Wir haben keinen Platz mehr für die, die nicht 120%ig funktionieren

Nach meinen Theologiestudium habe ich 1981/82 meinen Zivildienst bei der Heilsarmee in Linz in der Bethlehemstraße gemacht. Die Obdachlosen haben mein Studium in besonderer Weise „abgeklopft“. Später habe ich als Pastoralassistent in der Dompfarre alle „Sandler“ persönlich gekannt. Einen davon, Gottfried Aigner, haben wir in den Pfarrhof aufgenommen und für ihn habe war ich da, bis zu seinem Begräbnis, das ich als Armenbegräbnis organisert habe. Auf die Disputation „Obdachlos in Linz“ am Tag nach dem Festtag des Hl. Franziskus im Urbi war ich gespannt so wie viele andere auch.

Das Interesse ist groß, wenn es um Wohnungslosigkeit und um das Leben der Obdachlosen in Linz geht

Die Sozialarbeiterin Eva Eichinger vom Verein Wohnen in Steyr betonte eingangs, „das Wohnungslose in der Regel von der Herkunft weniger Polster mithaben.“  Deshalb müssen sie zwangsweise privat mitwohnen, in einer sozialen Einrichtung wohnen oder sind auf der Straße. Die Wohnungslosigkeit von Männern ist sichtbarer als die der Frauen. Der Anteil der jugendlichen Wohnungslosen steigt.

Ärztliche Versorgung bei den Barmherzigen Schwestern

Der Obdachlosenarzt und Geschäftsführer der Vinzenzgruppe OÖ Andreas Krauter sprach von etwa 100 bis 200 Patienten im Jahr, „die außerhalb des gängigen Gesundheitssystems behandelt werden.“  Krauter stellt dieselben Erkrankungen fest wie bei anderen Patienten.  Das Risiko zu Suchterkrankung ist höher. Auf der einen Seite haben Obdachlose nicht die Voraussetzungen wie E-Card für das gängige Krankenwesen und werden daher sofort wieder ausgestoßen. „Andererseits empfinden sie die Gesundheitseinrichtungen als „preußische Gesundheitskasernen“ und halten es darin nicht lange aus“, weiß Krauter aus Erfahrung.  „Es braucht daher eine neue Weite des Geistes für alle jene Menschen, die nicht den gängigen Normen entsprechen und nicht 100%ig leistungsfähig sind“, wünscht sich der Obdachlosenarzt.  Das erfordert auch ein couragiertes Eintreten von jedem von uns. „Dort, wo Not ist, heißt es zugreifen“, ermutigt Krauter. Das Vinzenzstüberl gibt täglich 100 bis 160 Essensportionen aus, vergibt warme Kleidung und Unterstützung.

Wieder selbständig leben können

Doris Ruiz Caballero von „Jobimpuls“ des Magistrates Linz erzählte, wie es gelungen ist, 20 Obdachlose aus einem Park so zu begleiten, „dass heute 15 davon wieder in ein Berufsleben eingebunden sind“. Ungefähr 300 Personen, davon etwa 80 mit Beeinträchtigung, werden so von der Sozialhilfe kommend betreut. Ziel ist immer, dass die Menschen wieder selbständig leben können.

Der Stachel im Fleisch der Kirche

„Kirche ist eine Mittelstandsgesellschaft“, meinte der ehemalige Betriebs- und Gefangenenseelsorger Hans Gruber: „ Die Kirche in ihren Hauptvollzügen ist nicht offen für Menschen aus der Unterschicht.“  So bleiben diese konkreten Obdachlosen, die auch in den Pfarren anklopfen, wie auch der Anspruch des Evangeliums „Ich war obdachlos“ ein Stachel im Fleisch der Kirche. Gruber stellt auch fest, „dass es heute in den Betrieben nirgends mehr einen Platz gibt für Menschen, die nicht 120% Leistung erbringen können. Denn das ist mittlerweile die Norm geworden.“ Er weist auch darauf hin, dass es in den 70-er-Jahren noch Baustellen gegeben hat, „wo man ohne Leumundszeugnis arbeiten konnte.“

Polizei will auf Augenhöhe kommunizieren

„Von den 20.000 Delikten in Linz treffen etwa 100 bis 150 die Obdachlosenszene“, weiß Oberst Christian Moser von der Linzer Polizei. Davon sind allerdings die meisten Übergriffe  auf Obdachlose.  „Wenn das Bild bei den Bewohnern von Linz da wäre, dass Obdachlose kriminell sind, dann müsste man viel Aufklärungsarbeit machen“, meint Moser.  Zu oft wird wegen Kleinigkeiten die Polizei gerufen. Die Erwartungen der Bewohner sind oft jenseits der Gesetzeslage „Allerdings gibt es auch einen Reifungsprozess. Viele finden nach wie vor den Anblick eines Obdachlosen abstoßend, man hat sich aber daran gewöhnt“, weiß der Linzer Polizist und betont, „dass sich Polizei und Obdachlose zum Großteil mit Namen kennen und auf Augenhöhe kommunizieren.“

Ein verläßlicher Platz im Hartlauerhof

„Wohnungslose wollen arbeiten und eine sinnvolle Beschäftigung“, weiß Ulrich Volmer vom Hartlauerhof in Asten. Dort können 14 Männer  in geordneten und verlässlichen Strukturen wohnen und in der Werkstatt einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen. Integration braucht viele Stabilisierungsmaßnahmen und verlässliche Beziehungen. „Deshalb ist es auch gut, dass es viele professionelle Initiativen gibt“, betont Volmer und bedauert, „dass in der öffentlichen Wahrnehmung das Scheitern keinen Platz mehr hat in dieser auf Erfolg und Gesundheit getrimmten Gesellschaft.“

In der Disputation kamen auch Betroffene zu Wort und schilderten ihre Situation.  Ernst Gansinger weist als Moderator noch darauf hin, dass er hohen Respekt hat vor dem, „was in Linz im Bereich der Wohnungslosen geschieht.“ Es braucht nach seiner Erfahrung wesentlich mehr Zivilcourage gegen den jetzt gängigen „rechten Zeitgeist“.

Mitarbeiterinnen des KirchenInfoCenters werden in den nächsten Wochen immer dienstags Socken stricken, um damit Obdachlosen zu hefen.

Unter www.werhilftwie.at gibt es eine ausgezeichnete Informationsquelle, wer wem wie helfen kann.

Welche Werte sollen untergehen? Am 4. Oktober feiern wir den Hl. Franziskus

Auf Facebook hat sich diese Frage in Zusammenhang mit einem FB-Freund in Wien ergeben. Er hat gleich weitergefragt: „womöglich die christlichen…. preisfrage: wer hier in diesem chat weiß, was christliche werte sind?“

Ein Antwortversuch aus jesuanischem Geiste am Tag des Hl. Franziskus (4.Okt)

Diese Anfrage hat mich herausgefordert. Wenn schon jemand in diesem neuen „digitalen Raum“ solche Fragen aufwirft, dann sollten wir versuchen, mit Hinweisen und Antworten weiterzuhelfen. Ich habe dann folgende Antwort versucht, so auf die Schnelle und ohne lange in den theologischen Wörterbüchern nachzublättern. Wessen das Herz voll ist, davon geht der Mund und in diesem Fall die Finger auf der Tastatur über. Meine Antwort lautete:

„den anderen immer mitdenken.  das leben und die taten haben folgen – bis über das eigene ende hinaus. die ärmsten sind die richtschnur. wer für gott keinen platz hat – hat auch bald für den menschen keinen. das gebildete gewissen ist die höchste instanz für verantwortung. siehe bergpredigt.“

Heute, am Tag des Hl. Franz von Assisi möchte ich noch anfügen: „lasst euch von der natur die wunderbarste therapie geben und dient nicht untertänigst dem schnöden mammon. macht euer herz weit und lasst es ausleuchten auf eure tiefe berufung, die in euch schlummert. “

Zu oft sehe und erlebe ich, dass die sogenannten christlichen Wert zum Zwecke der Stabilisierung der eigenen Macht benutzt werden. Zu oft sind die christlichen Werte bei denen im Munde, die das Gegenteil von dem im Sinn haben, was in der Bergpredigt steht. Da lobe ich mir den Tipp es Hl. Franziskus, immer und immer wieder aus dem Rahmen und den Erwartungen zu fallen:

„Was keiner wagt,
das sollt ihr wagen!

Was keiner sagt,
das sagt heraus!

Was keiner denkt,
das wagt zu denken!

Was keiner anfängt,
das führt aus!

Wenn keiner ja sagt,
sollt ihr´s sagen!

Wenn keiner nein sagt,
sagt doch Nein!

Wenn alle zweifeln,
wagt zu glauben!

Wenn alle mittun,
steht allein!

Wo alle loben,
habt bedenken!

Wo alle spotten,
spottet nicht!

Wo alle geizen,
wagt zu schenken!

Wo alles dunkel ist,
macht Licht!“

Welche Werte dürfen also untergehen?

kfb-Vorsitzende Kirchweger: Probleme treiben – Visionen und Ziele ziehen.

„Wie würde die Kirche ohne Frauen aussehen?“, fragte Erika Kirchweger, kfb-Vorsitzende der Diözese Linz als Gastreferentin bei der Herbsttagung der kfb St. Pölten. Seit über 60 Jahren sei die kfb eine „starke Kraft in der Kirche“. In den Pfarren sei jedoch die Frage spürbar, „wie es mit der Frauenbewegung weitergehen soll“, so Kirchweger. Im „Qui vadis“-Prozess will die kfb St. Pölten gegenüber den Herausforderungen der Welt von heute auf dem Fundament des Bewährten ihre „Konturen stärken“.

Nach vorne gezogen werden

Ein Zukunftsprozess solle „nicht getrieben von Problemen, sondern gezogen von unseren Visionen“ ablaufen, betonte Kirchweger: „Als katholische Frauen haben wir mit dem Evangelium eine Botschaft, die wir hinaustragen wollen, eine Vision, die uns antreibt.“ Natürlich entstehe ein Spannungsfeld, wenn „Bewährtes festgehalten und dabei Veränderungen zugelassen“ wird.

Natürlich darf man der kfb-Vorsitzenden Oberösterreichs gratulieren, dass sie als „Impuls“ in die Nachbardiözese eingeladen wurde. Das heißt etwas, „denn aus Linz kommt nach Ansicht einiger Bischöfe nichts Gutes“.  Aus meiner Erfahrung kann ich nur beglückwünschen, wenn auf die Kraft der Visionen, der Ziele und der Zukunft gebaut wird. Den es ist Erfahrung: Wer will schon getrieben werden?

Das erinnert mich spontan an Inge Loidl, die ebenfalls von Zukunftbildern angetrieben wurde und schließlich die „amtlichen Stubenhocker“ angetrieben hat.
Schön beschrieben in dem Buch von Teresa Kaineder, Frauen gestalten Kirche und Welt, Edition Heimat.
http://www.geschichte-heimat.at/?buch=87

Generaldechant Wild: Den Blick auf die Anliegen der Menschen vor Ort wenden

In der KirchenZeitung ( http://bit.ly/a3QaRh )  hat Franz Wild als neu gewählter Generaldechant im Interview mit Matthäus Fellinger ein paar anstehende Herausforderungen der Diözese Linz angesprochen. Im ganzen Interview ist das Bemühen spürbar, die Pole immer wieder in Verbindung zu bringen und den Blick der heute Verantwortlichen nach unten zu lenken: „Die Gefahr ist groß, dass der Blick auf die Fragen der Menschen vor Ort nicht immer so gut gelingt von denen, die zu entscheiden haben.“  Hier kann ich ihm ganz und gar folgen und auch meine Erfahrung ist, dass einige Entscheidungen im Zukunftsprozess der Diözese ohne den genauen Blick auf die konkreten Menschen in den Pfarren und den pastoralen Knotenpunkten passieren (werden).

Um der Menschen willen

Meine Erfahrung mit diesem jetzt laufenden Schwerpunkt der Diözese, den wir schon vor mehr als zwei Jahren „angeleiert“ haben, ist, dass hier jene Seite der kirchlichen Arbeit angesprochen und sichtbar gemacht wird, die so viele, kreativ und mit unendlich viel Ausdauer tun – an der Basis und für die Menschen an der Basis, in der Nachbarschaft, in unmittelbarer Nähe. Man läuft offene Tore ein bei den mit beiden Beinen im Leben Stehenden, wenn genau diese Seite des Evangeliums betont wird. Ich erlebe so viele helle und wache Köpfe und Hände, die genau in diese Richtung arbeiten. Sie fühlen sich allerdings „von oben darin oft gestört oder auch zu wenig geschätzt“.  Wild sieht ganz klar: „Wir müssen schauen, dass wir uns nicht selber zu viel leidtun. Wir haben uns in den Dienst einer Sache gestellt und versuchen, die Botschaft des Evangeliums für die Menschen erlebbar zu machen. Ich glaube, dass wir da einen großen Schatz anvertraut bekommen haben, sodass wir Menschen in konkreten Lebenssituationen helfen können.“ Die Menschen vor Ort haben kein Selbstmittleid. Sie wissen und spüren: Die beste Predigt ist ein offenes Ohr und eine helfende Hand. Und da wird viel „gepredigt“. Gott sei Dank. Und wenn wir über Gott, den Menschen und die Welt sprechen, dann hoffe ich in einer Sprache, die der Mensch versteht, also „nicht Latein,  denn das kommt den Menschen spanisch vor.“

Nächste Schritte andeuten

Weil diese helfende Hand ein so großes Sakrament und Amt ist, ist wieder einmal mit aller Deutlichkeit in Erinnerung zu rufen, dass auch die weiblichen Hände zumindest zu Diakoninnen geweiht werden – und zwar morgen und nicht im nächsten Jahrtausend. Außerdem muss die Diözesanleitung noch vor der großen Diözesanversammlung am 20. November 2010 klären, ob sie offen oder unter vorgehaltener Hand über die Pfarrzusammenlegungen nachdenkt. Das interessiert unsere Pfarrgemeinschaften vor Ort unglaublich. Wird verwaltet oder wird Gestaltungskraft gefördert?

Dank mit Widerstand

„Ich glaube, wir tragen den Drang in uns Gewalt auszuüben, in Konkurrenz zu treten, den anderen zu zerstören, unsere Überlegenheit zu beweisen und unsere Vorherrschaft zu etablieren. Das hat jeder von uns. Aber zugleich tragen wir die Fähigkeit in uns großzügig, einfühlsam und geschwisterlich zu sein, und wir können die starken Seiten unserer Menschlichkeit nähren.“ – so habe ich es dieser Tage in Assisi vom „Mitschreiber“ der Charta der Menschenrechte 1948 Stephane Hessel im Publik-Forum gelesen. Im Leib-Seele-Gespräch meinte er weiter: „Ja, ich hoffe auf das Gute, und doch fürchte ich auch das Gegenteil. Deshalb ist es heute eine Gesellschaft, die verändert werden muss. Man kann sich nicht einfach mit der Art zufriedengeben, in der heute die globale Gesellschaft funktioniert. Man muss in der Lage sein, den Trends in dieser Gesellschaft zu widerstehen, die uns gefährlich und ungesund erscheinen. Das ist die besondere Aufgabe der jungen Generationen.“

Die Kraft zum Widerstand

In diesen Wochen wird allerorten Erntedank gefeiert. So betrachtet, wird Erntedank zum Widerstand gegen menschenfeindliche Tendenzen, gegen puren Egoismus und ausbeuterisches Verhalten. Wir sind Gott dankbar für alles und protestieren doch zu wenig dagegen, dass vieles so schief läuft. Manchmal denke ich mir, sollte die Erntekrone nicht die Fülle zeigen, sondern die Ungereichtigkeiten darstellen. Vor meinem inneren Auge taucht dann eine Krone auf, die nur zu 20% mit Getreide bebunden ist. 80% schauen die Drähte nackt in die Kirchen. So ist nämlich die „Fülle“ weltweit verteilt. Die Pfarrgemeinschaften sind hier gefordert, Stellung zu beziehen, sich zu entscheiden und einander zu unterstützen, damit die Seite der Menschlichkeit wachsen kann. Tiefe Dankbarkeit verleiht die Kraft zum Widerstand, um der Menschen und Gottes willen.

Ein „säkulares Innovationskloster“ in die Tabakfabrik

„Wie geht es mit der Tabakfabrik Linz weiter?“, war die Frage einer Podiumsdiskussion am 7. September 2010 am Ende von „repair – ist die Welt noch zu retten“.  Tausende LinzerInnen und Interessierte haben die Tage davor die 80.000 m² Fabriksfläche aufgeteilt auf  bis zu 7 Stockwerke „ergangen“. Erstmals war diese wunderbare Architektur „offen“ erlebbar. Man spürte, dass die „Tschikbude“ (Stadtrat Mayr hat aber aufgeklärt, dass ehemalige MitarbeiterInnen diese Bezeichnung als despektierlich erleben)  ein emotionaler und geschichtlicher Knoten in Linz ist. Ich selber durfte schon vor Jahren noch im Vollbetrieb durch das Haus gehen. Es war damals beeindruckend.  Heute stehen wir vor einem Opfer der „dunklen Privatisierungszeit“.

Wohin soll es gehen?

Bei der ganzen Diskussion hatte ich den Eindruck, dass die große Frage „Was braucht die Stadt Linz für die Zukunft?“ leitend war und die Beantwortung mit der Idee eines säkularen Klosters vergleichbar ist. Prof. Frithof  Bergmann (Begründer der New-Work-Bewegung) hat mir den Vergleich im persönlichen Gespräch bestätigt. Die Klöster und Orden haben zu ihrer Gründerzeit genau diese Frage beantwortet: Was brauchen die Menschen in der Zukunft. Sie haben Kunst und Kultur geschaffen, zukunftsweisende Bildungsprozesse eingeleitet, die soziale Dimension bearbeitet, immer neue Technologien entwickelt und ein neues Miteinander gepflegt.  Auch von Wohnungen in der Tabakfabrik war die Rede.  Einem innvoativen „zukunftsweisenden Klosterleben“ steht nichts mehr im Wege.

Neue Arbeit und neues Denken beheimaten

Persönlich finde ich die Idee und das Bemühen aller, nicht gleich auf verzweckte Nutzungen zu setzen, äußerst hilfreich.  Neue Ideen brauchen Zeit und Menschen, die diese verwirklichen wollen und auch „zusammenfinden“ können. Wenn Prof. Bergmann von den acht Zusammenbrüchen spricht, dann kann eine offene Denk- und Handlungsfabrik hier in die Zukunft weisen. Das Areal ist groß genug, dass nicht nur geredet, sondern auch umgesetzt und das Neue gelebt werden kann. Wenn „new urbanism“ klar erkenntlich macht, dass alles wieder kleiner wird, überschaubare Einheiten das Leben organisiern, nachhaltiger und mit mehr Lebensgenuss, dazu auch solidarisch mit den Menschen weltweit, dann habe ich nur einen Wunsch:

Hier mögen von Anfang an jesuanisch geprägte ChristInnen mit dabei sein und durch eine gesunde und weltoffene Spiritualität am Umdenken und beim neuen Handeln „inspirieren“ und als Lernende ihre Begabungen und Talente einbringen, die Basic-Werte des Evangeliums in Erinnerung rufen. Hier haben wir (so sage ich bewusst) die Chance, mitzugestalten an der neuen gerechteren, nachhaltigeren und „gesünderen Welt“.

Heute finde ich den Gedanken, dass auch die Theol. PrivatUniversität zusammen mit der Kunstuniversität Linz dorthin gehen soll, reizvoll. Theologie mittten im zukünftigen Leben.

Linz braucht eine JUGEND_kirche. Aufbruch erwünscht.

„Auch für die Jungen ist Kirche, dass man mit ihr die wichtigen Ereignisse im Leben feiern kann.“ und „Bindung der Jungen hängt nur mehr an einem dünnen Kausalienfaden.“  Bei der Bindung an die Pfarrgemeinde stehen wir vor einer dramatischen Veränderung: 56 % der 60 plus Generation haben einen engen bzw. mittleren Verbindungsgrad zu ihrer Pfarre.  19 % der Jüngeren (16-29) haben mittlere Bindung und nur mehr 7 % der Jüngeren haben eine enge Bindung an ihre Pfarrgemeinde. Dieser Befund ist in Zusammenhang mit der Sinus-Milieu-Studie ganz aktuell erhoben. ( http://bit.ly/9RiNWr )

Junge Pfarrgemeinden und JUGEND_kirche in Linz

Bei den gerade laufenden Bemühungen, ein „Update im Bereich der Citykirche in Linz“ zu erarbeiten und zu realisieren, begleitet uns immer der Wunsch, dass im Bereich der Jugendarbeit eine Jugendkirche mitwächst. Gerade der obige Befund spricht dafür, dass in einem eliptischen Denken ein zweiter Brennpunkt neben den Pfarren und pastoralen Knotenpunkten entsteht. Die Lange Nacht hat die Akteure im Bereich der Jugendarbeit auf dekanatlicher, kategorialer und pfarrlicher Ebene zusammengeführt zum „Free Falling“. Diese positive Erfahrung – mehr als 1.000 Jugendliche in der Langen Nacht Jugendkirche – verlangt fast, diese Erfolgsspur weiterzugehen. Es besteht die Chance, dass mit einem neuen Brennpunkt in der Vernetzung der Akteure in der Jugendarbeit ein Aufbruch gelingen kann. Das braucht engagierte Leute (die sind da), das braucht viel Gespür für die Anliegen und die Lebenvorstellungen der Jugendlichen, „Involvierung der Jugendlichen“ wird das Schlüsselbestreben sein und die Diözese und Region Linz wird dafür Ressourcen „zusammenschauffeln“ müssen.

Mut und einen guten Ort

Wenn ich ganz direkt bin: Immer, wenn ich über die Nibelungenbrücke nach Urfahr gehe oder fahre, dann sieht mein inneres Auge die Stadtpfarrkirche in Urfahr als diese besondere „Citykirche“ mit der Offenheit für die jungen Menschen.  Der Platz, das andere Ufer, die Modernität in der Nachbarschaft,… sind mir sympatische Gedankengänge. Wohlgemerkt: Die etablierte Kirchenhierarchie sollte mit Interesse und Wohlwollen diese neuen Wege mitbegleiten.  Es muss nicht alles wie in Wien sein, aber dort hat 2003 der 88-jährige P. Thaller die Tore und die Herzen offen gehalten.  Ich vertraue darauf, dass die Jungen neuen Wein in neue Schläuche füllen werden, wenn man sie läßt und sie dabei unterstützt.

Es ist der Blick von unten, der den Blick von oben entlarvt.

Fritz Käferböck-Stelzer beschreibt im Pfarrblatt Oktogon der Pfarre Leonding die Situation einer Verkäuferin so: „Eine Verkäuferin, Ende 30, erzählt mir: Sie arbeitet 30 Stunden und verdient dafür 750 Euro. Als Alleinerzieherin kann und will sie nicht mehr arbeiten, weil sie auch Zeit für ihre Tochter braucht. Tragisch ist, dass am Ende des Monats das Minus am Konto immer größer wird, obwohl sie arbeitet. Eigentlich möchte sie weg, aber wo findet man in Zeiten wie diesen eine andere Arbeit. Sie möchte zumindest soviel verdienen, dass sie gut durchkommt.“

 Schwerpunkt: Um der Menschen willen

 Fritz Käferböck-Stelzer weist in seinem Beitrag auf die jahrelangen Bemühungen der Betriebseelsorge hin, gute und gerechte Arbeit für alle zu ermöglichen. Der Treffpunkt Mensch und Arbeit in Nettingsdorfersrtraße 58 in Haid arbeitet seit einem guten Jahrzehnt in einem Bündnis für Arbeit und soziale Gerechtigkeit u.a. mit dem ÖGB Linz-Land und dem Dekanat Traun an menschenwürdigen Verhältnissen in der Arbeitswelt. Alljährlich rufen sie etwa am 8. Dezember gemeinsam zum „Kauf-nix-Tag“ auf. An diesem Tag im Jahr soll der Einkauf bewusst unterbrochen werden zugunsten eines Tages der Gemeinschaft. Auch den „freien Sonntag“ bringen sie immer wieder zur Sprache. Sonntag – zusammen frühstücken, Zeit für Langeweile, gemeinsam Spielen, Gottesdienst, Vormittag mit der leeren Straßenbahn fahren, süßes Nichtstun.

 Solidarisch am Schöpfungsauftrag mitarbeiten

Es ist der größere Zusammenhang, aus dem dieses Engagement mit viel Ausdauer kommt: „Kirche in der Arbeitswelt bedeutet, mitzugehen mit den Menschen, den Wandlungen der Arbeits- und Lebenswelten Aufmerksamkeit zu schenken und immer wieder zu fragen, wie es möglich ist, gute Arbeit und gutes Leben für alle zu verwirklichen. Die Arbeitswelt soll immer wieder im Alltag der Kirche sichtbar, hörbar und spürbar werden, damit Arbeit wieder das werden kann, als das sie uns gegeben wurde: Mithilfe und Mitarbeit am Schöpfungsauftrag Gottes. Biblische Hoffnungsgeschichten ermutigen uns, immer wieder neu an die Veränderbarkeit der Welt zu glauben. Sie weisen auf den Weg der unbedingten Gleichheit der Menschen hin, wo niemand sich über den anderen erheben darf. „Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau. Denn ihr seid alle eins in Christus Jesus.“ (Gal 3,28f.). Wir wollen als Kirche den Traum eines solidarischen Zusammenlebens aller Menschen weiterträumen und an der Umsetzung mitarbeiten.“

 Die glaubwürdige Seite

Die Region Linz wird dieses soziale Anliegen verschiedentlich betonen, vor allem auch in den Pfarrbriefen darstellen und daran erinnern, dass Kirche, die Pfarren und seelsorglichen Einrichtungen sich der „jesuanischen Hürde“ aus Mt. 25 stellen wollen: „Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.“ Bei allen verdunkelten Seiten und Erscheinungsbildern der Kirche ist das die hoffnungsvolle und glaubwürdige Seite. Das heißt nicht einfach fromm zu sein oder gar zu tun, sondern tatkräftig Partei ergreifen, den Blick von unten her schärfen und anpacken.