Eine Quellensuche am Sonntag

Der Bus fährt am frühen Sonntagvormittag aus dem Bergdorf auf über 900 m hinunter in die Stadt Linz. Er ist ganz leer, wo sonst viele Wanderer mitfahren. Ich steige hinten ein. Das ist jetzt so. Kein Kontakt zum Busfahrer. Meine OÖV-Jahreskarte zeige ich bewusst nach vorne. Sie hat in diesen Tagen Identitätsprobleme. Sie wird nicht gebraucht. #stayhome.  Aber heute fahre ich auf Quellensuche in die größte Kathedrale Gottes, die Natur. Fast 500 Höhenmeter kurvt der Busfahrer mit mir hinunter. In der Speichmühle steige ich aus. Zwei große Bäche münden hier zusammen. Den linken nehme ich.  Großes Wasser. Es weht ein kalter Nordwind. Auf zur Quelle. Schritt für Schritt.

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Ökosoziale Wende und Wirtschaft jetzt unmittelbar koppeln

„Ich frage mich, ob soviel Geld, das zurecht für „die Wirtschaft“ in die Hand genommen wird, nicht mit der bis vor kurzem diskutierten ökosozialen Wende gekoppelt werden könnte. Krise heißt ja auch Chance für Veränderung. Ein Zurück zum Ist-Zustand davor kann es ja nicht sein.“ So schreibt Christian Wlaschütz in einem Posting heute auf FB. Er schreibt: „könnte“.  Aus meiner Sicht muss dort „muss“ stehen. Ich bin überzeugt, er meint das auch so.

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Distanzzeiten sind gute Zeiten für tiefe Selbstreflexionen

Irgendwie komme ich mit dem Lesen gar nicht nach. Seit vorgestern habe ich in meinen Timelines auf Twitter, Facebook und Instagram neben den „Achtung-Geschichten“ zu COVID19 und den zum Teil absurden Reaktionen vieler Bevölkerungsteile (Hamster) wunderbare und feine „Solidaritäts- und Ermutigungs-Geschichten“. Es erinnert mich an 2015. Die einen verfielen in Ohnmacht und Panik und andere nutzten die Herausforderung für das neue Einüben von Solidarität, neuen Beziehungen und eine Lebensvertiefung mit der Folge von Verlebendigung.

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Das reduzierte Leben beginnt

Corona hat das geschafft, was so viele ökologische und nachhaltige Konzepte und Impulse seit Jahren und Jahrzehnten fordern: Eine Reduktion der überdynamisierten und durchökonomisierten Gesellschaft. Alles ist irgendwie zittrig und kurzatmig geworden. Für das Klima und die Weltkugel war 2008/09 ein Erholungsjahr dank der Finanzkrise. Die CO²-Ausstöße reduzieten sich auf ein normales Maß. Für „die Wirtschaft“ war es ein Desaster. Sagen alle. Es wurde damals nicht im Sinne von „weniger“ gelernt. Nein, noch mehr, noch größer, noch internationaler, damit der Dollar, der Rubel, der Euro rollt.

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Die Bühne macht lebendig

Wir betreten den Kirchenraum der Urfahrer-Stadtpfarrkirche. Diese Pfarrgemeinde hat Glück. Sie ist auch Jugendkirche „Grüner Anker“ und verwandelt sich so mit jedem Projekt der Jugendlichen. Und Verwandlung gehört zum Höchsten in der Kirche. Siehe Eucharistie. Der Raum ist in ein Blau-grün getaucht. Der Techniktisch erhöht, die Bühne quer zum Längsraum, die  Lichtstrahler überall montiert. Die Sesselreihen warten auf Besucherinnen und Besucher. „Ein Sommernachtstraum“ haben die Jugendlichen einstudiert. Heute ist es so weit: Premiere.  Geschäftige Vibrationen liegen in der Luft. Eine wunderschöne Stimmung.

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Nicht Wohltätigkeit sondern Tischgemeinschaft

Es ist schon mehrere Jahre her. Damals habe ich eine Veranstaltung moderiert, wo es um soziale Arbeit ging. Manchmal kramt man in den alten Unterlagen in der Hoffnung, alte „Erkenntnisse“ wieder aufzufrischen, heute dienlich zu machen. So ist es hier. Und genau das berührt mich heute, wo ich mitbekomme, mit welcher Hartherzigkeit die türkise Regierung das Leid der Menschen „abserviert“. Es werden einfach Behauptungen in den Raum gestellt, die im Vergleich und nach Recherche nicht stimmen. „Österreich hat das meiste getan für Flüchtlinge.“ Wer Statistiken lesen kann, wird eines besseren belehrt. Der junge Kanzler sagt, und die Leute glauben. Fakten gelten nicht. Österreich somit in Trumpnähe. Bei der Pressekonferenz der Integrationsministerin haben einige zurecht protestiert (Bild).

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Ein besonderes Leben heimgetragen

Erstens: Viel zu früh. Dann: Alles ist richtig. Und: Danke für das Mitgehen, die Worte, das Stammeln, das Schweigen und das Beten. Das steigt immer wieder in mir auf. In der übervollen St. Anna Kirche nehmen wir Abschied von meinem jüngeren Bruder. Die Wortgottesfeier hilft uns allen dabei. Irgendwie ist für mich so etwas wie ein kollektives Atmen spürbar, eine tiefe Verbundenheit, eine Trauer verbandelt mit Hoffnung und Dankbarkeit.

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Was ist Bedürfnis und wann der Zeitpunkt

Das Kinderwagerl steht bereit. Die gut Einjährige ziehen wir warm an. Es ist früher Vormittag. Ausfahrt in die frische Luft und, wenn es Bedürfnis wird, ein wenig schlafen. Das geht ganz unkompliziert. Das Bedürfnis hat sich schon im Augenreiben angekündigt. Beim Hinuntergehen über die Stiege suchen ihre Finger meinen Mund, die Nase, die Brille. Lachen und scherzen. Wir sind einander ganz nahe. Hinein ins Wagerl, das Flascherl bereit, flutschen wir hinaus bei der Haustüre. Es ist kalt, noch nebelig. Aber Winter ist Winter. Das wissen und das können wir.

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