzimmer, Wohnzimmer, Terrasse und im Gasthaus? Dann erzählt eine Lehrkraft von einem schlimmen Fall von analogem und digitalem Mobbing. Das ist der Anlass für die mächtige „Anker-Frage“, die immer mitlaufen sollte: Will ich das in 20 Jahren sehen, lesen? Mein Lieblingsspruch hat hier seinen Platz: Leben ist wie Zeichnen ohne Radiergummi. Und dann müssen jene japanischen Jugendlichen herhalten, die zwischen Fernseher, Internetanbindung und Kühlschrank „leben“. Die Jugendlichen lachen: „In Japan?“. Daher das Bild: „Digital ist kalt – Natur ist warm“ und die Aufforderung, die Seele, den Geist und Körper immer wieder und regelmäßig in die Natur zu führen.

Der Stolz der Eltern und Großeltern in der Gesichtserkennung weltweit

titel1Mein Carsharing-Auto bringt mich vom Waldviertel wieder zu rück nach Wien. Nebenbemerkung: Als Selbstfahrer verliere ich wirklich viel Zeit auf der Straße. Öffi fahren ist ein Zeit bringender Genuss. #ÖBB #Bus #U-Bahn. Zurück in Wien. Am Abend schlendere ich ein wenig ins digitale Gasthaus und sehe viele Kleinkinder. Ein Baby schaut mir direkt ins Gesicht, am Arm der stolzen Gr0ßmutter. Da eine Mutter und dort ein Vater, die ihr oder sein (Klein)Kind „in das digitale Gasthaus hineinhät“. Ich verstehe den Stolz und das Bedürfnis nach Anerkennung oder gar Bewunderung. Aber: Via Facebook die Gesichter der Kinder so direkt in die Gesichtserkennung halten? Sind sich die Eltern und Großeltern wirklich sicher, dass sich das Kind in 20 Jahren dort und genau so sehen will – in aller Welt? Es gibt angeblich Leute, die solche Gesichtserkennungergebnisse schon über Jahre zusammenbasteln und ich weiß  nicht, was sie in ein paar Jahren damit machen werden. Der Stolz ist die eine Seite, die automatisierte Gesichtserkennung die andere. Leben ist wie Zeichnen ohne Radiergummi. Auch für das Kind, das allerdings nicht selber zeichnet. Bedenkenswert. Meinten auch die Jugendlichen im Waldviertel.

 

Die Einsicht kommt (zu) spät

unvollendetIch war nicht dort. Die Kathpress berichtet über ein Gespräch zwischen dem Publizisten Peter Huemer und dem Erzbischof von Wien Christoph Schönborn. Der Gesprächsort ist für einen Sonntag vormittags um 11 Uhr ungewöhnlich: Wiener Stadttheater. Eigentlich bin ich solchen inszenierten Gesprächen  gegenüber skeptisch. Es geht weniger um den Content, als viel mehr um die Bedeutungssteigerung „beider“ durch den „Kontext des Events“. Die Krone und Heute hat das vor Jahren sehr bald „überrissen“. Ein Kardinal als wöchentlicher Autor erhöht die „Reputation des Blattes“. Da ließe sich medienpolitisch lange diskutieren. Lassen wir den Aspekt hinten und lesen wir in der Kathpress jene Passage, die mich persönlich heute nachmittags „getroffen“ hat. Ich habe – so glaube ich – die Zeit als Kommunikationsleiter  und Presseprecher inklusive entpflichtendem Abgang „gut hinter mit gelassen und fruchbar gemacht im Gehen und Pilgern“. Die Aussage von Erzbischof Schönborn hat mich aber wieder „zurückversetzt“.

Ich klopfe an meine Bischofsbrust

Die Kathpress schreibt: „Dabei ließ der Wiener Erzbischof im Blick auf die Kirchenreformdebatte durchaus aufhorchen: etwa mit dem Eingeständnis, angesichts des päpstlichen Anliegens einer „Dezentralisierung“ der Kirche und einer Stärkung der ortskirchlichen Eigenverantwortung bislang zu zaghaft in Rom aufgetreten zu sein: „Da schlage ich an meine Bischofsbrust: Wir haben uns sicher zu wenig getraut, auch zu sagen, was unsere Situation erfordert und wie wir die Dinge sehen“.“ Das ist zwar selbstkritisch zum Ausdruck gebracht, entspricht aber nicht dem jahrelangen Verhalten der Bischofskollegen Bischof Aichern gegenüber. Einige führende Bischofskollegen und der Vorsitzende der Bischofskonferenz haben sich aus meiner Sicht und Erfahrung sehr viel zugetraut. Sie haben sich als „ausführende Organe vatikanischer Machtzirkel betätigt“. Meine Entpflichtung war auch eine diesbezügliche Auftragsarbeit. Viele von denen, die hier im blog  mitlesen, wissen, dass Bischof Aichern einen breiten Rücken entwickelt hat, „um die Statthalter Roms und Wiens“ von der Diözese Linz in ihrer Entwicklung in die Zukunft fern zu halten. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz war hier äußerst umtriebig und hartnäckig, „um die von der privaten Initiative Kathnet aufgelegten Elfer vor dem Tor der Diözese Linz zu verwandeln“.  Es hat mich immer gewundert, wie anfangs Schönborn und Kapellari als Förderer dieser Privatinitiative aufgetreten sind. Was ich hier sagen will: Die Bischöfe haben sich nicht zu wenig getraut, sondern in der Kollegialität zu viel getraut gegen die eigenen Kollegen. Heute wären sie froh, wenn sie so zukunftsorientierte und kommunikationsstarke Bischofskollegen wie Aichern, Weber, Stecher hätten. Die lebenden Altbischöfe sind, wenn sie sich zweimal im Jahr treffen, eine richtige Jugendgruppe. Erfrischend – wie Franziskus, der Bischof von Rom. Bewundernswert, wie sie diese jahrelangen kollegialen Einengungen alle „weggesteckt“ haben. Schön, wenn sich der Kardinal jetzt in mutigen Zeiten von oben auch auf den mutigen Weg hier unten in die Zukunft begibt. Andere werden sagen: Lass die Vergangenheit in der Vergangenheit. Ja und nein.

Das radikale Böse

IMG_6737vPlakatFilmpremiere. Das Whoiswho der Medienszene tummelt sich im Urania-Kino. Stefan hat mir eine Karte hinterlegt. Heute bin ich Diakonie. Mit etwas gemischten Gefühlen nach drei intensiven Arbeitstagen gehe ich von Maria am Gestaade „hinüber“ den Donaukanal entlang ins Urania. Ich habe einiges gelesen über den Film. Ist das ein Tagesausklang? Worum geht es? Ganz normale Männer wurden in den Kriegsjahren im Osten Europas zum Werkzeug einer Tötungsmaschinerie im Genozid an den Juden. Trotz Müdigket spüre ich: Ich will mich dieser Sichtweise des Filmemachers Stefan Ruzowitzky stellen. Achtsamtkeit statt Unterhaltung.

Nach dem Film

IMG_6738Stefan Ruzowitzky  hat mit seinem Film eine ganz eigene Mischung auf die Leinwand gebracht. Dokumentarmaterial mischt sich mit gesprochen Briefen, hineingeschnitten in gespielte Szenen. Die Musik erhöht die Kraft des Ruf- oder Fragezeichens. Ich nehme die Gelegenheit beim Schopf und gratuliere Ruzowitzky persönlich zu diesem Werk. Ich sage ihm, dass ich den Film „wirklich wichtig finde“. Gestehe aber auch, „dass ich neben dem Geschehen auf der Leinwand immer und immer wieder an Franz Jägerstätter denken musste, der in seiner persönlichen Verantwortung bis zur letzten Konsequenz NEIN gesagt hat“. Ruzowitzky kennt Jägerstätter und er nickt. Der Film endet – und der Filmemacher sagt das ja selber im Gespräch mit Barbara Rett auf der Bühne – mit einem Ausblick in die Zukunft: „In einer von Authoritäts- und Gehorsamsdenken durchsetzten Gesellschaft lernen wir eher das „Mitlaufen“ als das selbst verantwortete Handeln und Nein sagen. Ich gebe ihm recht. Wer heute genau auf die Menschen und die gesellschaftlichen Vorgänge hinschaut wird feststellen: Konformität gilt viel mehr als eigenes Denken und Handeln. Die Kirche – so spüre ich während des Filmes – hat dazu auch eine Basis gelegt. Mögen viele Zuschauer diese eine Botschaft aus dem Film mitnehmen: Es kommt auf mich ganz persönlich an. Ich kann und darf mich nicht ausreden. Ich entscheide. Kein Gehorsam ohne Gewissen.

Und heute?

IMG_6735Auf der Bühne wurde der Bezug zu heute hergestellt. Sind nicht auch heute Vorgänge, die viel mehr unser persönliches Eingreifen bzw. unsere besondere Wahrnehmung und unser entschiedenes Handeln brauchen? Lampedusa findet heute statt und wir schweigen. Ich bin froh, dass ich mich am Aufruf an die Bundesregierung im Inserat im Kurier und Standard beteiligt habe. Es liegt mir am Herzen, gegen Unmenschlichkeit aufzustehen: „Wir wollen gemeinsam ein starkes Zeichen setzen, dass das Verhalten des offiziellen Österreich gegenüber Flüchtlingen nicht länger schweigend hinzunehmen ist.“ Das kann ich nur unterstützen und inseriere mit. Dabei denke ich an das, was David Steindl-Rast gestern in Salzburg gesagt hat: „Die Gefahr der Schule ist das Buckeln. Ziel muss immer der aufrechte Gang sein.“ Möge dieser Film viele in die persönliche Verantwortung für die Vorgänge heute führen. Ich meine: Der Film ist ein Anstoß dazu.