Freiraum für Gott in der Welt

SchottenhofEs ist nicht gut, wenn du nur sitzt, heißt es in vielen Gesundheitsfibeln. Dann stehe ich halt auf und schaue beim Bürofenster hinaus. Der Schottenhof ist heute schön verschneit und ebenso die Autos. Es ist Faschingdienstag und doch ist eine wenig Nachdenklichkeit im Kopf. The day after – #Rücktritt. Die ausgelassene Stimmung war am Wochenende beim Kirchschlager Fasching 2013. Dort habe ich bei zwei Stücken auf der Bühne „Tränen gelacht“. Ein gutes Zeichen für das Stück und noch viel mehr für mich. Humor und Lachen verschaffen der Seele und dem Kopf lebendige Freiräume. Vieles wird relativiert und anderes in Relation gebracht. Dass wir zum Beispiel im Mühlviertel in Kirchschlag am Breitenstein einen „esoterischen Truppenübungsplatz“ haben, wurde wunderbar „herausgearbeitet“.

Sich Sicht verschaffen

Der Aschermittwoch liegt vor uns. Ein (hoffentlich) guter Einschnitt in den Alltag. Die Ablagerungen und tiefen Gewohnheiten des Alltags, die einem die Sicht verdunkeln, wollen beseitigt werden. Das Leben kann sehr schnell zugeschneit sein. Ich stehe immer noch am Fenster und schaue jenem Mann zu, der sein Auto mit Geduld und Genauigkeit von der Schneehaube befreit. Das ist die Tätigkeit des Aschermittwoch. Jenes Material, jene Ablagerungen, jenen schönen weißen Schnee von unseren Lebensfenstern zu putzen, damit wir nicht blind fahren. Es fallen mir jene Autos ein, die nach Schneefall aus dem Mühlviertel kommen und nur ein kleines Guckloch freigemacht haben. Morgen ist der Tag, wo wir den Besen holen und das Auto abkehren, die Fenster frei machen und uns wieder eine unverstellte Sicht verschaffen. Dieses Bild vom Auto abkehren ist als Paradigma gemeint, weil ich selber gar kein Auto habe. Es geht in jedem Fall darum, sich Sicht und Aussicht zu verschaffen. Das wünsche ich übrigens auch dem Vatikan, dass er durch das „Abkehren der Intransparenz“ neue Einblicke ermöglicht und ungeahnte Ausblicke bekommt. Eine neue Chance tut sich gerade auf.

Achtsamkeit für das Kleine

AbkehrungMorgen ist der Tag, ab dem der Freiraum für Gott in der Welt wachsen kann. Das beginnt mit dem klaren Schauen, ja oftmals dem Staunen. Askese ist doch das Abputzen des Unnötigen in unserem Leben und die Ausrichtung hin zu mehr Solidarität. Insofern ist Verzicht ist nicht weniger, sondern mehr Lebensqualität. Fasten eröffnet ein tiefes Schauen auf die spirituelle Verbindung untereinander und die Achtsamkeit für das Kleine, das Unscheinbare, das Fremde. Gott hat genau dort Platz gefunden, weil in der großen, schönen, reichen Herberge kein Platz für ihn war. Es ist kein aufgelegter Elfer, in diesen Freiraum Gottes in dieser Welt einzutauchen. Abkehrung und Achtsamkeit. Fastenzeit auf Ostern hin.

 

 

 

 

Am Spielfeld oder im Eck

Franz Haidinger linksDas, was in Köln in einem der kirchlichen Krankenhäuser mit der Abweisung einer vergewaltigten Frau passiert ist, zieht jetzt durch alle deutschen Medien. Die kirchlichen Hierarchen und die dazugehörigen Sprecher besänftigen. Der Kardinal hält die Pille danach überraschend für eine Methode. Dann stellt sich durch Experten heraus, dass es diese Pille gar nicht gibt. Dafür hat die deutsche Bischofskonferenz einen „Beratungspunkt“ für die nächste Sitzung. Mit so einem Verhalten manövriert man sich in jene Ecke, in der das Gesetz über der Menschlichkeit und Nächstenhilfe hängt.

Lawinenopfer und die Bergretter

Dieser Tage habe ich einen Beitrag über einen Bergretter in Tirol gesehen. Lawinenabgang durch ein Fehlverhalten ausgelöst. Vier Verschüttete. Schlechtes Wetter ist aufgezogen. Der Reporter fragt den Bergführer als Bergretter: „Fragen sie sich nicht manchmal, wer Schuld ist an diesem Lawinenabgang, bevor sie hinaufgehen?“. Der Bergretter antwortet ohne eine Zehntelsekunde dazwischen zu lassen: „Wir sind hier um zu helfen und nicht zu urteilen. Ich muss jetzt gehen.“ Freilich kann ich mir vorstellen, dass den Bergführer beim Hinaufsteigen und beim Suchen der Lawienenopfer Gedanken durch den Kopf gehen, die ihn eher in der warmen Stube sitzen lassen als hier im Sauwetter nach Verschütten zu suchen. Ohne die Garantie auf „Erfolg“ gefährden diese Helfer ihr Leben, um andere zu retten. Wer hat Schuld, ist nicht die Frage. Jede Hilfe ist recht, um Menschen zu retten.

Gesetzestafeln oder Hilfsgeräte

Das vermisse bei Verantwortungsträgern ganz  „oben“: Dass sie diese Menschen zumindest anspornen in ihrem Eifer und Durchhaltevermögen beim Helfen. Nein, Gesetzestafeln werden diskutiert und Absperrungen analysiert. Gewisse Hilfsmethoden werden in Frage gestellt und einiges an Lawinengelände wird mit dem Schild „katholischen Helfern betreten verboten“ ausgeschildert. Dass hier bei MitarbeiterInnen Unsicherheit und ein dumpfes Gefühl der Angst, etwas falsch machen zu können, aufsteigt, ist nicht verwunderlich. Lieber abweisen als sich ins Dilemma der persönlichen Gewissensentscheidung zu bringen, die von „oben“ gar nicht gerne gesehen wird. Was ist die Situation? Von den ängstlichen Moralaposteln wird entweder ein Teil das Katastrophengeländes „versperrt“ oder man gibt ihnen nicht das ganz „mögliche Hilfsgerät“ mit. So macht man sie zu hilflosen Helfern, die in der Ecke stehen (müssen).

Am Spielfeld bleiben

OrdensspitalBeim Tag des geweihten Lebens in Linz hat Bischofsvikar Franz Haidinger, der mir damals 1975 als Jugendseelsorger die Idee mit dem Theologiestudium ins Ohr gesetzt, die Konzilstexte hervorgeholt und betont: Zeitgemäßer Erneuerung ist eine Rückkehr zu den Quellen und nicht zu den Regeln. Er sprach von der „Anpassung“ an veränderte Zeitverhältnisse. Ständige Erneuerung geschehe durch schöpferisches Hinhören auf die Impulse des Heiligen Geistes. Zu bedenken ist, dass wir zur Nachfolge berufen sind und nicht zur Nachahmung. Ich denke an Peter Gruber von der KSÖ, der 1978 gemeint hat: Christ wird man nicht im Kopierer (oder so ähnlich). Haidinger spricht davon, dass kompetente Menschen von heute die Orden und alle christlichen Gemeinschaften inspirieren könnten. Also: Hinaus aufs Spielfeld (und in den Lawinenhang) zu den Menschen und unter den Menschen das entdecken, was wir bei Jesus sehen und spüren: Die Menschen werden Glut und Feuer finden, Jesu Botschaft ist unverbraucht. Gerade in den Spitälern und sozialen Werken der Orden kommt es auf die Freilegung der Quellen an, die Hilfe und Unterstützung an die erste Stelle stellen. Gerade im heutigen Krankenhauswesen ist vieles „genormt und ohne viel Spielraum“. Die Ordensgemeinschaften haben sich den Slogan vorangestellt: „Freiraum für Gott und die Welt“. Wo dieser Freiraum geschaffen wird, kann der Mensch wieder atmen, taucht er auf aus der Lawine oder bekommt eine medizinische Versorgung auch ohne E-Card.  Die Refugees in der Votivkirche werden still und leise von den Barmherzigen Brüdern behandelt.
Ich bin mir 100%ig sicher:  Die Zugänge zu den Hilfen der Ordensspitäler werden barrierefrei bleiben, das persönliche Gewissen wird an oberster Stelle stehen, persönliche Verantwortung wahrgenommen werden und ein situativ entwickelter Ethikkodex wird als „Handlauf“ dienen. Dieser Tage hörte ich: Lieber von oben eine auf den Deckel bekommen, als die Hände für die Hilfe zurückziehen.

 

Autofrei verändert das Mobilitätsverhalten nachhaltig

FreiraumSeit ich in Wien für die Ordensgemeinschaften tätig bin, habe ich mein „Mobilitätsverhalten“ grundsätzlich von Auto auf Öffi umgestellt. Das hat mich in meinem Verhalten zur Bewegung von A nach B wirklich verändert. Natürlich fällt mir deshalb die Agenturmeldung über den Erfolg des Autofastens ins Auge.  Die Fastenzeit ist ja nicht mehr weit. Fasten hat etwas mit Zurücknehmen zu tun. Oder wie es Sr. Beatrix Mayrhofer in der Linzer Kirchenzeitung für die Orden treffend formuliert: „Vielleicht will ja Gott, dass wir in dieser wachstumsversessenen Welt vorleben, wie man auch am Abnehmen und Beschränktwerden wachsen kann.“ Sie bezog sich auf die rückläufigen Zahlen bei den Frauenorden. Zurück zur Fastenzeit und zum Autofasten. Das „Umsteigen“ auf Öffis haben nach der Studie zum Autofasten 4% gemacht. Persönlich zähle ich mich zu den 4%, weil ich mir nicht mehr vorstellen kann, mit dem Auto Oberösterreich, Wien und den Rest von Österreich zu verbinden. Das Öffi-Fahren hat in mir die Haltung und Einstellung zur Welt geprägt und mit den Erfahrungen des Weitgehens verbunden: Die Welt, die Chancen, das Leben, der Weg, die Schienen, die Straßen kommen einem entgegen. Das entspannt. Nährt das Loslassen. Gibt Neuraum. Eben: Autofrei verändert das Mobilitätsverhalten nachhaltig und es ist für mich ein „Gewinn“. Was wie eine Reduktion der individuell gestaltbaren Mobilitätsmöglichkeiten ausschaut, entpuppt sich als neuer und billigerer Freiraum.

Hier die Kathpress-Meldung zum Autofasten und zur Studie

Auto„Das hat eine deutsche Studie ergeben, die das Saarbrücker Sozialforschungsinstitut iSPO im Vorjahr im Auftrag der an der Fastenaktion beteiligten evangelischen Landeskirchen und katholischen Diözesen in Deutschland durchgeführt hat. Mehr als 50 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie auch nach Ende der Fastenaktion im Alltag häufiger öffentliche Verkehrsmittel nutzen und viel bewusster Auto fahren. Etwa vier Prozent haben sogar ganz auf das Auto verzichtet. Im Zentrum der Untersuchung stand eine Online-Befragung. Angeschrieben wurden 2.700 Teilnehmer der Aktion „Autofasten“ aus den Jahren 2010 bis 2012. 725 Personen schickten den Fragebogen zurück. Zusätzlich zur Online-Befragung wurden Teilnehmer per Telefon-Interview befragt. Zusätzlich dazu wurden Verkehrsunternehmen und Umweltverbände um ihre Einschätzung der Aktion gebeten. Werner Göpfert-Divivier vom Sozialforschungsinstitut iSPO: „Die Aktion Autofasten hat sich bewährt. Sie ist in der Öffentlichkeit bekannt und hat sich etabliert. Insgesamt ist sie Symbol für die Regionen übergreifende Zusammenarbeit der christlichen Kirchen und für die themenzentrierte Zusammenarbeit zwischen kirchlichen und weltlichen Organisationen“. Zudem habe die Aktion das Potenzial für eine Marke, die für ein Engagement zur Bewahrung der Schöpfung und einen schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen stehe, so Göpfert-Divivier.

Spiritualität und Umweltschutz

Für den Direktor der Abteilung „Ziele und Entwicklung“ in der Diözese Trier, Gundo Lames, glücke es der Aktion Autofasten, „die Spiritualität des christlichen Fastens mit einem aktuellen, politischen Thema zu verbinden. Damit wird das Fasten neu erklärt und der Einsatz für die Umwelt – oder christlich für die Schöpfung – betont und beworben“, so Lames. Die Studie enthält aber auch Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Autofastens. Schließlich gab beinahe die Hälfte der Befragten an, dass die Aktion zu wenig Menschen erreiche. Gerade im ländlichen Raum stoße die Aktion immer wieder an Grenzen; Verbesserungspotenzial bestehe somit vor allem in der Kommunikationsarbeit. In Deutschland wird die heuer in ihr 16. Jahr gehende Aktion Autofasten von den Diözesen Trier, Main und Speyer, dem Diözesanrat der Katholiken in der Diözese Aachen, den evangelischen Kirchen im Rheinland, in Hessen-Nassau und in der Pfalz sowie der katholischen Kirche im Großherzogtum Luxemburg durchgeführt. Die beteiligten Kirchen rufen dazu auf, in der Fastenzeit das Auto möglichst oft stehen zu lassen. Stattdessen soll das Auto möglichst ersetzt werden: durch Radfahren, Busse, Bahnen oder einfach zu Fuß gehen. Kann das Auto nicht ersetzt werden, wird daran appelliert, Sprit sparend zu fahren, Elektromobile zu erproben, Fahrgemeinschaften zu bilden oder das Auto mit anderen zu teilen („car-sharing“).“

Genau hinschauen ist der halbe Weg

Oper SpiegelgrundDieser Tage hat ein Freund auf Facebook bei einem meiner Postings dazu geschrieben: „Sehen, urteilen, handeln“. Mir kam in den Sinn, dass ich im Cardijn-Haus gehört habe: „Und feiern“. Immer wieder geht es aber zuerst um die ungeschminkte Wahrnehmung. Es ist kein Hinschauen mit der Fernsehkamera oder der Fotolinse, sondern ein Hinschauen mit offenen Augen, wirklich hörenden Ohren und einem geöffneten Herzen. Wer so „hinschauen“ kann, macht sich schon auf den Weg, ist schon unterwegs.

Spiegelgrund spiegelt den Grund

Gersten Freitag, 25. Jänner 2013, durfte ich bei der Uraufführung der Oper „Spiegelgrund“ von Peter Androsch im Parlament dabei sein. Am internationalen Holocaust-Gedenktag wurde dieses Triptychon, wie es der befreundete Komponist selbst bezeichnet, im Gedenken an die 789 Kinder, die in der sogenannten „Kinderfachabtelung Am Spiegelgrund“ in Wien umgekommen sind. Der Name Spiegelgrund steht für den unfassbaren Schrecken von NS-Euthanasie und Kindermord an unschuldigen kranken oder behinderten Kindern. Das Kind als genormtes Forschungsobjekt. Wer bereit ist, hier genau zu schauen, der wird diese unfassbare Kälte aufsteigen spüren. Die Musik war berührend und beklemmend zugleich. Ein ungeschminktes Hinschauen auf diese Tatsache, die manche der heutigen Zeitgenossen am liebsten vergessen wollen. Dabei ist genau das die Chance, den unfassbar unmenschlichen Systemen auf den Grund zu gehen. Nicht Liebe und Empathie prägten diese Zeit, sondern Herrschaft und Tyrannei, vor allem den Schwächeren, dem Kranken, dem „Anders-Sein“ und dem Fremden gegenüber. Bischof Maximilian Aichern habe ich getroffen. Er war der einzige Kirchenvertreter, der da war. Die neben ihm reservierten Plätze für „Kirche“ blieben leer. Er hat erzählt, dass Bekannte von ihm am Spiegelgrund gelebt und sogar gearbeitet und nichts bemerkt haben. Wir waren uns einig, dass das „systematisch Böse in einer Normalität daherkommt, dass es sehr schwer ist, es zu sehen“.

Und heute?

VotivkircheImmer, wenn ich bei solchem „Gedenken“ dabei bin, quält mich die Frage und die Frage bohrt in mir: Was übersehen wir heute? Wir reden über die Votivkirche. Ich sage zu Bischof Maximilian, dass ich oft dort bin und wir alle miteinander aufgrund der unglaublich starren Haltung im Innenministerium und der rigiden Gesetzesauslegung keinen Ausweg sehen. Ich habe mir vorgenommen, bei dieser Gelegenheit das Gespräch mit Präsidentin Barbara Prammer zu suchen. Ich nehme die Gelegenheit wahr und rede längere Zeit mit ihr. Sie war sehr aufmerksam und ganz bei der Sache der Refugees, die ich ihr erzählt habe. Ich wollte einfach mithelfen, dass sie sehen kann, was mit diesen Menschen dort passiert, die nicht den „Normen und Gesetzen“ entsprechen. Es erschüttert mich immer wieder, wie viele politische EntscheiderInnen sich zu Wort melden und nie am Ort des Geschehens geschaut, gehört und gefühlt haben. Ich bin dankbar für dieses Gespräch, weil ich aus erster Hand mitbekommen habe, dass es ganz oben Anstrengungen gibt, den Refugees „entgegenzukommen“. Wegschauen und totschweigen ist nicht mehr möglich. Die Medien haben hier einen besonderen Dienst zu leisten, indem sie genau hinschauen und die ungeschminkten Tatsachen darstellen. Ich treffe in der Votivkirche die aufmerksamen JournalistInnen. In der Komplexität ist es ohnehin nicht leicht, beim Anblick auch den Durchblick zu schaffen.

Musik und Gebet

OperKarl M. Sibelius hat bei der Oper als Sprecher fungiert. Auf seiner Facebook-Seite hat er nachher gepostet: „Guat is gangan, nix is g’schechn: Das war eine tolle Erfahrung: Oper im wunderbaren historischen Sitzungssaal…“. Ich konnte nicht anders als ein Posting zu hinterlassen: „Nix is g’schechn is net richtig. Es war berührend!! Drum is wos g’schechn!“ Diese Musik hat mich immer wieder „sehen“ lassen, wozu der verirrte Mensch fähig ist. Es war kein Ausweichen möglich. Kein Gramm Schminke wurde aufgetragen. Am kommenden Montag sind alle zum „Gebet der Solidarität“ eingeladen. Ich bin dankbar, dass sich die Kirchen so klar und eindeutig auf die Seite der menschlichen Sichtweise stellen. „Wir haben ein Gesetz und nach diesem Gesetz…“ ruft bei mir zuerst diesen Imperativ auf: Schaut euch dieses Gesetze genau und ungeschminkt an und eliminiert schnellstens die Menschen verachtenden Anteile darin! Das habe ich bei Präsidentin Prammer auch positiv gehört, dass das unbedingt ansteht. Saison- und Sexarbeit sieht das Gesetz vor. In der Votivkirche höre ich immer wieder: Wir wollen einfach in Würde leben und dafür arbeiten. Die Musik vermag uns zu öffnen und das Gebet ist auch eine Öffnung der Herzen. Das ermöglicht ein „Sehen“, das gut einschätzt und handelt. Dann wird die Musik, die Liturgie, Essen und Trinken zu einer Feier des Lebens führen, zusammen mit Shahjahan Khan.

 

 

 

 

Die #Votivkirche ist nicht das Problem

Aufnahmen für die Orientierung

Aufnahmen für die Orientierung

Der Weg von der Freyung bzw. U2-Schottentor hinüber in die #Votivkirche ist mir mittlerweile geläufig. Am meisten hat mich persönlich vor ein paar Tagen getroffen, wie ich mit zwei der Refugees länger und intensiver gesprochen habe. Sie sind „gut“ versorgt, aber ihnen fehlen jene Menschen, die mit ihnen fühlen, „from heart to heart“. Sie fühlen sich isoliert in der Kirche, obwohl sie versorgt sind. Die Freiwilligen und die Caritas leisten hier wirklich gute Arbeit. Kontinuierlich und verlässlich. Aber es liegt so etwas von „Heimweh in der Ferne“ in der Luft. Die Männer, von denen ich mittlerweile einige persönlich näher kennengelernt habe, sind gut ausgebildet. Nur: Das Grenzgebiet Pakistan zu Afghanistan bedeutet für sie den Tod. „Vater und Bruder sind tot“, höre ich. Die Kälte der Kirche erinnert mich an die Kälte im Linzer Dom und ich weiß: Das kann nicht immer so dahingehen. Das ist trotz der „Schicksalsgemeinschaft“ keine Bleibe. Die Kälte, nichts essen und die Isolierung. Ein Wunder, dass die Hoffnung hier noch nicht erfroren ist. Eher habe ich den Eindruck, dass die Hoffnung klarer zum Ausdruck kommt. Es ist eine tiefe Zuversicht spürbar. Die Kirchenfenster lassen Licht herein und doch ist der Himmel draußen nicht zu sehen. Irgendwie spüre ich eine innere tiefe spirituelle und politische Übereinstimmung und Wärme, die an der äußeren Kälte von außen her kommend scheitert.

Verzweiflungs- und Hoffnungsort

Sr. Beatrix mit und bei den Refugees

Sr. Beatrix mit und bei den Refugees

Wenn ich mit Sr. Beatrix Mayrhofer dort bin, dann merke ich, wie sie aufschauen und ihre Augen an ihr hängen. Sie beginnt behutsam mit einem oder zwei von den Refugees einfühlsam und hörend zu reden. Die Traube um sie herum wird immer größer. Ich selber kann mich auch nicht entfernen, weil ich spüre, dass es ihnen gut tut, wenn ihnen aufmerksam zugehört wird. Ich denke an unsere Aktion „ganz Ohr“ und spüre auch hier, wie viel Kraft von einem nicht urteilenden und nicht moralisierenden Ohr ausgehen kann. Sr. Beatrix betont es immer wieder, dass sie sich hier zu diesen Menschen hergezogen fühlt, aus einem tiefen Antrieb, der aus dem Evangelium kommt. Für die Fernsehsendung „Orientierung“ kommenden Sonntag hat Christoph Riedl ihre Erfahrung“eingefangen“. Sie lässt keinen Zweifel daran, wo sie für die Ordensfrauen und alle Christinnen und Christen den Platz sieht: Bei den verzweifelten Menschen, die an der absoluten Kälte des politischen Machtapparates zu erfrieren drohen. Der Hungerstreik ist die allerletzte Möglichkeit, die eigene Hoffnung und Freiheit und Würde zu bewahren und lebendig zu halten. Das wird nur verstehen, wer sich mit aktiver Gewaltfreiheit auseinandergesetzt hat. Heute habe ich gehört: „Wenn ich nach Pakistan zurück muss, dann kann ich auch hier verhungern.“ Die Gesichter sind grau und die Augen sitzen tief. Der Notarzt hat heute Freitag erstmals Ratlosigkeit signalisiert. Sr. Beatrix verabschiedet sich immer so, dass sie sich vor ihnen verneigt, ihnen ihr und das Gebet von Ordensleuten zusagt. Sie geht und bleibt vor dem Allerheiligsten stehen. Es ist sicherlich ihr persönlichster Moment. Ich selber denke, dass Jesus so viel gewandelt,  entkrümmt, aufgerichtet, gestärkt und hereingeholt hat. Die #Votivkirche hier empfinde ich nicht als das Problem, sondern diese unendliche Kälte, die von außen hereinschleicht und Menschen in die Verzweiflung führt. Im Ministerium sitzen jene, die „Leben“ oder „Tod“ sagen können. Sie haben diese Freiheit. Sie hätten sie. Nein: Sie haben sie.

Hier der Link zum einfühlsamen Orientierungs-Beitrag von Christoph Riedl zur #Votivkirche.

Der Politiker als Arzt

anschoberEs war ein großer „Medienrummel“, liest und hört man heute in den Medien. Rudi Anschober hat sich von seinem Burnout zurückgemeldet. Drei Monate keine Silbe, kein Wort und keine Zeile vom amtierenden Landesrat. Hut ab. Die Agenda wurde aufgeteilt und bewältigt. Wenn einer für so lange aus dem heute so rasant dahingaloppierenden politischen Alltagsgeschäft aussteigt, dann löst das Aufmerksamkeit aus. Was ist der Fokus der Aufmerksamkeit?

Schnell und schief

Wenn einer so wie ich nicht im „Medienrummel“ dabei war, dann ist man auf „Sekundär-Erzählungen“ angewiesen, auf Geschriebenes,  Audio und auf Video. Zwei Video-Ausschnitte zeigen die wesentlichen Passagen der Pressekonferenz. Interessant ist, dass das erste Video jenen Ausschnitt zeigt, wo Anschober von seiner Krankheit erzählt. Burnout ist heute eine allgegenwärtige Bedrohung. Der zunehmende Leistungsdruck, der mittels Excel-Tabellen jederzeit nachkontrolliert werden kann und durch mobile Überwachung nachvollziehbar ist, macht den Leuten zu schaffen, oben und noch mehr unten. Die allgemeine Bechleunigung des gesellschaftlichen Geschehens lässt das kollektive Atmen nicht nur erahnen. Dieser kollektiv-strömenden Atemluft kann man sich fast nicht mehr entziehen. Natürlich tragen gewisse dauer- und omnipräsente Politiker zu dieser Beschleunigung selbst bei. Medien treiben einige wenige durch alle Kanäle und die Getriebenen können angeblich nicht mehr aus. Was dem einen zu viel wird, nimmt der andere zu seinen Ressorts noch dazu. Von der Machtspitze aus lässt sich mehr bewältigen als von der Position des dauernd in Frage gestellten Koalitionspartners. Die schiefe Ebene der Macht ist für den Landeshauptmann auf seiner Seite und für den aus der Opposition kommenden dauernd bergauf gerichtet. Das ist hier aber nicht von weiterem Interesse.

Nicht Politik interessiert sondern die Erfahrung einer schleichenden Krankheit

Der Fokus der Aufmerksamkeit ging auf die Erzählung von Anschober, wie er in das Burnout gekommen ist, wie er es bemerkt hat, wie er sich geweigert hat, wie er es angenommen und mit Bravour ganz transparent und öffentlich eingestanden hat. Die konsequenten drei Monate haben viele in Erstaunen versetzt, dass das für einen Politiker „heute noch geht“. Ich meine: Es muss gehen. Der Mensch ist nirgends eine Maschine. Insofern ist Anschober ab heute nicht nur Politiker, sondern auch „Arzt und Therapeut für viele“.  Ich getraue mir zu wetten, dass die persönlichen Gespräche in den nächsten Monaten und Jahren zum Großteil zu seinen Erfahrungen mit dem Burnout gehen werden. Persönliche Erfahrung ist wichtiger als politische Positionskämpfe. Er wird uns, wie ich ihn kenne, auch zeigen, dass der Mensch über den oft ungesunden Ansprüchen der Macht- und Mediengesellschaft stehen kann. Von Wachstum zu reden ist heute einfach. Mit weniger besser zu leben ist die wirkliche Kunst. So könnte seine Krankheit auch zur Heilung des politischen omnipräsenten Dauerlaufs im Machtkarussel beitragen. Einatmen – – –  ausatmen. Auch in der Politik – und in den Medien.

Der entkrümmte Mensch

018Die Einladung zum Geburtstagsfest für Helmut Schüller habe ich gerne angenommen. Kurz vor Beginn bin ich auf der Universität in Wien. Angekündigt war der kleine Festsaal. Die Pfeile gingen Richtung großer Festsaal und jede Menge Frauen und Männer. Ein lange Schlange hat sich gebildet. Alle wurden namentlich „überprüft“. Erhard Busek und Andreas Treichl mit uns in der Reihe. Mit einer halben Stunde Verspätung beginnt die „Feierstunde“. Bischof Krätzl „vertritt“ aufrecht den Bischofsstand. Küberl als Weggefährte ist da und bei meinem Gang in die letzte Reihe sitzt Prof. Paul Zulehner in der vorletzten Reihe. Ich freue mich auf Prof. Walter Kircheschläger, der über die Entkrümmung des Menschen aus dem biblischen Befund referieren wird. Ich bin mir nicht sicher und dann hole ich mein digitales Taschengerät heraus und lasse über Twitter meine Follower mitleben.

Via Twitter

„#Es braucht Widerstandskraft und ein weiches Herz“, höre ich gleich bei der Begrüßung. Dann kommt Prof. Kirchschläger und ich notiere mit meinen zwei Fingern am Display für die Follower mit: „#Der gekrümmte Mensch ist Signal diktatorischer Systeme. Gekrümmtheit ist der Verlust der Menschenwürde. #Keine Gesellschaft ist gefeit vor dem gekrümmten Rücken. Es gibt auch schleichende Krümmungen.“ Ich habe das Gefühl, als gingen die Finger viel zu langsam. Am liebst wäre es mir jetzt, wenn Twitter auch mit „Audio“ ginge. Prof. Kirchschläger kommt zum biblischen Befund: „#Der aufrechte Mensch ist das Ziel. Bibel: der entkrümmte Mensch. #Gott ist ein aufrichtender Gott und ein Gott der Befreiung. #Die Folgen der Verkrümmungen sind oft nicht bewusst. Jesus heilt auch das Unbewusste oder nicht Bewusste. #Aufrecht stehen und mit neuer Weite das Umfeld sehen ist Erlösung.  #Aufrichten und Entkrümmen als zentral. #Die Lehrtätigkeit Jesu mündet in Entkrümmung. #Jede Solidarität gilt jedem gekrümmten Menschen, Wesen. #Gehorsam gegenüber dem Heilswillen Gottes ist gefragt. #Wer ent-krümmt, lebt in der Spur Jesu.“ Kirchschläger führt die lange Tradition der Entkrümmung und Aufrichtung durch Gott selbst im ersten und zweiten Testament an. In dieser Tradition steht der Jubilar seit seiner Kindheit, wie sein Bruder Christian Schüller ausführt: „#Glauben ist weniger eine bestimmte Art zu denken, sondern eher zu handeln.“ Der aufrechte Gang und das konsequente Tun bringt vielleicht auch die Entkrümmung der Hirtenstäbe.

Die persönliche politische Sonde verwenden

BerufungDa werden wir in 14 Tagen zum Wehrdienst in Österreich gefragt. Bisher war es still. In den Medien war kaum etwas da, was die Dringlichkeit der Frage und die Notwendigkeit einer  Beantwortung unterstrichen hätte. Keine inhaltliche Auseinandersetzung war zu lesen, zu hören oder zu sehen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass „die Medien“ ein einziges Ziel verfolgt haben: Wann erwachen die Parteien? Wie können wir die parteipolitische Betrachtungsweise aufwecken? Eine Chance ist vertan. Da gibt es ein Thema, das man in keinster Weise parteipolitisch betrachten muss. Burgstaller und Industriellenvereinigung zeigen das vor. Sie scheren aus.

Die Chance der sachpolitischen Auseinandersetzung

Jeder Österreicher oder Österreicherin hat ihre oder seine Erfahrungen mit dem Bundesheer, dem Zivildienst oder der Untauglichkeit gemacht. Erzählungen und Geschichten ranken sich um diese Zeit. Tiefgreifende Erfahrungen lagern sich bei jungen Menschen ab. Lassen wir es offen, ob sie positiv oder negativ erlebt wurden, ob sie hilfreich für das Leben waren oder gar einer persönlichen Weiterentwicklung im Wege stehen. Wie ist Österreich heute bedroht und wie können wir uns da wehren. Wie gehen wir mit Katastrophen um? Hoffentlich partizipativ mit der betroffenen Bevölkerung. Wie bleibt das soziale Österreich sozial? Wer verdient am bisherigen System? Wer an der Alternative? In jedem Fall verbrauchen die Abfangjäger die Hälfte des zugeteilten Budgets. Weiters: Da stehen Ego-Karrieren gegen Gemeinwesen-Altruisten. Wie lernt der junge (aber genauso der frisch und muntere Pensionist) seine Verpflichtung gegenüber dem Gemeinsamen zu entwickeln. Verpflichtet oder freiwillig? Ich höre hier  mit der Aufzählung von Fragestellungen auf. Wenn die Parteipolitik draußen bliebe, dann könnte in Familien, Betrieben, Schulen, Vereinen, Stammtischen und Kirchen endlich ein erfahrungsorientierter Austausch beginnen und zu einer persönlichen Urteilsbildung führen. Jeder und jede könnte ihre und seine persönliche politische Sonde in sein oder ihr Entscheidungszentrum (Bauchgefühl, Argumentationswaage, Gedankenflow,…) absenken und das „Ja | Nein | ungültig“ heraufholen. Schwarm-Intelegenz könnte einmal erprobt werden. Das wäre mein Vorschlag. Es müsste keiner gewinnen oder verlieren. Es wird entschieden.