Selig, die Trauernden oder Selig, die Vergesslichen

Es ist bis heute für mich, der ich 1981 die Diplomarbeit  zur Theologie von J. B. Metz geschrieben habe, immer wieder eine tiefe Herausforderung, wenn Metz sich zu Wort meldet. Ich verdanke ihm seit damals den erzählenden Charakter der Theologie und bis heute ist er für mich der Mahner, dass wir nicht die Sünde als erstes sehen, sondern das Leid und die Leiden der Menschen wahrnehmen, erzählen und in die heilende Gemeinschaft mit Gott bringen. Das heißt für uns persönlich die Fähigkeit zur Compassion, zum leidenschaftlichen Mitleid wachsen zu lassen.

Die Spur der Leidenden in der Menschheit nicht verlieren

In der „Zeit“ ( http://bit.ly/ak61Lh ) hat sich Metz nun wieder zu Wort gemeldet und benannt, worum es in der Nachfolge Jesu geht. Er stellt damit die entscheidenden Fragen an das derzeitige römisch-klerikale Konstrukt von Kirche, wie es uns in diesen letzten Jahren begegnet: „Gott ist Liebe, betonte das erste große Rundschreiben Benedikts XVI. Doch es gibt einen zweiten biblischen Gottesnamen, der auch in der neutestamentlichen Gottesbotschaft Widerhall und Bestätigung findet: Gott ist Gerechtigkeit. »Dies wird sein Name sein… Der Herr unsere Gerechtigkeit« (Jeremias 23,6). Dieser Gottesname mag für die Rede von einem platonischen Ideengott vernachlässigbar erscheinen, unverzichtbar ist er aber für den biblisch bezeugten Geschichtsgott. Er setzt die biblisch fundierte Gottesrede den geschichtlichen Erfahrungen der Menschen aus. Deshalb muss diese Gottesrede eine zeitempfindliche Rede sein, die nicht nur erklärt und belehrt, sondern auch selber lernt. An der Wurzel dieses biblischen Gottesnamens schlummert immer auch eine unabgegoltene Gerechtigkeitsfrage, die Frage nach der Gerechtigkeit für die unschuldig und ungerecht leidenden Opfer unseres geschichtlichen Lebens.

 Gegen die Neigung zur Verschleierung

Diese apokalyptischen Texte der Bibel sind nämlich in ihrem Kern keineswegs Dokumente leichtsinniger oder zelotisch angeschärfter Untergangsfantasien, sondern literarische Zeugnisse einer Weltwahrnehmung, die die Antlitze der Opfer »aufdecken« will, Zeugnisse einer Weltsicht, die das »enthüllt«, was wirklich »der Fall ist« gegen die in allen Weltanschauungen immer wieder auftauchende Neigung zur mythischen oder metaphysischen Verschleierung des himmelschreienden Unglücks in der Welt und gegen jene kulturelle Amnesie, die heute auch die vergangenen Leidenden unsichtbar und ihre Schreie unhörbar macht.

Die Spur der Leidenden enthüllen

Die biblische Apokalyptik »enthüllt« die Spur der Leidenden in der Geschichte der Menschheit. Sie kann dazu anregen, jenes einzige große Narrativ, jene einzige »Großerzählung« zu formulieren, die uns heute – nach der Religions- und Ideologiekritik der Aufklärung, nach Marxismus und nach Nietzsche und nach den postmodernen Fragmentierungen der Geschichte – überhaupt noch geblieben ist: die Lesbarkeit der Welt als Passionsgeschichte der Menschen. »Selig, die Trauernden«, sagt Jesus in der Bergpredigt. »Selig, die Vergesslichen«, verkündet Nietzsche als Prophet der Postmoderne. Was aber wäre, wenn sich die Menschen eines Tages nur noch mit der Waffe des Vergessens gegen das Unglück und die Leidenden in der Welt wehren könnten? Wenn sie ihr eigenes Glück nur auf das mitleidlose Vergessen der Opfer bauen könnten, also auf eine kulturelle Amnesie, in der eine als fristlos imaginierte Zeit alle Wunden heilen soll? Woraus könnte dann der Aufstand gegen unschuldig und ungerecht Leidende noch seine Kraft ziehen? Was würde dann überhaupt noch zu einer größeren Gerechtigkeit, zum Ringen um eine »gemeinsame Augenhöhe« der Menschen in der Einen Welt inspirieren? Und was wäre, wenn in unserer säkularen Welt die Vision von einer letzten Gerechtigkeit endgültig verlöschen würde?

Jesu erster Blick gilt nicht der Sünde sondern dem Leid

In den wuchernden Angeboten von »Spiritualitäten« müssten sich gerade Christen an den messianischen Grundzug ihres Christentums und seiner Spiritualität erinnern lassen. Jesu erster Blick ist ein messianischer Blick. Er gilt zunächst nicht der Sünde der anderen, sondern ihrem Leid. Diese messianische Leidempfindlichkeit hat nichts zu tun mit Wehleidigkeit, mit einem unfrohen Leidenskult. Sie hat aber alles zu tun mit einer biblischen Mystik der Gerechtigkeit: Gottesleidenschaft als Mitleidenschaft, als praktische Mystik der Compassion. Ein Christentum, das sich an seiner biblischen Wurzel fasst, bekommt es immer wieder damit zu tun.

Sündenempfindlich oder leidempfindlich?

Haben sich die Christen von der urbiblischen Gerechtigkeitsfrage vielleicht zu schnell und zu früh verabschiedet? Hat sich das Christentum im Lauf der Zeit  zu ausschließlich als eine sündenempfindliche und zu wenig als eine leidempfindliche Religion interpretiert? Warum zum Beispiel tut sich die Kirche mit unschuldigen Opfern immer schwerer als mit schuldigen Tätern? Solche Fragen sind nicht rein spekulativ auszuräumen, auch nicht mit rein moralischen Appellen. Aber vielleicht mit einekirchlichen Rechtsverständnis, das unter dem Primat einer rettenden Gerechtigkeit für die unschuldig leidenden Opfer steht.“

(Quelle: Zeit-Online http://www.zeit.de ).

BERGpredigt 2010 am Alberfeldkogel

 
 
 

 

Pfingstliche Begegnungen im Lichte einer neuen Kirche am Pfingstmontag, 24. Mai 2010 auf 1700m.

Ziel ist, dass wir um 12 Uhr beim Gipfelkreuz auf 1.707m gemeinsam innehalten. Hinaus in die Luft, hinauf auf den Berg, Bewegung und sich einander und von einigen erzählen lassen, was heute Pfingsten mit der uns vor hat. Aufeinander hören, was in der Luft liegt und uns in dieser Situation der Kirche der Geist Gottes mit auf den Weg geben will. Brot, Wein und allerlei selbst Mitgebrachtes wollen wir teilen und das soll uns stärken. Gemeinsame Musik erklingen lassen. Ermutigt sein und wieder absteigen in den Alltag -gestärkt, verwandelt durch das gemeinsame Erleben. Keine Bergmesse sondern ein andächtiges Hinhören aufeinander und offene geschwisterliche Gemeinschaft erleben. Brot, Wein und allerlei Mitgebrachtes miteinander teilen. Pfingsten 2010.

Keine Anmeldung erforderlich. Einfach kommen. Bei Schlechtwetter in der Christophorus-Kirche am Feuerkogel (bei der Seilbahn Bergstation). Individuelle Anreise. Für den Aufstieg zu Fuss etwa 4 Stunden Gehzeit einplanen. Wer den Aufstieg mit der Seilbahn nimmt, braucht zum Gipfelkreuz noch etwa 45 Minuten. Bitte alles selber für das Wohlbefinden an diesem Tag selber mitbringen. Die Strecke von der Bergstation der Seilbahn ist für Kinder, Familien und ältere Menschen leicht zu begehen.

Ich bitte, diese Einladung auf unkomplizierte Weise an Interessierte weiterzugeben.

 

 

Der Zweifel als kleiner Bruder, kleine Schwester des Glaubens

„Der ungläubige Thomas“, so wird er bezeichnet, der Zweifler an der Auferstehung Jesu. Das Evangelium wird staatstragend vorgelesen und am Schluß bekommt der den Tipp vom Auferstandenen selber: „Sei nicht ungläubig, sondern gläubig.“ Weil er gesehen, gefühlt und mit den Händen begriffen hat, fand er zum Glauben.

Den Weg zum Glauben nicht unterschlagen

Mir geht das immer zu schnell. Vorgelesen und schon kann er glauben, der Zweifler. Ich lobe mir diesen gesunden Zweifel. Nicht auf alles hereinfallen, was jemand behauptet. Eine gesunde Distanz zu den Dingen, die ich nicht sehe. Hätte Thomas nicht so fest gezweifelt, wäre er nicht zum Glauben, zu dieser Begegnung und Einsicht gekommen. Zu oft werden meiner Wahrnehmung nach die Zweifler aus der Kirche „getrieben“. Frag nicht lange nach, glaube. Dabei ist der Weg zum Glauben, zum tiefen Glauben an den Gott der Liebe und Auferstehung sehr oft gepaart mit tiefen Zweifel, ja manchmal Verzweiflung. Außerdem wir ein Glaube, der den Zweifel nicht kennt, oft fanatisch und fundamentalistisch. Da lobe ich mir den kleinen Bruder, die kleine Schwester, den Zweifel. Wer sein Leben elliptisch denkt, wird sehen, dass sich die Ellipse des Lebens immer aus dem Brennpunkt des Zweifels und des Glaubens konstruiert. Wer einen Brennpunkt ausklammert, wird keine ganze Ellipse schaffen.

Zwillinge im Mutterleib: Glaube und Zweifel

http://www.youtube.com/fkaineder#p/a

Begegnungen in verwobenen Zeiten. Ausstellung im Urbi

 

 

Das Urbi ist eine Begegnungsplattform. Barbara Hammerl vom Urbi-Team konnte am 7. April 2010 zahlreiche Gäste zur Ausstellungseröffnung im Urbi begrüßen. Pfarrer Christian Öhler von der Pfarre Auwiesen in der Tuchfabrik, mit der der Künstler Berhard Schinko sehr verbunden ist, eröffnete die Ausstellung. Die lyrischen Klangbilder von Bettina Schipp umrahmten die Eröffnung.

 

 

 

Ein Lebensfreund spinnt Fäden als Zeichen für das Leben

Bernhard Schinko, geboren 1957, hat die Webereifachschule in Haslach und die HTL für Textiltechnik in Wien besucht. Seit 1980 ist der Künstler bei der Linz Textil beschäftigt (Qualitätssicherung, Labor). Pfarrer Christian Öhler von Linz-Auwiesen hob bei der Eröffnung besonders den Einsatz Schinkos für seine Kolleginnen und Kollegen hervor: „Du bist immer engagiert in der Gewerkschaftsarbeit, an der Seite der MitarbeiterInnen in einer Branche, die es nicht leicht hat. 16 Jahre kümmerst du dich zusammen mit anderen um die Interessen der Menschen und ihrer Arbeit, damit sie nicht vom Kapital an die Wand gespielt werden. Dein Einsatz gilt der Menschenwürde in diesem Bereich.“ Schinko hat ein kleines Museum aufgebaut, das leider dem Brand bei der Linz Textil zum Opfer gefallen ist. Unverdrossen nimmt der Künstler den Faden wieder auf. „Da spüre ich Kraft und Ausdauer“, konstatiert Öhler im Rahmen der Ausstellungseröffnung.

Schinko arbeitet so wie die längste Zeit über in der Menschheitsgeschichte Textilien verarbeitet wurden. Alle Gewebe bestehen aus Garnen und diese wiederum aus festverbundenen, zusammengedrehten, pflanzlichen Fasern oder tierischen Haaren. Die Fäden werden nicht mit Schützen eingeschossen, sondern alles wird per Hand gearbeitet. Das bringt einen größeren Freiraum und Schinko arbeitet mit natürlichen Materialien wie Baumwolle und Viscose, die er teilweise selbst färbt.

Das Urbi als Begegnunsstätte in flüchtigen Zeiten

Öhler fasste die Ausstellung im Urbi so zusammen: „Immer geht es darum, Fäden miteinander zu kreuzen und auf diese Weise immer neue, ansprechende Formen zu kreieren. Dabei bedienst du dich der Spezialitäten in der Texzilerzeugung, die dir vertraut sind, etwa der Frottiertechnik. Der Ausstellung, die ich heute zu eröffnen die Ehre habe, hast du den Titel „Begegnungen“ gegeben. Menschen gehen aufeinander zu, gehen wieder auseinander, kehren einander den Rücken zu, um wenig später wieder zusammen zu schauen. Das zeigt jenes Bild am Eingang in das Urbi. Begegnung ermöglichen. Darum geht es auch im urbi. Es sind oft nur flüchtige Begegnungen wie es für eine Einkaufspassage charakteristisch ist, Begegnungen im Vorübergehen. Deine Bilder laden zu diesen Begegnungen und Gesprächen ein.“ Die Ausstelung ist bis 22. Mai von 10-18 Uhr frei zugänglich.

 

 

Das Urbi ist eine große Chance. In diesen Tagen haben die 20 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen im Urbi bei einem Treffen geäußert, dass es Zeichen braucht, Zeichen für das Leben und die das Leben nähren. Diese Bilder sind Zeichen dafür. Soweit ich von den dort Engagierten höre, werden wir noch mehr Zeichen der Lebendigkeit erleben. Man darf sich freuen.

 

 

 

Worte schaffen Wirklichkeiten. Vom Hören in den Religionen

Am Ostermontag war der Kepler Salon im Akustikon  zu Gast. Ferry Öllinger begrüßte nicht nur die zahlreichen Gäste, sondern umso mehr die Gesprächspartner Peter Androsch und Christoph Freilinger. Das Thema war am Tag des Emmausganges „Hören und Religion. Klang in seiner anthropologischen Dimension“.

Die Stille als wesentlicher Impuls der Kirchenräume

Christoph Freilinger hat gleich zu Beginn eine recht einfache und für unsere Zeit treffende Definition von Religion ins Gespräch gebracht: „Religion ist Unterbrechung“. Das war auch der Grund, warum der Atheist und Musiker Peter Androsch im Rahmen von Linz 09 auf die Kirche zugegangen ist, weil diese Kirchenräume den sonst üblichen und für die menschliche Entwicklung schädlichen Beschallungsteppich unterbrechen. Es wurde über die Architektur gesprochen, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts die akustische Dimension komplett verloren hat. Man denke nur an die Kirche von St. Theresia, die architektonisch wunderbar und aktustisch katastrophal ist. Ich selber erinnere mich an den Neubau unseres Pfarrzentrums in Kirchschlag, wo durch meinen Bruder, der in der Umweltabteilung arbeitet, von Beginn an der Akustik eine zentrale Rolle gegeben wurde. Das war für die Architekten irgendwie neu. „Heute lernt jeder zuerst den Umgang mit dem Mikrofon und man glaubt, dass auch ein akustisch schlechter Raum damit bespielt werden kann“, meint der Musikexperte Androsch.  Alle technischen Wunderwerke können einen aktustisch kaputten Raum nicht reparieren. Was kann der wesentliche Impuls heute von den Religionen sein? – war meine Frage. „Es geht heute um die Stille“, ist Androsch überzeugt. Diese Stille aushalten ist für die meisten Menschen fast unmöglich. „Gehen sie nach einem Kaufhausbesuch in eine Kirche“, lädt Freilinger ein. Das ist eine echte Herausforderung. Diese Unterbrechung ist heute der Dienst, der Impuls der Kirchenräume.

Worte schaffen Wirklichkeit – nur welche?

Schon der Johannesprolog im Evangelium setzt beim Wort an, das Fleisch werden kann. Freilinger gibt dazu ein Bild vom Dom in Würzburg in die Runde. Am Bild ist oben Gott Vater zu sehen, der von seinem Mund aus mit einem Rohr mit dem Ohr von Maria unten verbunden ist. Durch dieses Rohr ist das göttliche Wort, der Same zu Maria gekommen. Dieses Wort hat Wirklichkeit geschaffen. In Anlehnung daran wird von der Erfahrung gesprochen, dass eben Worte aufbauen oder zerstören können. Das Wort ist für die christliche Religion ganz wesentlich. Dieser Bedeutungsraum wird in einem akustischen Ereignis grundgelegt. Der Mensch hört die Worte, die gesprochen werden und konstruiert dazu seine Wirklichkeit. Ich selber denke immer wieder daran, wie viele Worte in der Liturgie gemacht werden, die aber keinerlei begeisternden Unterton haben. Einfach heruntergelesen. Da bekommt alles eine so große Schwere, dass selbst das Halleluja keine befreite und erlöste Wirklichkeit vermittelt. Das ist meiner Meinung nach das große Manko der Kirche, dass Religion einen Klangkörper der Schwere und Ent-Mündigung ausstrahlt. Noch schwerer wiegt die Tatsache, dass in vielen Familien der „religiöse Klangkörper“ überhaupt verloren gegangen ist….

Es war ein Abend voller Anregungen und zum Weiterdenken.

Wecke auf!

Aus dem Schlaf der Sicherheit, weck uns auf.
Aus dem Tod der Liebe, weck uns auf.
Aus der Faulheit des Denkens, weck uns auf.
Aus dem Schlaf der Selbstgenügsamkeit, weck uns auf.
Aus dem Tod der Hoffnung, weck uns auf.
Aus der Dürre der Phantasie, weck uns auf.
Aus dem Schlaf der Sinne, weck uns auf.
Aus dem Tod der Gefühle, weck uns auf.
Aus Kleinlichkeit und Enge, weck uns auf.
(Anton Rotzetter)

Peter Bürger, Theologe, Publizist
und Verfasser des Kirchenreformbuches
"Die fromme Revolte – Katholiken brechen auf"
schätzt die Lage wie folgt ein:
http://bit.ly/bWO31x

Ein PR-Blick von außen rät zu einem „Kirchen-Relaunch“

„Glaube gibt Halt“ hat die Agentur Como mit der Diözese entwickelt. Sabine Schimböck und Gerold Öller haben sich für die Pastoralkonferenz Linz-Mitte Zeit genommen und „Impulse aus Sicht einer PR- und Werbeagentur“ geliefert.  Nachdenklichkeit und ein Blick auf die Chancen waren die Folge der intensiven Auseinandersetzung.

Kirche als Marke sehen

„Kirche ist eine Marke, die Werte und Vorstellungen vertritt, die für Menschen relevant sind und darüber sollte mehr kommuniziert werden“, war gleich die Anfangsbehauptung von Geschäftsführer Öller, um gleich das Grundproblem anzusprechen: „Die Kirche beschäftigt sich zu viel mit sich selber! Nicht die Leute laufen der Kirche davon, sondern eher die Kirche den Leuten. Angebote kommen deshalb zu wenig hinüber“. Die Account-Managerin Schimböck ermutigt die SeelsorgerInnen: „Immer wieder zu den Leute gehen und von den konkreten Angeboten reden ist heute ganz entscheidend.“ Die Kirche wird als Lebensbegleiterin in schönen und schwierigen Lebenssituationen  wie Taufe, Hochzeit, Sterben und Notsituationen gesehen. Diese Anlässe müssen daher gut und professionell begleitet werden.

Meinungsverschiedenheiten und Reformstau verstellen den Blick

Meinungsverschiedenheiten über Werte, Vorstellungen und die Kirche selber verstellen den Blick für Kirchenmitglieder und Interessierte. „Was muss zuerst intern geklärt werden und was soll hinaus“, ist die Kernfrage. Die Basis ist aber eine transparente Kommunikation sowohl nach innen als auch nach außen.  Bevor es nicht gelingt, die Hauptprobleme intern zu lösen, wird jedes Tun nach außen davon überlagert. Öller: „Die Kirche ist gerade dabei, sich zu häuten. Sie muss ihre Haltung zu Zölibat, Sexualität, Frau in der Kirche und Wiederverheiratete neu hervorbringen und an heute anpassen.“ Gerade die TeilnehmerInnen an diesem Gespräch waren sich einig, dass zur Marke Kirche ein faires und geschwisterliches Austragen von Konflikten wesentlich dazugehört. Gerade diese Gesprächs- und Hinhör-Kultur sind heute gefragt.

Im Wettbewerb der Wahrnehmung muss ein „Church-Relaunch“ kommen

Der Mensch ist ein nutzenorientiertes Wesen und fragt immer: Was habe ich davon? Welcher Nutzen oder welche Lösung ist damit verbunden! Mit dieser Haltung ist positiv umzugehen. „Gerade die Sprache ist alt, unverständlich und zu viel im MUSS. Es braucht mehr chancenorientierte Kommunikation, ein positives Sprechen von Angeboten und vor allem den Sinn dahinter. Als Beispiel nennen sie die Ehevorbereitungskurse, die jetzt mehr als Verpflichtung kommuniziert werden und zu selten als Chance. „Worte sind zu abstrakt und sagen den Menschen heute nichts mehr. Was ist Anbetung, Beichte?“, fragen die beiden Kommunikationsexperten von außen und wissen aus persönlichen Gesprächen, dass die Menschen mit diesen Floskeln nichts mehr anfangen können.  Nicht Kirche oder Pfarre ist das Thema, sondern Glaube, Angebote und der Nutzen für den einzelnen. Sich den Menschen zuwenden und eine Sprache sprechen oder wieder lernen, die die Menschen sprechen. „Weil wir heute im Wettbewerb der Wahrnehmungen
(tägl. 8.000 Botschaften) stehen, braucht es Formulierungen, „die überraschen und das Wesentliche treffen“. Sie sollen von einer Begeisterung und Freiheit kommen, die andere anstecken kann. Deshalb sind sich viel im Klaren: „Es
braucht Adaptierungen, einen „Church-Relaunch“.

Die Spechte und Medien erkennen die befallenen Bäume

Du gehst durch den Frühlingswald. Baum an Baum reiht sich in die Landschaft. Da fällt dir der „Spechtbaum“ ins Auge. Große frische Löcher sind mit spitzem Schnabel in den scheinbar „gesunden Baum“ gehackt worden. Ich bin verwundert, dass der Baum so arg zugerichtet ist. Ich denke beim Hinschauen an die spitzen Schnäbel der Medien in den letzten Wochen. Der Kirche wurden zurecht Löcher gehackt. Es ist mancher Baum hohl und von Ungeziefer befallen.

Es hat gesund ausgesehen und jetzt diese Löcher

Die Natur ist eine guter Lehrmeisterin darin, dass sie Bilder für unsere Realitätsbetrachtung bereit hält, die schlüssig sind und gut verständlich.  Biotische Prozesse sind hilfreich in der Lebensbewältigung. Natürlich treffen diese Bilder die Realität nicht immer ganz genau. Wir wissen auch damit umzugehen. Jeder Vergleich hinkt ein Stück weit. Doch dieser Baum (siehe Foto) steht als Zeichen am Wegrand bei meinem Kapellen-Rundgang.  Vor einem Jahr ist der Baum noch gesund dagestanden und ich hätte nicht vermutet, dass er „in sich ein ihm fremdes Leben trägt“.  Es gab Anzeichen im Sommer, die man aber lesen können muss. Vergleichsweise viel Harz war am Baum und das sind erste Abwehrmechanismen gegen jeden Schädling. Jeder Waldbauer spürt in so einem Fall, dass sich hier etwas ansiedelt, seien es Borkenkäfer oder Ameisen in den Hohlräumen des Baumes. Es zeichnet sich etwas ab, von dem man noch nicht sagen kann, wie es ausgehen wird. Man hofft, dass der Baum unbeschadet überlebt.

Der Specht reinigt den Wald

Dann kommt der Specht. Dieser Specht zerstöft nicht den Baum, sondern reinigt den Wald. Das muss man begreifen und so sehen lernen. Natürlich werden heute wieder die Medien als Zerstörer gesehen, „die Kampagnen gegen die Kirche fahren“. Der Specht wird wird schlecht gemacht, wo er doch nur an den „kranken Bäumen“ herumhackt.  Die Medien sind „brutal hungrig“ und suchen ohne Unterlass. Wenn alles gut recherchiert ist, möglichst objektiv berichtet wird, dann müssen wir ihnen für diesen „Reinigungsdienst“ dankbar sein. Das Trostvolle in der Natur ist, dass im Schatten dieser Bäume schon die neuen Bäume wachsen. Oft sind sie von anderer Art und begründen einen gesunden Mischwald. Das wäre auch für die Kirche eine schöne Zukunft – nicht Monokultur sondern Mischwald.