Aber darin liegt echt viel

Heute hatte ich im Gasthaus beim Frühschoppen wieder einmal eine breite Diskussion über den Sinn und Unsinn von Facebook. Ich bin aufgebrochen und im Zug von Linz nach Wien hat mich via Facebook ein Email erreicht, das ich relativ 1:1 hier zitieren möchte. Die Zeilen sind Ermutigung, Zielbeschreibung und eine Herausforderung für die Medienarbeit für die Ordensgemeinschaften in Österreich.

„Komme gerade von Exerzitien aus dem Haus Subiaco in Kremsmünster und hab dort extrem liebe, witzige und lebensfrohe Benediktinerinnen aus Steinerkirchen an der Traun kennengelernt. Weiß nicht, ob du sie kennst. Ich musste dabei auch an dein Medienprojekt mit den Orden in Österreich denken. Was ich nie so bedachte ist der Missionsaspekt der Schwestern auf der ganzen Welt,  für Caritatives und Soziales einzustehen. Ich habe mich eigentlich sehr wenig mit „Ordenswesen“ auseinander geseetzt. Ich dachte immer,   sie beten „nur“ in ihrem Kloster und versuchen frommer als fromm zu sein. Aber was ich da mitbekommen habe, darin liegt echt viel!!

Vielleicht kann man das auch zeigen, diesen Aspekt klösterlichen Lebens. Das Hinausgehen in die Welt und nicht nur in den Mauern hockn bleiben. Dieses Bild auch zu zeigen und eine neue Sensibilität für Orden zu schaffen. Interessant wär auch für ein paar Jahre auf Zeit ins Kloster zu gehen für Leute, die eben etwas in der Welt bewegen und verändern wollen. Das wäre eine Zukunft für das Ordenswesen, Orte für spirituelle Einkehr zu schaffen und die Klöster dafür öffnen.“

Ich kann nur sagen:
Danke für das Mitdenken „and to share your experience“.
Danke den angesprochenen Ordensschwestern, die das Evangelium so empathisch mit den Menschen, vor allem denen am Rande, teilen, entdecken, erzählen, leben.

Weil sich so viele Frauen kompetent in die Kirche einbringen

„Im Sinne des neuen WIR trägt die Katholische Frauenbewegung dazu bei, Berührungsängste abzubauen und das Verbindende zu stärken. Dies ist wesentlicher Teil ihrer Spiritualität. Dazu gehört auch ihr gesellschaftspolitischer Auftrag, für das gute Leben aller einzutreten.“ Diesen Satz lese ich bei der kfb in der SteiermarkDie unten zitierte Vision stammt von der Tiroler Seelsorgeamtsleiterin Mag.a Elisabeth Rathgeb. Es lohnt, diesen Gedanken nachzuhängen, ihnen auf die Beine zu helfen und Wirklichkeit werden zu lassen. Nicht zuletzt deshalb, weil wir Männer hier „mitgemeint“ und „mitgenommen werden wollen“. Das ist Auftrag.

Frauen verändern Kirche de facto

Elisabeth Rathgeb formuliert: Wenn wir Frauen in der Kirche mehr zu sagen hätten, wäre unsere Kirche

1) eine kommunikativere Kirche, in der die gemeinsame Suche nach Lösungen im Dialog und Gesprächen mehr zählt als starre Hierarchien, als oben und unten, Privilegien und Status.
2) eine menschlichere Kirche, in der das Gesetz für den Menschen da ist und nicht umgekehrt.
3) eine lebendigere (lebensnahe) Kirche, die das Ohr an den Nöten der Menschen hat, aber auch an ihren Hoffnungen und Freuden, die sensibel auf die Zeichen der Zeit reagiert und bereit ist für neue Herausforderungen.
4) eine gerechtere Kirche, in der wahr wird, was wir seit 2000 Jahren vom Apostel Paulus hören: „Es gibt weder Männer noch Frauen, Juden noch Griechen, Sklaven noch Freie – alle seid ihr eins in Jesus Christus.“
5) eine mutigere Kirche, die radikaler in die Fußstapfen Jesu tritt: sozialer, spiritueller und politischer.
6) eine glaubwürdigere Kirche, wo drin ist, was drauf steht.
7) eine fröhlichere Kirche, die öfter tanzt und lacht und singt, eine Kirche mit mehr Leichtigkeit, die sich selber nicht immer so todernst nimmt.

„Dass wir das am besten gemeinsam mit den Männern tun, ist für uns klar.“

Ich zu mir: Alles klar!

Weil sich so viele Frauen kompetent und engagiert in die Kirche einbringen, ist unsere Kirche…..

1) siehe oben usw….

Dass gerade auch die Ordensfrauen hier ein ORDENtliches Stück beibringen, war mir immer klarer.
Jetzt noch viel klarer.

Minderheit und Mehrheit? Eine Frage der Perspektive und der Strahlkraft

Es regnet, wie ich in Lambach ankomme. „Christsein in der Minderheit – Impulse für ein missionarisches Leben“ steht auf dem bunten Folder, der zur Fachtagung 2012 einlädt. Das Stift betrete ich von der Hinterseite und über eine alte Stiege komme ich zum „Normal-Eingang“. Josef Ahammer ist der erste, auf den ich treffe. Die Miva ist Mitveranstalter wie die Ordensgemeinschaften der Frauen- und Männerorden. Der Pfeil zeigt Richtung Refektorium. Dort sammeln sich die etwa 120 BesucherInnen. Noch nicht weiß ich, dass ich beim Mittagessen neben einem Pater aus Argentinien, einer Ordensschwester, die in Neuguinea tätig ist, einer, die in Graz und eine andere, die jetzt nach London geht. Die Schwester gegenüber meint im Laufe des Gespräches: „Ich fahre nächste Woche wieder heim nach Uganda.“ Auch wenn die Akustik im Speisesaal schlecht war, so war die Neugierde stärker und hat uns wunderbar miteinander ins Gespräch gebracht. Ich bin dankbar, in einer solchen „Arbeitsumgebung“ tätig sein zu können.

Den Vortrag twittern

Die Pressearbeit ist bei diesem Kooperationsprojekt schon im Voraus eingefädelt. Kathpress bereichtet, Ö1 ist da und P. Christian Tauchner von den Steylern ist mit Kamera ausgestattet. Die Referate werden per Video aufgezeichnet. Ich werde bei den zwei Vorträgen twittern. Das hat dann doch bei einigen Verantwortlichen Erstaunen ausgelöst. Vor allem Erzbischof Willian D’Souza aus Indien (Bihar) war postiv überrascht, als ich ihm sowohl die Facebookeinträge als auch den Hashtag #Fachtagung2012 gezeigt habe. „There is no time to do this“, meint er recht direkt. Ich habe selten einen so lebendigen, zielorientierten und weltoffenen Erzbischof erlebt. Er hat mit seinen 60.000 KatholikInnen in seiner Diözese unter 25 Millionen Einwohnern eine klare Option: Wir sind für die Menschen da. Die erste Frage für ihn vor allen Dogmen und Vorgaben ist: Was brauchen die Menschen hier bei uns. Da alles trägt er in einem gut verständlichen Englisch vor und ich denke: Gut, dass ich einen Monat in New Orleans war. Er spricht von „barrierefreier Kommunkation“ und dass die Leute einen „Geschmack auf gutes Leben bekommen sollen“. Zeugenschaft ist zentral und Community, die ausstrahlt. „Es geht nicht um die Mehrheit, sondern um die Kraft (powerfull) und die Begeisterung, Salz zu sein. Friede, Gerechtigkeit, Gleichwertigkeit der Geschlechter, gute Versorgung mit Lebensnotwendigem sind die „Richtung, in die es geht“. Hier spricht ein Bischof, der mit den ihm anvertrauten Menschen geht. Zum Abendessen kommt er in Freizeitkleidung und ich erinnere mich dann wieder: „Jeder kann zum Bischof kommen“ und „The Church needs no walls.“

Vom Dorf in die Stadt

Prof.in Maria Widl aus Erfuhrt führt aus, dass die „Dorflogik das Vatikanum II überdauert hat“. Die Kirche agiert in dieser Logik und genau diese Logik ist am Ende. So auch die Kirche. Kurz gesagt plädiert sie für den Aufbruch in die „Stadtlogik“: Selbstbestimmt und frei gewählt. Neue Formen der Community entstehen und die Kirche wird in neuen Bildern sprechen müssen. Nicht mehr die dörfliche Landwirtschaft ist das Paradigma, sondern die urbanen Bilder wie Ökonomie, Filmwelt, Technik, Psychologie, Architektur, Social Media. Es entfacht sich eine Diskussion, was Minderheit und Mehrheit betrifft. Das Gespräch geht zum veröffentlichten Bild von Kirche und Widl meint: Auf Kirche kann man in unserer Kultur nicht wirklich stolz sein, aber auf das Evangelium kann man bauen. Eine Unterscheidung, die bei den Menschen höchste Plausibilität hat und mir sehr sympatisch ist. Seit meinem Assisi-Gehen spreche ich von „jesuanisch geprägter Kirche“ und meine damit als Anker immer das Evangelium. Davon lassen sich die Menschen auch heute noch inspirieren. Selbst führende Wirtschaftstreibende würden sich mehr eine Kirche wünschen, die hier das Evangelium mehr zur Sprache bringt als die Sexualität, „von der sie wenig verstehen und die sie eigentlich nichts angeht“ (Heiner Geißler beim Frühstück in Gmunden).  In jedem Fall sieht der Abt von Lambach, Maximilian Neulinger selbst für sein Stift, das nicht unterwegs ist, eine besondere Aufgabe in der Mission: „Ein besonderes Zeugnis ist die Gastfreundschaft, ein offenes Ohr für jeden.“ Das ist es. Ganz Ohr sein. Oder wie es Sr. Beatrix Mayrhofer von der Vereinigung der Frauenorden Österreichs gleich zu beginn andeutete: Wann sind Christen in der Minderheit? Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich schon da. Das ist es ebenso.

Eine Kurzzusammenfassung:
http://www.koo.at/fileadmin/bilder/fachtagung12/PT_Fachtagung2012_kurz.pdf

 

Weniger ist nicht auf Anhieb das Anliegen der Mehrheit

Ich bin noch nicht lange „Wiener“. Die sommerliche „Parkpickerl-Diskussion“ geht nicht spurlos vorbei. Aufgeregtheit liegt in der Luft wie bei jeder Veränderung. Die dahinsiechende VP in Wien hat das „Auferstehungswerkzeug“ entdeckt. Wer das Auto in irgend einer Form in Frage stellt oder mit „Maut“ belegt, kann auf „Auto-Solidarität“ bauen. In Unterschriften wurde das in Wien 120.000 mal zum Ausdruck gebracht. Soweit mir Zahlen zugänglich sind, haben von 10 Personen 1,4 unterschrieben. 8,6 Personen haben einstweilen nichts gemacht. Das ist doch eine große Mehrheit, die der Frage keinen „Aktivitätsimpuls“ versetzt hat. Auch bei mir gibt es kein Impulsbedürfnis zur Auto-Schonung.

Mobilität und nicht Auto

Gut erinnern kann ich mich an die breiten Straßen in den Vororten New Orleans. Ich selber hatte das Gefühl, dass dort dem Auto unglaublich viel Fläche geopfert wird. Es gibt wenige, die wie ich zu Fuß unterwegs waren. Und ebenso wenige waren mit dem Fahrrad unterwegs. Mehr schon mit dem Bus und mit der Tram. Es waren die Ärmeren, die darauf angewiesen sind. Das Auto ist Statussymbol, tausendfach psychologisch durchleuchtet. Wer in dieser Stadt 200 Jahre zurückgeht, sieht die Spuren der autolosen Zeit. Dann hat sich dieses luft- und flächenverzehrende Ungetüm über die Stadt hergemacht.  Das Model Mobilität mit Auto hat eine derartige Plausibilität und Sehnsuchtshaltung dorthin entwickelt, dass ein Weniger beim Auto mit einem unglaublichen Lebensqualitätsverlust assoziiert wird. Dabei gibt es Beispiele (im Buch von C.Chorherr, Verändert! angeführt), wie ein Weniger zu mehr Lebensqualität führt.  Viele spüren das und noch mehr genießen das in den autolosen Zonen. Es ist nur schade, dass diese dann oft mit dem Auto angesteuert werden. Ich selber genieße es ungemein, mich hier nicht mit einem Auto herumschlagen zu müssen. U-Bahn, Straßenbahn, Bus und die Füße bringen mich überall hin. Ehrlich: Vor ein paar Jahren hätte ich mir das nicht vorstellen können. Heute kann ich mir das umgekehrt nicht mehr vorstellen. Das Gehen und die innere Einstellung zur Mobilität haben mich verändert. Aus meiner Sicht. positiv. Ein Weniger an Auto ist ein Mehr an Lebensqualität. „Age of Less“ heißt ein Buch von D. Boshart. Mehr Füße hilft, das eigene Mobilitätsverhalten zu überdenken. Zu Fuß komme ich sehr weit. Aber muss ich überall hin?

NZZ schildert die Einführung des Götzen Auto in Hamburg

„Bald aber machte sich mit dem Auto ein neuer Götze breit. Stadtplaner und Architekten führten weiter, was bereits die Nazis begonnen hatten: die autogerechte Umgestaltung der Stadt. An die Stelle der weitgehend unrealisiert gebliebenen Monumentalität der 1930er Jahre traten nun urbanistische Visionen aus den USA, wie die suggestive Ausstellung «Die Stadt und das Auto» im Museum der Arbeit eindrücklich zu erzählen weiss. Die feinmaschige Stadtstruktur, wie man sie heute noch an der Deichstrasse oder im Gängeviertel erahnen kann, wurde durch breite Strassen überlagert, welche die Verkehrsteilnehmer trennten und die Fussgänger Lärm und Abgasen aussetzten.“ Ich schlage vor, das Rad nicht zurückzudrehen, sondern nach vorne in eine neue menschenfreundliche Feinmaschigkeit der Stadt.

 

 

 

Johannesweg: In 21 Stunden das eigene Leben „umpilgern“

Die gut gestaltete Karte zum neuen Johannesweg auf der Mühlviertler Alm ist eingepackt. Meine Frau und ich waren uns seit der Eröffnung am 24. Juni 2012 einig, dass wird den 72 km langen Rundweg „gleich einmal gehen wollen“ [21. 7. 2013: Der Weg wurde auf 80 km verlängert].  Bei der Gestaltung der zwölf Wegstationen durfte ich ideenmäßig mitwirken. Die Inhalte waren vorgegeben. Das erste Juliwochenende war zwei Tage frei. Wir haben vor, die ganze Strecke nicht wie vorgesehen in drei sondern in zwei Tagen zu gehen. Die Erfahrung hat mir gelehrt: Vier Kilometer in der Stunde. Das wären 18 Stunden. Hast und Eile sind nicht des Pilgers Sache. Außerdem sind die Höhenmeter in dieser Gegend nicht unerheblich. Nach nicht ganz 21 Stunden waren wir wieder am Start angelangt.

Unser Einstieg war nicht der vorgesehene Startpunkt

St. Leonhard haben wir als Startpunkt für unser Gehen und Pilgern ausgewählt. Das Grab einer guten Freundin (Martha Huber) suchen wir als erstes auf. Gleich an der ersten „Johannes-Tafel“ begegnen wir Herbert Punz, der die Strecke auf dem Gemeindegebiet von St. Leonhard markiert hat. Großes Lob für ihn und für alle anderen Wegmarkierer. Wunderbar ausgeschildert. Nach etwa zehn Minuten kommen wir zur  Station Bründlkapelle. Eine schöne Kapelle, das Bründlwasser fließt und wir lesen hier aufmerksam am Johannes-Stamm den Lebenstipp des Dermatologen Johannes Neuhofer: „Werde großzügig und strebe nicht gierig nach noch mehr.“ Viele Gespräche kommen mir in den Sinn, die sich im Grunde um das „Loslassen“ drehen. Das Dilemma der Etablierten ist, dass Loslassen und ein freies Zutrauen keinen Platz (mehr) haben. Was nutzt MIR und viel weniger: Was nutzt UNS. Wir trinken vom heilsamen Wasser und gehen den Weg hinunter. Der Aufstieg zum Haiderberg lässt die ersten Schweißperlen aufkommen und in Langfirling begegnen wir einem übergroßen Florian, der aus der dort gefällten Linde geschnitzt wurde. Ein Stück der wenig befahrenen Straße entlang kommen wir zur Waldfeldkapelle. Überhaupt: Wir begegnen sehr vielen sehr schön gestalteten Kapellen und Marterln, die wir immer wieder als „manifestierte Dankbarkeit“ interpretieren.

Schwarze und weiße Aist

Die Augen haben nach zwei Stunden gehen den Kirchturm von Weitersfelden erspäht. Der Weg führt hinunter zum Zusammenfluss von schwarzer und weißer Aist. Ein Fischer hat dort Platz genommen. Wir gehen mit dem Johannesweg auf dem Wollness-Weg rund um Weitersfelden. Zwei Liegen wurden dort schon vor Jahren platziert. Die Weisheit des Johannes-Stammes ist auf der Tafel mit der weißen Lilie im Stamm aufgeschrieben. „Sei tolerant gegenüber deinem Gesprächspartner und akzeptiere auch seine Vorstellungen.“ Ein schwarzer und weißer Fluss fließen hier zusammen. In großer „Toleranz“ mischt sich das Wasser. Der weitere Weg hat seine Gesprächsinhalte gefunden. Wie sehen wir unsere Beziehung, unsere Ehe, unseren Alltag, unser „Zusammengehen“?  Toleranz ist wichtig und doch gibt es noch mehr, um in guter Beziehung zu leben. Es gibt Gesprächsstoff für den Weg – zumindest bis zur nächsten Steigung, die Schritt und Atem näher zusammenführt.

„Shorty“ begleitet uns

Beim Aufstieg nach Nadelbach gesellt sich ein brauner Dackel zu uns. Wir beide sind keine ausgesprochenen Hundeliebhaber. Er macht aber gleich einen zutraulichen Eindruck und er läuft mit uns, als ob er zu uns gehören würde. In Nadelbach haben drei Männer, die auf einer Bank die Vormittagssonne genießen, gemeint: „Ach, der geht öfters wandern mit.“ Ich denke an eine Begebenheit am Weg nach Mariazell, wo auch ein Hund etwa drei Stunden bis Lunz mitgegangen ist und dann wieder zurückgefunden hat. So dachte ich auch bei „Shorty“, wie wir ihn wegen der kurzen Beine genannt haben. Der Weg führt von Nadelbach kilometerweit auf schönen Naturwegen hinauf zur nördlichsten Stelle, dem Kammererberg auf 980 Höhenmeter. Der Ausblick ist wunderbar. Natürlich geht es, wer weit hinaufgegangen ist, wieder hinunter ins Tal. Weil wir auf der Alm sind, geht es nach Kaltenberg wieder hinauf, wo wir zusammen mit Shorty um 13.45 Uhr im Gasthaus Neubauer ankommen. Wir müssen uns rechtfertigen, den Shorty ist der erste, der die Gaststube betritt und gleich einmal unter den Tischen herumschnüffelt. Die Wirtsleute sind allerdings sehr professionell und hilfsbereit. Shorty wird „eingefangen“ und mittels Telefon wird ein Abholdienst organisiert. „Alleine findet er nicht mehr heim“, haben sie gewusst. Nach kurzer Zeit kommt eine Frau und es heißt Abschied nehmen von einem lieben Begleiter. Die erste Zeit hinunter am Kreuzweg nach Unterweißenbach fehlt er uns direkt etwas. Unser Gespräch geht immer wieder in die Richtung: Wie gehen wir mit „Überraschendem“ um? Der letzte Johannes-Stamm an der Aistschlinge bei Weitersfelden hat uns „mitgegeben“: Sei hilfsbereit und ein guter Gastgeber. Wir hoffen doch, dass wir für Shorty gute Wanderkollegen waren. Hier in Kaltenberg wäre normalerweise die Tagesetappe zu Ende. Was täten wir mit dem „angebrochenen Nachmittag“? Eben: Wir gehen  nach einer halben Stunde Pause weiter.

Abstieg und Aufstieg der besonderen Art

Immer wieder begegnen uns am Weg die Folgen von massiven Regengüssen. Der steile Kreuzweg hinunter nach Unterweißenbach wird gerade gerichtet. Zwei Leute graben händisch frische Wasserauslässe. Es berührt uns, wie sich Menschen hier um diesen Weg kümmern. Wir gehen den Kreuzweg hinunter und die Menschen hier gehen ihn normalerweise herauf. Uns steht der Aufstieg aber erst bevor. Durch Unterweißenbach gehen wir durch, vorbei am Büro der Mühlviertler Alm. Das Büro ist natürlich am Samstag nachmittag  geschlossen. Wenn offen gewesen wäre, hätten wir natürlich den „WorkerInnen“ des Johannesweges einen Besuch abgestattet. Der Aufstieg auf den Wegererstein ist unser Kreuzweg, weil er steil ist. 200 Höhenmeter sind zu bewältigen. Begleitet werden wir auf der kommenden Strecke bis zur Hirschalm vom Pilgerpfad „In die Nähe Gottes gehen“ zu den sieben Sakramenten. Firmung, Eucharistie und Taufe „liegen am Weg“.  Die Texte und „Verweilorte“ nutzen wir beide, um uns zu sammeln auf das Wesentliche hin. Beim Eucharistie-Platz teilen wir das kleine Brot, das wir mitgenommen haben. Die Hirschalm erreichen wir um 16.15 Uhr und machen dort, weil wir den quirligen Betreiber Josef Aglas persönlich gut kennen, eine Stunde Pause. Er selbst kann sich nur kurz Zeit nehmen, weil er zwei Hochzeitsgesellschaften zu betreuen hat.

Der schönste Blick

Um 17.15 Uhr machen wir uns zur letzten Etappe dieses Tages auf. Immer wieder haben wir „Gipfelkreuz“ gehört und nicht gewusst, wie und was. Der Weg führt uns leicht hinauf und wieder leicht hinunter bis zum kurzen steilen Anstieg zum Gipfelkreuz. Ein wunderbarer Platz mit einer wunderbaren Aussicht. Im Tal unten liegt Königswiesen unser Tagesziel. Ein Radfahrer aus Wien ist zur gleich Zeit oben und so machen wir jeweils voneinander Fotos. Wir sind uns einig: Ein Gipfelerlebnis mitten im Mühlviertel auf 920 m. Wir sind dankbar, hier zu sein und es drängt uns gar nicht talwärts. Es muss aber sein. Nach einem Abstieg von 920 m auf 610 m erreichen wir Königswiesen um 19.15 Uhr. In der Kirche ist gerade der Abendgottesdienst und wir beten das Vater unser mit. 9 1/2 Stunden Gehzeit liegen hinter uns. Das Wetter war uns wohlgesonnen. Shorty wird wieder daheim sein. Wir genießen in trauter Zweisamkeit den Gastgarten der Karlingers und lassen den Tag nochmals vorüber ziehen. Wir sehen ihn als großes Geschenk. Der Hunger ist „vergangen“ und so brauchen wir nur eine Kleinigkeit. Wer geht, braucht weniger Essen.  Es war anstrengend – aber nährend. Die Kraft kommt im Gehen. Wir gehen bald ins Bett, den der morgige Tag beginnt um 4.15 Uhr.

Zu wenig Aufmerksamkeit ist unser „Vergehen“

Es ist noch finster. Leichte Dämmerung ist um 4.18 Uhr (das zeigt die Uhr am Marktplatz) spürbar. Die Kirche ist leicht beleuchtet. Wir finden wieder unsere Wegmarkierung „Johannesweg“. Wir haben gestern schon gesehen, dass klar und gut markiert ist. Königswiesen verlassen wir bergwärts. Wir hören Menschen „gröllen“. Ein Fest neigt sich dem Ende und die akustischen Überbleibsel hören wir eine Stunde lang. Unglaublich, wie sich das in die tiefe Stille der Gegend bohrt. Bei der Straßenüberquerung übersehen wir ein Schild (es ist noch nicht ganz hell) und gehen falsch. Nach etwa einem Kilometer ist uns klar (es wird immer heller), dass wir falsch sind. Wir wagen einen frei gewählten Bogen einen Bach entlang zurück auf „unseren Weg“. Wir treffen ihn wieder und sind froh. „Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke“ geht mir und uns durch den Kopf. Wir gehen bergwärts durch das nasse Gras. Die Schuhe „feuchteln“. Meine Waldviertler werden innen aber nicht klassisch nass. Ein Schuh, den ich absolut empfehlen kann für solches Gelände. Nach etwa einer Stunde zeigt sich die Sonne hinter uns und unsere Seele erwacht mit. Wir haben beim Weggehen nichts gegessen. Klares Wasser war heute unser Kaffee. Nach vier Stunden erreichen wir Pierbach auf Wegen mit wunderbaren Aussichten und Stimmungen in der Landschaft. Die Nebelfetzen verziehen sich, der Tau trocknet und unsere Schuhe werden wieder trocken, weil es in diesem Fall Gott sei Dank auf Güterwegen dahingeht. Im Gasthaus Populorum geht gerade jetzt das Tor auf, weil die Kirchenbesucher und wir da sind. Für ein wunderbares Frühstück ist jetzt Zeit. Ein so frühes Weggehen ist auch an drei Tagen wirklich empfehlenswert.

Mitpilger vor und hinter uns

Eine Frau hat am Weg zu uns gemeint: „Jetzt mit dem Johannesweg gehen mehr Leute mit Rucksack.“ Klar. Sie sind drei Tage unterwegs und da packt man einiges ein. Sparsam, wenig, aber doch braucht es den Rucksack. An diesem erkennen wir unsere heutigen Mitpilger, die ihren Johannesweg am vorgesehenen Start in Pierbach „angehen“. Sie sind einmal vor uns und dann wieder hinter uns. Unser Weg führt uns auf der Straße hinaus zur Abzweigung „hinüber zum Irxenmayr“, wo die Eröffnung stattfand. Der Johannesbrunnen und die Engelskapelle mit ihren Johannes-Stämmen sind ein unvergesslicher Platz. Wir trinken und waschen uns den Schweiß nicht nur von der Stirn. Die Sonne steigt und „wärmt“. Wir gehen wieder hinunter ins Tal und entlang des Baches hinauf nach Schönau, wo wir um 12.15 Uhr ankommen. Die Kirchenglocken habe wir beim Hinaufgehen gehört. Dort versperrt uns das „Dorffest“ den Weg. In der kühlen Kirche halten wir inne und stärken uns zu zweit mit einem Grillhenderl. Sollen wir das überhaupt essen? Ja, es hat gut getan. Schöne Gespräche beim Ankommen dort lassen wir bei uns nachwirken. Eine Dorfgemeinschaft begegnet uns, die wir auch von daheim kennen. Es heißt aber weiter und laut Karte haben wir noch einige Höhenmeter vor uns. Es geht kontinuierlich nach oben. Der Aufstieg entlang der Speedgleitbahn zum Herrgottsitz fordert mentale Stärke, weil es die Mittagssonne mit uns sehr gut meint. Nach den mehr als 200 Höhenmetern erwartet uns allerdings ein wunderbarer Ort. Es kann schon sein, dass sich hier Gott Vater und Gott Mutter niedergelassen haben, „um das Mühlviertel zu genießen“. Wir machen einige Fotos und unterhalten uns über unser Gottesbild: Vater und Mutter. Wenn wir Jesus genau nehmen, dann dürfte da oben am Herrgottsitz nur ein Kind Platz nehmen: Er stellte ein Kind in die Mitte. Wir lassen uns füllen von diesem kraftvollen Ort und sind bereit, nochmals abzusteigen.

Abstieg und nochmaliger Anstieg

Der weite freie Blick auf das Mühlviertel lässt uns den Weg über Feld- und Wiesenwegen hinunter zur Ruine Prandegg gehen. Ein solcher immer leicht abfallender Weg lässt Luft für Gespräche. Das genießen wir an diesem Johannesweg: Dass er Luft nimmt und Luft gibt im Auf und Ab. Um 14.15 Uhr erreichen wir die Ruine. Die Taverne ist unser Ziel. Etwas trinken und etwas sitzen. Unsere PilgergefährtInnen nehmen neben uns Platz. Meine Frau wirkt etwas gribbelig. Von unserem Assisi-Gehen weiß ich, dass sie mit zwei Dingen nicht ganz „locker“ umgehen kann: Den Weg verlieren und Gewitter. Es wird ganz schwarz am Himmel. Ich beruhige und bete innerlich ganz fest, dass es kein Gewitter werden möge. Wir verlassen die Ruine und gehen hinunter an die Aist zur Haselmühle. Es wird immer dunkler und die ersten Regentropfen erreichen uns. Aber: Es bleibt dabei. Die Regenjacke, die meine Frau übergeworfen hat, war „Drohung“ genug und ein starker Wind hat die Wolken weder verblasen. Danke nach ganz oben. Es hätte auch anders sein können. Ab der Haselmühle geht es wieder etwa 250 Höhenmeter aufwärts. Schwül, 18 Stunden Gehzeit in den Beinen und wir rechnen noch mit zwei Stunden. Oben am Kamm angekommen, geht es in Folge mit einem wunderbaren Blick über das Mühlviertel kontinuierlich hinaus nach St. Leonhard, wo wir um 17.15 Uhr ankommen. Ich mache noch einige Fotos, weil mir am Weg einige Ideen für meine Arbeit gekommen sind. Nach dem Dank in der Kirche legen wir uns unter die Linden, Schuhe aus und einfach den Himmel genießen. Nicht ganz 21 Stunden haben wir am Weg verbracht. Manchmal zügig unterwegs und dann wieder Zeit zum Wahrnehmen, Schauen, Spüren und Genießen. Bevor wir nach Hause aufbrechen, nehmen wir noch im Gastgarten Platz. „Wie ist der Weg?“, hören wir nicht nur einmal. Wir sind uns ganz sicher: Eine gute Möglichkeit, das eigene Leben in zwei – besser in drei – Tagen zu umrunden oder zu „umpilgern“.

Immer wieder taucht meine Rechnung auf:
Gehe drei Tage sieben Stunden und du wirst heilsame Erfahrungen machen.
Dieser Weg ist bestens dazu geeignet.

Facts und unsere Erfahrung:

  • Den Weg in drei Tagen zu gehen ist sicherlich die „richtige“ Entscheidung. Ein langer Tag hat mehr Stunden zum Gehen als manche glauben. [21. 7. 2013: Der Weg ist jetzt auf 80 Kilometer angewachsen. Dh. 2 Gehstunden mehr.]
  • Die sehr gut aufbereitete und übersichtliche Wanderkarte zum Johannesweg im Büro der Mühlviertler Alm vorher anfordern.
    [21. 7. 2013: Die Wanderkarte ist schon aktualisiert.]
  • Bei den Zeitangaben im Internet würden wir einfach jeden Tag eine Stunde dazugeben und das als Netto-Gehzeiten sehen. Das ist relativ leicht machbar.
  • Der Weg ist toll beschildert und geht ganz selten entlang viel befahrener Straßen. Nie gefährlich. Drei „mächtigere Anstiege“ Wegererstein (Unterweißenbach – Hirschalm), Herrgottssitz (nach Schönau) und der Aufstieg nach der Haselmühle.
  • Nach zwei bis drei Stunden ist immer Gelegenheit zu einer ausgiebigen Rast. Damit verbunden muss nicht immer Essen sein. Zu viel und zu schwer essen macht müde, nimmt Energie und beschwert die Füsse. Trinken, Suppe, Milch und Käse, Salat, Studentenfutter usw sind gut für den Weg geeignet. Ich trinke auch gerne Kaffee. Am Weg trinke ich ausschließlich und viel Brunnen bzw. Quell- und Bachwasser. Es gibt immer wieder „Bründl“.

 

Meine einschneidensten Erfahrungen sammelte ich bei diversen Bergtouren, Zu Fuß vom Bodensee zum Neusiedlersee 2004, Assisi-Gehen 2009, Stadtpilgern 2010, als Vagabund in New Orleans 2011, Ich ging ins Kloster Volkenroda (750 km nach Thüringen) 2012, beim jährlichen bergGEHEN mit 12-15 Personen, Zu Fuß nach Mariazell (mehrmals fünf Tage) und Maria Taferl (2011) usw

Das Vatikanum II ist im Geburtskanal stecken geblieben

Hitze am Dachboden des Stephansdomes in Wien. Etwa 250 Personen sind die enge Stiege heraufgeklettert. Ein Buch wird vorgestellt. Das zieht mich ebenfalls hin. Matthias Beck, Leben – wie geht das?. Heinz Nußbaumer wird den Autor, Moraltheologen und Priester Fragen stellen und darauf den Redefluss nicht viel unterbrechen. So war es ausgemacht. Prof. Beck ist ein Meister des bogen-spannenden Welt-Erklärens. Er beginnt und holt weit aus. Er ist erfüllt Leichtigkeit, die Welt, Gott und den Menschen in größere Zusammenhängen zu stellen. Das Zuhören fällt leicht. Seine bildhafte Sprache macht es leichter.

Das Konzil steckt

Ein Bild ist mir vom Abend hängen geblieben, dh. es sind mehrere hängen geblieben, aber dieses Gehörte gehört auf diesen Blog: Prof. Beck schildert, dass er tagsüber bei einer Medienschulung war. Dort wurde man zum Thema des zweiten Vatikanums befragt. Er hat in einer ersten Aufnahmestafel in die Kamera gesagt: „Das Kind, das Vatikanum II, ist im Geburtskanal stecken geblieben.“ Weiters hat er laut seiner Erzählung der laufenden Kamera wissen lassen: „Die Kirche steht in einem Verwesungsprozess.“ Die darauf folgende gemeinsame Auswertung bei der Medienschulung hat allerdings ergeben, „dass man das so nicht in eine Kamera sagen darf“. Zu drastisch formuliert. Natürlich frage ich mich: Wer hat hier geschult mit welchem Interesse? Hat nicht er damit recht anschlaulich zum Ausdruck gebracht, was andere (Weihbischöfe) auch in einem ganzen Buch sagen: Im Sprung gehemmt. Gestern entsteht zu dem hier Gehörten eine Brücke. Kein Stecken im Geburtskanal und schon gar kein Verwesungsgeruch.

Interreligiöse Feiern

Mein gestriger Besuch bei den Salvatorianerinnen in Wien hat mich bereichert. In einem Programmheft ihres Gesundheitszentrum ist der Satz sinngemäß zu lesen: Wer offen in ein Gespräch geht, kommt verändert heraus. Das war auch so. Zwischenstep: Natürlich sind bei dieser Hitze eher „nebensächliche und aus dem Klischee kommende Fragestellung“ sinnvoll. Was tun Ordensleute angesichts der doch etwas hohen Temperaturen.  Freilich fragen sich „normale Menschen“, ob so eine Ordenstracht nicht heiß ist. Aber der Business-Anzug der im ersten Bezirk herumeilenden Beamtenschaft ist es auch. Dort wie da gibt es Mittel dagegen. Deshalb ist der Kathpress-Artikel wirklich informativ. Aber zurück zum Gespräch, wo ich auch mit einigen Schweißperlen nach der Umrundung der Ordensgebäude angekommen bin. Ich treffe ganz „normale Menschen“. Von dort bei den Salvatorianerinnen nehme ich mit, dass schon zehn Jahre lang die liturgischen Feiern interreligiös gefeiert werden. Es sind gemeinsame Feiern, wo jeder in seinem Glauben da sein darf und das auch im Rahmen der Liturgie zum Ausdruck kommt. Sr. Maria meint, dass das ganz intensive und besondere Zeiten im Kloster sind. Dieses Brückenbauen gehört aus ihrer Sicht zum zentralen Auftrag der Orden heute in einer multikulturellen Gesellschaft. Natürlich fällt mir da das Buch von Kuschel, Leben ist Brücken bauen, ein. Das Buch von Allan, Das neue Gesicht der Kirche, haben wir auch angesprochen. Die Orden haben – nach Allan – die Aufgabe, den unterschiedlichsten religösen Menschen Beheimatung zu geben. Die Orden selbst sind vielfältig und einer ihrer Zukunftsaufgaben ist  die Vielfalt, die Ermöglichung und die Gestaltung dieser Vielfalt.

Meine Überzeugung ist:
Die Ordensgemeinschaften weltweit werden einen wesentlichen Beitrag leisten, dass eine jesuanisch geprägte Kirche um der Menschen willen zur Welt kommt. Da kann sie niemand betäuben und niemand einfangen. Diese Perlen in den Orden sind den Menschen behutsam und ohne Ängstlichkeit vor der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.Kommt und seht. Lasst euch vielfältigst überraschen.

 

 

Räume freihalten und Verschüttetes freilegen

„Haben die Orden Zukunft?“, steht in der Einladung zum Podiumsgespräch im Linzer Schlossmuseum. Der Zug ist pünktlich, das Taxi steckt im Verkehr und so erreiche ich nur mehr die halbe Begrüßung. Die fünf Ordensleute stellen sich vor.

Was war anziehend?

Die Generaloberin der Elisabethinen in Linz, Sr. Barbara Lehner, schildert, wie sie schon als junge Mitarbeiterin in der Küche bei den „Liesln“ von den fünf Schwestern angezogen war: „Die fröhliche umgängliche Art der Schwestern hat mich angesprochen und angezogen.“  Der Regionalobere der Marianisten, P. Hans Eidenberger, schildert, wie er über kleine Schritte in die Nähe der Marianisten gekommen und schließlich dort gelandet ist. P. Karl Bleibtreu von den Salesianern Don Boscos war von der Gestalt Don Boscos fasziniert: „Der stand mitten im Leben. Das war faszinierend.“ Sr. Teresa Hametner von den Franziskanerinnen in Vöcklabruck hat Interesse am Ordensleben gezeigt und sie hat daraufhin aus der Umgebung gehört: „Schau dir die Vöcklabruckinnen an. Die sind normal.“ Herr Markus Grasl von den Chorherren in Reichersberg wurde direkt angesprochen: „Kannst du dir nicht vorstellen, Priester zu werden?“ „Nein“, war seine Antwort und dann hat er das Stift kennengelernt. Mein Eindruck war, dass jede biografische Schilderung als Wegweiser in die Zukunft gesehen werden kann. Da waren es umgängliche Schwstern, dort die direkte Frage, da die kleinen Schritte, hier wieder ein faszinierender Ordensgründer, schließlich eine „normale community“.

Haben die Orden Zukunft?

Es hat von der Moderatorin her ein wenig gedauert, bis die Schlüsselfrage nach der Zukunft kam. Der Grundtenor in der Beantwortung war: Yes. There is future! Sr. Teresa betont, dass die Orden ein schärferes Profil entwickeln müssen. Da fällt mir gleich die A4-Seite mit dem „Profil-Check“ ein. Dann noch der Wille: Wir müssen uns mehr in die Öffentlichkeit  gehen. Balsam auf die Seele eines frischen Medien- und Kommunikationsverantwortlichen auf Ö-Ebene. Sr. Barbara ist sich sicher, dass eine klare Besinnung auf den Auftrag Wege in die Zukunft weist. P. Karl spricht die Liebeswürdigkeit und die Gemeinschaft an. Heute leben viel mehr Menschen mit den Orden mit als früher. Die Salesianer haben Erfahrungen mit Hunderten von Volunteers in ihrem weltweiten Einsatzorten. „Wenn wir für unsere Sache kämpfen und begeistert leben, dann zieht das an“, ist P. Karl überzeugt. Mir fallen sein ungewöhnlichen Aktionen in der Pfarre Don Bosco ein. Wenn in den Ferienmonaten die Kinder in die Pfarre kommen, dann haben 90 % kein Frühstück gehabt. P. Karl geht zum Bäcker und holt Semmeln. Herr Markus bleibt rech gelassen und meint: „Unser Stift besteht seit 920 Jahre und es waren immer zwischen 20 und 30 da.“  Natürlich wurde auch manches Überholte angesprochen und dann viel der markante Satz: „Habt Mut zum Aussterben, damit Neues werden kann.“ Ich atme durch und spüre, dass einzelne kleinere Ordensgemeinschaften nicht weit davon weg sind.

Selbstbewusstsein entwickeln, mutig auftreten

„Wir brauchen uns nicht dauernd entschuldigen, dass es uns gibt“, meint Sr. Teresa. Sie hat recht. Manchmal habe ich auch den Eindruck, dass es eine falsche Bescheidenheit gibt. Mir selber taugen einfach Menschen und in besonderer Weise Schwestern, die nichts scheuen und erhobenen Hauptes auf Augenhöhe auf die Menschen zugehen. Sr. Kunigunde (sie ist die Vorsitzende der Vereinigung aller Frauenorden) betont das immer wieder. Das Charisma und der Beitrag der Schwestern ist unterschätzt. Deshalb sage ich: Das dürfen über die Medien alle wissen, was hier dahinter steckt und was geleistet wird für die Menschen. Wir werden dazu die eine oder andere Klostermauer überspringen und dorthin gehen, „wo die Menschen sind“. Frei sein und sich nicht binden wollen ist heute das Lebensprogramm. Das steht diametral gegenüber zum Sich einlassen auf das WIR und die Treue zum Auftrag. Heute wollen viele alles haben und wir Ordensleute haben alles, obwohl wir nicht viel haben. Ich denke: Es werden wieder Menschen begreifen, dass hier ein Stück der neuen Freiheit aufleuchtet. Dafür die Räume freihalten und in den Menschen das Verschüttete freilegen, ist die Aufgabe für die Zukunft. Ich finde es eine schöne Sache, hier mithelfen zu dürfen.

 

 

Der Spalt geht auf und wo ist die Kirche im Kampf für Solidarität und Gerechtigkeit

Etwas betroffen verfolge ich heute die neuesten Ereignisse in der „ungehorsamen Gehorsamsdebatte oder im gehorsamen Ungehorsamsverhalten“. Es ist so weit. Die in der Logik gehorsam vorgetragenen Anliegen sind am Tisch. Inhaltlich schlüssige Antworten sind die Bischöfe schuldig geblieben. Ich nehme als Beispiel jetzt nicht die Frauenweihe, weil sie hier in einer besonderen selbstverfassten Zwickmühle sitzen. Der Vatikan hat festgelegt, „dass man in diesem Falle gar nicht ‚handlungsbefähigt‘ ist.“ Das erinnert mich an die geschlossenen Excel-Listen, die im Hintergrund programmiert sind und die Admin-Rechte zur Veränderung sind einzig und alleine im Himmel. Jesus hat programmiert und der ist in den Himmel aufgefahren. Dort alleine liegen Login und Passwort für eine Umprogrammierung: „Wir können da gar nichts machen.“

Der ungeschminkte Blick und die Solidarität der 70%

Nein, ich nehme das Beispiel der Ausdünnung der Seelsorge. Hat je ein Bischof schlüssig auf Zukunft hin erklärt, wie es in der Pfarrseelsorge bei den konkreten Menschen weitergehen soll, wenn die in dieser Aufgabe zum Zölibat Verpflichteten noch weniger und älter geworden sind? Gestern hat mich in einem Meeting eine PR-Verantwortliche gefragt, warum die Medien immer nur über Priester schreiben und so selten über Ordensschwestern, Ordensbrüder oder speziell beauftragte TheologInnen in wichtigen Funktionen.
Meine Sichtweise hat sich über die Jahre herausgebildet:
1. Geweiht ist beim Großteil der KatholikInnen selbst viel mehr als getauft.
2. Die Bischöfe und die Hierarchie selber betonen immer wieder die Wichtigkeit des Priesteramtes (gerade jetzt in der Zeit der Priesterweihen).
3. Die Medien beobachten das und übernehmen diesen Prioritäten-Raster.
4. Was für enorm wichtig erklärt und rar wird, wird noch interessanter.
5. Die Medien selber agieren im „Hierarchie-Modus“ und kennen den synodalen Communio-Modus nicht oder nur sehr selten.

Der Dienst an der Gesellschaft erlaubt den Spalt nicht

Die Lösung der Hierarchie liegt meiner Wahrnehmung im Gesundschrumpfen. Die kleine Herde ist kein verpöntes Wort mehr in den oberen Etagen. Auf Twitter wurde die Aktion 70% gestartet. Das Ziel ist, die 70 % ChristInnen in den Fokus zu nehmen, die in unserem Land leben. Sie haben ein Anrecht, als Getaufte gesehen zu werden. Das sind nicht nur die Müden, sondern auch die Kreativen, die Suchenden, die „Fremd-Gewordenen“. Sie haben ein Anrecht, dass sie Kontakt, Seelsorge, Sakramente und die Vorbereitung darauf gut und professionell erleben. Die ausgedünnte Decke der Priester und die nicht „wirklich handlungsbemächtigten Laien“ sind nicht jene Netz-Brücke, über die Menschen gehen werden (wollen). Schade, dass nicht an der Verdichtung des Netzes gearbeitet wird, sondern jetzt mit Sanktionsmaßnahmen der Spalt aufgeschlagen wird. Dabei wäre entlang dieser „Gehorsams-Ungehorsams-Debatte“ etwas möglich: „Der ungeschminkte Blick auf die Realität birgt das größte Veränderungspotential in sich.“ So bleibt eigentlich nur die Hoffnung, die Sr. Kunigunde Fürst in ihrem Interview in den OÖN formuliert hat: „Die Erneuerung der Kirche fängt unten an, von oben wird sie nicht kommen.“  Der Spalt von oben wäre nicht notwendig gewesen in gemeinsamer Verantwortung für die Zukunft des Netzwerkes Jesu. Und dass die Impulse des Netzwerkes Jesu gesellschaftlich notwendigst wäre, betonte gestern die Sozialethikerin Ingeborg Gabriel: „Mit ihrem „beeindruckenden“ Netzwerk sollten die Kirchen in verschiedensten Bereichen ihren Beitrag zu einem verstärkten Gerechtigkeitsdiskurs leisten.“ Dieser Kampf für Gerechtigkeit und Solidarität lässt diese innerkirchlichen Spaltereien erblassen, oder?