Seneca hat immer etwas Wichtiges beizutragen

Das Wichtige zuerst. Aber was zuerst? Ich empfinde es spannend, auf Twitter Menschen und Meinungen zu folgen. Auf Facebook tratscht es sich zu verschiedenen Themen ganz gut. Und die Tageszeitung ist ehrlich gesagt bald ausgelesen. Die Oscars sind vergeben und mein Leben ist unverändert. An die wackeligen Trackshittaz mag ich gar nicht denken. Peinlich, womit Österreich wieder in Verbindung gebracht wird. Was ist wichtig? Seneca schärft einen Blick nach innen.

Seit 14 Jahren Seneca

Immer wieder, wenn es schal wird in der „Welt der Wichtigkeiten“, dann nehme ich das Büchlein von K.O.Schmidt „Seneca.Der Lebensmeister“ zur Hand. Vieles ist darin im Laufe der Jahre schon mit verschiedenen Stiften unterstrichen oder in einen Rahmen gesetzt. Je nach Situation und Wahrnehmung, die gerade in mir lag. Dass Seneca zur Zeit Jesu lebte, machte ihn für mich interessant. In der Schule hatte ich bei diversen Lateinschularbeiten noch keinen inneren Zugang zu ihm. Als 40-Jähriger ist er mir in meiner Coachingausbildung „ans Herz gewachsen“. Heute lese ich „Sklave oder Herr der Dinge?“.

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„Weisheit lehrt, das Göttliche zu verehren und das Menschliche zu lieben. Anhaltende Güte überwindet das Böse. Um im Wechsel von Glück und Unglück der gleiche zu bleiben, aus allem zu lernen und an Weisheit zu gewinnen, ziehe dich oft in dich selbst zurück. Ziel deinen Strebens sein, ein lebendiges Ebenbild Gottes zu werden und mehr der inneren Stimme zu gehorchen als den Lockungen der Dinge zu folgen. Lege dir täglich Rechenschaft ab über dich selbst und sorge, dass dein Streben immer dem Guten gilt. Gut ist, was dich besser und tüchtiger und die Menschen um dich glücklicher macht. Wer so lebt, wird zum Herrn der Dinge und Geschicke.“

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Seneca nennt glücklich nicht den, der anderen so vorkommt, sondern den, der sich selbst glücklich weiß, richtig denkt und urteilt, mit dem Bestehenden zufrieden ist und das, was er ist, gutheißt und bejaht: „Glückselig zu leben wünschen alle; aber die Grundlagen solchen Lebens erkennen nur wenige. Es ist auch nicht einfach, dazu zu gelangen; wer einmal den Weg verfehlt hat, kommt leicht immer weiter davon ab. Man muss sich daher zuerst klar werden, WAS man ersehnt, um alsdann den WEG zu beschreiten, der am raschesten ans Ziel führt. Einmal auf dem rechten Wege, sieht man bald, wieviel des Weges man täglich zurückgelegt hat und wie weit das Ziel noch entfernt ist.“ Wir dürfen uns nicht nach dem Gerede der Leute ausrichten: „Mehrheit ist selten Wahrheit. Wir müssen uns selbst fragen, was am besten zu tun sei.“

 

 

 

Freiheit GEHT: Warum ich nach Wittenberg gehe ?

„Was ist dein nächstes Ziel?“, bin ich in den letzten Wochen nach dem Ausscheiden von Academia Superior immer wieder gefragt worden. Es war meist meine berufliche Zukunft gemeint. Nachdem sich das „Sortieren und Sondieren“ für meine zukünftige berufliche Tätigkeit gut darstellt, möchte ich die damit verbundenen Veränderungen wieder in ein ausführlicheres Gehen legen.

Freiheit geht
Als Ziel liegt mir schon länger der Norden vor Augen. Assisi sucht dort ein „Gegengewicht“. Ich erlebe derzeit, dass „Freiheit geht“. Was liegt näher (oder ferner) als Wittenberg. Die Zeit Luthers war eine mindestens so spannende und vom Umbruch geprägte Zeit wie heute. Die gesellschaftlichen Zustände waren bestimmt vom Ablasshandel der römischen Kirche. Die Christen wurden gezwungen, für ihr kommendes Seelenheil im Himmel zu zahlen. Eine unglaubliche Maschinerie von Propaganda, Predigern und Zwangsmechanismus (äußerlich und psychologisch) haben die Menschen in die Unfreiheit gesetzt: Die Gnade Gottes konnte nur über die damalige Elite erkauft werden, geschützt durch eine massive klerikale Firewall. Ich betone: Das ist ungefähr 500 Jahre her. Allerdings ist auch 500 Jahre her, dass eben ein Mann aus diesem System aufgestanden ist und den Menschen klar und deutlich gesagt, erläutert und zugemutet hat: „Leute, free download“. Die Gnade Gottes ist gratis, ein Geschenk, ohne Zwischenhandel, ohne Barrieren. Schaut auf Jesus, der die Leute damals ebenso direttissima auf Gott hin geöffnet hat. Die Gnade Gottes kann nicht erkauft werden, sondern fließt direkt zu jedem Menschen abseits von Firewalls und „hierarchischen Gnadenhähnen“. Damals wie heute. Damals verbreitet über den Buchdruck und heute über das Internet.

Unsere Zeit

Immer wieder wird mir bewusst, wie weit wir heute in Unfreiheit leben (müssen). Ich selber habe zum Beispiel von der notwendenden Flucht aus der Excel-Zelle gebloggt. Der Mensch wird heute genauso wie damals von einem oft unsichtbaren Band der Abhängigkeit gelenkt. Es schaffen nur wenige, diese mögliche Freiheit zu denken. Einkommen, Karriere, Pensionssicherheit, Erfolgszwang, innere Leere, Werbe-Propaganda und geschickt gesteuerte innere Antreiber halten den Menschen gefangen. Eine vage Angst lässt vieles erstarren. Mutlosigkeit findet im Stillstand ihre Ruhestätte. Mir selber hat das weite GEHEN schon mehrmals gezeigt, dass diese inneren Bänder der Abhängigkeit durchschnitten werden können. Ein solcher Weg enthält so viele Überraschungen, dass neue Facetten  des Lebens offenbar werden. Gerade die Natur in ihrer offenen Zugänglichkeit spiegelt eine Ahnung von Himmel wieder. Gratis – free Upload an (in) mich.

Wittenberg als Ort der „Befreiung“

Ich bin gerne Katholik – gemeinsam mit den Freunden des lebendigen Daseins. Mich fasziniert die Lebens- und Lehrweise Jesu und wie er die Menschen immer in die „eigene persönliche Freiheit, Verantwortung und ins Ganze gestellt hat.“ Er hat alle entmündigenden Tendenzen nicht nur abgelehnt, sondern vehement bekämpft. Wie oft hat er sich angelegt mit der damaligen Elite, den Schriftgelehrten, „die den Menschen ihr Leben nur über ihre Abhängigkeit zugänglich machen wollten“. Überall, wo Unfreiheit anzutreffen war oder ein Zirkel der Verantwortungslosigkeit gepflegt wurde, hat Jesus „auf den Putz gehauen“. Das haben ihm viele Heilige nachgemacht. Auch Martin Luther hat das erkannt, dass das gängige kirchlich-religiöse System verkehrt läuft. Der konkrete Mensch gilt nur so viel, so viel er zur Erhaltung und zum Ausbau des gängigen Systems beiträgt. Und da befinden wir uns im Jahre 2012. Ich sehe hier nicht in erster Linie die Kirche, sondern die heute gängigen Systeme, die mittlerweile Religions- bzw. Konfessionscharakter haben: Politik, Ökonomie, Gesundheit, Bildung, Medien. Das Gehen, die Natur und jene Menschen, denen ich zu-fällig begegne, werden mir hier eine tiefe Reflexion ermöglichen. Das hoffe ich nicht nur, sondern das „weiß“ ich aus Erfahrung. Am 15. März werde ich bei der Haustüre mit jener Offenheit und Freiheit losgehen, die vielen Überraschungen Platz gibt – auch jenen, die in irgendeiner Form mitgehen wollen. Freiheit geht – überall. Es gibt sie, diese „Ökumene der Freiheit“. Wir werden sehen.

Kehrt um zu einer menschenfreundlichen Kirche – um Gottes willen

Klaus Dopler von Gallneukirchen hat vor Tagen seine Gedanken zur Weitentwicklung der Kirche in einem Email „auf digital“ gebracht. Ich erlaube mir, diese Inhalte hier in meinen Blog hereinzunehmen. Das Buch von John L. Allen „Das neue Gesicht der Kirche“ über die Zukunft des Katholizismus ist meine derzeitige Lektüre. Hier begegnen einander Erfahrungen und Sehnsüchte „an der Basis unten“ und die profunde Einschätzung eines amerikanischen Vatikan-Korrespondenten. Sehr aufschlussreich und erhellend.

Schreibt an den Bischof und Kardinal

Sehr geehrter Herr Kardinal, sehr geehrter Herr Diözesanbischof! Angespornt durch die Bücher „Ende des Gehorsams“ von Anneliese Rohrer und „Glaubensverlust“ von Hubertus Halbfas sowie die Worte zur Bezeichnung mit dem Aschenkreuz am Aschermittwoch „Kehrt um (bekehrt euch) und glaubt an das Evangelium“ möchte ich in Erinnerung an das Nein im Protest der Pfarrerinitiative am Beginn der Fastenzeit auch Sie als Verantwortlichen in der katholischen Kirche zur Umkehr einladen.

Von einer Überbetonung des Lehramtes wieder hin zum Evangelium Jesu Christi.
Von einer rigorosen Auslegung des Gesetzes hin zu Menschlichkeit und Barmherzigkeit im Sinne Jesu.
Von der wachsenden Überforderung (Ausbeutung!) der Priester hin zu einer Seelsorge, die den Menschen gerecht wird.
Von einer zunehmenden Großraumseelsorge hin zu überschaubaren Einheiten, die den einzelnen Menschen nicht aus dem Blick verlieren.
Von einer Enge im Denken zu einer Weite des Herzens.
Von einer instruierenden Einbahnstraße aus Rom und den bischöflichen Ordinariaten zu einem echten Dialog mit wahrhaftigem Hinhören und Ernstnehmen
Von Fanatismus und Radikalismus zu einer menschenfreundlichen und gottesnahen Kirche
Von Mutlosigkeit und Resignation hin zu Vertrauen auf den Geist Gottes
Von einer männerbeherrschten zu einer auch für Frauen offenen Kirche
Von einer Kirche der Angst um ihre Macht zu einer feiernden, betenden und auf den Hl. Geist vertrauenden Kirche
Im Wissen um die Notwendigkeit der Umkehr aller ChristInnen hoffe ich auch auf die Besinnung der Amtsträger auf eine Kirche Jesu Christi – aus Liebe zu dieser Kirche“, lautet der Brief von Klaus Dopler.

Ich ergänze hier, dass es auch eine „Ausbeutung“ der ehrenamtlich Engagierten gibt, die in vielen Fällen „einspringen oder neue wunderbare Communities aufbauen“.

Und warum ist das so?

Der Autor des oben genannten Buches unterscheidet drei „Arten von Katholizismen“. Da sind die liberalen KatholikInnen, die größte Zahl weltweit und von den evangelikalen KatholikInnen massiv infrage gestellt bzw. auch bekämpft. Wir in der Diözese Linz kennen die Bruchlinien und Gräben. In den letzten Jahrzehnten und auf Zukunft hin werden Bischöfe und die Hierarchiespitzen dieser „Gattung“ angehören. Dann sind da noch die pfingstlichen KatholikInnen. „Die Liberalen bilden den Mainstream und wollen den Gegensatz zur Modernen abbauen. Die Evangelikalen (er redet immer von KatholikInnen!) wollen bekehren und die Pfingstler begeistern“, fasst Allan zusammen. Der Ausblick auf Zukunft hin für die Liberalen ist nicht rosig. Insofern könnte man etwas mutlos werden „in dieser Kirche“. Aber: Die Geschichte zeigt, dass es diese drei Arten immer geben wird. Gerade den Orden käme heute die Aufgabe zu, „einen offenen Hort für sozial engagierte offenen KatholikInnen zu bilden“. Aus meiner Sicht sind auch „eigen-ständige“ Pfarrgemeinschaften jener Platz, wo ein offenes Christentum gelebt und aus dieser Gemeinschaft gestaltet werden  kann. Ich hoffe es und werde daher auch einen „Erinnerungsbrief“ abschicken.

Ein Urlaub bei den Griechinnen und Griechen muss heuer sein

Es ist noch Zeit, aber der Sommer ist schneller da als vermutet. Ich genieße diesen Winter, der viel Schnee und „eindeutig“ ist. Und doch schielen meine Augen schon auf einen „Zugang zum Meer“ im Sommer. Da tauchen Bilder von der Südseite Kretas auf, von wo wir mehrmals das Meerwasser erreicht haben. Wunderbare Menschen und immer eine erholsame Zeit.

Wie kommen die konkreten Menschen zur Wertschöpfung meines Urlaubs?

Die letzten Monate waren meiner Meinung nach „Griechenland-Verurteilungs-Monate“. Selbst im Fasching zieht der Österreicher sein letztes Hemd aus, „um Griechenland zu retten“. Das ist jenes Vorurteil, das Medien mit ihren Geschichten geschürt haben. Die Arbeitsproduktivität Griechenlands ist mehr gestiegen als in Deutschland oder Österreich. Wenn die zwei reichsten Familien Griechenlands ihr Geld vom Finanzmarkt zurückholen würden, dann wären das nach vorsichtigen Schätzungen 70 Milliarden!! Euro. Jetzt macht Präsident Leitl den Vorschlag, dass Griechenland die Inseln verkaufen soll. An wen den? An die Deutsche Bank, die mit ihren Grundstücken in Afrika ohnehin zu den größten Landwirten gehört. Es ist alles so „unglaublich“.
Natürlich erinnere ich mich an das Gespräch mit Gouverneur Novotny, wo er bestätigt, dass es nie um die konkreten Menschen in Griechenland geht und ging. Bei meinen Urlaubsplanungen sehe ich das ganz anders und stehe vor einem „Problem“. Wie gehe ich vor, dass ich nicht deutsche Reisebüros und Tourismus-Konzerne fördere, sondern mein Aufenthalt den konkreten Menschen zugut kommt.

Deshalb frage ich:

Wie plant ihr euren Urlaub, um „bei konkreten Menschen zu sein ohne Zwischenhandel“?
Wie kommt ihr auf dem „Landweg“ relativ rasch nach Griechenland, um (wenn möglich) nicht in einen Flieger steigen zu müssen?
Anregungen an den Kontakt oben!

Der Einser in der Zweier-Familie und was die Politik davon lernen könnte

Nach einer produktiven Besprechung sitzen wir noch gemütlich zusammen. Die Welt wird betrachtet. Unser Gespräch geht vor allem in Richtung Bildung, Schule, Kindergarten und Eltern. Erfahrungen und Einschätzungen werden geteilt. „Das System“ steht hart in der Kritik. Lernen wird hauptsächlich als „Hineinstopfen“ erlebt. Eltern haben derzeit nur einen Stress, dass die Kinder nur ja keine „abweichenden Merkmale entwickeln“. Eine Kindergartenpädagogin erzählt ein für mich sehr schönes Beispiel, was wir von den Kindern lernen sollten. Ich bin kein Experte auf dem Gebiet der Kindergartenpädagogik. Das sei erwähnt für den Fall, dass ich im „wording“ nicht richtig liege.

Der Einser hat zwei Striche

Die Kinder lernen im Kindergarten spielerisch und ohne Druck, sich in der Zahlenwelt zurechtzufinden. Es werden Zahlenfamilien gebildet. Die Pädagogin hat die Kinder eingeladen, alle Dinge, Tiere und Gegenstände in die „Zweier-Familie“ zu legen. Der Hund passt gut. Er hat vier Füsse und zwei Ohren. Die Ente auch. Die Katze so und so. Auf diesem Weg wandert vieles in die Zweier-Familie. Da legt ein Kind einen gezeichneten Einser (1) in die Zweier-Familie hinein. Protest. Was hat der Einser mit der Zweiter-Familie zu tun? Das Mädchen hat eine Weile gewartet und schließlich fest geantwortet: Der Einser besteht doch auch aus zwei Strichen. Alle staunten, überlegten und waren dann einverstanden. Selbst die Kindergartenpädagogin war überrascht über diesen Zugang des „Einser“ zur „Zweier-Familie“.

Das Denken und die Freiheit der Kinder in die Politik

Diese kleine Geschichte und Erfahrung ist für mich unendlich wertvoll in einer Zeit, wo Politiker immer wieder meinen: „Es gibt keine Alternative“, „Das ist die letzte Chance“, „Das ist der einzig begehbare Pfad“ oder „Es gibt keine andere Wahl“. Gestern habe ich in der ZIB2 Stephan Schulmeister gehört. Dieser Mann bringt eine ganz andere Sicht in die derzeitige „Elite-Ökonomie“ ein. Gerade im letzten Jahr habe ich erlebt, dass „andere Denkweisen und Zugänge“ keine Chance haben. Die Politik spielt „Offenheit“ und ist fest gefangen in der Finanzmarktdiktatur bzw. in der Hand der „Wohlhabenden“. Selbst der Vorschlag, sich mit solchen „Einsern“ zumindest einmal ernsthaft auseinanderzusetzen wird „vornehm ad absurdum geführt“. Die konservativen Politiker bilden derzeit die Firewall für die „freien Märkte“. Sie helfen mit, die Pfründe zu konservieren. Reguliert (dh. reduziert) wird der Sozialstaat und Möglichkeiten der BürgerInnen, die sie gewählt haben.  Unbescholten bleiben die „habenden Finanzeliten“, die durch diese Politiker geschützt werden. Sie programmieren und zahlen sich ihre Firewall (Politik). Falls in der Politik nun doch einer einen Einser in die Zweier-Familie legt, dann wird er verächtlich gemacht, verjagt und verspottet. Auf die Medien wird Druck gemacht, dass solche Leute nicht vorkommen“. Wenn es allerdings stimmt, dass der große Boss der Bank Austria Andreas Treichl den „Einser“ Christian Felber zum privaten Gespräch trifft, dann kommt vielleicht doch einiges in Bewegung. Zu hoffen wäre es.

 

 

Taste the Waste auf den Kinostufen

Das Foyer des Moviemento ist übervoll. Kurzfristig haben wir uns entschieden, den Film „Taste the Waste“ anzuschauen. Die Karten sind aus. Restplätze auf den Stufen stehen noch zur Verfügung. Wir nehmen sie. Wir nehmen Platz und der Film über die systematische Lebensmittelvernichtung startet gerade. Zwei junge Männer suchen in Wien aus den Abfallcontainern eines großen Lebensmittelgeschäftes vielerlei Genießbares heraus. Der Film geht in die USA, nach Frankreich, Deutschland bis nach Afrika, um diesem „unglaublichen Wahnsinn der Vereinheitlichung und gleichzeitigen Vernichtung auf der Spur zu bleiben“. Ich sitze ungemütlich auf den Stufen. Die genannten Zahlen und die Bilder sind aber derartig „beeindruckend“, dass mir das überhaupt nicht auffällt.

11%

In Österreich gibt jeder Haushalt durchschnittlich 11% für Lebensmittel aus. Es ist klar, dass damit der Wert dieser gewachsenen und erzeugten Produkte weit unter dem wahren Wert liegt. Viele Menschen haben kein Gefühl und keine Beziehung mehr zu einer Kartoffel, zu einem Ei oder zu Brot. Mit Sonderangeboten wird es uns vom Handel EU weit genormt „nachgeworfen“. Ich bin jedes Mal erschüttert, wenn in der Brotabteilung kurz vor dem Zusperren noch alle Regale gefüllt sind. Es läuft vieles schief. Den Menschen wird zuerst das Lebens-Wissen, die Beziehung zur Natur und die Kraft aus der tiefen Einfachheit genommen, damit sie nachher in Abhängigkeit dem nachrennen, was in der Werbung als „lebenswichtig“ dargestellt wird. Das ganze „Sparpaket“ könnten wir uns sparen, wenn die Logik des Lebensmittelhandels wieder regionaler, vielfältiger und von der Wurzel her näher zum Menschen kommt.  Tief betroffen und sehr bestärkt verlassen wir das Kino und die anschließende lebhafte Diskussion: Wir betreiben unseren Garten. Wir kaufen bei den Bauern. Alles aus der Region. Wir genießen diese Lebens-Mittel.

Ein Hilfsschulwart hat es in der Diskussion auf den Punkt gebracht: Dieser Film gehört in jede Schule. Ich selber würde vorschlagen: Der Film muss von Konzernchefs, der Sparte Handel und den zuständigen Politikern ebenso „Pflichtprogramm“ sein. Wirtschaftswachstum durch systematische Lebensmittelvernichtung kann nicht die Zukunft sein. Da bekommen wir auf lange Sicht eine „Herzensvergiftung“.

 

 

Das Glas Wasser nimmt mit mir Platz

Das Kunsthaus Graz liegt in Sichtweite. Ebenso „The smallest galery“. Zuvor  möchte ich noch einen Kaffee genießen, Zeitung lesen und im Büchlein „Resilienz“ stöbern. Das Schwalbennest bietet sich an. Es schneit und draußen ist es Brrrr. So betrete ich das Cafe. Ich werde herzlich begrüßt und auf Raucher und Nichtraucher hingewiesen. Ich gehe in den ersten Stock und setze mich.

Gastfreundschaft liegt in der Luft

Hinter mir geht der Kellner und hat ein Glas Wasser in der Hand.  Ich denke, er wird es dem schon anwesenden Gast hinstellen. Nein. Er stellt es mir zur Begrüßung hin. Das Glas Wasser nimmt mit mir Platz. Der Kellner legt mir die Karte her und geht wieder hinunter. Er lässt mir Zeit. Ich nehme in aller Ruhe Platz, verstaue meine vom Schneefall etwas angefeuchteten äußeren Kleidungsstücke. Setze mich und nehme einen Schluck. Dann überlege ich. Ich entscheide mich. So als ob wie auf einer anderen Ebene verbunden wären, kommt der Kellner wieder die Stiege herauf und fragt. Ich bestelle und er fragt noch, welche Zeitungen er mit heraufnehmen soll. Dann geht er. Ich empfinde dieses Ankommen hier im Schwalbennest als besondere Form der „aufmerksamen und offenen Gastfreundschaft“. Das alles wird die Weltpolitik (leider) nicht interessieren. Es ist aber Ausdruck eines empathischen Mensch-Seins. Hier spüre ich: Bei diesen Menschen geht es nicht um das „finanzialisierte Geschäft“, sondern um mich, den Gast. Das tut gut. Ich trinke heiße Zotter-Trink-Schokolade. Und draußen schneit es dahin. Ich werde hier mehr Trink-Geld geben. Ich genieße es. So geöffnet werde ich der Kunst begegnen.

7000km einfaches Leben

Natürlich zieht es mich immer wieder dorthin, wo ich etwas vom GEHEN lese, sehen und hören kann. „Das Herz des Abenteuers“ lese ich in einem Email. 7000km zu Fuss steht unter dem Titel. Bisher habe ich Reinhold Richtsfeld noch nicht kennengelernt. Das hat sich geändert und ich habe es als wirkliche Bereicherung erlebt.

Einfach aufbrechen ohne Ziel?

In Traun habe ich Gregor Sieböck kennengelernt. Er hat damals erzählt, dass er zusammen mit 3 Kollegen in Wien „einfach aufgebrochen ist ohne Ziel“. Damals hat er erzählt, dass sie im Wienerwald zwei Mal an derselben Stelle vorbeigekommen sind, „weil sie im Kreis gegangen sind“. Damals als frisch erfahrener Pilger nach Assisi war mir klar: Ein Ziel ist in jedem Fall hilfreich, ob man es erreicht oder nicht oder ob man es auch abändert. In Hellmonsödt habe ich den Vierten der damaligen Gruppe kennengelernt: Reinhold. Er war damals dabei und diese Erfahrung stand am Anfang seiner 7000km. Bis Lienz war er mit Gregor unterwegs und ab diesem Zeitpunkt mehr oder weniger „alleine“ – auch mit einigen Unterbrechungen.

Wunderbare Erzählungen von eindrucksvollen Erlebnissen

Reinhold war über einen „Südschlenkerer“ auf dem Jakobsweg bis Finisterre, auf den Canarischen Inseln, Marokko durchquerend, Italien, über die Alpen durch Bayern ins Mühlviertel (Waxenberg) unterwegs. Er macht Vorträge, wo alle Details mitgeschaut und gehört werden können. Empfehlenswert.
Als Resümee hat er in Hellmonsödt formuliert (so habe ich es gehört):
1. Die Waldviertler Schuhe und das Herz des Abenteuers können nach  7000km viel erzählen und sind „gezeichnet“.
2. Du bekommst ein ganz großes Vertrauen, „dass es geht“.
3. Du musst etwas riskieren und dabei der inneren Stimme vertrauen.
4. In der Begegnung mit der vielen Natur wirst du sensibel auf diese deine innere Stimme, Intuition.

Das kann ich nur unterstreichen. Schöne Bilder und reiche Erfahrungen habe ich von diesem Abend mit nach Hause genommen. Ich bin mir sicher: Es wird nicht mehr lange dauern und ich bin wieder zu Fuss unterwegs  – nach Norden.