Archiv für die Kategorie „Gehen Pilgern“

Wer möchte nicht auf ein geglücktes Leben zurückschauen? Glück hat viel mit der inneren Haltung zu tun. Da gibt es eingebaute Bremser, die dem Glück bei der Ankunft im Wege stehen. Es sind vor allem Ängste. Vor Zurückweisung, vor Veränderung, vor Liebesentzug oder vor Konflikten. Und genauso sind Eitelkeit und Selbstverliebtheit keine Landebahnen für das persönliche Lebensglück. Wer sich davon befreien kann, sich befreien lassen will, wird „glücksfähig“.

Das ganz Andere stärkt uns

Wir kennen die Beschleuniger hin zum Glück. „Begeisterung“ lässt die Zeit und Anstrengung schwinden, die „Liebe“ löst die Barrieren.Eine bewusste Offenheit auf „Intuition“ lässt Entscheidungen „kommen“. Dahinter stehen Lebenshaltungen und persönliche werte. „Alles ist geliehen“ steht gegen das besitzergreifende Besitzdenken. „Konzentrier die auf den Weg“ lässt dich nicht stehen und Bewegung verändert Perspektiven. „Übernimm Verantwortung“ lässt dich vom Ausredenkarussell springen und die „Opferkiste“ wegräumen. „Sammle und verteile Reichtum“ sind andere Worte für das Teilen und den Primärsinn  für das Gemeinsame. „Achte auf eine ausgeglichene Lebensbilanz“ streicht die Wichtigkeit eines ausbalancierten Lebens hervor. Menschen, die in der Mitte sind, erleben wir als „Glücksbringer“. Von Grantlern und Nörglern wissen wir, dass sie sich als zehrende Bremser herausstellen. „Betrachte alles gleich-gültig“ steht gegen das dauernde Bewerten-Müssen: Gut, schlecht. Teuer, billig. Bringt was, bringt nix. „Einfach ungeschminkt wahrnehmen“ lässt das ganz Andere zu, auf uns zukommen, uns bereichern, stärkt uns.

„Die digitalen Köchlöffel gezielt weglegen“ habe ich 2016 nach meiner dreiwöchigen totalen Digitalabstinenz in Bad Gastein meinen Blogbeitrag getitelt. Es hat einfach gut getan, keinerlei Lebensvollzüge auf Basis eines Algorithmus, eines digitalen Geräts gelebt zu haben. Digitale Distanz ist nicht einfach und hilft doch, die Dinge des Lebens, des Arbeitens und der Lebenszeit in ein gutes, lebensförderliches „Verhältnis“ zu bringen. Nimm Abstand und es geht wieder. Das Gehen, die Bewegung in der Natur hilft, diese Distanz zusammen mit anderen zu wagen. Einfach #offline gehen.

Wir gehen drei Tage lang OHNE jegliches digitales Gerät.  

DO 19. April 2018 bis SO 22 April 2018

TeilnehmerInnen: Max 12 Personen

Für drei Übernachtungen mit Halbpension (F/AE) ist ein Betrag von 190.- EUR bei der Anmeldung einzuzahlen.
Dieses „Experiment“ ist als Prototyp ansonsten „kostenlos“.

Ingering-See

Wie und wo wir gehen?

  • DO 19. April starten wir um 10.30 Uhr am Bahnhof Spital / Pyhrn. Individuelle Anreise mit dem Zug (Linz: 9.14 Uhr, Graz: 7:45 Uhr, Salzburg und Wien via Linz). Durch die Vogelgesang-Klamm über das Pyhrgas-Gatterl (1.308m) geht es hinüber und hinunter in das Ennstal in das Stift Admont, wo wir im Gästehaus übernachten.
  • FR 20. April starten wir von Admont aus durch das Tal hinauf in die Kaiserau und von dort wieder hinunter nach Trieben. Es geht weiter bis ans Ende des Triebentales,  wo wir im Tal im Gasthaus Bergerhube (1.198m) einfach nächtigen.
  • SA 21. April steigen wir auf das Kettentörl (1,864m) und wandern durch die wunderschöne Gegend hinaus – vorbei am malerischen Ingeringsee – bis nach Gaal und vor dort „hinüber“ in die Abtei Seckau zum gemeinsamen Abendessen und Abschluss. Dort nächtigen wir ein letztes Mal. Wir vermissen die „Geräte“ nicht mehr.
  • SO 22. April nach dem Frühstück fährt um 8.24 Uhr der Bus (Ankunft in Wien-Meidling 11.28 Uhr, Linz 12.44 Uhr, Salzburg 13.48 Uhr, Graz 10.33 Uhr).

Das gemeinsame #OfflineGehen wird von Dr.in Magdalena Holztrattner, Direktorin der KSÖ und Mag. Ferdinand Kaineder, Leiter des Medienbüros der Ordensgemeinschaften, begleitet. Das Gehen und die Natur selber sind die besonderen Lehrmeister. Gemeinsam verweilen, kurze Impulse und das gemeinsame Essen und Austauschen werden eine anregende Verbundenheit schaffen. „Quellen der Kraft“ liegen auch in der tiefen und weiten Spiritualität. Dieser Dimension des Lebens wollen wir uns ebenso öffnen. Hier eine Zusammenfassung, was in einen Rucksack gehören könnte.

Wir laden Sie / Dich herzlich ein zu diesem „Prototypen am Benediktweg“.

Magdalena Holztrattner und Ferdinand Kaineder

Anmeldung bis DI 20. Feber 2018: ferdinand.kaineder[at]gmail.com oder +43 699 1503 2847 (@fkaineder)

Ein Bericht in den Salzburger Nachrichten vom 15. Feber 2018.

Vorschau: 

Von DO 6. Sept bis SO 9. Sept 2018 ist ein #OfflineGehen im Mühlviertel am Johannesweg geplant. Voranmeldungen möglich.

Jetzt ist es soweit. Alles ist abgeklärt. Assisi, wir kommen. Schon über längere Zeit wurde ich immer wieder „gedrängt“, doch den Assisiweg (Franzsikusweg) mit einer Gruppe von Weltanschauen zu gehen. Jetzt freue ich mich schon darauf, dass es von 27. Sept bis 7. Okt 2018 soweit ist.

Das Franziskusfest am 4. Okt

Für mich selber wird es, obwohl ich doch schon einige Male in Assisi war, auch eine Premiere geben. Wir werden zu Fuß von Valfabbrica kommend genau am Franziskustag in Assisi ankommen. Das wird wahrscheinlich ein Getümmel sein, aber nach dem Gehen werden wir das nicht nur gut aushalten, sondern offen sein für die Freude, die in der Luft liegen wird. Dann wird noch genügend Zeit sein, diese Friedensstadt der hl. Klara und des hl. Franziskus genauer unter die Füsse zu nehmen. Ich mache es kurz: Hier ist das genaue Programm mit allen Details. Weil heute schon wer aus Regensburg angerufen hat, hier auch die Seite über das Rucksack-Packen.
You are welcome!

PS: Am DO 11. Jänner 2018 um 18 Uhr werde ich in Wien im Quo Vadis meinen Vortrag mit Bildern über meine Lebensweisheiten aus dem Weitgehen und Pilgern halten: „Pilgern befreit“.

Eigentlich sollte ich viel mehr zu Fuß unterwegs sein. Aber es geht sich dann doch nicht so einfach aus, weite Wege zu gehen. Beruf und Aufgabe brauchen mich und will da sein. Heute haben wir #AufbruchBewegt präsentiert.

Froh bin ich, dass ich in meinem Leben schon öfter weite Strecken gegangen bin. Das heißt konkret: länger als 21 Tage am Stück. Daraus ziehe ich meine Erkenntnisse. Mit Christine Dittelbacher durfte ich mich über unsere Erfahrungen unterhalten, reden, austauschen, ergänzen und meine Kollegin Magdalena Schauer hat uns mit der Video-Kamera „verfolgt“. Hier unsere Erfahrungen und Erkenntnisse.

 

Meine Reformationsreise nach Eisleben, Wittenberg, Leipzig, Erfurt, Eisenach, Mühlhausen und ins Kloster Volkenroda sind schon wieder fast eine Monat her. Die Zeit relativiert die Er-Fahrungen (es war ein Reisen mit dem Bus) und Blick zurück ragen die stärksten Eindrücke, Einsichten, Erfahrungen aus dem Dunst des Alltags heraus.

Drei bleibende Erinnerungen

In Wittenberg hatten wir mit Katja Köhler eine hervorragende Stadtführerin. Sie vermittelte mir – ich spreche nur für mich – damals als „neu“, dass die Lutheraner erst in diesem Reformationsjahr ihre Ursprungsstätten selber „entdecken“. Und Wittenberg selber ist ein kraftvoller Ort, an dem diese damaligen Zeit vor 500 Jahren gut  nachzuspüren ist. Gerade auch das Panorama lässt mich eintauchen in diese bewegte Zeit, wo der Mensch genauso wie heute in Geschäftsmodellen an Bilder festgebunden wurde und wird.

In Scherbda im Hainich (Nationalpark) hat uns der amtierende Bürgermeister der 400 Einwohnergemeinde die Kirche gezeigt. Aus meiner Sicht ein Juwel, das schon zu DDR-Zeiten von den Menschen vor dem Verfall gerettet haben. Der Bürgermeister in Arbeitskluft: „Wir haben gesehen, wie die da oben versagen und deshalb haben wir schon vor der Wende selber Hand angelegt und im Geheimen an der Rettung gearbeitet.“ Solchen Menschen mit Zivilcourage und Anpack-Qualitäten höre ich einfach gerne zu. Das sind jene Ermutigungen, die ich mir immer mitnehme, einpacke und davon nehme, wenn ich Mutlosigkeit oder Resignation am Horizont auftauchen sehe.

Und dann war da dieser wunderbare Ort „Wilhelmsglücksbrunn„.  Ehemaliges Stiftsgut. Auch schon ganz verfallen in DDR-Zeiten. Junge evangelische Christinnen und Christen haben sich gemeinschaftlich ans Werk gemacht und diesen Ort wieder aufgebaut. Herr und Frau Karsten, von der ersten Stunde an dabei und heute Geschäftsführer dieses „Inklusionsbetriebes“, haben uns im Rahmen einer Schaf-Käseverkostung die Geschichte und ihr Engagement still und bescheiden geschildert. Heute arbeiten dort 12 Menschen, 6 davon mit Beeinträchtigung. Biohotel, Slow Food Restaurant, Milchschafe, Rinder, Wasserbüffel, Hühner, Bioladen, Eis-Manufaktur und eine wunderbare Gegend. Beeindruckend. Und immer wieder muss ich ans Kloster Volkenroda denken, das wir auch besucht haben. Auch diese Dynamik in Zeiten des Umbruchs. Die Chancen gesehen und getan. Nicht nur gesprochen davon. Dort haben sich Menschen bewegt. Und diese Bewegung hat zur Reformation geführt. Zu einer neuen Gestalt von Gemeinschaft, getragen von Spiritualität, von Zusammenhalt und Anpacken. Und so wie den Evangelische Kirche gerade die Ursprungsorte „entdeckt“, so entdeckt sie auch diese neuen „Impulsorte“ der konkreten Verwirklichung „evangeliumsgemäßen Lebens“. Da bin ich dann sehr schnell bei unseren Orden, die im Grunde auch dieser DNA von „einfachem, gemeinschaftlich gestaltetem und hellwachem Leben“ geprägt sind.Und auch Papst Franziskus ist in diesem Sinne in heutigen Tagen ein großer Reformator. Bewegung reformiert.

Es ist noch finster. Für 7 Uhr ist der Abgang in Bad Goisern im Hand.Werk.Haus eingetaktet. Geschlafen habe ich wunderbar. Motivation ist da. Das ab 6 Uhr vorbereitete Frühstück ist nicht in Scheinwerferlicht gestellt und daher nur mit offenen Augen in seiner vollen Pracht zu sehen. 160 Frauen und Männer, jung und älter, trudeln mit der Zeit im Hof ein. Alle werden wir aufbrechen, um dann 24 Stunden lang ausschließlich zu Fuß über die Berge unterwegs zu sein. Brot, Marmelade, Käse und etwas Joghurt. Das Frühstück ist getan, der Rucksack bereit, die Stöcke auf Länge. Das „Bleibe-Gewand“ lege ich in einen Beutel, um im „Geh-Gewand“ die Strecke zu bewältigen. Die Sonne wird uns nicht einheizen, eher der Regen nässen. Die Regenhose bleibt von Beginn bis zum Schluss angezogen. Sie ist angenehm zu tragen und schützt vor Nässe von oben genauso wie vor dem Nass der Gräser am Wegrand. Immer ein trockenes T-Shirt und einen trockenen Pulli für die Pausen dabei. Das habe ich beim Weitgehen gelernt: Nie nass sitzen. Ansonsten ist meine Philosophie, dass ich nass gehe. Das heiß, wenn ich von innen (Schweiß) und/oder außen (Regen) nass werde, dann ziehe ich nach den Pausen die nassen Sachen wieder an. Eh klar, werden die einen sagen. Igitigit, sagen die anderen. Wer das annehmen kann, für den wird der Rucksack wirklich leicht. Und er ist heute leicht. In den Pausen werden wir versorgt. Die Route ist mit 66 km und 2.900 Höhenmeter vorgegeben. Die Guides haben sie schon mehrmals unter die Füsse genommen. Da bin ich mir sicher und darauf ist Verlass. Gerlinde Kaltenbrunner nimmt das Mikro in die Hand, begrüßt uns alle mit ihrer angenehmen, fast leisen Stimme und ermutigt uns. Da Gespräch mit ihr in Windischgarsten zu „Viel mehr Glück“ schwingt bei mir mit. Die Sponsoren und die Organisatorinnen bekommen auch noch kurz das Wort. Der Betrag von 14.000.- EUR (unser aller Startgeld) wird im Herbst nach Nepal überbracht, um Schulen weiter auszubauen und die Erdbebenfolgen „aufzuarbeiten“. Da habe ich gerne dazugelegt. Für Nepal. Und Nepal geht mit, mit jedem Schritt, die Menschen, die Projekte. Es sind für mich 24 Stunden „meditatives Gehen“ zusammen mit den Menschen in Nepal.

Die Gespräche und das Schweigen

Die Route ist schnell erklärt: Bad Goisern, hinauf zur Goiserer Hütte, hinunter nach Gosau, hinauf zur Rossalm, hinüber nach Hallstatt, den Soleweg hinaus nach Steeg, hinüber nach St. Agatha, hinauf bis fast auf den Gipfel des Predigstuhl bei Nacht und wieder hinunter über die Ewige Wand nach Bad Goisern. Um 7 Uhr früh starten wir und kommen um 6.45 Uhr früh wieder zurück. Ich habe nicht gezählt, aber es waren über 19 Stunden reine Gehzeit. Die Hälfte bei Tageslicht und die andere Hälfte mit Stirnlampe. Das Wetter war „verhangen“. „Nebelreißen“ war am Vormittag und Nachmittag unser „Anfeuchter“. Dann wurde es trockener. Der erwartete nächtliche Regen hat uns verschont. Herausfordernd war es aber allemal. Ich selber habe die Gespräche mit den verschiedenen zum Teil mir bisher unbekannten Menschen genossen. So viel Lebenserfahrung, so viele Weltreisende neben mir, Suchende und Sehnsüchtige, tolle Menschen mit Engagement in jeder Hinsicht. Oft hat sich schon bestätigt: In die Berge gehen Menschen, die hell, wach und open minded sind. Selten was Dumpfes dort angetroffen. Gerade auch das lange Gespräch mit Gerlinde Kaltenbrunner hat mir wieder gezeigt, wie „spirituell sehnsüchtig“ die Menschen heute sind. Auch sie erlebt das bei ihren Vorträgen, ihren Seminaren, am Weg. Ich erzähle ihr, dass gerade auch Orden „spirituelle Sehnsuchtsorte“ sind oder zumindest sein könnten. „Die Menschen suchen Tiefe und Weite und finden oft Oberflächlichkeit.“ Solche Gespräche nähren, ermutigen, stärken.  Genauso wie das Gespräch mit dem „Geldüberbringer“ nach Nepal von den Naturfreunden St. Pölten. Jahrelang engagiert und immer wieder „drüben“, um aufrichten zu helfen. Mit der Finsternis kurz vor dem Salzbergwerk Hallstatt wurden die Gespräche am Weg weniger. Gegen Mitternacht hat sich ein Schweigen eingestellt, das gegen 3 Uhr morgens durchgängig wurde. Die Schritte, die aufschlagenden Stöcke liegen im Ohr und der Lichtkegel der Stirnlampe vor Augen. Das ist jetzt meine Welt in Bewegung.Bei mir stellt sich eine Blase ein, am linken Fuß. Aus meiner Sicht ein Zeichen für eine „Schwachstelle“. Aber es geht. Die Schritte zurück in den Ort Bad Goisern auf dem alten Kirchensteig „passieren“. Die Füsse gehen mit mir, leichte Schmerzen von der Fußsohle flüstern mir ins Ohr. Gut angekommen fallen wir uns um den Hals, gratulieren einander und ich bin dankbar. Für die Schritte, die Gemeinschaft und die Hilfe, die jetzt nach Nepal geht. Der Zug bringt mich heimwärts. Ich stelle den Wecker, weil ich weiß, dass ich einschlafen werde. Ein Erlebnis der besonderen Art.

Welt anschauen ist immer das Ziel, wenn wir mit Weltanschauen unterwegs sind. Schon vor einigen Tagen sind wir alle 27 TeilnehmerInnen wieder vollständig und gut von unserer ökologisch fundierten Reise „Einfach Pilgern in Siebenbürgen“ mit dem Zug zurückgekehrt. Ein Teilnehmer hat geschrieben: „Nochmals herzlichen Dank für Organisation und Führung, aber so ganz weiß ich noch nicht, wie ich das alles in meinem Inneren einsortieren werde.“ Das zeugt von tiefgreifenden Erfahrungen auf den 150 Kilometern am Marienweg von Tg Mures nach Schomlenberg (Csiksomlyo), das „Mariazell der Ungarn in Rumänien“. Über 200.000 Ungarinnen und Ungarn finden sich dort am Pfingstsamstag zur großen Feier ein.  Sind dann doch etwas mehr als in Mariazell, wie wir festgestellt haben. Der „Marienweg“ verbindet beide Pilgerziele. Ein Teilstück sind wir gegangen, gepilgert, gewandert.

Die Kraft der Gruppe

Am letzten Tag sind fünf Leute vom Team des Marienweges mitgepilgert. Sie wollten einfach sehen, wie die größte internationale Pilgergruppe unterwegs ist, die noch dazu ihre Rucksäcke selber tragen. Für mich selbstverständlich. Wie geht sonst das Weniger, wenn ich meinen Rucksack ohnehin dem Shuttle-Dienst übergeben könnte. Ihre erste Frage nachher in kleiner Runde mir gegenüber war: „Wann habt ihr die Lieder geprobt?“ „Gar nicht, sie waren einfach da.“ Ich betone, dass ich es als besonderes Geschenk betrachte, wenn in einer aus ganz Österreich frei zusammengewürfelten Gruppe gleich mehrstimmige Lieder „da“ sind. So wie das Singen, so hat uns das Gehen (übrigens 4,5 km/h durchschnittlich ohne Pausen), haben uns die Gespräche, das Zusammenstehen und die Impulse zusammengeführt und zusammengehalten. „Ich habe gehofft, dass ich es schaffe. Und jetzt stehe ich da.“ Das Essen schmeckt besser in der Gruppe und das Gehen wird „leichter“.

Die Einfachheit

 

Ich selbst habe mir in der Einsiedelei den Luxus gegönnt und bin mit der Zahnbürste in aller Frühe zum 200 Meter entfernten Brunnen gegangen. Das einzige Wasser. Da spüre ich, wie wesentlich diese Einfachheit wird. Und vieles wurde uns am Weg „wertvoll“, weil es so einfach und doch – wie beim Essen – so gut war. Einfache Matratzen, der Kübel als Dusche, das „Stadtcafe“ im Dorf ein kleiner Mini-Mix-Laden. Da lernst du den Kaffee besonders schätzen, weil er auf einmal unvermutet da ist. Ein Mann kommt mit seinem Pferdefuhrwerk vorbei, sein Sohn mit dabei, geht ins Geschäft, kauft sich fünf Eis und ein Bier, gibt alles in ein Sackerl und sie fahren weg. Es war Sonntag. Das war der Sonntag in der Familie. Und da gäbe es noch viele Beispiele, die wir gesehen, erlebt, bewundert, bestaunt haben.

Die Selbstversorgung

Durch die Dörfer gehend haben wir die Selbstversorgung „studiert“. Praktisch hatte jedes Haus alles im und rund um das Haus. Gärten, Wiesen, Felder und die entsprechenden Tiere. Alles da. Wenn nicht die korrupte Regierung alles an den Westen verkauft, sehen wir hier das ökologische Wirtschaften der Zukunft. #LaudatoSi Hier können alle überleben, auch wenn der Supermarkt geschlossen hat. Tagelang Subsistenzwirtschaft. Und so nebenbei erwähne ich, dass wir uns in keiner Sekunde irgendwie „bedroht“ gefühlt haben. Eher das Gegenteil: Unglaublich freundliche Menschen.

Die Ungleichheit

Einmal haben wir nach einem Dorf (es war vorwiegend ein Roma-Dorf) das Gefühl gehabt, durch das Dorf der massiven Ungleichheit gegangen zu sein. Am Ortseingang richtige Schlösser, die sich Roma-Anführer hier errichtet haben. Am Ortsende Elend, das wir gesehen haben und von den BettlerInnen bei uns kennen. Hütten, Verdecke, Planen und Plastikverschläge und alle aus demselben Roma-Stamm. Die Reichsten in unmittelbarster Nachbarschaft zum Elend. Da stimmte nachdenklich. Gibt es aber genauso im Westen.

Das Gehen in der Natur

Meine Erfahrung ist, dass die Natur die beste Therapeutin ist. Auf diesem Weg ist uns besonders schöne und ansprechende Natur begegnet. Die Seele nimmt diese Bilder nährend auf und ich trage diese Erinnerung immer durch den Winter. Dass wir Bärenspuren und Bärenlosungen gesehen haben, hat uns nicht überrascht. Dass uns Hunde eingekreist haben und mit uns Mittagsrast gehalten haben, gehört zur „Natur der Sache“. Ich habe nie Angst gespürt, weil wir Teil dieses Naturganzen inklusive der Schafherden waren, uns so gesehen und benommen haben. Der Pfarrer der Einsiedelei ist über zwei Stunden mit uns weitergegangen und immer wieder habe ich von ihm so leise dahinseufzend gehört: „Es ist fertig. Auch hier ist es fertig.“ Gemeint hat er zwei Dinge: 1. Die Familien sind abgesiedelt und die Häuser verfallen. 2. Durch den Klimawandel trocknen die Bäche und Quellen aus. Er war mit wenig Hoffnung gesegnet. Wir haben ihn durch mehrstimmige Lieder „ermutigt“, sein einfaches „Beispiel“ weiterzuleben. Mit ihm haben wir eine einfache Messe gefeiert. Ein glaubwürdiger Hirte.

Das Schweigen und Reden

Die Tagesimpulse dieses Jahres habe ich aus den „Quellen der Kraft“ genommen. #Atmen, #Mehr und Weniger, #Dankbarkeit, #Liebe, #Gebet und #Vertrauen sind die Zugänge zu einer „geöffneten Spiritualität“. Sechs Tage Gehen und sechs #Themen. Immer wieder haben wir erlebt, dass es nicht einfach ist, „die Komfortzone“ ehrlich zu verlassen, auf Gewohntes verzichten zu müssen und dort und da wortlos zu werden. Die Themen wurden immer „einfacher“, das Reden wandelte sich immer mehr in staunendes Schweigen. Am Ziel angekommen, sassen wir zuerst schweigend in der Kirche bis sich der mehrstimmige Chor in uns erhob. Wir waren happy, dass wir es geschafft haben. Alle.

Dass wir Schässburg, Birthälm, Brasov gesehen haben, erwähne ich nur so nebenbei. Das zusammentreffen mit der Caritas Alba Julia war wirklich erhellend und Bernadett ist mit uns den ganzen Weg gegangen, übersetzend und erzählend. #Danke

Und nächstes Jahr geht es nach Assisi (27. 9. – 7. 10. 2018).
#Vorfreude

Meine Schwägerin war Kindergartenleiterin. Das hat sie aufgegeben. Jetzt widmet sie sich beruflich ganz dem Thema „Kinder im Wald“. Sie führt Kindergruppen meist eine Woche lang einfach in den Wald. Viele Klein- und Vorschulkinder kennen den Wald als Lebensraum nicht. Es gibt sogar Kinder, die auf dem weichen Waldboden am Anfang Schwierigkeiten beim Gehen haben. Mit der Wald-Erfahrung verändern sich Kinder. Laute werden leise, anstrengende Kinder strengen sich selber an, schüchterne kooperieren, mit jedem Stück Holz heben sie auch Mut auf und das „Mir ist fad“ geht in Staunen über. Da ist kein „Programm“, sondern einfach der Wald, Resonanzraum für so einen Tag, eine Woche. Ähnliches erzählt sie von ihren Kursen mit Erwachsenen – meist Pädagoginnen und Pädagogen.

Nimm dem Kind nicht den Erfolg

Eine Freundin von Sr. Agnes von den Helferinnen in Csobanka nimmt mich zum Bahnhof Budapest mit. Sie arbeitet bei einem Verein, der Eltern dabei unterstützt, ihre Kinder nicht zu „erziehen“, sondern in ihrer eigenen Entwicklung zu fördern. Sie schulen Eltern darin, dass sie nicht dauernd „eingreifen“, sondern beobachten lernen, wie Kinder sich aus sich selber heraus „entwickeln“, Fortschritte machen. Fällt ein Kind hin, laufen sofort Erwachsene und stellen das Kind auf die Beine. Sie rauben dem Kind damit eine Erfahrung: Ich kann selber aufstehen!

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