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New Orleans

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Es ist immer wieder spannend. Die ON sind ein Statement, ein Commitment, ein Zukunftsblick, eine Provokation, eine Suchbewegung, ein Nicht-Stehen-Bleiben-Wollen. Wer soll im Umfeld der Ordensgemeinschaften zu Wort kommen? Was ist Thema? Was soll Thema sein, um „weiterzukommen“? „Jung“ haben wir uns in der Redaktion an die Pinwand geschrieben. Die aktuelle Nummer ist da. Jung ist ganz wenig, wenn Menschen normalerweise an die Orden denken. „Wenn du alt werden willst, musst du ins Kloster gehen“, habe ich nicht nur einmal gehört. Und das Durchschnittsalter von Ordensfrauen ist hoch. Sehr hoch. Der Lebensstil der Einfachheit und des „ganzen Einsatzes“ dürfte hier eine Basis gelegt haben. Und doch: Der direkte Nachwuchs lässt warten. Es gibt junge Ordensleute, aber sie sind nicht viele. Gestern habe ich auf Facebook nach dem Sieg Islands gepostet: „#Island siegt: Klein mit Können und Leidenschaft ist weiter. Es braucht nicht unbedingt Viele.“ Das bin ich auch heute noch überzeugt. Es ist nicht die Frage der Zahl. Aber zurück zu den ON. Da sagt der nicht gerade kirchennahe Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier: Den Orden gehört die Zukunft. Er spricht in Zusammenhang mit dem Freiwilligen Ordensjahr von einem „heißen Angebot“. Warum? „Orden können dabei helfen, dass der Mensch in sich reinhört und versucht, seinen Ursprung zu finden.“ Den Ursprung finden? Wer hätte das nicht gerne. „Wir dürfen mutiger sein“ titelten wir das Interview mit Peter Rinderer. Er ist junger Salesianer: „Wenn ich auf Gleichaltrige schaue, merke ich, ich habe einen großen Freiraum.“ Für neun von zehn „Otto-Normalverbraucher“ nicht nachvollziehbar. „Freiraum“ und Orden passen nicht zusammen. Klischee und Vorurteil reichen einander die Hand. Schön langsam gelingt es uns, diesen Freiraum sichtbar zu machen. Nicht einfach, damit dem Single-Wesen eine besondere Facette gegeben wird. „gottverbunden“ und „freigespielt“ klingt in allem dahin, reichen einander die Hand, sind die beiden Füsse, auf denen jesuanisch geprägtes Leben geht. Wenn heute sichtbar wurde, dass Kirche wieder an Reputation und Vertrauen zugelegt hat, dann kann ich nur hoffen, dass es auf dieses Konto geht: Der Papst und die Kirche stehen für mehr Menschen für den Freiraum, der Menschen von Gott her gegeben ist, obwohl sie sich nur mehr geknechtet und „eingesperrt oder ausgesperrt“ fühlen. Das ist unsere Seite, unser Aufgabenfeld: die Ränder. Wenn Julia Herr von der SJÖ dann in einem Gastkommentar ausführt, dass junge Menschen ein Umfeld brauchen, die das Ernst-Nehmen atmet, die Selbstbestimmung in der Gruppe ermöglicht, dann sind wir dort angekommen, wohin wir uns alle sehnen: Anerkennung ohne Leistungserbringung, einen sinnvollen Beitrag leisten dürfen und dazugehören, zu einem Ganzen, zu einer Community. Und manchmal frage ich mich: Warum tun sich Menschen so schwer, das bei den Orden zu sehen und warum tun sich Orden so schwer, das vorbehaltlos zu vermitteln?

_900_010Die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen, trifft viele hart. Auch mich. Aber: Die Entscheidung ist genauso hart, wie sich auch die EU hart der Lernfähigkeit verschließt. Es gibt neben der Trauer und Wut über den Austritt oder dem Gejohle der Rechten noch einen Weg in die Zukunft. Es wird ein neuer Aufbruch sein müssen. Der Austritt hat bedrohlichen Charakter. Diese Bedrohung sollten die Bürokraten aber nicht zur Selbstverteidigung ihrer Pfründe nutzen, sondern zum Aufbruch hinein in die Zukunft. Bei vielen Gesprächen ist die EU als Friedensprojekt grundsätzlich nicht in Frage gestellt. Ich würde das aber heute so formulieren: „Nach der Brexit‬ Entscheidung der Briten heißt es, die ‪‎EU‬ neu denken und gestalten: Sozialer, respektvoller dem Kleinen gegenüber und lokaler in den Vollzügen. Weniger Standardisierungen und dafür die Vielfalt‬ neu auf Augenhöhe verknüpfen‬. Klar am Gemeinwohl und den Lebensräumen der Menschen orientiert und klar ökologisch‬ ausgerichtet.“ Persönlich überzeugt bin ich, dass das Studium und die Orientierung an der Enzyklika ‪#‎LaudatoSi‬ sehr viel helfen wird (können). PolitikerInnen aller Fraktionen mögen diese Signale zu einem Neuaufbruch hören: Nicht hinein in den Schrebergarten, sondern in eine neue EU der Vielfalt verknüpft auf Augenhöhe.

ErichKästner-1Ich weiß nicht genau, wie oft die Rede von Bundeskanzler Kern bei der Regenbogenparade in Wien in den Social Media schon geschaut wurde. Alleine geteilt wurde sie über 4.500 Mal. Weit über 100.000 haben sie live gehört. Die Rede besticht aus meiner Sicht durch eine spürbare Wertschätzung den Anwesenden gegenüber und dem Anstacheln eines „anderen“ Wir-Gefühls, das geprägt ist durch Toleranz und Vielfalt. Ihr seid Viele und zusammen seid ihr mehr. Da weiß einer, dass Solidarität mehr schafft als die Summe der anwesenden Köpfe. Damit nicht genug. Das Wir ist kein Wir gegen die anderen, kein ausgrenzendes Wir, sondern ein Wir der barrierefreien Inklusion und der Ausdruck von Vielfalt. Da sollten die FP-ler und viele VP-ler genau hinhören, die im Grunde durch ihr Agieren bei der Flüchtlingsfrage ein Wir entlang des Sündenbockmechanismus gestalten. Die anderen werden ausgegrenzt, gekürzt, damit Wir gut leben können, damit wir das schaffen. Eine Mehrheit hat nicht das Recht, über die Schwächeren drüberzufahren und über ihr Lebensrecht zu verfügen. Das widerspricht den Menschenrechten. Das widerspricht dem jesuanischen Kernaussagen und seiner Grundintention. Kern befragt mit diesen rhetorisch anziehend vorgetragenen Ansagen auch den Kern der Kirche, der Christinnen und Christen. Auf Twitter hat Sonja Ablinger Erich Kästner’s Gedicht zum Geburtstag Jesu zitiert. Und ich bin auch überzeugt: Die Kirche darf nicht bei ihrem Alten bleiben, sondern muss sich auf ihre Wurzeln, die in Jesus freigelegt liegen, besinnen. Das ist heute ihr pfingstlicher Beitrag zum Gelingen der Welt: Ein neues Miteinander, kein Wir gegen die anderen. Auch die Christinnen und Christen werden im Spätherbst bei der vorgezogenen Nationalratswahl gefordert sein, ihre Stimme für das „jesuanische Wir“ zu erheben. Kein Wir entlang des Sündenbockmechanismus und Vielfalt ist der Ausdruck Gottes.

_Kirchchlag_Assisi_2009_GerlindeFerdlWenn meine Mutter über die Zeit ihrer jungen Liebe in den frühen 50er-Jahren spricht, dann schwingt eine ganz große Enttäuschung der Kirche gegenüber mit: „Sie haben uns mit ihren Vorschriften, Verboten und Geboten die Jugend gestohlen.“ In dieser Zeit hat die Kirche sich die Macht herausgenommen und die Deutungshoheit über die Liebe bis ins kleinste Detail für jede Person zu 100% durchgesetzt. Angstmache war die Deutungsmaschinerie, die im Beichtstuhlkarussell gefestigt und abgefragt wurde. Immer wieder begegne ich Menschen, die bis heute der Idee der Kirche treu geblieben sind und trotzdem sich das heute absolut nicht mehr gefallen lassen wollen. Aber die Gefahr besteht ohnehin nicht mehr. Die Deutungshoheit über die Liebe und das Beziehungsleben hat die Kirche längst eingebüßt. Bischöfe wie Krenn und Laun haben das Ihre dazu beigetragen. So entstand in den Köpfen der Menschen die Fratze der geheuchelten und klerikal verbrämten Kirchenvorschrift. Mit großer öffentlicher Wucht haben sie authoritätslos alles verdammt, was nicht dem kirchlichen Moralgesetz entsprochen hat. Die Säkularisierung war der Teufel und die Auflösung aller Bindungen der Untergang. Dass die Menschen heute lernen, die Verantwortung selber zu übernehmen, dabei stolpern, anderen Deutungsmustern zum Opfer fallen oder die lebenslange Verbundenheit nicht sehen können, ist auch heute Bischöfen wie Küng äußerst suspekt. Alles wankt, die kirchlichen Parameter stehen in der Luft, die Fundament erodieren, die Sakramentalität geht gerade mit der Sonne unter. Die Liebe ist nicht  mehr die Liebe. Stimmt. Aber wie kommt mehr Liebe in die Welt? Die Hoffnungszeichen sehen.

Die Liebe wird regionalisiert

Die Bischöfe tagen gerade in Mariazell. „Amoris laetitia“ haben sie sich beim Studientag vorgenommen. Die Enzyklika des Papstes hat für viele vieles offen gelassen. Keinen Zweifel hat der Papst daran gelassen, dass wir als ChristInnen die Kernfrage in uns tragen müssen: Wie kommt mehr Liebe in die Welt, was kann ich dazu beitragen? Das braucht nicht Kasualien, Kleinkrämerei, Besserwisserei oder das Herunterpredigen auf die Menschen, sondern die tiefe gegenseitige Ermutigung, das demütige Vorangehen. Voraussetzung dafür ist die ungeschminkte Wahrnehmung. Das Hinschauen und vor allem noch davor: das Hinschauebiko1n-Wollen. Vielleicht finden die Bischöfe den Mut, dass sie sagen: 1. Wir möchten dich unterstützen und nicht kontrollieren im Wachstum deiner Liebesfähigkeit. 2. Ganz gleich, als wer und wie du deine Liebe lebst, du hast unsere ungeteilte Wertschätzung und Akzeptanz. 3. Unsere „kirchliche Ordnung“ werden wir ausschließlich in den Dienst des Wachstums der Liebesfähigkeit unserer Community stellen. 4. Wir bitten euch, helft auch uns Bischöfen, diese Liebesfähigkeit zu leben, neu zu entdecken. Kardinal Schönborn hat in den letzten Jahren einen wirklichen Schwenk oder Wandel durchgemacht. Seit Franziskus Papst in Rom ist, noch um einige Quanten mehr. Er ist – so wird immer wieder erzählt – ein Seelsorger. Darin findet er eine tiefe Beziehung zu Menschen. Das habe ich selber von einem verstorbenen Journalisten gehört. Die Gespräche mit Gery Kessler haben ihn dieser Tage zu Aussagen bewogen, die er früher so nicht gemacht hätte. Was sehe ich? Ein Bischof kehrt den Seelsorger an sich heraus und geht diesen Pfad angstfrei und mutig. Ich wünsche den österreichischen Bischöfen, dass sie die Gunst der Stunde nutzen und die Regionalisierung der Rahmenbedingungen und Kontexte der Liebe für uns in Österreich neu und offen aussprechen. Es geht heute nicht mehr um Deutungshoheit, sondern um das Entfachen der Liebe, der Liebesfähigkeit.

900_Unternberg 043900_Unternberg 00417 Stunden nach Ankunft inklusive gutem Schlaf beim Kirchenwirt in Unternberg im Lungau schau ich in den Rückspiegel. Nicht alles wird sichtbar, aber ein paar Perspektiven ergeben ein schönes Bild für einen „eingeladenen Fremden, den Weitgeher“. Anlass meines Besuches war die Bildungswoche des Salzburger Bildungswerkes in dem 1.000 Einwohner-Gemeinwesen Unternberg auf mehr als 1.000 Höhenmetern. „Die Seele geht“ war mein Vortrag unter dem spannenden Generalthema der ganzen Woche „weit denken – weit gehen. weiter denken – weiter gehen“.  Diana Sampl hat zusammen mit dem Bürgermeister Josef Wind eingeladen, „um Bewegung in den Ort, zu den Menschen zu bringen“. Die große Aula der neuen Volksschule, die im Rahmen der Bildungswoche eröffnet wird, war voll. Interessierte Gesichter blickten mich beim Vortrag an. Keine Schläfrigkeit. Hellwache Frauen und Männer. Tiefgehende Fragen nach meinem Input und den Erzählungen meiner Weitgeh-Erfahrungen. Es ist für mich selber jedes Mal ein Geschenk, anhand meiner Erfahrungen mit Menschen in Austausch zu kommen. Solche Abende waren mir noch nie anstrengend und noch kein Weg zu weit.

Kleine Erkundungstour
900_Unternberg 024Die frische Luft, das regelmäßige Plätschern des Regenwassers hat mich gut und tief schlafen lassen. Auch hier bin ich gesegnet: Ich kann mich überall hinlegen und der Schlaf findet mich recht unverzüglich. Die Kirchenglocken wecken mich um 6 Uhr. Das ist gut so. Bis zur Abfahrt mit dem Bus möchte ich noch kurz den Ort „erkunden“. Schon gestern hatte ich den Eindruck: Hier ist es gut. Aufstehen, zurechtmachen, Augen und Ohren auf und der kleine Rundgang kann beginnen. Eine originelle Kirche um 1978 als „Versammlungskirche um den Altar“ umgebaut. Öffentliche Gebäude schön, frisch und zum Teil neu. Unglaublich viel Holz wird verarbeitet. Fast 400 Arbeitsplätze in der Gemeinde. Das lässt mich staunen. „Der Tourismus ist zurückgegangen, aber die Betriebe sind gewachsen.“ Da ist sicher auch ein Stück „Wind“ drinnen. Der Bürgermeister. Und helle engagierte Köpfe, die selber anpacken und „gehen“ und nicht warten, „bis jemand etwas tut“.

Handverlesenes Handwerk

900_Unternberg 023900_Unternberg 014Die Leiterin des örtlichen Bildungswerkes Diana, die aus der Tür des „Bindermeisters Engelbert Sampl“ (so steht es über der Eingangstür) herauskommt, ruft mir ein „Guten Morgen“ zu. Sie muss zur Schule und doch führt sie mich zuerst zu ihrem Mann die die Werkstätte. Es riecht nach frischem Holz. Ich habe über Jahre selber ein wenig getischlert. Hier entstehen individuelle Gartenschaukeln, Blumenbottiche, Spielgeräte, Holz-„Hotpotts“ inklusive Holzöferl zum Eintauchen in warmes Wasser an kalten Tagen und zur Entspannung. Eine echte Werkstatt, wo mit Hand gearbeitet wird. Die Kunden von Engelbert kommen von Baden über Salzburg und Wels. Das Holz hat keinen längeren Transportweg als fünf Kilometer in die Werkstätte. Rundherum Wald – und auch Zirben. Ein vielgefragtes Holz. „In den 80-er-Jahren war keine Arbeit. Heute komme ich fast nicht nach.“ Ich ermutige Engelbert damit, dass ich meine Einschätzung mitteile, dass immer mehr Menschen „ursprüngliche Handarbeit schätzen werden“. Ein paar Fotos und ein Selfie müssen sein. Ich gehe weiter. „Glaswerksstätte Wieland“ ist mir gestern schon aufgefallen. Ein altes Gebäude fein kombiniert mit einem neuen Anbau. Es stellt sich heraus, dass der alte Gebäudeteil zu den ältesten Häusern des Dorfes gehört. Die Werkstätte des Kramsacher HTL-Absolventen und Sohnes Wieland zeigt sich hier. Ich darf durchgehen. „Das alte Lebensmittelgeschäft mussten wir aufgeben, weil in der Nähe die Supermärkte Käufer abgezogen haben“. Das weiß die Mutter. Sie steht in der integrierten Trafik und war gestern auch im Vortrag. Si erzählt mir, „was sie sich mitgenommen hat“. Ich sehe in diesem Haus Veränderungsbereitschaft und ein Engagement für die Glaskunst. 900_Unternberg 031900_Unternberg 034Der Vater nimmt ein Glas, schreibt „ferdinand“ drauf. Darunter schreibt er „Bildungswoche 2016 Unterberg“. Ich werde noch lange an sie alle denken. An die, die sich nicht unterkriegen lassen in der „globalisierten Welt“, weil ihr Handwerk Bodenständigkeit für diese Welt ist. Über Unternberg hinaus. Der Bus kommt. Es tut mir leid, dass ich fahre, weil es gerade hochinteressant wurde. Vielleicht kommt man ohnehin ein zweites Mal.

COOHEIM_EinlDa gibt es eine besondere Einladung, die im Raum steht. Ganz öffentlich ausgesprochen für jedermann und jederfrau, für Junge und schon etwas in die Jahre Gekommene. Es geht um die „2. Aufnahmewelle“ zum Wohnprojekt Ottensheim, das als „Cohousing-Projekt“ realisiert werden wird. Ich darf dort schon mitarbeiten, bin Mitglied im Verein COOHEIM und wir gehören vom Altersschnitt zum „älteren Segment“. Die Jüngste bisher ist 21 und die Älteste 73 Jahre. Der jeweilige Lebensstand ist recht unterschiedlich. Kinder sind nicht nur Thema, sondern in den Aktivitäten eine lebendige und wunderbare Realität. Also bunt durchmischt. So soll es weitergehen, wenn die 22 Wohneinheiten, die jetzt geplant sind, „angefüllt“ werden. Drei Wohneinheiten sollen eher dem „jüngeren Wohnen“ zur Verfügung stehen und drei dem eher „älteren Wohnen“ bis hin zur Möglichkeit der Pflege.COOHEIM_Gemwoe2 Es wird „sozial durchmischt“ und leistbar sein. Ökologische Parameter stehen ganz oben genauso wie neue Finanzierungsformen. Der Eigentumsbegriff ist nur in seiner sozialen Dimension zu verstehen.

Cohousing eine wesentliche Wohn- und Lebensform der Zukunft

„Überlegt ihr das ernsthaft?“, bin ich nicht erst einmal gefragt worden. Wir haben ein Reihenhaus mit einem kleinen Garten, mit Hochbeeten und einem kleinen Biotop, das unsere Kinder mit den Nachbarskindern zusammen“damals eigenhändig ausgebuttelt“ haben. Die serbische Fichte, die wir 1992 beim Übersiedeln von der Jugend der Dompfarre geschenkt bekommen haben, ist mittlerweile ein Vogelflughafen. COOHEIM_Gemwoe1Wir fühlen uns wohl hier, viele schöne Erinnerungen haben sich angesammelt. „Hier seid ihr doch verwurzelt. Ihr seid im Gemeinwesen, in der Pfarre, dem Sportverein so intensiv engagiert gewesen.“ Ich höre bei solchen Gesprächen immer sehr gerne zu. Ich argumentiere nicht. Für die meisten ist eine solche Lebenssituation die erstrebenswerte für das Alter. Das Einfamilienhaus als das Ziel. Schön, sage ich. Aber ist es das? Ich erlebe und sehe so viele Häuser, wo alte Ehepaare oder Alleinstehende wirklich alleine drinnen wohnen. Alle ausgeflogen. Wie bei uns. Die Kinder haben ihre eigenen Nester und das Haus selbst wäre für Generationenwohnen zu klein. Aber der wirkliche Grund liegt noch viel tiefer.

Gestaltete Beziehung lässt leben

Der Mensch ist ein soziales Wesen und Cohousing ist eine gute Form, „in einem aktiven und gestalteten größeren Beziehungsrahmen zu leben“. COOHEIM_PlenVom Ich zum Wir – heißt ein Buch von Christian Schüle. Cohousing ist das nach soziokratischen Regeln gestaltete WIR. Das zieht uns an. Nicht nur in der ehelichen Beziehung zu leben, sich nicht nur in der Zusammengehörigkeit als Familie beheimatet zu sehen, sondern sich aufzumachen, um in einem größeren Miteinander, dem „Cohousing-Wir“ zu leben, älter und alt zu werden. In den Biografie-Phasen spricht man heute vom „zweiten Aufbruch„. Auch das gemeinschaftlich konzipierte Leben der Orden war in den letzten vier Jahren immer auch ein Impuls in diese Richtung. „Glaubst du, dass ihr es damit besser habt?“, ist oft die Frage. Ich antworte meistens: „Es geht uns wirklich gut. Es wird vermutlich nur anders.“ Und das finde ich anziehend, macht mich neugierig. Vielleicht trifft diese Einladung einige hier im Alter  ab 50. Es ist eine COOHEIM_Exkursiongute Gelegenheit, das Leben noch einmal neu zu verorten, zu vernetzen, in einen lebendigen und vielfältigen Organismus zu stellen. Im Projekt ist Diversität das Ziel. Unterschiedlichste Lebensentwürfe sollen Platz haben. Das  sehe ich als Chance, Leben in seiner Vielfalt neu zu gestalten. Wir fassen das ernsthaft ins Auge. Mit dem einen oder anderen Blogeintrag möchte ich eine Teilhabe ermöglichen an dem Veränderungs- und Entscheidungsprozess. Commons, Gemeinwohl, solidarische Ökonomie, Nachhaltigkeit, Ökologie und #LaudatoSi stehen hier nicht zum ersten Mal. Und: „Alles steht im Prozess.“ Das mir so lieg gewordene Gehen ist aus meiner Sicht noch dazu ein hilfreiches Paradigma für ein solches Projekt. Als Lebenspilger sehe ich eine neue Wegstrecke vor uns, die dann eine Entscheidung braucht.
Mehr oder fast alles zum Projekt auf dieser Website.
Und: Die Einladung für MO 4. Juli 2016 um 20 Uhr nach Ottensheim ist ausgesprochen.

Dass ich gestürzt bin, hat sich mittlerweile „herumgesprochen“. Gips habe ich bisher immer bei anderen gesehen. Jetzt ziert er meinen linken Fuß. Wer das Knie mit einer bestimmten Wucht auf einen Stein setzt, der hat mit Folgen zu rechnen. So erging es mir. Stürzen, aufstehen, sich hinsetzen, sich innerlich richten und selber zurückgehen. Hilfe empfangen. Das Blut rinnt rot und viel. Das ist gut für die Wunde, habe ich als Kind gehört. Ich spüre: Ab jetzt geht es nicht so, wie ich es gewohnt bin, dass es geht, dass ich gehe. Seit ein paar Tagen bin ich eingegipst und das Bein versteift. Vieles ist damit unterbrochen. Wie kommt Neues ins Leben? An Engstellen und Unterbrechungen. Es braucht andere Zugänge. Hinsetzen ist – ganz gleich wo – nicht so einfach. Von A nach B auch nicht. Verlangsamung tritt ein. Die verordnete Langsamkeit als Vorgabe.

Es wird ein bisserl dauern

Ich bin zwar arbeitsmäßig viel mit „Ordensspitäler“ verknüpft. Das ist anders. Jetzt bin ich selber im Spital als Patient angedockt. In keinem Ordensspital, sondern dem Anlass entsprechend im „Unfall“ in Linz. Zuerst bei der Erstaufnahme. Drei Tage später in der Nachbehandlung. Und heute noch einmal. Drei Mal habe ich die Ansage gehört: „Nehmen Sie bitte Platz. A bisserl wird es schon dauern.“ Die Warteplätze sind heute zu 90 % besetzt. Natürlich kann ich mir ausmalen, dass es „a bisserl“ dauern wird. Noch dazu habe ich mein Büchlein „Glückliche Genügsamkeit“ daheim vergessen, in dem ich lesen wollte. Mit einem Gong-Geräusch werden die Namen am Bildschirm sichtbar. Die Namen sind für mich eine Ablenkung. Ich sehe sie als Litanei derer, die auf Heilung hoffen. Manche hoffen, nur ganz wenige Gesichter haben den „Anspruch“ im Gesicht. Es ist vorwiegend Gelassenheit, die ich spüre. „Da heißt es, sich in Geduld üben.“ Eine Frau neben mir spricht den Punkt an: Geduld. Wahrscheinlich strahle ich sie noch nicht aus. Und ich spüre: Das ist gerade mein Learning in diesen Tagen. Geduld. Ich durfte heute lange üben. Klar geworden ist mir wieder einmal, was ohnehin klar ist. Geduld kommt nicht einfach daher. Geduld wächst von innen heraus. Da braucht es das Atmen. Bewusst und gelassen. Das macht bei mir einen gelassenen Blick auf das, was um mich ist. Ich sehe, ich spüre, wie Menschen „Erleichterung“ suchen. Und ich denke an Menschen auf der Weltkugel, die kein solches Spital aufsuchen können, weil es keines gibt, sie keinen Zugang haben. Das macht still und dankbar. Ich bin da. Ich sehe ein Schauen, manchmal sogar ein lächelndes Schauen. „Können sie mir bitte hier schnell auf meine Sachen aufpassen?“ So bittet die ältere Frau, die vor mir da war. „Natürlich.“ Achtsamkeit kommt dazu. Atmen, schauen, achten, lächeln. Ich werde ruhiger, obwohl es immer länger dauert. Noch bevor ich aufgerufen werde, hat die Intensiv-Lektion „Geduld“ ergeben: Geduld erobert mich nicht. Sie wächst in mir.

 

ddd900Es geht um jede Stimme. Wenn heute in dieser Stunde die Briefwähler ausgezählt werden, dann schwingt eine „große Erwartung“ mit. So oder so. 50,0:50,0 gab es bei einer Wahl noch nie. Gleichstand. Es wird einen neuen Bundespräsidenten geben. HOF oder VDB. So werden die Bewerber in den Medien abgekürzt. Wie bei den Fussballspielen. „Elfmeterschießen“ haben einige Medien schon getitelt. Der Konkurrenz- und Meisterschafts-Modus ist allgegenwärtig. Er stachelt an. Dieser Modus lässt laufen. Gefühlten zehn Hofer-Plakaten ist ein VDB-Plakat gegenübergestanden. Gerade am Land, wo ich in der Südsteiermark, im Mühlviertel und in Kärnten mit eigenen Augen fast nur mehr „Hofer“ gesehen habe, wurde jede freie Fläche genutzt. Den Medien wurde die Zeit schon lange. Oft haben sie nicht mehr gewusst, welches Format sie noch erfinden müssen, „damit sie die Kontrahenten möglichst originell aufeinander loslassen können“. Da tut ein Armin Wolf mit seinen Fragen in der ZIB2 einfach gut. Da atmet Sachpolitik und nicht Show oder Entertainment. „Ich schaue mir das alles nicht mehr an.“ Das habe ich oft gehört in letzter Zeit. Mir war auch leid um die Zeit, weil meine Entscheidung längst fest stand und durch Briefwahl auch frühzeitig abgegeben war. Gespräche führte ich überall. Und immer wieder. Face to face taugt mir da.

Das offene Gespräch und die Brücken

eee900Mit einem Freund habe ich dieser Tage länger diskutiert. „Die EU führt Europa in den Staaten alle nach rechts.“ Das sagt er schon seit langer Zeit. Man mag es nicht glauben, dass es so ist. Und doch spüren wir, wie wir alle „entmündigt“ werden durch Vorschriften und Regelungen. Milliarden werden verschoben und das alles nutzen die, die oben sind.  Die verschiedenen „Freiheiten“ nutzen die Starken und nutzt den Starken, den Großen. Der Neoliberalismus in dieser kapitalistischen Ausprägung vernichtet gerade die Vielfalt, das Kleine, die Nähe, das „natürliche Empfinden“. So beginnen sich die Menschen „als Opfer“ zu definieren, sich zu sehen, sich zu erleben. Genau diese Stimmung schürt die FPÖ: „Wir sind Opfer.“ In dieser Opferhaltung wird alles erklärt. Rene Girard hat mit der Mimesis- und Sündenbocktheorie zwei „Erklärungen“ für diese Vorgänge geliefert. In der Auseinandersetzung werden sich „Opfer, Kontrahenten“ immer ähnlicher. Der Opferkreislauf ist kaum zu stoppen. Und für den „Zusammenhalt“ braucht es in Ermangelung einer „inneren moralischen Stärke“ einen Sündenbock. Der Opfer-Modus schwächt. Ich fühle mich zwar stark, bin aber schwach. Für eine „Population“ ist es schlimm, wenn der Opfer-Modus stark wird. „Da ist es nicht mehr weit zum Führer, zum Hero“. Die Kraft der Gestaltung, der Resilienz, des Zusammenhaltes, der gegenseitigen Hilfe soll „ganz unten und breit angesiedelt sein“. Wer das alles nur von oben erwartet, hat bereits verloren oder ist den „Führenden“ ausgeliefert. Und der Sündenbock funktioniert umso besser, je weiter weg er ist. Landgemeinden haben viel mehr HOF gewählt als Städte, wo die Flüchtlinge untergebracht sind. Wenn heute abends die Entscheidung bekannt gegeben wird, dann sind Nähe, Gespräche und Brücken die Kern-Paradigmen. So oder so.