Oberkappel und Grein, dazwischen das Mittelland mit seinem 150er-Weg. Etwa 140 Kilometer habe ich sechs Tage lang gehend und pilgernd, schauend, hörend und mit allen Sinnen wahrgenommen. Alleine und streckenweise mit anderen. Viele Menschen glauben, sie müssen die ganze Welt bereisen, um die Welt, das Leben zu verstehen. Dabei liegt alles in der Nähe. In der unmittelbaren Umgebung. Ich meine, dass wir in Details, in kleinen Dingen, im „regionalen Mikrokosmos“ jedes einzelnen der ganzen Welt auf den Grund gehen können. Wahrnehmungen, die uns verstehen lassen. Ein fragmentarischer Summary-Blick auf den Mühlviertler Mittellandweg.
Apr. 22 2021
Das Mühlviertel hat mir sechs Tage lang erzählt
Apr. 21 2021
Der resiliente Baum
Mein Finale am sechsten Tag waren 25 Kilometer von Rechberg, St. Thomas am Blasenstein, Bad Kreuzen bis Grein. Der Zug bringt mich nach Linz, der Bus wieder ins Bergdorf. In den Morgenstunden nebelte es wie im Spätherbst. Dann die Sonne, die meine Gesichtshaut verdunkelte. Der Badesee von Rechberg da, aber noch nicht einladend. Alles gut „beleuchtet“, angeleuchtet. So das das eine oder andere Detail zum Innhalten, wie der geknickte Baumstamm, der trozdem den Baum trägt. Seit Jahren.
Apr. 20 2021
Einfach staunen
In die Balance gehen, ist mir spontan zu meinem Gehen und Pilgern im Mittelland eingefallen, als ich heute vor dem Wackelstein in Rechberg gestanden bin. Staunend stehe ich davor. Puuhh. Tag fünf. Eine Tafel zeigt, dass im Franzosenkrieg die Soldaten versucht haben, den Stein aus seinem Gleichgewicht zu bringen. Ihr Versuch ist gescheitert, hat aber dazu geführt, dass der Stein jetzt fester „sitzt“, festere Balance gefunden hat.
Apr. 19 2021
Gerade sichtbar
Das Mühlviertel in seinem Mittelland ist ein auf und ab. Auch am vierten Tag. Bisher: Die kleine Mühl, die große Mühl, die kleine Rodl, die große Rodl, heute die große Gusen, die kleine Gusen, zuletzt die Feldaist. Dazwischen Bächlein der verschiedensten Art. Das Wasser sucht immer von Norden nach Süden in die Donau. Es fließt und plätschert. Der Vogelgesang ergänzt die dauernden Naturschauspiele.
Apr. 18 2021
Gut kalt
Apr. 17 2021
Wie ausgemacht
Der Feldweg ist schon vom Zimmer aus zu sehen. Er schlängelt sich hinauf zu den Bauernhäusern. Jetzt Lembach liegt hinter mir. Alles war gut. Der Himmel ist bedeckt. Der Feldweg geht nach der Kuppe weiter. Links „drüben“ sehe ich von weitem recht winzig eine Person gehen. Mein Blick geht nach rechts zu den zwei Bäumen am Horizont. Sie stehen da. Wie zwei Menschen, die zusammengehören.
Apr. 16 2021
Die Anreise und das Gehen
Wenn der Durchmesser von einem Busreifen (Busfahrer: „Circa 90“) fast einen Meter ist, dann ist die Umlauffläche etwa 3 Meter. Eine Reifenumdrehung bringt mich meinem Ziel Oberkappel drei Meter näher. Große vier Schritte bräuchte ich, um mit dem Reifen mithalten zu können. Aber ich sitze im Öffi-Bus, genieße die Anreise zum Startpunkt des „Mühlviertler Mittellandweg 150“ und schaue einfach aus dem Fenster. Mein jugendlicher Chauffeur fährt mich und uns. Gehen kommt dann.
Apr. 15 2021
Ins Mittelland gehen
Schnee haftet im Bergdorf Mitte April dort und da an den Schuhen. Wasser schützt sich des nächtens mit einer dünnen Eisschicht. „Die Kraft des Gehens im Frühling spüren“, steht über der schon lange geplanten Weltanschauen-Reise durch das mittlere Mühlviertel im Norden Österreichs. Einundzwanzig Frauen und Männer wären morgen für sieben Tage ins Mittelland aufgebrochen. Wären. Covid19 sagt zu solchen Unternehmungen immer noch „Stopp“. Jetzt mache ich mich alleine auf den Weg. Im Herbst hoffentlich dann gemeinsam.



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