Kaineder News

ddd900Es geht um jede Stimme. Wenn heute in dieser Stunde die Briefwähler ausgezählt werden, dann schwingt eine „große Erwartung“ mit. So oder so. 50,0:50,0 gab es bei einer Wahl noch nie. Gleichstand. Es wird einen neuen Bundespräsidenten geben. HOF oder VDB. So werden die Bewerber in den Medien abgekürzt. Wie bei den Fussballspielen. „Elfmeterschießen“ haben einige Medien schon getitelt. Der Konkurrenz- und Meisterschafts-Modus ist allgegenwärtig. Er stachelt an. Dieser Modus lässt laufen. Gefühlten zehn Hofer-Plakaten ist ein VDB-Plakat gegenübergestanden. Gerade am Land, wo ich in der Südsteiermark, im Mühlviertel und in Kärnten mit eigenen Augen fast nur mehr „Hofer“ gesehen habe, wurde jede freie Fläche genutzt. Den Medien wurde die Zeit schon lange. Oft haben sie nicht mehr gewusst, welches Format sie noch erfinden müssen, „damit sie die Kontrahenten möglichst originell aufeinander loslassen können“. Da tut ein Armin Wolf mit seinen Fragen in der ZIB2 einfach gut. Da atmet Sachpolitik und nicht Show oder Entertainment. „Ich schaue mir das alles nicht mehr an.“ Das habe ich oft gehört in letzter Zeit. Mir war auch leid um die Zeit, weil meine Entscheidung längst fest stand und durch Briefwahl auch frühzeitig abgegeben war. Gespräche führte ich überall. Und immer wieder. Face to face taugt mir da.

Das offene Gespräch und die Brücken

eee900Mit einem Freund habe ich dieser Tage länger diskutiert. „Die EU führt Europa in den Staaten alle nach rechts.“ Das sagt er schon seit langer Zeit. Man mag es nicht glauben, dass es so ist. Und doch spüren wir, wie wir alle „entmündigt“ werden durch Vorschriften und Regelungen. Milliarden werden verschoben und das alles nutzen die, die oben sind.  Die verschiedenen „Freiheiten“ nutzen die Starken und nutzt den Starken, den Großen. Der Neoliberalismus in dieser kapitalistischen Ausprägung vernichtet gerade die Vielfalt, das Kleine, die Nähe, das „natürliche Empfinden“. So beginnen sich die Menschen „als Opfer“ zu definieren, sich zu sehen, sich zu erleben. Genau diese Stimmung schürt die FPÖ: „Wir sind Opfer.“ In dieser Opferhaltung wird alles erklärt. Rene Girard hat mit der Mimesis- und Sündenbocktheorie zwei „Erklärungen“ für diese Vorgänge geliefert. In der Auseinandersetzung werden sich „Opfer, Kontrahenten“ immer ähnlicher. Der Opferkreislauf ist kaum zu stoppen. Und für den „Zusammenhalt“ braucht es in Ermangelung einer „inneren moralischen Stärke“ einen Sündenbock. Der Opfer-Modus schwächt. Ich fühle mich zwar stark, bin aber schwach. Für eine „Population“ ist es schlimm, wenn der Opfer-Modus stark wird. „Da ist es nicht mehr weit zum Führer, zum Hero“. Die Kraft der Gestaltung, der Resilienz, des Zusammenhaltes, der gegenseitigen Hilfe soll „ganz unten und breit angesiedelt sein“. Wer das alles nur von oben erwartet, hat bereits verloren oder ist den „Führenden“ ausgeliefert. Und der Sündenbock funktioniert umso besser, je weiter weg er ist. Landgemeinden haben viel mehr HOF gewählt als Städte, wo die Flüchtlinge untergebracht sind. Wenn heute abends die Entscheidung bekannt gegeben wird, dann sind Nähe, Gespräche und Brücken die Kern-Paradigmen. So oder so.

 

_ke1Übergänge bieten die Chance, von einer anderen Perspektive auf den Sachverhalt zu schauen. Die Sozialdemokratie in Österreich und in Europa steckt in der Krise. Jetzt schauen alle auf den Christian Kern und sehen dort die Lösung. Grundsätzlich ist es gut, über die neue Person Kern auf den Kern der Sozialdemokratie zu schauen. Gerald Oberansmayr schreibt im Solidarwerkstatt-Brief einen Gedanken und Wahrnehmung unter dem Titel „Der blinde Fleck“ nieder, der oder die vieles verstehen lässt: „Hinsichtlich des wohl zwingendsten Grundes existiert jedoch ein blinder Fleck. Dieser Grund kann in einem simplen Satz zusammengefasst werden: In EU-Europa kann keine sozialdemokratische Politik gemacht werden. Die gesamte EU-Konstruktion – also die EU-Primärverträge und Institutionen – laufen darauf hinaus, sozialdemokratische Politik, die diesen Namen verdient, zu verhindern. Die EU verpflichtet in ihren Grundlagenverträgen alle Mitgliedsstaaten zu einer „offenen Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb“ und zum „Abbau aller Handels- und Investitionshemmnisse“ in der Weltwirtschaft. Und kaum etwas ist derart in politischen Zement gegossen wie die EU-Primärverträge. Sie können nur verändert werden, wenn in allen 28 EU-Staaten gleichzeitig eine Verfassungsmehrheit dafür zustande kommt. Schon in einem einzigen Staat so etwas zu erreichen, ist für soziale Bewegungen von unten äußerst schwierig. Schwierig hoch 28 ist aber faktisch unmöglich.“ Ich halte fest: Wir brauchen ein Europa, aber ein soziales Europa.

Wenn Kern diesen Kern der EU-Primärverträge hinterfragt und „Andersorte“ ermöglicht

Gerald Oberansmayr nimmt weiter den  Staatsrechtler Andreas Fishan von der Universität Bielefeld in den Mund: “Die konstitutionellen Grundlagen der Europäischen Union schotten diese gegen eine sozialreformatorische Politik ab, lassen eine Umstellung in Richtung einer solidarischen Ökonomie nicht zu, weil diese mit den normativen Vorgaben des europäischen Primärrechts nicht übereinstimmt.Die programmatischen Festlegungen des europäischen Primärrechts sind so eng, dass sie Politik nur in einer ganz besonderen, nämlich neoliberalen Weise zulassen“. Diese Analyse stammt aus dem Jahr 2008. Die Entwicklungen seither haben sie mehr als bestätigt. Auf Grundlage dieser EU-Verträge konnten die Machteliten sogar das völlige Scheitern des Neoliberalismus in der tiefen Wirtschaftskrise seit 2008 in eine „Radikalisierung des Neoliberalimus“ wenden, um den „Sozialstaat zu einem Auslaufmodell “ zu machen (EZB-Chef Mario Draghi). „Die SPÖ hat bei dieser „Radikalisierung des Neoliberalismus“ noch fleißig assistiert, indem gemeinsam mit der ÖVP sie z.B. den EU-Fiskalpakt durch den Nationalrat gewunken hat, der die gewählten Parlamente in der Budgetpolitik weitgehend entmündigt.“ Der Ökonom Stephan Schulmeister: „Mit dem EU-Fiskalpakt haben christ- und sozialdemokratische Politiker ihre Selbstentmündigung rechtlich abgesichert.“

Andersorte schaffen und den Menschen davon „erzählen“

In meiner Keynote am Donnerstag bei PfinXten werde ich unter anderem behaupten: „Die Botschaft kommt vom Kontext.“ Wer sich – wie die SPÖ – den gegenläufigen Kontext nicht bewusst macht bzw ihn nicht anspricht, wird weiter verlieren. „Sozial-demokratisch“ ist der Kern. Diesen muss Christian Kern wieder entdecken, mit allen oft unangenehmen Konsequenzen im eigenen Estabilishment. „Ökologisch-sozial-spirituell“ ist das Ziel von Papst Franziskus in seinem Werk #LaudatoSi. Auch bei ihm sieht man täglich, wie er Wege und Sichtweisen aufzeigt, von einem „technokratischen Menschen- und Gesellschaftsbild“ in das „ökologisch-sozial-spirituelle Weltverständnis“ zu kommen. Und der Papst sagt uns ganz klar: „Das Neue kommt am Rand.“ Er sieht genau dort jene „Andersorte“, die der Welt zeigen sollen, worum es tatsächlich geht: Um Werte, die die Menschenwürde ausdrücken. Um Sinn und Rituale, die den Menschen auf das Ganze inklusive seiner spirituellen Dimension öffnen. Und um Solidarität, den grenzenlosen Zusammenhalt über die eigene Sippe hinaus. Das schmeckt so wie in der SPÖ auch in der Kirche manchen „Würdenträgern“ nicht, weil sie an der „Macht des Mammons“ hängen. Auch hier ist der Vortrag von Sr. Martha Zechmeister hilfreich, für ChristInnen und SozialdemokratInnen und ebenso als tiefe Erinnerung für die „Christlichen in der Politik“. Unser Generalsekretär bei den Ordensgemeinschaften Österreich P. Franz Helm wurde am Pfingssonntag den ZIB1-SeherInnen nach der ZIB1 als „Kämpfer und Ermutiger gegen alle Entrechtung“ vorgestellt. Wenn heute Christian Kern angelobt wird, dann wünsche ich ihm, dass er diese „Fäden einer neuen Solidarität“, diese „Andersorte im Sinne des Gemeinwohls für alle“ aufgreift und den „Mammon-Gebilden und Mammon-Erklärungen absagt“. In Zusammenhang mit den Flüchtlingen hat der für mich als ÖBB-Vielnutzer gezeit: Geht doch! Vielleicht schafft er neue Solidaritäten. Dass er von Reinhold Mitterlehner schon als „hervorragender Manager“ gelobt wird, lässt wieder Zweifel aufkommen. Aber wie heißt es so schön: Der Zweifel ist der kleine Bruder des Glaubens, der Hoffnung.

 

_IMG_9033Pfingsten ist im Gange. Pfingsten ereignet sich. Pfingsten hat für mich mit verbindender Lebenskraft zu tun. Und heute durfte ich etwas spüren von dem, was Pfingsten ist, sein kann. Und das ging so. Frau Ulrike Köhler, die geistliche Leiterin des ökumenischen Klosters Volkenroda in Thüringen, wo ich 2012 nach 26 Tagen zu Fuß von Kirchschlag aus mein Ziel gefunden habe, ist mit ihrem Mann und dem gerade frisch in die Gemeinschaft eingetretenen Ehepaar mit dem Fahrrad als „Fahrradpilgerin“ am Donauradweg unterwegs. Immer wieder erzähle ich von meinen mehrfachen Erfahrungen im Kloster Volkenroda. Und wir haben uns vereinbart, dass sie das „Pfingstamt“ im Stift Wilhering besuchen werden. Mit dem Fahrrad sind sie schon um 7.30 Uhr von Innzell aufgebrochen und um 10 Uhr „mit eingezogen“. Die Musik beim Gottesdienst war überwältigend. Wer die Rokkoko-Kirche kennt, kann das himmlische Gefühl erahnen. Schönheit ist eine Seite Gottes, die auch der Mensch nie vergessen soll. Er ist das Ebenbild Gottes. Dieser Gottesdienst war erhebend.

Die Predigt hat geöffnet

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Dienender Abt

Abt Reinhold Dessl hat gepredigt. Gedanken, die mich durchatmen lassen. „Empfangt den Heiligen Geist.“ Das hat er mit dem Anhauchen einer erstarrten Biene verglichen. Gott haucht Leben ein. Adam und Eva. Menschen, denen der Atem wegbleibt, denen es die Kehle zuschnürt. Jemand ist „angehaucht“ von einer Idee. Und Abt Reinhold zu uns allen: „So ähnlich brauchen auch wir die Anhauchung Jesu, die eine Heilung, Ermutigung und Aufrichtung ist“. Es liegt klare, reine Luft im Kirchenraum. Vielleicht auch gereinigt durch diese wunderbare Musik Haydn`s. „Feuer und Flamme sein“ und „für etwas brennen“. Das drängt hinaus. Wie die Bienen weit weg fliegen, um Honig zu sammeln. Abt Reinhold verweist auf den Papst, der immer wieder Mut macht, hinauszugehen. Wie geht raus? – ist aus meiner Sicht die zentrale Frage für viele katholische, kirchliche Milieus. Zu viel Stallgeruch. „Wir sollen den Aufbruch wagen.“ Und der Abt meint auch, dass das Gespräch über Diakoninnen selbstverständlich sein soll. „Dafür ist es höchste Zeit.“ Sprühender Geist ist uns zugesagt. _IMG_9035Der soll nicht eingesperrt oder eingeengt werden.  Deshalb legt Abt Reinhold in seiner Predigt noch den dritten Gedanken dazu: „Der Geist Gottes schafft Verbindung über alle Grenzen.“ Das Wunder des Verstehens wurde möglich. „Wie sehr bräuchten wir dieses Wunder heute.“ Und dann der biblische Gedanke, dass Gottes Geist Flügel verleiht, beflügelt, manches Schwere „erhebt“. Amen. So sei es. Im Credo gehen diese Gedanken bei der Musik weiter. Und am Ende des Gottesdienstes dann die Begegnung. Da stehen wir vor der Kirche, der Abt, die evangelisch-ökumenischen Radpilger, der Leiter der Musik Kurt Azesberger, Gerlinde und ich. Wir spüren: Wir sind ganz tief verbunden, haben den Hauch des Lebens gespürt, beseelt von einem Brücken bauenden Geist. Wir sind zum Essen eingeladen und der Abt selber bedient uns. Danke und „irgendwie so geht Pfingsten“. Denke ich mir. In jedem Fall werde ich bei PfinXten davon erzählen.

 

Heute ist wieder so ein Tag, wo ein tiefes Aufatmen, ein Durchatmen auf Zukunft hin möglich ist. Schon seit Tagen gehen Frauen Richtung Rom, um dort der Rolle der Frauen einen größeren Stellenwert, eine Wertschätzung in der Gleichwertigkeit zu den Männern zu verleihen. „Für eine Kirche mit* den Frauen“ steht über diesem Pilgern, Gehen, Weg-Suchen in Regen und Sonne. Natürlich wäre ich da gerne dabei – nach dem Klimapilger als „Frauenpilger“, als Pilger für und mit den Anliegen der Frauen.

Papst zeigt den Schlüssel

Über 900 Oberinnen aus der ganzen Welt waren heute bei Papst Franziskus bei der Generalaudienz. Dort hat der Papst selber den Schlüssel herausgeholt, um die Tür zum Diakonat für Frauen, mit Frauen aufzusperren. Seit Johannes Paul II wurden jene desavouiert, die diesen Schlüssel gesucht, gefordert haben. „Herr Magister, die Tür ist ein für alle Mal geschlossen. Es gibt nie und nimmer eine Weihe für Frauen.“ So hat vor Jahren Bischof Ludwig Schwarz auf mich eingeredet, weil ich dem Bischof vorgeschlagen habe: „Aber denken wir doch 500 Jahre weiter.“ „Nein, ein für alle Mal.“ Na dann. So erlebe ich gerade heute eine gewisse Genugtuung und noch viel mehr Notwendigkeit, die Frauen zu Diakoninnen zu weihen. Wer macht die diakonalen Aufgaben? Wer pflegt? Wer geht an den Rand? Wer richtet auf? Es sind oftmals die Frauen und diesen Frauen wird das Weiheamt dafür verwehrt. Das wird sich ändern – ändern müssen, will die Kirche nicht in die selbstverliebte Bedeutungslosigkeit versinken. Sr. Katharina Ganz hat beim Jubiläum in Innsbruck ganz klare Worte gefunden. Und dann hat Sr. Martha Zechmeister das alles noch auf den Punkt gebracht. „Menschlich leben – so wie Jesus“ war ihr Vortrag. Es sind vor allem Frauen, die diese Wege an den Rand gehen bis tief hinein in die Diakonie, ohne Ansehen und Wertschätzung. Einfach um der Menschen willen. Und diese Frauen sollten die Weihe empfangen. Eher heute als morgen.

Basilika_Dreh_2013Das läutet das Telefon. Die Kathpress ist am anderen Ende der Leitung. Der 8. Mai ist Mediensonntag und ich wurde angefragt, wie sich die Dinge bei den Orden „medienmäßig“ entwickeln. Mittlerweile sind es schon wieder fast vier Jahre (seit Juni 2012), dass ich in Wien arbeite und dort das Medienbüro aufgebaut habe. Und wie es so ist, fallen einem da schon verschiedene Dinge ein, die aus Theorie kommen aber vor allem aus Praxis und Erfahrung stammen. So wurde ich schließlich zusammengefasst:

„Die neuen Möglichkeiten des Internets werden von den katholischen Orden immer mehr als wichtiges Einsatzgebiet erkannt: „In den jüngsten Jahren verzeichnen die Gemeinschaften eine große Steigerung der Internet- und Social Media-Präsenz. Immer mehr Orden haben eigene PR-Verantwortliche und werden sich bewusst, dass ein Zugehen auf jüngere Gesellschaftsgruppen nicht um Facebook und Co herum kann“, schilderte Ferdinand Kaineder, der Leiter des Medienbüros der Ordensgemeinschaften, im Interview.

„Orden haben der Gesellschaft viel anzubieten – ob bei Spiritualität, Sozialem, Gesundheit, Bildung oder Kultur „, so das Credo des Kommunikationsexperten, der selbst auf sämtlichen Internet-Plattformen präsent ist. Die wichtigste Vermittlungsarbeit würden die 105 Frauen- und 87 Männerorden des Landes weiter in persönlichen Begegnungen leisten, und viele von ihnen führen weiterhin eigene Zeitschriften für lang aufgebaute Kontakte. „Die Nachfrage nach Social Media-Kursen und Beratung in den Gemeinschaften ist gestiegen“, berichtete Kaineder.

Längst seien es mehr als nur eine Handvoll Ordensleute, die in den neuen Formen von Öffentlichkeit zu Hause sind. Die Franziskaner etwa sind mit Videoclips im Internet auf Mission, die Kongregation der Helferinnen oder die Dominikaner über Facebook, und die Zahl bloggender Patres und Schwestern steigt, zählte Kaineder einige Beispiele auf. Das hier zur Verfügung gestellte Wissen und die Erfahrungen aus dem Ordensalltag seien „sehr wertvoll“, so die Beurteilung des Medienexperten. Ein eigenes Medienzentrum hat indes unlängst das Stift Heiligenkreuz gestartet.

Das 2012 gestartete Medienbüro mit Sitz an der Wiener Freyung unterstützt und vernetzt bei Medienfragen, hilft „Themen in den öffentlichen Diskurs einfließen zu lassen und deren Anschlussfähigkeit aufzuzeigen“, so Kaineder. Dabei gelte es auch das Grundproblem zu überwinden, dass Orden auf Nachhaltigkeit, Langfristigkeit und auch Langsamkeit ausgerichtet sind – nicht aber die Logik der Medien. „Es wäre nicht sinnvoll, wenn alle Ordensleute ein rasantes Tempo leben. Mit dem Medienbüro versuchen wir, bei wichtigen Themen dennoch schnell zu sein“, erläuterte der Fachmann.

Im Medienbüro verfolge man den Grundsatz „online first“, mit der Homepage www.ordensgemeinschaften.at und den Web-2.0-Kanälen als zentralem Werkzeug. An Journalisten richten sich Aussendungen, Pressekonferenzen, Foto-Service, Medientage und -empfänge, darüber hinaus wird eine ganze Palette von externen und auch internen Kommunikationskanälen bespielt. Zu den Printformaten zählen hier das zweimonatlich erscheinende Ordensmagazin „ON“, Mini-Erklärbücher zu bestimmten Aspekten und der Jahresbericht „Summa“, der sich an Interne und Entscheidungsträger wendet. Interne Informationsblätter, periodische Aussendungen nach Themen und eigene Newsletter komplettieren das Angebot.

Dass es innerhalb der Ordensgemeinschaften viele unterschiedliche oder konträre Themensetzungen, Gewichtungen und Positionen zu Kirche und Gesellschaft gibt, sieht Kaineder mehr als „großen Reichtum“ denn als Problem: „Hier gilt es, unhierarchisch auf gute Weise mit den Meinungen umzugehen, die Gesellschaft eben ausmachen, und die Vielfalt zu schätzen.“ Wichtig sei dennoch eine „Abstimmung“ zumindest der gewählten Vertretungen und der Experten untereinander: Erst so sei bei Schwerpunktthemen wie Flüchtlinge, Klima, Nachhaltigkeit, Gemeinschaftsleben oder Wirtschaft der gemeinsame Fokus möglich.“

Die letzten Tage waren intensiv. Sehr intensiv. Aber vorweg: Unglaublich nährend und aufbauend. Die Vereinigung der Frauenorden Österreichs hat in Innsbruck das 50-Jahr-Jubiläum gefeiert. Ich durfte mithelfen, mit beraten, mit tragen und auch in vollen Zügen mit genießen. Wir kennen die Zahlen der Frauenorden. Sinkend bis dramatisch sinkend. Sr. Martha Zechmeister aus San Salvador hat mit ihrem Festvortrag die mehr als 300 Ordensfrauen und Gäste aus meiner Sicht sowohl in die Tiefe als auch an den Rand geführt. Zukunft liegt nicht im Zentrum, sondern die neuen Lebensfelder entwickeln sich gerade am Rand, oft in Not, Armut, Ausgrenzung und dem „Überflüssig-Sein“ (Ilia Trojanov). Langer Applaus. Jemand aus der #Ordenskirche mit hautnaher praktischer Erfahrung in dieser ungerechten Welt hat diese tiefe Sehnsucht, den Kern der Berufung und die Lebensaufgabe für ChristInnen und Ordensleute herausgekehrt, vorangestellt. Hier kann der Vortrag nachgelesen werden. Und dann dieses kleine Detail am Festtag.

Die Jungen treten auf

1500_20160430-DSC_0859_full4Unser Fotograf Reinhold Sigl hat ein wunderbares Bild gemacht, das mehr ausdrückt als im ersten Moment dem Auge entgegenkommt. Fünf junge Ordensfrauen sind auf den Fotografen zugegangen mit der mentalen Einstellung „Die starken 4%“. Ja, 4% der Ordensfrauen sind unter 40 Jahre. Diese fünf Frauen sind ein Teil der 147 Ordensfrauen, denen 1992 Schwestern über 75 Jahre gegenüber stehen. In diesem Fall gehen. Und das ist zukunftsträchtig. Bewegung, Bewusstsein und Tun. Die Gesellschaft denkt zwar dauernd in Zahlen, in großen und größten Zahlen, aber es kommt auf die Qualität, das Bewusstsein, das Tun an. Ich gebe es zu: Dieses Bewusstsein dieser Ordensfrauen mit der Bereitschaft, sich zu bewegen und etwas zu bewegen, kann ein neuer Aufbruch in die Zukunft sein. Auf Facebook wird das Foto schon geteilt. Wie hat Martha Zechmeister gesagt: „Christliche Mystik ist immer eine Mystik des Weges. Eben: Jesus nachfolgen. Unser Gehen ist ein Pilgern, ein Gehen mit Gefährtinnen. Wer in der Hoffnung geht, lebt heute schon sein Morgen mit den Entrechteten und Marginalisierten. Mensch-Sein, Christ-Sein, Ordensfrau sein bedeutet, nicht aufzuhören, gegen alle totbringenden Mächte anzuhoffen und anzulieben.“ Hier sind die Fünf von den starken 4% unterwegs. Das gibt Hoffnung, Mut und strahlt sicherlich aus.

So ist das manchmal, wenn ich mit Öffis fahre. Bevor es nach Innsbruck zum großen Jubiläum der Frauenorden geht, treffe ich mich mit einem iranischen Flüchtling, der zum christlichen Glauben konvertieren wird. Ein Jahr lang wird er sich vorbereiten und ich werde ihm dabei Pate sein. Wir sehen einander zum ersten Mal und wir haben sofort ein gutes Gespräch. Ich bewundere, wie schnell ein Mensch innerhalb von fünf Monaten so gut deutsch sprechen und schreiben kann. Wir finden gut zueinander und tauschen Basics aus. Religion ist gar nicht das Thema. Sein Vorhaben hat uns über einen Freund zusammengeführt. Heute für kurze Zeit. Das wird sich ändern. Wir wollen und werden mehr Zeit miteinander verbringen. Der Bus fährt weg und ich haste hinaus. Der Buschauffeur sieht mich noch rennen, bleibt extra stehen und nimmt mich noch auf. Es geht nach Innsbruck.

Gesprächige Busfahrtop

Beim Umsteigen in der Glasau schaue ich den Schneeflocken zu. Sie tanzen mir auf der Nase herum und hüllen die Landschaft in ein grün gefärbtes Weiß. Zwei Frauen reden mich an der Bushaltestelle an. Thema: der Schnee. Wir steigen ein. Der Bus ist fast voll. Ich setze mich zu einem Mann, den ich von früher kenne. Er ist in Pension. Das Gespräch bleibt anfangs an der Oberfläche bis zu dem Augenblick, wo er mich fragt: Glaubst du, dass man Religion lernen kann? Ich erzähle ihm von meinem Gespräch vorhin mit meinem „Flüchtlingsfreund“, den ich getroffen habe und der sich ein Jahr lang auf die Taufe und Firmung vorbereitet. Er „wechselt“ die Religion. „Darf ich an diesem Gespräch teilnehmen“, sagt eine Frau eine Reihe vor mir am Fenster sitzend. Sie tauscht ihren Platz und wir drei bilden über den Mittelgang hinweg eine „Gesprächsinsel“. Wo zwei oder drei. Wie kommt ein Mensch dazu, seine Religion zu wechseln? Ist es nicht immer derselbe Gott, den wir verehren? Bringt Religion mehr Gewalt oder Versöhnung in diese Welt? Es ist ganz gleich, welche Religion wir haben. Die Religion bei uns hier ist der „Kapitalismus“, das Geld, die Ökonomie. Gerade diese rein ökonomische Sichtweise braucht eine Aufklärung. Bis hierher habe ich zugehört. Diese Aussagen kamen nicht von mir, sondern von meinen Gesprächspartnern. Natürlich konnte ich nicht anders, als die „Latte“, über die alles springen muss, zu benennen: Wie kommt mehr Liebe in die Welt und wie können wir die Welt durch unser ganz konkretes Tun ein Stück weit besser machen. Die ersten Busgäste steigen aus, bringen unser Gespräch durcheinander. Eine junge Frau hinter mir sagt: Danke, das war sehr interessant, was ihr da gesprochen habt. So sind sie manchmal, die Busfahrten.

Diese Beobachtung wird mir noch länger „in den Sinn kommen“. Ich war gestern mit der U6 unterwegs Richtung Kardinal König Haus. 25 Leitungsverantwortliche von Ordensgemeinschaften in Österreich, der Schweiz und Deutschland haben einen Tag „Medien-Workshop“ im Zuge ihres zweijährigen Leitungslehrganges. Ich durfte den Workshop gestalten. Da ging es nicht nur um das Was und Wie der Medien, sondern auch um das Why. Die Kernfrage der heutigen Zeit. Warum? Diesen Kern sollten aus meiner Sicht alle Bereiche der Gesellschaft viel stärker stellen: Why? Warum? Eben. In manchen Bereichen darf diese Frage gar nicht auf den Tisch kommen. Sie ist zu lästig, zu tief. Die U6 fährt in die Längenfeldgasse ein und ich steige dort in die U4 nach Hietzing um. Normalerweise ist das einfach ein Hinübergehen am Bahnsteig und die Fahrt geht weiter. U6 un U4 treffen dort punktgenau zusammen. Es fühlt sich dann an, als wäre man gar nicht umgestiegen. Heute ist das anders. Wir warten.

Warum zählt das Urbane so viel?

Warten ist immer eine gute Gelegenheit, die Augen aufzumachen. Nicht für das Smartphone, sondern für die Welt, das Rundherum. Gegenüber am Bahnsteig geht ein junger Vater mit seinem Kind. Es ist etwa so alt wie unser Enkerl, etwa 1 1/2 Jahre. Das Kind (ich weiß nicht, ob Mädchen oder Bub) hat bei seinem Vater viel Freiheit.  Es darf selber gehen. Es darf entdecken. Schauen. Angreifen. Es fährt mit der Hand der Eisenbank entlang. Die Säule wir angetastet. Beton. Der Vater hat Geduld. Schaut zu. Das tut dem Kind gut, selber die Welt zu entdecken. Das lerne ich ja auch von unserem Enkerl, wenn wir im Wald unterwegs sind. Das Schauen, Angreifen, Tasten, Probieren, Hinfallen, selber Aufstehen, Langsamkeit, still stehen. Die U4 lässt auf sich warten. Aber es gibt ja was zu sehen, zu schauen, für mich, für einen Opa. Das Kind dreht wieder um, sucht den Kontakt zum Vater. Er ist da. Die Entdeckungsreise geht weiter. Jetzt ist der Mistkübel dran. Die Hand fährt hinein. Noch zu wenig drinnen. Da, am Boden. Papier. Dieses bedruckte Papier (landläufig Gratiszeitung genannt) liegt oft massenweise herum. Das Kind bückt sich, nimmt es in die Hand, fährt zum Mund. Die U4 fährt ein und verstellt mir den Blick. Urbaner Schmutz vom Asphalt aufgehoben. Wie wird er dem Kind „schmecken“? Die U6 auf der anderen Seite fährt auch ein und ich kann nicht einmal den Vater beobachten, was er macht. Geduld? Doch „schmutzig“ sagen? Mit der Hand in die Hand greifen? Wir fahren ab. Richtung Leitungslehrgang. Warum – why – wollen alle Menschen in die Stadt? Weltweit. Im Dahinfahren kommen mir die Bilder, wie ich nach Assisi durch Städte gegangen bin und erlebt habe: Die Stadt raubt die meisten Kräfte, der Asphalt. Die 97-jährige Frau Molterer fällt mir ein, die zu den Firmlingen gemeint hat. „Ihr Stadtkinder habt es viel schwerer, weil ich nur Asphalt unter den Füssen habt.“ Das Kind geht mir nicht aus dem Sinn. Fast möchte ich hinüberrufen: Geh nicht in die Stadt.
(Es gibt dazu kein Bild, weil ich nur geschaut habe.)