Elliptisches Denken braucht das UND

Die Frauen der kfb fordern eine größere Wahrnehmung bei kirchlichen Entscheidungsträgern. Es sind Männer. Das ist notwendig. Das verbindet sie auch ein Stück weit mit den Ordensfrauen. Auch sie verdienen mehr Aufmerksamkeit. Ihre Expertise, ihre Erfahrung, ihre Nähe zu Gott und den Menschen würde die hierarchische Männerkirche nicht nur bereichern, sondern auch verändern. Ein erstes elliptisches Paar, Frauen UND Männer in der Kirche liegt vor unserem „Konstruktionszirkel“.

Die Ellipse: Wurzel und Fremdkörper

Kardinal Schönborn hatte die Ehre – wie er selber sagte – in Berlin vor hochrangigsten politischen VerantwortungsträgerInnen zu sprechen. Das große I ist berechtigt, weil Bundeskanzlerin und Ministerinnen dabei waren. Die Headline ist krass formuliert. Wurzel gibt Lebenskraft, Fremdkörper stört. Ein Organismus ohne Wurzel stirbt oder verwelkt, erzeugt künstliches Über-Leben. Ein Fremdkörper im Organismus wird ausgestoßen, weil er das Immunsystem, das Herrschaftssystem bedroht. Zumindest isoliert wird der Fremdkörper. Jesus deutet sein ganzes Leben auf die Wurzel, auf Gott als Vater und Mutter im Himmel, hin und wird als Fremdkörper ausgestoßen. Harmlos gesagt. Der Sündenbockmechanismus wurde betätigt. Der Kardinal bedauert den Mainstream. Das Christentum liegt quer. Gerade hier fehlt mir das UND. Der Mainstream im Bereich der solidarischen Kranken- und Altersvorsorge gefällt mir. Der Mainstream in Richtung auf die unbedingte Gleichwertigkeit und Zugänglichkeit aller Bereiche für Frauen und Männer in der Gesellschaft gefällt mir. Der Mainstream  in Richtung Ausbeutung und Ökonomisierung des Menschen gefällt mir nicht. Was das bedeutet? Das Christentum ist nicht Wurzel oder Fremdkörper, sondern UND. Auch die katholische Kirche muss sich fragen lassen, ob sie nicht quer liegt, wo der Mainstream lebensförderlicher ist (Frauen in der Kirche). Das heißt umgekehrt. Die Gesellschaft ist für die Kirche Wurzel und Fremdkörper. Den Ordensgemeinschaften ist der „uferlose Zeitfluss“ fremd, wo sie die Tage bewusst „rhythmisieren“. Es braucht also Spiritualität in der Welt und es braucht Welt in der Kirche, damit die Charismen und Kompetenzen der Frauen dort auch ebenbürtig ankommen. Also kein Rückzug aus der Welt, sondern ein hineingehen in die Welt. Auch da ist das UND hilfreich: Welt und Kirche. Mensch und Gott. Ich und Wir.

Persönlich denke ich seit Jahren die Dinge des Menschen untereinander und mit Gott als Ellipse. Es braucht zur Konstruktion immer beide Brennpunkte. Und das UND.
Die Frauen der kfb fordern das zurecht ein, das UND. Auch Gesellschaft und Kirche brauchen das UND. Und umgekehrt

Guten Morgen, Heute

Heute morgen steige ich schon etwas früher in die U-Bahn. Der Zeitungsstapel ist „Heute“ noch ziemlich voll. Die Schlagzeile verleitet mich, das bedruckte Papier mitzunehmen. Aus Erfahrung weiß ich: Fünf Stationen genügen, und das Papier wandert beim Umsteigen auf die Straßenbahn in den Mistkübel. Es gibt keinen Behälter für schon „durchgeblättertes Papier“.

Facebook ist der neue Liebes-Killer

Auf der Titelseite springen mich zwei Begriffe an: Studie und Facebook. Nachdem die sogenannten Experten und manchmal auch Expertinnen zu den Hohenpriestern der Jetzt-Zeit aufgestiegen sind, ist das Wort „Studie“ in göttliche Nähe gerückt. Alles, was in einer Studie präsentiert wird, liegt obenauf und erklärt den Zustand des Jetzt und vor allem die Zukunft. Liebe, Ökonomie und Digitales sind die tragenden Pfeiler der Studien-Liturgien. „Heute“ eben aus dem Bereich Liebesleben kombiniert mit der Welt des Digitalen. Schon die Untertitel sagen uns: Digitale Eifersucht boomt und jede fünfte Ehe scheitert wegen Internet. Bei etwa 2,8 Millionen FB-User in Österreich kann es nicht sein, dass diese Welt spurlos an den realen Lebenswelten vorbeigeht. Das ist reale Lebenswelt. Und da fördert ganz „überraschend“ erst eine Studie zu Tage:  Das Leben ist, wie es ist. Da werden in Kanada 300! Studenten (wahrscheinlich online) befragt und als großer Satz nach dem Studien-Halleluja steht: „Es zeigt sich, dass unsere Probanden (drei Viertel waren Frauen) umso eifersüchtiger waren, je mehr Zeit sie mit Facebook verbrachten.“ Die Studienkosten sind nicht benannt. Aber das hätte ich ihnen auch sagen können: Wer öfter und länger im im digitalen Wirtshaus sitzt, der oder die schürt auch so etwas wie Eifersucht. Das ist „ganz normal“. Chancen und Gefahren sind da abzuwägen. Wer etwas auf Teufel komm raus betreibt, sollte sich nicht wundern, das normale Lebensvollzüge aus dem Lot geraten. Mit oder ohne Studie.

Wer „Heute“ von der Eifersuchtsseite eine Seite zurückblättert, der stößt auf den wahren Grund der „Verwirrungen“, wenn es heißt: Noch zwei Mal schlafen bis zum neuen iPhone. Wer Leser und Leserinnen so „infantilisiert“, der schürt sogar den Gedanken, dass wir heute gar nicht mehr wissen, was Eifersucht tatsächlich ist.

Gibt es Hoffnung für die Kirche?

Hier ein Interview mit Kardinal Martini, das derzeit im Netz „unterwegs“ ist:
Kardinal Martini_Gibt es eine Hoffnung fu_r die Kirche (2)

http://religion.orf.at/stories/2548113/

Danke für dieses Hoffnungszeichen.

Maria Romana in Paraguay ist erfolgreich operiert und wieder in ihrem Heimatdorf

Vor etwa einem Jahr ist Kathi Kaineder von ihrem Einsatz aus Paraguay zurückgekommen und war damals voller Tatendrang, Ramona die Operation zu ermöglichen. In Rundmails und durch Medienberichte sind viele auf dieses Schicksal aufmerksam geworden und haben GEHOLFEN, ganz konkret mit einem finanziellen Beitrag. Jetzt bittet mich Kathi, diesen Brief zu „veröffentlichen“ und den Dank weiterzugeben. Das mache ich gerne und bin selbst froh, dass dieses Schicksal ganz konkret gewendet werden konnte.

Hier der Brief: 

Liebe Freunde und Bekannte, liebe Familie!

Etwa ein Jahr ist es nun her, als wir eine Sammelemail an unseren großen Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis ausgeschickt haben, mit einem speziellen Anliegen am Herzen: Maria Ramona.

Eine junge Frau aus Paraguay welche ein starkes körperliches Leiden hatte und ohne eine große Operation nicht hätte weiterleben können. Ich durfte sie in meinem Einsatz als Missionarin auf Zeit in Pirapó kennenlernen und habe sie als Freundin ins Herz geschlossen und euch von ihr erzählt. Auch, dass diese Operation in einem Land wie Paraguay mit einem enormen finanziellen Aufwand verbunden ist, der nicht, wie bei uns in Österreich, von der Krankenkassen übernommen wird, sondern von der Familie selbst zu tragen ist. Maria Ramonas Familie – wie viele andere – hätte diese Kosten nicht selbst aufbringen können.

Dank einer Vielzahl an Menschen, ob in Österreich, Paraguay oder Argentinien, die mit ihrer Großzügigkeit Maria Ramona finanziell unterstützt haben, konnte sie im Jänner dieses Jahres endlich operiert werden.

Die Operation war sehr erfolgreich und nach einigen Monaten ärztlicher Betreuung und Erholung in Argentinien konnte sie nun gesund und mit neuer Lebensqualität in ihr Heimatdorf Pirapó in Paraguay zurückkehren.

Ein herzliches Danke unsererseits und im Namen der Familie von Maria Ramona,

Kathi Kaineder

Ps: Auf dem Foto ist Maria Ramona (Mitte) nach der Operation zurück in Pirapo zu sehen.

 

Danke auch dir, Kathi, für deine Kraft und deinen Einsatz!!

 

Sechs Tage am 05-er Weitwanderweg: Vom Ötscher über die Veitschalpe zum Hochschwab

Es geht für eine Woche in die Berge und seit Jahren nennen wir es bergGEHEN. Die Woche wird festgelegt und ebenso die Route. Dieses Jahr sollte es „gemütlicher“ werden. So fiel die Wahl auf den 05-er Weitwanderweg über den Ötscher, die Hohe Veitsch und den Hochschwab. Ich bin kein Freund des Zählens. Und doch wurde zusammengezählt: 110 km und 4.400 Höhenmeter hinauf.  Das Wetter hat uns in Wienerbruck (Mariazeller Bahn) feucht empfangen. Dann folgten fünf Tage Sonne und Schönwetter. Am letzten Tag wurden wir mit viel Wasser von oben ins Tal „hinuntergespühlt“.

Den Ötscher vernebelt

Wenn sich Hebammen, Diplomkrankenpfleger, Theologen, Museumsvermittlerin, Agragingeneurinnen, Arbeiter und Lehrerinnen auf den Weg machen, dann ist die richtige Mischung für eine gute Bergkameradschaft beisammen: gemeinsame Vielfalt. Die Anreise erfolgt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Ein rascher Wechsel in St. Pölten in die Mariazeller Bahn ist notwendig. Mehr als zwei Stunden Nostalgie prägen den Sonntagvormittag. Beim Aussteigen flüchten wir unter das Vordach und machen uns dort „wetterfest“. Zuerst hinunter und dann geht es über den Ötscherhias durch die Ötschergräben hinauf bis zum Ötscher Schutzhaus. Der Regen hat sich verflüchtigt. In oberen Lagen liegen die Wolken tiefer. Der Ötscher, unser erklärtes Ziel, liegt in dichten Wolken. Wir wollten einmal umgekehrt auf Kirchschlag schauen. Es ist uns nicht gegönnt. Dafür erleben wir ein wunderbares Abendrot.

Ambivalente Gipfelsichten

Am zweiten Tag ist die Hütte noch von dichtem Nebel umgeben. Wir starten Richtung Gemeindealpe. Auf halbem Weg zur Feldwiesalm zeigt sich die Sonne. Aufatmen und vergnügte Stimmung breitet sich aus. In der Feldwies-Alm nehmen wir Platz und der Halter erklärt uns seine Tätigkeiten rund um die „230 Stück Vieh“. Ein guter Platz, um zu rasten. Die Gemeindealpe (1.626m) wird über Kehren erreicht, von der die letzte „Gottseidankkehre“ heißt. Der Blick geht hinunter nach Mariazell, den Erlaufsee und in den Norden (Ötscher) und Osten (Schneeberg). Den Blick nach Süd-Westen spart man sich am besten, denn er ist geprägt von zwei riesigen Sendeanlangen und der Bergstation Sessellift. Wir machen ein Foto beim Gipfelkreuz und schauen aus nach unseren nächsten Zielen: Hohe Veitsch und Hochschwab. Es zieht uns hinunter an den Erlaufsee, den wir natürlich in aller Erfrischung auskosten. Das Finale führt uns in das Franziskushaus in Mariazell, vor die schon versperrte Basilika und schließlich zu den „Drei Hasen„. Der Wirt ist ein begeisterter Whisky-Sammler und so gab es nach dem wunderbaren Essen auch eine Verkostung. Sehr empfehlenswert.

Durch Mariazell zur Hohen Veitsch

Der Weg nach dem Frühstück führt uns in die Basilika. Innehalten, zusammenstehen, sich öffnen, beten und der Dankbarkeit Raum geben. Es ist beeindruckend, „wie viel Leben hier schon zusammengegangen ist“. Ein ganzer Tag des Überganges liegt vor uns mit dem Ziel, gegen Abend die hohe Veitsch zu überschreiten auf das Graf Meran Haus unter dem Gipfel. 05-er und 06-er sind auf dieser Strecke ident. Wir merken das sehr schnell, weil uns im Laufe des Vormittags drei Pilgergruppen entgegenkommen und uns humorvoll aufmerksam machen, dass wir in die „falsche Richtung“ gehen. Was ihr Ziel ist, war unser „Durchgang“. Der Weg geht hinunter an die Salza und dann wieder hinauf nach Schöneben (1.099m), von dort hinauf auf den Herrenboden, hinüber auf die Weißalm, die Wetterin und den Niederalpl-Passhöhe (1.224m).  Das Schigebiet haben wir insofern getestet, als wir die sehr steile Schiewiese „abgegangen“ sind. Der Altbürgermeister von Mürzsteg hat uns dort erwartet und uns einiges über diese Gegend erzählt. Der Aufstieg auf die Hohe Veitsch (1.981m) in der Abendsonne am Ende eines schon weiten Weges hat sich gelohnt. Alles stehen wir am Gipfel und genießen das gemeinsame Unterwegs-Sein und die Abendsonne. Die Graf Meran Hütte hat praktisch kein Wasser und so fallen wir sehr bald, gut müde und mit dem Tagesschweiß gesegnet  ins Lager.

Ein Tag des Überganges

Das Frühstück war einfach und reichlich. Der erste Abstieg von der Veitsch über den Teufelssteig (etwa 350 Höhenmeter) hat uns gleich wieder Schweißperlen gebracht. Auf der wunderbaren Rotsohl Alm gab es wieder Wasser. Flaschen nachfüllen. Über die Turnauer Alm, die Göriacher Alm geht es hinüber auf den Seeberg Sattel. Die Wege geben viel Raum zum Denken und gemeinsamen Reden. Über sechs Stunden sind wir unterwegs am Übergang von der Veitschalpe zum Hochschwab. In Seewiesen sind wir „weit unten“ (ca. 900 m). Wir mobilisieren wieder alle Kräfte hinein in das Seetal und hinauf auf die Voisthaler Hütte (1.654 m). Eine Teilnehmerin meint: „Das ist ja ein echtes Weitgehen.“ Und mir kommen natürlich immer wieder diese weiten Strecken nach Assisi und heuer  im Frühjahr nach Volkenroda in Thüringer „unter“. Gehen ist eine Wohltat und Herausforderung. Der Hüttenwirt auf der Voisthaler erwartet uns schon und wir sind begeistert von seiner Art, wie er die Hütte „schaukelt“. Er ist ein Meister darin, wie man mit begrenzter Ressource (zB Wasser) trotzdem gut umgehen kann. Gutes Essen (Wir haben uns bei der Köchin extra bedankt) und Trinken und alles war da für gute „Toilette“. Die Wettervorhersage ist sehr gut.

Schweben am Hochschwab

Wir sitzen um 7 Uhr beim Frühstück. Strahlend blauer Himmel und das Gipfelkreuz vom „Schwob“ (Hochschwab) lacht herunter. Der Aufstieg dorthin ist begleitet von Gämsen und Steinböcken. Nach 2 1/2 Stunden stehen wir am Gipfel des Hochschwab (2.277 m) und freuen uns des Lebens. Eine traumhafte Aussicht und angenehme Temperaturen sagen uns: Bleibt. Fast zwei Stunden schauen wir, essen, versuchen die Gipfel und Bergketten rundherum zu „erklären“. Dohlen segeln vorbei und Menschen kommen und gehen. Es ist der „Höhepunkt“ unserer Tour. Beim Abstieg kommen uns 15 KnittelfelderInnen entgegen, die zum zwanzigsten Mal ihre Wallfahrt nach Mariazell gehen. Wir tauschen Erfahrungen aus und freuen uns mit ihnen, dass sie hier oben angekommen sind. Wir können das erst wirklich einschätzen, wie weit es ist, nachdem wir selber nach 3 Stunden bei der Häusl Alm (1.526 m) angekommen sind. Dazwischen waren eindrucksvolle Felsformationen, „Bergwiesen“, kleine Klettereien und eine 12-köpfige Steinbockherde in unmittelbarer Nähe. Über den ganzen Hochschwab gibt es kein Wasser. Umso mehr haben wir die Gastfreundschaft der urigen Häusl Alm genossen. Der Sackwiesensee am Weg hinüber zur Sonnschien Hütte war natürlich der Wellness-Point schlechthin. Auch wenn das Wasser nicht wirklich angewärmt war, so haben alle dieses „volle Wasser rund um den ganzen Körper“ genossen. Auch wenn Gewitterwolken zur Eile antreiben wollten, so hat sich Gemütlichkeit breit gemacht. Nach etwa 25 Minuten waren wir auf der Hütte für die kommende Nacht. Die Wettervorhersage war schlicht „katastrophal“. Wir entscheiden, am nächsten Tag den Weg ins Tal zu suchen.

Abstieg und Heimweg reihen sich überraschend flott aneinander

Der erste Blick aus dem Fenster zeigt: Es regnet. Nach dem Hüttenfrühstück packen sich alle wieder ein wie am ersten Tag. Es geht den Streller Steig hinunter durch die Klamm zum Grünen See in der Hoffnung, dass wir einen guten Anschluss mit den Öffis haben. Die letzte Stunde des Abstieges hat der Regen wieder ordentlich zugelegt und die Gruppe hat eine gewisse „gehende Stille“ erfasst. Dem aufmerksamen Blick in den Rückspiegel des Busfahrers verdanken wir das rasche Heimkommen. Er hat uns im Rückspiegel entdeckt und gewartet. Danke. Der Bus nach Bruck an der Mur wurde zur Umkleidekabine umfunktioniert. Das war für die hiesigen Fahrgäste anregend. Den Überstieg in den Zug hatten wir in zehn Minuten zu erledigen. Das „einfach raus Ticket“ beschert uns eine super Preis und doch eine Wartezeit von einer Stunde in Selzthal. Dieser Bahnhof ist geprägt von gebirgsähnlichen Zuständen und hat keine „Hüttenfunktionen“. Und doch fahren wir bequem, einander erzählend und rückblickend nach Linz weiter, während der Regen an den Fenstern abfließt. Der Regen war die Klammer auf unserem Weg am 05-er. Die Bilder von der schönen Gegend auf diesem weiten Weg haben wir eingepackt.

Die Tagesetappen

1. Tag:  Zug Linz – St. Pölten – Wienerbruck | hinunter Ötschergräben – Ötscherhias – Riffelsattel – Ötscher Schutzhaus (1.418 m)

2. Tag: Schutzhaus – Riffelsattel – Feldwiesalm – Gemeindealpe (1.626 m) – Erlaufsee – Mairazell (868 m)

3. Tag: Mariazell – Salza Halltal (785 m) – Mooshuben – Niederalpl-Pass – Hohe Veitsch (1.981 m) – Graf Meran Haus (1.836 m)

4. Tag: Graf Meran Haus –  Teufelsteig – Turnauer Alm – Göriacher Alm – Seeberg Sattel – Seewiesen (942 m) – Voisthaler Hütte (1.654 m)

5. Tag: Voisthaler – Schiestl Haus – Hochschwab Gipfel (2.277 m) – Rauchtal Sattel – Häusl Alm – Sonnschienhütte (1.523 m)

6. Tag: Sonnschienhütte – Parkplatz Grüner See in Oberort (793 m) | Bus nach Bruck und Zug nach Linz.

 

 

 

 

 

Der Intuition folgen und spüren

In Wien steht am Rathausplatz eine unglaublich große Leinwand. Das Filmfestival zieht jeden Tag Leute an, um unterschiedlichste Filme und Fernsehaufzeichnungen zu sehen. Gestern war der Film von Martin Scorsese „Rolling Stones: Shine a Light“ zu sehen. Der Platz war übervoll. Absolut internationales Publikum. Nach jedem Lied der Stones habe die Leute geklatscht als wären die Stones „tatsächlich“ da. Scorsese hat mit dem Schnitt und der Kameraführung eine wunderbare Atmosphäre eingefangen. Hängen geblieben bin ich immer wieder bei den Interviews aus den ersten und früheren Tagen, die dazwischen geschnitten waren.

Die Musik spüren

Keith Richard hat da auf die Frage, wie er sich auf die Bühnenpräsenz vorbereitet oder wie der sie „einstudiert“ recht lapidar geantwortet: „Gar nicht“. Scorsese hat herausgearbeitet, wie sie einfach ihrer musikalischen Intuition gefolgt sind. Sie haben nie gewusst, warum sie das so oder anders machen, warum sie genau diese Reihenfolge der Lieder spielen. Dass sie zu ihrer Zeit und bis heute so groß geworden sind, war und ist, dass sie mit unglaublicher Leidenschaft und ohne Berechnung auf Erfolg oder Zuschauer ihrer Intuition gefolgt sind. Der Musik, die durch sie zu den Menschen floss. In einer Weite, die der engen und starren Zeit gut getan hat. Sie waren Kinder ihrer Zeit und haben das bis in die tiefsten Untiefen ehrlich und gerade ausgelebt. Das hat sie wegen Drogen auch ins Gefängnis gebracht. Sie ließen sich in vielen ganz markanten Momenten von anderen Menschen tragen und „herausholen“. Sie hatten keine Angst. Sie waren frei. Ihre tiefe Leidenschaft war die Musik  und „alles andere wird sich schon ergeben“. Das vermisse ich heute sehr oft bei Shows und Auftritten, die von vorne bis hinten durchgeplant sind. Darum wird das mit den Eurovisions-Songcontest nichts mehr. Selbst wer seiner politischen Leidenschaft folgt, steht am Ende vor dem Dilemma, dass bei einem Sommergespräch einstudierte Textbausteine vorgetragen werden und die Sitzhaltung nach NLP starr wird (wirkt). Da ist kein Leben von innen dabei, sondern es bleibt ein äußeres Geschehen. Auch der (katholischen) Liturgie fehlt diese positive Unbekümmertheit, die gemeinsame Impulsivität. Da werden Texte vorgelesen und nicht mit Leidenschaft das Evangelium verkündet. Da wird das Ritual einstudiert und keiner weiß genau, warum das jetzt so ist. „Ich gehe auf die Bühne und lasse mit der Musik alles andere kommen“, meinte Keith Richard. Mit dieser Haltung ans Ambo und an den Altar gehen, wäre das ganze Leben inklusive Spontaneität . Es würde ein großes Aufatmen geben. Die Stones schaffen das sogar über ihre Präsenz auf einer riesengroßen Leinwand.
Und junge Leute, wenn sie  die Musik in den Urlaub führt. Siehe da!

 

 

 

Die Jungen sind jetzt schon in der Pensionsfalle

Die Schlagzeile „Jugendliche an Politker: Sichert unsere Pensionen“ des heutigen Kurier vom 21. August 2012 geht mir mehr als unter die Haut. Eine Umfrage soll ergeben haben, dass den heutigen Jugendlichen eine gesicherte Pension wichtiger ist als „gute Ausbildung und Job“. Wo sind wir? In Österreich. Die Jungen lernen aus der Körpersprache der Älteren, worum es wirklich geht und was die entscheidenden Fragen sind: Wann kann ich in Pension gehen? Was ist mein Pensionsanspruch? Wie viele Abschläge verträgt meine Frühpension?

Der Himmel auf Erden in Österreich ist die Pension

Robert Mitscha-Eibl postet zu meinem Bild auf Facebook: „Mein Gedanke beim Lesen der Kurier-Schlagzeile heute morgen: Bitte was für eine Generation ist das, die noch vor/schon während der Ausbildung an die Pension denkt?! – Ist Europa wirklich schon so „alt“?“ Genau das ist mir auch durch den Kopf gegangen. Ich selber bin der Überzeugung, dass das Paradigma von der Pension vieles von dem zerstört und zuschüttet, was in den Jungen Menschen eigentlich da ist: „Ich will einer sinnvollen Arbeit und Tätigkeit nachgehen. Damit möchte ich einen „wert-vollen“ Beitrag leisten zum Ganzen. Eine Form der Anerkennung ist eine ordentliche und adäquate existenzsichernde finanzielle Entlohnung.“  Wenn der Caritas-Direktor von Innsbruck berichtet, dass die Jugend „weltoffen und solidarisch“ ist, dann deutet das in diese Richtung. In diesen Fällen habe ich den Eindruck, dass die Jugendlichen nicht in der Pension landen wollen, sondern mitbauen wollen an einer solidarischen Gesellschaft. Ich selber habe mich immer geweigert, eine Zusatzpension anzulegen oder dafür einzuzahlen. Das war mir immer suspekt. Wie kann das funktionieren, wenn ich Geld anhäufe und dann wieder von dem Haufen entnehme. Nein. Das sagt auch schon die Bibel, wenn sie von den vollen Scheunen und den Narren spricht. Aber es ist eine österreichische Denke: Das Jetzt überwinden und das eigentliche Leben beginnt mit der Pension. Du Narr. Heute ist das Leben und alle Politiker sind aufgerufen, diese unendlichen vielen prekären Arbeits- und Dienstverhältnisse (nicht nur) der Projekt- und Praktikums-Jugend in ein ordentliches Gefüge zu bringen. Heute wird den Jugend das Geld entzogen. Ich verstehe bis heute nicht, warum Pensionen %-mäßig angehoben werden. Es genügt ein Sockelbetrag, damit die kleinen Einkommen sich das Lebensnotwendige gut leisten können. Das %-Paradigma kann und soll gerne zugunsten der Jungen gekillt werden.

Durchtauchen ins Leben ?

Ein guter Freund arbeitet in der Baubranche. Starke und zum Teil ungesunde körperliche Arbeit. Er soll befreit werden von dieser Last. Es ist nur interessant, dass die meisten Frühpensionisten nicht aus diesem Bereicht kommen, sondern aus dem öffentlichen Dienst mit weniger starker Arbeit. Darum verstehe ich auch den FB-Eintrag von Veronika Pernsteiner: „Wenn ich noch jung wäre, würde ich fordern: Tut alles, dass ich einer sinnvollen und existenzsichernden Tätigkeit nachgehen kann. Und weil ich nicht mehr jung bin, fordere ich: Unterstützt auch die Betriebe darin, die älteren ArbeitnehmerInnen im (Teilzeit-)Erwerbsleben zu behalten, damit ihr Wissen nicht durch aprupte Pensionierung verloren geht!“ Stimmt. Wie soll das Ganze funktionieren, wenn die Älteren mit ihrem Wissen gehen und die Jungen eigentlich auch schon in der Pension sein wollen. Wer gestaltet das Jetzt, hier und heute, mit Leidenschaft für ein gutes solidarisches Morgen? Ich selber denke wie Ordensleute, Altbauern, Seniorchefs, usw nicht an die Pension, sondern an das, was ich bis zu meiner Abberufung in den Himmel (die Hoffnung stibt zuletzt) noch beitragen kann. Das meine ich ernst.

 

Gemeinschaftlich geprägte Pluralität und Vielfalt der Ordensgemeinschaften als Heimat für „Postchristen“

Josè Casanova ist ein Name, der in den letzten Tagen durch fast alle Medien „gegangen“ ist. Als führender Religionssoziologe hat er den „Theologeischen Preis“ der Salzburger Hochschulwochen bekommen. In seiner Dankesrede hat er dem „Aggoirnamento“ das Wort geredet gegen eine „fundamentalistische Kehrtwende“. Auch die Frage des Stellenwertes der Frauen in der katholischen Kirche hat er als fundamental bezeichnet und sie mit der sozialen Frage des 19. Jahrhunderts verglichen. Auch dort hat sich die Hierarchie zuerst geweigert und dann „die Kurve gekratzt“ (wie wir salopp sagen würden). Ähnliches erhofft er sich in Weitergehen bei der Frauenfrage.

Wie können aus europäischen Postchristen wieder Kirchenmitglieder werden?

In den Salzburger Nachrichten hat Casanova Josef Bruckmoser ein sehr erhellendes Interview gegeben. Bruckmoser titelt in Anspielung auf die Aussage von Casanova, woher der nächste Papst kommen müsse: Jesus war kein Europäer. Das Interview ist absolut lesenswert. Was mich natürlich weiter angezogen hat, waren die beiden Fragen links unten in einem eigenen Kasten unter dem Titel „Vorbild Orden“. Keine Volkskirche für alle – so sind die beiden Fragen getitelt.  Wo wird das europäische Christentum in 20.30 Jahren sein? Casanova: „Die Kirchen sind zwischen zwei Modellen gespalten. Auf der einen Seite sagt die katholische Kirche, die europäische Kultur ist eine allgemein christliche Kultur, wir haben Anspruch darauf. Andererseits gibt es eine Strömung, die sich eher als Sekte versteht: Die Kirche soll rein und heilig sein, es sollen nur die dazugehören, die wirkliche Christen sind.“ Wie können aus europäischen Postchristen wieder Kirchenmitglieder werden? Casanova: „Die Zukunft kann nicht mehr eine Volkskirche für alle sein, sondern es geht um Gemeinschaften. Das erfordert eine große Pluralität innerhalb der Kirchen, eine große Vielfalt. Ein Beispiel sind die Ordensgemeinschaften. Die wissen, dass FranziskanerInnen anders sind als DominikanerInnen. Sie respektieren das gegenseitig und haben einen weiten Begriff der Tradition – im Gegensatz zu den streng konservativen Kräften, die mit Tradition nur die Kirche vor 50 oder 100 Jahren meinen.“

In der Weite und Unterschiedlichkeit liegt die „Heimat“ der „Postchristen“. Die Ordensgemeinschaften in ihrer Vielfalt verstehen sich als „Andockstellen“, als „Free WLAN“ in eine lebendige Gottesbeziehung und in die Möglichkeit zur Verknüpfung in ein WIR, eine „community“.