Wider die digital geschwindelte Gesellschaft

www.datum.at

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Ein Fake ist nach dem Duden Schwindel und Fälschung. Wir leben digital in einer mehr und mehr „ge-fake-ten“ Gesellschaft. Die Zeitschrift Datum büßt gerade Werbekunden ein. Inserate werden von Großkunden zurückgezogen. Angeblich auch von meinem Transportunternehmen, der ÖBB. Sehr kurzsichtig. Nein: Absolut unverständlich. Einfach falsch.

Von Fakes reinigen

Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch in Wien mit Florian Klenk. Es ging um Lobbying. Lange Zeit haben die Interessenvertreter fast magisch gebannt auf das neu auftretende Lobbying geschaut. Dabei ist ihnen und auch den JournalistInnen nicht bewusst gewesen, dass die dreisten Kriminellen (zB „Wo is mei Leistung?“) unter den Lobbyisten das höchste „Ansehen“ hatten. Da wurde mit Millionen herum jongliert. Darauf die Hände zur Gesetzgebung gehoben, die Glühbirne abgeschafft und die Gurke gerade. „Viel zu spät haben die ehrlichen Lobbyisten sich von den Kriminellen getrennt“, meinte damals der Chefredakteur vom Falter. Der fehlende (Selbst)Reinigungsprozess hat die ganze Branche – Lobbyisten und Auftraggeber – ins „Ansehen-Abseits“ geführt. Vor meinen Augen taucht da immer der Weinskandal auf. Konsequente Reinigung hat Österreich als Qualitätsland hervorgebracht. Der Missbrauch in der Kirche benötigt dieselbe Konsequenz, um wieder Kraft und Freude aufzunehmen. Dieser Papst lässt hier keinen Spalt offen. Gott sei Dank.

Agenturen verdienen Geld mit dem digitalen Schwindel

Die digitale Welt ist nach wie vor für viele neu, weiterhin sehr neu. Alles Neue hat seinen Reiz, seinen Charme, seinen Magnetismus und auch seine Ablehnung, seine Abgründe. Wenn es stimmt (und es stimmt), was Datum aufgedeckt hat, dass Agenturen ihr Geld damit verdienen, mit gefälschten Accounts zu schwindeln, dann müsste die ganze Branche – Auftraggeber und Auftragnehmer – sofort aufstehen, Datum für die Aufdeckung einen Orden verleihen und die Großkunden diese Agenturen in den Wald oder Wüste schicken. Nein. Es geschieht genau umgekehrt. Der Aufdecker wird in die Wüste geschickt und die Fälschung und der Schwindel geht weiter. Wegschauen statt hinschauen. Dabei wäre es für die ÖBB so einfach.

Reinigt euch und hört genauer hin

Ich bin ein begeisterter Öffi-Fahrer. Ich schreibe auch dazu auf FB und Twitter. Positiv. Ja, positiv. Weil es mir gefällt, öffentlich zu reisen, mit Bus, Bahn und U-Bahn zu fahren, im Alltag. Wenn ich es genieße, dann sage ich es auch anderen. Im Gasthaus, in den Gesprächen im Cafe oder im Familienkreis. So auch im digitalen Gasthaus, in den Social Media. Es ist nur so, liebe Kommunikationsabteilung der ÖBB, dass ihr das aus meiner Sicht gar nicht herschaut und das hört. Ihr seid problemorientiert. Es wäre für euch gratis, was ich erzähle. Statt dessen gebt ihr mein Fahrgeld dafür aus, geschwindelte und gefälschte digitale Existenzen über euch erzählen zu lassen. Wahrscheinlich sind diese Schwindler in diesem Agenturen selber noch nie mit der Bahn gefahren. Reinigt euch, liebe Inseraten-Großkunden bei Datum, von diesem Schwindel und kommuniziert mit uns, den echten und begeisterten Kunden. Wenn es passt, sagen wir es. Wenn nicht, dann auch. Das hilft uns beiden weiter. Der (digitale) Schwindel entfremdet uns.

 

 

Die Eucharistie verwendet

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Foto: Lange FB-Seite

Mirko Lange, den ich in Deutschland 2008 persönlich bei einer Veranstaltung zum Thema Non-Profit-PR kennen und schätzen gelernt habe, schreibt heute auf FB einen impulsiven Gedanken: „Ich kann euch allen Jüngeren und Ambitionierten zurufen: Leute, versucht jeden Fehler zu machen, den man nur machen kann. Nur so könnt ihr lernen. Ich habe ganz unheimlich viele Fehler gemacht, für manche zahle ich heute noch. Aber ich glaube, dass es keinen anderen Weg gibt, um „besser“ zu werden. Es gibt nur einen Fehler, den man nicht tun sollte – nämlich den gleichen Fehler zweimal.“

War das ein Fehler?

z_rom1Szenenwechsel. Heute wurde bekannt, dass Erzbischof Oscar Romero heilig gesprochen wird. 1980 wurde er während der Eucharistiefeier ermordet. Der Film damals war hat sich bei mir ganz tief eingefurcht. Franz Jägerstätter und er kamen mir auf derselben Ebene entgegen: Zwei Menschen, die ihrem Gewissen gefolgt sind in einer ganz prekären Zeit und gewalttätigen Umgebung. Beiden hat die Eucharistie, die Wandlung, der Glaube an die „Realpräsenz Christi“ unglaublich viel bedeutet. Ich bin mir nicht mehr sicher, aber etwa um 1989/90 habe ich den Romero-Film gesehen. Es war noch in der Dompfarr-Zeit in Linz. Zusammen mit Jugendlichen haben wir ihn angeschaut. Ich habe geweint. Heute noch fühle ich mich von einer Szene aufgewühlt, die ich seither nicht vergessen habe. Ohne Anspruch auf Richtigkeit zu erheben, läuft bei mir heute die Filmszene so ab: Die Rechtlosen (auch viele Frauen und Kinder) treffen auf die Militärs. z_rom2Eine gewalttätige Auseinandersetzung scheint unausweichlich. Romero ist unter den Land- und Rechtlosen. Die Militärdiktatur kennt keinen Pardon. Alles spitzt sich zu. Als ihn die Militärs abführen wollen, beginnt der Bischof entblöst mit den Menschen Eucharistie zu feiern. Die Messfeier hat der Bischof „verwendet“, um Unheil und Tod abzuwenden. Die Eucharistie hat das Blatt „gewandelt“ und die Militärs haben sich zurückgezogen. Es läuft mir heute noch kribbelnd über den Rücken. Was habe ich für abgehobene „eucharistische Traktate“ gehört, in einer spirituellen Abgehobenheit weit weg von den Menschen im Dreck, in der Bedrohung, im Dilemma, in Not und Elend.

Macht Fehler!

z_rom3Es hat lange gedauert, bis das Martyrium eines Oscar Romero anerkannt wurde. Er war zutiefst politisch auf der Seite der Entrechteten. Das hat der Elite nicht geschmeckt. Die südamerikanische Kirche war durch die Ernennung von Opus-Dei-Bischöfen durch Johannes Paul II auf die Seite der Elite gebracht worden. Die so „politisch gereinigte Kirche“ hat den sauberen Glauben betrieben, gesellschaftspolitisch neutral und daher auf Seite der Mächtigen. Franziskus traut sich jetzt drüber. Romero hat das Allerheiligste in die Mitte der Auseinandersetzungen gebracht und damit vieles zum Guten „gewandelt“. Für die „hohe Theologie und die klinische Lehre der Liturgie“ war das sicher ein Fehler. Romero wurde selber bekehrt, dorthin gestellt, wo er dann gestorben ist: auf der Seite der Entrechteten. Dort hat er Jesus gesehen und dort hat er die tiefste Erinnerung der selbstlosen Liebe hingetragen, die Eucharistie, die wandelt. Aus der Sicht der „Oberen“ war es wahrscheinlich ein Fehler. Aber: Dieser „Fehler“ wird in seiner ganzen Tragweite heilig gesprochen. Zu vieles in unserer Kirche ist „klinisch sauber“ und durch Fehlerlosigkeit „ausgezeichnet“. Was sagt Mirko Lang: Macht Fehler – nicht Dummheiten (das sind Fehler zwei Mal gemacht). Und was meint Papst Franziskus: Verbeult ist OK. Das Heilige wird draußen gebraucht, in der Gesellschaft, wo so vieles aneinanderprallt. Ich träume davon, dass wir die Eucharistie nicht nur feiern für, sondern inmitten der Konflikte und Ungerechtigkeiten unserer Tage. Dazu sind wir getauft, geweiht, gesendet.

Wie geht raus?

Schon mehrmals hat sich bei Workshops, die ich in den letzten Monaten begleitet habe, die Energie auf diese Frage zugespitzt: Wie geht raus? Wie kommen wir zu neuen Leuten? Wie können wir unseren TeilnehmerInnenkreis erweitern? Wie geht Rand?

Kirchliche Einrichtungen erscheinen abgeschlossen

999_IMG_6043Seit Papst Franziskus sich selber und damit sein Papstamt „bewegt, vagabundierend, hinaus“ angelegt hat, ist vielen kirchlichen Gruppen und Einrichtungen ihre „Abgeschottetheit“, ihre „Inner Circle Mentalität“ und der damit verbundene Prozess der oft radikalen Verkleinerung und Überalterung bewusst geworden. Einzelne Bischöfe haben dieses Faktum sogar ideologisiert und als Visionsbild in die Zukunft gestellt: Wir werden kleiner, weniger, unbedeutender. Die Kraftlosigkeit wird zum Programm erhoben. Aus meiner Sicht wird diese Denke gerade schmerzliche Realität. Hängende Schultern, geängstigte Zurückhaltung, leise Stimmen, angepasste Themen, Klagen über die Zeit, nur keinen Wirbel. Was ist Magnetismus, was bedeutet Attraktivität? Immer öfter richten sich jetzt Frauen und Männer, Verantwortliche an den Handlungen und Worten des Papstes auf, körperlich, mental und spirituell: Wie geht raus?

Eingefahrene Hohlwege

Als Kind kenne ich noch die „Hohlwege“. Durch jahrzehntelanges Fahren in einer Spur mit unterschiedlichen Steigungen wurde der Weg unterschiedlich ausgeschwemmt und immer tiefer zum sonstigen Niveau. Mancherorts konnte ich gar nicht hinausschauen, weil der Weg so tief „eingefurcht und eingefahren“ war. In den letzten 20 Jahren gab es aus dem Vatikan immer nur eine Ansage: Bleibt auf diesen eingefahrenen Wegen. Das sind die bewährten katholischen Pfade. Nicht vom Weg abkommen. Auf der Strecke bleiben. Aber: Wer nicht vom Weg abkommt, bleibt auf der Strecke. „Eine verbeulte Kirche ist mir lieber“, sagt Papst Franziskus. Die Hohlwege sind heute wenig begangen. Was passiert? Sie verwachsen und werden immer weniger begehbar. Die Leute suchen sich neue Pfade, dort wo andere Menschen sind. Wie geht raus – aus den Hohlwegen? Mit den Menschen mitgehen, gerade auf den neuen Pfaden – auch in den neuen Social Media „Hohlwegen“.

„No fear“ und Synapsen bilden

Foto: Alois Litzlbauer

Foto: Alois Litzlbauer

Es macht mich jedes Mal etwas „mulmig“, dass gerade die Ansage „no fear“ in kirchlichen Kreisen für Überraschungen, Nachdenklichkeit sorgt. Die letzte Papst-Epoche in ihrer Ängstlichkeit und Rückgezogenheit hat eine „Angstkultur“ geschaffen, die tief in die Menschen, ChristInnen und die Verantwortlichen „eingezogen“ ist. „Sind wir eh noch katholisch?“ – war eine häufige Frage, die oft auch als Drohung und zur Unterwerfung eingesetzt wurde. Die Frage zielt auf Enge, nicht auf „Aschlussfähigkeit und Weite“. Aber: Dieser Papst hat den Mut-Himmel geöffnet. Nicht verbal alleine, sondern in seinem Handeln, den Begegnungen und seinen „Bildern“. Darin kommt der „jesuanische Habitus“ so klar heraus. Im Grunde haben meine Workshops immer wieder drei Ebenen: 1. Das persönliche Empowerment zum „no fear“. 2. Die Kenntnis darüber zu erhöhen, was Menschen heute suchen, brauchen, realisieren, leben wollen. 3. Die Erhöhung der persönlichen und institutionellen „Synapsen-Fähigkeit“ mit Menschen und Gruppen auf den kreativen Flächen wie „Bühne, Bewegung, Musik, Kunst und Sozialem“. Meine Überzeugung: Dort wollen Menschen etwas tun. Das sind Tun-Felder, die „engage and involve“ möglich machen. Das braucht eine offene Anschlussfähigkeit auf Augenhöhe zu ganz neuen Menschen, Gruppen und Institutionen. Hierarchie war gestern, Netz ist heute. Von kristallin zu fluid. Und die beiden Fragen: Wo begegnet dir Mitte? Wo begegnet dir Rand? Das sind die Brennpunkte der Ellipse.

70 Jahre Lebenserfahrung und noch mehr

Nächsten Samstag bin ich zu einem 40er eingeladen. Ich freue mich schon, weil ich sicher liebe und gute alte FreundInnen und Bekannte treffen werde. Ich musste immer schmunzeln: „Ihr seid in dem Jahr geboren, in dem ich reif wurde. Schulisch gemeint.“ Ein toller Zeit-Artikel beschreibt die Dekaden durch das Leben. Natürlich war ich neugierig, was die Dekade 50-60 „hergibt“. Ja, ich fühle mich „verstanden“. Da denke ich an die besagte Freundin, die in die Dekade 40-50 eintaucht. Sie darf gespannt sein und sich freuen. Übrigens wie alle Menschen, die einen „positiven Zugang“ zum Leben wählen. Jede Dekade hat alle Lebensfacetten. Die Kunst besteht ja darin, „in der richtigen weil aktuellen Dekade anzukommen und dort zu gestalten“. Ich selber war um den 30er nicht immer „kongruent“. Der Wunsch, jünger sein zu wollen, war die Versuchung.

Christoph Schönborn und Anselm Grün

Igrünn diesen Tagen haben zwei Männer den 70er gefeiert, die die Kirche „prägend mitgestalten“. 70 Jahre Lebenserfahrung ist doch mehr als ein Kübel voll. Beide hinterlassen ihre Spuren auf sehr unterschiedliche Weise. Da geht es nicht um besser oder schlechter, sondern um das Anders. Der eine ist ein Benediktinermönch, schreibt Bücher in Fülle und trifft mit seiner Sprache und seiner Lebenssicht Millionen von Menschen. „Anselm Grün“ füllt Säle und lässt Buchhandlungen jubeln. Er ist einer jener Lebemeister, die christlich geprägtes und inspiriertes Leben zugänglich machen, anschlussfähig halten. Da spielt die Organisation #Kirche nicht immer die erste Rolle. Nein, er lässt sich nicht von ihr behindern, obwohl er ganz in ihr, in der #Ordenskirche lebt. Ganz anders Christoph Schönborn, erster Repräsentant der katholischen Kirche in Österreich, medial und organisatorisch hochstilisiert zum „einzig wahren Gesicht der Organisation“. Die hierarchisch tickenden Medien hierarchisieren hier mit. Dann verknüpft weit „hinauf“ in den Vatikan als Berater für alles erdenklich Mögliche. Das hebt die Autorität, weil der Vatikan für viele Insider ein „hinaufhebender Kontext“ ist. Papstfreund. Intimus. Da bleiben die medialen Münder offen. Damit steigt die Bedeutung, wenn ein Bischof, als Kardinal in die Nähe des Papstes gerückt wird. Dass Bischofsernennungen daneben gehen, nicht stattfinden, steht auf einem anderen Blatt.

Bei und mit den Menschen

schönbAber: Es braucht eine Menge Lebenserfahrung, um den Change zu bewältigen, wenn ganz oben von Benedikt auf Franziskus umgestellt wird. Das lange ORF-Orientierung-Interview mit Christoph Riedl zum 70er zeugt von „Synchronisierungsschwierigkeiten“. Zu schnell. Veränderungen. Tempo. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass das Los der Bischöfe bisher „Fremdbestimmung durch Rom“ lautete. Das Gefühl nährt sich auch aus jahrelanger Erfahrung mit der Amtskirche. Und heute sehe ich noch nicht den Willen, die Sache in der Diözese „mutig und frei anzupacken“.  Zögerlichkeit. Da sehe ich einen Anselm Grün, der den Blick frei und ungeschminkt in seinen Büchern auf „das Leben“ richtet. Nicht Organisation, Gesetz und Macht sondern Leben, Dienst und Verstehen. Das spüren die Menschen und deshalb fühlen sie sich hingezogen. Zu Millionen, was die Auflagen erzählen. Bischöfe müssen ihre Lebenserfahrung dahingehend (noch) ausbauen. Das geht auch – laut Zeit-Artikel – ab 70. Die bedingungslose Hinwendung zu Menschen ist immer möglich. Als Bischof, Autor, Mensch. Mit 40, 57 oder 70.

Top Five der Spiritualität

999_IMG_5946Ich nehme die Zeit(ung) in die Hand. Jemand übermittelt mir einen tollen Artikel via Twitter. Dort bin ich bei einem Gespräch dabei. Im Daringer Kunstmuseum halte ich selber neben den „innigen Skulpturen“ meinen „Weitgehen ist heilsam“ Vortrag. Inspirierende Umgebung. Hellwache Hundertschaft. Immer versuche ich, das Radar eingeschaltet und auf Neugierde gestellt zu haben. Tauchen irgendwo von irgendwem hilfreiche Ansätze und Impulse auf, um „das Leben besser zu verstehen“?

Sprache, Symbole, Rituale

Den Vortrag von der Diplompädagogin Sabine Zwierlein-Rockenfellner bei den Ordensschulen in St. Virgil zum Thema „Management und Spiritualität“ erwische ich nur mehr im Finale. Es geht um die Zusammenfassung. Das ist jetzt verdächtig. Ich nehme mein „Schreibbuch“ heraus und notiere Folgendes mit: „Sprache, Symbole und Rituale sind im Management unterschätzt.“ Die Referentin fasst nochmals die Top Five der Spiritualität zusammen. Die Pädagogin und Coaching-Expertin nennt fünf Punkte, die sich als entscheidende Faktoren für 999_IMG_5999Spiritualität herauskristallisiert haben.

1. Communio: Der Verbundenheit in der Begegnung auf Augenhöhe ermöglicht eine „Theophanie in und aus der Begegnung“.

2. Präsenz: Da-Sein in einer hellhörigen Achtsamkeit.

3. Geheimnis: Das Leben jedes Menschen liegt nie einfach total offen da. Der Geheimnisfaktor öffnet auf Transzendenz – für uns ChristInnen auf Gott hin.

4. Aufgeschlossen-Sein: Es geht um das „geöffnet“-Sein für die Fülle, die Möglichkeiten, das Ganze, die Lösungen.

5. Humor: Da geht es schlicht und einfach um die Selbstironie und die Distanzfähigkeit. Ich höre: Glücklicher, leichter müssten sie mir aussehen.

Fünf Worte, Begriffe, Realitäten pinnen für eine Zeit vor mir. Als Ermutigung. Und für den Workshop mit dem PGR St. Franziskus Wels letztes Wochenende reiche ich sie nach für ihr „Why“. Neugierig? Gut so.

 

 

Die Champions League und die leeren Schipisten

999_IMG_5925„Wir wollen zu den besten gehören“, höre ich seit Jahresbeginn immer intensiver in der OÖ Politik von ganz oben. Damit will der ganz oben unseren Ehrgeiz anstacheln. Er trifft damit auch die oberösterreichische Seele, die immer auch nach oben sucht. Aber bei weitem nicht nur. Es heißt aber litaneiartig: Wir müssen die besten Köpfe nach OÖ holen. Koste es, was es wolle.

Aber was bedeutet Champions League für jede/n ?

Bei  Champions League denke ich an Fußball, volle Stadien, Millionen an Umsätzen und Fernsehzuschauer (ich verzichte auf das Binnen-I) und elf aktiven Fußballern (auch hier kein I). Sie laufen, sie trippeln, sie unterhalten uns mit der runden Kugel 90 Minuten lang. Mehr oder weniger. Über die Preise unserer alltäglichen Produkte (Auto, Bier, Netzbetreiber, Marken) bezahlen wir diese „Milliarden-Maschinerie“. Elf laufen und Millionen sitzen. Nein: Springen auch manchmal auf. Und konsumieren. Elf kassieren und wir Millionen zahlen die Champions, inklusive Hintermänner und Agenturen. Dort wollen wir hin, heißt es im schwarzen Umfeld seit ein paar Jahren. Die besten, die teuersten, die international renommiertesten Persönlichkeiten holen wir. Damit steigen wir ein in das Geschäft der Champions League. Viel Geld für wenige, Unterhaltung für alle. Bewegung bei wenigen. Passiv-Sport bei vielen. Soweit das Paradigma.

Die SchifahrerInnen sind schon in der Champions League

Schauen wir woanders hin, auf den „Schizirkus“, wie er sich selber nennen lässt. Österreich ist Weltspitze. Ganz oben. Dort fahren einige für uns um Gold bis Bronze. Alles andere ist uninteressant in der „Stangen-Champions-League“. SchifahrerInnen werden in der Werbebranche als „Markengesichter“ vorgeführt. Da geht es um viel Geld, das über unseren Warenkorb finanziert wird. Beim Schifahren sind wir dort, wo OÖ hin will. Ganz oben. Und mit welchen Folgen?

Die Schipisten sind leer

Dieser Tage hat ein befreundeter Familienvater ein Foto von der Schipiste in Hinterstoder auf FB gepostet: „@Hinterstoder: Leere und tolle Pisten!“ Was bedeutet das? Wir sind beim Schifahren in der Champions League und die Leute fahren nicht mehr Schi. Wir haben es ganz nach oben geschafft und das dahinter liegende „Aktivitätsmodell Schifahren“ stirbt gerade. Freilich: Schröcksnadel hat in den letzten 25 Jahren alle kleinen Lift mit rechtlicher Akribie und der Sichtweise „Schischaukel“ umgebracht. Je größer, desto cooler. Alle sollten an den Champions-Pisten wedeln, Lust am Carven entwickeln, sich als toll erleben. Wir gewinnen heute zwar Goldmedaillen, die Pisten bleiben leer.

Die Lust am Leben

Ganz ehrlich: Wir sollten nicht nach oben streben, sondern die Freude am Kicken in den Parks und Hinterhöfen „just for fun“ anwerfen. Nicht die Streif bringt uns alle weiter, sondern der schneebedeckte Hügel oder die Gstetten in der Nähe. Da wird die Lust am Schnee, an der Bewegung an der Basis spürbar und nicht an die Champions League, an die Streif delegiert. Die Gesellschafts-Elite braucht „die Streif“. Der Geld-, Medien- und Wirtschaftsadel inszeniert sich und macht den Anschein des „Millionengeschäftes“ für Österreich. Durchatmen. Gedanke: Gestalten wir Wirtschaft mehr nach dem Commons-Prinzip (auch weltweit) und weniger nach dem Ranking-Prinzip. Geben wir der „intrinsischen Lust am Arbeiten“ mehr Platz als der „extrinsischen Weltrangliste“. Lokale Klein- und Mittelbetriebe werden links liegen gelassen. Die vielen lokalen Vereine und Initiativen wollen und können nicht in die Weltrangliste. Einzelne Primarii machen Image, die 423 Knieoperationen müssen oft schlecht bezahlte Ärzte machen. Gemeinden organisieren Fahrkarten für das Musiktheater und haben keine Ressource mehr für die lokalen Kulturinitiativen. Es geht nicht um die Goldmedaille, sondern um die Lust am Arbeiten, an der Bewegung, am Leben. Ich möchte PolitikerInnen ermutigen, das mehr zu sehen. So wie hier.

Die Geißel der Radikalisierung

wig_haidingerAbt Christian Haidinger ist Vorsitzender der Männerorden in Österreich. „Was ich glaube?“ wurde er von ORF Religion als erster gefragt zum Fokus „Radikalisierung“. Er schildert darin seine Sichtweise und seinen Zugang zur heutigen von Gewalt aufgeladenen Welt. „2000 Jahre hat die Katholische Kirche gebraucht, um positiv auf die anderen Religionen zu schauen“, führt Haidinger den Fokus zuerst „auf uns selber“. Er bezieht sich auf Nostrae Aetate, wo es heißt: „Zuerst füreinander interessieren, dann mehr voneinander wissen und in einen ehrlichen Dialog eintreten, damit wir uns gemeinsam für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen können.“ Religionen haben eine Aufgabe in dieser Welt und sind nicht überflüssig: Friedensstifter und Gerechtigkeitsstifter.

Gewalt nicht mit Gegengewalt beantworten

Wer wie ich 1975 bei der Zivildienstkommission auf Gewaltbereitschaft abgeklopft wurde, kann ich Abt Christian verstehen, dass die Gewaltbereitschaft und die Ablehnung von Gewalt in jeder Situation sehr persönlich ist. Das braucht eine starke Persönlichkeit und Mut. Das ist das genaue Gegenteil von Feigheit oder Passivität. Aktive Gewaltfreiheit ist auch für mich die höchste Form des Dialoges, um aus der Gewaltspirale herauszukommen. In jedem Menschen die Würde sehen und dass er ein Geschöpf Gottes ist, in ihm Gott wohnt. Deshalb darf ich nicht morden, einfach zurückschlagen. Für mich als Christen heißt das, auf Gewalt mit Ehrfurcht, Güte und Barmherzigkeit zu antworten. Abt Christian sagt: „Bewusst andere Akzente setzen.“

17 Kamele

Mehr als 70 Schulverantwortliche lauschen dem Schweizer Pädagogen Andreas Müller. Ich sitze auch darunter. Müller hat eine involvierende Art und nimmt die ZuhörerInnen immer wieder mit „Denkübungen“ herein. Am meisten beeindruckt hat mich folgende:

„Ein Vater hat in seinem Testament bestimmt, dass sein Besitztum – 17 Kamele – wie folgt aufgeteilt werden: Der älteste Sohn erhält die Hälfte, der zweitälteste ein Drittel und dritte Sohn ein Neuntel. Nach dem Tod des Vaters möchten die Söhne das Erbe aufteilen. Aber sie finden keine Lösung, da sie die 17 Kamele nicht töten wollen. Ein Mullah kommt auf einem Kamel vorbeigeritten. Sie bitten ihn um Rat.“ Müller schaut in die Gesichter: Welchen Rat hat er ihnen gegeben? Stille. Nachdenken. Flüstern. Schwätzen. Was kann die Lösung sein? Probieren sie es, ohne hier gleich weiterzulesen. Stopp.

 

kamelPlatz zum Denken!

 

Ungeduld kommt auf. Hier die Lösung, die ein Denken außerhalb der „linearen Denkbewegung “verlangt. Also: Out oft the Box. Und wie geht die Lösung jetzt wirklich? Der Mullah borgt den drei Söhnen sein Kamel. Damit sind es 18 Kamele. Die Hälfte sind 9. Ein Drittel sind 6. Ein Neuntel sind 2. Also: 9 + 6 + 2 = 17 Kamele. Alle gehen zufrieden ihre Wege. Ich muss lächeln. Wo sind meine Kamele, die ich zur Lösung von Konfliktsituationen für andere zur Verfügung stellen kann?