Was mein Ohr hören wollte, hat Kardinal Schönborn nicht gesagt

Auf http://religion.orf.at/projekt03/news/1012/ne101220_schoenborn_hofburg._fr.htm berichtet der ORF von der Rede Kardinal Schönborns in der Hofburg unter den Titel „Es sollte ein Ruck durch das Land gehen“.
Mein Auge hätte gerne diesen Bericht gelesen.

Schönborn: Es sollte „ein Ruck durch die Kirche gehen“

Österreich braucht dringend, dass „ein Ruck durch die Kirche geht“: Kardinal Christoph Schönborn wies am Sonntag bei einer programmatischen Ansprache in der Wiener Hofburg darauf hin, dass bei vielen Christen eine tiefe Skepsis gegen die Kirchenpolitik und den Bischöfen in diesem Land herrsche.  Man traue ihnen nicht mehr zu, Lösungen für die Probleme der Kirche zu finden und jene Reformen zustande zu bringen, von denen alle wüssten, dass sie notwendig sind: Wiederverheiratet Geschiedene, Frauenpriestertum, Zölibat, Bischofsbestellungen, Sexualität.

Entscheiden und Handeln

Die eigentliche Aufgabe der Bischöfe und aller kirchlichen Verantwortungsträger sei das „Entscheiden und Handeln“, mahnte der Wiener Erzbischof bei der „Stephans-Matinee“ zugunsten der Restaurierung des Stephansdoms in den Redoutensälen der Wiener Hofburg.

Wahrheit

Kardinal Schönborn plädierte für „Mut zur Wahrheit“. Ingeborg Bachmanns Wort „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“ gelte auch für die Kirche, so der Kardinal. Dass seit Beginn der Missbrauchskrise die Kirche um durchschnittlich 50 Prozent höhere Kirchenaustritt hat, könne nicht zu Optimismus Anlass geben: „Da können Pfarrer, Pastoralassistenten, ehrenamtlich Engagierte und diözesane Referenten noch so sehr um Gutwetter-Stimmung bemüht sein, es geht sich einfach nicht mehr aus“. Vor der Wahrheit nicht die Augen zu verschließen, sondern auf Herausforderungen zu reagieren sei der einzige Weg, um wieder zur Hoffnung zu kommen, betonte Schönborn.

Verantwortung übernehmen

Wörtlich stellte der Kardinal fest: „Alle müssen Verantwortung übernehmen. Wir dürfen nicht alles auf Rom schieben und alles von Rom erwarten. Fragen wir uns nicht, wie wir Rom bestmöglich ausnützen können, sondern was wir für die österreichische Kirche tun können, wie es vor Jahrzehnten John F. Kennedy formuliert hat.“ Die Leistungen „der Kirche“ würden ja in Österreich zum größten Teil von jenen fünf Millionen Kirchenbeitragszahlern bezahlt, die 1,1% ihres Einkommens an die Kirche abliefern.

Gemeinwohl

Problemen auszuweichen verursacht laut Schönborn „jene Missstimmung, jenes diffuse Unbehagen und jene schleichende Unzufriedenheit, die wir alle spüren und beobachten“. Mit dem Vertrauensverlust in die Gestaltungskraft der öffentlichen Akteure in der Kirche gehe eine oft kompromisslose Durchsetzung von Einzel- und Sonderinteressen auf Kosten der Gemeinschaft einher. Jeder Vorschlag, der einer gut organisierten Gruppe wie Opus Dei oder den Legionären Christi Verzichte abverlangt, werde mit dem Hinweis auf „wohlerworbene Rechte“ abgelehnt: „Auf der Strecke bleiben jene, die keine römisch-klerikale Lobby haben.“

Spürbarer Ruck

Kardinal Schönborn betonte zugleich, dass heute der „Ruck durch die Kirche“ bereits zu spüren sei. Die sogenannten „Laien“ seien offensichtlich bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen. In diesem Zusammenhang dankte der Erzbischof den vielen Menschen, die in der Kirche ehrenamtlich tätig sind: „Im Jahr des Ehrenamtes gilt es, den Vielen zu danken, die in unserer Kirche – und weit darüber hinaus – Zeichen der Hoffnung setzen.“


Zutrauen, verantworten, ermutigen. Ein „Fremdbild“ zum Abschluss

Es war am Geburtstag meines verstorbenen Vaters – am 16. Dezember 2010. Zusammen mit meiner Frau Gerlinde bin ich gegen 17 Uhr in den Bischofshof unterwegs. Wir wurden eingeladen, nach 30 Jahren in einer kleinen Runde im Festsaal Abschied zu nehmen von der Diözese.  Wir wissen im Vorfeld nur den Zeitpunkt und lassen uns überraschen. Etwa 35 ehemalige KollegInnen sind da, unter ihnen Bischof em. Maximilian Aichern, Generalvikar Severín Lederhilger, Dir.in Brigitte Gruber Aichberger,  Bischofsvikar Josef Ahammer und Regionaldechant Helmut Part. Die genannten haben alle „gesprochen“ und haben  die verschiedenen Facetten meines bisherigen Lebens aus ihrer Sicht und Erfahrung beschrieben. Gabriele Eder-Cakl hat mir zusammen mit den KollegInnen des K-Büros einen „Zukunfts-Werkstatt-Koffer“ überreicht. Auf der Diözesanhomepage hat sie auch diese Abschiedsreden zusammengefasst im folgenden Text, den ich von der Diözesanhomepage übernommen habe. Irgendwie empfinde ich eine unendliche Dankbarkeit in den Momenten, „wenn andere mein bisheriges Leben ausleuchten“.

Feedback von außen

„Kaineder wurde von der Diözesanleitung als Gestalter, Entwickler, Ermutiger und großer Kommunikator beschrieben. Als Erzieher im Petrinum begann er seine berufliche Laufbahn in der Diözese Linz, dann war er Pastoralassistent in der Linzer Dompfarre,  Ausbildungsleiter der Theologiestudierenden und schließlich Internetverantwortlicher und Leiter des Kommunikationsbüros sowie zuletzt verantwortlich für die Linzer Citypastoral. „Ein Markenzeichen war: Du hast immer in ein Buch geschrieben, inzwischen ist es ein Facebuch geworden“, sagte Prälat Josef Ahammer in seiner Ansprache: „Du hast uns beigebracht, was Vernetzung ist, bitte knüpfe neue Netze und vernetz dich weiterhin auch mit uns.“ Bischof Maximilian Aichern sprach von gedämpfter Freude an dem Feierabend. Er dankte Kaineder für seine Arbeit in der Diözese und für die Zivilcourage, die immer einen hohen Stellenwert eingenommen habe.“

Gerufen

Ich habe den Gekommen irgendwie vermitteln wollen, „dass ich mich immer als Gerufener gefühlt habe.“ Erzählt habe ich vom „Anruf aus dem Petrinum“ (wie meine Mutter es sagte) nach meinem Kurs für Sozialethik, Wirtschaft und Politik auf der KSÖ 1978. Gerufen wurde ich als Erzieher ins Petrinum. Erzählt habe ich,wie ich nach der Zeckenimpfung 1982 Johann Bergsmann am Gehsteig vor der alten Bezirkshauptmannschaft in Urfahr begegnet bin. Gerufen wurde ich als Pastoralassistent in die Dompfarre. Erzählt habe ich, wie der damalige ARGE-Sprecher der LaientheologInnen Oskar Bauer mich 1989  im Dompfarrhof beim Rasenmähen unterbrochen hat. Gerufen wurde ich zum Ausbildungsleiter. Erzählt habe ich vom Tür-und-Angel-Gespräch mit dem damaligen Generalvikar Ahammer und „dass ich wohl den ersten PC habe, aber nicht viel von Technik und Internet verstehe.“ Gerufen wurde ich zum Internetverantwortlichen. Mit meinem kongenialen Kollegen und Freund Stefan Greifeneder bin ich „hineingewachsen“. Erzählt habe ich vom Gang-Gespräch am Rande einer Diözesanleitungssitzung im November 2000. Gerufen wurde ich zum Leiter des K-Büros. Erzählt habe ich von meiner Entpflichtung, die ich so erlebt habe, „als würde man einem Auto die Reifen abmontieren.“ Gerufen wurde ich nach Assisi. Reifen waren für mich mit meinen Augen derzeit nicht in Sicht. Und so erzählte ich auch von einem Telefonat Ende November 2010, „ob ich nicht morgen zum Traxlmayr kommen könnte.“ Gerufen gefühlt habe ich mich für die neue Aufgabe als Geschäftsführer der ACADEMIA SUPERIOR ( http://www.academia-superior.at ). Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass „dort wieder die entsprechenden Reifen auf mich warten.“

Bischof Maximilian hat innerhalb seiner launigen Erzählungen über mich immer wieder gute Tipps und Ratschläge eingefügt. Einen davon habe ich so gehört: „Lass dich in deiner Aufgabe nicht von der Politik lenken, sondern von den Ideen und Anliegen der Menschen.“ In diesem Sinne habe ich auch zugesagt zur neuen Aufgabe.

Der 4.087ste Aufguss, Applaus und unendlich leben

Draußen Schnee – in der Blockhütte der Therme wurde eingeheizt. Mehr als 50 Personen warten auf den Saunameister. Mit „Alle gut drauf?“ betritt er die gut gewärmte Hütte. Stille. Kein Scherz. „Wird schon gut gehen, der 4.087ste Aufguss“, sagt er in die nackte Runde, die im Dunkeln sitzt.

Heiße Diskussionen

Ich erinnere mich an die regelmäßigen Sauna-Besuche im Hummelhofbad an meinen freien Montagen vor etwa 20 Jahren. Da wurde schon vor der Saunatür heiß diskutiert und die Gesellschaft bemessen, beurteilt und in jedem Fall verbessert. Damals hatte ich das Gefühl, mit der Schattenregierung Österreichs zu schwitzen. Kein Minister wurde ausgelassen und das Gesellschaftskonzept wurde in der heißen Luft ausgearbeitet. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass der Saunaofen kalt bleiben könnte und die Schweißperlen schon durch das Engagement in den verbalen Auseinandersetzungen in Gang kämen. Das die obligaten Witze in der heißesten Phase auch noch kommen mussten, kannte ich vom  Amen im Gebet. Der Saunaaufguss ohne die derben Witze wäre halb so heilsam gewesen. Dann ging die Tür auf und alles war heraus: Schweiß, die Rettung Österreichs ist gelungen und eindeutig-zweideutige Phantasien haben ihren Raum gehabt.

Abgekühlte Saunawelt

Und heute? Stille in der Sauna, von Anfang bis zum Schluss. Keine Gespräche und keine Witze. Irgendwie habe ich den Eindruck, mit jeder Schweißperle fließt ein Stück Erschöpfung aus. Jeder und jede öffnet sich für sich. Die Seelen sind müde. Die Rettung der Welt wird nicht mehr gelingen. In der ganzen Thermenlandschaft höre ich  keine diesbezüglichen Gespräche. Die meisten Menschen leben als Hamster im Rad und steigen hier aus. „Einfach da sein“ liegt heute in der Luft. Ruhe, Entspannung und das Leben draußen soll auch ganz draußen bleiben. Und so heizt heute nur der Saunaofen. Der Saunameister hat die Devise ausgegeben, dass wir überleben werden. Am Ende wird er für diese Ermutigung auch mit  Applaus bedankt. Es ist gut gegangen – in aller Ruhe. Auch ich bin diesmal alleine unterwegs. Irgendwie fehlt mir etwas und doch auch wieder nicht.

Kein Applaus um 18 Uhr

Schon am Nachmittag liege ich mit dem Buch „Endlich Unendlich“ auf meiner Liege. Wie weit kann die Genetik das Altern „zurückschieben“ und wie weit sind nicht Gene, sondern Umwelteinflüsse auf den Menschen entscheidend. Ich weiß, dass diese Zeile zu einem ganzen Buch zu wenig ist. Der Autor Markus Hengstschläger wird es verzeihen, weil damit der Wunsch, es zu kaufen und ganz zu lesen, vielleicht wachgerüttelt wird. Mein zweites Auge verliert sich aber immer öfter hinein in die Baugrube, die gleich nebenan von etwa 10 Männern bei Regen und Schneetreiben „bearbeitet“ wird. Ich im Warmen, in Gedanken zwischen Unendlichkeit und der Endlichkeit und sie bei Minusgraden im nassen kalten Wetter bei der Arbeit. Ob das ihre Lebenserwartung schmälert? In jedem Fall legen sie die Basis dafür, dass ein Saunameister in naher Zukunft den schwitzenden Seelen zurufen kann: Es ist gut gegangen. Er wird wieder Applaus ernten. Und ich bleibe mit der Frage und bei meinem Buch hängen: Wer applaudiert den 10 Männern, die bei diesem kalten Sauwetter am Samstag die Basis für heiße Luft legen?

Die Weite der Zukunft reizt mich. Zukunftsarbeit für OÖ

„Diese neuartige Denkwerkstatt macht es sich zum Ziel, aktuelle ökonomische, gesellschafts- und sozialpolitische Herausforderungen auf nationaler und internationaler Ebene zu identifizieren, um konkrete Lösungsvorschläge für unsere Zukunft zu entwickeln.“ – diese Herausforderung wurde an mich herangetragen und dafür möchte ich in Zukunft meine Energien, Zeit und Ideen investieren. Schon immer haben mich Zukunftsfragen gereizt. Die Möglichkeit, sie in einem so hochkarätig besetzten Think Tank strukturiert zu bearbeiten, finde ich spannend.

Es gibt keine Einschränkungen

Im ersten Gespräch mit Landesgeschäftsführer Michael Strugl wurde die Offenheit dieser Akademie angesprochen: „Es gibt keine Einschränkungen und Vogaben. Alles, was Relevanz für Oberösterreich hat, soll darin erarbeitet und auf die Region heruntergebrochen werden.“ Es geht darum Anstöße zu liefern für die Politik und Entscheidungsträger in Oberösterreich. Gearbeitet wird interdisziplinär und fächerübergreifend. Es ist auch vorgesehen, dass anstehende Themen erarbeitet und konkrete Lösungen vorgeschlagen werden.

Die Weite des Denkens

Im Gespräch mit Univ.Prof. Markus Hengstschläger, der als „inhaltlicher Intendant“ in der Akademie mit den  mehr als 40 international renomierten ExpertInnen aus den unterschiedlichsten Fachgebieten die Themen und Lösungen vorantreiben wird, wurde klar: Es braucht die Weite des Denkens und den Mut, sich mit dem Neuen intensiv auseinanderzusetzen. Es wird sicherlich spannend, vom Nobelpreisträger bis hin zu den Besten aus Medizin, Ökonomie, Soziologie, Physik, Bildung oder Geisteswissenschaftern Ideen zu hören, wie Zukunft besser gelingen kann.  Entlang eines neuartigen Prozessdesigns wird sich die Academia Superior selbst als Impulsgeber entwickeln.

Mit 1. Jänner 2011 werde ich als Geschäftsführer mitgestalten und für alle Aktivitäten verantwortlich zeichnen. Einem breiten Publikum wird die Zukunftsakademie am Donnerstag, 2. Dezember 2o10 im Oberbankforum vorgestellt.

Wenn Schnee ins Getriebe kommt

„Von Sattledt nach Linz 1h25min!!! Was will man mehr, toller Linzer Knoten!!!“ – so schreibt Siegi S auf Facebook am Montag früh. Kommt das weiße Nass in Form von Schnee vom Himmel, so hat man den Eindruck, geht fast gar nichts mehr. Zumindest auf den Straßen. Der Schnee ist eine kollektive Bremse, die angezogen wird. Ein Stück Angst, ein wenig Ungeschicklichkeit und ein paar Sommerreifen tun das ihre. Die durchorganisierte Welt geht vom Gas bzw. muss vom Gas. Mir gefällt das. Auch, weil ich genau jetzt, wo unendlich viele  irgendwie irgendwohin müssen, bei meinem Laptop sitze und im trockenen und warmen Arbeitszimmer die unverschneiten Tasten beklopfe. Ich kann mich noch gut erinnern, wie vor drei Jahren auch überhaupt nichts mehr gegangen ist. Der Schülerbus hatte mehr als eine Stunde Verspätung. Einzelne Kids hatten daraufhin die Eltern informiert, dass nichts weitergeht. Da sind tatsächlich Eltern mit ihren Autos aufgetaucht  und haben versucht, auf eigene Faust die Kinder in die Schule zu bringen, wo auch keine LehrerInnen waren, weil sie ebenfalls im Schnee gesteckt sind. Dort uwrde mir klar, dass eine gelassene Haltung zur Realität verloren gegangen ist. „Heute geht nichts, wir gehen wieder heim“, war nicht mehrheitsfähig an der Bushaltestelle. Schade, dass der Mensch diese massiven Interventionen nicht positiv lesen kann: Es ist Zeit, einen Tag untätig zu verbringen.

Muss es wirklich das Auto sein?

„08:08… im zug nach innsbruck…“, so schreibt über ihr iPhone Susi S. am verschneiten Montagmorgen. Sie wollte die Strecke aus verschiedenen Gründen mit dem Auto packen. Sie hat sich aber in diesem Umfeld lieber dem öffentlichen Verkehr hingegeben. Das wird ihre Nerven sparen und sie wird, auch wenn es mit Versprätung ist, in Innsbruck ausgeruht und ungefährdet ankommen. Das öffentliche Verkehrsmittel ist deshalb so fein, weil es mich in meiner Haltung ändert: Vom Weg-Macher hin zum Getragenen oder besser Gefahrenen. Das Auto vermittelt den Eindruck, als könnten wir individuell handeln. Spätestens der Schnee macht uns bewusst, dass wir nicht nur gebremst sind, sondern uns auch der Schein der Individualität echt unter Druck setzt.

Ein bischen Schnee im Getriebe wird zur guten  Herausforderung, nicht nur auf der Straße, sondern vor allem  im Kopf: Was läuft da eigentlich Tag für Tag mit mir?

Linzer Bürgermeister im Gespräch mit Linzer SeelsorgerInnen: Es wird nicht gekürzt

„Wir denken nicht daran, Subventionen zu kürzen“, war eine der ermutigenden Aussagen des Linzer Bürgermeisters Dr. Franz Dobusch beim Treffen mit dem Linzer SeelsorgerInnen aus den Pfarren und Seelsorgeeinrichtungen. Ausgangspunkt für diese Antwort war die Frage nach den Zuwendungen zu den kirchlichen Jugendzentren im Stadtgebiet. Dobusch verwies darauf, dass die Stadt 38,2 % des Budgets für den Sozialbereich ausgibt. Die Gesamtförderung an kirchliche Einrichtungen betrug im Jahre 2009  3,357.000.- EUR. Die bisherige Vorgehensweise bei Projekten soll beibehalten werden. „Ich halte nichts davon, durch Kürzungen die wertvolle Arbeit vieler Ehrenamtlicher – nicht nur in den Pfarren – zu demotivieren“, ist Dobusch ganz klar: „Man kann weiterhin mit Subventionen rechnen und mit einer pünktlichen Zuweisung.“

Es geht nicht nur um das Geld

Beim Gespräch im Linzer Rathaus, an dem von Seite der Stadt Bürgermeister Franz Dobusch, Vizebürgermeister Klaus Luger und Bezirksverwaltungsdirektorin Martina Steininger teilnahmen, informierten sich die  etwa 50 SeelsorgerInnen darüber, wie sich die Stadt weiterentwickeln wird. Angesprochen wurden vor allem die Neubauten wegen der zu erwartenden Zuzüge in den Pfarren, die soziale Situation in den Stadtteilen, die Bevölkerungsentwicklung in Hinsicht auf die Seniorenbetreuung und die Kindergartensituation. Viele Pfarren betreiben einen Pfarrcaritas-Kindergarten. Die Stadt steht aus sozialen Gründen zum Gratismittagessen im Kindergarten. Auch in den Pflichtschulen wird ein Mittagessen zur Verfügung gestellt. „Täglich werden an die 10.000 Essen zubereitet“, weiß der Bürgermeister. Das entlastet berufstätige Frauen und der gesundheitliche Aspekt ist auch zu bedenken.  In der Weiterentwicklung der Kindergärten geht Dobusch davon aus, „dass mit jedem Kindergartenerhalter ein Einzelvertrag erstellt werden wird.“ Er betont, dass die Zusammenarbeit gut funktioniert und strahlt auch bei kniffligen Detailfragen Gelassenheit aus. „Es wird sich einspielen“, ist er überzeugt.

Migration und Integration als Hauptthema

Vizebürgermeister Klaus Luger informierte die SeelsorgInnen über die 23 Maßnahmen der Stadt Linz für eine bessere Integration.  Die SeelsorgerInnen sehen hier gute Anknüfungspunkte für ein gemeinsames Arbeiten. Für eine bessere Nachbarschaft, Sportangebote, Kultur oder Jugendorientierungspunkte sind „Schnittflächen“, wo die Kirche ihren Beitrag leistet und weiterhin leisten wird. Luger erwähnte auch, dass man alle rechtlichen Möglichkeiten ausnützen wird, um Menschen, die länger als fünf Jahre hier gut integriert sind, ein Bleiberecht zu erwirken. Diese Bemühung wurde mit heftigem Applaus gewürdigt. „270 Personen könnten jederzeit abgeschoben werden“, betonte Luger.

Nach mehr als zwei Stunden bedankte sich Helmut Part als Regionaldechant für die Einladung in das Rathaus und das offene konstruktive Gespräch.

Wie viel Geld hat und braucht eine Pfarre?

Alles wartet auf den 20. November hin. Der große „Rätetag“ in der Diözese Linz tagt in Puchberg. Dechantenkonferenz, Pastoralrat, Priesterrat und diverse weitere Delegierte beraten über die Zukunft bzw. einen möglichen Endpunkt des schon drei Jahre lang laufenden „Zukunftsprozesses“. Es werden dort sicherlich die verschiedenen „pastoralen Handlungsfelder“ erneut aufgerollt. Es wird sicherlich auch „Allgemeines“ zur Situation der Diözese geben. Und doch warten alle gespannt darauf, wo der Rotstift angesetzt wird, um die fehlenden Einnahmen der in großer Zahl Ausgetretenen und die allgemein steigenden Kosten abzufangen. Auch die Pfarren – so hört man im Vorfeld – sollten zur Kasse gebeten werden.

In den Pfarren ist die Kirche am lebendigsten

Im Hebst wurde bei der Dechantenkonferenz eine Zahl ausgegeben, die in den Pastoralkonferenzen, in den Dekanatsräten und bei den PGR-Regionaltreffen für „Unmut und Unverständnis“ gesorgt haben. Ich rede hier von den Versammlungen, denen ich aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit in der Region Linz bewohnte. 20% des Kirchenbeitragsanteiles sollten einbehalten werden. „Das ist in der Form vom Tisch“, bestätigt Brigitte Gruber-Aichberger (Direktorin Pastorale Berufe)  beim Regionaltreffen der PGRs in Linz-Christkönig. Ich selber frage mich weiter: Was heißt „in der Form“? Meiner Meinung nach dürfen die Pfarrgemeinschaften, die sich selber zum Großteil „ehrenamtlich durchschlagen“ wie wir in Kirchschlag, nicht noch damit bestraft werden, dass sie noch mehr finanzielle Mittel selber aufbringen müssen als bisher. Es wird ohnehin schon sehr vielbei den Pfarren damit eingespart , dass das Personal nicht in der vorgesehen Größenordnung zum Einsatz kommt. Das Komma (zB. 17,2 oder 52,4) macht es möglich. Personal wird „aufgesplittet“. In einem Protokoll lese ich, dass ein Pfarrassistent in der Nachbarpfarre mit 5% mitarbeitet.

Dazu kommt noch, dass Pfarren „mit einem Lebenswillen in die Zukunft hinein“ sich dann eine Pfarrsekretärin, die ja als Unterstützung für die ehrenamtliche Arbeit unendlich wertvolle Dienst tut, selber finanzieren muss. Mehr als bisher, wenn die Einsparung bei den Pfarren kommt.  In den Pfarren lebt die Kirche. In den Pfarren ist die Kirche mit und bei den Menschen. Nicht immer, das weiß ich. Es muss doch alles getan werden, damit in diesen Pfarrgemeinschaften rund um den Kirchturm in einem Dorf das Evangelium, die helfende Hand, eine christliche Gemeinschaft und der Gottesdienst in jedweder Form als Dienst an den Menschen entfaltet werden kann. Und wieder: Um der Menschen willen.

Aus diesem Grund sollte nach der Räteversammlung eine Botschaft ganz klar herauskommen: „Trotz finanziell angespannter Lage in der Diözese Linz wird bei den Pfarren nicht gespart sondern noch mehr der von dort kommende Kirchenbeitrag zurückgegeben. Darauf können sich ehrenamtlich und hauptamtlich Tätige verlassen.“ Das möchte ich nach der Versammlung in den Medien lesen. Das ist kein Taum, sondern eine klare Forderung, die in der „Pfarrluft“ liegt. Als Mandatsträger für unsere Pfarre stelle ich das mit in den Raum.

„…mit großer Freude und Genugtuung.“ Familien retten den Staat

Dieser Brief ist mir heute im Ohr bzw. im Halse stecken geblieben. Wer den Schreiber Helmut Außerwöger kennt, der oder die weiß, dass er ein „gstandener Mann“ ist, mit viel Liebe, Zeit und Empathie seine Familie lebt. Werden wirklich die Familien den Staat retten – vor allem wieder einmal für die anderen, die ohne Verantwortung gehandelt haben und auch nicht zur Rechenschaft gezogen werden?

„Sehr geehrter Herr Finanzminister,

mit großer Freude und Genugtuung sehe ich, dass Sie uns, eine siebenköpfige Familie beauftragen, den Staat finanziell gesunden zu lassen. Was ein neoliberales Wirtschaftssystem mit tausenden Aktienfonds nicht zustande brachte, schaffen nun wir, die österreichischen Familien: Die Rettung des österreichischen Staatshaushaltes.

Besonders freut es uns, dass wir einen großen Teil jenes Geldes bereit stellen werden, das als sogenannter europäischer Rettungsschirm über ein neoliberales Spekulationssystem aufgespannt wurde. Gerne stellen wir unser Geld zur Verfügung, dass auch weiterhin, wie bisher, ungeniert an den Aktienmärkten spekuliert werden kann. Unser letztes Hemd werden wir für die Aufrechterhaltung von Börsengewinnen in Milliardenhöhe geben, die irgendwo lagern, aber sicher nicht den Familien zugute kommen werden. Als Familie mit fünf Kindern im Altern zwischen 9 und 1,5 Jahren haben wir zwar kein Geld, mit dem wir an der Börse spekulieren könnten, aber in selbstloser Haltung, die uns ja inne ist, geben wir gerne für einen guten Zweck.

Herr Finanzminister, wir bedanken uns für Ihr Vertrauen.
Wir werden unser bestes, wie immer, geben.“

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Der Brief ist aus dem Blog von Helmut Außerwöger entnommen:
http://ausserwoeger.wordpress.com/2010/11/09/sehr-geehrter-herr-finanzminister/