Die Botschaft ist der konkrete Mensch

Von 6. – 8. Mai 2014 werde ich im Kardinal König Haus  ein Seminar gestalten. Das Themenfeld wird so umrissen: „Berufungspastoral und Medien – Seminar zur Öffentlichkeitsarbeit in Orden“. Natürlich liegen mir beide Brennpunkte dieser Ellipse am Herzen. Da die „mediale Öffentlichkeit“ als Realität, die menschliche Entscheidungen und Entwürfe beeinflusst. Dort der innere Kern jedes Menschen, der in einer sinnvollen Tätigkeit seinen Ausdruck finden möchte und so zur Berufung werden kann (Ruf – Beruf – Berufung). Dafür sucht der Mensch Anerkennung und eine Einbindung in ein Ganzes, eine Community. Ordensgemeinschaften tauchen als Feld der Verwirklichung auf.

Der konkrete Mensch ist die Botschaft

Werte_Person_1200„Das beste Medium sind immer konkrete Menschen. Und doch braucht es Hilfsmittel: Elektronisch-virtuelle wie Websites, Facebook, Twitter usw. Aber auch den guten alten gedruckten Folder. Und es braucht den klugen, zielgerichteten Einsatz von Medien, die dem „Sender“ entspricht, aber auch dem potentiellen Gegenüber. In diesem Fall jüngeren Menschen, die dem Eintritt in eine Ordensgemeinschaft oder in ein Priesterseminar oder dem Ergreifen eines kirchlichen Berufs nicht abgeneigt sind.“ So steht es auf der Website und im Folder. Ich denke einen oder zwei Schritte zurück. Ich möchte auch jene Menschen eingeladen wissen, die noch nie einen „Eintritt“ überlegt haben und doch eine für sie sinnvolle Tätigkeit (Beruf) im Umfeld einer spirituellen Community (Gemeinschaft) überlegt haben. Wir wollen dem Ruf Gottes keine Vorbedingungen setzen. Es genügt einmal, „in die Nähe gehen zu wollen“. Dort trifft man Menschen, die leben und mit ihrem Leben begegnet mir eine Ausstrahlung. Die mediale Öffentlichkeit sucht immer Menschen. Wenn die Botschaft der konkrete Mensch ist, dann werden wir uns auch konkrete Möglichkeiten anschauen, wie das gut, heutig und authentisch zum Ausdruck kommen kann. Es wird auch darum gehen, die persönliche eigene „Marke“ zu entwickeln, die Persönlichkeit ins Spiel zu bringen, anschlussfähig zu machen, zum Ausdruck zu bringen. Vertrauen, Orientierung und Identifikation werden von einer gute Marke und von einer „anziehenden Person und Community“ erwartet. Wir schauen uns das an und machen das erlebbar. Hier geht es zu den Details des Seminars.

 

Schuld ist immer der andere

elstDer Spiegel titelt heue zu Limburg: Ein Bistum atmet auf. Franz-Peter Tebartz-van Elst wird nicht nach Limburg zurückkehren. An seiner alten Wirkungsstätte ist die Erleichterung groß. Das neue Personal bemüht sich, den Blick nach vorne zu wuchten. „Wuchten“ ist ein schöner Begriff für das, was bevorsteht. Der diözesane Reifen muss gewuchtet werden. Hoffentlich ist es mit dem Wuchten getan. Persönlich kommen natürlich Bilder aus 2009 hoch, als die Diözese Linz mit einem Weihbischof Wagner „zwangsbeglückt“ werden sollte. Bevor der Reifen unwucht wurde, konnte diese Personalentscheidung Roms abgewehrt werden. Es war nicht einfach und damit war nicht wieder alles rund. Es wurden tiefe Gräben an den Grenzen der „tektonsichen Platten der Kirchenbilder“ sichtbar und freigelegt. Viel an Motivation und Engagement ist dorthin „versickert“. Ein Stück Demotivation an der Basis hat sich eingeschlichen – bis heute.

Generalvikar war schuld

zaunJetzt lese ich auf ORF Religion die Headline: „Tebartz-van Elst: Generalvikar war verantwortlich“. Weiter: „Der zum Amtsverzicht gedrängte frühere Bischof der deutschen Diözese Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, hat die Verantwortung ausgeuferten Baukosten für seinen Bischofssitz auf seinen Generalvikar geschoben.“ Der Bischof nimmt Stellung und sagt: Teile des Berichtes seien nicht wahr. Begonnen hat die Misere mit der schwindenden Glaubwürdigkeit des Bischofs, weil er gelogen hat und erst später zugab, erste Klasse geflogen zu sein. Nicht das Flugticket war das Problem, sondern die Lüge, die Unwahrhaftigkeit, das Vertuschen davor. Jetzt holt er wieder aus wie die kleinen Kinder in der Sandkiste: „Ich kann nichts dafür, der Kaspar war es.“ Wir könnten jezt lange herumdiskutieren, wer die „Schuld“ hat. Die unfreie und unerlöste Seele sucht die Schuld vorwiegend oder immer beim anderen. Das ist der Sündenbockmechanismus der Seele. Nur eine gewaltfreie und aufgerichtete Seele sieht die eigenen Verstrickungen, Beulen und Fehler. Deshalb beginnen wir jeden Gottesdienst mit einer „Besinnung“ auf diese erlöste und befreite Seele, damit wir „versöhnten Herzens gemeinsam feiern“.  Wir bekennen das eigene, persönliche schuldig werden und schuldig bleiben. Nicht das des Nachbarn, des Ehepartners, der Kinder oder der Arbeitskollegen. „Ich bekenne.“ Warum fällt es einem Bischof so schwer, einzugestehen. „Ich habe einen Fehler gemacht.“ Wer die eigene Schuld nicht sieht, kann kein versöhntes Herz finden.

Gehen versöhnt

Berufung_1000Als die Causa Limburg offen zu Tage trat und der Bischof, der in Rom war, zur „Pause“ enthoben wurde, habe ich schon ein Email begonnen gehabt an den Bischof. Ich wollte ihm damals sagen: „Lieber Bischof! Du hast eine Pause von mehreren Monaten vor dir. Du bist in Rom. Nutze die Gelegenheit und gehe zu Fuß von Rom in deine Diözese zurück. Die ganze Strecke. Es wird dich und deine Diözese mit dieser Situation versöhnen. Nimm dein Leben in einen Rucksack, lass alle Dienstautos und Adlaten außen vor und begegne unkompliziert auf Augenhöhe den Menschen, die dir Gott auf diesem Weg schickt. Das Gehen wird die Situation heilen. Ob du nun Bischof bleibst oder nicht.“ Das habe ich damals nicht abgeschickt und heute denke ich mir: Du hättest es tun sollen. Heute schicke ich dem Bischof diesen Eintrag, weil es nicht zu spät ist. In der Presse lese ich, dass der Bischof im südbayrischen Raum in einem Kloster Urlaub macht. Urlaub wovon? „Lieber Herr Bischof! Mache dich auf den Weg – zu Fuß nach Assisi. Fahre mit dem Zug nach Limburg und starte dort. Weitgehen ist heilsam. Es wird dein Herz versöhnen und dich ins Zentrum deiner weiteren Berufung führen. Und noch etwas: Auch die eigene Mitschuld wird sichtbar, persönlich annehmbarer im Gehen. Verhärtungen schmelzen. Dankbarkeit wird dich ganz erfüllen.“

Tonalität und Glaubwürdigkeit

IMG_9245_v1Das Radiokulturhaus ist immer eine U-Bahnfahrt wert. Ich mag gar nicht daran denken, dass dieses Haus in Zukunft ohne JournalistInnen sein soll. Das alleine wäre schon Thema genug für einen Blogeintrag. Jetzt weiß man, dass die Konzentration aller ORF-Medien auf dem Küniglberg auch wirtschaftlich nicht günstiger ist. „Ein Politikum durch und durch“, sagt mir am Gang ein bekannter und heller Journalist. Deswegen bin ich aber nicht in die U-Bahn gestiegen. Es war das Thema. Auf Einladung der APA-OTS stand am Podium und im Raum: „Blogosphäre in Österreich.“ Die OTS-Meldung nach der Veranstaltung lautete: „Blogosphäre als integraler Bestandteil im gesellschaftlichen Diskurs.“ Schon beim Eingang treffe ich auf einen Twitterer, der mich dort „verfolgt“ wie er sagt. Es ist immer schön, wenn analog und digital einander treffen. Wir setzen uns am Tisch zusammen und lauschen den Ausführungen zusammen mit zwei Kolleginnen von der Donau-Universität.

Marke und Person

Persönlich hat für mir, der ich seit 2009 zuerst auf www.pilgern.at und dann hier meinen Blog betreibe, Ingrid Brodnig aus der Seele oder Erfahrung gesprochen. Sie spricht von der „Wichtigkeit der Tonalität bei Blogs. Gute Blogger sind Persönlichkeiten, sie schauen genau hin, polarisieren immer wieder, haben die Rolle klar vor Augen und einen klaren Anspruch. So entsteht die Tonalität und Glaubwürdigkeit einer Marke.” Ich selber notiere mit meiner grünen Füllfeder in meinen kleinen Notizblock: Kongruenz von Marke und Person muss gegeben sein. Dann setze ich wieder eine Twittermeldung ab. Dieter Zirnig spricht davon, dass gute Blogger das „Ohr draußen haben“. Was wollen die Leute lesen, was suchen sie, worüber unterhalten sie sich. Das unterstützt Axel Maireder, mit dem ich beim Kommuniktionstag 2014 im Juni am Podium das „digitale Gasthaus“ diskutieren werde, das „laufende Zuhören, was passiert.“ Brodnig ergänzt und spricht von einem „sozialen Gefühl“, das für eine Marke ganz entscheidend ist. Tonalität, Glaubwürdigkeit und soziales Gefühl durch gutes Hinhören. Schlüsselbegriffe. Auf Twitter gesellen sich Follower dazu. Elena Paschinger ist Reisebloggerin aus Leidenschaft und sie sieht den Vormittag ähnlich. Hier ihre Eindrücke, die mir weiteres Schreiben ersparen. In einer guten Tonalität geht dieser Tag zu Ende.

Laakirchen und die Luxus- oder Sonder-Pensionen

IMG_9179_900Es ist Montag. Der Besuch in Innsbruck hat schon wieder das Attribut „gestern“ und „vorgestern“. Es ist kalt geworden. Im Mühlviertel hat es geschneit und eine dünne Schneedecke lässt den Frühling nicht wirklich aufkommen. Je weiter es mit dem Bus nach Linz Wien hinunter geht, umso weniger hat der Winter eine Chance. Es ist aber hier kalt. Unten in Wien. Eine Meldung, die über das Web daherkommt, lässt einen irgendwie frösteln. Mit „Sonderpensionen werden gekürzt“ titelt der ORF noch recht „warm“. Der Standard nennt es schon treffsicherer: „Luxuspensionen: Kürzung von 9600 hohen Pensionen fix„. Die anstehende Arbeit überzieht den Montag. Nachhängende Themen und anstehende Projekte vertreiben die Meldung von den „Luxuspensionen, die gekürzt werden sollen“. 9.600 Personen sind davon betroffen. Was heißt das und wie kann ich mir das vorstellen? 9.600 Personen bekommen eine solidarsich-öffentlich-finanzierte Pension, Luxuspension. Die Ansage lautet: Diese Sonderpensionen sollen künftig mit 17.800 Euro monatlich begrenzt werden.

Das Rechenbeispiel

In Wikipedia lese ich: „Laakirchen ist eine Stadtgemeinde im Bezirk Gmunden in Oberösterreich mit 9549 Einwohnern.“ Nehmen wir an, dass diese Stadt die genannten SonderpensionistInnen sind. Sie werden jetzt in ihrem Einkommen begrenzt. Die Regierung ist nicht mehr gewillt, an jede und jeden einzelnen Bürger von Laakirchen mehr als 17.800.- EUR als monatliche Pension auszuzahlen. Was sagt eigentlich Wikipedia über ganz Österreich: „Österreich (amtlich Republik Österreich) ist ein Binnenstaat in Mitteleuropa mit 8,5 Millionen Einwohnern.“ Da sind auch die Einwohnerinnen dabei. Die LaakirchnerInnen sind also 0,12 % der österreichischen Bevölkerung. Die Regierung beschäftigt sich also mit 0,12 % der Bevölkerung – mit Laakirchen in Oberösterreich. Aber wie viel bekommen sie dann im Jahr, die LaakirchnerInnen, wenn sie „begrenzt“ werden. Der Rechner liegt parat. Nehmen wir also an, dass diese Pensionen 14 x im Jahr ausbezahlt werden. 15 x wäre eine Unterstellung. Und 16 x, wie ich einmal gehört habe, ist wirklich eine „Neid-Geschichte des kleinen Mannes“.

Also: 9.600 x 17.800 x 14 = 2,392 Milliarden. Diese Summe geht in Zukunft nach der Kürzung jährlich nach Laakirchen. Es würde mich interessieren, wie viel jetzt vor der Kürzung an die LaakirchnerInnen – also 0,12% der österreichischen Bevölkerung – ausbezahlt wird.

Und so findet der Montag sein Ende. Es bleibt Winter in den Bergen. In Laakirchen bleibt es trotz „Gegenwind“ angenehm warm.
Georg Paulmichl aus Südtirol hat 2001 geschrieben. „Gott hat für das Sündenregister keine Zeit. Er lebt in Sorge, dass es ihn nicht gibt.“

 

 

Wir reisen nach und gehen in Irland

IMG_915_1200Irland hat wunderbare Pilgerwege. Mit Weltanschauen werden wir im Herbst von MI 27. August bis SO 7. September einen der Wege „begehen“. Hier die näheren Details auf weltanschauen.at 

Das Versteck hinter den großen Worten

Sonnengesang_IMG_0319_1200Ich finde das eine gute Idee. „Predigen ohne Gott?“, lautet die Überschrift unter Pro und Contra im Publik Forum. Leider nicht online. Kathrin Oxen leitet das Zentrum für evangelische Predigtkultur in Wittenberg.  Sie erhielt 2009 den Preis für die „Beste Predigt“. Sie schreibt unter „Ja! Denn wir verstecken uns zu oft hinter großen Worten“. Sie hat die Aktion „Sieben Wochen ohne große Worte“ angestoßen. Sie fordert Predigerinnen und Prediger auf, in der Fastenzeit auf so große Worte wie „Liebe, Barmherzigkeit, Kreuz, Gnade, Trost, Hoffnung und auch Gott und Jesus“ zu verzichten. 7 x 7 große Worte führt sie an. 49.

Ruhe und Klarheit

Unser ganzes Leben sei eine Predigt und wenn es nicht anders geht, dann tun wir es auch mit Worten. Diese Lebensweisheit wird Franziskus dem Allerersten zugeschrieben. Wenn du predigen gehst, dann ist das Gehen die Predigt. Wir kennen das. 90 % erzählt die „Körpersprache“ und maximal 10 % die „Lippensprache“. Da ist es natürlich nicht weit zum Lippenbekenntnis. Große Worte kommen PredigerInnen immer wieder über die Lippen. Je tragischer der Anlass, umso größer werden oft die Worte. Der pathetische Honig breitet sich aus. Dabei geht es mir genau umgekehrt. Was kann ich noch sagen? Es befreit mich ungeheuer, dass wir auch zuhören können. Still sein können. Gemeinsam schweigen. Oft habe ich den Eindruck, dass „große Worte“ ablenken. Sie bremsen die Emotionen. Gerade heute habe ich ein längeres Telefonat mit einem Mann geführt, dem ich mich seelenverwandt fühle. Er ist im Krankenhaus „gelandet“. Er hat mir erzählt, „wie das alles gekommen ist“. Er begreift gerade, dass in dieser gesundheitlich nicht einfachen Situation für ihn zwei Dinge entscheidend werden: „Ruhe und Klarheit“. Ein buddhistisches Buch hat ihm das eröffnet und jetzt trifft es ihn als Christen. Das Handy in Ruhe lassen. Kein Muss aufkommen lassen. Nicht einfach für einen ruhelosen engagierten Menschen. Ruhe. Und Klarheit in den Gedanken. Die Reduktion. Mir selber fällt das „reine Herz“ ein. Das Wasser wird ruhig und du siehst weit hinunter auf den Grund. Das nimmt dir die Angst. Zuversicht kommt dir entgegen. Das Versteck war weg. Die großen Worte nicht im Raum. Die Leitung war klar. Ruhig unser Hin und Her im Reden und Zuhören. Die Pastorin hat recht mit ihrer Fastenaktion „Sieben Wochen ohne große Worte“.

 

Die 12 Apostelkerzen und der Pop(e)star

IMG_8961_1500Mehr als ein Jahr Papst Franziskus. Er wird bestaunt, gefeiert und beäugt wie ein Popstar. Er ist Mensch und agiert als Mensch. Nicht als klerikaler Amtsträger oder hochgelehrter Theologe.  Einfach, bescheiden und auf Augenhöhe mit denen, die zu ihm kommen. Er selber einfach unter Menschen. Beunruhigt sind die hohen Amtsträger um ihn. Männer. Das war auch das Charakteristikum des hl. Franziskus von Assisi. Auf Augenhöhe. Nicht von oben herab. Jesus war auch unter den Menschen, direkt und unmittelbar. Er kritisierte die,die von oben  den Menchen schwere Lasten schnürten. So hat er seine 12 Apostel „gesammelt“ und in die Nachfolge gestellt. Das waren keine perfekten Männer und Frauen. Es waren Menschen wie du und ich mit der Bereitschaft, aufzubrechen, Gewohntes hinten zu lassen, Fehler zu machen, über die Grenze zu gehen und doch immer auf Gott hin ausgerichtet sein. Die 12 Apostelkerzen an den tragenden Pfeilern in der St. Anna Kirche erinnern nicht nur an die Zwölf, sondern erinnern an unsere Taufe und Firmung, an unser Leben, das wir in die Nachfolge Jesu gestellt haben.  Dem Bischof von Rom ist diese unglaubliche weltweite Fokusierung auf seine Person manchmal „peinlich“. Der mediale Hype bringt jemanden weit nach oben und lässt oft dieselben Menschen tief hinunterfallen. Aber: Er lässt keine Gelegenheit aus, immer wieder alle dran zu erinnern, dass sie für Gott in dieser Welt stehen und gehen.  Nicht er alleine. Einfach, manchmal verbeult. Manchmal (zu) langsam. Ein Zahlenspiel für meine Heimatpfarre. 12 x 12 x 12 = 1.728. Das sind sogar mehr, als die St. Anna Pfarre katholische Mitglieder hat. Ist doch schön.

Empfindsam zu werden für das, was wirklich ist

Sr. Silke„Mehr oder weniger“ steht unter dem Menschen in den Kirchenzeitungen. Ein Waage ist aus der Balance. Unsere Zeit stellt die ganz massive Frage: mehr oder weniger. viel mehr oder wesentlich weniger. Das heutige Interview mit Sr. Silke Mallmann aus dem Kloster Wernberg in Kärnten soll viel Zeit bekommen, damit es in Ruhe und mit Wahrnehmung gelesen werden kann. Worte, die mich „angehen“, ganz persönlich.

Erlaube ich mir, dass nichts passiert?

„Es kommt immer darauf an, wie man die Zeit nutzt. Etwa beim Warten. Warten wird oft als öd erlebt. Die Frage ist, wie nutze ich meine Wartezeit? Hänge ich nur am Handy, stopfe ich alles Mögliche in mich hinein, oder erlaube ich mir auch, dass einmal nichts passiert? Wartezeiten sind ganz wichtige Zeiten, um empfindsam zu werden für das, was wirklich ist. An Bahnhöfen oder Flughäfen sitze ich sehr gerne und beobachte nur. Es ist wichtig, Zeiten zu haben, wo man wahrnimmt, was da ist. Eine Zeit, in der man Dinge geschehen, sich überraschen lassen kann.“ Sr. Silke geht einen Gedanken weiter: „Ich warte auf etwas Größeres, das ich mir selbst nicht geben kann. Solche Wartezeiten haben eine ganz tiefe Bedeutung. In der Wartezeit wächst auch die Sehnsucht. Wenn ich verliebt bin und auf den Geliebten warte, wächst in der Wartezeit auch die Sehnsucht.“ Diese Sehnsucht ist aus meiner Erfahrung der springende Punkt. Gibt es eine Sehnsucht nach dem Weniger, dem Wesentlichen, dem wesentlich Weniger in einer Zeit des immer Mehr?

Pisa ist abgesagt

wenigerGerade heute wird auf Twitter heftig darüber diskutiert, ob Österreich mit seinem Bildungssystem wegen des Datenlecks „Pause“ machen darf. Ich bin ja kein Bildungsexperte, der auf Zahlen und „vermessene Fakten“ angewiesen ist. ExpertInnen werden verhungern, wenn sie keine Zahlen am Tisch haben. Ich höre bei LehrerInnen und bei SchülerInnen, dass das Wort „Test“ im Laufe der Jahre ein bestimmtes defensives Verhalten produziert hat. Test-Völlerei mancherorts. Komma-Testen. Aber: Man versteht es schon, mit diesen Testungen umzugehen. „Studien“ haben ja schon bewiesen, dass nicht mehr das Können gemessen und getestet wird, sondern der Umgang mit dem Test. Ganz extrem dargestellt: Pisa misst nicht das Können, sondern wie SchülerInnen mit Pisa umgehen können. So wird der junge Mensch hineinformatiert in die Excel-Liste und den Abfragemodus. Keine Kreativität. Werden so SchülerInnen „empfindsam für das, was wirklich ist“? Die Fastenzeit ist eine große Chance durch das Weniger zu mehr Achtsamkeit, Empfindsamkeit, Empathie und Beziehung zu kommen. Ich schlage vor: Nicht nur Pisa absagen. Der Stern hat es ohnehin auf den Punkt gebracht: Abschalten. In die Luft schauen, Gegend vorbeiziehen lassen oder einfach ungeteilt mit Menschen reden und noch besser zuhören.

In den 5 Minuten stirbt er nicht

„Wenn bei uns jemand ins Krankenhaus eingeliefert wird, hetzen gleich alle und machen alles, was gerade medizinisch notwendig ist. In Afrika sind die Krankenschwestern hingegangen und haben erst einmal mit dem Patienten geredet. Die ersten zwei Jahre bin ich daneben gestanden und habe ständig gedacht: „Jetzt macht doch endlich etwas!“ Bis ich draufgekommen bin: In den fünf Minuten stirbt er nicht, sondern wesentlich ist genau dieses Gespräch.“ Mehr ist hier und heute nicht zu sagen. Ganz Ohr sein ist der erste Schritt zur Heilung.