Pilgern kann die Seele heilen

vo_1In der Weihnachtspost war heuer ein Brief, der die „Geda(e)nken“ enthielt. Das ist der Rundbrief für trauernde Eltern. Darin fand ich auf Seite 7 den Erfahrungsbericht von Uli, die mit uns 23 im Oktober von Waldsassen bis ins Kloster Volkenroda mit gepilgert ist. Sie hat 2009 ihren 20-jährigen Sohn durch einen Bergunfall verloren. Sie ist immer noch tief erschüttert, wenn sie an ihren Sohn denkt. Ihre Erfahrungen mit uns auf der Via Porta hat sie anderen trauernden Eltern und Geschwistern im Nachhinein so geschildert.

Meine Pilgerwanderung

„Ich bin bereits über eine Woche wieder daheim und habe ganz schon mit der Umstellung vom Wandern auf meinen Alltag gekämpft. Wir waren 23 Teilnehmerinnen, davon zwei Ehepaare. Ich habe bezüglich Teilnehmer und Gemeinschaft keinerlei Erwartungen gehabt, habe mir immer gedacht, schlimmer als die Erfahrungen nach dem Tod meines Sohnes kann es nicht werden. Dass die Gemeinschaft dann aber so schön werden würde, habe ich nicht zu hoffen gewagt.  Es war eine gegenseitige Fürsorge und Anteilnahme vorhanden, die ich so nicht nie erlebt habe.

vo_2vo_2vo_21vo_7Wahrscheinlich pilgern nur Menschen mit bestimmten Einstellungen und irgendwie wurde mir dann währender der Woche auch bewusst, dass jede und jeder von uns einen mehr oder weniger großen „Rucksack“ zu tragen hat. Schön war für mich auch, dass unser verstorbener Sohn von  Anfang an mitgehen durfte. Ich habe mich sozusagen gleich „geoutet“, dass ich meinen Sohn verloren habe und dies der Grund ist, warum ich an diesem Weitwandern teilnehme. Und er war die ganze Woche „da“, indem ich von ihm erzählte, wo sie andere Mütter von ihren noch lebenden Kindern erzählen. Das war ein Geschenk für mich und hat mich tief bewegt, immer wieder.

Ja, und das Gehen war genau so wie ich es mir in diesem Fall wirklich erhofft hatte!!! Ich war  seit Jahren nicht mehr so unbeschwert und einfach nur da!! Oft sind mir unserm Gehen die Tränen gekommen, einfach aus Freude und Dankbarkeit, dass ich es erleben darf. 

vo_4Meine Beziehung zu Gott hatte durch den Tod von Hansi sehr gelitten. Ich war zutiefst verletzt. Beim Gehen sind mit die Glaubenslieder eingefallen. Ein Stück weit hatte ich das Gefühl, Gott ist mir bei diesem Wandern entgegengekommen, um sich mit mir zu versöhnen…..

Am letzten Tag dann im Kloster Volkenroda gab es einen evangelischen Gottesdienst, begleitet von einem Gospelchor, der sehr schön gesungen hat. Ich saß wieder einmal unter Tränen in der Kirche und dachte mir: Die Zeit der Trauer ist vorbei, es beginnt Neues, ich weiß zwar nicht was, ich weiß aber, es kommt etwas. Diese leidvolle Erfahrung war nicht umsonst.

Naja, jetzt bin ich wieder daheim, der erste Tag war wie ein Schock, alles war wieder da, der Schmerz, die Einsamkeit, die Depression. Ja, ich habe mich wieder umgestellt und ich doch trage ich in meinem Herzen diese Erkenntnis oder „Vision“:

„Es wird Neues beginnen….“

vo_8vo_8In Volkenroda steht eine 1000-jährige Eiche, der bei einem Sturm ein großer Ast abgebrochen ist. An dieser Stelle hat sie neu ausgetrieben, sodass die Krone neu gebildet wurde – ein Sinnbild für unseren Schmerz. Auch uns ist ein großer Teil unseres Herzens herausgerissen worden. Darf so etwas Neues wachsen, was so gar nicht gewachsen wäre??? Uli“

Menschen gehen nicht hinauf zu den Palästen, sondern hinaus in den Stall. In der Krippe wächst uns von Gott her Neues entgegen, in Jesus. Pilgern wir gemeinsam dorthin, mit unserem Leben, den Rucksäcken und Luftballonen. Gesegnete Weihnachten 2013 allen!

 

 

Die katholische Waage

1IMG_6541Für das nächste ON habe ich ein „wachgerüttelt“ geschrieben, das mir am Weg nach Weihnachten immer wieder nachgeht. Papst Franziskus wird in diesen Tagen von allen Medien in seinem Bemühen, der Kirche ein leichteres und aufrichtiges Gesicht zu geben, gewürdigt. Es gibt so viele klare Aussagen, Gesten und Handlungen von ihm, die von einer großen Warmherzigkeit geprägt sind. Das wärmt auch mein Herz. Aufbrechen, heraus aus der Enge und Schwere kirchlicher Normen. Es geht um das Aufrichten von Menschen hin zu einem Leben in Fülle. Aufrichtigkeit, Aufgerichtetheit macht die Seele frei, offen für Gottes Ankommen bei uns.

Was spüren wir?

„Ich habe die katholische Waage erfunden“, scherzt der Markenspezialist Franz Hirschmugl recht ernsthaft bei unserem abendlichen Gespräch, das wir im Zuge des Markenprozesses der Ordensspitäler bis spät abends geführt haben. Marke ist ein Bauchgefühl. Das ist bei mir hängen geblieben. Und Bauchgefühl hat sehr viel mit Emotionen, Erfahrungen und Sinnen zu tun. Da ist der Kopf und das Rationale, das rein Argumentative chancenlos. Dann fragt er mich ganz direkt: „Wie fühlt sich katholisch für dich an? Ist es schwer oder leicht?“ Die Antwort ist gar nicht so eindeutig. Da ist manches, das schwer wiegt, und anderes, das leicht, freudig und erhebend ist. Ich erzähle ihm vom Fresko in der Basilika von Assisi, wo der Gehorsam dargestellt ist. Franziskus steht aufrecht da bekommt das „Joch“ auf die Schultern gelegt. „Mein Joch ist leicht.“ Stimmt. „Und warum sind dann in den kirchlichen Einrichtungen so viele Dinge so schwer?“, fragt der Markenspezialist weiter. Für ihn ist klar: Wollen die Orden die Menschen positiv ansprechen, dann muss die Waage auf „leicht“ ausschlagen, erhebend sein. Mir kommt Prof. Joachim Sander im Stift St. Florian in den Sinn: „Reden wir von Religion, dann spüren die Menschen die Machtfrage. Reden wir von Glaube, dann besetzt die Wahrheitsfrage das Bauchgefühl. Reden wir von Spiritualität, spüren die Menschen heute Freiheit.“ „Freiraum für Gott und die Welt“ – was sagt die Waage?

 

Der 25.Dezember ist ein normaler Schultag

Es ist immer ein bewegender Moment, wenn Sr. Kunigunde Fürst ein paar Zeilen aus der Steppe Kasachstans Richtung Österreich richtet. Heute hat sie via Email mit uns Kontakt aufgenommen. Ich denke: Die Welt darf es wissen, was sie geschrieben hat:

„Liebe alle aus dem/im Ordensbüro in Wien,

Kunigunde_Hofstätteraus der winterlichen Steppe einen herzlichen Weihnachtsgruß: dass Gottes Erniedrigung oder vielmehr Vermenschlichung in den Orden Spuren zieht und Euch selbst ermutigt zu immer wieder neuen Aufbrüchen.
Es ist ja wahrhaftig vieles in Bewegung. Die Gesichter wechseln, die Notwendigkeiten des Alltags bekommen neue Bearbeiter/innen und damit andere Umgangsweisen. Das ist nicht immer leicht, aber meist fruchtbar. Ordensleben will ja in seiner Grundgestalt Bewegung sein, wie dies an Weihnachten erlebbar ist. Unter diesem Aspekt bekommen die Geschichten einen eigenen Reiz!

Wir sind hier in eine Winterlandschaft eingebettet, nicht eingeschneit. Dazu ist zu wenig Schnee, aber viel Wind und damit auch viele Verwehungen. Mond und Sonne geben einander die Hand, wenn der Morgen um 9 Uhr anbricht. Es gibt keine Flitterwerk noch weihnachtliche Musik, wenn es gut geht eine Netz- Verbindung nach außen- —

Die Schule endet mit dem 2.Quartal am 27.12., vorher Kontrollarbeiten verpflichtend. Der 25.12. ist ein normaler Schultag, der nur uns zwei Schwestern als freier Tag geschenkt wird. Wir feiern den Festgottesdienst am Abend um 18 Uhr mit einem Weihnachtsspiel der Kinder in der Kirche. Heuer sind erstmals keine Kasachenkinder dabei. Anfang einer neuen Ära? Wir wissen es nicht.

DER Feiertag hier ist NEUJAHR (nowi god) mit einer Art Weihnachtsmann/Väterchen Frost und einer Art Christkind/Schneemädchen.
Für das NEUE JAHR wünsche ich Euch mit allem, was es bringen mag, den Segen Gottes: dass wir als missionarische Kirche leben.
Mit großer Dankbarkeit für alles durch Euch Erfahrene,
Eure Sr.Kunigunde“

Danke für dieses Zeugnis. Wo andere sich in diesem Alter längst zur Ruhe gesetzt haben, ist Sr. Kunigunde in die unwirtliche Fremde aufgebrochen. Sie war die Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden in Österreich und hat hier viel in Bewegung gebracht. Als Generaloberin der Franziskanerinnen in Vöcklabruck war sie eine umtriebige Spurensucherin und Schienenlegerin für die Zukunft. Gott wird Mensch, in und mit uns. Danke, Sr. Kunigunde!

.

 

Wohin fällt das Christkind ?

Drei Kerzen brennen. Gaudete. Morgen wir die alte Koalition neu angelobt. Einige neue Gesichter tummeln sich ab Dienstag auf der Regierungsbank. Beliebte Gesichter wie das von Minister Töchterle und bekannte wie das von Minister Fekter sind im Plenum zu finden. Eine Familien- und Jugendministerin wird stündlich auf Knopfdruck sagen können, was die Familien und die Jugend denken. Das ist neu, das Ministerium. Dafür ist die Wissenschaft endgültig unter das Kathedral-Dach der Wirtschaft gezogen (worden). Ein Freud’scher Versprecher: Die Wirtschaft ist frei.  Das Hochamt der elitären Ökonomie kann weiter zelebriert werden. Der Kardinal selbst hat den Segen gegeben und die Bevölkerung aufgerufen, das Hauptzelebranten-Bashing zu beenden. Die Medien bis hin zum Boulevard werden bald wieder als Chor einstimmen, wenn aus der Politik-Sakristei wieder die nötigen „Unterlagen“ kommen. Drei Kerzen brennen. Wohin fällt das Christkind?

Die Menschen warten

2Wer in Wien am Hohen Markt seine Schritte etwas einbremst, zufällig zur vollen Stunde unterwegs ist, wird eine Menschentraube warten sehen. Ihr Blick ist gebannt auf die Ankeruhr gerichtet. Heute um 17 Uhr war es so. 12 Figuren werden heute bei adventlicher und weihnachtlicher Musik „herumgereicht“. Die Touristen sind begeistert. Die Fotoapparate tun in der eingebrochenen Dunkelheit ihr bestes. Minuten später löst sich die Traube auf. Das Spektakel ist wieder für eine Stunde vorbei. Ich denke, während ich andächtig nach oben schaue, an die neue Regierung, die seit gestern bis übermorgen auch fast stündlich herumgereicht wird. Man sieht sie und schaut wieder weg. Jede und jeder geht seine und ihre Wege. Ich frage ein jüngeres Paar, mit dem ich ins Gespräch komme: „Und, gehen sie diese Woche demonstrieren?“. Beide: „Wieso?“ Ich sage einfach ein paar Stichworte: Wissenschaftsministerium, Lehrerdienstrecht, Gehaltsabschlüsse. Er: „Bringt eh  nichts, die tun eh was sie wollen.“ Sie: „Höre ich zum ersten Mal.“ Drei Kerzen brennen. Wohin fällt das Christkind?

Haben und nicht geben ist Diebstahl

11Es überfällt mich Nachdenklichkeit. Diese trage ich auf einen kleinen Espresso. Den stört ein Augustin-Verkäufer, den Espresso. Ich kaufe  die Lektüre. Es ist Zeit zum Blättern und Lesen.  Die Themen und Sichtweisen der Obdachlosen begleiten mich seit meinem Zivildienst 1982. Seit ich in meiner „Klosterzelle“ im ersten Bezirk in Wien lebe, begegnet mir täglich das unglauchliche „Haben“ einer reichen Elite, wenn ich durch den Bezirk gehe. Am „Golden Quarter“ gehe ich jeden Tag am Weg ins Büro vorbei und ich frage mich: Wer kauft dieses Täschchen um 4.400.- EUR. Auf der anderen Seite ist eine riesige Baustelle, am Hof. In Schlange stehen die Arbeiter vor allem am Montag früh. Security überall. Ich wage niemand zu fragen, welcher Stundenlohn bezahlt wird. Im Augustin ist ein Zitat von Ebner-Eschenbach, das mir ins Auge sticht: „Haben und nicht geben ist in manchen Fällen ähnlich schlimm wie stehlen.“ Drei Kerzen brennen. Wohin fällt das Christkind?

Der Papst ist ein Marxist

1532Die sehr klare und fundierte Kapitalismus-Kritik (Dieses System tötet Menschen) des Papstes ging durch die Welt. Natürlich auch durch die amerikanische. Dort hat sich der Papst in der Tea Party Bewegung damit echte Feinde gemacht. Sie beschimpfen ihn als Marxisten. In seinem heutigen Interview in La Stampa legt er weiter nach und schämt sich dessen nicht. Unglaublich. Die Theologie der Befreiung in Südamerika wurde von den Päpsten davor (Woytila, Ratzinger) mit dem „Marxismus-Verdacht“ besiegelt und „ausgelöscht“. Heute erkennt ein Papst die strukturelle Sünde und will sie in Gesellschaft und Kirche überwinden helfen. In dem lesenswerten Buch von Magdalena Holztrattner „Innovation Armut“ beschreibt Bernd Hagenkord von Radio Vatikan seine Erfahrungen mit Franziskus, dem Bischof von Rom und findet zwei Worte, Haltungen, Perspektiven, um ihn zu verstehen, zugänglich zu machen: Einfachheit und Zeugnis geben. Dieser Papst „ist“ das. Er tut das nicht in Funktion, sondern als Mensch in dieser Funktion. Er wirft seine ganze Autorität in die „Schlacht“. Ja, manche sagen Krieg. Es geht um die Zukunft aller Menschen auf diesem Planeten. Die Krippe soll nicht draußen stehen, sondern jeder Mensch soll menschenwürdig leben können, heute. Drei Kerzen brennen. Wohin fällt das Christkind?

 

 

Mandela oder Geburtshelfer der neuen großen Koalition

Österreich ist wirklich klein, sehr klein geworden. Da sind in erster Linie die Quadratkilometer, die nicht wirklich groß nach oben ausschlagen. Mehr noch fällt in diesem Fall die „Mausperspektive“ ins Gewicht. Es ist die unglaublich überschätzte „kleine Selbstsicht“. Fast möchte ich das i durch ein u austauschen. Es ist die Selbstsucht.

Ein ganz Großer für den ganz kleinen Blick

mandelaDa stirbt ein ganz großer Mensch wie Nelson Mandela und die österreichische Republik ist ausschließlich mit sich selbst beschäftigt. Es gilt eine „große Koalition“ zu schmieden, das heißt zu flicken. Niemand von den vermeintlich „großen Köpfen“ unserer Republik findet die Zeit, für unser kleines Land das Haupt zu verneigen vor einem ganz großen Menschen. Es ist peinlich. Im heutigen Kurier lese ich als Begründung: „Nach langem Abwägen entschied sich die Kanzlei (des Bundespräsidenten) aber dagegen, um nötigenfalls hinter den Kulissen als Geburtshelfer der neuen Großen Koalition eingreifen zu können, wie es offiziell heißt. Auch die Nummer zwei in der heimischen Polit-Hierarchie, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer, fiel aus – sie absolvierte einen Besuch beim EU-Neuling Kroatien.“ Dabei wäre der bewusste und lange Blick auf diesen großen Mann eine gute „Blickfeld-Erweiterung“ für die VerhandlerInnen einer recht „kleinen“ großen Koalition. An diesem Mann sind gelebte Werte und ist konkretes Tun sichtbar geworden. Ihn hat selbst das Gefängnis nicht erstarren lassen. Seine ganze Kraft hat er seinem Volk geschenkt, grenzenlos. Er hat nicht die Schützengräben vertieft und die Waffen der Apartheit verfeinert, sondern hat das Gemeinsame, die Solidarität ganz vorne hingestellt. Er hat einen Ausgleich begonnen. Auch wenn nicht alle Probleme gelöst wurden, so hat er eine weite, versöhnende und gerechte Perspektive und Blickrichtung initiiert. Mögen die Großkoalitionäre frei werden für eine wirklich tiefe Verneigung vor diesem großen Mann, Nelson Mandela. Er könnte sie aus der Selbstsicht befreien.

 

 

Dekalog der Gelassenheit in etwas unübersichtlichen Zeiten

JohannesXXIIIDa werden gerade Regierungsverhandlungen geführt. Sieben Punkte führt die eine Partei ins Rennen, die noch offen sind. Die andere Partei sieht sich beim Marathon schon im Stadion und weiß, dass da die Muskeln brennen. Ich habe den Eindruck, dass die Regierungsverhandlungen als „soteriologisches Geschehen“ inszeniert sind. Gelingt es nicht, geht Österreich verloren. Da tun dann Gedanken von Papst Johannes XXIII ganz gut, der er für sich „Vorsätze“ formuliert hat, die als „Dekalog der Gelassenheit“ bekannt geworden sind. Ich rate den PolitikerInnen und VerhandlerInnen, ebenso den Medienleuten und den MedienkonsumentInnen, sich so wie ich hinzusetzen, und den Dekalog abzutippen. Es beruhigt und lässt einen weiteren Blick aufkommen.

Ich tippe in die Tastatur.

1. Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne das Problem meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

2. Nur für heute werde ich (das tippe ich jetzt dann als Nfhwi) große Sorgfalt auf mein Auftreten und vornehmes Verhalten legen. Ich werde niemanden kritisieren und nicht danach streben, die anderen zu korrigieren und zu verbessern – nur mich selbst.

3. Nfhwi in der Gewissheit glücklich sein, für das Glück geschaffen zu sein – nicht für die andere, sondern auch für diese Welt.

4. Nfhwi mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.

5. Nfhwi zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist die gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele.

6. Nfhwi eine gute Tat verbringen und ich werde es niemandem erzählen.

7. Nfhwi etwas tun, für das ich keine Lust habe zu tun. Sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass es niemand merkt.

8. Nfhwi fest glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten -, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

9. Nfhwi keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keinen Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist und ich werde an die Güte glauben.

10. Nfhwi ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: Hetze und Unentschlossenheit.

Abgetippt. Und jetzt jeden Tag einen Satz beherzigen.  Wir werden sehen.

Bei Katastrophenalarm gehe in den Wald oder in die Kirche

winterhoffMichael Winterhoff ist Psychiater und Autor von „SOS Kinderseele“. Bei der Ordenstagung 2013 in Wien hat er den Vortrag zum Thema „Was die emotionale und soziale Entwicklung unserer Kinder gefährdet und was wir dagegen tun können“ gehalten. Ganz kurz gesagt: Er geht von der Beobachtung aus, dass heute Eltern und Kinder in einer „Symbiose“ leben. Die Eltern verhalten sich zum Kind so, als wäre es ihr Arm. Und die Kinder umgekehrt. Diese enge Symbiose verhindert Entwicklung und damit in Folge Bildung. Hier ist der ganze Vortrag zum Nachhören.

Im Katastrophenalarm stabilisiert

Die meisten Menschen ruhen heute nicht in sich. Sie machen verschiedene Dinge gleichzeitig und überfordern so die eigene Psyche. So kommt es zum „Katastrophenalarm“, der aber als solcher gar nicht erkannt wird, weil die Psyche immer stabilisiert und damit diese ungesunde Situation nicht durchschaut. Die Psyche stabilisiert die Katastrophe. Störungen, negative Gefühle und überbordende Problemlagen sind die Folge. Der Mensch sieht nichts mehr, eben auch keine Lösungen. Hier macht Winterhoff zwei entscheidende Vorschläge. Sind sie im Katastrophenalarm, dann gehen sie 4-5 Stunden in den Wald. Ohne Hund, nicht joggen, kein Handy, nur gehen. Nach 2-3 Stunden sind sie in einem anderen Zustand. Sie nehmen sich wieder wahr, sie sehen den Wald, positive Gefühle kommen auf, ja bisweilen Glücksgefühle. Die vorherigen Probleme gehen auf Distanz. Sie lassen sich lösen. Das ist das Waldexperiment. Winterhoff schlägt aber auch das „Kirchenexperiment“ vor. Setzen sie sich 45 Minuten in eine Kirche. Nicht beten sondern einfach nur da sein. Am Anfang ist es fast nicht zum Aushalten. Tun sie das aber mehrmals, tritt dieselbe Wirkung wie im Wald ein. Winterhoff merkt etwas kritisch an, dass der Wald im Gegensatz zu den Kirchen immer offen ist. Er sieht aber in dieser heilsamen Wirkung der Kirchen die Chance – und meint die tiefe Stille dieser Räume.

Neugierig?

Hier ist der Vortrag zum Nachhören und die beschriebenen Passagen. Das Waldexperiment  ist ab Minute 1:17:00 und das Kirchenexperiment ab Minute 1:22:00 zu finden.  Ziel ist immer, aus der „entwicklungsbehindernden Symbiose“ herauszukommen. Ich meine: Spannend und anregend.
Übrigens: Winterhoff ist am 22. Jänner 2014 im Bildungshaus Schloss Puchberg.

 

Gesund und schmutzig im Advent

Advent 2013Als 24-köpfige Pilgergruppe sind wir auf der Via Porta in Thüringen unterwegs. Es ist kalt und abends kommen wir in der damaligen „Todeszone“ in ein Gasthaus. Spechtsbrunn steht am Ortseingang. Dort erwarten uns herzliche Wirtsleute „Am Rennsteig“. Das Schild nebenan hängt über der Theke. „Dieses Haus ist ausreichend sauber, um gesund zu sein und schmutzig genug, um glücklich zu sein.“

Schmutz und Glück? 

Der Wirt hat in seiner Situation nach der Wende das Beste aus dem Haus gemacht. Es war sauber, nicht modern. Es war vor allem persönlich gefüllt, mit Interesse, Offenheit und ganz tiefer Gastfreundschaft. Früher waren 10 Mal so viele Gäste da. Es war die Todeszone. Das „ganze Leben“ traf sich hier, wie der Wirt meinte. Der Spruch spricht Dinge an, die uns alle betreffen. Das „Haus“ steht für das Daheim, Geborgenheit, eine Höhle, in der ich sein darf. Das „Sauber“ steht für Ordnung, damit die Seele nicht verwahrlost, sondern aufgerichtet wird auf eine besondere Zukunft hin. Das „Gesund“ steht für Stabilität und Gestaltungsmöglichkeit im Leben. Das „Schmutzig“ ist in diesem Falle der Aufschrei gegen diese klinische Sauberkeit, die heute oft das Leben selbst tötet. Das „Glücklich“ ist die tiefste Sehnsucht eines jeden Menschen. Das „gelungene Leben mit dieser übergroßen Portion Zufriedenheit“ haben die meisten ins Navi des Lebens als Zielort eingegeben. Wir gehen auf Weihnachten zu.

Ich lade sie ein: Stellen sie sich dieses Schild über der Krippe von Bethlehem vor. Ich glaube, die Gastwirtin hat es von dort geholt.