Ich verstehe, ihr habt das letzte Brot gegeben

IMG_5287Es gibt Tage, die furchen sich ein. Persönliche Ereignisse wir Hochzeit, Geburt oder Sterben. Dann sind da öffentliche Ereignisse wie Mauerfall, Hochwasser, ein Sieg, der Lawinenabgang. Und heute: die Obergrenze.  Unsere Präsidentin Sr. Beatrix Mayrhofer hat mir jenen Abschnitt aus dem „multireligiösen Kalender“ vom heutigen Tag geschickt, den sie dort notiert hat. 20. Jänner 2016. Das Schulzentrum Friesgasse hat sie selber über Jahre als multikulturelles und multireligiöses katholisches Biotop „entwickelt“. Dort ist das verwirklicht, wird gelebt, was unsere Gesellschaft so bitter braucht: ein neues Miteinander der Kulturen, der fast 40 Sprachen und 22 Testimonien. Den ersten Teil aus Mt. 25 kennen wir. Dass sich dazu aber heute Jesus selber zu Wort meldet, ist doch etwas außergewöhnlich. Lesen sie:

„Jesus hat es gesagt und Matthäus hat es geschrieben im fünfundzwanzigsten Kapitel:
Ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben.
Ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben.
Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen.
Ich war nackt, und ihr habt mir Kleidung gegeben.
Ich war krank, und ihr habt mich besucht.
Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.

Und Jesus sagt: Ich verstehe,
ihr habt mir euer letztes Brot schon gegeben, jetzt verhungere ich im libanesischen Lager.
ihr habt mir den letzten Schluck Wasser gegeben. Jetzt verdurste ich in der Wüste.
Ihr habt schon alle Fremden aufgenommen, jetzt ist kein Platz mehr im Zelt.
Euer letztes Hemd habt ihr hergegeben. Sind wir jetzt beide nackt?
Die Kranken habt ihr schon alle versorgt. Kein Bett ist mehr frei.
Für die Verfolgten und Gefangenen habt ihr schon demonstriert.
Davon weiß ich nur nichts in der Folterkammer, sechs Stockwerke unter der Erde.
Und sollte ich der Folter entkommen,
dann gilt:
ihr habt euer letztes Brot schon gegeben…“

Wenn Marke die Kirche anschaut

1_450_IMG_6221Manche Dinge brauchen Zeit. Sie wollen sickern. Schaffen Nachdenklichkeit. Gehen in Gedanken neben dem Alltag her wie eine Katze, die nicht aus den Sichtfeld verschwindet. So geht es mir mit den Gedanken und Ausführungen eines Freundes, der sich mit Marke und Identität „beschäftigt“. Franz Hirschmugl aus Graz war einer der Keynotes bei der Pastoraltagung #ÖPT16  in Salzburg: Was Kirche von Marke lernen kann? Der gesamte Vortrag ist sicherlich bald auf der im vorigen Jahrtausend entworfenen Website www.pastoral.at zu finden. Diese „Katze“ kommt mir deshalb wieder mehr in den Sinn, weil der Tag der Amtsübernahme von Bischof Manfred Scheuer in Linz näher rückt. Wo geht die Kirche, wo die Diözese Linz hin und wo die Pfarren, die seelsorglichen Einheiten? Der gesellschaftliche und kirchliche Umbruch ist täglich spürbar. Die Veränderung ist nicht mehr vor der Haustür, sondern steht im Vorzimmer. Ohne Anläuten hat die Veränderung die Wohnung, den Wohnraum, das Privateste des Menschen betreten. Selbst in der Kirche ist es so. Die „Umwälzungen“ sind in der Sakristei angekommen, auch wenn sie dort teilweise noch nicht „gesehen, erkannt“ werden. Das Alte hält Stellung und spürt, dass ihr der Boden entzogen wird, das Fundament erodiert. Gehen wir linear weiter, wackeln wir in die prognostizierte Bedeutungslosigkeit.

Das Heute stellt dem Menschen Fragen

3_450_IMG_6210In letzter Zeit wird mir persönlich immer klarer, dass die allseits ersehnte und politisch-medial angebetete „Sicherheit“ nicht einfach auf einem Sockel aus Beton steht, sondern vor allem in der Fähigkeit, neue Verknüpfungen einzugehen, Synapsen zu bilden. Identität und Heimat kommt aus einem Netz von Verbindungen, Beziehungen, in denen wir leben und einander tragen, manchmal ertragen. Das verlangt aber nicht Stillstand, sondern Bewegung, Movement. Das ist für das Christentum fundamental, konstitutiv. Jesus ist herumgezogen, hat Begegnung gesucht, angestiftet. Er war „Vagabund seiner und in seiner Zeit“, hat das Aggiornamento mit der Zeit gesucht und gefunden. Er hat Erstarrungen, Fundamentalismen schwer in Frage gestellt, kritisiert, mit ihnen gestritten. Es hat ihm das Leben gekostet, weil er aus der spirituellen Geöffnetheit auf seinen Vater, seine Mutter im Himmel hin für die Machthaber zu „fluid“ geworden ist. Sein Leben hat sich angefühlt wie ein einziger Aufstand gegen das Erstarrte, das Geschlossene, das Elitäre, dem Mammon. Dieser Jesus stellt sein Leben, sein Tun und seine Fragen in das Heute. Und dieses Heute stellt selbst die Fragen an den Menschen, hier und jetzt.

Der Blick von Außen

Hirschmugl bringt bei der Versammlung seine Wahrnehmung von Außen auf die Leinwand. Er fragt zuerst, was man an uns schätzt? „Heimat und Haltegriff für viele Menschen. Orientierung im Jahreskreis. Konkrete Hilfe und Tröstungen in vielerlei Hinsicht. Identität des Landes lange geprägt. Bildungsträger über lange Zeit.“ Das ist gut so. Darüber können wir froh sein. Ich sage bewusst dazu, dass das nicht einfach Sache der Profis, des Klerus ist, sondern Aufgabe der Getauften, der Frauen und Männer, der jesuanisch geprägten Communities wie Orden oder „Pfarrgemeinschaften“. Dann stellen sich aber Stolpersteine, unnötige Lasten, die alles beschweren. Hirschmugl fragt die Versammelten: Was können wir besser machen? „2.000 Jahre Tradition und deshalb sehr viel Asche. Daraus resultierende überaltete Rituale, Symbole und Sprache. Ein ziemlich unnachgiebiges Regelwerk. Ausgrenzung, wo man hinblickt, zum Beispiel durch…. Umgang mit der größten Minderheit in unserer Gesellschaft.“ Ausgrenzen bezieht er beispielhaft auf Wiederverheiratet-Geschiedene und Umgang auf Frauen. Gerade in der Frage der Geschlechter werden aus der Asche Absperrungen für Frauen errichtet. Die Frauen werden in der Kirche verbal gewürdigt. Die Körpersprache der Liturgie spricht aber eine Männersprache. Das werden wir vermutlich auch bei der Amtseinführung des Bischofs sehen. Im Fernsehen wird uns Männerkirche übertragen. Der Altar in Männerhand. Ich sehe das jetzt von Außen. Das ist die Außenwahrnehmung. Und was ist Marke? „Marke ist das, was Menschen in einem Raum über mich sagen, wenn ich nicht da bin.“ Ich vermute: Es bleibt viel zu tun. Gerade auch für den neuen Bischof. Soweit ich ihn kenne, vertraue ich: Er wird richtige Impulse in die richtige Richtung setzen. Dafür ist jetzt die richtige Zeit.

Der Mensch wird Assistent

999_IMG_6149Wer heute die Presse aufschlägt, wird in irgendeiner Form dieser Meldung begegnen: „Zuckerbergs Ziel: Künstliche Intelligenz fürs Zuhause„. Dort heißt es: Der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg will sein Zuhause mithilfe künstlicher Intelligenz steuern. Er habe sich für dieses Jahr vorgenommen, einen digitalen Assistenten zu programmieren. Er denke an etwas ähnliches wie der Computer Jarvis von „Iron Man“ Tony Stark, der in den Filmen immer zu Diensten war.

Wer dient hier wem?

Ich erinnere mich noch genau, wie David Bosshart beim Ordenstag 2014 recht nüchtern etwa so gemeint hat: „Jede Innovation hat als Motivation die Bequemlichkeit.“ Der Mensch will es bequemer haben. Er lässt sich die Schuhe machen, damit er nicht selber dabei stehen muss. Und verlernt das Schuhe-Machen. Er lässt sich vorkochen, damit er die Fertiggerichte nur mehr in die Micro schieben muss. Und verlernt das Kochen. Er lässt sich bald ein selbstfahrendes Auto kommen, damit er dort während der Fahrt in den Fernseher, das Computerspiel schauen kann. Und verlernt das Gehen und Radfahren. Es soll alles möglichst bequem sein. Füsse in die Höhe und und das Leben fließt herein. Meist aus einem viereckigen Schirm. Und: Lenkt mich dann bitte nicht ab. Auch das Neugeborene dieses angeblich so großen Mannes dieser Erdkugel muss sich über diesen neuen Assistenten melden: „Der Computer solle ihm auch Bescheid geben, wenn er im Zimmer seiner neu geborenen Tochter vorbeischauen sollte.“ Beziehung und Begegnung nicht mehr durch Nähe, durch Akustik, durch Intuition, sondern durch digitale Verbindung. Wahrnehmung durch Kameras und Mikrofone: „Ich werde ihm beibringen, Freunde nach einem Blick auf ihre Gesichter hereinzulassen, wenn sie an der Tür klingeln.“ Das kennen wir da und dort schon bei den ganz Reichen und Abgehobenen in den „Reichenviertel der Beziehungslosigkeiten“. Vielleicht bin ich rückständig. Aber ich will selber hören, sehen, riechen, schmecken und entscheiden. Papst Franziskus beschreibt in #LaudatoSi ein „Transeamus“, ein Hinübergehen vom technokratischen Menschenbild zum ökologisch-spirituellen Weltbild mit einfühlsamer Menschenbeteiligung. Dort ist alles mit allem in Verbindung. Aber sicher meint er nicht die hunderprozentige technisch-digitale Vernetzung des Menschen. Er meint die empathische, liebende, wärmende haptische und analoge Begegnung. Er meint die Achtsamkeit, die ich spüre und nicht über einen Bildschirm angezeigt bekomme. Dazu: Wer der Bequemlichkeit immer mehr Platz gibt, verliert den Schlüssel zum Leben. Er oder sie ist schon zum Assistenten der „unterhaltenden und steuernden Gerätschaft“ geworden. Der Mensch als Assistent in den gesteuerten Systemen. Ein Beispiel: Der Lift bringt dich bequem nach oben und du saust toll nach unten. Das habe ich jahrelang gemacht. Seit ich auf Schiern den Berg hinaufgehe, kann ich die Abfahrt ganz anders genießen. Und eine wohltuende Müdigkeit erfasst mich, die keine „digitale Ablenkung“ mehr braucht.

 

 

Arbeitet überhaupt jemand daran?

oövvEs ist schon spät in diesem Jahr. Der Blick in den Jahres-Rückspiegel lässt einige Meilensteine aufscheinen und ein für mich ungelöstes Problem – nennen wir es heute-kompatibler „Herausforderung“ – aufblitzen. Wenn ich in etwa einer Stunde in den Bus vom Bergdorf Kirchschlag nach Linz steige, weise ich meine neue Jahreskarte für 2016 vor. Ich bin ja ein wenig stolz darauf, dass ich fast nur mehr mit Chauffeur unterwegs bin. Dafür habe ich drei Jahreskarten. Die ÖBB-Jahreskarte für ganz Österreich begleitet mich eben Österreich weit. Für die Wiener Linien bezahle ich für alle Fahrten (U-Bahn, Zug, Straßenbahn und Bus) 365.- EUR im Jahr.  Für die OÖVV-Jahreskarte von Kirchschlag nach Linz (ca. 16 km) musste ich 518.- EUR überweisen. Sollte ich einmal Lust nach Straßenbahn oder Bus in Linz haben, dann kostet das extra. Dass Mobilität etwas kostet, ist mir sonnenklar. Die besondere Herausforderung liegt im immer noch lebendigen Versäumnis, den öffentlichen Verkehr userfreundlich zu verknüpfen und preislich attraktiver zu gestalten. Vor der Wahl wurde versprochen, dass es auch eine OÖVV-Jahreskarte für Oberösterreich geben soll. „Es wird nicht einfach“, war der Grundtenor der Verantwortlichen. Aber heute frage ich wieder einmal: Arbeitet überhaupt jemand daran?

In einem Zug

1_IMG_6066Wenn ich meine Enkerl in Ottensheim besuche, dann stellt sich das folgendermaßen dar: Komme ich vom Bergdorf, gilt in der ersten Phase die OÖVV-Karte und von Urfahr weg die ÖBB-Card. Den Fußweg dazwischen erkläre ich als sportliche Aktivität, sonst müsste ich für die Straßenbahn extra bezahlen. Komme ich von Wien, muss ich entweder die Straßenbahn nach Urfahr extra bezahlen. Meine OÖVV-Karte gilt da nicht, obwohl der Bus parallel fährt. Oder ich kaufe mir extra ein Busticket nach Ottensheim. Auch da gilt mein Einsatz von 518.- EUR nichts. Und da würde ich gerne „in einem Zug“ ins westliche Mühlviertel fahren. Nicht mit dem Auto. Für Außenstehende: Das alles ist zentraler Zentralraum von Oberösterreich, Linz. Jetzt haben die Öffis mit mir Glück, weil mir als Klimapilger noch klarer geworden ist, dass Öffi-Fahren die einzige Alternative zum Gehen ist. Ich werde nicht in das Auto umsteigen. Aber viele haben das getan. Eine strikte und zukunftsorientierte Vereinfachung in der Nutzung des Öffi-Verkehrs braucht Priorität +++AAA. Aber nochmals die Frage an alle (politisch) Verantwortlichen: Arbeitet überhaupt jemand daran?

Wenn Grenzen zu Brücken werden

9IMG_5931Es war heute mein letzter „Wien-Tag“ in diesem Arbeitsjahr. Gestern haben wir das Büro übersiedelt. Als Medienbüro sind wir in einen anderen Raum zusammengezogen. Das finde ich gut, miteinander und nebeneinander, aufeinander abgestimmt und im Hinhören und Austauschen die Dinge zu entwickeln. Da kommen die positiven Gefühle des gemeinsamen Beginns im Kommunikationsbüro in Linz auf. So wird das Büro „Begegnungsraum“ oder „Suchraum“, natürlich auch „Lernraum“ und hoffentlich genügend „Wertschätzungsraum“. Wir sind ausgezogen, haben einen neuen Platz zugewiesen bekommen und sind eingezogen. Das ist einfach. Wenn ich allerdings heute in die Welt schaue, gibt es zu viele Menschen, die ausziehen müssen und noch nichts zum Einziehen haben. Da liegen Grenzen und Hürden am Weg, mittlerweile auch Zäune und abweisende Gesichter. Wir stehen täglich in der Entscheidung, wie sich unser Christsein „bewährt“, bewahrheitet, wie sich unsere Humanität zeigt. Schon gestern abends habe ich das Interview mit Navid Kermani im Publik-Forum gelesen. Wunderbare Gedanken eines Muslim in Richtung Christinnen und Christen. Sechs Seiten Seelennahrung.

Die Liebe überwindet Grenzen

IMG_5941Heute auf der Zugfahrt von Wien ins Bergdorf habe ich aus dem Interview den Weihnachtswunsch auf der Website der Ordensgemeinschaften geschrieben. Das Interview und dieses Zitat wird mein heuriges Weihnachten bereichern. „Das, was mich über Jahre hinweg für das Christentum eingenommen hat, waren die Begegnungen mit einzelnen Menschen, darunter viele, die ihr Leben ganz der Nachfolge Christi geweiht haben. Was ich da als christlich wahrgenommen habe – und was übrigens auch innerhalb des Islam als christlich wahrgenommen wird -, ist das, was man mit „Feindesliebe“ umschreiben kann. Sie meint nicht in einem naiven Sinne den Schlächtern den Hals hinzuhalten, sondern eine Liebe, die über das eigene Lager hinausgeht. Eine Liebe, die in der Lage ist, die dogmatischen, aber auch politischen Grenzen zu überwinden, wie es dem blossen Verstand nicht gelänge: dass man bei allen Differenzen im Gegenüber den Menschen, ja den Geliebten sieht. Das ist natürlich nicht etwas rein Christliches, aber durch die Figur Jesus gewissermaßen christlich konnotiert. Das beginnt schon bei der Botschaft der Engel zu seiner Geburt: Friede auf Erden.“  Das ganze Interview ist leider nicht online.

Mut und Kühnheit

IMG_5933Karmani spricht auch über die mangelnde Achtsamkeit in der Kirche – von uns gegenüber uns selbst und unserer spirituellen Schätze. Ein „Fremder“ macht mich so wunderbar aufmerksam, was wir an Jesus, diesem Kind in der Krippe, geschenkt bekommen haben. Siehe oben. Im Zugabteil kommen wir ins Gespräch. Das Interview habe ich einige Male kopiert und so gebe ich es dem Mitreisenden mit auf die Reise. Er hat nur kurz gelesen und gemeint: „Das klingt interessant.“ Ich: „Das ist es auch.“ Und genau deshalb ist mein Wunsch ein zweifacher:
1. Dass diese grenzenlose Liebe Gottes Mensch geworden ist, feiern wir in diesen Tagen und genau das erfüllt mich auf der einen Seite mit Dankbarkeit und auf der anderen mit Mut, ja Kühnheit, Grenzen als Brücken zu sehen.
2. Mögen die Menschen heute spüren und erleben, dass Gott uns im Kleinen, in der Stille, im Draußen und in der helfenden Hand begegnet.
Wir können einander helfen beim Öffnen für das Licht, das uns in Jesus aufstrahlt und zur grenzenlosen Liebe führt.

Einladung zum Weitgehen auf irischen Pilgerwegen

Von SA 20. bis DI 30. August 2016 ist mein Kalender blockiert. „Weltanschauen in Irland“ steht über diese Tage. „Weitwandern auf irischen Pilgerwegen“ steht auf der Website von „Weltanschauen“. Meine Frau Gerlinde und ich waren 2014 mit einer Gruppe dort unterwegs. Eine wunderbare Erfahrung, die wir ein zweites Mal zugänglich machen wollen. Nachdem wir im Vorjahr im Osten, die der Slowakei am Barbaraweg unterwegs waren, zieht es uns wieder Richtung Westen. Das Programm ist nicht identisch. Die Erfahrungen werden andere sein: andere Menschen, anderes Wetter, andere Reiseroute, andere Schwerpunkte. Die Zeitschrift „Welt der Frau“ lädt ein und der Einladung gefolgt sind immer auch Männer. Ein bewegtes Miteinander.

Irische Ursprünglichkeiten am Weg

Und so stellen wir uns das vor. Auf der Website ist zu lesen: „Die Anreise erfolgt mit dem Zug über Brüssel und London. Nach einer Nacht im pulsierenden London geht es weiter nach Holyhead und mit der Fähre nach Irland. Wir besichtigen die beeindruckenden Ruinen von Glen­dalough, das auf eine Mönchsklause des Hl. Kevin zurückgeht und sich im 12. Jahrhundert zu einer Klosterstadt mit 7 Kirchen entwickelte und wandern in den landschaftlich wunderschönen Wicklow Mountains. Auch der Hauptstadt Dublin statten wir einen Besuch ab. Danach geht es weiter nach Tralee, wo als Einstieg in die irische Kultur eine Vorführung des bekannten irischen Volkstheaters Siamsa Tíre mit Musik und Tanz angeboten wird. Am nächsten Tag beginnt die Weitwanderung in Ventry auf dem Cosán na Naomh auf der Halbinsel Dingle ganz im Westen der grünen Insel. Unser Gepäck tragen wir als richtige Pilger während der ganzen Wanderung selber. Auch das ist ein Teil des Pilgerns und ermöglicht wesentliche Erfahrungen.
Cosán na Naomh ist ein mystischer Name für einen der schönsten alten Pilgerwege in Irland. Der Cosán na Naomh beginnt in Ventry am Sandstrand Cuan Fionntra, wo in früheren Zeiten viele Pilger per Boot ankamen und sich dann auf den Weg zum Gipfel des Mount Brandon machten. Er endet am Gipfel des Mount Brandon, unsere Wanderung führt dann auf der anderen Seite dieses Berges nach Cloghane und entlang der atemberaubend schönen Küste auf dem Dingle Way zurück nach Dingle. Die PilgerInnen tragen ihr Gepäck unterwegs selber und werden in fünf Wandertagen rund 110 km zurücklegen. Übernachtet wird während der Wandertage in einfachen Herbergen und in den Städten in guten Hotels. Zum Abschluss wartet noch ein weiterer Höhepunkt, der Besuch der mystischen Klosteranlage Clonmacnoise am Ufer des Shannon, bevor es von Dublin mit dem Flugzeug zurück nach Wien geht.“

Das Programm im Detail

Das Smartphone ist de facto immer dabei

IMG_5873Ursula Mauritz hat nachgefragt, wie ich mit dem Smartphone umgehe. Schon vor längerer Zeit habe ich ihr kurz meine Erfahrung geschildert. Heute schaue ich mir als Smartphone-Nutzer aus der Stadt Gottes entgegen und werde von mir gefragt: Ist es wirklich so, wie du da schreibst?

Das scharfe Küchenmesser

So habe ich es Anfang Oktober formuliert: „Das Smartphone ist de facto immer dabei. Außer: Am Esstisch, in der Kirche, im Schlafzimmer. Beruflich ist es mein Hauptwerkzeug zusammen mit dem Laptop. Es ist wunderbar, dass ich fast überall (siehe Netzzugang) meiner Arbeit nachgehen kann. Ich lese Emails, schaue Websites, mache Fotos, drehe Videos, bin mit WhatsApp mit Familie und Freunden verbunden, poste auf Facebook und twittere mit. Auf der anderen Seite fällt es schwer, abzuschalten, Distanz zu halten, nicht im zähen Einerlei von Arbeit, Freizeit, Familienleben zu ertrinken. Das Smartphone ist ein scharfes Küchenmesser. Es kommt auf die Handhabung an. Gelernt habe ich, dass ich kein Telefonat abhebe, wenn ich in einem persönlichen Gespräch oder in einer Besprechung bin. Ich schalte über Nacht bewusst auf Flugmodus. In der Wohnung hat das Handy einen Platz, von wo ich es nicht überall höre und sehe. Wenn ich in der Natur unterwegs bin, ist alles ausgeschaltet außer der Fotoapparat. Wie bei allem im Leben: Nicht das WAS, sondern das MASS. Und gesellschaftlich entwickelt sich die digitale Welt aus meiner Sicht mehr zum Fluch denn zu Segen. Es bleibt: Nichts geht über ein persönliches Gespräch, persönliche Begegnung. Das wärmt das Herz wirklich.
Jetzt stelle ich fest: Der Abstand zum Gerät wird immer größer. Das finde ich gut so. Beruhigend.

#COP21: Weniger als zwei Grad

Magura in Rumänien

Magura in Rumänien

Die Unterschriften sind gesetzt. Der Text ist da. 195 Staaten bekennen sich zum Kampf gegen die Erderwärmung und Ziel ist ein Temperaturanstieg um weniger als zwei Grad. Als wir zu unserem Klimapilgern von Wien nach Salzburg aufgebrochen sind, haben wir 1,5 Grad mitgetragen und einige haben gemeint: „Glaubst du wirklich, dass das etwas bringt?“ Die Frage wischt man nicht einfach so weg. In einer durchökonomisierten und technokratisch verstandenen Zeit steht immer eine einzige Frage ganz zentral im Raum: Was bringt es? Ist der Preis nicht viel höher als der Profit? Im Laufe der letzten Tage hat mich deshalb eine Aussage über Twitter ziemlich angerührt: Beim Weltklimagipfel #COP21 geht es gar nicht um Ökologie, sondern um den Ausgleich der ökonomischen Interessen. Viele Argumente, die wir von China bis in die USA gehört haben, gingen in diese Richtung: Es wird sich rechnen. Deshalb stimmen wir zu. Es wird ein Geschäftsmodell und damit Arbeitsplätze bringen. Die Weltkugel war der runde oder besser abgerundete Tisch der Ökonomie.

In die Tiefe hinein verstanden?

rum2Manchmal denke ich mir, dass viele der Verantwortlichen und Staatenlenker den tiefen Kern des behutsamen und achtsamen Umganges mit dieser Welt, den Menschen, mit unserer Mitwelt, wie es Papst Franziskus in #LaudatoSi bezeichnet, nicht verstanden haben. Sie bleiben an Äußerlichkeiten hängen, die sie in den Vertragsverhandlungen hin und herschieben. Das tun sie fast ausschließlich unter dem Aspekt des Eigennutzens. Ich war ja nicht dabei, aber medial wurden Sätze dieser Art nie in den Vordergrund gerückt: „Die Welt und Erde gehört sich selber. Wie sind hier Gäste und nicht Ausbeuter, Tyrannen.  Die Welt wird ihren Weg gehen. Die Frage bleibt, ob sie den Menschen behalten will. Nicht wir gestalten Welt, sondern die tiefe Weisheit der Ökologie der Erde soll unsere Weisheit werden. Es kommt auf jeden und jede an.“ Aber: Auch wenn die tiefe innere ökologische Spiritualität nicht wirklich zur Sprache gekommen ist, so haben doch alle 195 Staaten zumindest verstanden, dass Klimaerwärmung und Klimagerechtigkeit keine Fiktionen sind, sondern Realität, die uns zum Handeln führen müssen. Das technokratisch ausbeuterische Zugehen auf die Welt bringt uns um unsere Lebensgrundlagen. Beispiel China und die Luftverschmutzung. Wenn ich dann die verschiedenen Kommentare und Einschätzungen lese, denke ich manchmal: Das Klimapilgern hat „gewirkt“. Anders als vieles heute läuft: Nicht äußerlich, sondern in der tiefen spirituellen Verbindung von innen her hat Respekt und die Achtsamkeit der Welt und dem Menschen gegenüber gefördert. Ein klein wenig. Und jetzt ist es festgeschrieben. Gott sei Dank. Und wir gehen weiter. Tag für Tag in neuer Achtsamkeit, dem Menschen und der Welt gegenüber. Es ist also kein Aufatmen, sondern ein Durchatmen zum Weitergehen.